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Kopfhörer entzerren

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CharlesDreyfus
Stammgast
#51 erstellt: 23. Apr 2020, 13:41
Messungen von Kopfhörnern sind nach derzeitigem Stand der Technik bei weitem keine Lösung für das "Problem" der Subjektivität. Es gibt keinen absoluten Zusammenhang zwischen dem, was in irgendeinem Plot dargestellt wird und dem, was ich selbst mit meinen eigenen Ohren und meinem individuellen Hörvermögen empfinde. Das höchste der Gefühle ist imo, wenn man relative Urteile zwischen Kopfhörern feststellen und anhand dessen EQ-Kurven korrigieren kann, die mit der eigenen Wahrnehmung weitestgehend übereinstimmen. Wenn ich mir nun aber die zur Verfügung stehenden Datensätze von bspw. Oratory, rtings oder InnerFidelity anschaue und die Differenzwerte für ein Kopfhörerpaar mittels AutoEQ in Korrekturdaten umwandle, dann bekomme ich bei jedem Anbieter unterschiedliche Paramter. Und in kaum einem Fall klingt der Kopfhörer nachher tatsächlich so, dass ich ihn mit dem anderen verwechseln würde. Und dabei handelt es sich wohlgemerkt um Aufbauten, die allesamt den Vorgaben der IEC entsprechen und auch von Leuten bedient werden/wurden, die nach Jahren an Praxiserfahrung auch die praktischen Kniffe beim Ermitteln von Frequenzgängen kennen. Dazu muss man auch noch anmerken, dass die verwendeten Coupler im Regelfall lediglich bis 10 kHz spezifiziert sind. Die darüber eintretenden Resonanzen können abhängig vom auf-/eingesetzten Kopfhörer sehr willkürlich sein.

Man kann sich im DIY viel Mühe machen. Letztlich ist damit jedoch nicht mehr als eine weitere mehr oder minder willkürliche oder zumindest sehr fallspezifische Basis geschaffen, die sich von allen anderen Systemen auf dem Markt unterscheiden wird. Das gilt auch dann, wenn man sich einen Ear Simulator nach IEC-Standard besorgt und diesen in seinen eigenen Aufbau integriert.

Um ehrlich zu sein finde ich die Materie selbst immer noch zu verlockend, um es mit den Selbstversuchen sein zu lassen. Andererseits mache ich mir keine Illusionen und weiß, dass ich bestenfalls eine Annäherung an meine eigene Wahrnehmung bekomme. Ich habe auch schon Kopfhörer per In Ear Aufnahme oder Kunstkopf entzerrt. Die ganze Zeit und vor allem das Geld, welche(s) ich dahinein investiert habe, hätte ich im Nachhinein jedoch sinnvoller investieren können. Wenn ich mir nur ein bis zwei Stunden Zeit nehme und mich in Ruhe mit zwei Kopfhörern, einem Rauschgenerator und einem Bandpassfilter hinsetze, kann ich mittels der eigenen Wahrnehmung eine nahezu perfekte Korrekturkurve anfertigen, an die kein Wald-und-Wiesen-Messsystem der Welt herankommt. Damit kann ich zwei Kopfhörer dann nicht nur nahezu identisch klingen lassen, sondern auch die dann tatsächlich für mich geltenden, absoluten Differenzen in dB ablesen. In so fern ist dieses Verfahren also deutlich aussagekräftiger, als wenn ich die Kopfhörer auf irgendeinen Kunstkopf mit Silikonohren oder gar nur auf eine simple MDF-Platte mit schräg eingelassenem Messmikro (*arrghh*) setze und dann erwarte, dass damit sämtliche Parameter des (oder besser gesagt meines) menschlichen Hörens hinreichend abgebildet sind. Warum der Einsatz des eigenen Gehörs zur Bewertung von Frequenzgängen bei vielen kategorisch ausgeschlossen wird, ist mir ein Rätsel. Angesichts der ganzen Artefakte, die man sich mit solchen Messsystemen einfängt, kann man meines Erachtens nicht mehr von Objektivität reden. Letztlich gilt wie immer der Grundsatz: "Wer zu viel misst, misst Mist".

Just my 2 Cents.

VG
Dreyfus


[Beitrag von CharlesDreyfus am 23. Apr 2020, 13:54 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#52 erstellt: 23. Apr 2020, 14:01
Vom Messen (der Begriff ist in meinem Fall ja eigentlich zu hoch gegriffen) erwarte ich mir, dass ich meine EQ Einstellungen überprüfen kann. Ich habe gestern so vor mich hin gesweept und muss ehrlich sagen, dass ich nach 20 Minuten Mühe hatte, Lautstärkeunterschiede nicht mit den steigenden Frequenzen zu verwechseln. Da fehlt mir aktuell etwas die Übung. Mit der "Messung" könnte ich dann allerdings Rückschlüsse auf meine Einstellungen ziehen.


CharlesDreyfus (Beitrag #51) schrieb:
Die ganze Zeit und vor allem das Geld, welche(s) ich dahinein investiert habe, hätte ich im Nachhinein jedoch sinnvoller investieren können.


Der Satz kann glaube ich in jedem Hobby-Forum mehrfach gelesen werden
Ich hab mal gehört: "Ein Hobby ist umso befriedigender, je mehr Geld bei möglichst wenig praktischem Nutzen ausgegeben wird." Das kam von einem fanatischen Zinnsoldaten-Sammler. Seiner Meinung nach sind aus diesem Grund auch Modeleisenbahner die glücklichsten Menschen auf Erden.

