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Musik: Stereo vs. Surround

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Otscho
Stammgast
#1 erstellt: 01. Jun 2006, 11:46
Viele Musikliebhaber schwören ja auf die Wiedergabe in Stereo und argumentieren oftmals auch damit, dass der Klang ja auch im Konzert nur von Vorne käme.
Ist das aber richtig so? Würde das eigentlich nicht nur im schalltoten Raum gelten? Gerade im klassischen Bereich wird doch ein riesen Aufwand getrieben, damit die frühe Reflexion (einmalige Reflexion an den Seitenwänden zur besseren Ortung) und der Nachhall optimal zustande kommt. Diese Reflexionen kann es so in einem normalen Wohnraum nicht geben. Darum wäre es doch nur vernünftig, dies durch eine entsprechende Abmischung auf DVD-A oder SACD zu simulieren. Aber gerade der Klassikliebhaber beäugt dies meist mit Argwohn, will er doch nicht einsehen, was es für einen Vorteil hat, wenn plötzlich Instrumente hinter ihm aufspielen. Natürlich ist das eher was im Pop/Rock-Bereich. Aber warum wird sich so der Möglichkeit verschlossen, einen echten Konzertsaal zu simulieren?
Man kann auch noch weiter gehen:
In Amsterdam gibt es einen Konzertsaal, worin Darbietungen mit 2 getrennten Orchester (hinten und vorne) möglich sind. Einem solchen Klangerlebnis würde sich der "Surround-Verweigerer" komplett verschließen. Ebenso ist die Orgel in den meisten Kirchen hinten platziert, für eine Messe aber sicherlich nicht ganz unwichtig.

Ich möchte hier nicht auf eine Preisdiskussion hinaus. Es ist klar, das eine gleichwertige Surroundanlage deutlich teurer ist und deshalb der Klangqualität zuliebe oftmals stereo vorgezogen wird.
Ich möchte vielmehr eine Diskussion darüber, warum viele Surround für Musik kategorisch ablehnen und dies mit einer in meinen Augen falschen Argumentation ("Bühne ist nur vorne") begründen.


[Beitrag von Otscho am 01. Jun 2006, 11:47 bearbeitet]
lolking
Inventar
#2 erstellt: 01. Jun 2006, 12:14
Bemüh mal die Forensuche dann wirst du dazu endlos viel Lesestoff finden...
richi44
Hat sich gelöscht
#3 erstellt: 01. Jun 2006, 12:58
Was dem Surround-Erelbnis alles entgegen steht:
Erstens 5 vernünftige Lautsprecher. Und weil eine solche Aufnahme eines Konzertsaals 5 gleichwertige Kanäle aufweist (oder 6 oder 7), müssen im Gegensatz zu Dolby Prologic 5 identische, hochwertige Lautsprecher eingesetzt werden, denn da geht es nicht nur um Dialoge vom Center und Gekrache von hinten, sondern überall um Musik. Als Extremfall wären die Echokonzerte (2 Orchester oder Chöre oder Orgeln) zu nennen.
Wenn ich in meinem Raum mindestens 5 Standboxen aufstellen möchte und das ganze auch für DVD nutzen will, ist mir der Center vor dem Bild.

Zweitens ist es fraglich, ob es Sinn macht, einem schlechten Raum (dem Wohnzimmer) einen Konzertsaal aufpfropfen zu wollen. Die hinteren Lautsprecher führen zu zusätzlichen Reflexionen mit verschlechternder Klangwirkung. Man Kennt das Problem von Kirchenbeschallungen: Die Verstärndlichkeit nimmt meist durch Einsatz vieler Lautsprecher eher ab als zu.

Drittens gibt es zwar Opern, bei denen eine Handlung und Bewegung auf der Bühne zu dieser Technik animieren. Nur würde ich dann einer Verfilmung den Vorzug geben. Hier haben Bewegungen nicht nur einen akustischen Zusammenhang, sondern auch einen dramaturgischen. Hier sind Effekte (Carmen) durchaus angebracht. Und sie erhöhen die Wirkung der Oper, weil sie bei geschickter Kameraführung und entsprechendem Schnitt auch optisch das akustische Rätsel auflösen.
Wenn es sich aber um eine konzertante Aufführung handelt, haben die Bewegungen nichts mehr verloren. Die ganze Geschichte wird somit statisch und da ändert auch der zusätzliche Raumanteil sehr wenig. Zumal man bei einem Bühnenmitschnitt den Mikrofonabstand (für die Verständlichkeit) nicht beliebeig wählen kann.

Viertens ist ein Bühnenmitschnitt ohne Publikum sehr aufwändig, weil man nicht nur mit wenigen Decken und Kissen den Raum bedämpfen kann und den Rest der Richtcharakteristik der Mikrofone überlässt, sondern die Bedämpfung muss schon besser nachgebildet werden.

Fünftens möchte man keinen Mitschnitt mit Publikum, weil man zwar den unmittelbaren Konzerteindruck möchte, aber ohne Störgeräusche.

