Höreidrücke Hobby HiFi CelLine vs. Heartcore

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peak-lsv
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 04. Mai 2014, 00:30
Hallo,
ich wurde an anderer Stelle mal aufgefordert meine Höreindrücke in einem eigenen Thread zu posten.

Da ich ja seit einiger Zeit einige Gehäuse für Herrn Timmermann entwerfe und fertige, habe ich im Gegenzug
die Möglichkeit die Entwicklungen ausgiebig in den eigenen vier Wänden zu hören.

Als erste Entwicklung von Herrn Timermanns hatte ich die CelLine im Wohnzimmer stehen.

Die CelLine ist mit den neuesten Accuton-Entwicklungen bestückt. Der Hochtöner und der Mitteltöner stammen aus der nagelneuen Cell-Serie
und zeichnen sich u.a. durch eine spezielle Befestigungstechnik aus, welche es ermöglicht die Chassis sehr eng zusammen zu montieren und so die akustischen Zentren nah beieinander zu platzieren.

Die Tieftonabteilung übernehmen je zwei "konventionelle" 15er Tieftöner ... wie die anderen Chassis auch mit einer Keramikmembrane bestückt.

Wie für Herrn Timmermanns üblich, ist die Abstimmung sehr linear gehalten. Im wichtigen Frequenzbereich zwischen 100 Hz und 10 kHz beträgt die max. Abweichung nur etwa 1,5 dB und auch darüber und darunter beträgt diePegelabweichung max. 2,5 dB. Der Tiefbass fällt leicht ab und hat seinen - 3dB-Punkt bei etwa 37 Hz.

Doch nun zu meinen Klangeindrücken.

Anfangs klang sie etwas "mager" und es dauerte schon etwas bis die Tieftöner geschmeidig wurden und der Lautsprecher etwas wärmer klang.
Detailreichtum und räumliche Darstellung waren vom ersten Tag an hervorragend. Man hatte irgendwie das Gefühl einen sehr guten Lautsprecher zu hören und dennoch etwas ernüchtert zu sein. Der leichte Abfall zu tiefen Frequenzen hin erwies sich für meinen Hörgeschmack als doch etwas nachteilig. Ohne Herrn Timmermanns kritisieren zu wollen, so hätte ich wohl doch eher die Tieftöner nicht in Reihe geschaltet, um unten rum etwas mehr Druck zu haben. In meinen Messungen hat sich dieser Eindruck bestätigt. Ich habe den Tiefbass um 35 Hz daraufhin per DSP etwas angehoben, was dem Gesamteindruck durchaus verbesserte.

Nun stellte sich jenes Hörvergnügen ein, welches ich von einem solchen High-Endlautsprecher eher erwartete. Besonders das Rundstrahlverhalten hat mich wirklich beeindruckt. Durch die niedrigen Übergangspunkte zwischen den Chassis, konnten diese ihre Rundstrahlqualitäten voll ausschöpfen. Selbst bei sehr geringen Lautstärken, wenn das Frauchen schon schlief, konnten noch vile Klangdetails hervorzaubern. Aber in meinem kleinen Wohnzimmer (ca. 30 qm) konnte man auch schon mal Partylautstärke zaubern. Der Wirkungsgrad ist aber leider, wie bei Timmermanns recht häufig, eher bescheiden. Das sind Tribute an den maximalen Tiefgang. Aber da ich eh nicht zu den Lauthörern gehöre (aus dem Alter bin ich inzwischen rausgewachsen) genieße ich lieber den sauberen Tiefbass und die Detailzeichnung.