Ich übe mich noch in Pragmatismus, klappt zwar immer besser aber eben nicht immer. Zumindest suche ich fast nur noch geduldig auf dem Gebrauchtmarkt.
CharlesDreyfus
Stammgast
#53 erstellt: 23. Apr 2020, 14:36

Pd-XIII (Beitrag #52) schrieb:
Vom Messen (der Begriff ist in meinem Fall ja eigentlich zu hoch gegriffen) erwarte ich mir, dass ich meine EQ Einstellungen überprüfen kann. Ich habe gestern so vor mich hin gesweept und muss ehrlich sagen, dass ich nach 20 Minuten Mühe hatte, Lautstärkeunterschiede nicht mit den steigenden Frequenzen zu verwechseln. Da fehlt mir aktuell etwas die Übung. Mit der "Messung" könnte ich dann allerdings Rückschlüsse auf meine Einstellungen ziehen.

Man sollte sich solchen Testtönen immer nur für kurze Zeit aussetzen und gar nicht so genau hinhören, dass man das Signal aktiv untersucht. Es geht ja schließlich nur darum, ein Lauter oder Leiser zu bewerten. Ich weiß aber, dass das in der Praxis leichter gesagt als getan ist. Man braucht tatsächlich etwas Übung im Umgang mit solchen Verfahren, und vor allem eine Menge Geduld.

Persönlich mache ich das Ganze mit pinkem Rauschen und einem steilen Bandpassfilter in EQ Apo. Den Filter verschiebe ich dann immer zwischen Referenz- und Zielfrequenz. Dazwischen wird immer wieder stummgeschaltet, sonst ist das Gehör nach spätestens einer Minute gesättigt. Ob man 500 Hz oder 1000 Hz als Referenz nimmt ist Geschmackssache. Ich würde aber unbedingt ein Rauschen und keine Sinustöne empfehlen. Letzteres nur für den Breich unter 200 Hz.

Unterschiedliche Kopfhörer vergleiche ich, indem ich zwei Kopfhörerverstärker nebeneinanderstelle und einen von beiden im Configurator von EQ Apo einbinde. Das Testsignal kann ich dann per Voicemeeter und einem VB Cable als Ausgabegerät zeitgleich an beide Kopfhörer schicken. So lässt sich auch Musik sehr gut vergleichen. Die Schwierigkeit besteht halt darin, dass man zwischendurch immer wieder den Kopfhörer wechseln muss. Das ist durch das ständige Auf- und Absetzen nicht nur nervig, sondern bringt zwangsweise auch eine gewisse Verzögerung beim Pegelvergleich mit sich. Wenn man das Rauschen durch ein hohes Q wirklich nur auf einen spezifischen Frequenzbereich beschränkt, ist es mit etwas Übung und Geduld aber dennoch machbar. Ich mache solche Tests grundsätzlich nur nachts, damit mir a uch niemand dazwischenfunkt.

Mittels dieses Vorgehens bin ich bisher zu deutlich besseren Ergebnissen bekommen, als wenn ich mich auf Messungen am Eingang des Gehörgangs oder auf Korrekturdaten Dritter verlasse.


Pd-XIII (Beitrag #52) schrieb:
ch hab mal gehört: "Ein Hobby ist umso befriedigender, je mehr Geld bei möglichst wenig praktischem Nutzen ausgegeben wird."

Schöne Zusammenfassung!
Pd-XIII
Inventar
#54 erstellt: 23. Apr 2020, 15:05
Uff, das ist ja mal eine ganz andere Herangehensweise. Das hab ich so noch gar nicht in Betracht gezogen. Das werde ich auf jeden Fall mal probieren. Du entzerrst also wirklich sehr schmalbandig, wenn ich das richtig verstehe.
Ich hab mich gestern lediglich um meine Gehörgangresonanzen gekümmert und die Sweeps sind eben doch sehr anstrengend. Meine Frau hat mich dann erlöst indem Sie mir mitteilte, dass sie dieses Gepfeife nicht aushält...der T90 ist eben offen wie ein Scheunentor. Ich brauch unbedingt wieder ein eigenes Zimmer.
CharlesDreyfus
Stammgast
#55 erstellt: 23. Apr 2020, 15:16
Bei dem Prozedere kann man ruhig sehr schmalbandig vorgehen. Dadurch, dass man mit breitbandigem Rauschen arbeitet, hört man selbst bei sehr steilem Q immer noch ein wenig angrenzende Frequenzen, was manchmal auch die empfundene Klangfarbe irritieren kann. Man sollte sich darauf aber nur bedingt einlassen und erst mal nur die Pegel auf der Zielfrequenz betrachten. Von grob nach fein. Zum Beispiel erst mal mit dem 15-Bänder, dann mit dem 31-Bänder. Mit dem Treble sollte man allerdings aufpassen und nicht zu schmalbandig korrigieren. Denn sonst entzerrt man "moving peaks", d.h. Resonanzen, die je nach Trageposition stark varrieren.
Pd-XIII
Inventar
#56 erstellt: 24. Apr 2020, 08:46
So, gestern Abend noch meine erste Entzerrungsrunde zu Ende gebracht, also mit Sweeps. Ging gestern erstaunlich besser als den Abend zuvor, vor allem konnte ich die Pegelunterschiede deutlicher wahrnehmen. Tagesverfassung eben.
Ich musste allerdings feststellen, dass meine Wahrnehmung auf den beiden Ohren deutlich unterschiedlich sind. Aufgefallen ist mir das, wie das Signal bei langsamen Sweeps von links nach rechts gewandert sind.
Da kam mir der Einfall, dass ich bei InEars ja auch unterschiedliche Tips für Links und Rechts verwende weil meine Gehörgänge unterschiedlich groß sind. Somit müssten ja auch deren Resonanzen abweichen und die richtige Herangehensweise wäre, jedes Ohr noch einmal individuell nach zu justieren bis beide Seiten ungefähr den gleichen Frequenzverlauf aufweisen.
Also hier immer einen Kanal gemutet, den anderen angepasst und wieder auf Stereo geschaltet. Das ging weniger umständlich als es sich anhört mit dem t.Racks. Ich hatte zwar die Befürchtung, dass das ein asymmetrisches Bild abgibt, im Musikbetrieb fällt es aber bis jetzt nur positiv auf.
Beim Musik hören waren aber die Sibilanten immer noch deutlich wahrnehmbar. Also hab ich noch einmal etwas recherchiert und bin darauf gekommen, dass ich da grundsätzlich etwas falsch verstanden hatte und die Sibilanten nicht im 10kHz Peak zu finden sind sondern deutlich darunter (3,5-6kHz) und da wurde sehr schnell eine meiner Vermutungen bestätigt: Meine Ohrkanalresonanz liegt genau in dem Bereich. Das erklärt mir, warum ich mit Sibilanten erst Probleme habe, seit dem ich darauf achte, ich kannte es schlichtweg nicht viel anders. Wieder was über mich selbst gelernt.

