STAX SR-002 - kleiner Exot, einmal ganz groß - Ein Review

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AG1M
Inventar
#1 erstellt: 18. Sep 2015, 10:53
STAX SR-002 - kleiner Exot, einmal ganz groß - Ein Review

001_SR-002_front

Einleitung:

Ein Stax als In-Ear - Ernsthaft? Das waren meine ersten Gedanken als ich vom Stax SR-002 gehört habe. Die seltsame Optik, das zusätzliche Speiseteil, das seltsame proprietäre Kabel und diese komplett offene Bauweise und komische Form haben mich damals dann doch zu sehr von einem Kauf abgeschreckt. Ein großer Fehler wie ich schon bald bemerken durfte...

...daher auch nun mein Review zu diesem Interessanten, aber auch ungewöhnlichen In-Ear.

Lieferumfang:

Das Stax SRS-002 Set enthält folgendes:

Stax SRM-002 (Speiseteil aka pKHV von Stax)
Ein paar Stax SR-002 Ohrhörer samt wechselbarem Kabel
3 verschiedene Silikon Aufsätze (S, M und L)
Ein Kopfbügel
Ein 3,5mm Interconnect
2 Mignon AA Batterien

Das Netzteil Stax AC-002 wird gar nicht erwähnt in der englischen Betriebsanleitung, nur im japanischen Abschnitt bin ich auf das optionale Stax AC-002 Netzteil gestoßen.

Verarbeitung/Haptik:

Der SR-002 sieht selber ziemlich „günstig“ - um es einmal freundlich auszudrücken - aus. Das Plastik und die Optik machen nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck. Das Kabel wirkt sehr empfindlich (gerade am Y Splitter) und es kommt mir nicht gerade stabil vor. Der SRM-002 wirkt auch nicht gerade hochwertig, der Lautstärke Poti ist ebenfalls wie der Rest aus Plastik, ein Alu- oder Metallgehäuse hätte mir hier besser gefallen. Der separate Kopfbügel ist vom Stil her wie der von meinen Walkman Kopfhörern aus den 90ern.

002_old_shool_buegel
Das weckt Erinnerungen - der „Old School“ Bügel vom SR-002. Ich verzichte aber darauf liebend gern.

Alles in allem kommt einem das ganze nicht wirklich vor als ob es die knapp 700 Euro Wert ist, aber zum Glück „klingt“ Verarbeitung/Haptik ja nicht. Man merkt schnell dieses Set ist nur für den Musik Genuss Zuhause konzipiert und nicht als robuster täglicher Begleiter. Zur Aufbewahrung kann ich das Peli Micro Case 1050 empfehlen, es passt perfekt für das SRS-002 Set, samt Ersatz Akkus.

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Platz genug für den SRM-002, den SR-002 samt Kabel, 8 Wechsel Akkus und dazu noch eine Trockenkapsel.

Mobile Verwendung:

Der SRM-002, also das Speiseteil von Stax hat einen Schacht für Batterien/Akkus im Mignon AA Format. Das ist sehr positiv, das hier keine proprietäre Lösung oder fest verbaute Akkus genommen wurden. Ich nutze primär hochwertige Akkus, da wären folgende sehr zu empfehlen:

Panasonic Eneloop PRO XX (1,2V @ 2550 mAh)

Die Eneloop PRO XX sind die Langläufer schlechthin. Im normalen Modus bei moderater Lautstärke halten die Akkus gute 6 bis 6,5 Stunden (die Laufzeit Angaben von Stax sind bei gerade mal um die 4 Stunden im normalen Modus mit Standard Batterien). Im Eco Modus, welchen ich für gewöhnlich verwende, halten die Akkus nochmals ein Stück länger, nämlich gute 7 bis 7,5 Stunden. Ich frage mich wozu der normale Modus gut sein soll, jedes normale HiFi Quellgeräte versorgt den SRM-002 mit ausreichend Pegel, sodass selbst die niedrigste Stufe bei dem Poti mir fast das Gehirn wegbläst und ich bin nicht gerade unbedingt der „Leise Hörer“. Ich schätze der normale Modus soll für nicht typische HiFi Quellgeräte sein, wo die Ausgangspegel unter 1 Vrms liegen.

