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Überholung von zwei Kenwood L-07 M MKII - Die Legende lebt

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gst
Stammgast
#101 erstellt: 22. Mrz 2014, 15:02
ich bin da nicht ganz mitgekommen: kannst du die Basen der Endtransistoren nicht einzeln abklemmen (geht nicht wg. gedruckter Schaltung, aber da sind doch auslötbare Widerstände dazwischen?), um zu testen, ob die Sache mit nur einem Pärchen läuft. Schwingsicherheit kann man dann auch feststellen. Andere Alternative: Der Endstufenblock wird mit einem regelbaren Doppelnetzteil betrieben, was ne Strombegrenzung auf 2-3A hat und erstmal nur 3 oder 4 Volt pro positiver bzw. negativer Betriebsspannung bietet.
Ich glaube, ich wäre zu faul, den ganzen Kram der Endtransistoren auslöten, um nicht halbwegs sicher zu sein, wer der Bösewicht ist.
Zwischenfrage: Isolation der Endtransistoren zum Kühlkörper ist ok?
gst
Broesel02
Inventar
#102 erstellt: 23. Mrz 2014, 08:13
So,
ich habe das Kästli nun also doch leder komplett zerlegt. Man kommt sonst nicht wirklich dran. Ich war ja eigentlich auch zu faul die Endstufentransistoren auszubauen und alles wieder zu zerlegen.

Kenwood L-07 M II ReparaturKenwood L-07 M II Reparatur


Alle (!) 6 Endstufentransistoren haben bei separater Messung einen Schluss Kollektor - Basis. Das liess sich in eingebautem Zustand leider nicht eindeutig messen sonst wäre ich schneller weiter gekommen. Und ich habe es ehrlich gesagt nicht geglaubt, aber Glauben heisst ja auch nicht Wissen.

Hier nun also das aktualisierte Schadensschaltbild

Kenwood L-07 Schema Reparatur


[Beitrag von Broesel02 am 23. Mrz 2014, 09:31 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#103 erstellt: 23. Mrz 2014, 08:37
Jetzt folgt natürlich die schwierige Frage der Ersatztypen. Die originalen NEC Transistoren sind kaum noch bezahlbar zu bekommen. Und man läuft Gefahr einen China Fake zu kaufen bei dessen Einsatz es die ganze Kiste wieder zerreisst.
Außerdem muss es ein klassisches T-03 Gehäuse sein da in die Mulden der gegossenen Kühlkörper nichts anderes hereingeht.
eine kleine Auswahl:

NPN/PNP Typ       Herteller            Vceo   Ic    Pc     hFE     Cob    fT     Anmerkung
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
2SC2337A/2SA1007A (NEC)                130V   10A   100W   40-320  150pF  70MHz  Original in L-07M II

2SC1116A/2SA747A  (SavantIC)           120V   10A   100W   50      ???    10MHz  Vorgängerversion

2ST5949/2ST2121   (ST Micro)           250V   17A   250W   80-160  250pF  25MHz  Moderner Tr in TO-3
2SC5949/2SA2121   (Toshiba kein TO-3)  250V   17A   200W   80-160  270pF  25MHz  Toshiba in Plastic

2SC2837/2SA1186   (Sanken, kein TO-3)  150    10A   100W   50min   60pF   70MHz  genannt in diyAudio


Die 70 MHz Transitfrequenz der im original verwendeten Typen ist im T-03 Gehäuse kaum zu bekommen. Und wurde auch bei Kenwood nicht durchgängig verbaut wenn man den diversen Threads in verschiedenen Foren zu dieser Endstufe folgt. Meine Wahl ist auf den 2ST5949 und 2ST2121 von ST Microelectronics gekommen. Ein moderner Transistor im alten T-03 Gehäuse aus sicherer Quelle, Digi-Key, und aktueller Produktion.

Hier schon mal der aktuelle "Rückbau" Stand:

Kenwood L-07 M II Reparatur
bukongahelas
Inventar
#104 erstellt: 23. Mrz 2014, 08:40
MJ 150xx im TO-3 Gehäuse könnten auch passen .
bukongahelas
Poetry2me
Inventar
#105 erstellt: 23. Mrz 2014, 12:54
Interessanter Punkt.
Ich habe sie Liste mal erweitert um die MJ150xx Typen von Motorola.


NPN/PNP Typ       Herteller            Vceo   Ic    Pc     hFE     Cob    fT     Anmerkung
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
2SC2337A/2SA1007A (NEC)                130V   10A   100W   40-320  150pF  70MHz  Original in L-07M II

2SC1116A/2SA747A  (SavantIC)           120V   10A   100W   50      ???    10MHz  Vorgängerversion

2ST5949/2ST2121   (ST Micro)           250V   17A   250W   80-160  250pF  25MHz  Moderner Tr in TO-3
2SC5949/2SA2121   (Toshiba kein TO-3)  250V   17A   200W   80-160  270pF  25MHz  Toshiba in Plastic

2SC2837/2SA1186   (Sanken, kein TO-3)  150    10A   100W   50min   60pF   70MHz  genannt in diyAudio

MJ150003/MJ150004 (Motorola)           140V   20A   250W   25-150  1000pF 2MHz   häufig verwendet TO-3
MJ150022/MJ150023 (Motorola)           200V   16A   250W   15-60   500pF  4MHz   häufig verwendet TO-3
MJ150024/MJ150025 (Motorola)           250V   16A   250W   15-60   500pF  4MHz   häufig verwendet TO-3


Die Motorolas werden häufig eingesetzt, sind aber deutlich langsamer (fT und Cob) und haben auch keine so hohe Stromverstärkung (hFE).
Die Schaltung sollte darauf hin entwickelt sein. Das ist beim L-07M II wahrscheinlich nicht der Fall.
Stichwort Stabilität.


