Macht Tausch von Neu gegen Klassiker Sinn?

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17rpm
Neuling
#1 erstellt: 13. Sep 2018, 22:55
Hallo, ich bin ein Frischling hier im Forum, aber auch in der Hifi-Welt. Nach vielen Jahren des beiläufigen Musikhörens über Spotify auf Sonos Boxen hat es mich gepackt und ich möchte in neue Klangwelten vorstoßen.

Vor einigen Monaten habe ich in einem ersten großen Schritt folgende Anlage erworben:
- Vollverstärker Class D „Lyngdorf TDAI 2170“ mit RoomPerfect
- Standlautsprecher „Bowers & Wilkins 702 S2“
- Streamer „Bluesound Node 2“

Dazu habe ich zurzeit ein HiRes-Audio Abo bei Tidal.

Nun bin ich vor kurzem durch meinen Bruder angeregt worden, mir einen Plattenspieler zu holen. Zugegriffen habe ich bei einem generalüberholten DUAL 1229. Das macht richtig Spaß. Es ist eine viel intensivere Art, Musik zu hören. Die Optik des Plattenspielers ist toll. Und der Klang ist ebenfalls klasse.

Nun hat mich dieser zeitlose Plattenspieler so angefixt, das ich mir folgende Frage stelle:

Macht es Sinn, meinen Lyngdorf gegen einen Klassiker der Vollverstärker zu „tauschen“? Ich würde wohl bspw. einen Maranatz 2270 oder 2275 bekommen können. Die sollen beide toll klingen. Preise liegen bei 500-1000€. Für den Lyngdorf würde ich ca. 2.500€ bekommen. Bliebe also noch genügend Geld zur Anschaffung eines DACs, um auch weiterhin HiRes Audio streamen zu können.

Ich höre gerne akustische Musik (Singer/Songwriter, Jazz) sowie atmosphärischen Rock/Pop (Mogwai, Sigur Rós, Slowdive).

Im aktuellen digitalen Setup ist die Räumlichkeit klasse. Auch hört man sehr präzise alle Details. Allerdings ist mir der Klang zu mechanisch und steril. Es fehlt einfach was. Was fehlt würde man wohl am Ehesten mit „Wärme“ beschreiben. Das kommt über den Dual schon deutlich besser rüber. Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

VG, Lars
eco100375
Stammgast
#2 erstellt: 13. Sep 2018, 23:17

17rpm (Beitrag #1) schrieb:
Im aktuellen digitalen Setup ist die Räumlichkeit klasse. Auch hört man sehr präzise alle Details. Allerdings ist mir der Klang zu mechanisch und steril. Es fehlt einfach was. Was fehlt würde man wohl am Ehesten mit „Wärme“ beschreiben. Das kommt über den Dual schon deutlich besser rüber. Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

Ob das Sinn macht musst du für dich selber entscheiden!

Du kannst dir für 100.000€ einen aktuellen Tesla kaufen oder einen 50 Jahre alten Porsche 911.
Klar ist das Fahren mit dem Porsche "viel intensiver" aber ist es in irgendeiner Form "besser"? Nein! In wirklich jeder Hinsicht ist der moderne Wagen haushoch überlegen.

Genauso ist es beim Musikhören auch. Willst du "HiFi" also möglichst naturgetreu hören oder willst du dir eine nach deinem Geschmack geprägte "Wohnfühl Oase" schaffen die nichts mit der Realität zu tun hat?

Aber es gibt noch ein anderes Problem. Der 911 ist nur in 1A Zustand die 100.000€ wert und das kann man relativ leicht erkennen.

Bei einem knapp 50 Jahre alten Verstärker ist das nicht ganz so einfach. Nur weil der einen Ton heraus bringt heißt das ja noch lange nicht, dass er wirklich in Ordnung ist. Vielleicht sind die Koppel-Kondensatoren schon komplett eingetrocknet und der Frequenzgang beträgt nicht mehr 20Hz bis 20kHz sondern 200Hz bis 20KHz.
Wuhduh
Inventar
#3 erstellt: 13. Sep 2018, 23:17
Nabend !

Einige Marantz haben zuviel pF am MM-Phonoeingang. Das könnte stören.

Niemand kann beurteilen, ob so ein Marantz mit Deinen B & W harmonieren wird. Reine Fiktion ...

Kaufe oder leihe Dir einen klanglich ordentlichen Vollverstärker und schau, ob Du mit dem analogen Höreindruck zurandekommst.

MfG,
Erik
ATC
Inventar
#4 erstellt: 14. Sep 2018, 06:38
Hallo,

was hast du denn für einen Phono Pre?
Was für einen TA?
Hast du schon mit den verschiedenen Filter des Lyngdorf "gespielt"?
Die Lautsprecher nicht auf den Hörplatz eingewinkelt?
Keine Spikes unter den Lautsprechern?
Mal einen Lautsprecher von Dynaudio, Harbeth usw. getestet?
Mal mit einem CD oder Blurayplayer normale CDs abgespielt?

