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Ein 35mm Film als Basis für Hi-Fi-Aufnahmen anstelle eines Tonbandes

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Goodman_
Stammgast
#1 erstellt: 03. Okt 2014, 11:13
Hi and Fi!
Hat jemand und jemals darüber gelesen bzw.gehört, dass man auch Hi-Fi-Aufnahmen auf einem 35mm Film machte? Das müßte schon in den 70ern stattgefunden haben. Natürlich war dies nicht mit den weltweit etablierten Aufnahme-Geräten möglich, wie man sich denken kann.
Mir sind nämlich kürzlich erst eine LP, später 2 CDs aufgefallen, die auf dieser 35mm-Aufnahmetechnik basieren. Bei Amazon fand ich erst mal nur 1 LP., die ich auch gleich bestellte. Das Klangerlebnis beeindruckte mich schon sehr. Kürzlich erst fand ich beim gleichen Anbieter nicht nur die mir bekannte LP, sondern auch die CD-Version. Zusätzlich auch eine CD die eine ursprünglich weitere LP einschliest. Natürlich bestellte ich diese umgehend.
Die mir bisher bekannte ist beileibe nichts Jazziges, aber ein Klangerlebnis. Diese LP wage ich deshalb ehrlich als "audiophil" einzustufen. Man bedenke Aufgenommen in den 70ern.!
Wenn ich die entspechende und zu erwartenden CDs gehört habe melde ich mich wieder mit einem Vergleich.

Gruß Blacky
Curlew
Stammgast
#2 erstellt: 04. Okt 2014, 00:25
Ja, ich habe davon gelesen. Stichwort: Tri-Ergon-Verfahren. Das stammt allerdings aus den 1930er Jahren.

"Dabei kommt jetzt erst die erste Etappe auf dem Weg der nach dem 'Tri-Ergon'-Verfahren hergestellten Schallplatte. Jetzt schickt man nämlich den Tango wieder durch einen Zauberkasten, wo er vom elektrischen Strom in Lichtimpulse umgewandelt wird und photographiert diese wechselnden Lichtimpulse.
Jetzt wird das Filmband entwickelt und fixiert und wir haben einen schön photographierten Tango. Nun können wir aber auf unserem Grammophon keinen Zelluloidstreifen spielen, also wird durch den Film Licht geschickt, das seine Stärke entsprechend der Tangophotographie ändert, wieder kommt ein geheimnisvolles Instrument, die Photozelle, und der Tango wird wieder zu elektrischem Strom, wird wieder etwa 50millionenfach verstärkt, fließt dann durch eine Spule und bewegt darin ein kleines Eisenstückchen mit einem Saphir am Ende. Darunter gleitet die Wachsplatte hinweg: der Tango wird auf Wachs graviert, die Wachsplatte abgegossen, von den Abgüssen wieder Metallabgüsse verfertigt und mit diesen dann die schwarze Schellackplatte gepreßt."


Quelle: Funkschau 1931, Heft 16. Zu finden hier.

Das Verfahren, das du meinst, ist vermutlich ein Anderes. Aber die Aufzeichnung von Schall auf Film ist eine uralte Angelegenheit, wie man sieht.
Goodman_
Stammgast
#3 erstellt: 16. Okt 2014, 14:29
Hallo Olvin!
Danke für Deine Stellungnahme. Wovon du sprichts ist sicher die "Lichttontechnik" anstelle der "Magnettontechnick" auf einer Seite eines 35mm-Films. Technisch trotzdem interessant, wie ich meine.
Bevor ich nochmals auf das Thema eingehe muß ich wirklich noch einmal den erklärenden englichen Text einer LP näher unter die Lupe nehmen, denn die Technik der 30er kann es natürlich lnicht sein. Mit dem Text muß ich erst mal insoweit klarkommen, als ich ihn erst in einen deutschen verständlichen Text zu übersetzen versuchen muß.