- Poetry2me


[Beitrag von Poetry2me am 23. Mrz 2014, 21:39 bearbeitet]
fmmech_24
Stammgast
#106 erstellt: 23. Mrz 2014, 13:26
..& manche Typen (2ST5949) sind leider! schon wieder abgekündigt..
gst
Stammgast
#107 erstellt: 23. Mrz 2014, 13:51
meine Anerkennung für die Mühe der Sortierung.
Jedoch scheinen mir bei der Aufstellung die Originale ohne Konkurrenz zu sein, sowohl was die Stromverstärkung als auch die kapazitive Belastung für die Treiber bei höheren Frequenzen angeht. Noch dazu wirkt die Stromüberwachung nur auf ein Endstufenpaar, da wäre ein Abgleich der hFe mit den anderen theoretisch auch sinnvoll. Wenn ich die Reparatur vornähme, würde bei mir das Pärchen mit der höchsten hFe überwacht werden.
In der vorhandenen Liste geht natürlich kein Weg an 2ST5949/2ST2121 vorbei, wenn man die noch bekommt.
Jedoch denke ich, dass das noch nicht alle komplementären Typen in TO3 sind. Wie hoch ist denn die Betriebsspannung der Endtransistoren wirklich?
bei R..elt waren 2SD1047/2SB817 greifbar

2SC2337A/2SA1007A (NEC) 130V 10A 100W 40-320 150pF 70MHz Original in L-07M II

2SC1116A/2SA747A (SavantIC) 120V 10A 100W 50 ??? 10MHz Vorgängerversion

2ST5949/2ST2121 (ST Micro) 250V 17A 250W 80-160 250pF 25MHz Moderner Tr in TO-3
2SC5949/2SA2121 (Toshiba kein TO-3) 250V 17A 200W 80-160 270pF 25MHz Toshiba in Plastic

2SC2837/2SA1186 (Sanken, kein TO-3) 150 10A 100W 50min 60pF 70MHz genannt in diyAudio
2SD1047/2SB817 (inchange TO3PN) 140V 12A 100W 60-200 210pF 15MHz schlechte fT

MJ150003/MJ150004 (Motorola) 140V 20A 250W 25-150 1000pF 2MHz häufig verwendet TO-3
MJ150022/MJ150023 (Motorola) 200V 16A 250W 15-60 500pF 4MHz häufig verwendet TO-3
MJ150024/MJ150025 (Motorola) 250V 16A 250W 15-60 500pF 4MHz häufig verwendet TO-3

Äh... wie habt ihr die Liste mit Courier formatiert?

gst


[Beitrag von gst am 23. Mrz 2014, 14:12 bearbeitet]
-scope-
Hat sich gelöscht
#108 erstellt: 23. Mrz 2014, 14:48

bei R..elt waren 2SD1047/2SB817 greifbar


Ansichtsache....Wenn man da TO3-P reinfummelt, dann ist das schon ein kleines Verbrechen, und die Transistoren, die du da vorschlägst, stammen von Inchange. Nicht dass ich mit dem Hersteller ein grundsätzliches Problem hätte....Andere anscheinend aber schon.

2SC2337A/2SA1007A kann man von DSI hier bekommen.

https://www.sh-halbleiter.de/

Ob man da bestimmte Mengen abnehmen, oder Gewerbeschein vorhanden sein muss, müsste geklärt werden. Ebenso die Preise.

Inchange fertigt diese TO3 übrigens auch, (Datenblatt gefunden) aber angeboten werden sie im Internet nirgendwo.


[Beitrag von -scope- am 23. Mrz 2014, 20:20 bearbeitet]
Poetry2me
Inventar
#109 erstellt: 23. Mrz 2014, 21:35

fmmech_24 schrieb:
..& manche Typen (2ST5949) sind leider! schon wieder abgekündigt..

Ja leider leider
Ich hatte sie für die Restauration der Hitachi HMA-8300 noch bestellen können. Das müssen so ziemlich die letzten gewesen sein.


@gst: Habe Deinen Transistorvorschlag mal eingefügt in die Liste


NPN/PNP Typ       Herteller            Vceo   Ic    Pc     hFE     Cob    fT     Anmerkung
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
2SC2337A/2SA1007A (NEC)                130V   10A   100W   40-320  150pF  70MHz  Original in L-07M II

2SC1116A/2SA747A  (SavantIC)           120V   10A   100W   50      ???    10MHz  Vorgängerversion

2ST5949/2ST2121   (ST Micro)           250V   17A   250W   80-160  250pF  25MHz  Moderner Tr in TO-3
2SC5949/2SA2121   (Toshiba kein TO-3)  250V   17A   200W   80-160  270pF  25MHz  Toshiba in Plastic

2SC2837/2SA1186   (Sanken, kein TO-3)  150    10A   100W   50min   60pF   70MHz  genannt in diyAudio

MJ150003/MJ150004 (Motorola)           140V   20A   250W   25-150  1000pF 2MHz   häufig verwendet TO-3
MJ150022/MJ150023 (Motorola)           200V   16A   250W   15-60   500pF  4MHz   häufig verwendet TO-3
MJ150024/MJ150025 (Motorola)           250V   16A   250W   15-60   500pF  4MHz   häufig verwendet TO-3

2SD1047/2SB817    (ST Micro kein TO-3) 140V   12A   100W   60-200  150pF  20MHz  TO-3P, gut erhältlich



Bei www.sh-halbleiter.de kann man als Privatperson bestellen, muss aber ggf. nach der Anfrage eine Wartezeit für Preisermittlung in Kauf nehmen. Habe dort bisher gute Erfahrungen gemacht. Die Kollegen treiben auch mal seltene Transistoren vom Wunsch-Hersteller auf.


- Poetry2me

P.S. Die Formatierung geht mit "CODE" und "/CODE" jeweils in eckigen Klammern.


[Beitrag von Poetry2me am 23. Mrz 2014, 21:45 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#110 erstellt: 24. Mrz 2014, 08:00
Guten Morgen,

@gst: ich habe als Spannung an den Endstufentransistoren ohne Glühbirne +/- 70 Volt gemessen.

