Wilson Diplomat dreht zu schnell

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hikl
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 05. Jul 2020, 09:52
​Liebe Leute,

ich habe mir vor kurzem einen Wilson Diplomat Kofferplattenspieler gekauft, der allerdings leider zu schnell dreht. Also so schnell, dass man es hören kann. Ich habe auf der Platine leider keine Potis gefunden (außer den beiden großen für Volume und Tone).

Habt ihr irgendwelche Tipps für mich, wie man das richtig einstellen könnte?

Besten Dank schon mal & lieben Gruß,

klaus

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[Beitrag von hikl am 05. Jul 2020, 09:53 bearbeitet]
tomtiger
Administrator
#2 erstellt: 05. Jul 2020, 14:51
Hi,

scheint ein AC Motor zu sein. Im Gegensatz dazu: https://www.radiomuseum.org/r/wilson_diplomat.html


Der läuft dann mit der Netzfrequenz ist also vermutlich nicht justierbar.

Mal Messen, ob wirklich zu schnell und nicht zu langsam.

Je nachdem, was für ein Antrieb, wäre dann alle Lager zu ölen, eventuell Riemen tauschen etc. angeraten.

Wenn er wirklich zu schnell dreht (wie viel zu schnell?) mal den Pulley/Reibrad reinigen, und je nach Antriebsart kann man dann überlegen, wie man ihn zur richtigen Geschwindigkeit bekommt.

LG Tom
hikl
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 06. Jul 2020, 22:35
Hallo Tom,

vielen Dank für deine schnelle Antwort!

Er dreht wirklich zu schnell. Die Stimmen gehen Richtung Micky Maus. Ich habe jetzt gemessen und bei 45 macht er ca. 49 Umdrehungen und bei 33 ca. 36,75.

Wie meinst du das genau "je nach Antriebsart kann man dann überlegen, wie man ihn zur richtigen Geschwindigkeit bekommt"?

Im Radiomuseum steht "Der Phonokoffer "Diplomat" war für Netzbetrieb und für Batterie- und Netzbetrieb erhältlich." Ich habe den nur mit Netzbetrieb. Vielleicht daher der andere Motor?

Eine andere Frage fällt mir da noch ein. Bei den Geschwindigkeiten gibt es 33 und 33/17. Ich nehme an, dass 33/17 für Singles und 33 für LPs steht. Aber was ist der Unterschied? Es drehen auch beide gleich schnell.

Danke!


[Beitrag von hikl am 06. Jul 2020, 22:36 bearbeitet]
Yamahonkyo
Inventar
#4 erstellt: 06. Jul 2020, 22:46
Hallo Klaus,

es wird ein Problem der Netzspannung sein. Früher hatte man in Deutschland 220 V und heute 230 V, was bei einem ungeregelten AC Motor eine überhöhte Geschwindigkeit von etwa 10 % erklären würde:

Die Spannung 230 V wurde in der internationalen Norm IEC 60038:1983 als Standardspannung festgelegt. Bis 1987 betrug die Netzspannung in Deutschland 220 V mit einer Toleranz von ± 10 %. Danach erfolgte zunächst eine schleichende Umstellung auf 230 V + 6 % und − 10 %

Du müsstest entweder die Stromversorgung des Plattenspielers modifizieren, den Motor, sofern möglich, tauschen, oder ein geregeltes Netzteil verwenden, dass gleichmäßig 220 V liefert.

Gruß Roland


[Beitrag von Yamahonkyo am 06. Jul 2020, 22:47 bearbeitet]
hikl
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 06. Jul 2020, 23:05
Hallo Roland,

vielen Dank für den Hinweis. Das klingt einerseits nachvollziehbar, andererseits aber nicht ganz einfach lösbar.

Hier ein Foto vom Innenleben. Könnte es ev. auch sein, dass die Gummischeibe, die vom Motor angedreht wird, durch Abnutzung an Durchmesser verloren hat und deshalb schneller dreht?

IMG_1781
Yamahonkyo
Inventar
#6 erstellt: 07. Jul 2020, 02:04

hikl (Beitrag #5) schrieb:
Könnte es ev. auch sein, dass die Gummischeibe, die vom Motor angedreht wird, durch Abnutzung an Durchmesser verloren hat und deshalb schneller dreht?

Nein, dann würde sich der Teller langsamer drehen, weil das Treibrad einen kleineren Umfang (Strecke) hätte und damit eine geringere Geschwindigkeit.

Geschwindigkeit = Strecke/Zeit

Bei gleicher Motor-Drehzahl = Umdrehungen/min würde entsprechend die Geschwingkeit = Strecke x Umdrehungen/min abnehmen.

Simples Beispiel:

Ein Treibrad mit einem Umfang von 10 cm muss sich dreimal drehen um einen Teller mit einem Umfang von 30 cm einmal drehen zu lassen.
Damit der Teller sich 33 mal pro Minute dreht, muss sich das Treibrad also 99 mal pro Minute drehen. Die Geschwindigkeit des Treibrads wäre 99 x 10 cm/min = 990 cm/min.

