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Ein Verkaufsgespräch...

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Meiler
Stammgast
#1 erstellt: 27. Mrz 2004, 12:20
Ein Verkaufsgespräch, das nie stattfand?
Mit schönem Gruss nach München zur Hörzone!

Quelle: www.johannes-krings.com/verkaufsgespr

Kunde: Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; In Aktivboxen bauen die Konstrukteure nämlich schlechte Endstufen ein.

Kunde: Wie im Märchen: die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen? Meines Wissens sind die Schaltungen der besten HighEnd-Verstärker allgemein bekannt und es werden in den Aktivlautsprechern die gleichen Bauteile verwendet wie in den Verstärkern, die neben den Boxen stehen. Und die Feinheiten der Verstärkertechnik, wie z.B. Konstantstromverstärker, können überhaupt nur in Aktivboxen genutzt werden, da der Zwang zur breiten Kompatibilität den separaten Endstufen enge Fesseln anlegt. Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Verstärker in Aktivboxen haben doch nur so um die hundert Watt, während separate Komponenten ein Mehrfaches leisten.

Kunde: Dafür habe ich bei den Aktiven gleich mehrere Verstärker in einer Box und fünf mal 150 Watt ergeben bereits stattliche 750 Watt pro Seite. Ist es nicht im Gegenteil so, dass passive Frequenzweichen nicht nur den Klang, sondern auch die Leistung mindern? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Aktivboxen können ja nicht einmal hochwertige Lautsprecherkabel und vergoldete Lautsprecherklemmen bieten.

Kunde: Das verstehe ich nicht: War es nicht so, dass die Konstrukteure von Aktivboxen als Erste das Problem mit der Verkabelung auf die beste denkbare Art dadurch gelöst haben, dass durch feste Verbindungen zwischen Verstärker und Chassis die Kontaktstellen ganz entfallen, die Kabelwege radikal verkürzt werden und das dabei gesparte Geld auch noch in Chassis und Elektronik investiert werden konnte? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Unsere bewährten Passivboxen haben doch die besten Luftspulen und hochbelastbare Widerstände.

Kunde: Aber Drosselspulen und Lastwiderstände in Filtern sind doch immer von Nachteil und aktive Konstruktionen ganz ohne Drosseln sind doch prinzipiell überlegen. Ausserdem verbessert die Anordnung der elektronischen Weiche einer Aktivbox vor den Endstufen allein schon das Gesamtsystem. Zudem können nur so die Vorteile der Regelungstechnik genutzt werden. Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Bei Aktivlautsprechern sind die Verstärker im Innern der Box nämlich dem Schalldruck ausgesetzt und diese Erschütterungen übertragen sich auf die Elektronik und verschlechtern dadurch den Klang.

Kunde: Sie meinen das, was Fachleute Mikrofonieeffekt nennen? Das Wesentliche am Aktivprinzip ist aber nicht die räumliche Anordnung von Elektronik und Chassis im gleichen Gehäuse, sondern die Filterung vor statt hinter den Endstufen und separate Verstärker für jedes Chassis. Hier verwechseln Sie offenbar das Aktivprinzip mit einer möglichen Bauart. Tatsache ist, dass es Bauteile und Schaltungen gibt, die mikrofonieempfindlich sind und es gibt andere Bauteile und Schaltungen, die dagegen immun sind. Wenn dieser Effekt von irgendeiner Relevanz wäre, dann würden die Konstrukteure die Elektronik sicher in ein externes Gehäuse einbauen. Verfechter der Passivtechnik sollten mit diesem Argument aber sehr vorsichtig umgehen: zu den ausgesprochen mikrofonieempfindlichen Bauteilen gehören nämlich gerade die großvolumigen Kondensatoren der Passivweichen und dort gibt es zudem noch verzerrungsträchtige magnetische Verkopplungen zwischen Drosselspulen und den Schwingspulen der Chassis. Sollen wir Ihre Behauptung einmal durch ein ganz einfaches Experiment ad absurdum führen? Wir brauchen dazu nur bei einem Aktivlautsprecher ohne Eingangssignal auf die angeblich so erschütterungsempfindliche Elektronik zu klopfen, um festzustellen, daß sich auf diese Weise auch nicht der geringste hörbare Effekt einstellt. Ich möchte mir gerne sensorgeregelte Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Regelung kommt doch immer zu spät, also erst dann, wenn der Fehler schon passiert ist.

