Wharfedale 9.2 an NAD 320 BEE

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LaVeguero
Inventar
#1 erstellt: 02. Mrz 2005, 00:53
Hallo liebe Hifi-Gemeinde,

nach Beratung und Probehören steht nun seit ca. 2 Wochen die Kombi aus Wharfedale Diamond 9.2 und NAD 320 BEE bei mir zuhause. Im folgenden möchte ich nun auch Euch einen, wenn auch virtuellen, Einblick in die Qualitäten der beiden Produkte anbieten. Viel Spaß beim Lesen!

Vorbemerkung: Diese Kombi markiert den aus meiner Sicht untersten Einstieg in die gute HiFi-Welt. Beide Komponenten sind preiswert. Dem entsprechend ist auch nicht mit Wundern zu rechnen. Der nachfolgende Erfahrungsbericht ist also stets auch unter der Gewissheit, dass dort nicht mehr als ein paar hundert Euro arbeiten, zu lesen.

Aussehen und Verarbeitung:

Die Wharfis sind -wie hier schon oft besprochen- für ihren Preis außerordentlich gut verarbeitet und wirken sehr hochwertig. Plastik sucht man hier vergebens: Selbst die Bassöffnungen sind aus Metall. Das von mir gewählte Iridium Finish wirkt sehr elegant und passt somit fabelhaft zu der geschwungenen Form. Die Box ist mit rund 30cm recht tief, das gewonnene Volumen wirkt sich auch klanglich aus. Dazu später aber mehr. Der massive Bi-Wiring Block und die hochweritgen Chassis aus Seide und Kevlar setzen letztlich dem Gesamtbild der Wertigkeit die Krone auf. Kurzum: Wow...

Der NAD kommt hingegen gewohnt schlicht daher. Auch wenn der neue Titan-Look dem "industrial-style" der grauen Modelle etwas Eleganz verleiht: Eines bleibt gleich... Das NAD Design liebt man, oder man hasst es. Ich für meinen Teil mag es sehr. Leider ist die Front komplett aus Plastik, andere Hersteller verbauen in dieser Preisklasse dort massives Aluminium. Die Anfassqualität leidet demnach ein wenig. Investiert wird hier ganz klar ins Innere. Ein Blick durch die Lüftungsrillen auf der Oberseite machen das sehr deutlich. Beste Komponenten (allen voran das dicke Trafo) und massive Verbidungen. Vollkommen aufgeräumt blitzt einem die blaue Platine entgegen. Die neue Fernbedienung ist zwar riesig, aber funktional und klar strukturiert. Sie arbeitet in der neuen Version auch sehr genau.

Der Klang

Ich will ehrlich sein: Beim ersten Höhren war ich doch etwas enttäuscht. Vor allem die oberen Mitten waren irgendwie noch matt, der immense Bass der "Kompakten" extrem wummerig. Voodoo hin, Voodoo her... Nach rund einem Tag Betrieb und einigem Herumschieben konnte der Klang spritziger nicht mehr sein. Die Mitten in Gesang und Gitarre, der Bass von Basedrum und Bassgitarre, die Höhen von den Becken, nichts war mehr zu viel, nichts zu wenig. Das Klangbild war nun stimmig.

