Grafische Equalizer nicht mehr zeitgemäß?

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pattex
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 05. Jul 2015, 11:48
Ich habe als Laie eine Frage. Früher hatten eigentlich fast alle besseren Stereoanlagen grafische Equalizer mit Display, heute praktisch gar nicht mehr. Hat das eigentlich einen bestimmten Grund?

Ich fand die optische Darstellung ansprechend und auch die Funktion praktisch, den Klang relativ einfach nach den eigenen Wünschen anzupassen. Auf eBay findet man eigentlich nur alte Geräte ohne Digitale anschlüsse
sophist1cated
Inventar
#2 erstellt: 05. Jul 2015, 12:40
Meinst du sowas hier:

http://www.thomann.de/de/behringer_deq2496_ultracurve_pro.htm

Ist aus dem PA-Bereich und aktuell käuflich zu erwerben.

Heute glaubt man eher daran, dass Klangregler schlecht sind. Diese sparen sich die Hersteller daher ein und halten die Fronten der Geräte möglichst schlicht, gerade im High-End Bereich. Die Reinheit der Optik gleich Reinheit des Klangs? Das soll das spartanische Design zu mindestens erklären.

Ich persönlich halte davon nicht viel und setze daher auf Alt-Geräte aus dern 80ern. Hier waren die Fronten nicht gerade sparsam bestückt. Und habe auch zahlreiche Anschlüsse um einen altbacken grafischen Equalizier einzubinden (habe zwei: Sony SEQ-333ES und ADC Soundshaper 910).
DOSORDIE
Inventar
#3 erstellt: 05. Jul 2015, 21:22
Sieht zwar ganz hübsch aus aber im HiFi Rack doch unpassend.

Der Bling Bling Kram ist bei teureren Geräten halt out, vielleicht auch weil sich der Markt völlig gewandelt hat.

Die Wenigsten würden sich noch einen riesigen HiFi Turm hinstellen, weil es heute bereits netzwerkfähige AVRs gibt, in denen bereits Alles drin ist (Netzwerk, Internetradio, Spotify, UKW, Phono Pre Amp und parametrischer Equalizer mit Einmessvorrichtung).

Es liegt auch einfach daran, dass ein Graphic Equalizer eher im unteren Konsumerbereich Standardausführung war, in vielen Kompaktanlagen ist sowas integriert und da ist Klangverbiegung auch ganz wichtig, weil die mitgelieferten Boxen oft nicht sonderlich gut waren.

Die Anzeige, die du meinst ist übrigens nicht der Equalizer selbst, sondern ein sogenannter Analyzer, der ist in solchen Geräten aber meist eher Spielerei, weil die Genauigkeit meistens keine Aussage hat, oft gibt es auch vom untersten bis zum oberen Segment keinen Bezugspunkt was den Pegel angeht und so blinkt es halt schön vor sich hin und sieht gut aus. Nicht an jedem Equalizer ist automatisch ein Analyzer integriert und es gibt da ja auch Analoge und digital gesteuerte Die analogen haben die klassischen Schieberegler, deshalb ja auch Graphic Equalizer, wenn man die Regler verstellt, ergibt das ein Muster.

Da der HiFi Turm in den 70er und vor Allem 80er Jahren ein Statussymbol war und auch ein totales Stylerobjekt, wie heute das Smartphone oder der PC musste das eben spektakulär und technisch aussehen. Der Klang war dann bei der Masse gut wenns "n guten Bass" hat. Von nem "guten Bass" sprechen eigentlich immer nur Ahnungslose, denn eine wirklich hochwertige Anlage hat ein relativ neutrales Klangbild und da sind alle Frequenzen von Tief bis Hochton vorhanden, da braucht man normalerweise auch keinen Equalizer und wenn dann nur zur minmalen Anpassung von 3 oder allerhöchstens 6 dB, eigentlich hebt man die Frequenzbänder auch eher nicht an, sondern senkt sie ab.

