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Materialien für Verstärkergehäuse

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Elija123
Stammgast
#1 erstellt: 02. Feb 2013, 15:18
Hallo liebe Hi-Fi Gemeinde:

Mich umtrieb letztens eine Frage, die mit einem Hörtermin zusammenhing, welchen ich zunächst kurz schildere:

Ich hatte in einem Bremer Hi-Fi-Studio einen Hörtermin mit dem Revox Joy S119 an mehreren Lautsprechern. Am Ende des Hörtermins nahm der Händler den Revox Joy in die Hand, um die Kabel abzumachen und rief erstaunt: Der ist ja gar nicht richtig warm!!! Keine Sorge, ich hatte den sehr wohl ordentlich arbeiten lassen

Der Grund hierfür war offensichtlich folgender: Der Revox Joy hat ein Aluminium Unibody Gehäuse. Aluminium leitet die Wäre bekanntlich sehr gut ab, was schon von den MacBooks von Apple bekannt ist. Infolge dessen konnte beim Revox Joy auf diese hässlichen Luftschlitze an der Gehäuseoberseite verzichtet werden.

Die Frage, die mich nun umtrieb: Selbst bei zig Tausend Euro teuren Verstärkern sehe ich jedes Mal diese hässlichen und riesigen Luftschlitze an der Gehäuseoberseite - warum also überlegen die Hersteller nicht, das Gehäuse aus einem anderen Material - etwa Aluminium - zu fertigen und damit Riesensprünge im Design machen zu können? An den Kosten dürfte es wohl nicht liegen, denn im echten High-End Bereich schaut der potenzielle Käufer eh nicht auf jeden Euro. Was meint ihr? Mangelnde Weitsicht der Hersteller?

Cheers
Deep6
Stammgast
#2 erstellt: 02. Feb 2013, 19:27
Wenn Du keine Luftzirkulation im Gerät hast, wird dieses den Hitzetod sterben. Nur weil Aluminium gut leitet heisst das nicht, das es genug Wärme abgibt. Dein Plan haut nicht hin...Auch ein Macbook hat einen Lüfter, mach den mal zu...Der Joy hat sicherlich sowas wie Kühlrippen...


[Beitrag von Deep6 am 02. Feb 2013, 19:30 bearbeitet]
Alligatorbirne
Stammgast
#3 erstellt: 03. Feb 2013, 03:46
Ich vermute, dass hier ein Class D-Verstärker für Erstaunen sorgt.
Class D erzeugt deutlich weniger Abwärme als die meisten üblichen Hifi-Verstärker.

Ein üblicher Hifi-Verstärker arbeitet im Linear-Betrieb, der Wirkungsgrad ist typischerweise deutlich unter 30%, während Class D fast durchgängig und fast unabhängig vom Lautsprecher bei 80 % oder mehr liegt.

Im Linearbetrieb enteht mehr typischerweise mehr Hitze im Verstärker als am Lautsprecher.


Wenn der Kühlkörper innen liegt, führt kaum ein Weg an einem perforierten Deckel vorbei.

Ein Gehäuse als Monoblock aus Alu dürfte in der Herstellung teuer werden, man müsste einen Quader komplett ausfräsen und würde mehr zerspanen als später am Gehäuse verbleiben würde.

Revox S119

Unter dem Link sieht man, wie das Revox-Gerät von innen aussieht, es deutet nichts darauf hin, dass die Endstufe am Gehäuse gekühlt wird.

Die Leistung von 2x60W ist nicht so riesig, wahrscheinlich kommt man mit Class D sogar schon ohne einen Kühler aus, oder man kühlt die Bauteile mit der Platine selber.


[Beitrag von Alligatorbirne am 03. Feb 2013, 03:48 bearbeitet]
Elija123
Stammgast
#4 erstellt: 03. Feb 2013, 09:10
Das ist doch mal eine kompetente Antwort. Ich habe mich gerade bei fair Audio nochmal schlau gemacht über die verschiedenen Verstärker Klassen es liegt also wirklich am Schaltungs Design, welches Gehäusematerial und welche Gehäuse Größe quasi zwangsläufig folgen. Da Class D Verstärker Class A Verstärkern nicht unbedingt klanglich unterliegen sind, aber einen höheren Wirkungsgrad haben, ]frage ich mich, warum nicht mehr Hersteller dann auf Class D Schaltungs Design setzen.
Alligatorbirne
Stammgast
#5 erstellt: 03. Feb 2013, 13:12
Class A/B ist die Betriebsart der meisten Hifi-Verstärker.
Ich vermute, dass es das derzeit ausgereifteste und billigste Verfahren für NF-Verstärker ist.

Generell hält Digitaltechnik eher schwachen Einzug in den Hifi-Bereich, Signalprozessoren könnten herkömmliche Frequenzweichen ersetzen, wenn man für jedes Chassis einen eigenen Verstärker einsetzt.
Hat technische Vorteile, findet man aber auch selten.

Vielleicht fragt die Mehrheit solche Produkte nicht nach und verlangt die "altbewerten" Sachen, man traut den "neuen" Sachen (noch) nicht.
cr
Moderator
#6 erstellt: 03. Feb 2013, 14:00
Weil Class D sehr aufwendig ist, wenn es an allen möglichen und unmöglichen Lautsprechern mit ihren verschiedenen Impedanzen und Impedanzkurven einwandfrei funktionieren soll. Daher verwendet man Class D bevorzugt bei fixen Verstärker - LS-Kombinationen und als Verstärker in Aktivboxen, wo sie nur ein Chassis betreiben und hier wiederum bevorzugt das Basschassis (große Leistung und geringer Frequenzumfang, was keine hohe Taktfrequenz erfordert).
Elija123
Stammgast
#7 erstellt: 03. Feb 2013, 14:52
Ihr habt beide Recht, würde ich sagen.

