Reparatur Wega R3141-2

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Trafo
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 24. Sep 2006, 00:24
Hallo HiFi-Freunde,

wahrscheinlich geht es den meisten hier im Forum ähnlich wie mir. Das vermeintliche Schnäppchen aus der Bucht entpuppt sich als taube Nuß oder der geliebte HiFi-Klassiker stellt den Betrieb ein.

Nun ist guter Rat teuer. Die Reparatur in der Fachwerkstatt (sofern man überhaupt eine findet, die für HiFi-Klassiker einen Kostenvoranschlag macht) übersteigt meist den Wert des Gerätes.

Schaut man dann mal in die Elektronik, verschlägt es einem vor lauter Bauelementen die Sprache oder man entdeckt diverse Reparaturversuche der Vorbesitzer. Wo soll man nun anfangen? Die Sicherungen prüfen und die "üblichen Verdächtigen" (Elkos) ersetzen? Wenn es das nicht war, kommt der Frust und das HiFi-Forum wird befragt. Klappt das mal nicht, wandert der HiFi-Klassiker oft in den Keller oder wird als defekt weiterverkauft.

Genau so ging es mir mit dem Receiver Wega R3141-2 von 1977. Angeblich "funktionsfähig" und für 12 EUR recht preiswert. Aber nach ca. 15 Minuten fiel die Musik aus und kam nach ein paar Sekunden wieder. Das wiederholte sich dann in unregelmäßigen Abständen. Klar: Wackelkontakt oder kalte Lötstelle. Gerät geöffnet und fast einen Schock bekommen. Der Vorbesitzer hatte fast 100 Lötpunkte (schlecht) nachgelötet. Eine gewisse Systematik war erkennbar: alle Potis, diverse Transistoren und alle Kontakte des Quellenwahlschalters. Dann habe ich alles nochmal (sauber) nachgelötet. Ohne Erfolg.

Nach 2 Monaten habe ich weiter probiert und mal das Stereodekoder-IC getauscht. Das Auslöten der 16 Pins war anstrengend, brachte aber auch keinen Erfolg.

Als der Frust wieder etwas abflaute, habe ich alle Elkos im Signalweg von der Antenne bis zum Stereodekoder getauscht. Irgendwie wurden dann die kurzzeitigen Ausfälle weniger. Aber die Lösung hatte ich immer noch nicht. Dann habe ich den Wega in die Ecke gestellt.

Letzte Woche (ein paar Monate nach dem letzten Reparaturversuch) habe ich endlich den Fehler gefunden. Im nachhinein betrachtet, war das was ich zuvor gemacht habe ein "hilfloses Herumstochern im Nebel". Ziel- und planlos. Dabei hätte ein bißchen Nachdenken ausgereicht, um den Fehler gezielt zu suchen und zu beseitigen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Was haltet Ihr davon, über Reparaturen von HiFi-Klassikern hier im Forum in "standardisierter Form" zu berichten, für jeden nachvollziehbar? Das entscheidende ist dabei die Systematik bei der Fehlersuche. Mit Grundkenntnissen aus dem Physikunterricht und einem Multimeter kann man evtl. auch den Fehler beim eigenen HiFi-Gerät beseitigen.

Den Thread könnte man z.B. "Reparatur Name Typ" (in diesem Fall: "Reparatur Wega R3141-2") nennen, damit die Suchmaschine des Forums den Beitrag bei Bedarf leichter findet.

Hier ein Beispiel für einen Reparaturbericht:



Gerät: Receiver Wega R3141-2

Baujahr: 1977

Fehlerbild: Im Radiobetrieb geht 15 Minuten nach dem Einschalten sporadisch die Musik aus, das Feldstärkeinstrument geht auf Null. Die Ausfälle werden bei längerem Betrieb häufiger. Nach ca. 1 Stunde fällt die Musik total aus. Der Verstärkerbetrieb (CD-Player an AUX) funktioniert tadellos.

Fehlersuche: Im Schaltplan nachsehen, woher das Feldstärkeinstrument angesteuert wird. Es ist das Demodulator-IC HA 1137 W. Mit dem Multimeter die statischen Spannungen am HA 1137 W messen und mit den Sollwerten (im Schaltplan angegeben) vergleichen. Die Spannungen können etwas abweichen, da sich die Angaben im Schaltplan auf 220V Versorgungsspannung beziehen.

Entscheidende Messungen: Die Versorgungsspannung an Pin 11 des HA 1137 W bricht im Fehlerfall sporadisch ein (von 13,9 V auf 0 V). Die Versorgungsspannung kommt über den Widerstand R129 vom Emitter des Transistors T4. Dort stehen im ungestörten Betrieb 17,0 V an. Die Basisspannung des T4 ist stabil bei 17,67 V, auch wenn die Emitterspannung sporadisch auf 0 V einbricht.

Ursache: Der Transistor T4 (BD 535) ist defekt und schaltet trotz konstanter Basisspannung bei ansteigender Betriebstemperatur die Emitterspannung sporadisch ab.