Ich habe auch schon bei Teile SH-Halbleiter angefragt und auch schon dort bestellt. Leider können die nicht immer alles besorgen was bei ihnen auf der Liste steht. Die Preise bewegen sich nach meiner Erfahrung im normalen Rahmen, vergleichbar zu den Mitbewerbern

Wir haben gestern Nachmittag den Kenwood Block wieder zum Leben erweckt. Bei dem ersten Einschalten konnten wir ein hochfrequentes Schwingen auf dem Oszi sehen, deutlich über 20 Mhz, weiter geht unser Oszi nicht :(. Die verwendeten Endstufentransistoren sind ja auch erheblich langsamer als die ursprünglich verwendeten. Wir haben daher den Wert des Kondensators in der Gegenkopplung, hier C19 mit 12 pF, moderat erhöht. Das Schwingen ist fort.
Einstellen, 1/2 Stunde Probelaufen, Ruhestrom nachregeln, alles funktioniert bestens. Man kann sogar wieder Musik hören

Ich weiss leider immer noch nicht was die Ursache des kapitalen Schadens war. Sonst könnte ich ja den zweiten Block vorausschauend schützen. Also hoffe ich sehr das der zweite Block noch lange durchhält. Im Moment funktioniert jedenfalls alles wieder wunderbar.

Richard
Broesel02
Inventar
#111 erstellt: 28. Apr 2014, 07:05
Es bleiben empfindliche Diven, diese Kennys!

Mir ist dann doch wieder eine Endstufenpärchen abgeraucht als ich die Endstufe warm eingeschaltet habe. Zum Glück sind die Endtreiber ja reparaturfreundlich und schnell wechselbar montiert,- nur leider recht teuer!

Ich habe, um die Thermik zu verbessern, die Endtreiber dann auf Kapton- Folien statt auf Glimmer montiert. Der Wärmeübergang der Kaptonfolien ist erheblich besser und ich hoffe so der Temperaturempfindlichkeit etwas entgegen wirken zu können. Der Schuss ging nach hinten los: Die Folien (von Bürklin) kommen leider schon verschmutzt aus der Tüte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Schmutzt drückt sich bei Erwämung der Endstufen durch die Folie und: Brrschscht,- brizzel, Brat Leucht XX Peng. Merde. Tot. Und wieder ein Paar Endtreiber gehimmelt. Langsam gehen sie mir aus!

Zu diesem Zeitpunkt habe ich in der Bucht zwei weitere L-07 M II ersteigert. Eine als intakt, spielend und eine als defekt mit "verzerrte Wiedergabe". Was auch immer das ist. Da ich die Endstufen ja so wie so komplett zerlege, reinige und neu aufbaue habe ich die Teile also zerlegt. Und war erschrocken. Ich habe euch also mal ein paar Bilder spendiert:

Kenwood L-07 M II Restauration

Man beachte die ausgerissenen Lötaugen und den Schmutz auf der Platine. Es lagen auch noch Lötdrahtreste und Lotkugeln im Gehäuse rum

Kenwood L-07 M II Restauration

Die erneuerten blauen Elkos, 470 uF/63V sind so schlecht das der eine schon seinen Hut anhebt, der untere der beiden ist hinüber

Kenwood L-07 M II Restauration

Warum man einen Mil- zugelassenen und hoch- Störungsfesten Op- Amp so grausam austauscht,keine Ahnung. Der ist doch nur für die Spannungsregelung zuständig!

Kenwood L-07 M II Restauration

Netzteilplatine: Relais mit der Feile oder Sandpapier bearbeitet, daher sind die Kontakte komplett verbrannt

Kenwood L-07 M II Restauration

Schutzschaltung: nichts besonderes

Kenwood L-07 M II Restauration

Treiberplatine von unten: Hier sind noch die Ösen zum Messen eingelötet. Der Zustand der Lötungen ist schlecht

Kenwood L-07 M II Restauration

Kenwood L-07 M II Restauration

Warum bei der Treiberplatine einige Widerstände und Kondensatoren getauscht wurden erschliesst sich mit nicht wirklich. Aber diese Platine ist so zu sagen das Herz der Endstufe und ich werde sie sehr weit neu aufbauen. Ein Interessantes Detail noch am Rande: Der C26 mit 27 pF ist bei diesem Modell ab Werk nicht bestückt.

Bis die Tage

Richard


[Beitrag von Broesel02 am 28. Apr 2014, 17:10 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#112 erstellt: 28. Apr 2014, 18:00
So, dann werden wir also mal reinigen und neu Bestücken:

Kenwood L-07 M II Überholung

Die Hauptplatine gereinigt und neu bestückt. Das Lautsprecherrelais ist auch neu, der Vorbehandler hatte die Kontakte durch unsachgemäße Behandlung von Berylium befreit,- geht nicht. Der kleine rote Draht am Relais ist vorgesehen aber war nicht bestückt,- die Verbindung vom Relais zum LS- Kabel. Jetzt liegt hier eben der doppelte Querschnitt. Bei der Gelegenheit: Ich habe natürlich alle Widerstände und Cs geprüft. Besonders wichtig ist der Kondensator des Boucherot- Gliedes, ganz rechts der orangene. Es war aber in Ordnung

Kenwood L-07 M II Überholung

Auf der Platinenseite habe ich jede Menge Schmutz und überflüssiges Lot entfernt. Eine kleine Brücke für den Eingang gelegt da ich ein anderes Kabel von der Eingangsklemme zur Platine benutzen werde

Kenwood L-07 M II Überholung

Hier nun noch mal die Spannungsregelung für die Vorteiber Sektion. Die Zenerdioden und Regelbausteine versehehe ich mit 10 uF oder 6,8 uF Folientypen statt der 47uF Elkos. Damit habe ich akustisch sehr gute Erfahrungen gemacht, die Endstufe gewinnt an Ruhe und "ansatzloser" Dynamik. Keine Angst, wie haben es mit einem unveränderten Pärchen verglichen. Nicht nur ich. Auch hier alles nachgelötet und die Widerstände kontrolliert