Teure Equalizer, wo man auch den Frequenzumfang der einzelnen Regler einstellen kann (Q Factor), hatten in den 80er Jahren teilweise ein Messmikrofon mit dabei, man konnte dann über eine Mess CD oder Schallplatte Frequenzgangfehler, die durch den Raum erzeugt werden und eigentlich in jedem Raum vorhanden sind ausgleichen, bereits in der ersten Hälfte der 80er gab es Digitale Soundprozessoren, die diese Einmessung automatisch erledigten.

http://www.hifidatabase.com/static/gallery/5/2845-SEA-M9B.jpg

Das ist so ein Gerät, da fährt unten auch ne Lade raus, wo man noch zig Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten hat. Sowas kostete damals aber über 2000 Mark und das hatten dann nur HiFi Freaks, die nicht davon überzeugt waren, dass der beste Klang aus der Anlage kommt, wenn alle Klangregler abgeschaltet werden.

Richtige High End HiFi Ketten sind nämlich meistens ziemlich minimalistisch, da sind keine Klangregler dran, sondern nur das Nötigste und das kostet so viel ein Auto und das Goldohr, dass dann schon allein Tausende von Euro für die Kabel ausgegeben hat hört zwischen jedem Verstärker und Kabel einen Unterschied, was natürlich absoluter Blödsinn ist.

Seit den 90er Jahren gibt es die Heimkinofraktion, die dann wieder andere Ansprüche stellt, als der klassische HiFi Freund oder High End Freak. Der AVR hat die Einmessfunktion integriert und so braucht man keinen getrennten Equalizer mehr, der ja auch nur zusätzlich Platz wegnehmen würde.

Da das Prestigeobjekt HiFi Turm faktisch nicht mehr existiert, dem Normalbürger der Sound schon immer reichlich egal war und Platz sparen in ist gibt es auch keine Standalone Equalizer mehr für den Heimbereich, das kauft einfach Niemand mehr.

Ich finds auch n Bisschen schade, weil viele Produktionen soundtechnisch sehr schlecht abgemischt sind und wenn mir das Lied aber gefällt möchte ich es trotzdem in vernünftiger meinem Geschmack angemessener Qualität hören können, wenn da durch Dynamikkompression natürlich Alles am Zerren ist und schmutzig klingt hilft auch ein Equalizer nicht, aber bei dünn klingenden 80er Jahre Aufnahmen, die so spitz und scharf im Mitten und Höhenbereich klingen und oft in den Ohren schmerzen, wenn man zu laut dreht kann man z.B. Einiges verbessern indem man entsprechende Bereiche senkt und den Bass minimal andickt, da bin ich dann sehr dankbar für den Equalizer und auch weil ich gerne noch auf Band aufnehme oder alte Bänder anhöre, die nicht gut aufgenommen wurden, da kann man mit dem Equalizer Einiges raus holen.

Aber man kann damit auch echt Blödsinn machen. Mein Fisher Turm hat sowohl am Verstärker einen parametrischen, als auch noch mal einen getrennten graphischen Equalizer mit 9 Bändern. Wenn man den parametrischen einschaltet und die Bässe voll anhebt sind das 10 oder sogar 12 dB, dann kann man noch zusätzlich um weitere 10 oder 12 dB per graphischem EQ anheben, dazu kommt dann noch die Loudness, die auch noch mal um 8 oder 10 dB anhebt. Da kannst du mit dem Teil eine Bassanhebung machen, die klingt, als würdest du direkt im Subwoofer sitzen, da fallen garantiert die Teller ausm Regal - kein Witz. Der Traum eines jeden Jugendlichen, mit 14 hätte ich das geil gefunden, aber jetzt nutze ich beide Equalizer meistens gar nicht und wenn dann so wie sie eigentlich gedacht sind, nämlich um Frequenzgangfehler auszugleichen oder bei schlechten Aufnahmen minimal gegenzuwirken.

Die klassische Badewanne (Bässe und Höhen stark angehoben) macht halt dann Sinn, wenn du nur kleine Regalboxen hast, die vor Allem im Bassbereich ohne etwas Hilfe nicht so viel Volumen haben oder nicht so tief gehen, bei günstigeren Standboxen ist das meistens schon in der Frequenzweiche mit eingeplant, damit es dem Geschmack der Allgemeinheit entspricht (die steht nämlich voll auf Badewanne)...

So einen 9 oder 10 Band Graphic Equalizer kriegst du aber bei ebay relativ billig, auch die günstigeren Geräte sind eigentlich ganz vernünftig, ich hatte mal so ein Soundwave Teil von nem Kumpel übernommen, selbst das hatte kein hörbares Grundrauschen und umfassende Speicherfunktionen nur das Display hatte leider keinen Gain Regler, bei lauten Ausgangspegeln ist die Amplitude dann im Display immer oben angestossen..