Die Heartcore die ich im Moment höre ist zwar auch eine Dreiwegekonstruktion, aber dennoch eine ganz andere.
Im Hochton arbeitet ein Air Motion Transformer von Audaphon , welcher bei Mundorf in Köln gefertigt wird. Der Mitteltöner und Tieftöner stammen von Wavecor und werden in Fernost gefertigt (kein Grund die Nase zu rümpfen) . Der Mitteltöner ist ein 17er mit Papiermembran und arbeitet auf ein geschlossenes 10 Liter Gehäuse. Dies ermöglicht eine niedrige Übergangsfrequenz zum 10" Subwoofer der unten rum für abgrundtiefe Bässe sorgt. Ein -3 dB-Punkt von 23 Hz ohne Tiefbassanhebung in nur 50 Liter Volumen ist mal eine Hausnummer ... leider geht dies natürlich auf den Wirkungsgrad der nur knapp über 80 dB/W/m liegt. Zum Glück verträgt die Kombi viel Strom ... so dass man mit kräftigen Amps noch ordentlich Qualm machen kann. Aber, auch wenn die Heartcore recht Drruckvoll aussieht, so klingt sie absolut leichtfüßig und überrascht vom ersten Moment mit ihrem luftigen und extrem feinauflösenden Klang. Für mich ist die Heartcore einer der besten Lautsprecher, die ich bislang hören konnte (inkl. High End Fertigprodukte). Besonders der Mitteltöner hat mich sehr überrascht, da sein Anschaffungspreis sehr moderat ist (ca. 120,- Euro) ... die Kombi mit dem AMT ist pefekt und extrem schnell. Irgendwie frage ich mich da, warum man nach immer neueren und teureren Membranmaterialien sucht. Diese Pappe ist wirklich (nahezu) perfekt ...
Der einzige Nachteil den ich an diesem Lautsprecher sehe, ist ihr Rundstrahlverhalten, das dem der CelLine deutlich nachsteht. besonders auf der vertikalen Achse bricht das Klangbild schnell zusammen. Horizontal ist es noch OK ... auf den Hörplatz ausgerichtet passt alles. Ich denke dass mann die Achabweichung nicht höher als 10-15 Grad werden lassen sollte ... bis dahin ist alles sehr sehr fein. Darüber geht der Glanz etwas verloren, da der Superhochtonbereich (ab 10 kHz) deutlich abfällt.

Die Heartcore verbindet die Qualitäten der CelLine und vermag in punkto Tiefbass deutlich noch etwas dazu zu legen. Der Hochtonbereich des AMT ist etwas dynamischer und filigrander als die Keramikkalotte von Accuton, aber bündelt den Schall deutlich stärker. Der hervorragende aber auch sehr kostspielige Keramik Accuton-Mitteltöner findet mit dem recht konventionellen Papier Wavecor 17er einen sehr ebenbürtigen Gegenspieler. Vielleicht liegt es an dem potenten Tiefbassspezialisten der Heartcore, dass diese mir auch im Mittetonbereich besser gefällt als die CelLine. Der Bass der Heartcore ist wie man ihn sich nur wünschen kann. Sehr tief, sehr trocken, sehr präzise ... sehr sehr geil.

Als Resüme dieses Vergleiches auf sehr hohem Niveau, halte ich die Heartcore für die stimmigere Entwicklung, die bei allen Musikrichtungen zu überzeugen versteht. Als Manko sehe ich den Wirkungsgrad und das Bündelungsverhalten ... Die CelLine spielt bei Klassik und Jazz (und sehr guten Popproduktionen) ihre Qualitäten voll aus und bereitet viel Freude ... die unterste Oktave vermisse ich aber leider doch ab und an (na ja ... ne ganze Oktave isses natürlich nicht). Mich würde eine Entwicklung mit paralell geschalteten Tieftönern oder Doppel-17er sehr interessieren ... doch leider sind die Chassis recht kostspielig um nur mal so rumzuspielen.

So das war's erstmal ... Korrektur les ich später.

Wenn ihr noch Fragen habt, so stehe ich gerne zur Verfügung

P.S. Die Morel M1 hatte ich auch zum Probehören ... wenn es interessiert schreibe ich auch gerne zu Ihr etwas.


[Beitrag von peak-lsv am 04. Mai 2014, 12:36 bearbeitet]
Andreas1968
Inventar
#2 erstellt: 04. Mai 2014, 08:21
Hallo

Sehr schöner und informativer Bericht

Prima das du auch von dir festgestellte "Problemchen" der Testkandidaten ansprichst. Gerne mehr von deinen Klangeindrücken.