Ein Treibrad mit einem Umfang von 5 cm würde bei gleicher Umdrehungszahl von 3 den Teller nur um die Hälfte (15 cm) drehen, oder bei gleicher Drehzahl von 99/min (Geschwindigkeit = 99 x 5 cm/min = 495 cm/min) nur mit einer Drehzahl von 16,5/min.

Gruß Roland


[Beitrag von Yamahonkyo am 07. Jul 2020, 03:13 bearbeitet]
Dornröschen_
Stammgast
#7 erstellt: 07. Jul 2020, 09:02
Der Durchmesser des Rads spielt hier keine Rolle, da es vom Motor außen angetrieben wird. Es hat also bei jedem Durchmesser immer die gleiche Geschwindigkeit außen.
8erberg
Inventar
#8 erstellt: 07. Jul 2020, 10:04
Hallo,

Interessant ist nur der Durchmesser von Antrieb zu Abtrieb.
Der Reibraddurchmesser spielt keine Rolle.

Der Motor sieht nach einem Wechselströmer aus, mehr kann man nur sagen wenn man
was von der Elektrik sieht. Wechselstrommotoren als Synchron oder Asynchronmotoren halten
auch bei 230 statt 220 V die Drehzahl.

Daher eine Bitte: mehr Fotos mit Details.

Peter
raindancer
Inventar
#9 erstellt: 07. Jul 2020, 10:22
Das Gerät scheint eine Antwort auf Telefunkens Mr. Hit zu sein, wahrscheinlich Kristalltonabnehmer mit apokalyptischer Auflagekraft, keine Antiskating. Mir wäre jede Platte zu Schade darauf gespielt zu werden und jede Minute daran zu basteln, reparieren, tunen.
8erberg
Inventar
#10 erstellt: 07. Jul 2020, 10:33
Hallo,

ja, Ronettes Kristallsysteme brauchen ca. 6 Pond (!), der kurze Tonarm und der ganze Rest hat eh nix mit Hifi zu tun. Bei Ronette gab es einige Systeme "immerhin" wofür es Diamant-Nadeln gab. Sonst kann man nix positives dazu sagen...

Man muss das Gerät ja nicht wegwerfen und technische Probleme sind ja auch dazu da um zu lernen - aber Hoffnung auf dollen Klang kann man eh nicht machen.

Peter
hikl
Ist häufiger hier
#11 erstellt: 07. Jul 2020, 16:54
Liebe Leute,

vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen!

Die Sache mit dem Durchmesser klingt einleuchtend!

Die Meinungen von Peter und Yamahonkyo bzgl. Abhängigkeit der Drehzahl von der Spannung (220 vs. 230 V) gehen offensichtlich auseinander. Gibt es dazu noch andere Meinungen? Ich denke mir, wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, hätten ja alle Vintage-Spieler dieses Problem, oder nicht?

@Peter: gerne stelle ich noch weitere Fotos zur Verfügung, könntest du mir noch sagen wovon genau?

Dass das kein Hifi-Gerät ist, ist auch klar. Es dient eher als Spaß zum Singles hören in einem anderen Raum als mein richtiger Spieler steht. Und die Optik mit dem Lederkoffer hat mir auch gut gefallen. Klangqualität steht dabei nicht im Vordergrund. Es gibt in der Tat auch Diamantnadeln für dieses System: https://www.pickupna...ette_BF-40__4983_532
Aber dennoch ist das kein ganz uninteressanter Aspekt. Seid ihr der Meinung, dass auch mit der Diamantnadel die Platten ruiniert werden? Habt ihr Empfehlungen für qualitativ höherwertigere Geräte in einer ähnlichen Bauart?

Und auch nochmal zurück zu meiner anderen Frage bzgl. der beiden Geschwindigkeitseinstellungen 33 und 33/17 - hat das vielleicht mit einem unterschiedlichen Autostopp zu tun?

Danke schon mal für die weitere Unterstützung!

LG klaus
8erberg
Inventar
#12 erstellt: 07. Jul 2020, 17:32
Hallo,

bei einem kleinen Gleichstrommotor gibt es selten Erregerwicklungen, daher meine Meinung zum Motor.
Man nimmt da eher Statormagneten.

Eine Diamantnadel hält einfach erheblich länger. Eine Saphirnadel nur ca. 50 LPs

Also schön wäre ein genaues Bild vom Motor und der Beschaltung und auch der Mechanik.

So müsste die Motorwelle eine Stufe aufweisen (eine für 45 und eine für 33).

