Macht Tausch von Neu gegen Klassiker Sinn?

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17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#1 erstellt: 13. Sep 2018, 20:55
Hallo, ich bin ein Frischling hier im Forum, aber auch in der Hifi-Welt. Nach vielen Jahren des beiläufigen Musikhörens über Spotify auf Sonos Boxen hat es mich gepackt und ich möchte in neue Klangwelten vorstoßen.

Vor einigen Monaten habe ich in einem ersten großen Schritt folgende Anlage erworben:
- Vollverstärker Class D „Lyngdorf TDAI 2170“ mit RoomPerfect
- Standlautsprecher „Bowers & Wilkins 702 S2“
- Streamer „Bluesound Node 2“

Dazu habe ich zurzeit ein HiRes-Audio Abo bei Tidal.

Nun bin ich vor kurzem durch meinen Bruder angeregt worden, mir einen Plattenspieler zu holen. Zugegriffen habe ich bei einem generalüberholten DUAL 1229. Das macht richtig Spaß. Es ist eine viel intensivere Art, Musik zu hören. Die Optik des Plattenspielers ist toll. Und der Klang ist ebenfalls klasse.

Nun hat mich dieser zeitlose Plattenspieler so angefixt, das ich mir folgende Frage stelle:

Macht es Sinn, meinen Lyngdorf gegen einen Klassiker der Vollverstärker zu „tauschen“? Ich würde wohl bspw. einen Maranatz 2270 oder 2275 bekommen können. Die sollen beide toll klingen. Preise liegen bei 500-1000€. Für den Lyngdorf würde ich ca. 2.500€ bekommen. Bliebe also noch genügend Geld zur Anschaffung eines DACs, um auch weiterhin HiRes Audio streamen zu können.

Ich höre gerne akustische Musik (Singer/Songwriter, Jazz) sowie atmosphärischen Rock/Pop (Mogwai, Sigur Rós, Slowdive).

Im aktuellen digitalen Setup ist die Räumlichkeit klasse. Auch hört man sehr präzise alle Details. Allerdings ist mir der Klang zu mechanisch und steril. Es fehlt einfach was. Was fehlt würde man wohl am Ehesten mit „Wärme“ beschreiben. Das kommt über den Dual schon deutlich besser rüber. Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

VG, Lars
eco100375
Stammgast
#2 erstellt: 13. Sep 2018, 21:17

17rpm (Beitrag #1) schrieb:
Im aktuellen digitalen Setup ist die Räumlichkeit klasse. Auch hört man sehr präzise alle Details. Allerdings ist mir der Klang zu mechanisch und steril. Es fehlt einfach was. Was fehlt würde man wohl am Ehesten mit „Wärme“ beschreiben. Das kommt über den Dual schon deutlich besser rüber. Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

Ob das Sinn macht musst du für dich selber entscheiden!

Du kannst dir für 100.000€ einen aktuellen Tesla kaufen oder einen 50 Jahre alten Porsche 911.
Klar ist das Fahren mit dem Porsche "viel intensiver" aber ist es in irgendeiner Form "besser"? Nein! In wirklich jeder Hinsicht ist der moderne Wagen haushoch überlegen.

Genauso ist es beim Musikhören auch. Willst du "HiFi" also möglichst naturgetreu hören oder willst du dir eine nach deinem Geschmack geprägte "Wohnfühl Oase" schaffen die nichts mit der Realität zu tun hat?

Aber es gibt noch ein anderes Problem. Der 911 ist nur in 1A Zustand die 100.000€ wert und das kann man relativ leicht erkennen.

Bei einem knapp 50 Jahre alten Verstärker ist das nicht ganz so einfach. Nur weil der einen Ton heraus bringt heißt das ja noch lange nicht, dass er wirklich in Ordnung ist. Vielleicht sind die Koppel-Kondensatoren schon komplett eingetrocknet und der Frequenzgang beträgt nicht mehr 20Hz bis 20kHz sondern 200Hz bis 20KHz.
Wuhduh
Inventar
#3 erstellt: 13. Sep 2018, 21:17
Nabend !

