Cheap Trick: Fräszirkel FZU10 (Baubericht mit Bildern)

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Basti_K
Inventar
#1 erstellt: 12. Jun 2010, 11:55
Hallo Leute!

Ich möchte Euch mein kleines Behelfsprojekt vorstellen, einen Fräszirkel für unter 10 Euro -> FZU10
Das Prinzip und die grundsätzliche Form ist abgeguckt von diversen anderen DIY-Fräszirkeln, daher "Projekte der Nutzer / Nachbauten".

Ausgangsmaterial:
12mm MDF 60x20cm (1,20 €)
5x20mm Aluleiste (1m = 6,99 €)
Senkkopfschrauben M5x20mm (kleine Schachtel mit Muttern, 10 Stk. 1,89 €)
Flügelmuttern M5 (10 Stk. 1,79 €)
Karosseriescheiben für M5 (10 Stk. 1,49 €)

Runtergerechnet auf die Teilmengen die für den FZU10 benötigt werden kommt man auf deutlich unter 10 Euro!

So, jetzt Bilder...

Das Rohteil. Umriss und Spindelzentrum der Fräse markiert, die Lochsäge mit D=62mm liegt bereit.


Ausparung für den Fräser und die Führungsnut (B= ~21mm (-0/+1), T=6mm) für das Schiebestück fertig. Das runde Loch hab ich gleich per 3mm Radienfräser mit Anlaufrolle "veredelt". Die Nut hab ich später mit dem Cuttermesser entgratet, geht gut und reicht in diesem Fall völlig. Man könnte das auch mit einem 45°-Fräser machen, aber der Aufwand lohnt hier nicht.


Damit die Nuten schön gerade und parallel werden benutze ich den Parallelanschlag der bei der Fräse dabei war.


Die Nut für die Arretierung (B=6mm) ist eingefräst, alle überschüssigen Kanten sind abgesägt und die Kanten mit den Bandschleifer angeschrägt.


Ein wenig detaillierter die Fertigung des Schiebestücks.

Als erstes die Mittellinie anreissen, dazu nimmt man eine Anreissnadel, einen kleinen Schlitzschraubendreher oder die stumpfe Seite einer Cutterklinge.

Der Abstand vom ende beträgt 5mm, das reicht bei M5 und ermöglicht später sehr kleine Durchmesser zu fräsen.
Dabei muss man aber auf den Abstand der ersten Arretierschraube achten, diese muss so weit weg sein, dass sie später nicht mit dem Schuh der Fräse in Konflikt gerät (wie hier bei meinem ersten Schiebestück. ) Ich hab einfach noch ein zweites, längeres für ganz kleine Durchmesser gebaut, kost' ja fast nix.

Als gelernter Schlosser macht man's dann ja ganz ordentlich, die markierten Positionen werden gekörnt, damit der Bohrer beim Anschnitt nicht "weglaufen" kann, dazu weiter unten nochmal was...


Zuerst bohren. Ich hab mit 2,5mm vorgebohrt und dann auf 4,2mm erweitert. Dann mit einem Kegelsenker (45°) senken, so tief, dass die Schraubenköpfe nachher plan verschwinden. Dann die M5-Gewinde schneiden.


So sieht das Schiebestück dann aus, eine Schraube dient später als Zentrierung, die beiden anderen zum arretieren.


Kleiner (harmloser) Makel beim Bau:
Da ich leider keine Ständerbohrmaschine zu meinen Werkzeugen zählen kann hab ich die Schiebestücke "frei Hand" mit dem Akkuschrauber gebohrt. Dabei ist (mindestens) eine der Bohrungen, trotz Körnen, ein wenig (~1mm) aus der Mitte gedriftet, daher musste ich die schmale Nut (6mm) ein wenig mit einer Raspel nachbearbeiten damit das Schiebestück ohne Widerstand verschiebbar ist. Macht aber nix, das tut der Sache keinen abbruch, selbst wenn das Schiebestück sich in der Führungsnut ein wenig schrägstellen könnte wäre es für die Funktion egal, den Radius muss man eh beim einstellen jedesmal nachmessen, am besten auf einem Reststück eine Probefräsung machen.