Habe übrigens bei dir den Scamo15 Gehäusebausatz gekauft. Die Scamo läuft nun seit 2 Wochen und bezaubert mich, meine Frau und Freunde/Bekannte
gleichermaßen immer wieder aufs Neue. Extrem stimmiger/schneller und hochauflösender Klang mit Wohlfühlfaktor da nichts zischt oder nervt.

Könnte mir eine Scamo15 sehr gut als 3-Weger vorstellen, z.B. mit dem 10" der Heartcore...


Gruß
Andreas
BolleY2K
Inventar
#3 erstellt: 04. Mai 2014, 10:21
Gerne auch was zur M1 - und danke für den Bericht!
Black-Devil
Gesperrt
#4 erstellt: 06. Mai 2014, 08:53
Vielen Dank für deine Eindrücke, sehr interessant!

Die Tendenz, Lautsprecher immer auf maximalen Tiefbass zu entwickeln gefällt mir zwar nicht so sehr, aber ansonsten versteht der Timmi natürlich sein Handwerk.

Schade fand ich bei der Heartcore, dass er eigentlich einen echten Männer-LS angekündigt, und dann doch auf "Wohnzimmertauglichkeit" geachtet hat. Eine doppelte Bestückung im Bass hätte mir da noch besser gefallen, das hätte auch den Wirkungsgrad in Regionen gebracht, der nicht nach Kilowattendstufen schreit.
Es gibt ja auch eine 4Ohm Version des Basses - auch diese hätte den Wirkunsgrad pushen können...bei so leistungshungrigen LS ist auch das Einhalten der 8-Ohm-Norm imho kein Argument.

Die Kombi aus Wavecor 18er und AMT1 durfte ich auch schon in der Chlang3 hören - kann ich sehr gut nachvollziehen, dass dir das gefällt.

Zur M1 würde ich deinen Eindruck auch gerne erfahren - der LS dürfte ansonsten wohl eher selten hier auftauchen.
Floyd42Flake
Neuling
#5 erstellt: 23. Dez 2014, 15:12
Toller Bericht aus erster Hand! Vielen Dank!

Dass in der Heartcore der Acht-Ohm-Töner den Zuschlag erhalten hat, liegt wohl auch daran, dass er gegenüber der Vier-Ohm-Version mit den deutlich besseren mechanischen Verlusten aufwartet. Das ist in der Kombi mit der 18er-Wavecor-Pappe nur konsequent, die ja selbst in diesem Bereich hervorragende Werte aufweist. Also mir würde kein Tonmöbel mit hohen Rms-Werten mehr ins Haus kommen. Es geht nichts über eine leichtfüßige, detailreiche Wiedergabe auch bei niedrigen Lautstärken.

Der niedrige Wirkungsgrad ist für mich dagegen ein absolutes K.O.-Kriterium, da ich fast nur kleine Verstärker einsetze.

Was ich bei der Heartcore aber äußerst reizvoll finde, ist, dass man den Entwurf mit relativ geringem Aufwand (rechnerisch und handwerklich, weniger wohl finanziell *hüstel*) klanglich noch deutlich steigern könnte:

- den Tieftonbereich aufdoppeln, ähnlich wie beim Roy-Subwoofer. Das Gehäuse würde nur wenig größer als beim vorgenannten ausfallen. Die verwendeten Töner sind zumindest von den Messwerten den "Seas"-Treibern (sind wohl auch eher Wavecor-Fabrikate) überlegen und wären in dieser Kombi sogar hochohmiger. Die Chance auf eine Impulskompensation ist natürlich auch nicht zu verachten...

- den Mitteltonbereich ebenfalls aufdoppeln. D'Appolito lässt grüßen - vielleicht nicht jedermanns Sache, ich mag es! Außerdem könnte man so den Tiefbassbereich gleich an einen Subwoofer-Verstärker abgeben, sich in der Weiche den Tieftonbereich schenken und die dB-Bremsen für die Mitteltöner rausrupfen. Also eine Bi-Amping-Lösung. Die-Mittel-Hochtoneinheit dürfte dann locker im unteren 90er-dB-Bereich spielen. Damit könnte man dann eine kleine, feine Röhre oder einen First Watt/Zen Amp einsetzen.