Ich hoffe ich konnte helfen.

LG, Tobi
pattex
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 05. Jul 2015, 21:35
Danke für die Antworten! Schade eigentlich, so ein Vintage-Teil würde mir schon gefallen, wenn es sowas mit digitalen Anschlüssen gäbe:

http://img.ukaudioma..._excellent_shape.jpg
Passat
Moderator
#5 erstellt: 06. Jul 2015, 10:58
Mit digitalen Anschlüssen ist mir kein Gerät bekannt.


DOSORDIE (Beitrag #3) schrieb:

Teure Equalizer, wo man auch den Frequenzumfang der einzelnen Regler einstellen kann (Q Factor), hatten in den 80er Jahren teilweise ein Messmikrofon mit dabei, man konnte dann über eine Mess CD oder Schallplatte Frequenzgangfehler, die durch den Raum erzeugt werden und eigentlich in jedem Raum vorhanden sind ausgleichen, bereits in der ersten Hälfte der 80er gab es Digitale Soundprozessoren, die diese Einmessung automatisch erledigten.


Es gab auch graphische EQs, die man einmessen konnte.
Mein Yamaha GE-60 gehört z.B. dazu.
Der hat serienmäßig ein Mikrofon dabei und einen eingebauten Generator für Rosa Rauschen.

Grüße
Roman
ohne_titel
Inventar
#6 erstellt: 06. Jul 2015, 19:13
aus dem beschallungssektor gibt es natürlich jede menge lösungen mit digitalen anschlüssen; meist als aes/ebu, aber das läßt sich ja auf spdif adaptieren.

ich persönlich bevorzuge seit jeher parametrische eqs; es ist fast immer besser, wenige filter mit korrekter güte zu setzen als viele mit fixer hoher güte. im beschallungssektor haben sich bei den grafischen eqs filter in terzbandabstand; je nach frequenzbereich ergibt das 27 - 33 bänder. dass hifi-eqs oft weniger bänder haben, liegt an preisgründen und daran, dass man laien scheinbar weniger fehlerquellen an die hand geben möchte; dem kann ich nicht ganz folgen: bereits mit drei bändern kann man große verheerungen anrichten.

oft wird die an- oder abwesenheit bestimmter funktionen zur glaubensfrage erhoben. was dabei selten beachtung findet: für die raumanpassung gelten andere anforderungen wie für den schnellen geschmacks-eq. das gilt in der professionellen welt genauso wie im hifi-sektor.
Django8
Inventar
#7 erstellt: 09. Jul 2015, 09:31

Der Traum eines jeden Jugendlichen, mit 14 hätte ich das geil gefunden


Oh ja, ich erinnere mich auch noch an diese Typen, die vor 25 Jahren an ihren "Türmen" sowohl am Verstärker wie auch am separaten Equalizer alles auf volle Pulle stellten . Dazu noch die damals beliebten "Surround-Effekt"-Schaltungen. Das klang dann so besch***** wie es sich hier liest :D.

Ich hielt Equalizer aber schon immer für völlig überflüssig, solange man einen "vernünftigen" Verstärker oder Receiver mit Bass- und Höhenregelung (bei meinem Marantz 2230 lassen sich sogar die Mitten regeln - das geht dann schon Richtung Equalizer) sowie Loudnessschaltung hat.


aber bei dünn klingenden 80er Jahre Aufnahmen, die so spitz und scharf im Mitten und Höhenbereich klingen und oft in den Ohren schmerzen, wenn man zu laut dreht kann man z.B. Einiges verbessern indem man entsprechende Bereiche senkt und den Bass minimal andickt, da bin ich dann sehr dankbar für den Equalizer und auch weil ich gerne noch auf Band aufnehme oder alte Bänder anhöre, die nicht gut aufgenommen wurden, da kann man mit dem Equalizer Einiges raus holen.


Du könntest die Aufnahme aber auch den PC entsprechend und "definitiv" "bearbeiten" - dann kannst Du Dir das mit dem Equalizer an der Anlage sparen :).
Passat
Moderator
#8 erstellt: 09. Jul 2015, 09:56
Naja, auch ein grafischer Equalizer macht schon Sinn, sofern man ihn auch auf den Raum einmisst.