Die Gleitplatte unter meiner Fräse war mit winzigen M3x5mm Schräublein befestigt, daher sah ich mich genötigt sie zu "tunen". Ich hab die vorhandenen Gewinde einfach schnell auf M5 erweitert. Im Bild sieht man die originale Schraube und die von mir verwendeten M5x20mm zum Vergleich.


Die Gleitplatte der Fräse diente hier als Schablone für die Befestigungspunkte an der Fräse, diese wurden großzügig gesenkt, damit die Schrauben später die Werkstücke nicht zerkratzen.
Die Fräse und das (längere) Schiebestück sind montiert.
Dann noch einige Minuten Konzentration und auch die grobe Radienskala ist fertig. Nicht zu verachten die notierten Hinweise


So, nach etwa 2 Stunden sinniger Arbeit das Ergebniss: ein FZU10 mit dem sich Kreise R=45cm + Fräserradius Fräsen lassen, für die ganz größen Durchmesser muss man das Schiebestück umdrehen damit die Zentrierschraube ganz nach aussen kommt.
Das reicht sogar locker falls mal mal etwas größere Chassis verbaut werden sollen

Zusammengefasst:
Kosten: unter 10 Euro
Zeit: ca. 2 Stunden bei gemütlichem Tempo
R-max: >45cm

Nachbau für den privaten Gebrauch ist ausdrücklich erwünscht, wenn's jemand gewerblich nutzt kann ich auch nix dagegen tun .

Freue mich auf Eure Kommentare.


Gruß
Basti


[Beitrag von Basti_K am 12. Jun 2010, 11:57 bearbeitet]
eltipo
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 12. Jun 2010, 12:17
Hi Basti,


eine Super Arbeit mit perfekter Doku.

Muss man schon sagen, wenn man Bock auf so was hat, kann man hier im Schlaf nacharbeiten.

Jetzt zum Problem, die Dinge, die mir zumindest aufgefallen sind:

1: Mdf wird recht schnell labberig, ne Siebdruckplatte wäre allein der Oberflächen wegen sinnvoller.

2: Aufwand in allen Ehren, aber wenn du 2 Stunden dran sitzt für ein Mittel zum Zweck....ich würde in dem Fall eher zum Ebayzirkel greifen...Siebdruck, fertig aufgebaut, knapp doppelter Preis.


Ich selbst habe mir übrigens den Timmizirkel zusätzlich zu deinem Pendant in Alu gebaut, da löse ich 2 Schrauben und kann die OF anderweitig nutzen.


Viel Spass in jedem Fall mit deinem neuen Zirkel!
Basti_K
Inventar
#3 erstellt: 12. Jun 2010, 12:35

eltipo schrieb:
Hi Basti,


eine Super Arbeit mit perfekter Doku.

Muss man schon sagen, wenn man Bock auf so was hat, kann man hier im Schlaf nacharbeiten.

Danke, danke


eltipo schrieb:
Jetzt zum Problem, die Dinge, die mir zumindest aufgefallen sind:

1: Mdf wird recht schnell labberig, ne Siebdruckplatte wäre allein der Oberflächen wegen sinnvoller.

2: Aufwand in allen Ehren, aber wenn du 2 Stunden dran sitzt für ein Mittel zum Zweck....ich würde in dem Fall eher zum Ebayzirkel greifen...Siebdruck, fertig aufgebaut, knapp doppelter Preis.

1. Ja, ist mir beim anfertigen schon aufgefallen. Werde das irgendwann nochmal in Sperrholz oder Siebdruckplatte ergänzen. Aber für die beiden, die mich heute Nahcmittag im Keller erwarten, wird es erstmal reichen.