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Zeitweise hatte ich zwei SRM-002 um die verschiedenen Akkus/Batterien leichter zu vergleichen. Interessant, S/N: 18XX hat die blauen Bänder und S/N: 19XX hat die schwarzen Bänder - gibt es noch mehr Farben?

Testweise habe ich reguläre Batterien mit 1,5V und auch Akkus mit höherer Spannung wie die Conrad NiZn energy HR06 (1,6V @ 1500 mAh) getestet, die Unterschiede waren aber nicht wirklich der Rede wert, minimal höhere Dynamik mit den 1,6V Akkus bzw. 1,5V Batterien, aber hier denke ich das dies der höheren Leistung + höheren Lautstärke zurückzuführen ist. Auf weitere Experimente habe ich daher verzichtet. Mit den Eneloop's bin ich also mehr als zufrieden, habe 8 Stück davon und bin sehr zufrieden, daher auch meine Empfehlung Nummer Eins. Kleiner Hinweis - während herkömmliche AA Batterien und Akkus knapp unter 14mm Durchmesser liegen, sind meine Exemplare deutlich größer als 14mm Durchmesser. Es ist zwar nur augenscheinlich einen Hauch dicker, aber das reicht schon aus, das diese schwerer wieder heraus zu bekommen sind. Mittlerweile ist noch etwas Spiel dazu gekommen und die Akkus gehen nun viel leichter als am Anfang zu entnehmen. Ich hätte nichts dagegen gehabt wenn der Innenraum im Batterie/Akku-Fach von Anfang an minimal großzügiger gewesen wäre.

Kleiner Negativ Report: Mein erster SRM-002 hatte leider einen Defekt und verursachte ein unangenehmes permanentes hochfrequentes Fiepen nach dem Einschalten - am Anfang dachte ich noch es sei der SR-002 selbst. Der Stax Support meinte zwar dieses Problem hören Sie zum ersten Mal, aber ich habe in Foren schon öfters von diesem Problem gelesen. Am Ende habe ich ein Austausch Gerät von meinem HiFi Händler bekommen und alles war danach gut - ganz ohne Fiepen.

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Hier der noch einmal die SRM-002 Speiseteile im Detail und die erwähnten Akkus.

Durch die offene Bauweise des SR-002 hört man natürlich Umgebungsgeräusche und da man den Stax scheinbar automatisch viel leiser hört, sprich die Lautstärke deutlich geringer verwendet als für gewöhnlich, bekommt man zusätzlich leichter Umgebungsgeräusche mit. Wenn man etwas moderater die Lautstärke aufdreht dann geht es eigentlich mit den leisen Umgebungsgeräuschen. Aber definitiv nichts für Unterwegs. Zuhause, im Garten usw. alles gut, aber für öffentliche laute Plätze mehr als ungeeignet (auch der Optik halber).

Tragekomfort:

Ein schwieriges Thema, da es von der eigenen Ohr Anatomie abhängt. Ich bevorzuge generell bei In-Ears ausschließlich die Custom Variante, aber der SR-002 bietet bei mir einen recht brauchbaren Seal, selbst mit den Standard Silikon Aufsätzen welche dabei waren, was mich mehr als überrascht hat. Ich musste zwar schon etwas Üben bis die Hörer optimal sitzen, aber wenn die optimale Position erreicht wurde, dann war das schon ganz ok. Schwach finde ich aber das Stax lediglich 3 popelige Silikonaufsätze beilegt. Bei weitaus günstigeren In-Ear Modell gibt es dutzende Aufsätze mit toller Auswahl. Aber es geht zum Glück noch besser, ich habe einen tollen Tipp bekommen (an der Stelle danke nochmal an Robert), diese Hama Silikon Aufsätze zu verwenden: https://www.hama.com...ohrpolster-12-stueck Die passen super auch bei der großen Öffnung vom SR-002 und bieten einen viel besseren Seal und Komfort.

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Hier einmal mit und einmal ohne Bügel die Trageweise des SR-002.

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Hier ein Vergleich mit den Standard Stax Aufsätzen und die Hama Aufsätze.

Ich bin trotzdem noch in der Planung meinen SR-002 in einen Custom zu verwandeln, es scheint möglich zu sein ohne großartige Verschlechterung des Klanges. Ein Beispiel von einem SR-002 Besitzer aus Japan, welchen ich schon nach weiteren Informationen gefragt habe:

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Hier der Vergleich mit meinem normalen Custom In-Ear zum SR-002 und die Custom SR-002 Variante aus Japan.