Kunde: Es ist schon erstaunlich: Bei offenkundiger Überlegenheit des aktiven Prinzips wollen Sie einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, wenn es aber darum geht, Aktivlautsprecher schlechtzumachen, dann bemühen Sie sogar das zweieinhalbtausend Jahre alte Paradoxon von Zenon und versuchen, die Infinitesimalrechnung auszutricksen, als hätten Leibniz und Newton nie gelebt.

Verkäufer: Leibniz erinnert mich an Butterkeks, aber was ist Zenon?

Kunde: Der Sophist Zenon wollte seinen Mitmenschen weismachen, dass Achilles einen Wettlauf mit einer lahmen Schildkröte niemals gewinnen kann, wenn man der Schildkröte nur anfangs einen Vorsprung gewährt: In der Zeit, die auch ein Athlet wie Achilles braucht, um den Vorsprung einzuholen, hat die Schildkröte nämlich wieder eine kleine Wegstrecke zurückgelegt, mithin wieder einen Vorsprung. Bei ständiger Wiederholung dieses Vorganges wird zwar der jeweilige Vorsprung der Schildkröte immer kleiner, bleibt aber im Prinzip immer bestehen, so dass die Schildkröte nie eingeholt wird und Achilles wie die elektronische Regelung stets zu spät kommt. Ein ebenso merkwürdiges Verständnis haben Sie von kybernetischen Systemen und dem Prinzip der Regelung.
Ohne Regelung würden die Menschen nicht aufrecht gehen können sondern dauernd umfallen, Radfahren wäre unmöglich und der Mond würde auf die Erde fallen. Kein Wunder, dass die Ingenieure ständig dabei sind, dieses Prinzip zu nutzen und von der numerisch gesteuerten Werkzeugmaschine über Antiblockiersysteme im Auto bis zu sensorgeregelten Lautsprechermembranen enorme Fortschritte erzielen. Große Teleskope für die astronomische Forschung waren schon immer eine besondere Herausforderung für die besten Optiker und Feinmechaniker und weil die Regelungstechnik gerade zusammen mit präzisester Mechanik besonders effektiv ist, werden dort enorme Fortschritte mit aktiver Optik, also mit Sensoren und Regelung erzielt. Übrigens kann selbst der primitivste Passivlautsprecher nicht ganz auf Regelung verzichten: Der von der Bewegung der Schwingspule induzierte Strom wird im Sinne einer Regelung zur Dämpfung benutzt und der Gummiring, der die Membran am Rand festhält, dient unter anderem dazu, nach einer Auslenkung die Membran immer wieder in die Ruhelage zurückzuziehen. Ohne diese Lageregelung würde die Membran nach kurzer Zeit außerhalb der Box unkontrolliert herumbaumeln. Sie wäre dann ein schönes Beispiel dafür, daß auf dieser Welt nur die Regelung das Chaos von der Berechenbarkeit trennt. Ich möchte mir gerne sensorgeregelte Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Passivboxen in unserem Laden haben so gute Membranen, die brauchen gar keine Regelung mehr.

Kunde: Ist es nicht eher so, dass jede Membran eine Fläche mit freien Enden darstellt und damit eine ganze Reihe von Schwingungsmoden aufweist, die gerade dadurch entscheidend verbessert wird, daß an der Schwingspule aus einem frei schwingenden ein festes Ende wird? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.

Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; ich habe nämlich gar keine sensorgeregelten Aktivlautsprecher im Laden. Im Übrigen finde ich es unfair, dass Sie mich ständig mit Grundsatzfragen der Lautsprechertechnik konfrontieren. Es gibt nämlich noch eine Logik jenseits von Technik und Klangqualität: Die HiFi-Branche lebt schließlich nicht von ein paar High-End-Perfektionisten sondern vom Massengeschäft mit Passivboxen und hat keine Lust, dieses Geschäft mit einer abweichenden Technologie bei den meinungsbildenden Spitzenmodellen zu konterkarieren.

Kunde: Wollen Sie - damit der eingefahrene Geschäftsbetrieb mit hunderten von profitablen Artikeln, von Endstufen über Kabel bis Zubehör ungestört bleibt - den Anachronismus auf Dauer fortsetzen, oder nur so lange, bis die Kunden merken, dass es beim heutigen Stand der Technik bessere Alternativen gibt
Hörzone
Inventar
#2 erstellt: 29. Mrz 2004, 16:29
Hallo Meiler

den Beitrag kenn ich natürlich schon, man schaut ja schliesslich auch auf die Seiten der Wettbewerber (wobei Johannes Krings da nur indirekt einer ist).

schönen Abend noch

Gruß
Reinhard
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