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Meinung / Erfahrung zum Telefunken W 233 (PE 2018) mit Bildern (gekauft für 34 Euro)

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Autor
Beitrag
-Thesis-
Neuling
#1 erstellt: 20. Mai 2016, 22:10
Telefunken W233
Ich werde hier mal meine Erfahrung mit dem W233 ausführlich runterschreiben. Ich konnte nämlich ähnliches nicht finden, als ich vor dem Kauf nach Informationen zum W233 gesucht habe. Wie man wahrscheinlich schnell merkt, habe ich nur ein Grundwissen, was Analog-Audio angeht (bin weit nach der zeit aufgewachsen). Daher bitte ich darum mich zu korrigieren, falls ich irgendwo falsch liege.

Vorwort / Plattenspielerauswahl
Ich hatte bereits einige Plattenspieler. Mein letzter war ein Pro-Ject RPM 1.3. Generell ein tolles Gerät nur irgendwann nur noch selten benutzt und zum zustauben zu schade und zu teuer.
Zwei Jahre nachdem ich ihn verkauft hatte, war ich bei Ebay auf der Suche nach einen neuen Plattenspieler. Preis sollte unter 100 Euro sein. Optik war nicht ganz egal, allerdings war die Technik und die Haptik entscheidender. In der Preisklasse sind die meisten Plattenspieler allerdings diese typischen 80er/90er Plastikbomber, die nicht nur schrecklich aussehen, sondern auch von der Haptik nicht viel hermachen. Doch zwischendrin fand ich die Telefunken W- Reihe (W233, W250 etc.). Optisch fand ich die schonmal garnicht übel und vom Gewicht und der Haptik schienen die auch recht ordentlich zu sein (Gehäuse komplett aus Holz und Metall). Doch vertrat ich zu dem Zeitpunkt eher die Meinung, dass ein Plattenwechsler vielleicht ganz praktisch sein kann, allerdings der Klang bei der Konstruktion meistens in den Hintergrund gerückt wurde. Doch die Automatik hatte mich schon fasziniert. Nachdem ich im Internet nach Informationen zu diesem Gerät eigentlich insgesamt nicht viel gefunden habe, habe ich mir die Service Anleitung zu diesem Gerät mal genauer angeschaut und festgestellt, dass das Gerät insgesamt wirklich aufwendig im Bezug auf Tonarmlagerung und Plattentellerlager gefertigt war. So war ich mir dann ziemlich sicher, dass es ein Telefunken oder PE aus der Baureihe wurde.

Der Kauf:
Nachdem ich den Markt einige Zeit beobachtet habe, stellte ich fest, dass es praktisch keine funktionsfähigen Geräte gibt. Die meisten drehen sich zwar, allerdings passiert nichts bei Betätigung des Regiehebels. Ebenfalls stellte ich fest, dass der Preisunterschied zwischen 233 und 250 recht groß war obwohl beide technisch nahezu gleich sind. Irgendwann habe ich dann einen 233 gefunden, der vom preis noch sehr niedrig war. Teller drehte sich, allerdings war die Automatik komplett defekt. Auch die Nadel und die Wechslerachse fehlte. Doch die Automatik zu reparieren traute ich mir durchaus zu und die Wechslerachse würde ich eh nicht benutzen.
Schließlich habe ich diesen für 34 Euro ersteigert. Sehr gut verpackt traf das Gerät recht schnell bei mir ein. Auch die Beschreibung passte sehr gut. Zusätzlich kaufte ich mir noch die passende Nadel für 14 Euro und einen Noname Vorverstärker für 30 Euro (vorerst nur zum ausprobieren). Tonabnehmersystem war übrigens das serienmäßige Shure M71.

Hier nochmal ein Bild der Mechanik VOR der Reparatur:
Mechanik Wechslerautoatik vom W233 vor Reparatur

Die Reparatur:
Folgende Arbeiten habe ich durchgeführt:
-Automatik komplett zerlegt, entfettet, trockengelegt und anschließend neu geölt und gefettet.
-sämtliche Steuernippel durch Filzgleiter und ähnliches ersetzt.
-Tonarmkabel ersetzt (das alte Kabel ist meiner Meinung nach arg dünn und zudem auch schlecht zu verarbeiten)
-Tonarm abgenommen und ebenfalls neu geölt und genauer angeschaut.
-Reibrad überprüft (sollte dies nicht exakt rund sein, ist der Gleichlauf praktisch nicht vorhanden.)
-Tellerlager ausgebaut, trockengelegt und neu geölt.
-Abschaltautomatik entfernt (am Tonarm war im Gerät eine Stange montiert, welche über Metall rieb und dafür gesorgt hat, dass der Stop Prozess eingeleitet wird. Meiner Meinung nach sorgt dies jedoch auch dafür, dass der Tonarm eine höhere Massenträgheit aufweist.)
-Kurzschließer (für Tonarmkabel) ausgelötet (nicht benötigt und trägt nicht gerade zum guten Klang bei (weil Widerstand))
-Din Kabel durch Cinch Kabel ersetzt.
-Headshell Stecker gereinigt.
-Seperate Erdung verlegt.
-Komplett gereinigt (unglaublich wieviel damals geraucht wurde)
-neue Nadel montiert