Das Hauptproblem ist der große lange und relativ breite Schallkanal und die große Schallaustrittsöffnung. Man muss also den Aufsatz entfernen und rein auf eine angepasste Otoplastik setzen, dann bekommt man das Ergebnis von dem japanischen Custom SR-002. Ich werde berichten wie mein Custom SR-002 Projekt voran geht.

Der Klang:

Den Stax SR-002 nutze ich an meinen folgenden 3 Setups:

DIY Daphile Music Box > USB > Gustard U12 > Toslink > Schiit Bifrost Uber > Analog > iFi audio micro iCAN > Stax SRM-002
iBasso DX50 > Koaxial > iFi Audio micro iDSD > Analog > Stax SRM-002
Samsung Galaxy S4 > USB > HRT dSp > Analog > Stax SRM-002

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Eine tolle portable Kombination - der iDSD samt SR-002 - Stax Sound für unterwegs und zwar ohne Kompromisse.

Primär benutzte ich die ersten beiden Setups, Variante drei ist super um Streaming und Co. auf den Stax SR-002 in höchster Qualität zu übertragen.

Allgemeine Klangsignatur:

Wo soll ich nur anfangen? Zunächst kann man diesen speziellen Stax Klang nicht mit einem Dynamiker wie dem Sennheiser HD 800, einem Magnetostaten wie dem Audeze LCD-X oder einem Balanced-Armature Mehrtreiber In-Ear wie dem Custom Art Harmony 8 Pro vergleichen (ich nenne die Drei, weil ich diese zum Vergleich verwenden werde - auch wenn diese selbst sehr unterschiedlich abgestimmt sind. Alle Drei sind für sich genommen absolute Spitzenklasse Hörer).

Wenn ich die Klangsignatur des SR-002 in Kurz fassen müsste würde ich es so ausdrücken: sehr transparent, luftig und entspannt, klingt erst einmal nach einer nicht so spektakulären Wiedergabe nicht wahr? Es wird einem ein solch natürlicher schlanker Grundton vermittelt das man nicht wirklich etwas auffälliges im Klangbild finden kann. Er spielt wirklich sehr frei und luftig - absolut kein typisches In-Ear Gefühl, das fällt von Anfang an sehr positiv auf.

Man kann sich schon recht schnell in der Musik für lange Zeit verlieren, da der kleine „Baby Stax“ einfach nichts zu bieten hat, was einen längerfristig stören könnte - ein absolut Langzeit tauglicher Hörer. Ist diese unspektakuläre Eigenschaft nun gut oder schlecht? In meinen Augen (Ohren) ist es sehr gut. Der SR-002 vermittelt einem einen sehr ehrlichen Klang und damit ist er für mich persönlich schon ziemlich nahe an absolut natürlicher Tonalität und kommt mit dieser Eigenschaft selbst seinem sehr großen Bruder - dem SR-009 schon angenehm nahe - wenn ich mich an mein Probehören mit dem SR-009 korrekt zurück erinnere.

Die Bühne des SR-002 ist natürlich nicht mit der eines Sennheiser HD 800 oder den anderen Beiden zu Vergleichen - nein die Bühne ist deutlich kleiner, aber die Instrument Separation ist trotz allem hoch. Man hat zwar ein sehr luftiges und freies Klangbild, aber die Tiefen- und Breitenstaffelung ist definitiv maximal Mittelklasse beim SR-002, ist jetzt also nicht unbedingt die große Stärke des Kleinen. Worauf aber der SR-002 mehr als nur gut anspricht ist, wenn ich mein analoges Crossfeed von meinen KHV dazu schalte, damit steigert sich das nicht-Kopfhörer Gefühl noch einmal deutlich, meine anderen Kopfhörer im Vergleich reagieren da nicht so genial.