Ach ja, einen "großen" Nachtel des t.Racks DSP gegenüber dem miniDSP habe ich sehr schnell erkannt: Man kann scheinbar eine Einstellung nicht gleichzeitig auf zwei Kanälen durchführen. Also im Live Betrieb muss man erst einen Kanal anpassen und dann den anderen. Ein einfaches Kopieren eines einzelnen Wertes muss manuell durchgeführt werden. Kopieren kann man nur komplette Einstellung eines Outputs, das geht allerdings super. Vielleicht habe ich auch einen Bediener Fehler und die Möglichkeit einfach noch nicht gefunden. So finde ich es etwas unpraktisch.
Pd-XIII
Inventar
#57 erstellt: 24. Apr 2020, 08:49
Ach ja, die Herangehensweise mit dem Rauschen werde ich auf jeden Fall noch ausprobieren. Könnte mir vorstellen, dass das mit etwas Übung schneller geht.

Und noch etwas, was ich gestern das erste Mal probiert habe war, beim Musikhören die Peaks nachzuvollziehen versuchen und direkt mit Musik die Einstellung anpassen. Auch das funktioniert überraschend gut. Vor allem bei der Sibilianten-Thematik war das extrem hilfreich.
k.e.
Stammgast
#58 erstellt: 24. Apr 2020, 09:18

Pd-XIII (Beitrag #56) schrieb:
Also hab ich noch einmal etwas recherchiert und bin darauf gekommen, dass ich da grundsätzlich etwas falsch verstanden hatte und die Sibilanten nicht im 10kHz Peak zu finden sind sondern deutlich darunter (3,5-6kHz) und da wurde sehr schnell eine meiner Vermutungen bestätigt: Meine Ohrkanalresonanz liegt genau in dem Bereich. Das erklärt mir, warum ich mit Sibilanten erst Probleme habe, seit dem ich darauf achte, ich kannte es schlichtweg nicht viel anders.

Stimmt absolut, dass die scharfen Laute nicht bei 10 kHz entstehen, sondern meiner Erfahrung nach auch bei 6 kHz. Sehr wahrscheinlich liegt deine Gehörgangsresonanz jedoch weit drüber. Sie liegt bei den meisten wischen 7,5 bis 9,5 kHz würde ich schätzen. Das hängt von der Länge deines Gehörgangs ab und wie tief du den IEM einsetzt. Das Ohrpassstück kann mit der Form und der Weite des Schallaustritts das Tuning noch etwas ändern, aber die Gehörgangsresonanz bleibt.

Welche IEM nutzt du für den Test? Kann ja auch sein, dass sie zusätzlich einen Pegelunterschied zwischen L und R haben. Ist gar nicht so selten. Passiert übrigens auch schnell wenn ein BA-Treiber einen Schlag abbekommt. Also gerne auch mal die Seiten vertauschen.
Pd-XIII
Inventar
#59 erstellt: 24. Apr 2020, 09:47
Das ist der Unterschied: ich entzerre gerade den T90 also OverEar. dadurch resoniert der gesamte Gehörgang und, wenn ich das richtig verstehe, durch den längeren Weg sinkt die Resonanzfrequenz.
k.e.
Stammgast
#60 erstellt: 24. Apr 2020, 10:12
Der T90 ist offen. Er sollte die IEM-typische Resonanz gar nicht haben. Kann leider nicht genau sagen woher die Peaks bei Beyerdynamic entstehen. Die scheinen halt da zu sein, unabhängig der Ohren.
CharlesDreyfus
Stammgast
#61 erstellt: 24. Apr 2020, 11:30
Die Verzerrungen bei In Ears entstehen ja durch das geschlossene Volumen direkt vorm Trommelfell, bei dem die Peaks durch eine Erhöhen oder Verringern der Einsatztiefe in der Wellenlänge variiert werden. Bei Over Ears hingegen ist die Trageposition entscheidend, die die gesamte Außenohrübertragung beeinflussen kann. Besonders krass bemerke ich das an meinem Superlux mit Brainwavz XL Pads, bei dem sich die Klangfarbe komplett ändert, wenn ich ihn nach hinten oder vorne schiebe. Selbst die Peaks der Beyer halte ich nicht für fix. Das demonstrieren auch die Messungen immer wieder.
Solche Dinge sollten auch beim Messen bzw. Entzerren berücksichtigt werden. Im Zweifel lieber mehrere Versuche starten und nachher einen Mittelwert berechnen.