Reparatur: Tausch des T4. Mit einem Schraubenzieher vorsichtig unter dem Kabelgewirr hindurch die Schraube vom Kühlkörper entfernen und dann den T4 auslöten. Wärmeleitpaste auf den Kühlkörper dünn auftragen, den T4 festschrauben und erst danach einlöten.

Schwierigkeit: Der T4 ist sehr schlecht zugänglich. Das Eindrehen der Schraube geht am besten mit einem magnetischen Schraubenzieher wenn der Receiver senkrecht auf die linke Seite gestellt wird. Trotzdem kann die Schraube zigmal herabfallen. Die Suche ist schon etwas nervig.

Besonderheit: Auf dem ausgelöteten T4 war fast keine Wärmeleitpaste.

Defektes Bauelement: Überhitzung hat den T4 beschädigt. Im ausgelöteten (kalten) Zustand ist kein Fehler feststellbar. Ube = Ubc = 0,521 V. Rce = unendlich. Mit steigender Temperatur häufen sich offensichtlich die sporadischen Ausfälle des T4.

Ersatzteil: BD 535, Preis: 0,31 EUR

Bezugsquelle: www.reichelt.de

Schaltungsunterlagen: www.schaltungsdienst.de/katalog.html, Preis ca. 13 EUR


Feldstärkeinstrument am HA 1137 W:



Versorgung des HA 1137 W über T4 (BD 535):



Lötseite:



Lage des T4 (von oben gesehen, linke Seite, auf U-förmigem Kühlkörper)





Bei der nächsten Reparatur lasse ich die Vorrede weg und beginne gleich mit "Gerät"


Gruß

Trafo

PS: Die Computer-AFC beim Telefunken HR 5000 digital geht nicht, die Muting-Taste am Grundig R45 macht alles platt, der Philips R777 spielt nur mono, etc. Ich probier mal in ein paar Wochen in der Suchmaschine "Reparatur Name Typ"
aileena
Gesperrt
#2 erstellt: 24. Sep 2006, 00:53
Ausgezeichnete Idee, muss nur noch der Name des threads angepasst werden - wobei ich eher den Part des passiven Nutzers geben werde...geben muss.
wattkieker
Inventar
#3 erstellt: 24. Sep 2006, 01:08
Ich schließ mich den passiven an.
Ist aber eine prima Idee. Wenn der Thread sich entwickelt, könnte man ja einen "Antrag" stellen, dass er oben angepinnt wird
Wilfried
detegg
Inventar
#4 erstellt: 24. Sep 2006, 01:19

aileena schrieb:
... muss nur noch der Name des threads angepasst werden

... pro Reparatur ein eigener Thread "Reparatur_name_typ" - die Suche triggert dann auf "Reparatur"

Trafo schrieb:
Dabei hätte ein bißchen Nachdenken ausgereicht, um den Fehler gezielt zu suchen und zu beseitigen.

... da haben wir schon ein Problem

Trafo schrieb:
Das entscheidende ist dabei die Systematik bei der Fehlersuche.

... grundsätzliche Tips wären schon sinnvoll, ein spezieller Fehler läßt sich allerdings selten verallgemeinern

Detlef
Stormbringer667
Gesperrt
#5 erstellt: 24. Sep 2006, 08:45

Letzte Woche (ein paar Monate nach dem letzten Reparaturversuch) habe ich endlich den Fehler gefunden. Im nachhinein betrachtet, war das was ich zuvor gemacht habe ein "hilfloses Herumstochern im Nebel". Ziel- und planlos. Dabei hätte ein bißchen Nachdenken ausgereicht, um den Fehler gezielt zu suchen und zu beseitigen.


Minimal-Werkstatt-Ausrüstung wäre natürlich von Vorteil:

-Multimeter

-Kapazitätsmeßgerät

-Oszilloskop

-Lötstation

-Schachtel Kippen

-Grundwissen,elektronisch

-Six Pack

-Reichelt-Katalog

Trafo
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 24. Sep 2006, 13:16
Hallo,

@detegg: Danke für den Hinweis mit der Suchmaschine. Wie soll ich den nächsten Reparatur-Thraed nennen?
Gerät: Saba Receiver 9241 digital
Problem: Feldstärkeanzeige fällt aus

Intention beim Wega-Reparatur-Thread: Durch ein Beispiel, bei dem nur der optimale Weg beschrieben wird (in Zukunft ohne die lange Vorrede) sollen auch diejenigen zur Reparatur ermutigt werden, die mangels Ausrüstung oder Fachkenntnisse normalerweise die Flinte ins Korn werfen. Receiver aus dem Ende der 70er sind meist ähnlich aufgebaut. Z.B. gibt es überall die stabilisierte Spannungsversorgung für den Tuner. Vielleicht hat jemand bei einem anderen Gerät ähnliche Probleme. Ich habe den "Hilferuf des Wega" (Feldstärkeinstrument geht im Fehlerfall auf Null) monatelang ignoriert. Bei den meisten Fehlern, die ich bisher gesehen habe, gab es irgendeinen Hinweis der Anzeigeelemente, der fast direkt zum optimalen Meßpunkt führte, wie auch beim Saba.