Diverse Hires Sachen klingen grundsätzlich etwas steriler, analytischer,
ist so ähnlich wie mit Japan Pressungen oder manchen SACDs.

Den guten Lyngdorf auswechseln? Wäre der letzte Schritt, aber wenn es nicht anders geht... Emitter vllt....

Gruß
m-fidelity
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 14. Sep 2018, 09:25

eco100375 (Beitrag #2) schrieb:
Du kannst dir für 100.000€ einen aktuellen Tesla kaufen oder einen 50 Jahre alten Porsche 911.
Klar ist das Fahren mit dem Porsche "viel intensiver" aber ist es in irgendeiner Form "besser"? Nein! In wirklich jeder Hinsicht ist der moderne Wagen haushoch überlegen.

Genauso ist es beim Musikhören auch. Willst du "HiFi" also möglichst naturgetreu hören oder willst du dir eine nach deinem Geschmack geprägte "Wohnfühl Oase" schaffen die nichts mit der Realität zu tun hat?

Aber es gibt noch ein anderes Problem. Der 911 ist nur in 1A Zustand die 100.000€ wert und das kann man relativ leicht erkennen.

Bei einem knapp 50 Jahre alten Verstärker ist das nicht ganz so einfach. Nur weil der einen Ton heraus bringt heißt das ja noch lange nicht, dass er wirklich in Ordnung ist. Vielleicht sind die Koppel-Kondensatoren schon komplett eingetrocknet und der Frequenzgang beträgt nicht mehr 20Hz bis 20kHz sondern 200Hz bis 20KHz.


Naja, ganz so ist es nicht. Wenn du dich auf Verstärker beziehst... da nachen die neuen, schaltungs-technisch, nichts besser, sind aber kosteneffizienter aufgebaut. Das heisst meistens, dass die Lebensdauer kürzer ist und bei einigen ist sicher ne geplante Obsoleszenz mit einkonstruiert.
In der Lautsprecherkonstruktion hat sich schon was getan, aber auch da können die damaligen TOTL/Monitor-Speaker noch mithalten.. vor allem, da viele aktuelle Spaeker ja eher design- und WAF-optimiert konstruiert sind.
Also von mir ein
+ Klassiker
stummerwinter
Inventar
#6 erstellt: 14. Sep 2018, 09:41
Sofern der Klassiker technisch iO ist, wirst Du vermutlich in einem Blindtest kaum einen Unterschied hören, ggf sogar schlechter, wenn der Lyngdorf eingemessen ist...

Die marantz sind aber Receiver...

Ich würde mir vll mal einen Leihen, vll kennst Du ja jemand, oder einen kleinen kaufen bevor ich in die vollen gehe...

Unterschied dürfte vor allem Optik/Haptik sein...einen Schalter an zB Pioneer-Receiver umzulegen oder an einem Poti zu drehen hat was...
17rpm
Neuling
#7 erstellt: 14. Sep 2018, 09:46
Vielen Dank an alle für Euer Feedback. Sehr spannende Einwürfe. Das regt zum Nachdenken an. Mal zu den Punkten:

Lautsprecheraufstellung/Raumakustik
Hier kann ich definitiv noch was ausprobieren. Ich halte das Stereodreieck ziemlich genau ein und sitze nicht zu nah und zu fern weg. Aber der Raum kann noch verbessert werden. Da liegt bestimmt noch Potenzial. Ich habe sehr niedrige Decken. Der Bass dröhnt teils. Hier und da gibt’s ein Flatterecho. Ich habe jetzt einen Bekannten kontaktiert, der Toningenieur ist. Der wird mir helfen, den Raum zu optimieren, teils mit Akustikelementen.

Plattenspieler
Der Dual hat als TA ein Ortofon OM5. Als Pre Amp habe ich ein 20€ No Name Teil. Aber eben kam per Post ein Graham Slee Audio GramAmp 2 SE an. Ich bin schon gespannt, wie er sich macht.

Klassiker vs. neu
Für mich liest sich das so, das ich andere Stellen in der Kette habe, die sich eher verbessern lassen, als der Verstärker. Da werde ich also nun zunächst ansetzen!
CxM
Stammgast
#8 erstellt: 14. Sep 2018, 13:10
Hi,

durch das Überangebot an modernen Möglichkeiten (Streaming, 10.000 Alben auf dem Smartphone) verkommt Musik hören zur Nebensache.
Ähnlich der Dauerberieselung aus dem Radio.
Die Streaming Generation denkt bei Tonträger eher an ein Werkzeug aus der Töpferwerkstatt.
Alleine einen Tonträger mit nur einem Lied (Single) in die Hand zu nehmen, ist schon eine ganz andere Beschäftigung mit dem Thema.
Ich bin da auf halbem Weg stehen geblieben (CD muss sein).
Meine Boxen habe ich gefunden, der VV bleibt auch bis auf Weiteres - obwohl bei einem Threshold FET Nine könnte ich schwach werden.

