Technics SU 7700K eine kleine Revision

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Broesel02
Inventar
#1 erstellt: 16. Apr 2020, 21:55
Wenn wir in der Oberstufe während meiner Schulzeit Feeten gemacht haben, meistens ja im ausgeräumten Keller, dann war dieser Verstärker aus meiner damaligen Sicht immer einmer der Garanten für genug Musik:

Technics SU 7700

Der hatte genug Power, hielt auch die ganze Feete durch und schaltete nicht ab und hatte nach meiner damaligen Meinung auch einen ordentlichen Klang. Die Meinung mit dem Klang habe ich dann später geändert. Aber ein solider Verstärker ist dieses Modell trotzdem. Da wollte ich doch schon immer mal näher reinschauen. Irgendwann ist mir dann auf den üblichen Quellen einer 7700k begegnet der für schmales Geld zu mir kommen konnte. Laut Vorbesitzer in Ordnung aber starke Kontaktprobleme, daher als defekt verkauft. Das Gerät hat dann über ein Jahr auf die Corona- Pandemie warten müssen bis ich Zeit gefunden habe es mal auf den Küchentisch zu holen.

Technics SU 7700

Auf alle Fälle schaut er noch sehr gut aus

Technics SU 7700

Technics SU 7700

Technics SU 7700

Technics SU 7700

Dann Deckel mal abgehoben. Ein recht konservatives Gerät, alles auf einer großen Pertinax Platine untergebracht. Aber immerhin hat dieser Technics schon ein Gehäuse komplett aus Metall, keine Presspappe für Boden oder Rückwand. Und vier TO-3 Leistungstransistoren auf einem großen Kühlkörper. Da kam auch die Feetentauglichkeit her. Der Elac- Receiver von meinem Vater hat auf Feeten immer dicke Backen gemacht und aufgegeben. Üblich war in der Zeit leider auch der Kabelsalat weil alle Anschlüsse von den Buchsen hinten nach vorn zu den Schaltern geführt werden

Technics SU 7700

Ich habe das Gerät auch kurz angeschlossen. Die Schutzschaltung gibt frei aber der Ruhestrom steigt in den ersten Minuten nach dem Einschalten recht weit an. Das ist nicht so glücklich, das werde ich ändern.

Doch erst mal weiter zerlegen.

Technics SU 7700

Lautstärkepoti mit Abgriff für Loudnessregelung und das Balance Poti hat in der Mitte einen Masseanschluss - daher braucht man nur ein Poti für beide Kanäle

Technics SU 7700

Die Schalter waren extrem eingesprüht

Technics SU 7700

Die Reste vom Sprühspray auf dem Bodenblech. Leute, vom Sprühen wird kein Schalter wieder sauber!

Technics SU 7700

Zuerst also mal die Schalter zerlegen und polieren

Technics SU 7700

Wie soll so ein Grünspan durch Spray von außen beseitigt werden?

Technics SU 7700

Technics SU 7700

Technics SU 7700

Danach habe ich in der Phono- Stufe alle Kondensatoren erneuert und den Eingangs- und Ausgangswiderstand durch einen Dale Typen ersetzt. Natürlich kann man noch viel mehr machen aber da erschienen mir Aufwand und Nutzen nicht mehr in einem vernünftigen Rahmen.

Vorher
Technics SU 7700

Nachher
Technics SU 7700

Und morgen gehts dann weiter
Geruchsneutral
Stammgast
#2 erstellt: 17. Apr 2020, 11:55
Den SU-7700/K hatte ich auch bereits 2 Mal hier. Beide male mit eingesprühten Schaltern (einer davon mit Ballistol - da war dann auch das Schaltergehäuse "angegrünt"... im Allgemeinen ne ziemliche Sauerei gewesen ). Beim 2. waren auch fast alle Elkos ausgelaufen....also raus mit de Viecher. Wenn die wieder laufen, machen diese Technixe aber echt Spaß.

Naja, bin gespannt wie's weitergeht
Broesel02
Inventar
#3 erstellt: 17. Apr 2020, 21:48
So,
bei der eigentlichen Endstufe habe ich dann doch etwas mehr gemacht. Daher hier erst mal der betreffende Schaltplanausschnitt