Wenn man glaubt mit dem SR-002 bekommt nach dem Aufsetzen nach ein paar Minuten einen ersten „WOW Effekt“ der täuscht sich - ein HD 800 schafft dies mit seiner hohen Detailwiedergabe und enormen Bühnendarstellung, ein LCD-X beeindruckt mit dem ausgezeichneten Bassfundament und ausgezeichneter warmer Tonalität und der Harmony 8 Pro besticht durch seine sehr hohe Präzision und hohe Brillanz im Hochton. Was also macht den SR-002 nun aus? Wie schafft es der SR-002 mir Gänsehaut Momente zu verpassen? Es ist dieser schon angesprochene natürliche schlanke Grundton, der einem wirklich das Gefühl bereitet das es einfach richtig klingt - im Sinne von unverfälscht und dazu gepaart mit einer erstklassigen Mittel- und Hochton Darstellung, worauf ich später noch näher im Detail eingehen werde. Ob das jetzt an den elektrostatischen Treibern liegt, oder die Abstimmung ich weiß es nicht - was aber fest steht ist, seit dem Besitz des SR-002 liegen die anderen Hörer doch schon öfters mal auf der „Ersatzbank“. Besonders wenn man viel Klassik wie ich konsumiert, war bis Dato der HD 800 der Hörer Nummer Eins dafür, der Grund sollte bekannt sein. Oder wer generell Instrumentalmusik, geistliche Vokalmusik oder Filmmusik hört, dann ist das mit dem SR-002 schon etwas Besonderes, nicht von „WOW Effekten“ her gesehen wie beim z.B. HD 800, sondern diese vollkommen harmonische, ruhige (aber nicht im negativen Sinne gemeinte) Klangbild. Im Grunde steht dem SR-002durch seine Eigenschaften eigentlich so gut wie jedes Genre - Klassik, Rock/Metal, Hip Hop, elektronische Musik, J-Pop, usw. klar je nach Geschmack und Tagesform hätte man hier und da noch etwas anderes, aber grundsätzlich passt das alles schon wirklich gut zusammen.

Die Detailwiedergabe des SR-002 ist wie schon erwähnt trotz der eher nur mittelprächtigen Bühnendarstellung gut, die Präzision liegt auf einer hohen Stufe und braucht sich nicht weit hinter meinen erwähnten Flaggschiffen zu verstecken, reicht aber dennoch nicht an diese heran. Wie ich ebenfalls schon erwähnt habe, verleitet einem der SR-002 dazu deutlich leiser zu hören als für gewöhnlich. Am Anfang dachte ich „Hmm bin ich aus versehen an den Lautstärke Poti vom SRM-002 gekommen?“ - nein je länger man mit dem SR-002 hört, desto „Echter“ wirkender wird die Musik und man regelt irgendwie automatisch die Lautstärke etwas herunter und man verliert gar nichts an Dynamikumfang, das passiert mir mit den anderen genannten Hörern nie.

Bass:

Meine größte Befürchtung war - kann da wirklich ein brauchbarer Bass aus diesem zarten kleinen Treiber heraus kommen? Die Antwort lautet: Jein. Generell ist der Bass sehr brauchbar (nein wirklich ich war positiv überrascht), damit macht Rock & Metal Musik wirklich Spass und damit höre ich auch sehr gerne mich durch meine Lieblingsbands wie z.B. Dragonforce, Devildriver, Amon Amarth, Static-X, Nightwish, Soulfly oder Rammstein. Vom PRaT (Pace, Rhythm and Timing) legt der SR-002 die Latte schon recht hoch, aber spielt noch lange nicht auf Augenhöhe mit dem Harmony 8 Pro - da bleibt er der einsame König. Der Tiefbass vom SR-002 kommt wirklich nicht schlecht, der mittlere Bass und Oberbass sind sehr angenehm und gehen nahtlos in die unteren Mitten über (sehr linear). Qualitativ finde ich den Bass wirklich gut, aber nicht so überragend wie bei richtigen Kopfhörern wie dem HD 800 oder LCD-X, auch wenn der Vergleich nicht ganz Fair ist. Die Kontrolle vom Bass exzellent, immer genau und fein auf den Punkt, typisch wie beim Harmony 8 Pro. Damit es unten herum nicht ganz so Steril je nach Genre wird, aktiviere ich daher sehr gerne meine analogen Zusatzschaltungen von meinen beiden KHV, aus meinen oben genannten Setups.

016_X-Bass_1017_X-Bass_2
Hier einmal die X-Bass Funktion vom micro iDSD und vom micro iCAN (immer nur die weiße Linie beachten).