Einige Marantz haben zuviel pF am MM-Phonoeingang. Das könnte stören.

Niemand kann beurteilen, ob so ein Marantz mit Deinen B & W harmonieren wird. Reine Fiktion ...

Kaufe oder leihe Dir einen klanglich ordentlichen Vollverstärker und schau, ob Du mit dem analogen Höreindruck zurandekommst.

MfG,
Erik
ATC
Inventar
#4 erstellt: 14. Sep 2018, 04:38
Hallo,

was hast du denn für einen Phono Pre?
Was für einen TA?
Hast du schon mit den verschiedenen Filter des Lyngdorf "gespielt"?
Die Lautsprecher nicht auf den Hörplatz eingewinkelt?
Keine Spikes unter den Lautsprechern?
Mal einen Lautsprecher von Dynaudio, Harbeth usw. getestet?
Mal mit einem CD oder Blurayplayer normale CDs abgespielt?

Diverse Hires Sachen klingen grundsätzlich etwas steriler, analytischer,
ist so ähnlich wie mit Japan Pressungen oder manchen SACDs.

Den guten Lyngdorf auswechseln? Wäre der letzte Schritt, aber wenn es nicht anders geht... Emitter vllt....

Gruß
m-fidelity
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 14. Sep 2018, 07:25

eco100375 (Beitrag #2) schrieb:
Du kannst dir für 100.000€ einen aktuellen Tesla kaufen oder einen 50 Jahre alten Porsche 911.
Klar ist das Fahren mit dem Porsche "viel intensiver" aber ist es in irgendeiner Form "besser"? Nein! In wirklich jeder Hinsicht ist der moderne Wagen haushoch überlegen.

Genauso ist es beim Musikhören auch. Willst du "HiFi" also möglichst naturgetreu hören oder willst du dir eine nach deinem Geschmack geprägte "Wohnfühl Oase" schaffen die nichts mit der Realität zu tun hat?

Aber es gibt noch ein anderes Problem. Der 911 ist nur in 1A Zustand die 100.000€ wert und das kann man relativ leicht erkennen.

Bei einem knapp 50 Jahre alten Verstärker ist das nicht ganz so einfach. Nur weil der einen Ton heraus bringt heißt das ja noch lange nicht, dass er wirklich in Ordnung ist. Vielleicht sind die Koppel-Kondensatoren schon komplett eingetrocknet und der Frequenzgang beträgt nicht mehr 20Hz bis 20kHz sondern 200Hz bis 20KHz.


Naja, ganz so ist es nicht. Wenn du dich auf Verstärker beziehst... da nachen die neuen, schaltungs-technisch, nichts besser, sind aber kosteneffizienter aufgebaut. Das heisst meistens, dass die Lebensdauer kürzer ist und bei einigen ist sicher ne geplante Obsoleszenz mit einkonstruiert.
In der Lautsprecherkonstruktion hat sich schon was getan, aber auch da können die damaligen TOTL/Monitor-Speaker noch mithalten.. vor allem, da viele aktuelle Spaeker ja eher design- und WAF-optimiert konstruiert sind.
Also von mir ein
+ Klassiker
stummerwinter
Inventar
#6 erstellt: 14. Sep 2018, 07:41
Sofern der Klassiker technisch iO ist, wirst Du vermutlich in einem Blindtest kaum einen Unterschied hören, ggf sogar schlechter, wenn der Lyngdorf eingemessen ist...

Die marantz sind aber Receiver...

Ich würde mir vll mal einen Leihen, vll kennst Du ja jemand, oder einen kleinen kaufen bevor ich in die vollen gehe...