Kenwood L-07 M II Überholung

Zur Netzteilplatine gibts nicht viel zu sagen, das Einschaltrelais ist aus meinem Vorrat und hat aufpolierte Kontakte, das originale war ja nieder

Kenwood L-07 M II Überholung

Unten drunter setze ich gerne zwei Polyestertypen als Shunt zu den großen 22.000 uF Netzteilelkos. Diese Maßnahme hat auf alle Fälle noch nie etwas schlechter gemacht und ich meine es macht im Klang die Endstufe noch etwas Impulsgenauer,- was auch immer das heissen soll

Kenwood L-07 M II Überholung

Auch zu Schutzschaltung gibts nicht viel zu sagen. Neue Kondensatoren und sie sollte weitere 30 Jahre funktionieren

Kenwood L-07 M II Überholung

So, das Herz der Endstufe. Alle Kondensatoren ausgelötet und gereinigt. Jetzt kann und sollte man auch alle Widerstände überprüfen. Auch bei dieser Platine gab es werkseitige Veränderungen der Widerstände gegenüber dem Schaltplan. Also messen, schauen und aufmerksam sein.

Kenwood L-07 M II Überholung

die Platine von unten. Achtung, die Leiterbahnen lösen sich sehr leicht von dem Trägermaterial. Daher muß man sehr vorsichtig beim Entlöten der Bauteile sein

Überholung Kenwood L-07 M IIÜberholung Kenwood L-07 M II

Und hier ist der Herz neu aufgebaut. Bis 33 pF alle Kondnesatoren in Glimmer, daüber bis 1 uF alles ist Wima- PP. Ab ein uF in Wima PC im 5 mm Raster. Drei mal habe ich organic Polymer eingebaut und es bleiben noch 3 Elektrolyt Elkos. Wober die großen Elkos statt der im Schaltplan gesetzten 220 uF/63V jetzt 470uF/63V haben. Das hat sich auch im Vergleich bewährt.
Ebenso empfehle ich dringend die Einstellpotis als Spindeltrimmer zu nehmen. So lässt sich alles sehr fein und geschmeidig einstellen

Ich poste wenns wieder weiter geht
Broesel02
Inventar
#113 erstellt: 11. Mai 2014, 05:46
So,
ich hatte mal wieder Zeit an der Diva zu busteln.
Alles zusammengebaut und gelötet. Die starren Drähte für die Versorgungsspannung zur Endtreiberplatine habe ich gegen flexible Litzen getauscht und noch so ein paar Kleinigkeiten.
Alles geprüft und an eine 100 Watt Glühbirne in Betrieb genommen. Birne geht aus, Endstufenrelais gibt frei. Das ist doch schon sehr gut.
Bei der Prüfung der Betriebsspannungen fällt die Versorgungsspannung für die Vortreiberstufe heraus. Der SOLLwert beträgt -60 Volt. Die gemessene Spannung schwankt zwischen Minus 60 und Minus 80 Volt herum, eine Einstellung mit dem Trimmerpoti funktioniert nicht.
Merde
Auseinanderbauen, prüfen. Trimmpoti hat keinen guten Kontakt mehr. Habe ich erneuert. Keine Erfolg. Alles was ich im zusammengbauten Zustand messen kann scheint i.O.
Ich habe einen neuen OP-Amp bestellt mit passender Fassung (!) und die drei Zenerdioden da ich sie zusammengbaut nicht wirklich prüfen konnte. Als alles bei mir war habe ich den Op- Amp eingebaut und die Zenerdioden messtechnisch mit den neuen Verglichen, die waren alle in Ordnung.
Probelauf.
Gleicher Fehler

also ganz zu Fuß, jedes Bauteil auslöten und prüfen.

Am letzten Treiber hatte ich nach dem Absaugen des Lötzinns dieses Bild vor mir:

Reparatur Kenwood L-07 M II

Die Basis des Transistors liegt frei. Das Lötauge war wohl schon vorher gelöst und hat daher auch nicht mehr eindeutig kontaktiert.
Und insgesamt ist die Platine wirklich in beklagenswertem Zustand! aber das ist nicht meine Schuld.
Heute werde ch dann alles reinigen und einen neuen Versuch unternehmen den Kasten in Betrieb zu nehmen.
Bis dahin
Richard
Poetry2me
Inventar
#114 erstellt: 11. Mai 2014, 09:05
GRATULATION zur gelungenen Fehlereingrenzung!

Wieder mal ein Fehler bei einem dauerhaft heiß betriebenen Längsregel-Transistor. Hitze ist und bleibt der Verschleißfaktor No. 1.
Der betreffende Transistor dürfte Qf2 gewesen sein.


Danke für die tollen Bilder!


Interessante Schaltung

Kenwood L-07M MkII schematic voltage regulator for VAS stages OpAmp and transistor defective

Die Spannungsregelung für die vorderen Verstärkungsstufen ist hier sehr hochwertig mit einem OpAmp und mehreren Transistoren gelöst.
Die Einstellung der Sollspannung mittels Poti gilt für (+) und (-) gleichzeitig.

- Poetry2me


[Beitrag von Poetry2me am 11. Mai 2014, 09:08 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#115 erstellt: 29. Mai 2014, 18:12
Hallo in die Gemeinde, - zu früh gratuliert
leider klappts nicht immer so wie ich mir das wünsche..
Nach einigen Stunden suchen und reparieren von schadhaften Lötstellen habe feststellen dürfen das mein Vorgänger der OP- Amp VERKEHRT eingebaut hat. Die positive Spannung wurde richtig geregelt aber die negative Spannungsregelung hing in der Luft. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Also alles noch mal raus und den neuen Sockel jetzt richtig, um 90 Grad links gedreht, wieder eingebaut.
Jetzt funktioniert die Regelung der Versorgungsspannung der Vorteiberstufe wieder richtig. Die andere mit- ersteigerte Endstufe hatte den gleichen Fehler. Den habe ich dann auch gleich in Ordnung gebracht.