Damit ist der Bass gut aufgestockt und man hat deutlich mehr Punch, ohne dabei Verzerrungen zu provozieren, oder unpräzise zu werden. Damit spielt der SR-002 dann z.B. selbst Hip Hop mit Iggy Azalea oder Azealia Banks äußert spaßig.

Mitten:

Kommen wir jetzt zum ersten Highlight - es sind diese magischen Stax Mitten die mich in ihren Bann gezogen haben. Diese Mitten bestechen einen einfach alle Hörer, wovon man zuvor angenommen hatte, das der Mitteltonbereich natürlich und ausbalanciert klingt, noch einmal neu zu Platzieren. Die Mitteltonwiedergabe ist weder analytisch noch spektakulär, sondern einfach unaufdringlich, homogen, frisch und richtig authentisch. Dieser kleine Stax spielt mit einer grandiosen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, das einfach faszinierend ist. Die Wiedergabe glänzt durch diese unangestrengte Art, wenn ich das mit dem HD 800 und seinem überragenden Auflösungsvermögen, wo selbst kleinste Klangnuancen sehr durchhörbar sind - was eigentlich tolle Eigenschaften beim HD 800 sind - vergleiche, wirkt das nun fast anstrengend und dabei verdeckt der SR-002 aber auch keine wirklichen Details. Der SR-002 spielt einfach geschmeidig, aber ohne dabei zu Detailarm oder nicht ausreichend dynamisch zu spielen. Stimmen klingen trotzdem emotional und glaubwürdig, ohne eine Starke Überbetonung zu haben, das ist auch einer der Gründe warum man damit Stundenlang Musik genießen kann. Keiner der Drei Vergleichshörer kann da Paroli mit diesen entspannten Mitten bieten - im Sinne von perfekt ausgeglichen und ausbalanciert. Dazu einen direkten Vergleich bei Klassik: nehmen wir doch einmal einige der meiner Meinung nach schönsten geistlichen Werke von Händel z.B. Messiah oder Israel in Egypt, oder Bach's Magnificat, Matthäus-Passion und Lutherische Messen, oder um von absoluter Perfektion zu sprechen, nehmen wir mal mein liebstes Werk - Stabat Mater von Pergolesi, gesungen von der einzig wahren Sopranistin Julia Lezhneva (Sorry bin Fanboy von ihr). Vergleicht man nun diese Werke mit meinem Referenz Hörer dafür - dem HD 800 - ich verspreche euch trotz kleiner Bühne vom SR-002, welcher auch nicht ganz die Detail- und „Sezier-Auflösung“ wie beim HD 800 bietet, er verpasst einem trotzdem Gänsehaut Momente, wirklich unglaublich was der kleine Stax auf die Beine stellt mit diesen magischen Mitten / unteren Höhen.

Höhen:

Da ich keine wirkliche Überbetonung der oberen Mitten feststellen kann, gehen diese wunderbar nahtlos auf die unteren Höhen über. Dieser weiche Übergang ist sehr angenehm und verleiht dem Bereich weiterhin diese Natürlichkeit. Die Höhen sind ziemlich harmlos, aber ohne dabei an Brillanz einzubüßen und spielen trotz etwas Betonung der mittleren und oberen Höhen nie unangenehm aufdringlich. Die mittleren und oberen Höhen sind sehr filigran und lösen gut auf und neigen zu keinerlei Zischeln. Es mangelt dem SR-002 aber etwas am Superhochton und dessen Betonung, also nicht wie bei meinen beiden Hörern wie dem HD 800 oder dem Harmony 8 Pro, der SR-002 spielt aber auch nicht so wie der LCD-X, er liegt in der goldenen Mitte aus beiden Welten. Trotz dieser eher etwas zurückhaltenden Höhen sind die Höhen des SR-002 auch eine kleine Besonderheit für sich, denn die Höhen spielen auch so wunderbar unaufdringlich, homogen, frisch und richtig authentisch wie schon bei den Mitten. Mehr Energie und Spritzigkeit der oberen Höhen/Superhochton würde dem SR-002 gut stehen meiner Meinung nach. Im Gesamteindruck gefallen mir die Höhen des SR-002 trotzdem sehr und finde es wirklich optimal ausgeglichen. Die Höhen sind einfach nicht so dick aufgetragen, sondern eher nüchtern und konventionell und das meine ich nicht im negativen Sinne, sondern im positiven Sinne. Ich glaube aber dennoch, wenn hier mehr Bandbreite vorhanden wäre, würde auch die gesamte Räumlichkeit höher Punkten. Aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau.