[Beitrag von CharlesDreyfus am 24. Apr 2020, 11:49 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#62 erstellt: 19. Jun 2020, 10:18
Puh, da sind mittlerweile wieder einmal ein paar Wochen verstrichen. Grund hierfür ist, dass ich wie viele seit Monaten im Homeoffice sitze und mangels Büro/Schreibtisch den ganzen Tag vor einem 14" Laptop am Esstisch sitze. Dadurch minimiert sich die Motivation, mich Abends nochmal eine Stunde auf den gleichen Platz zu setzen oder generell noch mehr auf einen zu kleinen Monitor zu gucken.
Ich habe allerdings wie geplant ein Test-Rig gebastelt und mal meine Kopfhörer und EQ Settings überprüft.
Hier mal das Ergebnis meiner gehörten Entzerrung:

T90 EQon vs. EQoff
Edit: Der Abfall im Bass kommt daher, dass ich in meinem EQ-Setting unter 20Hz abdrehe.

Mit der Abstimmung komme ich extrem gut klar und hab die Abende gut damit verbracht. Mein bisheriger Favorit HE-4XX darf momentan auf die Ersatzbank. Beim durchtesten meiner anderen Kopfhörer ist mir dann etwas interessantes aufgefallen. Der T5p sieht schon ohne EQ sehr ähnlich aus, was erklärt, warum ich mit dem auf Anhieb voll und ganz zufrieden war:

T5p vs. T90EQon

Was bei allen Messungen mit meinem Rig auffällt ist übrigens dieser Knick bei 90Hz. Der taucht bei allen Messungen auf und resultiert demnach wahrscheinlich vom Test-(eher Vergleichs-) Aufbau...der übrigens so aussieht:

Headphone TEst Rig

Gebaut aus den Resten einer Überseekiste die ich hier seit Jahren rumliegen habe. Die Breite des Konstruktes hab ich an meinen Ohren abgemessen und im Nachhinein festgestellt, dass ich die tatsächliche Auflagefläche an meinem Schädel hätte verwenden sollen. Aber es geht ja nur ums Vergleichen, da sollte das schon ausreichen.


[Beitrag von Pd-XIII am 19. Jun 2020, 10:22 bearbeitet]
CharlesDreyfus
Stammgast
#63 erstellt: 19. Jun 2020, 10:38
Was sagt der RTA
zu der Resonanz im unteren Spektrum?

Ich würde ggf. mit etwas Filz zur Dämpfung der Resonanzen an der hölzernen Grenzfläche experimentieren.

Der Abstand sieht ziemlich hoch aus.
Pd-XIII
Inventar
#64 erstellt: 19. Jun 2020, 10:55
Mit RTA hab ich mich noch gar nicht beschäftigt bei den Kopfhörern.
Ja, wie gesat hab ich beim Auslegen der Dimensionen von Ohr-Außen zu Ohr-Außen gemessen. Somit sind die Auflageflächen locker 3-4cm weiter auseinander als im Hörbetrieb. Sollte ich mal wieder so etwas bauen, werde ich mich hoffentlich daran erinnern.
CharlesDreyfus
Stammgast
#65 erstellt: 19. Jun 2020, 11:02
Okay. Musst halt schauen, dass der Auflagewinkel und vor allem die Komprimierung der Pads da nicht all zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Würde den Peak mal mit dem Real Time Analyzer und dem Frequenzgenerator untersuchen. Window auf Blackman-Harris 7, den Generator auf Sinus und Lock to FFT. Damit sollte man das Problem eingrenzen können.
Pd-XIII
Inventar
#66 erstellt: 19. Jun 2020, 11:10
Gerade gesehen, dass ich mir den auch im nachhinein noch anzeigen lassen kann. Hier mal für den T5p, da der Ausbruch bei dem mit Abstand am heftigsten war:
t5p RTA
Das mit dem Filz werde ich bei nächster Gelegenheit auch mal ausprobieren. Aber vorher kommt die Geschichte mit dem Rauschen dran, das interessiert mich wirklich.

Edit: mit deinem letzten Kommentar muss ich mich mal genauer auseinander setzen


[Beitrag von Pd-XIII am 19. Jun 2020, 11:14 bearbeitet]
CharlesDreyfus
Stammgast
#67 erstellt: 20. Jun 2020, 14:36
Ich würde es wirklich mal mit dem RTA probieren. Damit kann man sehr gut nachvollziehen, wie sich der Kopfhörer bei unterschiedlichen Sitzpositionen verhält und unter welchen Umständen solche Resonanzen im Frequenzgang zustandekommen. Da der Peak nicht auf Netzfrequenz (oder deren Oberwellen) liegt, gehe ich nicht davon aus, dass es eine Brummschleife in der Aufnahmekette ist. Wenn es bei unterschiedlichen Sitzpositionen und Kopfhörern auftritt, würde ich auch das Sealing (also die Abdichtung) als Verursacher ausschließen. Vielleicht ist es eine Eigenresonanz des Mikros im hölzernen Aufbau. Musst du mal genauer untersuchen.

Auflagen aus dünnem Filz, Schaumstoff, Moosgummi, Silikon oder ähnlichen Materialien kann man verwenden, um die Reflexionen an der hölzernen Grenzfläche abzudämpfen. Hat nebenbei auch den netten Effekt einer leicht nachgebenden Auflagefläche, die das Sealing der Pads verbessert. Auch da muss man aber ein wenig experimentieren.