Dein Lyngdorf Verstärker ist bestimmt kein schlechtes Gerät, aber der Hersteller verfolgt damit seine Klangphilosophie.
Das Gegenteil dazu wäre vermutlich ein Röhrenverstärker - dazwischen so viele Abstufungen wie es Hersteller gibt.
Was davon Dir am besten gefällt, musst Du selbst mal erhören.

Mit einer Raumoptimierung wirst Du den Charakter Deiner Boxen aber auch nicht nennenswert ändern.
Dynaudio wurde schon genannt, höre Dir mal Cabasse an.
Ein Bekannter von mir schwört drauf...

Ciao - Carsten
zuglufttier
Inventar
#9 erstellt: 14. Sep 2018, 13:25

17rpm (Beitrag #7) schrieb:
Ich habe jetzt einen Bekannten kontaktiert, der Toningenieur ist. Der wird mir helfen, den Raum zu optimieren, teils mit Akustikelementen.

Das ist eine hervorragende Idee! Scheu dich nicht davor dort ordentlich Geld auszugeben, denn das ist einzige was den Klang erheblich beeinflussen kann. Ob du nun einen alten oder neuen Plattenspieler nimmst, macht dagegen kaum was aus... Thema Hi-Res: https://people.xiph.org/~xiphmont/demo/neil-young.html

Mechanisch oder steriler Klang deutet daraufhin, dass dein Raum massive Probleme im Bassbereich hat. Deswegen musst du den optimieren und nicht an der Stellschraube drehen, die nur 0,5% des Klanges (Verstärker, DAC etc.) ausmacht.
frank60
Inventar
#10 erstellt: 14. Sep 2018, 15:39

17rpm (Beitrag #1) schrieb:
Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

Aus meiner Sicht ist das nicht sinnvoll. Der Lyngdorf ist ja nun nicht gerade ein Billigheimer und kann recht viel. Zu bedenken ist auch, daß Du bei einem Wechsel z.B. den Komfort der fernbedienbarkeit verlierst, für Einiges, was der Verstärker kann, bräuchtest Du separate Geräte, ...
Nicht zuletzt bewegen sich die Preise für die Marantz Receiver seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau.
Und wie schon erwähnt wurde, Du wirst keinen Unterschied hören oder Dich mangels Raumkorrektur vielleicht sogar verschlechtern.
Wenn, dann so machen, wie es bei mir der Fall ist, zweigleisig fahren, eine klassische und eine moderne Anlage, Boxen über einen Umschalter.

17rpm (Beitrag #7) schrieb:
Für mich liest sich das so, das ich andere Stellen in der Kette habe, die sich eher verbessern lassen, als der Verstärker. Da werde ich also nun zunächst ansetzen!

Eben, raum optimieren und die Möglichkeiten des Lyngdorf ausnutzen.

Im Übrigen, den GramAmp hatte ich auch mal, in der ersten Version mit dem höheren Gehäuse, schaltungstechnisch aber meines Wissens identisch. Im ersten Moment, gar die ersten Monate, ist man überrascht und begeistert, wie gut er klingt. Und vergleicht man dann mit anderen PreAmps, die ihren Job gut machen, von billig bis recht teuer, so z.B. mit der internen Phonovorstufe der 22xx Marantz Receiver, weiß man recht schnell, warum das so ist, er ist schlicht und einfach gesoundet. Das hört sich durchaus sehr gut an, hat aber mit der Erfüllung der RIAA/ICE Richtlinie recht wenig zu tun.


Wuhduh (Beitrag #3) schrieb:
Einige Marantz haben zuviel pF am MM-Phonoeingang. Das könnte stören.

Niemand kann beurteilen, ob so ein Marantz mit Deinen B & W harmonieren wird. Reine Fiktion ...

Die angepeilten 22er haben 200pF, also alles im grünen Bereich. Zumindest mit der B&W CM5S2 "harmoniert" mein 2265B hervorragend, warum auch nicht, er macht, was er soll, das Signal für die Lautsprecher verstärken, ohne den Klang zu verfälschen. Und Leistung hat er deutlich mehr, als für meine Kombination aus Raum und Boxen nötig wäre.

PS: wenn Du den Graham Slee hast, teste das Netzteil. Bei meinem GramAmp 2 SE mußte es 2x ausgetauscht werden, bis ich ein fehlerfreies hatte. Die ersten beiden haben deutlich hörbare (mechanische) Pfeiftöne von sich gegeben.


[Beitrag von frank60 am 14. Sep 2018, 18:30 bearbeitet]
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