Fazit:

Betrachtet man nun alle einzelnen Punkte zusammen bietet der SR-002 ein wirklich schönes Gesamtpaket. Dieser kleine Exot hat viel von meiner Aufmerksamkeit mehr als zurecht verdient. Potential um neue Freunde zu finden hat der SR-002 auf jeden Fall - wer auch gerne Stax Sound portabel genießen möchte - von mir als Stax Einsteiger eine volle Empfehlung.


019_Abschluss


[Beitrag von AG1M am 18. Sep 2015, 11:48 bearbeitet]
Earspeaker
Schaut ab und zu mal vorbei
#2 erstellt: 18. Sep 2015, 14:07
Hallo!

ich kann jede Zeile was du geschrieben hast unterschreiben! Ich finde dein Review zum Baby-Stax als das passendste und beste was im Netz (und nicht nur im deutschsprachigem Raum) zu finden ist! Sehr verständlich und wirklich zutreffende Beschreibungen über Stärken und Schwächen. Gratuliere!

Viele Grüße,
Robert
chi2
Stammgast
#3 erstellt: 18. Sep 2015, 22:19
Chapeau und vielen Dank für diesen umfassenden, genauen und sehr gut geschriebenen Bericht! Ich habe nur zwei etwas abweichende Wahrnehmungen bzw. Einschätzungen.

Zum einen finde ich das, was der SR-002 an Bass liefert, auch ohne EQ genial: tiefen, voluminösen und gut konturierten Bass in mehr als ausreichenden Mengen. Unglaublich, dass das ein dermassen klein dimensionierter Elektrostat so hinbekommt! Weil das bei mir beim SR-001 und SR-003 nur mit im Ohr leicht verdrehten Aufsätzen (und Druckstellen im Aussenohr) so war, frage ich mich, ob du schon einen wirklich guten seal hinbekommen hast. Die Aufsätze des SR-002 zwar etwas weniger problematisch, die volle Abdichtung erreiche ich aber auch nur mit noch grösseren Aufsätzen von anderen Herstellern.

Die zweite Differenz betrifft die Mitten. Da stelle ich leider auch beim SR-002 noch das gleiche Problem fest wie bei den Vorgängern: Er hat eine Verfärbung, die je nach Musikart weniger oder mehr stört. Als ich die Messungen in Rin Choi's blog, auf Goldenears und Innerfidelity sah, wusste ich weshalb: Der Baby-Stax weist in den oberen Mitten eine ziemlich tiefe Lücke auf. Manchmal mag ich deshalb gar nicht mehr mit ihm hören und andere Male stört es mich nach kurzer Eingewöhnung kaum mehr. Leider waren alle Versuche eine Korrektur mit EQ nicht erfolgreich. Es scheint sich um eine nicht korrigierbare Resonanz zu handeln.

Im IEM-Bereich ungeschlagen finde ich aber seinen Hochton. Die Luftigkeit und Brillanz ohne Schärfe und Überzeichnung der Sibilanten ist ohnegleichen. Ein K3003 (mit Referenzfilter) klingt daneben (für meine Ohren) in den Höhen recht nervig - und liefert dabei weniger Detailauflösung.

Ich habe übrigens vor einiger Zeit für den SR-001 und SR-003 custom-Aufsätze aus Silikonmaterial erstellen lassen. Die erste Variante war enttäuschend, weil der Schallkanal zu eng war. Das Paradestück, der Hochton, litt enorm. Die zweite Fassung behielt dann im Minimum einen Durchmesser von ca. 2/3 der Schallöffnung am IEM bei und war viel besser. Das beste Ergebnis habe ich aber erreicht, indem ich bei der misslungenen ersten Fassung den Schallkanal ca. 1 cm nach der IEM-Öffnung abtrennte. So blieb der Querschnitts zu 100% erhalten. Optisch ist das etwas rustikal, aber wen stört das im Ohr? Für eine nahezu perfekte Ankoppelung reicht es. Einziger Nachteil der Konstrukton mit weichem Material: Die Aufsätze sind nur aufgesteckt und halten mittels einer eingefrästen Nut. Beim Herausnehmen der Hörer fällt ab und an einer der Aufsätze ab. Fest verbinden (durch Verklebung) wollte ich sie bisher noch nicht, aber wenn der Halt sich wegen Materialalterung oder -abnutzung verschlechtern sollte, wäre das eine Lösung.