Den Abgleich mit Rosa Rauschen (also Pink Noise) kann ich wie gesagt nur empfehlen. Damit bekommt man nämlich tatsächlich wahrnehmungsorientierte Befunde. Will wie gesagt aber auch geübt sein. Auch hier braucht es viel Geduld.
Pd-XIII
Inventar
#68 erstellt: 17. Dez 2020, 18:27
Und wieder ist unheimlich viel Zeit ins Land gezogen. Seit letztem Wochenende befindet sich mit dem PowerDACv2 mal wieder ein äußerst nettes Spielzeug in meinen Händen...wobei, da würde ich ihn weniger aufbewahren, da die Wärmeerzeugung schon krass ist. Ansonsten habe ich einen Heiden Spaß damit, was hauptsächlich an der dazugehörigen App liegt mit der man ganz schnell und unkompliziert Filter setzen und anpassen kann.
Ich hab noch nicht allzu viel ernsthaft damit gearbeitet sondern entwickle gerade erst ein Gefühl dafür. Ich habe aber jetzt einmal die "Rausch" Methode ausprobiert und muss wirklich sagen, dass man damit sehr schnell sehr weit kommt. Ich hab gerade mal mit meiner bisherigen Sweep Methodik einen CCA C10 entzerrt und es klang eher ernüchternd. Dann alles auf 0 und die Filter per Rauschen angepasst, zack, auf den ersten Moment viel stimmiger. Danach während dem Musikbetrieb noch etwas nach justiert und fertig war die Laube...in ca. 5 Minuten.
Nicht schlecht für einen ersten Versuch. Jetzt muss ich nur noch warten bis mein symmetrisches Kabel für den HE da ist, dann kann ich das ganze mal in FullSize wiederholen und das Ergebnis messen. Dann auch wieder mit ordentlicher Beschreibung und Bildern, wie es sich gehört.
Ich mach momentan wieder so viele neue Erfahrungen in diesem Hobby, ich liebe es
Basstian85
Inventar
#69 erstellt: 17. Dez 2020, 19:07

Pd-XIII (Beitrag #68) schrieb:
die Filter per Rauschen angepasst

Meinst du die Filter, die du vorher per Sinus gesetzt hast (also die Frequenzen) und dann nur die dB-Anpassung auf 0 gesetzt? Oder tatsächlich komplett von Vorne nur mit Rauschen?

Mir fällt es (noch?) schwer Peaks mit dem Rauschen herauszufinden...
Pd-XIII
Inventar
#70 erstellt: 18. Dez 2020, 11:46
Nein komplett von vorne. Allerdings hab ich das mit sweeps ja jetzt schon oft genug gemacht um ein Gefühl dafür zu haben, welche Frequenz was bewirkt.
Bei der Rausch Methode komm ich mit 3 Filtern gut zurecht, während es mit Peaks eng wurde bei 6 Bändern. Vor allem finde ich, dass man sich nicht so sehr drin verliert und nur die Frequenzen behandelt, welche wirklich stören.
Da ist aber das Interface vom PDACv2 echt hilfreich, weil die Filter mit Wischgesten schnell und intuitiv angepasst werden.
ehl
Inventar
#71 erstellt: 18. Dez 2020, 17:33
Hab den Thread bisher übersehen, warum auch immer.
Welchen Bereich sollte ein Frequenzband mit Pink Noise denn umfassen, wahrscheinlich sogar je nach Band verschieden festzulegen?
In einem youtube-Kommentar zu dgsonicfocus hat auch jemand erwähnt, dass die Filtereinstellungen wahrscheinlich unterschiedlich gewählt wurden je nach noise band.
Bei dem earful Programm klingt das pink noise "heuliger", also mehr nach durch Tunnel pfeifenden Wind, während es bei dgsonicfocus schön rauschig klingt.
Also pink noise /= pink noise

Was mich mal interessieren würde:
Ich möchte pink noise bänder in ihrer Lautstärke von kh auf die selben von Laustsprechern anpassen ohne die Kh dabei abnehmen zu müssen.
Nun dämpfen die Polster natürlich etwas, was unproblematisch wäre, WENN das für alle frequenzbänder in gleicher Stärke gelten würde.
Daher würde ich gerne mit einem Messmikrofon den Dämpfungsgrad verschiedener Frequenzbänder bestimmen, unabhängig von meinen Ohren.
Kann das Vorhaben gelingen und wie wichtig ist die Einbeziehung der unterschiedlichen Dämpfung eigtl.?
Ich würde den KH an igmrgendeine Platte o.Ä. klemmen mit dem ecm 8000 dahinter im 60° Winkel zum Kh hin ausgerichtet und die Messung mit und ohne Kh durchführen und vergleichen. Welches Testsignal ist hierfür empfehlenswert, vermutlich das gleiche, welches ich für die eigtl. Entzerrung später verwenden möchte?
Geplant ist folgender Aufbau für die Messung:
20201218_154059
20201218_154045
20201218_153828
Mit in-ears, welche nicht so tief in den Gehörgang geschoben werden und daher kaum abdichten oder Schall von außen schlucken, besteht das Problem natürlich kaum, aber solche sind die Ausnahme.
(Ganz damals würden die Ohrhörer ja einfach nur eingehängt und hatten gar keine Tios für den Seal)


[Beitrag von ehl am 18. Dez 2020, 17:47 bearbeitet]
CharlesDreyfus
Stammgast
#72 erstellt: 18. Dez 2020, 19:40
Was genau willst du denn erfassen?