Die Stärken der britischen Kombo liegen klar in der Gitarrenmusik. Blues, Jazz, Rock sind hier die absoluten Highlights. Dire Straits "Ride across the River" oder "Your latest Trick" kommen unglaublich glaubwürdig und echt herüber. Und das bei einer, wenn auch extrem guten, 80er Abmischung. Die schneidige cleane Gitarre von Knopfler bahnt sich direkt und unmittelbar den Weg von Box zum Ohr. Seine Stimme steht direkt vor einem in der Mitte der Bühne, dahinter die Keys und überall das Schlagzeug. Die Wallflowers rund um Bob Dylans Sohn Jacob breiten ihren erdigen, seichten Rock dagegen breit und differenziert vor einem aus. Man ist von Gitarren umgeben. Die Stimme kommt ehrlich und klar ans Ohr. Überhaupt spielt der NAD extrem "live" auf. Das wird umso deutlicher, wenn man dann auch eine Live-Platte einlegt. Bei mir war es das Central Park Konzert von Dave Matthews. Unglaublich wie real die Kombi hier die zahlreichen Instrumente abbildet. Claptons Unplugged bietet bei jedem Höhren einen neuen Einblick in Feinheiten der Aufnahme. Jeder sollte sich mal das Vergnügen bereiten und auf die Geräusche der Fussmaschine des Drummers achten.
Grob lässt sich sagen: Je dünner die Besetzung und der Einsatz irgendwelcher Effekte, desto besser das Hörerlebnis. Bestes Beispiel hierfür: Das Soloalbum von Buene Vista Social Club Mitglied Ibrahim Ferrer. Die komplett im Studio live eingespielten Stücke des Albums verlieren in keinsterweise ihren rohen, erhlichen Charakter. Ganz deutlich hört man, wo der Percussionist, wo der Gitarrist und wo der Sänger selbst im Aufnahmeraum stand. Einfach Wahnsinn...
Gerade Songs wie "More than Words" von Extreme, die nur aus Akkustik Gitarre und Gesang bestehen, wirken sehr intim und erklingen mitten im Hörraum.
Aber auch elektronisch angehauchte Sachen wie Moloko oder Trip-Hop, die soulige Stimme von Erykah Badu und Jazzhighlights von John Scofield wissen zu überzeugen. An die Wiedergabegüte einer gut abgemischten Rockplatte kommt diese Art der Musik jedoch nicht heran.

Dennoch: Wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Schwächen liegen ganz klar bei der Klassik und breit angelegten Orchesterproduktionen. Ich denke hier sind vor allem die Boxen etwas "überfordert". Man merkt, dass dies einfach nicht ihre Musik ist. Und auch der NAD lässt solche Werke nur missmütig an die Lautsprecher...

Wie so oft ist für den Genuss aber auch eine gute Produktion von nöten. Natürlich klingen mies gemischte Platten auch so wie sie sind: Mies!
Das NAD anhängede Vorurteil zu analytisch zu spielen kann ich in meiner Konstellation aber nicht nachvollziehen. Der Klang ist nie kalt, nie aufdringlich, nie nervig. Das ganze klingt im Gegenteil sehr stimmig und ausgesprochen musikalisch. Ich empfinde die luftige, differenzierte Wiedergabe als ungehauer spirtzig und lebendig. Letzendlich ist es Geschmacksache. Freunde eines warmen Soundes sollten sich aber demnach ganz klar nach anderen Komponenten umschauen!

Fazit

Die beiden Engländer aus Fernost sind vor allem eines: LIVE! Selbst durchgestylte 80er Produktionen klingen so, als würde man im Aufnahmeraum stehen. Sowohl Amp, als auch Speaker gehen frisch und dynamisch ans Werk. Die zurückhaltenden Höhen und oberen Mitten der Wharfis macht der eher spitze NAD wieder wett. Das Ergebnis ist erfrischender, nie aufdringlicher, ehrlicher Sound, der vor allem Rockplatten von ihrer besten Seite zu präsentieren weiß. Also: Jeder der Gitarren mag und ehrliche Produktionen ohne viel Schnickschnack sein Eigen nennt, kann mit Freuden zugreifen. Er wird mit Sicherheit nicht enttäuscht.

Beste Grüße,

LaVeguero

PS: Feedback, Kritik und Fragen sind selbstredend willkommen.


[Beitrag von LaVeguero am 02. Mrz 2005, 02:47 bearbeitet]
anon123
Inventar
#2 erstellt: 02. Mrz 2005, 11:30
Hallo LaVeguero,

vielen Dank für den schönen Bericht, der auch zeigt, daß man für vergleichsweise kleines (?) Geld gute Komponenten bekommen kann. Auch ich hatte den BEE einen Monat lang ausprobiert, konnte mich aber letztlich nicht mit dessen Klangcharakter anfreunden. An meinen damaligen B&Ws klang's zu perlig, detailversessen und "analytisch". Diese Kombination machte in meinen Ohren zwar alles "richtig", es fügte sich aber nicht zu einem überzeugenden Ganzen zusammen. Dennoch ist der BEE aus meiner Sicht ein Musterknabe in seiner Preisklasse: enorm kräftig mit einem stämmigen Bassfundament, sehr sauber klingend und innen piekfein und hochwertig aufgebaut. Das Äußere: Naja, entweder man mag den NAD-Look und kann das billig wirkende Plastik verschmerzen oder aber nicht. Innen, wie gesagt, geht's zweifelsfrei zu.

