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"Hörtest" Studiomonitore Genelec <-> Blue Sky

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tiki
Inventar
#1 erstellt: 26. Apr 2005, 22:28
Hallo,
Sonntag konnte ich im Leipziger SAE-Studio (relativ) kurz die Genelec 1031A gegen Blue Sky System One (letztere inklusive Subwoofer) hören.

Was mich völlig vom Hocker haute, daß bei einem dermaßen unterschiedlichen Klang beide Monitore aalglatte Frequenzschriebe für das Freifeld aufweisen, jedenfalls nach Herstellerangabe. Gegenüber den Genelec hatten die System One einen ziemlich gedeckten Klang, bei weitem nicht die Brillianz im obere Mitten- und Hochtonbereich. Das Auseinanderhalten und die Ortung von Stimmen und Instrumenten fiel deutlich schwerer. Der Unterschied war bei jedem Musikmaterial deutlich, bei Klassik und Jazz geradezu extrem.
Kann es sein, daß das Tonstudio trotz recht aufwendiger Dämpfung solch erheblichen Einfluß hat? Die System One Speaker nutzen übrigens Vifa-Ringradiatoren, na, wenn die Schuld wären...
Gruß, Timo
richi44
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 27. Apr 2005, 07:28
Die Blue Sky kenne ich nicht, die Genelec sehr wohl. Somit kann ich Dir nicht unmitetlbar auf Deine Frage nach dem Unterschied der beiden Lautsprecher antworten, sondern höchstens versuchen, eine allgemeine Erklärung abzugeben.
Richtig ist, dass die Genelec einen recht linearen Frequenzschrieb besitzen. Und zwar nicht nur die 1031, sondern alle Modelle.
Die ganze Zweiwegfamilie, ausser der kleinen 1029, klingt ziemlich einheitlich. Auch die Dreiwegmodelle haben einen ziemlich einheitlichen Klang. Aber zwischen den Zweiern und Dreiern liegen Welten. Dabei ist der Frequenzgang ja immer noch linear.
Der grosse Unterschied ist, dass die Trennfrequenzen nicht am gleichen Ort liegen. Bei der Dreiweg ist es einmal etwa 400Hz und einmal etwas über 3 kHz. Im musikalischen Mittenbereich, also da, wo die Grundwelle vieler Instrumente liegt, erfolgt die Wiedergabe über ein System. Dadurch sind Phasenfehler in dem Bereich, der zur Erkennung der Instrumente wichtig ist und in welchem das Ohr bei normaler Lautstärke eine hohe Sensibilität hat, relativ gering. Jedenfalls haben die meisten Zweiwegsysteme da deutlich mehr Mühe, phasenrichtig wiederzugeben. Ausserdem kann das Ein- und Ausschwingverhalten deutlich verbessert werden.
Tatsache ist, dass unkontrolliertes Ein- und Ausschwingen zu klanglichen Verwaschungen führt. Instrumente sind zu einem grossen Teil an ihrem Einschwingen zu erkennen. Aber auch die Kurvenform des Klangsignals ist nicht zu vernachlässigen. Wenn also Phasenfehler zu Kurvenverformungen führen, so klingt das Signal anders als bei richtiger Phasenlage, obwohl nach Fourier alle Frequenzen vorhanden sind.
Das Problem beim Lautsprecherbau ist, dass konventionelle Filter Phasendrehungen erzeugen. Überträgt man einen Rechteck, so führen Integral des Tieftöners, Differenzial des Hochtöners und DI des Mitteltöners zur theoretisch richtigen Kurvenform. Aber bei gleitendem Sinus bilden sich aus den Phasendrehungen im Übergangsbereich Auslöschungen und damit Frequenzgang-Einbrüche. Diese werden entweder mit steileren Filtern und damit verschlechtertem Impulsverhalten ausgeglichen, oder durch umgekehrt phasigen Betrieb des Mitteltöners. Dann stimmt natürlich der Recheck nicht mehr. Da helfen auch Equalizermassnahmen nicht mehr, wie sie etwa Klein und Hummel einsetzt. Im Gegenteil, je mehr Filter verwendet werden, desto unübersichtlicher wird das Phasen- und Impulsverhalten. Darum klingen die Hummeln wieder eine ganze Welt anders.
Die Konsequenz wäre ein Breitbandsystem ohne Weiche. Und Lowther hat ja seine Anhänger zu recht. Dass damit aber kein Frequenzgang zu erzielen ist, ist die Kehrseite der Medaille. Der Ausweg ist ein guter Mitteltöner, der möglichst den ganzen musikalischen Bereich abdeckt, also möglichst von 300 Hz bis 5 kHz. Und auch da müsste er noch jeweils eine Oktave reserve haben. Solche Chassis sind selten, aber es gibt sie. Dann braucht man nur noch den Bass, der sauber und trocken sein soll, der aber musikalisch im engeren Sinne keine Bedeutung hat und nur BUMM machen muss. Und man braucht einen Hochtöner, der fein auflösen und sauber zeichnen soll, der aber ebenfalls nichts zur Musik im engeren Sinne beiträgt und nur SSSSS macht.
Patrick
Stammgast
#3 erstellt: 27. Apr 2005, 10:40
@richi44:
Die achso gemeinen Phasedrehungen machen praktisch fast keinen Unterschied wie dir jeder der es bei der Klein+Hummel O500 mal verglichen hat bestätigen kann.
Falls du es genauer untersucht hast kannst du sicher auch Hörschwellen angeben, das wäre hilfreich bei der Bewertung.