Melde mich wieder und bis dahin
Gruße Blacky
arnaoutchot
Moderator
#4 erstellt: 16. Okt 2014, 17:14
Das Label Mercury Living Presence hat in den späten 50ern und frühen 60ern zahllose Aufnahmen auf 35mm-Magnetband aufgezeichnet. Allerdings handelt es sich mW um tatsächliche Magnetbänder, die über Westrex-Bandmaschinen abgespielt wurden, mit dem Film haben sie nur das Format (die Breite) gemein. Die Vorteile waren eine grössere Klarheit, höhere Dynamik und praktisch kein Grundrauschen. Nicht umsonst sind Aufnahmen wie die gezeigte heute noch audiophile Klassiker. Meist sind es Klassik-Aufnahmen, es gibt aber auch Sachen im Grenzbereich zum Jazz.

jpc.de

Diesen Sampler hier habe ich, der neben Musikbeispielen auch ein informatives 150 Seiten starkes Buch enthielt. Gibt's gebraucht ab 50 Cent, aber achte darauf, dass das Buch dabei ist !

51TG5F3J0ML


[Beitrag von arnaoutchot am 16. Okt 2014, 17:23 bearbeitet]
Curlew
Stammgast
#5 erstellt: 16. Okt 2014, 17:56
Sehr interessant, von den 35-mm-Magnetbändern wusste ich auch noch nichts. Aber wenn Blacky von Aufnahmen auf 35-mm-Film schreibt, kann ja eigentlich nur die Lichttontechnik gemeint sein.

Ich habe hier noch das Selenophon-Verfahren gefunden und mal den Text überflogen. Ist auch ganz interessant. Dabei wird der Ton zunächst auch als Lichtton auf Film aufgezeichnet. Diese Aufzeichnung wird dann auf einen Papierstreifen kopiert, der dann mit einem Wiedergabegerät abgespielt werden kann. Als Vorteil wird die lange Spielzeit gegenüber der Schallplatte genannt.

Ich weiß nicht, inwieweit Lichttontechnik hifi-tauglich ist. Es wäre natürlich denkbar, dass irgendjemand noch in den 70er Jahren mit dieser Technik aufgenommen hat. Ich frage mich nur, weshalb man das machen sollte. Der einzige Vorteil einer Lichttonaufnahme, den ich mir vorstellen kann, ist bessere Langzeithaltbarkeit eines Films gegenüber einem Magnetband. Das wäre aber nur für Archivzwecke interessant.

@Blacky
Darf man wissen, um welche LP es sich handelt? Nenne mal Namen!
Goodman_
Stammgast
#6 erstellt: 18. Okt 2014, 11:09
Hallo Olvin und arnaoutchot und danke für Euere geschätzte Stellungnahmen.!
Kurz zu den Daten der LP: Command Records, Nr. 298022. Erschienen 1961. Aufgenommen in der berühmten Carnegie Hall, New York, die man extra dafür angemietet hatte, weil man alleine schon in Bezug auf das akustische Umfeld die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen wollte. Könnte man, wenn man so will, als " Live-Aufnahme ohne Publikum" bezeichnen.
Habe selbst vermutet, daß es sich um die Lichtontechnik handelt, aber auf der LP steht "Original master recorded on 35mm megnetic film". Würde ja heißen Megnetton.
Den Vorteil zum damaligen Bandaufzeichnungs-Verfahren sah man darin, daß man auf einen 35mm-Film aufgrund der Breite mehrere Tonspuren und mit größeren Abständen zueinander aufbringen konnte. Wie "arnaoutchot" jedoch erwähnte, hat man das Gleiche dann auch mit einem 35mm breiten Band erreicht.
Beim Film trat keinerlei Grundrauschen auf, keine Verzerrungen, wesentlich höhere Dynamik, unvorstellbare Klarheit/Durchsichtigkeit des Klangbildes. Durch die beiderseitige Perforierung des Filmes konnte dieser 100%ig gleichmäßig am Tonkopf vorbeigeführt werden.

War ich schon von der Dynamik und Klarheit der LP begeistert, bin ich es natürlich noch mehr von der CD! Die Aufnahmen wurden für die CD vorher noch mit einem "CEDAR-24-Bit-Mastering-Gerät" restauriert. Arnaoutchot würde beide (LP und CD), da bin ich mir sicher, auch als "Adiophil-Klassiker" bezeichnen.
Die Rechte von Command Records hat wohl eine Firma Namens "Sepia Records Ltd." übernommen unter deren Label jetzt die CDs vermarktet werden.