I.d.R. wurde das allerdings nicht gemacht.

Ich kannte auch mal so einen Typen, der einen Equalizer "mißbraucht" hat.
Der hatte am Verstärker Lautsprecher mit Baß/Höhenüberhöhung angeschlossen, am Verstärker Bässe und Höhen voll reingedreht, am Equalizer ebenso und am Verstärker noch die Loudness eingeschaltet.
Er meinte, das das toll klingen würde.
Ich fands richtig mieß.
Das war nur ein ewiges Zischhhhhh, Bummmm, Zischhhh, Bummmm, .........

In der Zimmerecke hatte er übrigens richtig gute HiFi-Lautsprecher stehen, die aber nicht angeschlossen waren.
Er fand deren Klang nicht gut.

Grüße
Roman
Django8
Inventar
#9 erstellt: 09. Jul 2015, 10:53
Na ja, ich muss jetzt ehrlich sagen, dass ich ein solches "Soundergebnis" mit 13 oder so auch cool fand 8). Peinlich
raver3002
Stammgast
#10 erstellt: 09. Jul 2015, 10:57
Ich hab auch noch einen, ist im Moment aber "eingelagert" weil mein AVR die Funktion integriert hat. Mit Bedacht eingesetzt
funktioniert der sehr gut, hatte bei verschiedenen KH z.B. den Mittenbereich etwas angehoben bzw. eine "Badewanne" korrigiert.
Behalten werde ich das Mäusekino auf jeden Fall, wollte als Jugendlicher immer so ein Teil

IMAG0217
Schäferhund
Stammgast
#11 erstellt: 09. Jul 2015, 12:58

sophist1cated (Beitrag #2) schrieb:

Heute glaubt man eher daran, dass Klangregler schlecht sind. Diese sparen sich die Hersteller daher ein und halten die Fronten der Geräte möglichst schlicht, gerade im High-End Bereich. Die Reinheit der Optik gleich Reinheit des Klangs? Das soll das spartanische Design zu mindestens erklären.


Heute glaubt man auch, wenn man teilweise die Bilder von Räumen und Anlagen sieht, dass Teppiche, Gardinen und Polstermöbel schlecht sind.
Kahle Buden mit riesigen Fensterflächen, Fliesenböden und ein paar Regalen. Da können Klangregler und Equalizer, egal ob nun automatisch einmessbar oder nicht, auch nichts mehr "reissen"....
Apalone
Inventar
#12 erstellt: 09. Jul 2015, 15:45

Passat (Beitrag #5) schrieb:
Mit digitalen Anschlüssen ist mir kein Gerät bekannt......


Aus dem PA-Bereich schon, da gibt's/gab's sowas.

Ich setze Terzband-EQs in separaten KH-Anlagen ein.
<< Vorverstärker >> EQ >> Kopfhörerverstärker.

Bei KHs hat man ab und zu einen, der grundsätzlich gut klingt, aber kleinere "Macken" hat.

zB der "Beyer"-Peak oder minimale Bassschwäche beim AKG 701.

In der "großen" Anlage sind Klangregler auch Tabu.
DOSORDIE
Inventar
#13 erstellt: 09. Jul 2015, 16:21
@Django8

Wenn es die Aufnahme digital tatsächlich nicht gibt, dann tue ich das und setze wenn mir was gar nicht zu sagt auch durchaus mal den EQ vom Bearbeitungsprogramm ein, wenn ich aber z.B. Tonbänder oder Cassetten vom Flohmarkt "sichte" oder eine Schallplatte höre, deren Sound mir nicht gefällt ist ein physischer Equalizer schon eine tolle Sache.

Im Wohnzimmer habe ich grad gar Keinen und meistens stehen auch bei mir die Klangregler auf Off.

Die grafischen Equalizer machen gerade bei Bandaufnahmen Sinn, weil da durch falsche Einmessung oder verkehrte Bandwahl der Mittelton oder Hochtonbereich extrem abweicht, das kann man damit super abgleichen, da braucht es auch kein besonders hochwertiges Gerät, so ein "Liveabgleich" funktioniert mit den voll analogen EQs noch echt am Besten, bei den Digitalen ist es schon um Einiges umständlicher.