Unterschied dürfte vor allem Optik/Haptik sein...einen Schalter an zB Pioneer-Receiver umzulegen oder an einem Poti zu drehen hat was...
17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#7 erstellt: 14. Sep 2018, 07:46
Vielen Dank an alle für Euer Feedback. Sehr spannende Einwürfe. Das regt zum Nachdenken an. Mal zu den Punkten:

Lautsprecheraufstellung/Raumakustik
Hier kann ich definitiv noch was ausprobieren. Ich halte das Stereodreieck ziemlich genau ein und sitze nicht zu nah und zu fern weg. Aber der Raum kann noch verbessert werden. Da liegt bestimmt noch Potenzial. Ich habe sehr niedrige Decken. Der Bass dröhnt teils. Hier und da gibt’s ein Flatterecho. Ich habe jetzt einen Bekannten kontaktiert, der Toningenieur ist. Der wird mir helfen, den Raum zu optimieren, teils mit Akustikelementen.

Plattenspieler
Der Dual hat als TA ein Ortofon OM5. Als Pre Amp habe ich ein 20€ No Name Teil. Aber eben kam per Post ein Graham Slee Audio GramAmp 2 SE an. Ich bin schon gespannt, wie er sich macht.

Klassiker vs. neu
Für mich liest sich das so, das ich andere Stellen in der Kette habe, die sich eher verbessern lassen, als der Verstärker. Da werde ich also nun zunächst ansetzen!
CxM
Stammgast
#8 erstellt: 14. Sep 2018, 11:10
Hi,

durch das Überangebot an modernen Möglichkeiten (Streaming, 10.000 Alben auf dem Smartphone) verkommt Musik hören zur Nebensache.
Ähnlich der Dauerberieselung aus dem Radio.
Die Streaming Generation denkt bei Tonträger eher an ein Werkzeug aus der Töpferwerkstatt.
Alleine einen Tonträger mit nur einem Lied (Single) in die Hand zu nehmen, ist schon eine ganz andere Beschäftigung mit dem Thema.
Ich bin da auf halbem Weg stehen geblieben (CD muss sein).
Meine Boxen habe ich gefunden, der VV bleibt auch bis auf Weiteres - obwohl bei einem Threshold FET Nine könnte ich schwach werden.

Dein Lyngdorf Verstärker ist bestimmt kein schlechtes Gerät, aber der Hersteller verfolgt damit seine Klangphilosophie.
Das Gegenteil dazu wäre vermutlich ein Röhrenverstärker - dazwischen so viele Abstufungen wie es Hersteller gibt.
Was davon Dir am besten gefällt, musst Du selbst mal erhören.

Mit einer Raumoptimierung wirst Du den Charakter Deiner Boxen aber auch nicht nennenswert ändern.
Dynaudio wurde schon genannt, höre Dir mal Cabasse an.
Ein Bekannter von mir schwört drauf...

Ciao - Carsten
zuglufttier
Inventar
#9 erstellt: 14. Sep 2018, 11:25

17rpm (Beitrag #7) schrieb:
Ich habe jetzt einen Bekannten kontaktiert, der Toningenieur ist. Der wird mir helfen, den Raum zu optimieren, teils mit Akustikelementen.

Das ist eine hervorragende Idee! Scheu dich nicht davor dort ordentlich Geld auszugeben, denn das ist einzige was den Klang erheblich beeinflussen kann. Ob du nun einen alten oder neuen Plattenspieler nimmst, macht dagegen kaum was aus... Thema Hi-Res: https://people.xiph.org/~xiphmont/demo/neil-young.html

Mechanisch oder steriler Klang deutet daraufhin, dass dein Raum massive Probleme im Bassbereich hat. Deswegen musst du den optimieren und nicht an der Stellschraube drehen, die nur 0,5% des Klanges (Verstärker, DAC etc.) ausmacht.
frank60
Inventar
#10 erstellt: 14. Sep 2018, 13:39

17rpm (Beitrag #1) schrieb:
Also warum nicht auch einen zeitlosen Vollverstärker, der Charakter hat, toll aussieht und noch besser klingt? Macht das Sinn?