Die mir bekannten CS tragen die Titel::
"STEREO 35mm / FAR AWAY PLACES"
Enoch Light and his Orchestra
CD-Nr.. SEPIA 1191
(2 LPs auf 1 CD - wobei nur die "Stereo 35mm" in der Carnegie Hall aufgnommen worden zu sein scheint).
Die 12 Carnegie-Hall-Titel:
Heat Wave / The Man I Love / I´ve Got A Crush On You /All The Way / My Romance / You Do Something To Me / Zing Went The String Of My Heart / Someone To Watch Over Me / Love For Sale / I´l See You Again / I See Your Face Before Me / With A Song In My Heart
Weitere 12:
Waltzing Matilda / Banana Boat Song / The Third Man Theme / Sunrise Over Sumatra / Bali Ha´i / Mimi / Calcutta / The Cockeyed Mayor of Kaunakakai / Theme From The Sundowners / Lisbon Antigua / How Are Things In Glocca Morra? / The Poor People Of Paris

"STEREO 35mm / FAR AWAY PLACES"
- VOLIME 2:
Enoch Light and his Orchestra
CD-Nr.: SEPIA 1237
(auch 2 LPs auf 1 CD

12 Titel der einen LP:
I Want To Be Happy / The Gypsy In My Soal / In A Little Spanish Town / September Song / I Still Get A Thrill / Digga Digga Doo / Of Thee I Sing / Deep Purple / Just One Of Those Things / The Very Thought Of You / Do It Again / The Thrill is Gone /

12 Titel der anderen CD:
Istanbul / Isel Of Capri / Cielito Lindo / The Moon Of Manakoora / Wee Bit Of Heathe Modley: (Bonnie Dundee; Loch Lomond, Comin´ thru the rye, The campell´s are comming, Scotland the brave) / Flying Down To Rio / By The River Sainte Marie /Ching Ching Ching Chow / Tales From the Vienna Woods / Colonel Bogey / The White Cliffs Of Dover / Under Paris Skies

Diese Aufnahmen sind mehr "Easy Listening" zuzuordnen. Als Basis großes Streichorchester mit Blechbläsern in Richtung Musikal, wobei Rhythmus-Instrumente und gelegentlich Jazziges auch nicht zu Kurz kommen.
Auf jeden Fall ein audiophiler Genuß pur. Ich glaube aber auch, daß man diesen mit den damals zur Verfügung gestandenen (käuflichen) Hi-Fi-Alagen (noch) nicht gehabt hätte! Oder?

Gruß Blacky


[Beitrag von Goodman_ am 19. Okt 2014, 08:24 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#7 erstellt: 18. Okt 2014, 13:00

Goodman_ (Beitrag #6) schrieb:
Auf jeden Fall ein audiophiler Genuß pur. Ich glaube aber auch, daß man diesen mit den damals zur Verfügung gestandenen (käuflichen) Hi-Fi-Alagen (noch) nicht gehabt hätte! Oder?


Nun, vermutlich nicht, die Masse der Hörer hatte bis Ende der 60er wahrscheinlich nur reine Mono-Anlagen zur Verfügung. Leider ist das inhaltlich-musikalisch nicht interessant für mich, deswegen werde ich leider passen müssen.
Curlew
Stammgast
#8 erstellt: 18. Okt 2014, 15:43

Goodman_ (Beitrag #6) schrieb:

Habe selbst vermutet, daß es sich um die Lichtontechnik handelt, aber auf der LP steht "Original master recorded on 35mm megnetic film". Würde ja heißen Megnetton.

Hier steht: ... This is the first of Enoch Light's forays into recording not on magnetic tape, but on specially coated 35mm film ...
Also doch keine Lichttontechnik. Vielleicht handelt es sich wirklich um die von arnaoutchot beschriebenen 35-mm-Tonbänder.