Ja, dass es auch analoge EQs mit Einmessmikrofon gab weiß ich, JVC hatte anscheinend eine ganze Zeit lang mal Equalizer als kleines Steckenpferd, jedenfalls haben die in den 80er Jahre Heften jede Menge Geräte zur Auswahl, bei anderen Herstellern gabs eher nur 1 oder 2 Typen, das frühe 80er Spitzenmodell von JVC war jedenfalls mit Einmessvorrichtung aber ohne Computer.

LG, Tobi
killnoizer
Inventar
#14 erstellt: 10. Jul 2015, 21:44
Hab hier auch nen Technics SH-8066 stehen . Programmierbar und mit Einmessautomatik .
Aber ohne die originalen Mikrofone muss ich meine Equalizer ( hab mindestens 8 Stück in allen Qualitätsstufen für Homerecording ) weiter auf meine Ohren einjustieren .
Vom JVC den ich habe war auch mal die Original Rechnung von ca. 1982 vorhanden . 900,- DM hat der 2x12 damals gekostet .
sophist1cated
Inventar
#15 erstellt: 11. Jul 2015, 17:03
Meine beiden analogen EQ, Sony SEQ-333ES und ADC-SS910, lassen sich mit einem Mic koppeln und dann entsprechend der Raumakustik angleichen.

Ein Heim-HiFi-EQ im Oldschool-Look mit digitalen Ein- und Ausgängen gibt es meines Wissens nicht.

Hier mal meine beiden Schätzchen:

DP3M0891
Sony SEQ-333ES


DP3M0715-001
ADC SS-910
DOSORDIE
Inventar
#16 erstellt: 11. Jul 2015, 20:10
Was ist denn ADC für ein Hersteller? Hab ich noch nie gehört. Der EQ sieht aber schön aus.

LG, Tobi
Passat
Moderator
#17 erstellt: 11. Jul 2015, 20:51
ADC war ein US-Hersteller.
Den gibts seit über 20 Jahren nicht mehr.

Grüße
Roman
The_Great_X
Gesperrt
#18 erstellt: 11. Jul 2015, 22:06
also da möchte ich etwas Grundlagenwissen los werden:

ob und weshalb EQs und ähnliches schlecht sind ist eine Glaubensfrage

Fakt ist das eine Pegelveränderung eines EQ Bandes Zeit kostet, und der Phasengang damit beeinflusst wird!
im Bereich PA versucht man daher lieber Pegel abzusenken als anzuheben

die "Badewanne" mit den "Kuhschwänzen" eines Verstärkers zu realisieren ist meist viel zu unpräzise

zur Entzerrung von LS und Raum sind Parametrische EQs viel besser geeignet
falls diese aber gute Präzision und Qualität haben sind sie recht teuer

Imho ist der EQ/Analyser Hype der 80er und 90er eine typische Ausgeburt des Phänomens wenn ein HiFi Verkäufer oder Marketing Manager
ein Professionelle Mastering/Recording Studio besucht und auf irgend ein Werkzeug trifft das man evtl der HiFi Klientel verkaufen kann!

sehr ernüchternd wird dann der Vergleich zwischen einem HiFi und Studio Gerät
manchmal tut das dann richtig richtig weh weil man einmal ein Profiwerkzeug und demgegenüber ein Spielzeug Gadget vergleicht!

Auch wird manchmal versucht das Schaltungskonzept etwas anders aufzuziehen,
JVC zB nutzt VCAs statt Hüllkurvenfolger und nennt das dann Sound Effekt Amplifier anstatt EQ
benutzt man den JVC SEA-R7 im Studio wird klar das da was anderst ist ...........aber nicht verkehrt!