Technics SU 7700K

Die Grundkonstruktion ist recht einfach gehalten, Eingangsdifferenzverstärker mit einem Stromspiegel drüber, dann noch ein Emitterfolger, Bootstrap und schon geht es auf die Treiberstufefür den Ruhestrom. Die Ruhestromregelung wird von einem Transistor gemacht der mit im großen Kühlkörper untergebracht ist.
Man konnte als der Technics auf den Markt kam für das Geld auch Verstärker mit aufwendigeren Endstufen kaufen, aber dieser Verstärker hat sich ja gut verkauft. Die Ruhestromregelung ist über eine Widerstandskette festgelegt, R219/1kOhm & R221/82Ohm & R2231/150Ohm. Der R221 ist dabei normalerweise gebrückt. Sollte der Ruhestrom zu nierdrig sein kann man die Brücke durchtrennen und so einen höheren Ruhestrom erzwingen. Das find ich etwas grob. Ich habe daher den R223 auf 100 Ohm geändert und statt des R221 ein 100Ohm Timmerpoti eingesetzt. Damit kann man den Ruhestrom jetzt vernünftig einregeln.
Und noch etwas: Der Eingangsdifferenzverstärker hängt mit R205 an einem 12 kOhm Longtail- Widerstand an dem die Spannung von 22V auf 0,6V abfällt. Hier habe ich eine kleine Stromquelle mit einem LM 334 installiert. Es fliesst ein Strom von I =U/R => 21,4/1200 = 1,8 mA. Damit wird der SET Widerstand bei etwa 40° im Gerät 40 Ohm.

Technics SU 7700K

Ich habe noch die Emitterwiderstände gegen nichtmagnetisch DALE CPF Typen getauscht, alle Kondensatorens erneuert, die Relais- Kontakte gereinigt (die waren noch nicht verschlissen) und einige aus meiner Sicht relevante Widerstände gegen Dale Typen ersetzt.

Technics SU 7700K

Für den Bootstrap Kondensator habe ich einen Nichicon Fine Gold genommen, der Fußpunkt- Kondensator der Gegenkopplung ist ein Muse- Typ und in der Gegenkopplung vor dem Spannungsteiler ist der C265/C266 eine organic- Polymer Typ. Man kann die beiden Ruhestrom- Potis gut erkennen.

Beidem Netzteilkondensator habe ich überlegt ihn drin zu lassen aber ich musste eh bei Mouser bestellen und da habe ich einen gefunden der wunderbar in den kleinen Technics passt:

Technics SU 7700K

Hat zwar ein wenig mehr Kapazität aber hat auch 105°C, den gleichen Anschluß mit vier Pinnen unten die gleiche Maße. Da konnte ich nicht nein sagen.

Technics SU 7700K

Ich habe den Ruhestrom über beide Emitterwiderstände nach einer Stunde Betriebszeit auf 35 mV Spannungabafall eingestellt, das sind dann 18mV pro Widerstand. Technics gibt da 25mV an was ich für etwas viel halte

Technics SU 7700K

Der Stromverbrauch in Ruhe beträgt dann 21,8 Watt also etwa 22 Watt. Damit wird der kleine auch nicht mehr so warm und kann wieder die nächsten 40 Jahre spielen

Rechteck habe ich nicht fotografiert, sieht völlig gut aus.

Und klingen tut er natürlich auch wieder. Er klingt deutlich erwachsener mit der größeren Kapazität im Netzteil. Aber auch erheblich feiner. Er kommt nicht mehr ganz so grob im Klang herüber sondern kann auch mal Feindynamik zeigen. Rauschen oder Brummen ist keins hörbar

Hat sich doch gelohnt, oder?

Richard

Technics SU 7700K
Broesel02
Inventar
#4 erstellt: 17. Apr 2020, 22:47
ach so, bevor ich es vergesse: hier noch die "Ausbeute". Also die gewechselten Teile

Technics SU 7700K

Richard
Rabia_sorda
Inventar
#5 erstellt: 17. Apr 2020, 23:51
Hallo Richard,

und wieder ein klasse Reparatur-/Revisionsbericht von dir!
Da hast du sogar ebenbürtige Netzteilkondensator von Matsushita erwischt. Besser hätte es nicht sein können.
Der Technics sieht zudem auch noch sehr gut erhalten aus, da hat sich die Arbeit dann noch doppelt gelohnt.

Wenn ich hier irgendwo Technics lese, dann bin ich natürlich immer dabei und lese eifrig mit!



Grüße
Karsten
Poetry2me
Inventar
#6 erstellt: 18. Apr 2020, 08:37
Dem kann ich mich nur anschließen:
Ein toller Bericht über eine ausführliche und gelungene Revision.

Danke für die Bebilderung und die Hintergrund-Informationen

Mir gefällt, dass Du gezielt an jeder Position in der Schaltung die jeweils besonders geeigneten Bauteile verwendest, beispielsweise beim Ersatz der Elektrolytkondensatoren, Folienkondensatoren oder bei den Widerständen. Das geht darüber hinaus, pauschal überall Wima MKS2, PanasonicFC oder Nichicon FineGold einzusetzen.

Ich kenne auch niemanden, der bei einer Revision so konsequent den häufigsten Ausfall-Gründen nachgeht, zu denen eben nicht nur Elektrolytkondensatoren gehören, sondern auch Zener-Dioden, Emitterwiderstände etc. etc.

Respekt!

- Johannes
Poetry2me
Inventar
#7 erstellt: 18. Apr 2020, 12:33
Sicher werden auch andere Forumskollegen oder Besucher den Technics SU-7700 als Klassiker schätzen und revidieren wollen.