Dein Aufbau sieht ziemlich willkürlich aus. Wenn man halbwegs brauchbare Messungen bekommen möchte, dann sollte man per In Ear auf dem eigenen Kopf messen. Aufbauten mit flacher Auflagefläche ohne Ohr sind nur für bestimmte Zwecke brauchbar. Generell sollte man bei diesen bedenken, dass sie eine starke Senke auf den Frequenzgang legen und den Bass viel zu stark betonen. Auf dem eigenen Kopf hat man meist einen deutlich stärkeren Roll-Off. Hinzu kommen halt die Resonanzen des Ohres, die man bei der Messung möglichst nicht weglassen sollte. Das Ding ist nämlich, dass sich die Differenz zwischen einer Aufbaute mit Holzplatte einerseits und der Messung im eigenen Ohr andererseits über mehrere Kopfhörer hinweg nicht linear verhält. Dies liegt daran, dass Kopfhörer nunmal auf menschlichen Ohren oder speziell angefertigen Ohrsimulatoren getuned werden. Daher wird die akustische Impedanz des Ohres vorausgesetzt, um einen korrekten Frequenzgang zu erhalten. Lässt man diese weg - wie es z.B. bei der Holzplatte der Fall ist - dann erhält man unter Umständen völlig andere akustische Wechselwirkungen. Um es mal zu veranschaulichen, wie komplex solche Resonanzen und Druckzonen seien können: https://www.comsol.c...-headphones-on-ears/
Hier wird auch die Diffusion und Dämpfung der Pads dargestellt, die gleichermaßen vom menschlichen Kopf abhängig sein kann.

Ich weiß nicht, worauf du mit dieser Bastkonstruktion mit Messmikro hinaus willst, schätze allerdings, dass du da mächtig auf dem Holweg bist.

VG
Dreyfus
ehl
Inventar
#73 erstellt: 18. Dez 2020, 20:10
??
Ich hab doch mein Vorhaben beschrieben:
"Ich möchte pink noise bänder in ihrer Lautstärke von kh auf die selben von Laustsprechern anpassen ohne die Kh dabei abnehmen zu müssen.
Nun dämpfen die Polster natürlich etwas, was unproblematisch wäre, WENN das für alle frequenzbänder in gleicher Stärke gelten würde.
Daher würde ich gerne mit einem Messmikrofon den Dämpfungsgrad verschiedener Frequenzbänder bestimmen, unabhängig von meinen Ohren."

Ich möchte nur ermitteln wie stark der kh (bzw. die Polster) Außenschall freqenzbezogen dämpft, der KH selbst spielt hier gar nichts ab.
Zweck ist, dass wie beschrieben ich bei einer perzeptiven pink noise Anpassung von kh zu lautsprecher ich die kh gar nicht abnehmen brauche, während der LS die Frequenzbänder wiedergibt.
Wenn ich die Dämpfung je Frequenzband kenne, könnte ich sie herausrechnen.
Berücksichtige ich die Dämpfung nicht, könnte das die Ergebnisse beeinträchtigen, da das Polster des KH bestimmt die Frequenzbänder des Außenschalls ungleichmäßig stark dämpfen wird.
Ich würde eine Messung mit und eine ohne die drübergestülpten KH durchführen und die Differenz bilden oder ist das abgeschlossene Volumen zwischen Ohr und Kh auch bei einer Beschallung von außen in seiner Wirkung zu berücksichtigen?
CharlesDreyfus
Stammgast
#74 erstellt: 20. Dez 2020, 00:08
Sorry, bin aus der obigen Beschreibung nicht ganz schlau geworden.

Interessanter Gedanke. Könnte für eine frontal-mittig platzierte Schallquelle funktionieren, wenn auch der Kopf durchgehend in gleicher Position und Ausrichtung bleibt. Ich würde dafür einen möglichst offenen KH nehmen.
ehl
Inventar
#75 erstellt: 20. Dez 2020, 02:02
Also ich kann natürlich auch mit den in-ear mics die Messungen durchführen, da wären die Bedingen dann auch quasi identisch zu denen bei der Abhörung.
Diese messen aber nicht unbedingt linear (sind diese pui Kapseln wie du weißt), aber hier soll ja ohnehin nur die Differenz gebildet werden.
Ich könnte natürlich versuchen, die mics zu kalibrieren, aber ich weiß nicht, ob sich das in dem Fall lohnt.
Ich hab aber auch nicht so wirklich verstanden, warum meine Ohren für die reine Dämpfungswirkung der kh-Polster relevant sein sollten, außer falls das abgeschlossene Volumen zwischen Trommelfell und KH die "gehörte", also "perzeptive" Dämpfung auch mitbestimmt.
Was für ein testsignal sollte ich verwenden, vermutlich das gleiche wie bei der Abhörung?

Dein Szenario beschreibt ja genau das von Griesinger, wobei ich eigtl. das ganze ja für Stereo plane, aber da finde ich keine Hinweise von Griesinger zum Aufbau.
Der akg k702 dämpft nicht so stark dank Velourpolster und nicht zu starkem Anpressdruck.
Pd-XIII
Inventar
#76 erstellt: 05. Jan 2021, 13:55
Soderle, nachdem ich in letzter Zeit ziemlich viele IEMs zum Test gehört habe, mussten meine Entzerrungsversuche etwas hinten anstehen. In der Zwischenzeit ist endlich auch das passende Kabel gekommen, um den Hifiman mit dem PowerDAC zu verbinden. Hauptvorteil davon ist, dass ich das Ergebnis mit meinem Prüfaufbau nachvollziehen kann. Ich hatte mir ja vorgenommen, mich vor allem intensiver mit der Rauschmethode zu beschäftigen. Beim CCA C10 ist das ja auch echt gut gegangen und ich war positiv überrascht. Der HE 4XX stellt mich da vor eine deutlich schwierigere Herausforderung. Es mag auch daran liegen, dass der HE4XX mit den fetten China schluffen kaum etwas falsch macht und darum immer ohne EQ spielen durfte. Nun aber los.
Pink Noise habe ich über REW erzeugen lassen. Also einen neuen Filter am PowerDAC angelegt. Aus meinen bisherigen Entzerrungsversuchen habe ich ja einen Eindruck bekommen, in welchen Bereichen Korrekturen vermutlich notwendig werden. Da das Rauschen wirklich schnell anstrengend wird, vor allem wenn man wie ich noch nicht viel Übung hat, habe ich die verfügbaren Filter schon einmal grob in die richtigen Bereiche geschoben.