Pioneer hat in den 80ern auch Hall und Dynamic Expander angeboten, und DBX hat auch diverses im Bereich Kompander angeboten!
auch der Aphex Exciter/Enhancer hat ebenfalls viele Fans beim Band überspielen gefunden - zurecht wie ich finde !
und SPL hat auch einige wenige Geräte für HiFi herausgebracht - zur Zeit erhältlich ist der PSD 4000

in meinen Augen ist es absolut nicht verwerflich klang-beeinflussendes Equipment bei der Wiedergabe einzusetzen!
dabei sollte aber der Anwender wissen was er da tut - und es sollte kein modisches Spielzeug sein das entweder zu brachial oder nicht präzise ist!

ist halt entscheidend was ich machen/haben möchte: ein günstiges Feature mit bunten LED Zappellichtern oder ein veritables Sound Werkzeug!
eine Möglichkeit punktgenau einzugreifen oder einen Effekt der unüberhörbar deutlich hervortritt und alles mit Zuckerguß und Sirup einkleistert!

aber bedenkt man das der Durchschnittskunde nicht einmal den Unterschied zwischen einer Steuerung oder Regelung begreift, lässt man als Entwickler sowas lieber weg und behauptet solche Einflussnahme wäre prinzipiell schlecht und verwerflich. Denn auch wenn man Dinge weglässt und das marketingwirksam begründet, kann man den Preis (Gewinnspanne) erhöhen!

zum Beispiel den SPL Dynamaxx, den Transient Designer, den Cure alsauch den BSS DPR 901 werde ich nie nie mehr aus meiner Anlage rausnehmen - Punkt aus Ende


Grüße TGX
sophist1cated
Inventar
#19 erstellt: 11. Jul 2015, 22:27
Dem stimme ich zu.

Bei den Heim-HiFi-EQs reichen die Frequenzbänder auch nicht aus, sind schlicht zu wenige. Auch das Einmessen mit den wenigen ist daher ein Witz. Im Grunde genommen Spielerei, dem bin ich mir voll bewußt.

Trotzdem sind die Ansprüche zu Hause zwar hoch, aber müssen ja nicht Studio-Niveau erreichen. Um die ein- oder andere schlechte Aufnahme zu Hause ein bißchen aufzupeppeln reicht so ein einfacher EQ völlig aus. Hilft natürlich nix, wenn der Raum an sich eine akustische Katastrophe ist, wie Schäferhund schon richtig sagte.

Der ADC-SS910 scheint übrigens recht selten zu sein. Habe den in den Kleinanzeigen entdeckt, aber dazu kaum Infos gefunden. Auf Verdacht gefunden und später rausgefunden, dass dieses Modell baugleich mit einem Conrad-EQ ist. Ist wohl irgendwo aus Fernost und ADC gelabelt, scheint mir. Ein Produkt aus den letzten Zügen.
The_Great_X
Gesperrt
#20 erstellt: 12. Jul 2015, 00:24
Conrad - sehr richtig!
der ADC ist mit dem Soundcraft ziemich identisch:
http://www.radiomuse...ectrum_cma_8000.html

generell gibt es viele Geräte die sich sehr ähnlich sind!

TDS und CPA waren auch zwei Conrad Marken (Studio/PA/Speaker)
und nur weils Online zu manchem null info gibt heisst das noch garnichts - die Endstufen von BE aus Erkrath die ich besitze kennt auch NIEMAND - was solls

generell würde ich nicht versuchen etwas mit einem EQ "aufzupeppeln"
hat eine Bandaufzeichnung zB keinen Bass oder keinen Hochton verhunzt man mit einem EQ nur die SNR und erzeugt rauschen,
und im schlimmsten Fall kippt die Tonale Balance ! "wo nix ist kann man auch nichts anheben"
Wie schmalbandig manche Überspielfehler oft sind wird nur klar wenn man präzise Messen kann.
Und ein BBE Sonic Maximizer macht den Job der HiFi Badewanne unzweifelhaft besser als ein 10 band HiFi EQ ohne umschaltbare Charakteristik
- da endet die tiefste Glocke oftmals bei 120Hz ........
lägen die Bänder mit unterschiedlicher Filtergüte auf wichtigen Punkten wie 40 440 2,4 4,8 und 12 käme man auch mit 10 Potis zurecht

aber dann schreibt der Hersteller lieber andere Bezeichnungen an die Knöppe wie Definition Presence und Air.....es geht schließlich um Kohle und Profit.....dem erfüllen von Erwartungen und dem wecken von Bedürfnissen, egal ob berechtigt oder nicht.......macht man den Kunden "ZU GLÜCKLICH" verliert man ihn die nächsten 10 Jahre als Kunden und mann muss sich dann fast ein Jahrzehnt die Finger mit Werbung wund schreiben bis er wieder auf ein Schlagwort wie TFT/HD etc. reinfällt.

