Reparatur Thorens TD320 MKII TP90

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Carl_van_Drees
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 28. Jul 2019, 17:54
Liebe Freunde der Thorens Plattendreher...

Da ich aus aktuellem Anlass einen Thorens TD320 zu reparieren habe, dachte ich dies gleich zu dokumentieren und somit
dem Forum etwas von den vielen Tips und Tricks auch mal zurückzugeben.
Der Fall: Thorens TD320MKII, gebraucht gekauft in sehr schönem Zustand.
Leider ein wohl häufig anzutreffender Defekt, die optoelektronische Endabschaltung.
Zudem schien der Tonarm nicht leichtgängig, sondern gerade zum Ende der Schalplatte etwas ruckelig zu sein. Man hörte es sogar in Form von Verzerrungen.
Zunächst dachte ich das Ruckeln käme von der hier defekten Sichel der Endabschaltung. Doch nach Entfernen der Sichel und nach genauem Inspizieren war klar, das Lager hat einen Defekt.
Dies zeigte sich im Hin-und Herschwingen des Tonarmes bei leichtem Anstupsen. (Bei 0 Gramm Auflagegewicht und 0 Antiskating.) Eigentlich müsste der Arm frei laufen.

Also neue Sichel und neues Lager bestellt.
Folgend meine Bemühungen die Sichel und das Lager des TP90 auszuwechseln.

Hier der Kandidat
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Nachdem man die Bodenschrauben entfernt hat löst man die Strom- Audio- und Erdungsanschlüsse

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Nun hat man freien Zugang zum Tonarm von unten.
Die Sichel hatte ich bereits entfernt, sie war an der Befestigung gebrochen.

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Nun die Tonarmdrähte vorsichtig ablöten und danach mit einem 14er Schlüssel die Mutter lösen.

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Danach kann man die Platine abheben und entfernen.

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Jetzt dreht man den Plattenspieler um und löst den Tonarm Schritt für Schritt.

Zunächst habe ich das Tonarmrohr entfernt.
Hierzu benötigt man das mit abgebildete Spezialbit.
Gepasst hat ein SabreCut SCPSE100 Spanner Schraubendreher-Bit in 6mm

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Ich habe mir die Position der Schrauben genau gemerkt und jede Seite 1,5 Umdrehungen herausgedreht. Das genügt um das Rohr bequem zu entfernen.
(Beim Wiederzusammenbau, habe ich mich an den alten Positionen orientiert und ganz sanft mit Fingerspitzengefühl die Schrauben angezogen, das hat bestens funktioniert.
Man merkt es ganz gut ob noch zu viel Spiel da ist.)

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Danach die Sichel der Tonarmführung entfernen. Mit Torx 6

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Danach sind noch 2 Schrauben an der Basis zu lösen. Hier mit einem Torx 8. Dies sind auch die Schrauben, die zur Tonarmhöhenänderung zu lösen sind.
Diese

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Und diese

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Danach schauts so aus:

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Jetzt kann man den ganzen Block einfach vorsichtig herausziehen.

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Nun noch die beiden Kreuzschlitzschrauben entfernen

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Leider knickt hier die Geschichte etwas ein. Denn eigentlich schraubt man nun das Messinggewinde aus der quadratischen Tonarmhalterung einfach heraus. Dies hat bei mir gar nicht funktioniert.
Weder mit unterschiedlichen Zangen, noch mit mehr Gewalt. Auch nicht nach Erhitzen des Messingsrohres, damit sich die alte Schraubensicherung eventuell löst.
Nichts davon. Zum Schluss war das mit der Zange zu fassende untere Ende weggebröselt und nichts mehr zum Halten da.
Also habe ich die Aluhülse des Lagers aufgesägt. Das Lager ist eh defekt und ein neues am Start.
So konnte ich dann mit einer kräftigen Zange das Messing fest greifen und die Verschraubung lösen.

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Hier gibt es sicherlich elegantere Lösungen als meine oder noch den ein oder anderen Trick.
Hauptsache das defekt Teil ist endlich raus. Was ein Akt.

So sieht es dann mit dem neuen Lager aus und den schon wieder befestigten Kreuzschlitzschrauben.