Weil der Schaltplan im Original etwas unübersichtlich gezeichnet ist, hier eine reduzierte Darstellung des linken Endstufen-Kanals mit farblich markierten Schaltungsstufen:

Technics SU-7700 schematic detail left power amp stages and voltages marked


- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 18. Apr 2020, 18:09 bearbeitet]
MacPhantom
Inventar
#8 erstellt: 18. Apr 2020, 16:25
Toller Bericht! Von den ganzen Klangbeschreibungen halte ich zwar überhaupt nichts (abgesehen vom besseren Signal-Rausch-Abstand höre ich keinen Unterschied zwischen meinem SU-7700 und meiner SE-A3/SU-A4-Kombination), möchte jetzt aber auch nicht die Rolle des Spielverderbers einnehmen.
An meinem hatte ich in einem Anflug auch mal (fast) alle Elkos ersetzt. Jahre später habe ich die dann mal nachgemessen – bis auf zwei in der Phonostufe hatten alle noch ihre Soll-Kapazität innerhalb 20%.

Der SU-7700 und sein kleinerer Bruder sind in der Tat relativ einfach aufgebaut, was die Schaltung angeht. Das sieht man u.a. daran, dass sie keine eigentliche Vorstufe haben; die Klangregelung z.B. greift direkt in die Endstufe rein. Auch die Ruhestromlösung ist etwas primitiv; ich habe bei meinem exakt dasselbe durchgeführt (Widerstände und Drahtbrücke durch Trimmpotis ersetzt). Aber wie du richtig beschrieben hast, ist der Knabe ein grundsolider Verstärker, der bei den wichtigen Komponenten exzellent ausgestattet ist: kräftiges Netzteil, TO3-Transistoren, grosser Kühlkörper, Metallabschirmung.

Hier mit Spielpartnern:


Broesel02
Inventar
#9 erstellt: 19. Apr 2020, 23:50
Eine sehr hübsche Kombination hast du da - und ein tolles Foto dazu. Dein Bild löst spontan den "auch haben wollen" Reflex aus. Ich habe die SE-A3/SU-A4 Kombo nie gehört. Da kann ich also nichts zu sagen. Aber ich stelle fest das nach 40 und mehr Jahren auch immer mehr passive Bauteile in den Geräten deutlich nachlassen. Häufig sind die Anfänge des Versagens schwer zu messen. Daher tausche ich eben meist etwas mehr, Teile von denen ich aus meinen bisherigen Erfahrungen annehme das sie gefährdet sind. Und wenn hinterher alles wieder frisch klingt und lange hält hat es sich gelohnt.

Richard
Rohrpostix
Neuling
#10 erstellt: 26. Mai 2020, 21:18
Hallo Richard,

vielen Dank für diesen ausführlichen Revisionsbericht. Ich habe ihn aufmerksam und mehrfach gelesen, während ich auf meinen frisch auf ebay erworbenen SU-7700K wartete. Dabei musste ich auch das im Laufe der Jahrzehnte etwas angestaubte Wissen über diverse Grundschaltungen etwas auffrischen. Heute ist mein Technics per Post gekommen und ich bin einerseits begeistert, andererseits etwas entäuscht: es gibt an dem Ding nix zu Basteln, nicht mal zu Putzen! Das Teil muss die letzten 40 Jahre gut geschützt in einem Karton verbracht haben. Alles ist wie neu, kein Schalter krächzt, kein Poti krazt. Hab' ich wohl Glück gehabt.

1978 hatte ich schon mal einen SU-7700K. Im jugendlichen Überschwang meinte ich, damit eine Gewerkschaftsjugendfete in einer Bahnhofshalle beschallen zu können. Es war der Bahnhof Wuppertal-Unterbarmen. Nun ja, am Ende war selbst die leistungsstarke Endstufe des SU-7700 durch und aus meinen Hoch- und Mitteltönern lief der Teer aus. Weil gerade verfügbar, habe ich damals mit dem 2N3055 und seinem Gegenstück die Endstufen bestückt. Damit lief er tatsächlich noch einige Jahre. Der Klang wird wohl nicht mehr der tollste gewesen sein, aber er lief halt.

Der SU-7700 ist ein absolut solides Teil, ich bin auch heute wieder begeistert.

Viel Spaß allen anderen Besitzern dieses wunderbaren Retro-Verstärkers.

Gruß
Andreas
Broesel02
Inventar
#11 erstellt: 27. Mai 2020, 21:57
Herzlichen Glückwunsch zu deinem schönen Technics Verstärker. Wenn du keinen Handlungsbedarf hast ist alles gut. Meine Erfahrung mit Geräten die lange gelagert wurden ist eher schlecht. Viellecht hat dein Gerät ja auch schon mal eine helfende Hand gesehen

Richard
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