Mit welchem CD-Player hast Du denn das ganze betrieben und wie hast Du die LS aufgestellt?

Dir noch viel Spaß mit der Kombi und beste Grüße.
PUG106S2
Inventar
#3 erstellt: 02. Mrz 2005, 11:37
Ein schöner Bericht den ich auch aus eigener Erfahrung teils nachvollziehen kann, Danke
LaVeguero
Inventar
#4 erstellt: 02. Mrz 2005, 11:53

anon123 schrieb:
...An meinen damaligen B&Ws klang's zu perlig, detailversessen und "analytisch".


Kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie ich schon beschrieb, gleichen das die eher -mit Verlaub und ohne Vorwurf- "trägen" und voluminösen Wharfis wieder aus. An glasklaren Speakern würde ich den Amp warscheinlich auch nciht mögen, da es mir zu anstrengend würde. Man sollte halt für einen NAD eher warme Speaker und umgekehrt wählen.


anon123 schrieb:
...Mit welchem CD-Player hast Du denn das ganze betrieben und wie hast Du die LS aufgestellt?


Als Zubringer dient im Moment noch ein grundsolider, rund 10 Jahre alter Philips CD930. Der wird aber demnächst voraussichtlich wieder einem NAD weichen. Werde mir sowohl den 521 BEE als auch den großen Bruder mal nach Hause holen und probehören.
Das Stereodreieck ist für meinen kleinen Hörraum von rund 15m² mittlerweile recht groß und annähernd raumfüllend. Die LS sind recht stark angewinkelt. Der "virtuelle" Schnittpunkt liegt kurz hinter meiner Sitzposition. Der Klang wurde dadurch wesentlich unbeschwerter und luftiger. Auch die räumliche Abbildung nahm enorm zu.


[Beitrag von LaVeguero am 02. Mrz 2005, 11:55 bearbeitet]
BeastyBoy
Inventar
#5 erstellt: 02. Mrz 2005, 12:21
Schöner Bericht, unser Hobby kann eben völlig faszinierend sein :-)


Mit den Wharfedales hab ich allerdings ganz andere Erfahrung gemacht. Allerdings mit der größeren 9.5.
Zuminest an meinem Rotel AVR mag die Box Rockmusik in keinster Weise. Es fehlt insbesondere im Bassbereich an Druck und Genauigkeit. Das ist alles viel zu gemächlich.#

Klassik, Jazz und andere Richtungen werden deutlich schöner dargestellt.
Ist natürlich alles subjektiv .
Klar ist aber, dass Preis-Leistung bei den Wharfedales sehr gut ist !
pratter
Inventar
#6 erstellt: 02. Mrz 2005, 13:10
@LaVeguero
Sehr schöner Bericht. Hast du auch mal andere Verstärker gehört? (u.a. einen Cambridge Audio?)

@BeastyBoy
Die Wharfes Diamond Serie ist definitiv für Pop/Rock geeignet - bei Klassik, Jazz, etc. kann ich nicht mitreden.

Ich betreibe ein paar 9.5er an einem Pioneer VSX 1014, der als recht "kräftig" gilt. Zu ROTEL kann ich nichts sagen.

Die Diamond 9.5 spielt unterhalb von 70-80hz einigermaßen druckvoll, zwischen 80 und 100hz (Kickbass-Bereich) halte ich sie für recht "Schwach". Zu beachten ist die Aufstellung, der Raum und natürlich die jeweiligen Aufnahmen. Die Wharfes sind eher Aufstellungsunkritisch. Laut Beschreibung ist der Platz zu Seitenwänden wichtiger, als der Platz zur hinteren Wand.

Sie ist aber definitiv kein Basswunder, keine Frage. Hingegen eine Monitor Audio S6 deutlich kräftiger spielt, dafür dann aber auch Aufstellungskritisch ist. Gibt halt wie immer Vor und Nachteile.