@Stormbringer667:
Ja genau, das ist die richtige Werkstattausrüstung! Beim Oszi wollte ich erst ein gebrauchtes nehmen, habe mich dann doch für ein neues 30 MHz, Zweikanal-Oszi von Conrad entschieden. Das kostet kein Vermögen und ist für unsere Zwecke ausreichend. Ab der ZF von 10,7 MHz kann es eingesetzt werden. Mit HF hatte ich erstaunlicherweise bisher nie Probleme.

Welches Kapazitätsmeßgerät kannst Du empfehlen?
Ich behelfe mir heute damit, die Aufladekurve über einem Widerstand zu beobachten und den ohmschen Widerstand des Kondensators zu messen.

Gruß

Trafo
Stormbringer667
Gesperrt
#7 erstellt: 24. Sep 2006, 13:25

Welches Kapazitätsmeßgerät kannst Du empfehlen?


Keines! Nicht,weil die alle nix taugen,sondern weil ich kein anderes außer meins kenne.

Ich hab eins,daß von McVoice gelabelt ist. Heißt DS-568.Habe ich vor ein paar Wochen günstig in der Bucht geschossen.Nagelneu natürlich.Mein Oszi hab ich auch aus der Bucht.Ein Zweikanäler,Metrix OX 713 für 51 Mücken.Die beiden,original verpackten Tastköpfe,waren schon fast das Doppelte wert.Multimeter auch von McVoice gelabelt.M-345pro,mit RS-232-Schnittstelle.
Als nächstes stehen ein regelbarer Trenntrafo und ein Labornetzteil auf dem Einkaufszettel.In ganz,gaaaanz weiter Zukunft vielleicht einen Wobbelgenerator oder einen NF-Generator.....
Trafo
Ist häufiger hier
#8 erstellt: 30. Sep 2006, 11:00
Hallo Stormbringer667,

vielen Dank für den Tipp!

Dieses DS-568 (findet man in der Bucht mit dem Suchbegriff "kapazitäts") hat ja ein tolles Preis-/Leistungsverhältnis. Sogar die Batterie ist dabei. Hab's gleich bestellt.

Für die Beurteilung, ob ein ausgelöteter Kondensator noch geht oder schon weit außerhalb der Toleranz liegt, sollte es genügen. Ich will ja keine Präzisionsmessung durchführen.

Als NF-Tongenerator habe ich ein dänisches Fabrikat: SMG 40 von der Fa. RE Instruments AS. Das paßt mit Baujahr 1976 zeitlich ganz gut zu meinen Receivern (alle zwischen 1977 und 1980). Damit kann man die Frequenz wählen und ein normgerechtes Stereo-Multiplex-Signal mit stufenlos einstellbarer Amplitude erzeugen (L&R, L=R, L=-R, L, R, Pilotton). Somit können Testsignale erzeugt werden, um alles hinter dem Demodulator zu testen.



Gruß

Trafo
Stormbringer667
Gesperrt
#9 erstellt: 30. Sep 2006, 11:13

Als NF-Tongenerator habe ich ein dänisches Fabrikat: SMG 40 von der Fa. RE Instruments AS. Das paßt mit Baujahr 1976 zeitlich ganz gut zu meinen Receivern (alle zwischen 1977 und 1980). Damit kann man die Frequenz wählen und ein normgerechtes Stereo-Multiplex-Signal mit stufenlos einstellbarer Amplitude erzeugen (L&R, L=R, L=-R, L, R, Pilotton). Somit können Testsignale erzeugt werden, um alles hinter dem Demodulator zu testen.


Alternativ dazu kann man ja auch die Soundkarte seines Rechners benutzen.Freeware dafür gibt es hier.

Vielleicht nicht vollständig,aber für den Anfang reicht es.


[Beitrag von Stormbringer667 am 30. Sep 2006, 11:14 bearbeitet]
Trafo
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 06. Okt 2006, 23:08

Trafo schrieb:

Als der Frust wieder etwas abflaute, habe ich alle Elkos im Signalweg von der Antenne bis zum Stereodekoder getauscht. Irgendwie wurden dann die kurzzeitigen Ausfälle weniger. Aber die Lösung hatte ich immer noch nicht. Dann habe ich den Wega in die Ecke gestellt.


Heute wurde das Kapazitätsmeßgerät DS-568 geliefert. Ich habe die 8 ausgelöteten Elkos getestet und war vom Ergebnis doch sehr verblüfft.

Soll => Ist => Delta

1 µF => 1,33 µF => +33 %
4,7 µF => 1,32 µF => -72 % (defekt)
10 µF => 14,38 µF => +44 %
10 µF => 540 pF => -99,99 % (defekt)
22 µF => 29,9 µF => +36 %
47 µF => 55,6 µF => +18 %
47 µF => 64,3 µF => +37 %
47 µF => 58,1 µF => +24 %

Ich hätte bei einem ca. 30 Jahre alten Receiver erwartet, daß die Kapazitäten im Durchschnitt irgendwo zwischen 10 % und 30 % vom Sollwert abweichen und zwar in negativer Richtung.

Gruß

Trafo
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