Auch ich habe gelesen, dass ein guter Class-D-Verstärker im Aufbau recht kompliziert und (noch) recht teuer in der Herstellung, wenn es denn ein guter ist. Und da das Verfahren eben noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen zu stecken scheint, zumindest was Massenproduktion bei hohem Qualitätsgrad angeht, wird wohl auch in naher Zukunft zunächst größtenteils auf Class-A-Technik zurückgegriffen werden.

Punkt 2, der dazu sicherlich beiträgt, sind die (nicht vorhandenen) Kenntnisse von Hi-Fi-Freunden. Auch ich habe von Physik wenig bis gar keine Ahnung und versuche mich da gerade so ein bisschen einzuarbeiten. Die Nachfrage nach Schaltungstechnik dürfte also aufgrund fehlenden Wissens praktisch nicht vorhanden sein. Ich spreche mal aus meiner bescheidenen Sicht und denke, damit nicht wenigen aus der Seele zu sprechen: "Die Top-Verstärker in den Zeitschriften sind alle Class-A-Endstufen, also ist Class-A das beste!" Und so wird es auch weiterhin sein, bis die Class-D-Technik richtig ausgereift ist und irgendwann dann Class-D-Verstärker mal einen Spitzenplatz einnehmen.

Übrigens eine sehr coole Diskussion mit (gefühlt) echten Fachbeiträgen von euch!

Cheers
Passat
Moderator
#8 erstellt: 03. Feb 2013, 19:29
Wenn du Alugehäuse suchst, schau mal bei Ayre: http://www.ayre.com/rseries.htm
Die R-Serie hat ein Gehäuse aus Alu und zwar so konsequent, wie es nur geht:
Es wird ein massiver Alublock ausgefräst und da die Elektronik eingebaut und dann kommt unten! ein Deckel drauf.

Das Gehäuse besteht also nur aus 2 Teilen:
Gehäuseblock aus einem Stück und Deckel.

Grüße
Roman


[Beitrag von Passat am 03. Feb 2013, 19:31 bearbeitet]
Amperlite
Inventar
#9 erstellt: 04. Feb 2013, 17:13

Elija123 (Beitrag #1) schrieb:
Die Frage, die mich nun umtrieb: Selbst bei zig Tausend Euro teuren Verstärkern sehe ich jedes Mal diese hässlichen und riesigen Luftschlitze an der Gehäuseoberseite - warum also überlegen die Hersteller nicht, das Gehäuse aus einem anderen Material - etwa Aluminium - zu fertigen und damit Riesensprünge im Design machen zu können?

1. Die größte Hitzequelle - die Enstufentransistoren - muss man sowieso an einen großen Kühlkörper schrauben. Ob dieser dann unsichtbar im Inneren liegt oder als Alu-Kühlrippe das Seitenteil des Verstärkers bildet, ist ansich egal.
Bei den allermeisten Geräten liegt er eben innen, weil man dann Standard-Bauteile verwenden kann und keine teure Sonderanfertigungen verbauen muss. Zudem sind die Finnen außen empfindlich und verbiegen sich beim Transport leicht. Außerdem muss ein von außen zugänglicher Kühlkörper sehr gut entgratet sein, damit sich niemand die Finger daran aufreißt.

2. Es gibt noch andere Wärmequellen im Gerät, die man unmöglich oder nicht sinnvoll an einen Kühlkörper schrauben kann, der nach außen führt. Sei es der Transformator oder viele kleine Einzelbauteile.
Wenn ein Luftzug durch das Gehäuse fließen kann, dann reicht das für diese Bauteile zur Kühlung aus. Würde man das Gehäuse aber komplett verschließen, dann staute sich die Luft im Inneren und würde immer wärmer.
Daher ist es oft unmöglich, ein komplett geschlossenes Gehäuse zu bauen.


[Beitrag von Amperlite am 04. Feb 2013, 17:16 bearbeitet]
Ralf_Hoffmann
Inventar
#10 erstellt: 04. Feb 2013, 17:17
Es gibt auch die betriebswirtschaftliche Seite. Gehäuse sind teuer. Für Kleinhersteller und deren Käufer mag das "edlere" Alu ja ein zusätzlicher Kaufgrund sein, den sich die Firmen gut bezahlen lassen. Für die Masse geht das nicht.

1) Bei Massenherstellern werden Gehäuse in millionenfacher Stückzahl produziert. Eine Umstellung auf Alu wäre nicht nur logistisch ( andere Zulieferer, Verfügbarkeit, Umstellung der Produktionsanlagen etc.) ein (unnötiges) Problem, sondern auch preislich absurd. Alu ist teuer - diese Kosten müssten eingepreist werden - welcher Kunde zahlt schon mehr als nötig für seinen Denon, Yamaha usw Verstärker/Receiver nur wegen Alu.

2) Noch teurer wird´s, wenn auch noch eloxiert werden muss - die häufigste Gehäusefarbe ist nun mal schwarz -. dafür braucht´s bestimmtes Alu und entsprechende Anlagen, die genügend Kapazitäten freihalten.
Wer soll das bezahlen

Usw....usw...

Gruß
Ralf.
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