Den Vorteil zum damaligen Bandaufzeichnungs-Verfahren sah man darin, daß man auf einen 35mm-Film aufgrund der Breite mehrere Tonspuren und mit größeren Abständen zueinander aufbringen konnte. Wie "arnaoutchot" jedoch erwähnte, hat man das Gleiche dann auch mit einem 35mm breiten Band erreicht.

Das Gleiche ging 1961 aber auch schon mit Magnetbändern. Die ersten 8-Spur-Geräte gab es, glaube ich, 1958 oder 1959. Wenn es allein um Rauschvermeidung gegangen wäre, hätte man auch weiterhin die Platten direkt schneiden können.


Beim Film trat keinerlei Grundrauschen auf, keine Verzerrungen, wesentlich höhere Dynamik, unvorstellbare Klarheit/Durchsichtigkeit des Klangbildes. Durch die beiderseitige Perforierung des Filmes konnte dieser 100%ig gleichmäßig am Tonkopf vorbeigeführt werden.

Beim Lichtton vielleicht. Der magnetisch beschichtete Film wird aber genauso ein Grundrauschen haben, wie ein Tonband, denn er ist ja letztlich nichts anderes. Die Frage ist nur, ob es stört.

Ich finde das aber sehr interessant, was es damals alles so gab...


Auf jeden Fall ein audiophiler Genuß pur. Ich glaube aber auch, daß man diesen mit den damals zur Verfügung gestandenen (käuflichen) Hi-Fi-Alagen (noch) nicht gehabt hätte! Oder?

Wenn man das Geld dafür locker gemacht hätte, sicherlich. Immerhin leben wir im Mutterland der Hifi-Magnetton-Technik - wir hatten 1944 schon Hifi-Stereo-Aufnahmen! Leider hat man damals seine Energie lieber in Weltkrieg als in Musikaufnahmen gesteckt...


[Beitrag von Curlew am 18. Okt 2014, 15:45 bearbeitet]
Goodman_
Stammgast
#9 erstellt: 19. Okt 2014, 10:40
Seht auch mal bei Google unter "magnetic 35mm film". Da findet man eine Reihe von Informationen. Außer Mercury und Command Records hatte auch das Label "Everest" die 35mm Magnetfilm-Technik benutzt. Bei Mercury tauchen auch Künstler auf, wie Frank Sinatra ("The Concert Sinatra" 1963), David Carroll, Xavier Cugat, Frederik Fennell, Richard Hayman. Auch unter dem Label "DOT" sind Namen, wie Lawrence Welk, Billy Vaughn und die Platte "I LOVE" (Miles Davis -35mm).
Weitere Infos betreffen auch die Technik mit vielen Texten und vor allem anschaulichen Bildern dieser 35mm-Recorder. Dabei bin ich auch auf ein "Steve Hoffman Music Forums" gestoßen, in dem man auch etwas über die 35mm-Technik wissen will.
Auch Amazon ist angeführt. Dort wird noch eine Demo-LP angeboten, zu einem stolzen Preis von ca. EUR 46,--! Titel:"A Demonstration Of 35mm Magnetic Film". Label Mercury, ASIN B001399HCE.

Verstehe jetzt auch, daß auf dem 35mm-Film keine Tonspuren aufgebracht werden, wie von mir ursprünglich angenommen, sondern, daß die Magnetpartikel dem Film bei der Herstellung beigemischt werden, im Prinzip wie bei der Herstellung eines Tonbandes. Dieser 35mm-Film soll auch dicker sein, wie ein normaler 35mm-Film, und angeblich 10x teuerer wie ein Tonband.

Gruß Blacky


[Beitrag von Goodman_ am 19. Okt 2014, 13:19 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#10 erstellt: 19. Okt 2014, 18:54

Goodman_ (Beitrag #9) schrieb:
Außer Mercury und Command Records hatte auch das Label "Everest" die 35mm Magnetfilm-Technik benutzt.


Stimmt. Diese herausragende Aufnahme von Everest habe ich (neben ein paar anderen), da wurden die Bänder hochauflösend auf eine DVD-Audio übertragen. Klingt sehr gut.

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