Aus meiner Sicht ist das nicht sinnvoll. Der Lyngdorf ist ja nun nicht gerade ein Billigheimer und kann recht viel. Zu bedenken ist auch, daß Du bei einem Wechsel z.B. den Komfort der fernbedienbarkeit verlierst, für Einiges, was der Verstärker kann, bräuchtest Du separate Geräte, ...
Nicht zuletzt bewegen sich die Preise für die Marantz Receiver seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau.
Und wie schon erwähnt wurde, Du wirst keinen Unterschied hören oder Dich mangels Raumkorrektur vielleicht sogar verschlechtern.
Wenn, dann so machen, wie es bei mir der Fall ist, zweigleisig fahren, eine klassische und eine moderne Anlage, Boxen über einen Umschalter.

17rpm (Beitrag #7) schrieb:
Für mich liest sich das so, das ich andere Stellen in der Kette habe, die sich eher verbessern lassen, als der Verstärker. Da werde ich also nun zunächst ansetzen!

Eben, raum optimieren und die Möglichkeiten des Lyngdorf ausnutzen.

Im Übrigen, den GramAmp hatte ich auch mal, in der ersten Version mit dem höheren Gehäuse, schaltungstechnisch aber meines Wissens identisch. Im ersten Moment, gar die ersten Monate, ist man überrascht und begeistert, wie gut er klingt. Und vergleicht man dann mit anderen PreAmps, die ihren Job gut machen, von billig bis recht teuer, so z.B. mit der internen Phonovorstufe der 22xx Marantz Receiver, weiß man recht schnell, warum das so ist, er ist schlicht und einfach gesoundet. Das hört sich durchaus sehr gut an, hat aber mit der Erfüllung der RIAA/ICE Richtlinie recht wenig zu tun.


Wuhduh (Beitrag #3) schrieb:
Einige Marantz haben zuviel pF am MM-Phonoeingang. Das könnte stören.

Niemand kann beurteilen, ob so ein Marantz mit Deinen B & W harmonieren wird. Reine Fiktion ...

Die angepeilten 22er haben 200pF, also alles im grünen Bereich. Zumindest mit der B&W CM5S2 "harmoniert" mein 2265B hervorragend, warum auch nicht, er macht, was er soll, das Signal für die Lautsprecher verstärken, ohne den Klang zu verfälschen. Und Leistung hat er deutlich mehr, als für meine Kombination aus Raum und Boxen nötig wäre.

PS: wenn Du den Graham Slee hast, teste das Netzteil. Bei meinem GramAmp 2 SE mußte es 2x ausgetauscht werden, bis ich ein fehlerfreies hatte. Die ersten beiden haben deutlich hörbare (mechanische) Pfeiftöne von sich gegeben.


[Beitrag von frank60 am 14. Sep 2018, 16:30 bearbeitet]
M_arcus_TM88
Stammgast
#11 erstellt: 20. Sep 2018, 21:01
Hallo 17rpm,
warum willst du überhaupt tauschen. Bau dir doch eine parallele Schiene auf. Platz und Kohle vorausgesetzt. Der Vergleich Tesla mit Porsche trifft es gut. Die Eier hat der alte Porsche, also der alte 11er, nicht die LKWs von denen.
So ist das eben auch mit Vinyl auf nem Dreher an einem alten VV mit alten LS dran.
Herrlich, allein den Tonarm mit Nadel mittels Hydraulik auf die Platte ablassen. Aber vorher schön den Staub von der Nadel pusten.
Gruß
Markus
onkel_böckes
Inventar
#12 erstellt: 21. Sep 2018, 21:07
Super das du nen Toni an der hand hast.
Da kannst du ordentlich was rausholen.