Für die gesamte Wartung /Reparatur habe ich insgesamt ca. 5 Stunden Zeit investiert. Insgesamt empfand ich es nicht so kompliziert wie es so oft zu lesen ist. Und für mich als Maschinenbaustudent im 4. Semester durch die extrem komplexe Mechanik durchaus sehr interessant. Zudem war das Ergebnis sehr zufriedenstellend. Die Automatik funktionierte (nach ein paar Einstellarbeiten) wieder vollständig (auch die Plattengrößenabtastung).

Meine Erfahrung:

Tonarm:
Die Lagerung ist meiner Meinung nach sehr hochwertig gefertigt. Es ist kein Spiel vorhanden (wäre auch echt übel) und sie dreht sich sehr sehr leichtgängig. (Konnte ich prüfen, da ich den Tonarm demontiert habe).
Das Anti Skating wird am äußeren Rädchen verstellt. Im Tonarm wird dann ein Haken vom Drehpunkt weg bewegt. An diesem Haken befindet sich eine Feder, deren anderes Ende am Subchassis montiert ist. Durch die Verstellung verändert sich der Hebelarm (in relation zum Drehpunkt) und dadurch auch die resultierende Kraft. Diese Verstellvariante habe ich tatsächlich noch nie geshen, aber generell spricht meiner Meinung nach nichts gegen diese Variante. (Theoretisch hat das sogar den Vorteil, dass die bei der Lösung mit Gewichtskraft vorhandene Seilreibung entfällt).
Das Auflagegewicht wird durch das innere Rädchen am Tonarm eingestellt. Dies verstellt eine Feder die den Tonabnehmer auf die Platte „zieht“. (vorher natürlich mit Gegengewicht in horizontal Lage einstellen. Erstaunt war ich über die Genauigkeit dieser Einstellung. Ich habe das Rad auf 2,5 gestellt und mit einer kalibrierten Waage und einem Fehler von +-0,01 Gramm gemessen. Die Waage zeigte 2,54 Gramm an.
Leider lässt sich die Höhe des Tonarms nicht einstellen. Generell sollte dieser ja parallel zur Platte sein. Ist er in meinem Fall allerdings ganz und garnicht (Konstruktionsbedingt).



Plattentellerlager:
Der Plattenteller liegt mit seinem gesamten Gewicht auf einem leichtgängigen Kugellager auf. Soweit so gut. Durch die Wechslerachse (welche sich nicht mitdreht), befindet sich oben ein Gleitlager, welches den Plattenteller am Kippen hindert. Schade, dass hier nur ein Gleitlager ist. Dieses hat jedoch kein spürbares Spiel und ist sehr gut poliert (sollte allerdings regelmäßig geölt werden).
Dass die Mittelachse nicht mitdreht ist ebenfalls eher ungewöhnlich. Dadurch reibt das Loch der Platte theoretisch immer leicht an der Achse, wodurch statische Aufladung entstehen könnte.

Gleichlauf:
Ich habe dies mit einer Stroboskopscheibe und einem verstellbaren Industriestroboskop gemessen. Ich konnte absolut keine Gleichlaufstörungen feststellen. (Allerdings sollte man erwähnen, dass diese Messmethode nicht die präziseste ist. Ideal wäre zB ein Cassy System aber sowas hat man ja auch nicht irgendwo rumliegen)

Klang:
Paradoxerweise werde ich hierzu nicht viel schreiben. Meiner Meinung nach muss ein Plattenspieler nur einen guten Tonarm haben und präzise drehen um gut zu klingen. (Natürlich auch noch Kleinigkeiten wie Trittschaldämpfung oder ähnliches). Dies ist beim W233 meiner Meinung nach durchaus gegeben. Das Tonabnehmersytem und der Vorverstärker ist hier viel entscheidender. Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich mit dem Klang soweit zufrieden bin, allerdings habe ich momentan auch nichts zum vergleichen. Viel schlechter als der Pro-Ject klingt er definitiv nicht. Lediglich die Bässe sind minimal zu schwach und die Höhen zu hell, was aber vermutlich am billigen Vorverstärker (nur zum testen) liegt.

Automatik:
Sie tut genau das was sie soll und prüft zu allem Überfluss ob überhaupt eine Platte aufliegt. Die Größe der Platte wird ebenfalls ertastet. Das Tolle ist, dass die Automatik im Normalbetrieb komplett entkoppelt von Tonarm und Plattentellerantrieb ist. Also praktisch eher ein Roboterarm, der neben dem Plattenspieler steht und die Arbeit macht.
Ich denke ich werde demnächst noch ein video hinzufügen

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