2. Also, ich hab gemütlich gearbeitet, kein Stress! Wenn man zügig arbeitet ist das vermutlich in 30-45 Minuten erledigt.
Also der FZ bei eBäh (den ich gesehen hatte) kostet 19,95 + 5,50 € Porto.
Das macht bei meiner Version dann locker den 5-fachen, selbst wenn man Siebdruckplatte nimmt immernoch locker den 3-fachen Preis. Wer lieber 4-5 Tage auf die Lieferung wartet, okay. Die Qualität, keine Ahnung, wenn ich mein Modell mit Siebdruckplatte baue ist es sicher nicht viel schlechter. Das eBäh-Ding ist eben per NC/CNC-Maschine ausgeschnitten und gefräst, klar ist das etwas genauer und sauberer.
Mir reicht meins und bock auf Basteln hatte ich auch.

Ziel erreicht, sag ich nur

eltipo schrieb:
Ich selbst habe mir übrigens den Timmizirkel zusätzlich zu deinem Pendant in Alu gebaut, da löse ich 2 Schrauben und kann die OF anderweitig nutzen.

Viel Spass in jedem Fall mit deinem neuen Zirkel!

Ja, der Wechsel zwischen FZ und normalem Gleiter oder anderen Ergänzungen ist kompliziert, da lass ich mir noch was einfallen.

Danke, wie eben schon angedeutet, heute Nachmittag wird gefräst, das Wetter sagt eh "Keller"


Gruß
Basti
eltipo
Hat sich gelöscht
#4 erstellt: 12. Jun 2010, 12:46

das Wetter sagt eh "Keller"


dem ist nix hinzuzufügen...

Basti_K
Inventar
#5 erstellt: 12. Jun 2010, 13:15

eltipo schrieb:

das Wetter sagt eh "Keller"


dem ist nix hinzuzufügen...

:D


Naja, doch. Bei Hochwasssergefahr sollte man eher drauf verzichten und lieber schonmal Sandsäcke füllen.

In manchen Gegenden geht's ja heftig zu die letzten Tage...

Übrigens zu dem Bild aus Beitrag 3 in diesem Fred:
Das sind meine TL-Boxen um die es hier geht.

Die neuen Fronten hab ich heute morgen schnell aufgeleimt und mangels großer Zwingen beide aufeinander gelegt und ordentlich belastet. Hatte nebenan im Keller noch reichlich Wandfarben stehen

Gruß
Basti


[Beitrag von Basti_K am 12. Jun 2010, 13:18 bearbeitet]
KFlash
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 19. Dez 2012, 03:59
Es gibt bei Youtube kein einziges Video zum Schlagwort "Fräszirkel" und "Oberfräse".
Da ich mir die Verwendung noch nicht richtig von den Bildern vorstellen kann, wäre es total toll, wenn einer der diesen Fräszirkel nachgebaut hat, mal ein Video hochladen kann.
Maliq
Inventar
#7 erstellt: 19. Dez 2012, 17:06
Hier sieht man, wie sowas funktioniert:

http://www.youtube.com/watch?v=pXUznR3Cf0Q
Basti_K
Inventar
#8 erstellt: 20. Dez 2012, 00:13
Ist nicht weiter schwierig...

Im Zentrum des gewünschten Kreises eine "Pilot"bohrung mit exakt dem Durchmesser des Zentrierzapfens des Fräszirkels machen...
Radius(!) durch messen von Fräser außen(!) zu Zentrierzapfen Mitte(!) einstellen.
Zentrierzapfen dort einsetzen, die Fräse (den Fräser) noch nicht aufsetzen.
Maschine starten und langsam im Kreis um den Zentrierzapfen drehend ins Holz eintauchen.
Dann einfach ein Mal ganz im Kreis rum.

Ich arbeite bei einer Gesamttiefe <5mm immer in mehreren Teilschritten von ca. 5mm Tiefe.

Wenn die Schnittkante besonders glatt werden soll stelle ich den Radius erst ca. 1mm kleiner ein und Fräse die Tiefe bis 1mm vor Endmaß.
Dann justiere ist den Radius und die Tiefe auf Endmaß.
Wichtig ist beim letzten Schnitt im Uhrzeigersinn zu fräsen (Gegenlauf) und nicht zu schnell zu drehen, das gibt nach meiner Erfahrung die besten Kanten und Schnittflächen.