Sonst würde ich nur die Lautsprecher wechseln.
Bäh und Wäh ist ein Hersteller der schlechtes Preis/Leistungsverhältnis bietet wenn es um Wiedergabe geht.
Wenn man Optik und Prestige benötigt okay aber sonst eher m
lassen.

Versuch dich an Lautsprechern, probier ein bischen was aus, es lohnt sich.
M_arcus_TM88
Stammgast
#13 erstellt: 22. Sep 2018, 08:11
Blöde Frage von mir weil ich hier keine Ahnung habe.
Wieviel bringt mir ein Toningenieur innerhalb der Hörkette?
Raummoden machen ne Menge, weiß ich.
Aber wenn meine LS mir nicht zusagen, oder die Schwachstelle sind, würde ich die LS erstmal wechseln.
Wie gesagt, ich habe keine Ahnung wie effektiv so ein Toni eingreifen kann.
Gruß
Markus
zuglufttier
Inventar
#14 erstellt: 22. Sep 2018, 18:13

M_arcus_TM88 (Beitrag #13) schrieb:
Wie gesagt, ich habe keine Ahnung wie effektiv so ein Toni eingreifen kann.

Kann, je nach Raum, erheblich mehr am Klang verbessern als ein anderer Lautsprecher. Selbst wenn die B&W nicht das Gelbe vom Ei sein sollten, so stellen sie auch nicht die untere Grenze dar.
#linn-fan#
Inventar
#15 erstellt: 01. Okt 2018, 16:13

17rpm (Beitrag #7) schrieb:
Lautsprecheraufstellung/Raumakustik
Hier kann ich definitiv noch was ausprobieren. Ich halte das Stereodreieck ziemlich genau ein und sitze nicht zu nah und zu fern weg. Aber der Raum kann noch verbessert werden. Da liegt bestimmt noch Potenzial. Ich habe sehr niedrige Decken. Der Bass dröhnt teils. Hier und da gibt’s ein Flatterecho. Ich habe jetzt einen Bekannten kontaktiert, der Toningenieur ist. Der wird mir helfen, den Raum zu optimieren, teils mit Akustikelementen.


Wenn ich mir das so durchlese, dann deucht mir das gesamte Konzept noch nicht ausreichend durchdacht. Ein Toningenieur kann da eventuell schon hilfreich zur Seite stehen, aber was es eigentlich braucht ist ein Raumakustiker.

Was mich verwundert zurücklässt ist die Kombination aus einem Lyngdorf mit Room Perfekt und dennoch werden Flatterechos und teilweise dröhnender Bass festgestellt.

Da komme ich gedanklich bei Widersprüchlichkeiten raus. Entweder ist der Raum als solcher derart ungeeignet, oder die Boxen stehen so komplett falsch, dass die Möglichkeiten der digitalen Raumkorrektur schlicht nicht mehr mitkommen und das Ende ihrer Fähigkeiten aufzeigen. Oder die Möglichkeiten wurden noch nicht vollständig genutzt. Der TDAI ist sicherlich einer der besten Raumkorrektursysteme für Stereo, die man so bekommen kann. Zu mindestens rechne ich das mal gedanklich hoch von meinem TacT, dem entwicklungstechnischen Vorgänger. Was Lyngdorf da entwickelt hat ist extrem weit vorne und sollte solcher Art Effekte bei richtigem Einsatz nicht mehr aufkommen lassen.

In soweit halte ich auch den Tausch gegen einen wie auch immer gearteten Klassiker für wenig zielführend. Das birgt ein erhebliches Risiko sich komplett technologisch und finanziell zu verzetteln.