Und daher macht es für den kompetenten lowcost Konsumenten mehr Sinn kostenlose Audioeditoren und Effektplugins zu nutzen, um etwas aufzupolieren, und den ADDA Wandlungsschritt (wohlwissend dessen Transparenz) in Kauf zu nehmen!
Ist die Aufnahme verschlissen kommt man selbst mit Audacity (Würg-Krampf) weiter als mit einem Schiebe Regler Verhau von Kenwood/Pioneer

denn unterm Strich sind 100€ in ein gutes Audio Interface besser investiert, als in einen HiFi EQ zweifelhafter Güte und undokumentierter Arbeitsweise!

kostenlose gute Audiotools und Plugins zur Frequenzgangentzerrung gibt es Tonnen(Terabyte) weise:
aber Matthew Lindsays NCL EQs (Para und StereoPhase)
möchte ich hier mal nennen! Sind alles nur Beispiele:
zum füllen von Hochton Lücken ist der Redstair RS Enhancer recht brauchbar, und JB-Send von Jeroen Breebaart natürlich.
und fürs Low End besser ein Subbass Generator (octaver) ala MB CreamBass anstatt ein EQ
(weitere Tipps und Anregungen gerne per PM)

Und wer Hochwertiges Werkzeug zu schätzen weiß, kauft auch gerne solide Hardware aus dem Produktions Sektor anstatt sich von HiFi High End Verkäufern blinkenden VooDoo Müll andrehen zu lassen unter dem Slogan der "spektralen Verbesserung" - kommt preislich aufs selbe raus

Und wie gesagt, all jenen die nicht wissen was sie da eigentlich machen, sollte man den EQ einfach wegnehmen, mit den allseits bekannten Dogmen der Transparenz Lüge seitens der Hersteller und Händler!

keine Ahnung = Finger weg
mag hart sein und auch den einen oder anderen beleidigen, ist aber leider so!

Für mich gehört klang-beeinflussendes Gerät zwingend zu meiner Anlage, und weil mein Bedürfnis danach konkret und anspruchsvoll ist, befriedigt mich das was die HiFi Sparte da zu bieten hat nicht!
deshalb aber zu sagen ein EQ sei nicht mehr Zeitgemäß oder hätte in einer guten Anlage nichts verloren, halte ich für falsch

LG TGX


[Beitrag von The_Great_X am 12. Jul 2015, 00:28 bearbeitet]
Schäferhund
Stammgast
#21 erstellt: 12. Jul 2015, 00:24
The_Great_X schrieb:

in meinen Augen ist es absolut nicht verwerflich klang-beeinflussendes Equipment bei der Wiedergabe einzusetzen!


in meinen augen auch nicht und deshalb habe ich den hier auch schon lange in der anlage drin. bei moderatem einsatz, gerade bei klassik, ein enormer gewinn an brillanz und durchhörbarkeit.

DSCN0463_1_bearbeitet-1

gruß andreas
The_Great_X
Gesperrt
#22 erstellt: 12. Jul 2015, 00:45

Schäferhund (Beitrag #21) schrieb:
The_Great_X schrieb:

in meinen Augen ist es absolut nicht verwerflich klang-beeinflussendes Equipment bei der Wiedergabe einzusetzen!


in meinen augen auch nicht und deshalb habe ich den hier auch schon lange in der anlage drin. bei moderatem einsatz, gerade bei klassik, ein enormer gewinn an brillanz und durchhörbarkeit.

DSCN0463_1_bearbeitet-1

gruß andreas


yup der PSD 4000 ! wie ich vorhinn schon schrieb, ein gutes Werkzeug mit defacto Vorzeige Eigenschaften!
wenn du den Magst dann leihe dir nen Transient Designer und einen Cure von SPL - das haut jeden HiFi EQ Nutzer aus den Schuhen!

wie gesagt: die Unterschiede zwischen Studio und HiFi sind oftmals zum weinen

Hör dir mal einen PMC BB5-A Monitor an und suche was vergleichbares im HiFi Laden das deutlich mehr kann oder günstiger ist - viel Spaß

guts Nächtle
TGX
sophist1cated
Inventar
#23 erstellt: 12. Jul 2015, 09:46
Man kann es auch übertreiben.