Aber: Nun schwingt die Diva! Schaukelt sich langsam auf und nach etwa 4 Sekunden schaltet die Strombegrenzung ab. Nach 2 weiteren Sekunden gibt die Schutzschaltung wieder frei und alles beginnt wieder. Mit der Vorteiberplatine aus dem anderen Monoblock läuft die Endstufe problemlos. Ich vermute einen Bauteilschaden auf der Vorteiberplatine durch die zu hohe Spannung.

Jetzt zu meiner eigentliche Frage: Ich würde gern den Eingangs FET tauschen, es ist ein 2SK109, N-Type. Alle anderen Halbleiter habe ich ausgelötet und geprüft und konnte keine Fehler messen. Die betroffenen Kondensatoren habe ich auch gewechselt. Ich habe noch hier drei 2SK150, auch ein N-Type. Darf ich die hier einbauen?

Richard
Subwerk
Ist häufiger hier
#116 erstellt: 16. Feb 2015, 17:11
Ciao Richard,

Frage, hast du die Kenny dann nun doch noch fertig stellen können oder liegt die Reparatur auf Eis?
Sehr eindrückliche Dokumentation der Arbeiten übrigens!

LieGrü,
Alex
Broesel02
Inventar
#117 erstellt: 17. Feb 2015, 10:59
Hallo Alex,
natürlich laufen die beiden Monos wieder,- ich habe Blut geleckt!

Alle anderen Endstufen, Verstärker und so weiter die ich hier rumstehen habe und die ich bei Bekannten hören durfte,- kommen für mich da nicht mit.
Außerdem habe ich was die Überarbeitung angeht noch mal nachgelegt im Bereich der Spannungsversorgung der Längsregler für die Spannungsverstärkung. Das habe ich mit gleichem Pseudonym in einem anderen Forum mal beschrieben. Dort habe ich zwei Monos für einen Freund überholt. Auf alle Fälle sind dies Klötze in der MK II Version absolut suchterzeugend. Vielleicht werden sie deshalb auch so selten?
Das letzte Opfer war ein Eigentümer zweier Jadis JA 80 Class-A Röhren- Monos. Die haben leider auch deutlich geloost gegen die Kennys. Jetzt hat auch der gute Mensch ein kleines Problem

Richard
Subwerk
Ist häufiger hier
#118 erstellt: 20. Feb 2015, 11:31
Ciao Richard,

danke für die Info (trotzdem der Fred schon älter war), habe den anderen Thread gefunden den du erwähnt hast und auch den mit Genuss gelesen!
Coole Sache jedenfalls, nun die Jadis Röhren sind sicher eine sehr hohe Messlatte...Respekt wenn man in dem Gewässer fischen kann.
Ich selber habe ja keine Kennys sondern Hitachi HMA 8500 MKII und werde da bald auch n Thread dazu anstossen da ich auch ein wenig was vor habe mit denen.

lG, Alex
andyhurricane
Stammgast
#119 erstellt: 08. Dez 2015, 16:17
Toller Thread!
Broesel02
Inventar
#120 erstellt: 09. Dez 2015, 00:04
Das freut mich ja sehr wenn hier noch mal jemand vorbeischaut.
Ich habe inzwischen für mich die amtliche Bestätigung meiner Arbeiten an den Endstufen bekommen. Ich war mit einem Freund bei Joachim Gerhard im Sauerland. Wir durften meine Kenwood Monos gegen seine "Arbeitsendstufen", zwei dänische Röhren- Monoblöcke hören.
Joachim wollte mir danach meine Endstufen abkaufen. Das war für mich die Bestätigung der absolut außergewöhnlichen Qualität dieser Endstufen. Wenn sie denn richtig überholt sind.
Inzwischen tausche ich übrigens auch die meisten Widerstände gegen Dale CMF Typen, nicht magnetisch, sehr temperaturkonstant und nicht induktiv. Klanglich ist das in meinen Ohren ein großer Gewinn und die Endstufen sind im Betrieb viel stabiler und werden nicht mehr so warm.
Für mich sind die Kenwood L-07 M II auf alle Fälle immer noch eine der besten Endstufen die je gebaut wurden.

Richard
lammi_
Neuling
#121 erstellt: 14. Nov 2017, 00:11
Moin
Sagt mal.... Hier wird immer von den klassischen Endstufen gesprochen....
Was sind den diese Raritäten wert?
Gruß
Thorsten
Poetry2me
Inventar
#122 erstellt: 14. Nov 2017, 00:51
Gegenfrage: Was bezahlst Du in der Autowerkstatt, wenn an Deinem Auto mehrere Wochen lang gearbeitet wird?

Wenn Du damit aber hinterher bei Formel-1 Rennen mitfahren kannst ... ist das günstig.
lammi_
Neuling
#123 erstellt: 14. Nov 2017, 09:02
Mich interessiert nicht was deine jetzt wert sind..... Interessiert mich im allgemeinen..... Hab nämlich noch 4 Stück 😉
Zicki
Hat sich gelöscht
#124 erstellt: 14. Nov 2017, 15:14
Na ja... 4 Stück, deine Altersversorgung wirst Du damit nicht sichern können!
lammi_
Neuling
#125 erstellt: 14. Nov 2017, 15:53
Na dann danke ich dir mal für die genaue preisinfo 😂
Nee meine Rente ist anders abgesicherten...... Hoffe ich kann sie noch in Anspruch nehmen 😊
Zicki
Hat sich gelöscht
#126 erstellt: 14. Nov 2017, 18:53
Lammi, nix für ungut, ich habe einen Käfer 1302 Bj. 72, was ist der Wert???

