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was ist toll am Reibradantrieb?

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JanHH
Inventar
#1 erstellt: 10. Apr 2006, 01:00
Hallo,

in letzter Zeit war mehrfach zu lesen/hören, dass DIE Referenzlaufwerke schlechthin ausgerechnet Reibrad-Laufwerke sind. Wieso nur? Meiner Meinung und Erfahrung nach ist diese Antriebstechnik total doof, deutlich schlechter als direkt oder Riemen. Rumpelt, Gleichlaufschankungen, und ausserdem kann sich die Achse, auf der das Rad sitzt, verbiegen, und da ist der Gleichlauf dann total passee, und wenn das Rad irgendwelche Unebenheiten aufweist (z.b. ein Grat im Kunststoff), dann rumpelts ungeheuer.. und das tuts an sich auch so schon. Wieso nur, was ist da dran?

Gruß
Jan
directdrive
Inventar
#2 erstellt: 10. Apr 2006, 06:00
Moin Jan,

ich nehme 'mal an, Du hast da irgendwas in den falschen Hals bekommen oder mißverstanden - Reibradspieler als "Referenz-Laufwerk" sollten eigentlich seit 35 Jahren passé sein.
Deine Erfahrungen mit Reibradlaufwerken kann ich allerdings nicht teilen, bei den anspruchsvollen Reibradlern, die ein hohes Ansehen geniessen (Braun, Thorens, Garrard, Lenco) sind Rumpelprobleme und Gleichlaufschwankungen eigentlich kein Thema - vorausgesetzt, die Geräte sind in gutem Zustand. Nicht umsonst ist bei den genannten die Entkoppelung des Antriebs erheblich aufwändiger gestaltet als bei den meisten Riementrieblern.
Die Achsen, auf denen die Antriebsräder laufen, sind übrigens in der Regel ausgesprochen stabil - warum sollten die sich verbiegen? Und eine Macke im Riemen macht auch bei einem riemengetriebenen Laufwerk Ärger - bei Reibradspieler muß man eben auf ein anständiges Reibrad achten.

Klanglich bieten Reibradlaufwerke subjektiv oft eine höhere Dynamik; mehr Kraft und Energie - machen schlicht mehr Spaß als so mancher gelegentlich recht fade und langweilig klingender moderner Spieler - das ist aber fraglos Geschmackssache.

Letztendlich ist es IMHO aber immer wieder eine Frage feinmechanischer Qualität - und da können gute Reibradler klanglich durchaus mithalten oder sogar besser gefallen.

Viele Grüße sendet

Brent
raphael.t
Inventar
#3 erstellt: 10. Apr 2006, 06:29
Hallo Jan!

Vielleicht beziehst du dich auf Loricraft 501?
Der ist wirklich meiner Meinung nach völlig überteuert.
Aber deshalb die Reibradler in Grund und Boden zu stampfen, ist nicht gerechtfertigt.
Dieses Antriebskonzept hat auch seine Vorteile.
Wie Brent (der eigentlich Directdrivler ist) richtig schreibt, kommt über das Treibrad (wie es z.B. bei Dual heißt) eine Menge an Drive und Druck rüber.
Ich besitze eine Reihe von Reibrad- und Riemenspielern.
Nur das Directdrivekonzept ist bei mir unterbelichtet, außer Dual 741 Q habe ich nichts, leider!
Bei mir war es so, dass ich gegen Directdrive früher Vorurteile hatte, heute weiß ich dieses Konzept genauso zu schätzen wie die anderen beiden.
Nur begegnet einem auf Flohmärkten selten ein guter Direkter.
Zum Reibrad:
Besitze TD 124, TD 184, beide machen mächtig Spaß. Sind aber Riemen/Treibradkombis und Klassiker!

Lenco L 70, derzeit mein Lieblingsspieler und L 75, L78.
Witzig wars, als ich einen L 75 ausschälte und ihn durch einen langen String von einem anderen L 75 antreiben ließ.

Dual: 1019, 1219, 1229: über jeden Zweifel erhabene Spieler.
Bau eine massive, resonanzhemmende Zarge und sie spielen auf einem sehr hohen Niveau. Günstig zu kriegen!

Elac Miracord 50 H: Superdreher mit Papst Außenläufer ---
das ist ein Motor! Auch die Zarge von innen versteifen und dämmen und los geht`s!

Braun PS 600: eigentlich auch ein Elac, alle drei Geschwindigkeiten sind elektronisch geregelt.

Natürlich rumpeln alte vertrocknete Reibräder, aber solche mit weichem Gummi rumpeln weniger als das Grundrumpeln der Platte.
Manchmal wird das vom Tellerlager kommende Rumpeln auch dem Reibrad schlechtgeschrieben (Kugellager Dual, Elac).

An meinem Beispiel sei gezeigt, wie sich Vorurteile auswirken können.
Früher, in meiner ausschließlichen Riemenphase (Anglophilie)
hielt ich Directdrive für abolut "PFUI".
Die Electronik regelt dauernd nach, das führt zu Beschleunigung und Abbremsung in rascher Folge, was wiederum Rauigkeiten im Ton zur Folge hat.
Trotz bester Werte --- mieser Klang, so schrieben besonders engl. Blätter.
Heilig dagegen der Riementriebler!
Heute erkenne ich, dass das völliger Schwachsinn war.
Gute Direkte sind hervorragende Dreher, Beispiele gibt es genug.
Genau solches kann man auch von Reibradspielern sagen.