Die meiste Zeit bleibt mein EQ eh aus. Es geht ja wie gesagt nur um schlechte Aufnehmen und dann wird auf die schnelle ein Band angehoben oder abgesenkt. Alles andere ist wieder zu kompliziert und das Studio-Zeug passt sich nicht gerade optisch perfekt in die Heim-Anlage ein.
niewisch
Ist häufiger hier
#24 erstellt: 20. Nov 2015, 12:39
Hallo zusammen,

mal offen und ohne Scham gefragt: wer hat denn einen grafischen Equalizer einfach nur aus nostalgischen oder technikverliebten Gründen zu Hause im Einsatz? Ich gehe davon aus, dass mir so ein Gerät überhaupt nicht weiterhilft, aber es juckt mir irgendwie in den Fingern, mir eine hübschen Equalizer anzuschaffen und den einfach auf Bypass mitlaufen zu lassen. Völlig sinnfrei, ich weiß... aber stehe ich mit diesem Gedanken alleine da?

Grüße,
Steve
Passat
Moderator
#25 erstellt: 20. Nov 2015, 12:51
Ich hatte früher graphische EQs im Einsatz.
Bei meiner alten diskreten Surroundanlage satte 5 Stück (1x für Front, 1x für Surround, 1x für Front Presence, 1x für Rear Presence, 1x für Center).
Alle EQs waren auf den Raum eingemessen.

Heute macht das alles der AVR.

Grüße
Roman
Django8
Inventar
#26 erstellt: 20. Nov 2015, 12:51
@ niewisch: Nein, damit stehst Du sicher nicht alleine da. Ich z.B. habe ein PIONNER SR-303 Reverb-Ding nur des Displays wegen am Mitlaufen


[Beitrag von Django8 am 20. Nov 2015, 12:52 bearbeitet]
puffreis
Stammgast
#27 erstellt: 23. Nov 2015, 12:44
Equalizer haben einen negativen Touch, weil früher falsch bedient worden ist.
Man hat komplett auf Betriebsschallkurve entzerrt, was höhenlastig/lästig klang.
Heute weiß man, dass man nur den Bassbereich auf Betriebsschallkurve (bis Schröderfrequenz) entzerrt und den Rest auf Freifeld.
Vor allem entzerrte geschlossene Boxen klingen wie ausgewechselt, außer die Membranfläche ist zu gering, dann kann der TT bei hohen Lautstärken schon mal anschlagen.
Chamaeleon73
Stammgast
#28 erstellt: 26. Nov 2015, 14:50
@ niewisch

ich hab auch noch einen alten Technics SH-GE90 in meiner Anlage. Ich hab das Ding aber fast nie eingeschaltet, da mein Receiver nur analoge Signale weiterreicht. Die meisten Quellen bei mir sind Digital und da bleibt das Display leider tot. Mein alter Receiver hat noch die Digitalsignale heruntergewandelt in analog am Tape-Ausgang ausgegeben, da war das gute Stück wegen der Optik eingeschaltet. Vor dem Technics hatte ich einen Kennwod GE-7030 (wie auch auf raver3002's Bild) in Betrieb, der hatte irgendwann jedoch leider einen Defekt und ging nicht mehr an. Dieser Kenwood war vom Display noch schöner wie der Technics. Zum Frequenzen verbiegen hab ich die Dinger aber eigentlich nie genutzt, mir gings auch nur um die blinkenden Anzeigen.

Gruß Stefan
killnoizer
Inventar
#29 erstellt: 02. Dez 2015, 19:15
Ich habe so ungefähr 6-7 verschiedene EQ rumstehen.
Ein großer 2x12 Band von JVC in silber sucht einen neuen Besitzer. Für hifi nutze ich die nicht.
Bei Interesse einfach mal PM an mich.
The_Great_X
Gesperrt
#30 erstellt: 06. Jan 2016, 16:34
dann verstehe ich nicht weshalb EQ!?!?!?!

ich glaube da gibts ein generelle missverständniss der Nomenklatur!

euer Interesse gillt einem Spectrum Analyser nicht einem EQ!

wer darauf steht soll sich doch nen Pc nehmen und Winamp/foobar-Visuals nutzen

oder sich sowas hier basteln:
Nixie Tube Analyser
das ist dann cool und zweckmäßiger als ein Effektgerät das nichts tut!

LG TGX
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