Ich glaube deine Frage ist damit ausreichend beantwortet, sollte sie zumindest!

Stelle doch einfach mal 2 in die Bucht, dann wirst Du schnell sehen, wohin die Reise geht!
Nur musst Du dann schon mehr über den Zustand der Teile preisgeben, weil Leergehäuse kaufen selbst die da nicht!!

Gruß
Broesel02
Inventar
#127 erstellt: 19. Nov 2017, 21:17
Der Wert solcher audiophilen Antiquitäten ist immer etwas schwer zu benennen. Für den Interessierten hängt der Wert sicher vom inneren und äußeren Zustand ab. Ich kennen bezahlte Preise aus der Bucht in Europa von etwa 650 bis 850 Euro pro Paar, spielend, normaler optischer Zustand mit kleinen Macken und Fehlern, nicht elektrisch überholt. In den USA werden die Endstufen etwas niedriger gehandelt. Das sind aber meist 120 Volt Endstufen, nicht auf 220/240 Volt umstellbar. Einzelstücke sind billiger, sie liegen meist deutlich unter 250 Euro pro Stück. Aber die Endstufen sind die letzten Jahre immer seltener auf den Markt gekommen. Es könnte daher inzwischen wohl auch mehr sein.

Richard
Broesel02
Inventar
#128 erstellt: 05. Feb 2018, 22:34
Das kann ich ja so nicht stehen lassen. Die Stax Endstufe klingt besser als meine Kenwood L-07 M II .
Daher mache ich mal hier ein kleines Update über den aktuellen Stand bei den Kenwood L-07 M II wenn ich so ein Pärchen überhole. Und was aufgrund der Erfahrungen als Aufholversuch zu den Stax Endstufen sich noch geändert hat.
Fangen wir also an:
Zuerst steht mal die Endstufe auf meinem „Küchentisch“

Kenwood L-07 M II

Kenwood L-07 M II

Dann mache ich geschwind alles auf und baue die Platinen der Spannungsverstärkung und der Schutzschaltung aus. Da diese beiden Platinen gesteckt sind geht das ja noch sehr schnell und einfach. Diese beiden Platinen sehen so oder so ähnlich aus. Hier ist die Spannungsverstärkungs- Platine noch nicht repariert worden – das ist inzwischen extrem selten!

Kenwood L-07 M II

Kenwood L-07 M II

Kenwood L-07 M II

Jetzt löte ich alle Bauteile die ich auf diesen Platinen ersetzen möchte aus. Das bleibt über:

Kenwood L-07 M II

Kenwood L-07 M II

Die Transistoren zur Ansteuerung der Endtreiber auf der Spannungsverstärkungspaltine habe ich mit ausgelötet, weil ich sie sowieso prüfen muss und weil ich die Wärmeleitpaste erneuern möchte. Der hfe Wert diesen Transistoren sollte knapp unter 100 liegen. Zwischen 65 und 110 ist bei den originalen Typen noch in Ordnung, alles was davon abweicht bitte erneuern. Wenn man hier Transistoren mit falschen hfe Werten einsetzt funktioniert die Ruhestromregelung nicht mehr richtig. Wenn diese Transistoren erneuert werden müssen bitte unbedingt auch den dritten Differenzverstärker und den Stromspiegel prüfen und bei Schäden erneuern. Wenn im dritten Differenzverstärker Transistoren defekt sind bitte den zweiten Differenzverstärker prüfen und bei Bedarf erneuern und so weiter.
Bei der Platine mit der Schutzschaltung muß nicht viel gemacht werden: Alle Elkos erneuern und den einen Kohle- Masse Widerstand Rk4, 5,6 kOhm ½ W. Der wird nämlich zuverlässig hochohmig und das führt zum Versagen der Schutzschaltung.
Die beiden axialen 470 uF/100V Kondensatoren sind die Siebelkos für die Spannungsverstärkung. Zum Glück gibt es solche Typen noch neu so daß man hier nichts basteln muß. Ein radialer Kondensator würde in der Einbaulage nicht so gut passen.
Und hier ist nun also die erste fertig überarbeitete Platine. Ich feile die Kante gegenüber den Kontaktflächen der Messerkontakte immer nach damit man die Platinen einfacher und schonender einsetzen kann. Die Kontaktflächen selber bestreiche ich dünn mit Kontaktfett.

Kenwood L-07 M II

Das hat doch gar nicht weh getan, oder
Als nächstes muß die Spannungsversorgung vom Rest der Endstufe getrennt werden. Dazu die Netzzuleitung lösen, den Schalter der Spannungsumstellung abbauen und die Hilfsplatine mit den Sicherungen und dem Stand- By Trafo lösen. Jetzt kann man die auf die Hauptplatine führenden Kabel ablöten. Hinweis: die Masseverbindung zur Stromverstärkung ist geschraubt.

Kenwood L-07 M II

(dieses Bild ist bereits vom Zusammenbau - aber man kann erkennen worum es geht)
Auf der Platine unter dem Netzteil werden alle Elkos gewechselt, eventuell die Bleeder Widerstände, der Funkenlöscher und das Einschaltrelais.

Da gehts dann die Tage weiter
Uwe_1965
Inventar
#129 erstellt: 06. Feb 2018, 08:44
Hallo Richard,

ja ja den Küchentisch kenne ich ,


... und den einen Kohle- Masse Widerstand Rk4, 5,6 kOhm ½ W. Der wird nämlich zuverlässig hochohmig und das führt zum Versagen der Schutzschaltung....


