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Was ist "Royal Sound Stereo" ?

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Curd
Hat sich gelöscht
#1 erstellt: 21. Jun 2008, 21:33
Hallo,

ich habe heute auf einer LP der DECCA von 1967 diesen Text entdeckt:

"Royal Sound Stereo ist das von der TELDEC Telefunken-Decca Schallplatten-Gesellschaft neuentwickelte Stereo-System. Es bedeutet einen entscheidenden Fortschritt in der Tonwiedergabe. Das Musikerlebnis wird in voller Klangreinheit und Dynamik bis zur letzten Tonrille erhalten: Beim Fortissimo gibt es kein Klirren mehr, auch die feinsten Klangpartien kommen ohne Störgeräusch. Royal Sound Stereo - das ist wahrhaft königlicher Klang! Bundes-, Auslandspatente und Warenzeichen angemeldet"

Kennt jemand den technischen Hintergrund?

hoppelkopp
Stammgast
#2 erstellt: 22. Jun 2008, 02:36
Ein Tipp: Frag mal Eberhard Sengpiel, der hat bei der Teldec gearbeitet (aber sag nicht, dass du den Tipp von mir und hier aus dem Forum hast – ist ernst gemeint!)
http://www.sengpielaudio.com
TomSawyer
Stammgast
#3 erstellt: 22. Jun 2008, 10:44
Hallo,

folgendes habe ich im Netz gefunden (unter http://www.manuelzimmermann.de/Site/Diploma.htm)

Kurz erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch das so genannte „Royal-Sound-Verfahren“, das die geschilderten nichtlinearen Verzerrungen [Anm. von mir: Verzerrungen durch runde Nadeln Spurfehlwinkel; wird in der Arbeit beschrieben] im Voraus berechnet und mit einem Analogrechner simuliert. Die Platte erhält daraufhin bereits beim Schnitt kompensierende „Gegenverzerrungen“, die in das Nutzsignal eingerechnet werden. Um eine Qualitätsverbesserung zu erhalten ist es jedoch unbedingt erforderlich, dass der Plattenspieler und vor allem das Abtastsystem sorgfältig justiert sind, da die „Tracing-Simulation“ (= Royal-Sound) sonst noch größere nichtlineare Verzerrungen hervorrufen würde, als ohne die „Anti-Verzerrungsmaßnahme“.


Ich frage, welche Annahmen da bezüglich des Fehlwinkels getroffen wurden (Tonarmgeometrie, Methoden nach Baerwals, Lofgren oder Stevenson; Position der Nullpunkte...?)

Aber ich denke, dass sich die Herren auch dazu etwas überlegt hatten.

LG

Babak


[Beitrag von TomSawyer am 22. Jun 2008, 10:45 bearbeitet]
richi44
Hat sich gelöscht
#4 erstellt: 23. Jun 2008, 14:23
Meines Wissens wurde mit diesem Verfahren nur der "Klemmwinkel" der runden Nadel berechnet und kompensiert.
Man kann sich dazu folgendes vorstellen (Ausgangspunkt wäre ein Tangentialplattenspieler, der keinen Systemfehlwinkel hat und es handelt sich um eine Mono-Platte mit nur horizontaler Auslenkung):
Der Schneidstichel besitzt eine Schneidfläche, die radial zur Platte verläuft. Diese Schneidfläche ist begrenzt durch die beiden Schnittkanten. Dies alles wie gesagt in radialer Anordnung. Beim Schneiden wird der Stichel horizontal bewegt und ergibt somit eine Rille konstanter Breite auf den Plattenradius bezogen. Wäre die Abtastung gleich konstruiert, ergäben sich keine Fehler. Nun ist die Abtastung aber eine Kugelspitze und dadurch haben wir nicht nur eine konstante Breite im radialen Plattenverlauf, sondern eine dauernde konstante Breite bei jedem Winkel. Also müsste die Rille nicht eine konstante radiale Breite haben, sondern eine konstante Breite auch in den Kurven mit entsprechend drehendem Messverlauf.
Hier mal ein Bild verschiedener Nadelschliffe und ihre Lage in der Rille.

Stellt man sich da eine Auslenkung vor, so müsste die Rille nicht mehr wie auf der Zeichnung von oben nach unten verlaufen, sondern irgendwie schräg.
Bei Nadel A1 und B würde sich der Kantenabstand bei einer schräg verlaufenden Rille verengen, bei A1a und A2 jedoch nicht.

Es entsteht also eine Differenz zwischen der unkonstanten Breite aber der konstanten Ausrichtung und der konstanten Breite mit unkonstanter Ausrichtung. Dieser Fehler ist im Wesentlichen pegelabhängig. Die Frequenz hat darum einen geringen Einfluss, weil die Platte von Natur aus mit einer frequenzunabhängig "konstanten" Auslenkung (Schneidkennlinie, RIAA) produziert wird.
Das Problem an der Sache ist, dass sich durch diese Fehler eine Phasenverschiebung und eine leichte Frequenzverschiebung der beiden Kanäle zueinander ergeben. Und dies ist bei geringerer Plattengeschwindigkeit (cm/Sek, nicht Drehzahl!) stärker. Daher entstehen am Schluss der Platte mehr Verzerrungen. Ausserdem kommt es durch die geometrischen Abweichungen zu einem "Klemmen" der Nadel in der Rille, was ebenfalls die Verzerrungen vergrössert.

Meines Wissens ist es also so, dass diese Verzerrungen durch die Nadelgeometrie beseitigt worden sind und dass daher u.U. eine eliptische Nadel höhere Verzerrungen liefert, weil die nicht entstehenden Verzerrungen durch Gegenverzerrungen kompensiert wurden. Nicht kompensiert sind Fehler durch den Tonarm, weil man dann wissen müsste, wo die Nullpunkte der Fehler liegen und wie gross die Fehler generell sind. Dies wäre von Plattenspieler zu Plattenspieler verschieden.
Curd
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 24. Jun 2008, 14:01
Hallo,

vielen Dank für eure Info´s.

ebs1
Neuling
#6 erstellt: 19. Nov 2009, 02:07

TomSawyer schrieb:
Ich frage, welche Annahmen da bezüglich des Fehlwinkels getroffen wurden (Tonarmgeometrie, Methoden nach Baerwals, Lofgren oder Stevenson; Position der Nullpunkte...?)

Es gibt zwei Fehlwinkel bei der Schallplatte, der horizontale Fehlwinkel, der veränderlich ist, weil der Tonarm mit einer speziellen Tonarmgeometrie in einer Art Kreisbogen über die Platte läuft und der vertikale Fehlwinkel, der größer als 0° sein muss, weil der Plattenschreiber und der Drehpunkt des Abtastnadelsystems oberhalb der Plattenoberfläche liegt. Genormt wurde 15°. Dieser vertikale Fehlwinkel konnte mit einer bestimmten Phasenlage von k2 eingestellt werden. Der horizontale Fehlwinkel ist beim Schreiber saubere 0°, weil er in gerader Linie auf das Mittelloch zuläuft.
Bei den geometrischen Abtastverzerrungen konnte der Klemmeffekt mit k2 eingestellt werden, sowie auch k3 kompensiert werden. Als mittlere Abtastnadel-Verrundung wurde ein Radius von 15 µm angenommen.

Viele Grüße ebs


[Beitrag von ebs1 am 19. Nov 2009, 02:08 bearbeitet]
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