Trotz seiner Qualitäten höre ich aber nicht so viel mit dem Baby Stax, weil ich zuhause lieber auf full-size Elektrostaten (ohne diese leichte Mittenverfärbung) zurückgreife und für unterwegs eine Lösung brauche, die besser Lärm von aussen abschirmt und robuster ist.
AG1M
Inventar
#4 erstellt: 18. Sep 2015, 22:52
Guten Abend,

danke für deine Erfahrungen Hast du den SR-001 MK1 oder MK2? Ist dein SR-003 MK1 oder MK2? Die Messungen bei Rin Choi stammen ja vom SR-003 MK1, nicht MK2. Der SR-002 ist doch aber Baugleich mit dem SR-003 MK2 bis auf den 5 Pin Anschluss.

Ich verwende wie erwähnt die großen Hama (L) Aufsätze, die Standard Stax (L) Aufsätze sind nicht so optimal.

Könntest du bitte ein paar Fotos von deinem Custom Stax Ergebnis bitte teilen (wenn nicht gewünscht dann bitte per PM), wäre super hilfreich.
chi2
Stammgast
#5 erstellt: 18. Sep 2015, 23:26
Hi,

ich habe neben dem SR-002 den SR-001 MKII und den SR-003, von dem es m.W. keine MKII-Version gibt und dessen Treiber mit denen des SR-001 MKII identisch sind. Von diesem unterscheidet sich der SR-002 praktisch nur bez. des Verstärkers. Die andere Form des Schallkanals macht keinen relevanten Unterschied. Der SR-001 MKII klingt am neuen Verstärker leicht besser, aber praktisch gleich wie der SR-002.

Habe vor einiger Zeit einmal Links zu Fotos der Aufsätze hier eingestellt, aber die sind wohl mittlerweile gelöscht. Ich schau mal, ob ich die Aufnahmen noch irgendwo finde.

AG1M
Inventar
#6 erstellt: 19. Sep 2015, 10:10
Guten Morgen,

es gibt eine MK2 Version, ich habe mir das im Vorfeld alles erklären lassen mit den ganzen Versionen und Unterschieden, auf der Stax Seite ja auch zu finden: https://www.staxusa.com/STAX-SR-003MK2.html Auf Rin Choi's Blog zum SR-003 schreibt er das er zum Messen den SR-003 MK1 und nicht MK2 genommen hat.


Disclaimer: This loan has been provided by my friend, vAsurada. This particular pair is SR-003 mkI, not mkII.


Ich finde nämlich im Gegensatz zu anderen Stax Boliden neigt der SR-002 eben nicht zur Verfärbung der Mitten, hatte auch meinen SR-002 zum Probehören weiter geschickt und da wurde dieser Eindruck auch bestätigt.
chi2
Stammgast
#7 erstellt: 19. Sep 2015, 10:39
Du hast recht, der SR-003 MKII ist die 5-Pin-Variante des SR-002. Der SR-003 (ohne MK I ;)) entsprach der 5-Pin-Variante des SR-002 MK II. Interessanterweise steht zum SR-003 MKII, dass die Membran leichter/dünner sei als beim SR-001 (MK I). Das würde bedeuten, dass sich der SR-002 vom SR-001 MK II darin ebenfalls unterschiede und nicht nur in der Form des Schallkanals. Klanglich vermochte ich keine relevante Differenz zu identifizieren. Diese stellte ich nur beim Wechsel der Amps fest.

Edit:
Was die Mittenverfärbungen betrifft, ähneln die SR-001/2/3 dem Omega II ("MK I"). Wo die meisten Lambdas die oberen Mitten (und die Höhen) leicht überzeichnen und Stimmen dadurch künstlich in den Vordergrund holen, machen der Omega II und die Baby-Omegas (sic!) das Gegenteil: Sie setzen sie etwas in den Hintergrund. Im Gegensatz zum Omega II haben die kleinen aber zusätzlich eine nach meinen Erfahrungen über Modifikationen des Frequenzgangs nicht korrigierbare Beeinträchtigung der Klangfarben.