Ich sitze auch gerade vor 2 Kohlemasse- Widerständen und habe mal versucht unter "Vorteile Kohlemasse Widerstände" gesucht, aber nichts gefunden, aber bin auf bin auf diese Seite gestoßen, müßte Dir bekannt vorkommen

Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

Gruß Uwe
Broesel02
Inventar
#130 erstellt: 06. Feb 2018, 09:44
Hallo Uwe,
unter den Freunden der Stromgitarre haben Kohle Masse Widerstände einen guten Ruf weil sie besser tönen als die üblichen Metalfilm Widerlinge. Aber driften tun sie dort auch. In der Schutzschaltung der Kenwood Endstufe machen sie jedenfalls keine Sinn.

Wenn ich schon hier bin können wir ja auch ein wenig weiter wurschteln

Hier nun also die Netzteilplatine gereinigt und fertig zum neuen Aufbau

Kenwood L07 M II

Kenwood L07 M II

Auf der Platine unter dem Netzteil werden alle Elkos gewechselt, eventuell die Bleeder Widerstände, der Funkenlöscher und das Einschaltrelais.
Als Funkenlöschkondensator ist ab Werk ein 0,01 Kerko vorgesehen. Der ist nun nach mehr als 30 Jahren häufig malad. Als Folge brennen bei dem Einschaltrelais die Kontakte nieder. Das ist nicht gut, denn diese Relais kann man auch nicht polieren, bei 220 Volt brennen die Kontakte einfach kaputt. Ich setze da einen Funkenlöscher mit Dämpfungswiderstand ein, zum Beispiel diesen hier:
https://www.buerklin.com/de/funkenloesch-kondensator/p/70d5604
Da funkt dann mal nichts mehr!
Alles andere ist bereits weiter oben im Thread erklärt, da hat sich wenig geändert. Bis auf:
Wenn man denn will (!) kann man natürlich den Gleichrichtern auch gescheite Dämpfungsglieder verpassen. Wenn man ganz nach vorne möchte mit dieser Endstufe muß man das tun. Bei dem Gleichrichter für die Spannungsverstärkung und dem Gleichrichter für die Stromverstärkung jeder Diode einen 0,1 PP Kondensator mit einem 33 Ohm Dale Widerstand in Reihe verpassen.
Ja, das ist hörbar besser!
Aber nur wenn alles andere in der Kette dieses Mehr an Klangqualität auch mitspielen kann. Das gilt jetzt für viele weitere Dinge die ich an den Endstufen mache natürlich auch. Auf Wunsch liefere ich da gerne ein Bild nach,- im Moment habe ich nur Bilder ohne diese high- End Dämpfung.

Kenwood L07 M II

die beiden Kondensatoren C1 &C2, 100 uF/35V liegen parallel. Es sind aus Platzgründen zwei gewesen damit das alles noch unter den Trafo passt. Nun sind die Elkos viel kleiner geworden daher kann hier ein 220 uF/35V Elko hin. Und auch der zweite klein Elko, 4,7 uF/63V dienst nur der Siebung der Spannung für die Leuchtdiode damit diese nicht flackert. Klanglich ist hier also nichts los.

Jetzt zu Spannungsverstärkungsplatine. So kann die wenn fertig ist aussehen:

Kenwood L07 M II

Kenwood L07 M II

Ein paar Anmerkungen dazu:
C6 & C7 über der Zener Diode nun nur noch ein 4,7 uF MKS2 Wima
C4 & C5 ein 47 uF Silmic II oder ähnliches mit einem 0,15 Wima PP als Shunt
C1 ein 1 uF 100V Wima MKS2 mit einem 0,33 Wima PP als Shunt von unten
C16 als 1 uF/100V MKS2 mit 0,15 PP als Shunt von unten
C17, im Original schon ein Polyestertyp, gegen einen PP Kondi tauschen
C22 nehme ich einen organic- Polymer Typen mit einem kleinen PP Kondi als Shunt
Die beiden Einganskondensatoren der Spannungsversorgung sind 330 uF/100V Nichicons mit Wima MKS2 Shunt von unten.
Alle Widerstände im Signalweg als Dale CMF/CPF Typen

Ja und nun das wichtigste. Der erste Differenzverstärker hat ein eigene Stromquelle. Der zweite Differenzverstärker hängt über den Longtail- Widerstand R16 (4,3 kOhm) auf Massepotential. Dort fallen lt. Service Manual 21Volt ab. Hier kann man doch auch eine Stromquelle spendieren.
Wenn man das kurz berechnet I = U/R 21V/4300Ohm = 4,88 mA. Wenn man den Set Widerstand von einem LM 334 berechnet setzen wir als Umgebungstemperatur 45 Grad an und 4,9 mA. Damit wird der Set- Widerstand also 15 Ohm
Damit wird die Spannungsverstärkung im zweiten Differenzverstärker unabahängiger von Schwankungen in der Versorgung. Es passt auch eben gerade noch auf die Platine wie man auf dem Bild oben sehen kann.

So, demnächst dann mehr

Richard


[Beitrag von Broesel02 am 06. Feb 2018, 12:58 bearbeitet]
Uwe_1965
Inventar
#131 erstellt: 06. Feb 2018, 11:38
Schöne Elkos hast Du da

Gruß Uwe
Poetry2me
Inventar
#132 erstellt: 06. Feb 2018, 22:23
"Du hast die Platine schön!"

Danke Richard, dass Du die zweite, verbesserte Restauration hier ebenfalls zeigst.

Bei meinen eigenen L-07M II werde ich das alles nachvollziehen.