Das ganze ist dann zwar nicht mehr ganz so "wohnzimmerfreundlich" wie von Timmi propagiert, aber in diesem Fall wohl wirklich ein Lautsprecher für Männer. Dass das nicht unbedingt unelegant aussehen muss, hat ja der Urheber des Threads bereits mehrfach bewiesen. Der ROY ist ja ein Subwoofer, der ausnahmsweise mal nicht wie eine Waschmaschine aussieht! Großes Kompliment von meiner Seite!
gepunkt
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 02. Jan 2018, 14:55
Hallo Zusammen,

ich bin jetzt schon länger stolzer Besitzer der Heartcore, die mir über die Zeit sehr viel
Freude bereitet. Da ich aber auch ein sehr experimentierfreudiger Mensch bin,
habe ich den Bassteil getrennt und befeuere die Heartcore jetzt mit folgenden Verstärkern.

Der Elac ea101eq-g hat eine aktive Frequenzweiche für den Sub mit Phaseneinmessung
über Handymikro und App. Funktioniert wirklich einfach und gut. Er befeuert das Topteil, Mitteltöner und Hochtöner.

Der Bassteil hängt an einem Yamaha AX892.

Meine Frage bezieht sich auf den schon mehrfach angesprochenen schlechten Wirkungsgrad,
der ja meiner Meinung nach der tiefen Abstimmung des Bassteils geschuldet ist. Da dieser
jetzt aktiviert ist, sollte der Mittel/Hochton-bereich doch mit einem besseren Wirkungsgrad
überarbeitet werden können.

Frage:
Können die Spannungsteiler (ohne großen Aufwand) der Mitteltöner und Hochtöner so umgerechnet werden, das das
Lautstärkerverhältnis untereinander gleich bleibt und ein besserer Wirkungsgrad entsteht?

musikalische Grüße

Markus
gepunkt
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 02. Jan 2018, 20:16
hat sich mittlerweile erledigt...
Wird von mir nicht weiter verfolgt!!! Danke
Black-Devil
Gesperrt
#8 erstellt: 02. Jan 2018, 20:23
Würde ich nicht machen, auch der fehlende Hochpass im MT wird sich schon negativ bemerkbar machen.

Die Spannungsteiler anzupassen dürfte ohne Messungen auch nicht einfach sein, insgesamt alles eher eine Verschlimmbesserung - auch jetzt schon.

Tante Edit meint: Was hat sich erledigt?


[Beitrag von Black-Devil am 02. Jan 2018, 20:23 bearbeitet]
gepunkt
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 06. Jan 2018, 19:07
genau das was Du beschrieben hast, ist eingetreten!!!
Demendsprechend habe ich gelernt und die Idee ist quatsch!!!
Den Hochpass zu entfernen war eine blauäugige Idee.
Alles bedingt sich untereinander. Man kann keinen 3weger
in einen 2weger kastrieren. Ohne die Weiche anzupassen.
Deshalb ist die Idee gestorben.
peak-lsv
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 17. Okt 2018, 09:36
Na ja ... kann man schon. Ich habe die Tops lange sogar ohne Tiefton benutzt (die Version mit der Kalotte) und den Tiefbass etwas mit dem DSP entzerrt. Klang sehr schön.

Das Problem ist natürlich, dass jeder Weg noch in den Klangbereich des angrenzenden Lautsprechers einwirkt. Dies berücksichtigt man in der passiven Weiche und muss ebenso in der Aktiven Variante berücksichtigt werden. Ohne Erfahrung und Messtechnik ist eine solche Anpassung aneinander eher schwierig bis nicht möglich. Die Chancen es schlechter zu machen sind also eher groß.
gepunkt
Ist häufiger hier
#11 erstellt: 17. Okt 2018, 13:17
Würde mir wünschen das Bauvorschläge (mit Trennung um 150Hz) wie die Heartcore, Scan by Side,
Wave By Side etc. auch als aktive Variante im Bass alternativ angesprochen werden.
Durch einmessende Verstärker (Yamaha, Elac, AV Receiver) ist man ohne Können heute eventuell in der Lage
einen "besseren" Bass zu bekommen.
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