Mit freundlichen Grüßen
Raphael, der sich nie verzeihen kann, vor 15 Jahren einen geschenkten Garrard 301 ausgeschält und auf Riemenantrieb umgerüstet zu haben. Das kommt davon, wenn man das Gras wachsen hört!
pet2
Inventar
#4 erstellt: 10. Apr 2006, 13:37
Hallo Jan,

ich besitze Plattenspieler mit allen 3 genannten Antriebsarten.
Der Hauptgrund weshalb heute im Hifi-Bereich fast nur noch Riemenantrieb verbaut wird, dürfte schlicht daran liegen, daß die Herstellungskosten am niedrigsten sind und durch die Entkopplung durch den Riemen auch keine besonders hochwertigen Motoren notwendig sind.
Damals wurde der (T)Reibradantrieb vor allem deshalb gerne verbaut, weil bis in die 60ger 4 Geschwindigkeit üblich waren (16-33-45-78) und dies ließ sich mit damaligen Mitteln am ehesten mit einem (T)Reibradantrieb realisieren.
Firmen wie Dual blieben lange bei dem Antriebskonzept, weil man halt schon viel Erfahrung mit der Technik hatte.
Dual hat im übrigen 1973 das neuste Spitzenmodel (701) mit Direktantrieb über dem damaligen (T)Reibrad-Spitzenmodel 1229 angesiedelt, der 601, als erster Dual-Riemenplattenspieler kam erst kurze Zeit später!

Ein gutes (T)Reibrad und entsprechende Wartung vorausgesetzt verhilft auch (T)Reibradspielern zu sehr geringen Laufgeräuschen.
Bei meinem Dual 1019 muß man mit dem Ohr schon ganz nahe an den Plattenteller gehen um überhaupt etwas zu hören.
Die guten Gleichlaufwerte werden durch einen für heutige Verhältnisse bärenstarken Motor und einem Plattentellergewicht von über 3 Kg erreicht.
Für meinen 1219 gilt das sinngemäß, aber auch meine 1218/1228 laufen ausgesprochen ruhig.

Ich mag halt den besonderen Flair von (T)Reibradlern, habe aber auch riemen-und direktgetriebene Plattenspieler.

Gruß

pet
richi44
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 11. Apr 2006, 12:32
Die erste Generation der EMT-Studioplattenspieler waren mit Reibrad bestückt. Die erreichbaren Daten lagen durchaus im anständigen Bereich (weit über dem, was normale Hifi-Spieler bieten). Und das mit einem etwa 5kg-Teller. Trotzdem ist Reibrad nicht ganz unproblematisch. Weil hier der Lenco erwähnt wurde: Dieser Spieler (L75)ist in Sachen Rumpeln einer der schlechtesten, die es überhaupt gibt (ich habe es nachgemessen!). Die Sache ist ganz einfach: Man kann einen Plattenteller leicht am Rnad so drücken, dass sich eine leichte Vertikalbewegung des Tellers an dieser Stelle ergibt. Wenn also ein Reibrad vertikal gegen den Plattenteller drückt und nur die kleinste Delle in derLauffläche hat, so überträgt sich das fast ungedämpft auf den Teller und damit auf die Wiedergabe. Ist aber die Motor- und Reibradachse senkrecht, so müsste der Teller radial bewegt werden, was viel weniger der Fall ist. Ein Dual 1009 hat mit seinem Reibradantrieb ein deutlich geringeres Rumpeln als der L75, obwohl dieser einen viel schwereren Teller besitzt.

Und dass (wie man bisweilen liest) der Direktantrieb nicht highend sein könne, widerlegt der neuere EMT Studiospieler. Er liegt in den Laufdaten mindestens ebenbürdig mit den heutigen teuren Hifi-Dingern.
pet2
Inventar
#6 erstellt: 11. Apr 2006, 15:21
Hallo,

das Gewicht des Plattentellers ist beim Dual 1009 nicht wesentlich geringer als beim Lenco L 75 ( 3,2 zu 3,7 Kg).
Der kleinere Plattenteller des Dual täuscht da etwas.
Der Plattenteller des Dual 1019 wiegt sogar 3,4 Kg.

Wichtig ist halt, daß das (T)Reibrad elastisch ist (Spülimethode) und das es möglichst rund läuft.
Dazu kann man ein sehr feines Schleifpapier (so ab 500er)an das laufende (T)Reibrad halten (aber nicht übertreiben!).

Mit diesen beiden Methoden habe ich bisher jedenfalls noch jeden Reibrad-Dual auf ein erträgliches Maß entrumpelt .

Man sollte man sich natürlich auch um das Tellerlager und das Lager des (T)Reibrades kümmern.

Gruß

pet
raphael.t
Inventar
#7 erstellt: 12. Apr 2006, 06:06
Hallo miteinander!

Auf die von Pet beschriebene Spüli -Methode habe ich auch noch fast jedes Reibrad hingekriegt.
Sind allerding Risse bis zur Lauffläche, hilft auch Kleben und Abschleifen wenig gegen das Rumpeln, dann gibt es nur den Austausch.
Richi hat durchaus Recht, wenn er drauf hinweist, dass der horizontale Reibradantrieb dem vertikalen vorzuziehen wäre.
Doch was kümmert meine Lencos die Theorie!
Sie spielen in der Praxis mit einem großen Spaßfaktor.
Ich liebe alle meine Treibradler und glaubt mir, das Rumpeln
ist nur bei großer Lautstärke an der Ortofontestplatte
(Rillen ohne Musiksignal) störend zu hören.

Mit freundlichen Grüßen
Raphael
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