Peter
hikl
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 07. Jul 2020, 21:59
Hallo Peter,

also ich fürchte detailliertere Fotos als die bisherigen gibt das Teil nicht wirklich her. Auf diesem Bild sieht man:
- Netzstrom kommt über Weiß direkt zum Motor und über Schwarz (mit Sicherung) zu einem Spannungsumschalter (125/160/220V) wo es dann mit Gelb und Schwarz zum Motor weitergeht
- Rot und Grau gehen dann vom Motor weg zur Platine

IMG_1778

Und hier sieht man die Motorwelle mit 3 Stufen (33/45/78) und das Reibrad, das man mit dem Geschwindigkeitsschalter zwischen den 3 Stufen hin- und herbewegen kann. Die Motorwelle sieht mit freiem Auge nicht konisch aus, so dass auch eine etwaige Höhenverstellung wohl keinen Unterschied bringen wird.

IMG_1781

Falls du doch noch Detailfotos benötigst, gib bitte Bescheid.

Danke & lg,
klaus
8erberg
Inventar
#14 erstellt: 08. Jul 2020, 15:05
Hallo,

ja, schön wäre wo genau die rote und graue Strippe hingehen.

Peter
Yamahonkyo
Inventar
#15 erstellt: 08. Jul 2020, 16:03

Dornröschen_ (Beitrag #7) schrieb:
Der Durchmesser des Rads spielt hier keine Rolle, da es vom Motor außen angetrieben wird. Es hat also bei jedem Durchmesser immer die gleiche Geschwindigkeit außen.

Oh, sorry, das hatte ich übersehen. Bei zweifacher Übersetzung ist das natürlich richtig.

Gruß Roland
hikl
Ist häufiger hier
#16 erstellt: 08. Jul 2020, 23:27
Rot und Grau gehen in das rote quaderförmige Teil am Eck auf dem "SELENIUM B30C400 14M1P/1" steht, dürfte wohl ein Gleichrichter sein. Parallel dazu hängt dann der gelbe Kondensator mit 1000µF/15V. Auf dem hellblauen Zylinder steht drauf 500/10V.

Viel mehr kann ich momentan nicht dazu sagen. Benötigst du noch weitere Infos?

IMG_1777
8erberg
Inventar
#17 erstellt: 09. Jul 2020, 08:32
Hallo,

faszinierend, anscheinend ist die Motorwicklung auch als Trafo für den Verstärker gedacht.

Peter
hikl
Ist häufiger hier
#18 erstellt: 10. Jul 2020, 07:44
OK, heißt das, es gibt keine Möglichkeit die Geschwindigkeit anzupassen?
Gibt es Ideen was die Ursache sein könnte?

Danke & lg,
klaus
Al1969
Stammgast
#19 erstellt: 10. Jul 2020, 09:33

Yamahonkyo (Beitrag #4) schrieb:
Hallo Klaus,

es wird ein Problem der Netzspannung sein. Früher hatte man in Deutschland 220 V und heute 230 V, was bei einem ungeregelten AC Motor eine überhöhte Geschwindigkeit von etwa 10 % erklären würde:

Die Spannung 230 V wurde in der internationalen Norm IEC 60038:1983 als Standardspannung festgelegt. Bis 1987 betrug die Netzspannung in Deutschland 220 V mit einer Toleranz von ± 10 %. Danach erfolgte zunächst eine schleichende Umstellung auf 230 V + 6 % und − 10 %

Du müsstest entweder die Stromversorgung des Plattenspielers modifizieren, den Motor, sofern möglich, tauschen, oder ein geregeltes Netzteil verwenden, dass gleichmäßig 220 V liefert.

Gruß Roland


Die Netzfrequenz von 50Hz ist jedoch gleichgeblieben und nur die ist für die Drehzahl verantwortlich.
8erberg
Inventar
#20 erstellt: 10. Jul 2020, 09:38
Hallo,

tja. Man könnte guggen, ob die Verschiebung korekt erfolgt, nicht das bei 45 das Reibrad am 78er Stummel rumnuckelt und der schwergängige Motor (das Lager würd ich auf jeden Fall reinigen) das Tempo dann wieder in Richtung ca. 45 bringt...

Sonst hilft mal messen, messen und nochmal messen. Welche Spannung kommt am Motor an? Nicht das die Spannungsumschaltung nen Hau hat.

Wird der Motor im Betrieb richtig heiss?

Peter
Mechwerkandi
Inventar
#21 erstellt: 10. Jul 2020, 12:33

Al1969 (Beitrag #19) schrieb:

Die Netzfrequenz von 50Hz ist jedoch gleichgeblieben und nur die ist für die Drehzahl verantwortlich.

Völlig korrekt.
Die Übersetzung im Sinne eines formschlüssigen Getriebes ist einstufig mit Zwischenrad.
Nutzt sich das Reibrad über Gebühr ab, man sieht auf den Bildern die Gummikrümel, wird der Durchmesser kleiner, das Rad dreht sich schneller.
Formal ändert sich an der Gesamtübersetzung (Zwischenrad) nichts, ich bin mir aber bei dieser kraftschlüssigen Übertragung da nicht so sicher.
Den Schlupf wird das sicher beeinflussen..


[Beitrag von Mechwerkandi am 10. Jul 2020, 15:55 bearbeitet]
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