Der Gedanke mag ja naheliegend sein eine Verstärkerkette mit Klassikern in Ergänzung zum DUAL aufzubauen. Mit Komponenten aus der Geburtsstunde des DUAL. Um so ein geschlossenes, analoges Klangbild zu erreichen. Man sollte dann aber auch die anderen Seite der Medaille genug Aufmerksamkeit schenken, die da heißt, das man eine Technologie, die Linearität zum obersten Ziel hat (Raumkorrektur), gegen etwas tauscht, was "gesoundet" ist. Logisch zu Ende gedacht wäre eine Kette aus Röhrengeräten zu schaffen. Konsequenz ist aber, dass man keine Möglichkeit digitaler Form mehr hat, um den Besonderheiten des Raums zu begegnen. Moden und Echos kann man dann nur noch durch Veränderungen des Raums, der Einrichtung oder baulicher Art begegnen.

Das führt schnell zu einer Endlosspirale von Veränderungen.

Ist es da nicht sinnvoller die Möglichkeiten des Lyngdorfs zum Sounding zu nutzen? "Wärme im Klang" entsteht schlussendlich durch einen nicht linearen Frequenzgang am Hörplatz. Es gilt nur zu wissen welche Frequenzen wie in ihrem Zusammenhang zu verändern sind.

Warmer Klang hat der Musiker gemacht und der Tonmeister aufs Medium gebracht. Wenn die Kette das 1:1 durchschleift ohne etwas dazu zu dichten oder weg zu lassen (was ihre Aufgabe ist) und der Raum nichts überproportional verschluckt oder verstärkt, dann kommt es so auch an den Ohren an. Wenn die Quelle aber das schon nicht liefert und es am Ende doch "warm" ist, dann arbeitet die Kette nicht linear. Das mag gewollt sein. Ist dann aber Sounding.

Toningenieur und Raumakustiker sind nicht umsonst Lehrberufe oder Studiengänge. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, muss man schon wirklich was können. Das ist nicht einfach mal so mit dem Austausch von Technik gemacht.

My 2 cent

R.
17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#16 erstellt: 07. Okt 2018, 15:46
Vielen Dank für die vielen weiteren Einwürfe. Daraus nehme ich einiges mit. Zum Beispiel, dass tatsächlich einiges an Potenzial in der Verbesserung der Raumakustik liegt.

Interessant ist dabei, das die Raumkorrektur des Lyngdorf im initialen Set-Up für meine Ohren erfolgreicher gearbeitet hat, als zurzeit, wo ich die Aufstellung der Boxen verbessert habe. Gerade in die Aufstellung der Lautsprecher habe ich zuletzt viel Zeit und Muße investiert. Danach habe ich den Lyngdorf neu einmessen lassen. Nun gefällt mir aber oft der Direct-Modus besser.

Insgesamt bin ich aber schon einen guten Schritt in die richtige Richtung gekommen. Die Lautsprecher stehen im exakten Stereo-Dreieck, ich habe sie nach vielen Tests stärker eingewinkelt und zudem die Bassreflexöffnung mit einem Schaumstoffring versehen. Das führte zu einem echten Sprung nach vorne!

Mal sehen, was jetzt noch mein Toningenieur bewirken kann

Aber ich nehme auch die Idee mit, mir über Zeit eine Hifi-Klassiker-Reihe anzuschaffen. Da gibt es viele tolle, spannende Sachen und ich habe einfach Lust drauf

Wer weiß, vielleicht wird die aktuelle Aufstellung meine Anlage für HiRes-Streaming. Und die Klassiker-Serie dann für das „Analoge“...
Broesel02
Inventar
#17 erstellt: 13. Okt 2018, 12:20
Zuerst eine Einschränkung:
Ich höre nur mit Klassikern - ich bin also voreingenommen.