Screenshot_2020-12-28-19-47-23-807_com.hptoy

Dann in drei Durchgängen zu je ca. 1-2 Minuten mit jeweils ein paar Minuten Stille dazwischen habe ich dann eine Einstellung gefunden, welche mir "gut" erschien. Leider hab ich den Screenshot gelöscht und die Filter zwischenzeitlich verstellt, somit kann ich die Einstellung nicht hier zeigen. Ich war vom Ergebnis aber auch nicht wirklich überzeugt. Hier das Ergebnis im Vergleich:

HE4XX EQing

Rot = Original; Grün = nach EQing

Der angehobene Tiefton kam nicht durchs Rauschen zustande, sondern durchs Feintuning während dem Musik Hören. Besser klingt der HE jetzt aber nicht wirklich. Da muss ich wohl noch einmal ran. Der Mittelweg zwischen "Sibilanten unterdrücken" und "Brillanz" ist ziemlich eng, wie ich herausfinden muss. Das gelingt mir mit Sweeps deutlich leichter. Im Moment würde ich Sweeps bevorzugen, aber ich gebe noch nicht auf. Ich könnte mir vorstellen, dass ich mir selbst ein Bein gestellt habe, indem ich alle 7 Filter verwendet habe. Weniger ist wahrscheinlich auch in diesem Fall mehr.

Aber diese Bedienung über die App ist wirklich verlockend, da will man einfach alles verwenden was möglich ist. Also, wer das noch nicht gesehen hat, kurz zur Erklärung:
Der jeweilige Filter wird durch eine vertikale Strichlinie auf dem Frequenzband dargestellt. Um die jeweilige Frequenz zu bearbeiten tippt man einfach doppelt auf den entsprechenden Filter. Ab hier beginnt der Spaß: Ziehe ich den Finger von links nach rechts auf dem Display, verändere ich die Wirkfrequenz. Von oben nach unten und umgekehrt wird der Pegel angepasst und durch das Zusammen-/Auseinanderziehen von zwei Fingern auf dem Display wird Q angepasst. Das ganze geht wirklich ultra intuitiv und vor allem in Echtzeit.
Basstian85
Inventar
#77 erstellt: 05. Jan 2021, 15:08
Mit dem Rauschen komme ich auch nicht soo gut klar. Mittlerweile kann ich zwar die großen Peaks auch hier gut raushören, sind aber "schwächer" ausgeprägt bzw. schwerer rauszuhören als beim Sinussweep. Auch blieben sie mehr oder weniger an der gleichen Stelle...

Könnte es sein, dass der absinkende Pegel zu den Höhen hin des Rosa-rauschens dazu führt, den Hochton zu wenig abzusenken? Bei Sinusbehandlung war mir, wie in diesem tollen Thread erwähnt, aufgefallen, dass ich meist etwas zu viel Hochton wegnehme und dann die dB-Werte nachkorrigiere (mit verschiedener Musik den "Vorhang" wegnehme). Und wenn ich diese "finalen" EQs (die ich alle recht "gut" fand btw) anschließend per Bandpassfilter mit Rosarauschen zum Gegenhören durchsweepe, klingt es so, als würde der Pegel zunehmend zum Hochton leiser werden. Der Unterschied ist nicht groß, aber gerade der Superhochton kommt mir hier etwas leiser vor als beim Sinus-sweep (oder soll das so?).

Habe mich die Tage auch noch mal mit meinen EQ-settings beschäftigt. Bin jetzt Fan von High-shelf Filtern. An der richtigen Stelle mit der richtigen Steilheit haben sie ware Wunder gewirkt. Ich hatte zwar vorher schon mit sehr niedrigen Q-Faktor-Peaks im Hochton gearbeitet, aber der "Superhochton" schien mich (bei einigen KHs) doch mehr zu stören als gedacht (Höre noch bis 18k)...


[Beitrag von Basstian85 am 05. Jan 2021, 15:09 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#78 erstellt: 06. Jan 2021, 18:27
Also ich muss echt sagen, mit dem Rauschen ist eine ganz eigne Herandgehensweise bei welcher ganz andere Ergebnisse herauskommen. Zumindest bei mir. Es werden halt nur 2-3 filter gesetzt um die äußersten Problemzonen zu behandeln. Dadurch bleibt dem Hörer aber sein Charakter erhalten, was ja auch etwas für sich hat. Ich meine, wenn ich meinen entzerrten T90 ausetzte hat der rein gar nichts mehr mit dem Hörer zu tun, für den ich mich im Laden entschieden habe. Das ist dann eben der Sinn einer komplett anderen Sache und ich brauche einen Hörer nicht mehr hauptsächlich wegen seinem Klang auswählen, sondern kann ich auf Verarbeitung, Komfort und Preis konzentrieren, weil der FG sowieso umgewürfelt wird.


Nachdem ich heute wirklich keine Lust auf rosa Rauschen habe, habe ich mal etwas Anderes ausprobiert und bin gewissermaßen zurück zum Anfang dieses Threads gekommen: Dem Entzerren auf Basis des gemessenen Frequenzganges, diesmal aber auf Basis meines in der Zwischenzeit erworbenen Wissens und Materials...also vor allem Zweitem.
Grund hierfür ist eine Funktion von der ich schon ein paar mal gelesen habe, sie aber in der App des e1da bisher noch nicht gefunden hatte. Der PDAC hat ein Feature, welches mein heutiges Vorhaben so herrlich einfach macht. Zumindest wenn man einmal herausgefunden hat, auf welche Kleinigkeiten man achten muss. Man kann nähmlich gemessene Frequenzgänge als Hintergrund für den PEQ Bereich einstellen. Aber Eines nach dem Anderen:

Zuerst brauchen wir diesen Frequenzgang. Da ich mein Test Rig und das UMIK wieder hier habe, konnte ich diese Messung schnell selbst durchführen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sich aus diversen Quellen im Netz die entsprechenden Screenshots runterladen. Ich wollte aber ohne verändern des Versuchsaufbaus das Ergebnis feststellen können, also den HE4XX auf das Rig und bis zum Ende nicht mehr bewegt.
Angefangen mit der Eingangsmessung:

HE-4XX

So, nun beginnt die lange Strecke der Stolpersteine. Ich versuche so Viele dacon wie möglich zu benennen, damit jeder der das auch mal ausprobieren möchte von Beginn an weiß, worauf er zu achten hat. Also zu aller erst, den Anzeigebereich in REW entsprechend so groß wählen wie in der APP des PEQ.
Heißt:
Frequenzbereich: 20-20.000Hz
Level: -30dB bis +15dB vom Nominalpegel
In meinem Fall habe ich einen mittleren Pegel von ca. 80dB, somit geht mein Pegel von 50dB bis 95dB.

Im Nachhinein betrachtet macht es wahrscheinlich mehr Sinn, den Ausgangspegel einfach bei 1kHz anzusetzen. Das ist aber im weiteren Verlauf gar nicht mal so kritisch, wie ich feststellen durfte. Dazu später mehr. Wichtig ist, dass das Linienverhältniss des REW Graphen nahezu das Gleiche ist wie in der App. So, das exportierte Bild wird nun auf Smartphone gezogen und dieses per Bluetooth mit dem PDAC verbunden. Dann die App gestartet, ein neues Setting erstellt und der Filterbereich geöffnet:

Screenshot_2021-01-06-14-43-05-751_com.hptoy

Durch längeres Berühren eines random Bereiches öffnet sich das Menü, in welchem als Option "Set Background" ausgewählt werden kann. Dadurch landet man in einem Menü, wo man nun den vorher erstellten Graphen auswählen und somit als Hintergrund einstellt:

Screenshot_2021-01-06-14-44-32-230_com.hptoy

Nun muss das Bild noch eingepasst und richtig skaliert werden. Hierzu zoomt man mit zwei Fingern das Bild einfach größer oder kleiner, bis die Linien von 20Hz und 10kHz übereinstimmen. Wenn man sich an die oben genannte Skallierung für den Pegel gehalten hat stimmt das Gitter des Hintergrundes nun nahezu mit dem der App überein:

Screenshot_2021-01-06-14-45-31-491_com.hptoy

Und nun kommt der Clou: man drückt oben rechts auf "mirror" und der als Hintergrund eingestellte Graph wird über die horizontale Achse gespiegelt:

Screenshot_2021-01-06-14-46-20-951_com.hptoy

Spätestens jetzt sollte einem das gelbe Fadenkreuz auffallen, welches von der App über den Hintergrund gelegt wird. Ich gebe zu, ich habe ewig gebraucht um den offensichtlichen Sinn dahinter zu erkennen. Dieses Kreuz liegt auf der 1kHz Linie, also exakt da, wo ich selbst bisher meinen Referenzpegel gesetzt habe. Macht also Sinn, den Hintergrund nun so weit nach oben zu schieben, bis das gelbe Kreuz den Graphen trifft:

Screenshot_2021-01-06-14-47-56-458_com.hptoy

Jetzt kann man getrost auf "done" drücken. Vorsicht: die Einstellung kann im Nachhinein nicht mehr angepasst werden(außer ich hab das übersehen). Will heißen, wenn man den Hintergrund doch noch etwas verschieben muss, dann muss man von vorne beginnen. Also drückt erst auf "done" wenn wirklich alles passt. Glaubt mir, das erspart Frust.

Was nun folgt ist ein Kinderspiel. Die sieben Filter werden verschoben und angepasst, bis der korrigierte Frequenzgang dem gemessenen Graphen im Hintergrund so gut es geht entspricht:

Screenshot_2021-01-06-14-52-55-069_com.hptoy

Wenn man nun den Hintergrund wieder ausblendet, sieht man nur noch die eingestellte Korrektur:

Screenshot_2021-01-06-14-53-12-689_com.hptoy

Und somit ist man auch schon fertig mit dem Entzerren auf Basis einer Messung. Ganz wichtig und nicht zu vergessen: Speichern und eindeutig benennen

Screenshot_2021-01-06-14-54-03-937_com.hptoy

Und wie hört es sich an?
Keine Ahnung, denn noch sitzt der HE auf dem Rig und wartet darauf, dass das Ergebnis überprüft wird. Also wieder REW angeworfen und einmal durchgepfiffen:

HE4XX EQ

Mit einer Pegelschwankung von 5dB zwischen 20Hz und 12kHz (blaue Linie) darf man wohl getrost von einem ausgewogenen Frequenzgang sprechen.

Der Klang weicht von Vielem, was ich in letzter Zeit gehört habe ab und im ersten Moment klingt es etwas dünn. Aber man gewöhnt sich dran und dann klinkt es nicht falsch. Neutral im wahrsten Sinne des Wortes. Ich werde aber sicherlich noch ein paar Tracks hören müssen um zu entscheiden, ob mir das gefällt.

Der Vollständigkeit halber: Auch wenn in obigem Text oft das Wort "Messen" fällt sollte klar sein, dass bei meinem rudimentären Aufbau nicht von "Messen" die Rede sein kann.
ehl
Inventar
#79 erstellt: 11. Mai 2021, 21:52
Powerdac v2.1 mit Unterstützung für unbalanced kH ist still und heimlich für ca. 70€ erschienen, hab aber zur Zeit nicht wirklich eine Verwendung dafür und zstzl. Zollgebühren akzeptiere ich hier nicht.
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