[Beitrag von chi2 am 19. Sep 2015, 12:21 bearbeitet]
AG1M
Inventar
#8 erstellt: 18. Nov 2015, 11:06
Guten Morgen,

kleines Update meines Custom SR-002 Projektes, in den letzten Wochen nach einigen Versuchen muss ich leider das Vorhaben aufgeben. Funktioniert einfach nicht bei meiner Ohren Anatomie, der Schallkanal ist einfach zu groß und mein Ohrkanal zu klein/eng um das zu kombinieren. Das hier war bis Dato mit einer der besseren Versuche, dadurch das der Schallaustritt nicht verändert wird, bleibt vor allen der Hochton original. Hatte erst die "Idee" das wie beim StageDiver zu kombinieren aus Semi-Custom Gehäuse + Silikon Aufsätze, aber das klappt wie schon erwähnt nicht, durch den großen/breiten Schallkanals des SR-002.

Stax SR-002 custom

Ein Versuch war es Wert, sollte aber eben leider nicht sein.

Habe aber eine Variante gefunden, wo es gut passen sollte (sind nicht meine, aber der Besitzer hat eindeutig bessere Voraussetzungen mit seinen Ohren):

Stax SR-002 custom2



[Beitrag von AG1M am 18. Nov 2015, 11:10 bearbeitet]
ronaldpe
Neuling
#9 erstellt: 07. Dez 2015, 21:02
Hallo AG1M,

habe mir entsprechen des Links die Hama Silikon Teile bei Amazon bestellt.

http://www.amazon.de...ui_search_detailpage

Leider passen die Überzieher nicht.

Wurde etwas geändert?

Wo hast Du bestellt?

VG Ronald
AG1M
Inventar
#10 erstellt: 07. Dez 2015, 21:24
Hallo ronaldpe,

nein das sind die richtigen Modelle (habe exakt von deinem Amazon Link gekauft), du musst etwas Fingerspitzengefühl und Geduld haben, da man die Aufsätze mit einem Finger quasi festhält und dann mit etwas Zug über den Schallkanal zieht, da die Hama Aufsätze etwa 2mm weniger Durchmesser haben. Hat bei mir beim ersten Mal auch ein wenig Zeit gebraucht bis das geklappt hat, aber jetzt geht das ganz flott mit dem aufziehen.
AG1M
Inventar
#11 erstellt: 02. Jan 2016, 13:07
Kleines Update zum Thema Aufsätze. Hatte noch einen guten Tipp von einem SR-003 Besitzer bekommen, mir mal die JVC Spiral Dot Aufsätze genauer anzusehen. Habe die Größe ML heute einmal getestet die sind noch einen Tick besser, weil der Schallaustritt noch etwas besser ist und die Form stabiler, als die schon sehr guten Hama Aufsätze (Schwarz JVC, Transparent Hama):

22
33

Kann ich nur Empfehlen.
ronaldpe
Neuling
#12 erstellt: 05. Jan 2016, 20:59
Moin,

wo kann man die kaufen?

VG Ronald
AG1M
Inventar
#13 erstellt: 05. Jan 2016, 21:06
Abend Roland,

meines Wissens bekommst du die JVC Spiral Dot Aufsätze nur aus den USA oder Asien. Ich habe meine von einem Verkäufer aus Tokyo über Ebay Neu und Original verpackt gekauft. Die waren per Luftpost schon nach 5 Tagen angekommen, hier der Link.

Habe heute zum Testen noch die Größe L der JVC Spiral Dot Aufsätze erhalten, werde ich am Wochenende mal probieren ob ML oder L mir letztendlich besser passen.
ronaldpe
Neuling
#14 erstellt: 06. Jan 2016, 12:08
danke, bestelle ich.

Fällt M kleiner aus als in Europa?
AG1M
Inventar
#15 erstellt: 09. Jan 2016, 16:34
Hallo,

also ich habe heute die Größen ML und L vergleichen, vom Klang her sind ML und L bei mir identisch, nur ist der Halt minimal mit L besser in meinem Fall. Wie M ausfällt kann ich dir leider nicht sagen, ich schätze JVC hat einfach nur die beiden Zwischengrößen MS und ML in die Spiral Dot Serie hinzugefügt und sonst nichts verändert.
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