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Hier sieht man schön den Magnetring, der das Gegenstück zu dem verstellbaren Magneten darstellt und somit das Antiskating ermöglicht.

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Damit sich die Verschraubung nicht lösen kann und der nächste es wieder möglichst schwer hat, habe ich die Verschraubung erneut mit Schraubensicherung montiert.
Ich habe Loctite 243 genommen. Ein kleiner Tropfen und das neue Lager wieder in den Block geschraubt.

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Nun alle vorherigen Schritte in umgekehrter Richtung. Auf die Bebilderung verzichte ich an der Stelle.

Sitzt der Tonarm wieder führt man vor der Verlötung die Kabel durch die Sichel zur Endabschaltung und montiert diese so, dass sie mittig
durch den Schlitz führt.

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Das Service-Manual des Thorens spricht davon, dass die Sichel 2mm an der gerade Kante überstehen soll, wenn der Tonarm in seiner Halterung geklemmt ist.
Das schaut bei mir dann so aus.

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In dieser Position habe ich die Sichel mit der Schraube leicht fixiert. Das genügt, da keine großen Kräfte wirken.

Nun sollte man den Schwellwert der Endabschaltung neu abgleichen. Das Manual spricht davon an den Messpunkten (Testpunkt3) ein Gleichspannungsmessgerät anzuschließen.

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Der Tonarm wird dann bis zur Plattenmitte geführt. Das Messgerät sollte jetzt 0,3 Volt anzeigen.
Sollte das nicht der Fall sein, kann man dies mit dem Poti P3 auf 0,3 Volt einstellen. Hier einen kleinen isolierten Schlitzschraubendreher, am besten ganz aus Kunststoff, verwenden. Den Zugang (Loch in der Platine) zum Poti sieht man ganz oben links auf der Platine.

Hier die Position der Sichel bei Tonarmstellung in der Plattenmmitte und der Wert des Multimeters dazu.

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Wird der Tonarm zurück in seine Halterung geklemmt sollte der Wert ca. 4,7 Volt anzeigen.

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Somit ist eigentlich schon alles geschafft.
Tonarmkabel wieder anlöten nicht vergessen. Alles schön reinigen wenn man schon mal dran ist und alles wieder zusammenschrauben.
Die Endabschaltung funktioniert wieder perfekt. Der Tonarm läuft einwandfrei.
Dann noch die üblichen Sachen. Neues Lageröl. Neuer Riemen und alles schön gereinigt.
Dann ein Ortofon MC3 turbo mit Schön-Schablone justiert.
Mit der image-Hifi Test Schallplatte komme ich auf 11Hz Resonanzfrequenz mit der Kombination von TP90 und Ortofon MC3 turbo.


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Läuft wieder bestens!

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Ich hoffe hiermit dem ein oder anderen bei Bedarf vielleicht ein wenig Anregung oder Hilfestellung geben zu können.
Besten Gruß
CvD


[Beitrag von Carl_van_Drees am 28. Jul 2019, 20:33 bearbeitet]
Ralf_Hoffmann
Inventar
#2 erstellt: 28. Jul 2019, 20:30
Cool - Danke
gapigen
Inventar
#3 erstellt: 29. Jul 2019, 09:18
Tolle Foto-Dokumentation👍
Viel Spaß beim Hören,
wendy-t
Stammgast
#4 erstellt: 29. Jul 2019, 12:15
Moin Carl!

Vielen Dank!

Viele Grüße
Philip
onabudget
Stammgast
#5 erstellt: 29. Jul 2019, 18:14


Super!
Wuhduh
Inventar
#6 erstellt: 30. Jul 2019, 02:28
Moin !

Gute Arbeit und super Bebilderung !

Theoretischer Werkstattaufwand, ohne Fotografien, inkl. TA-Justage: großzügige 3,5 Stunden ( oder etwa mehr ? ) mal 80,00 Euro / Stunde + Material + MwSt.

KVA bei Nicht-Auftragserteilung : pauschal 48,00 Euro

Alternative:
" defekt , für optimistische Bastler " , Startgebot: 250,00 Euro ( ohne System )

Bitte nicht vergessen, daß - wie bekannt - auch bei weiteren Kunststoffteilen der Weichmacher fortschreitend entfleucht.

MfG,
Erik
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