Bei Massivholz ist das nicht ganz einfach, weil man hier bei ca. zwei Vierteln des Kreises gegen die Maserung gegenan schneidet, da hilft nur noch langsamer drehen.
Allerdings muss man dann auch wieder aufpassen, dass die Oberfläche nicht "ankohlt".
Sonic
Stammgast
#9 erstellt: 21. Dez 2012, 19:44
Hab mal eine leichte OT-Frage zu den Fräszirkeln:
Ich habe mir ein ganz ähnliches Teil bei Ebay bestellt, da ich mir den Selbstbau nicht ganz zugetraut hatte.
Beim Fräsen der Chassis-Aussschnitte meiner SB15 hat es mich genervt, dass man immer nur ein kleines Stück fräsen konnte, bis man mit dem Zirkel an die Klemmen stößt, mit denen das Brett am Arbeitstisch fest ist.
Wie löst ihr das? Hab es auch ohne Befestigung probiert, aber da bewegt sich das Brett dann mit.

Gruß
Sonic
Maliq
Inventar
#10 erstellt: 21. Dez 2012, 20:05
Bei kleineren Brettern drehe ich das Brett und nicht die Fräse.
Sonic
Stammgast
#11 erstellt: 21. Dez 2012, 20:22
Und wie befestigst du die Fräse?
Maliq
Inventar
#12 erstellt: 21. Dez 2012, 20:43
Gar nicht. Die halte ich mit der anderen Hand.
KFlash
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 21. Dez 2012, 23:36
Scheinbar wäre ein Video doch keine schlechte Idee.
PokerXXL
Inventar
#14 erstellt: 22. Dez 2012, 14:01
Moin Sonic

Eine Möglichkeit wäre es die Schallwand rings herum mit gleich starken Brettern fest zu keilen,die am Arbeitstisch im passenden größeren Abstand fest gezwingt werden.
Dann klappt es auch mit kleinen Schallwänden.

Greets aus dem Valley

Stefan
Heimwerkerking
Inventar
#15 erstellt: 23. Dez 2012, 10:45
Also ich mach mir das immer ganz einfach.
Man fräst ja eh durch und will seine Arbeitsfläche ja nicht beschädigen.
Ich habe also immer eine Opferplatte unter der zu fräsenden schallwand liegen. Meistens ne alte kleine Holzpalette auf 2 Arbeitsböcken. Dann kann ich die Schallwand einfach mit Spax Schrauben festmachen indem ich die Schrauben innerhalb des Kreises ansetze und dann einfach durchfräsen.

Zur Frästiefe kann ich nur sagen macht die Qualität der FRäser echt viel aus. Hab mir nen Satz hochwertige Fräser gekauft und damit mache ich immer so 10 bis 15mm in MDF in einem Durchgang


[Beitrag von Heimwerkerking am 23. Dez 2012, 11:02 bearbeitet]
-nethien-
Stammgast
#16 erstellt: 27. Dez 2012, 12:23
Ich baue gerade SB 15 und SB 18 und benutze einen Wolfkraft Spanntisch zum Einklemmen der Frontplatte.
Ich lege ein altes Brett als Unterlage auf das Gestell, dann klemme ich die Frontplatte so zwischen die Klemmbretter, dass die Frontplatte leicht übersteht. So kann ich ganz leicht auch die kleinen Löcher für die Hochtöner ausfräsen, ohne irgendwo mit dem Fräszirkel anzustossen.
Basti_K
Inventar
#17 erstellt: 28. Dez 2012, 22:25
Ich mach das meisstens so, dass ich erst das komplette Gehäuse baue und dann alles Fräse, so erübrigt sich das Problem mit dem einspannen.

Bei der Methode vom Heimwerkerking seh ich einen kleinen Vorteil:
Wenn beide Teile befestigt sind, Nutzteil und Verschnitt, hat man nicht das Problem am Ende vom Schnitt, dass ein kleiner "Stummel" übrig bleibt, den man später wegraspeln müsste.
Fan_Van
Ist häufiger hier
#18 erstellt: 21. Jan 2013, 22:51
Danke für die Doku!

PS. deine Notiz hätte mir am letzten Samstag 1,5h Baumarkttrip gespart
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