Gruß,
Sascha
LaVeguero
Inventar
#7 erstellt: 02. Mrz 2005, 20:56
Danke für das positive Feedback! Zu den Fragen:

Den Cambridge habe ich wegen dem bei meinem Händler vorherrschenden schlechten Ruf bezüglich der Verarbeitung/Zuverlässigkeit dieser Modelle nicht mehr in die engere Wahl gezogen. Ursprünglich stand bei mir die 540er Kombi auch zur Debatte, ja. Allerdings wollte ich für die Boxen ohnehin einen spritzigen, straighten Amp haben. Es blieb in diesem Preissegment demnach eh nur noch NAD. Rotel stand wegen dem für mich zu teuren CDP nicht zur Wahl. Ein Mix verschiedener Hersteller ebensowenig.

Zu den Standboxen der 9er Reihe kann ich nichts sagen. Ich empfinde den Bass meiner LS jedoch als völlig ausreichend. Die Treiber sind ja identisch mit denen der "großen". Manchmal ist es mir sogar schon etwas zuviel. Ich denke aber, da spielt der Hörraum eine gewaltige Rolle. Das gleiche gilt wohl für den von mir geschilderten Eindruck der Musikrichtung. Bei mir sind es vor allem die breiten Produktionen mit vielen Streichern, die schnell verwaschen daherkommen.

Hier mal ein paar Bilder:




http://img11.exs.cx/img11/3937/p1010021web2at.jpg
http://img11.exs.cx/img11/7937/p1010020web1ct.jpg
http://img11.exs.cx/img11/2473/p1010014web8cp.jpg


[Beitrag von LaVeguero am 03. Mrz 2005, 17:46 bearbeitet]
LaVeguero
Inventar
#8 erstellt: 17. Mrz 2005, 19:41
UPDATE:

Nun ist die Kette also komplett! Kürzlich gesellte sich ein NAD 521 BEE hinzu und legte nochmals einen drauf. Der Klang ist nun noch näher an dem schon geschilderten Live-Gefühl. Noch frischer, luftiger und auf den Punkt. Die Bühne wird groß und extrem fein gestaffelt. Ich weiß nicht, was man für die nun investierten 900 Euro kaufen könnte, um diese Anlage zu toppen. Die Formel von Entwickler Björn Erik Edvardsen, erst dann zufrieden zu sein, wenn 10% Klanggewinn nur mit einer zehnfachen Investition zu realisieren sind, kann ich nun nachvollziehen. Ich war selber überrascht, wie gut das Ganze nun klingt. Damit habe ich nicht gerechnet.
CosmicCrazy
Stammgast
#9 erstellt: 02. Nov 2005, 23:47
Hi...

habe jetzt Deinen Bericht gefunden. Denke... ich suche genau sowas was Du eben beschrieben hast

Sehr guter Bericht!

Danke & Grüßl
Jacki
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 15. Dez 2006, 17:42
Großes Lob!
Muss sagen hat mir sehr geholfen lg cia
LaVeguero
Inventar
#11 erstellt: 15. Dez 2006, 17:45
Hi!

Fairerweise muss ich sagen, dass ich in der Ziwschenzeit doch noch einiges an Erfahrung gesammelt habe. Für den Preis (unter 200 Euro) sind die Teile aber ganz okay, wenn auch nicht alternativlos. Etwas stumpf sind sie leider schon, das muss man vorher bedenken und sich gegebenenfalls auf die Klangregler verlassen.

Also: Kleiner Dämpfer.

Schau Dir auch mal Die Tannoy Fusion/Mercury-F an, Monitor Audio Bronze/Bronze Reference oder DALI Concept. Aus meiner (heutigen) Sicht überlegen.


[Beitrag von LaVeguero am 15. Dez 2006, 17:46 bearbeitet]
Jazzy
Inventar
#12 erstellt: 17. Dez 2006, 21:42
Hi!
Gutes Statement!Ich hörte mir die 9.1 an,das ging im Prinzip gar nicht.Ich ging dann gleich auf die Dali Concept 2.Vom Äußeren her sind die Warfis edel,aber der Klang....
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