ALLE Klassiker mit denen ich höre habe ich selber revidiert. Im unveränderten Zustand klingen sie in meinem Verständnis nach 30 bis 40 Jahren Gebrauch etwas müde, manchmal sogar dumpf. Also braucht man ein sachkundig revidiertes Gerät.
Außerdem mach es Sinn sich vorher zu überlegen wo denn die Reise hingehen soll. Werde ich einen Schwerpunkt bei dem schwarzen Gold legen wollen? Dann brauche ich eine sehr hochwertige Phono- Stufe, vielleicht sogar an verschieden Systeme anpassbar. Möchtest du einen Receiver, einen Vollverstärker oder Vor- und Endstufe getrennt haben? Receiver haben meist nicht so hochwertige Komponenten im Verstärkungszweig bieten aber oft eine tolle Haptik und sind sehr kompakt. Vollverstärker habe meist einen hochwertigeren Verstärkungszweig aber sind nicht mehr so kompakt wie ein Receiver. Und getrennte Kombis brauchen noch mehr Platz, sind auch natürlich etwas teurer aber lassen sich noch besser auf die individuellen Bedürfnisse anpassen. Bei allen diesen Geräteklassen gibt es immer von den verschiedenen Herstellern Highligts aus den verschiedenen Jahren. Da zählt der Marantz in meinen Ohren nur begrenzt zu. Er hat eine tolle Optik aber klanglich gibt es auch besseres.

Meine Meinung zu Raumkorrektursystemen:
Wir alle haben ja einen kleinen Computer zwischen den beiden Ohren eingebaut der, wenn wir einen Raum betreten, sofort anhand der ersten Geräusche im Raum unser Hörempfinden eben an diesen Raum anpasst. Das passiert blitzschnell und ist im wesentlich im Unterbewusstsein verankert. Wenn man da mit einem Raumkorrektursystem gegenhält kann das zu Konflikten führen die wir als schlechten Klang empfinden. Letztendlich ist es wohl das Ergebnis von zwei unterschiedlichen Rechnern die das selben Ereignis unterschiedlich bearbeiten.
Ich habe mich daher gegen jede elektronische Raumkorrektur entschieden, stattdessen habe ich meinen Raum durch bewusste Platzierung von Diffusoren, Teppich, Dämmstoffen und so weiter gestaltet. Aber ohne elektronisch Korrektur. Du machst wohl im Moment eine ähnliche Erfahrung

Ich würde dir weiterhin auf alle Fälle empfehlen verschiedene Geräte und Anlagen zu hören. Wenn dir etwas gut gefällt auch unbedingt zu Hause ausprobieren. Aber auf keinen Fall etwas ohne probehören in den eigenen Wänden kaufen! Du hast schon einen hochwertigen Verstärker. Wenn ein 40 Jahre altes Gerät besser klingen soll als dein jetziger Verstärker muß das schon etwas besonders Gutes sein oder besonders perfekt in deine Hörsituation passen. Tipps was nun besonders gut oder nicht gut ist gebe ich mal nicht, die Liste wäre beliebig erweiterbar. Entscheidend ist ja was dir gefällt. Sowohl optisch und haptisch als auch akustisch. Und kaufen können musst du es auch.
Viel Spaß bei der Suche!
Richard
tiquila012013
Stammgast
#18 erstellt: 14. Okt 2018, 06:34
Einen schönen guten Morgen liebe Forengemeinde.
Also Broesel02 hat es sehr schön geschrieben und für mich auf den Punkt gebracht .
Unterm Strich ist Musik eine reine Geschmackssache und es gibt kein richtig oder falsch .
Meine Musik bei mir zuhause soll mich berühren . Also zurücklehnen , Fußwippfaktor, genießen und ein Grinsen im Gesicht haben
Dann habe ich wohl alles richtig gemacht.
Ein Gerät sollte auf keinen Fall einen Defekt haben , aber gesoundet ist nicht falsch , es ist Geschmackssache.
Ich selber bin nach verschiedenen Versuchen und immer wieder austauschen letztendlich auch bei Vintage gelandet .
Ich höre mit einem Luxman L 550 . Dieser ist kompromisslos revidiert worden und was soll ich sagen ....
Sicherlich gehört er auch zur Gattung " gesoundet " ?!
Aber er paßt rein , harmoniert mit meinem Lautsprecher und ich genieße es jedes Mal zu lauschen .
Ich kann auch nur den Tip geben in den eigenen vier Wänden immer testen und Stück für Stück die Kette aufbauen und gucken dass es paßt und harmoniert .
Geschmack entscheidet und nicht Frequenzverlauf.
Für mich ist Musik Gefühl und da muss was " rüberkommen " und da hat jeder nunmal seinen eigenen Geschmack .
In diesem Sinne
Gruß Roman
.JC.
Inventar
#19 erstellt: 14. Okt 2018, 07:29
Moin,