Es gibt 2 Frequenzgänge die extrem wichtig für den Klang sind: der Amplitudenfrequenzgang auf Achse und der Bündelungsmaßfrequenzgang.

Der Frequenzgang des Bündelungsmaß sieht bei beiden Monitoren deutlich unterschiedlich aus, womit man die Unterschiede erklären kann.
US
Inventar
#4 erstellt: 27. Apr 2005, 11:25
Hallo tiki,

ergänzend zum Kommentar von Patrick:
Gehen wird davon aus, daß der Direktschall tatsächlich unverfärbt ist, so hat das völlig unterschiedliche Abstrahlverhalten großen Einfluß.

Die Bue Sky ist ein Zweiweger mit 6,5", 1" Bestückung bei 1,5kHz Trennung. Diese Konstruktion strahlt sehr breit ab, evtl mit einer geringen Verengung zwischen 1 und 1,5kHz.

In den Höhen nimmt die Bündelung dann stetig zu.

Die Genelec 1031 ist ein Zweiweger mit 8" TT und 1"HT im Waveguide.
Dieser LS bündelt recht stetig zunehmend bis etwa zur Trennfrequenz von 2,5 kHz und bleibt dann recht konstant im Abstrahlverhalten. Die Höhen über 8kHz sind gegenüber dem Präsenzbereich nicht abgesenkt im Diffusschall.

Die Unterschiede in der Lokalisation sind direkt auf das Bündelungsverhalten zurückzuführen, sofern nicht auch noch die Paargleichheit Einfluß hat. Diese ist bei Genelec nach mir bekanten Publikationen hervorragend.

Von Ähnlichkeit der Konstruktionen kann man also nicht sprechen.

Gruß, Uwe
tiki
Inventar
#5 erstellt: 27. Apr 2005, 12:37
Hallo,
vielen Dank für die tiefschürfenden Antworten!
Natürlich habe ich mich unter den verständnislosen bis belustigten Blicken der anderen Mithörer auch mehrfach vor den LS auf und ab bewegt (wo man so alles Kniebeuge machen kann...) und bin ein wenig hin- und hergelaufen. Tatsächlich war die Verfärbung durch nichtaxiales Hören bei den Genelec für mich persönlich deutlicher, möglicherweise durch das subjektiv viel angenehmere Klangspektrum. Die System One wurden nur noch "matter". Das könnte also die Unterschiede außerhalb des sweet spot erklären.

Die Höhen über 8kHz sind gegenüber dem Präsenzbereich nicht abgesenkt im Diffusschall.

Heißt das, daß in dem speziellen Hörraum der Diffusanteil möglicherweise ab 8kHz dominant gegenüber dem Direktschall werden könnte? Würde dadurch die Schallenergie im Verhältnis zu tieferen Frequenzen steigen, also doch etwas geschönt? Oder heißt es eher, daß hier das Verhältnis gewahrt bleibt?
Nochmal: die LS hörten sich auch jeweils direkt auf Achse sehr unterschiedlich an. Bei den Genelec war sogar der Höhenbereich per Mäuseklavier schon um 4dB abgesenkt.
Die Aussage mit der Lokalisation durch Bündelungsverhalten ist mir noch nicht ganz klar, wenn man im sweet spot sitzt, es sei denn, "der Raum macht's".
Jedenfalls scheint's, daß man sich die Genelec länger anhören kann.
Gruß, Timo
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