Und sechstens ist es echt die Frage, wer das nutzen wird und ob sich der doch wesentlich höhere Aufwand für die Aufnahme auszahlt. Man kann im Bereich der Effekte, also Filme, durchaus mit Mehrkanal-Technologie arbeiten und wie bei Mehrkanal-Stereofonie die Instrumente nachträglich per Panpot und Hall und Equalizer positionieren. Aber bei Klassik ist eine Hauptmikrofontechnik (plus allfällige Stützen) eigentlich Voraussetzung. Und da ist dann nichts mehr mit einzelnen Instrumenten, die bei einem Patzer ihren Part einfach nochmal nachspielen. Da muss jedes mal ein grosses Stück der Partitur wieder neu eingespielt werden.

Und zum Schluss: Es gab am Schluss der eigentlichen Schallplattenära die Direktschnittplatten. Da war eine Korrektur unmöglich und eine Plattenseite musste in einem Durchgang geschnitten werden. Damit lastet auf den Musikern ein enormer Druck, keine Fehler zu machen. Es wird also nicht frei und lebendig musiziert, sondern immer mit der Angst, einen Patzer zu begehen. Solche Aufnahmen waren irgendwie steril und langweilig, da kam keine Begeisterung auf, auch wenn sie aufnahmetechnisch noch so perfekt waren.

Ich sehe den Bedarf wirklich im Bereich Oper, Operette und Musical. Und da werden im Lauf der Zeit einige gute Aufzeichnungen auf uns zukommen, die man dann als DVD (mit oder ohne Bild) geniessen kann. Und wenn die Aufnahmen schon da sind, warum nicht auch als SACD in Surround-Technik herausbringen.
Otscho
Stammgast
#4 erstellt: 01. Jun 2006, 13:59
1. Zählt nicht, mir ging es alleine um den klanglichen Aspekt

2. Kirche ist nicht mit Wohnzimmer vergleichbar. Dort sind komplett andere Nachhallzeiten gegeben. Ich denke nicht, dass es in einem normalen Wohnzimmer zu so gravierenden Problemen kommt, welche die Vorteile überwiegen würden.

3. *zustimm*

4. + 5.
Ist natürlich ein Problem, die Dämpfung durch das Publikum zu simulieren. Allerdings ist das in vielleicht geringerem Umfang bei einer Stereoaufnahme denke ich auch gegeben.

6. ebenfalls *zustimm*
Quadro-Action
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 01. Jun 2006, 14:44
Es stimmt schon, hier wurden schone einge Male die Stereo- und Surround-Säbel gekreuzt. Aber wie es so heißt: Neues Spiel - neues Glück! Und manche lesen so eine Diskussion auch zum ersten Mal oder diskutieren mit. Und ich bin mal wieder dabei. In einigen Punkten stimme ich den Vorrednern Otscho und richi 44 zu, einiges sehe ich allerdings anders.
Daher: Gleicberechtigte Kanäle bis hin zu den Boxen sollte man immer anstreben - egal ob Surround für Video oder Musik.
Bei ordentlichen Satelliten plus Sub gibt es auch keine Stellprobleme. Ich selber habe allerdings 4 "Schränke". Daher höre ich auch ohne Center, was ja bei den üblichen 1-2 Personen hervorragend geht. Andernfalls würde ich mir die Leinwand zustellen.
Was die Kirchenmusik angeht, kann ich eine gute DVD-Audio von Nishimura empfehlen: Organ - New Dimensions. Diese wurde in der Basilika St. Johann in Saarbrücken aufgenommen und klingt so wie vor Ort: Die Hauptorgel hinten und im vorderen Bereich links und rechts weitere. Es gibt mehrere Kirchen mit einer grösseren Anzahl Orgeln. Hier klingt es gar nicht sehr hallig. Das ist auch eine Frage der Aufnahmetechnik. Heute wird leider Surround oft mit (zuviel) Hall verwechselt.
Aber auch die rein konzertanten Klassik-Einspielkung werden am wenigstens auf einer Bühne, sonder auch in ungefähr Studio Manier eingespielt - bis hin zum Austauschen verpatzter Sätze. Man sollte m.E. endlich einmal darangehen, auch die klassische Musik in vollen surround abzumischen bzw. wiederzugeben. Das muß ja nicht soweit gehen, daß die erste Geige dauernd kreist, aber es wäre ein großes Stück mehr durchsichtigkeit der Musik bei räumlicher Auffächerung. Wer meint, daß dafür extra Stücke geschrieben werden müßten, dem kann man entgegenhalten, daß Mozart und Beethoven auch nicht für Stereo geschrieben haben. Und insbesondere (neben Pop) bei Opern und Operetten könnte man mit richtigem Surround-Sound auch ganz beeindruckende Hörbilder zaubern. Ich hatte mal das Vergnügen, eine Szene aus dem "Freischütz" einer DGG Quadro-Aufnahme (die so nie veröffentlicht wurde) zu hören. Bei der Szene in der Wolfsschlucht, in der jemand "Freischuss" Kugeln" von einem überirdischen Seelenkäufer abhandeln will, konnte man zunächst in der Ferne die Kircheglocke läuten hören, dann vorne das Flüstern des Handel suchenden - und dann die grollende von hinten kommende unheimliche Antwort, die an den Wänden der Schlucht ringsum widerhallte. Daran schon erkennt man, welches Surround-Potential in Opern steckt.
Soviel nur mal von mir. Man kann hier aber alles nur anreissen, sonst geht es über Seiten.
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