Broesel02 (Beitrag #17) schrieb:
Werde ich einen Schwerpunkt bei dem schwarzen Gold legen wollen?
Dann brauche ich eine sehr hochwertige Phono- Stufe, vielleicht sogar an verschieden Systeme anpassbar.


das ist richtig und idealerweise passen Tonabnehmer, Verkabelung und Phonopre elektrisch gut zusammen (s. Kapazität).

Wie macht sich denn der Graham Slee?
Und welcher Tonabnehmer ist auf dem Dual 1229?
(übrigens ein richtig guter Dreher)
17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#20 erstellt: 24. Okt 2018, 07:11
Moin aus Hamburch!

Ja, das kann ich nur unterstreichen: Letzten Endes muss es mir Spaß machen, Musik zu hören. Wie oben schon geschrieben, bin ich allein schon durch räumliche Veränderungen und Aufstellen der Lautsprecher viel besser zufrieden!

Aber ich verfolge nun auch die Idee, eine 2. Kette aufzubauen und dabei auf Vintage zu gehen. Probieren geht über Studieren Zu dem Dual 1229 ist jetzt ein CD Spieler Philips 304 aus ‘83 gekommen. Das macht schon Spaß!

Der Phone PreAmp von Graham Slee gefällt mir schon gut. Zuvor hatte ich nur einen sehr einfachen „billigen“ PreAmp (No Name, 20 EUR). Der hat natürlich gegen den GrahamSlee keine Chance. Ich werde in Zukunft aber weiter vergleichen, um da auch für mich auszuprobieren, wie sich dadurch der Sound in meiner Kette verändert.
17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#21 erstellt: 24. Okt 2018, 07:12
Ach, noch zu meinem TA:

Am Dual 1229 habe ich zurzeit noch ein OMB5.
.JC.
Inventar
#22 erstellt: 24. Okt 2018, 07:45
Hi,

das OMB 5 ist ein Einsteiger TA für 20 € und das hört man auch (wg. der Nadel).
d.h durch einen Nadeltausch zur OM 20
(ja so teuer sind gute Nadeln) kannst Du schon viel am Klang verbessern.

Oder Du nimmst einen ganz neuen Tonabnehmer, wie das AT 440 MLb das sehr gut zum Dual Tonarm passt.
Das Ortofon OM 40 ist dann die Spitzenklasse.
torbi
Inventar
#23 erstellt: 24. Okt 2018, 08:45
Guten Morgen,

das ist ja eine interessante Diskussion!

Ich denke, vintage mach dann Spass, wenn alles vintage ist. Der Dual 1229 ist da schon ein tolles Ding - ich würde allerdings eher in den Tonabnehmer investieren. Tip dafür: Shure V15 III mit neuer Nadel von Jico "SAS", hatte ich jahrelang, sehr nah an den unbezahlbaren MR-Originalnadeln.

Bei vintage-Lautsprechern gibt es auch viel zu entdecken. Auch gesoundet, aber teilweise richtig gut

Viel Spass,
Torben
17rpm
Schaut ab und zu mal vorbei
#24 erstellt: 24. Okt 2018, 08:48
Klasse, danke für die Tipps!

Als TA wurde mir vor kurzem auch das Shure M97XE empfohlen. Würdest Du aber eher mit dem AT gehen?
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