- Johannes
Broesel02
Inventar
#133 erstellt: 07. Feb 2018, 10:20
Einige Anmerkungen noch:
Der Arbeitswiderstand der Treibertransistoren der Stromverstärkung, R36, 62 Ohm/1 Watt ist manchmal auch mit 64 Ohm bestückt. Ich setzte hier einen 2 Watt Typen ein der aber im Schadensfall an den Endtreibern auch immer mit kollabiert.
Der Widerstand R23, 22 Ohm parallel zum Ruhestrompoti ist manchmal auch mit einem 20 Ohm Widerstand bestückt.
Bitte ALLE nicht bestückten oder entfernten Lead und Lag Kompensationen wieder bestücken. Hier wurde von Kenwood wegen der schadhaften Black- Flags im Verlauf der Fertigung einfach möglichst viel weggelassen. Komplett bestückt klingt es aber besser.
Jetzt geht es auf die Hauptplatine. Dazu müß die Rückseite der Endstufe mit den Ein- und Ausgängen abgelötet werden, der Verbindung zu den Steckern der Fern- Einschaltung, die Gegenkopplung und noch weitere Masseverbindungen. Ich empfehle dringend sich hier Zeit zu nehmen. Die Lötstifte sauber absaugen und mit Wärme Vorsichtig aus der Platine ziehen, am besten dabei noch das betreffende Lötauge auf der Platine niederhalten. Hier hat man sonst sehr schnell großen Schaden angerichtet!

Kenwood L07 M II

Kenwood L07 M II

Kenwood L07 M II

Den Kühlkörper reinigen. Die vertrocknete Wärmeleitpaste kann man sehr gut mit einigen Tropfen Petroleum lösen und dann mit Pinselreiniger auswaschen. Nach dem Reinigen der Kühlkörper diese bitte unbedingt nachentgraten! Ich entgrate alle Bohrungen von oben und unten mit einem Senker nach. Von unten damit sich die Transistorfassungen bei der Remontage richtig positionieren und von oben damit vorstehen Metallgrate nicht die Isolationspads der Transistoren durchbohren. Ich habe mindestens zwei Endstufenschäden durch Grate auf der Oberfläche erlebt. Das Isolationspad vom Transistor schlägt durch und die Endstufentransistoren versterben meist alle gemeinsam.

Kenwood L07 M II

Die Rückseite der Endstufe von innen und abgelötet. Da wird dann auch noch mal etwas dran gearbeitet

Kenwood L07 M II

und hier die eigentliche Hauptplatine. Die weissen Überzüge der Emitterwiderstände liegen normalerweise nicht sichtbar zwischen Platine und Kühlkörper, zwischen die TO-3 Fassungen gequetscht.
Auf der Platine löte ich nun wieder alle Teile aus die ich erneuern möchte. Ob man denn wirklich die Widerstände der Spannungsregelung gegen Dale Typen tauschen muß? Man hört das. Eindeutig. Und wenn man das einmal gehört hat will man das auch so haben.

Kenwood L07 M II

Kenwood L07 M II

Diese Platine ist übrigens sehr gut erhalten. Lediglich ein Auge einer Masseverbindung leicht ausgefranst. Leider gibt es auch ganz andere Fälle

Bis später

Richard


[Beitrag von Broesel02 am 07. Feb 2018, 10:39 bearbeitet]
Lennart777
Inventar
#134 erstellt: 07. Feb 2018, 12:53
Welche TO-3-Transistoren verwendest Du denn als Ersatz, Richard?

Grüße
Lennart
Broesel02
Inventar
#135 erstellt: 07. Feb 2018, 15:02
Hallo Lennart,
das mit den Ersatztreibern ist schon etwas besonderes:
Ich hatte vom Chinamann meines Vetrauens, "Jack", zwei mal Ersatz bestellt. Das waren zwar nachbauten aber sie haben alle funktioniert oder funktionieren heute noch. Aber nun waren die 6 Sets aus und ich habe 5 neue Sets bestellt, also 30 und 30. Neulich habe ich die ersten aus der neuen Lieferung eingebaut, alles eingestellt, vier Stunden laufen lassen. Gut.
Mein Freund hat die Endstufe dann zu Hause eingeschaltet und ein Sylvesterfeuerwerk bekommen
Merde!
Ich habe aber mal bei einem Kauf von drei L-07 M II eine größere Menge ST2121/ST5949 mitbekommen. Die sehen zwar auch nicht original aus aber sie verhalten sich wie originale ST Typen. Mit diesen Transistoren gibt es ohne Last bei dem 10 kHz Rechteck ganz leichte Überschwinger. Sobald man einen 8 Ohm Lastwiderstand anschliesst sind die aber weg. Alternativ kann man den C19; 12pF auf 18 pF hochsetzten. Damit verschiebt man die obere Grenzfrequenz im Bode Diagramm ganz leicht in Richtung langsamer. Hören kann ich den Unterschied nicht.
Ich habe nun die Lieferung bei meinem Chinesen reklamiert und er schickt mir neue. Leider muß ich die dann wohl testen, ich weiss noch nicht wie
Aus diversen Schäden übrig geblieben sind noch 3 X NEC 2SA1007A und einen NEC 2SC2337A.

Als nächste Alternative wollte ich die Sanken 2SC2837 mit 2SA1186 einsetzen. Die haben die gleichen relevanten elektrischen Werte im TO-3P Gehäuse. Daher man muß entweder den Ausschnitt im Kühlkörper etwas nacharbeiten oder den Transistor oben links und rechts von der Schraubenbohrung etwas abfeilen. Das geht aber ich habe das noch nicht zu Ende gemacht. Solange ich noch funktionierende TO-3 Typen habe verkneife ich mir das.

Das sind meine aktuellen Möglichkeiten
Poetry2me
Inventar
#136 erstellt: 07. Feb 2018, 23:17
Spannende Frage: Wie kann man TO-3P Transistoren in diese TO-3 Ausfräsungen einsetzen?

Deine Idee, einfach die Ecken anzufeilen finde ich prima
Uwe_1965
Inventar
#137 erstellt: 08. Feb 2018, 11:37
Ich mußte nur bei den MJL3281/1302 im TO-264 Gehäuse mal ne Ecke abfeilen, weil es knapp war.
Dafür waren dann die 2SA1386/2SC3519 im TO-3PN Gehäuse etwas kleiner und passten sehr gut, bei mir waren sie aber was für ein Glück einzeln und nicht so dicht aneinander gedrägt, siehe Bild

Bild Endtransen

Die Füßchen musste ich etwas rund feilen , war schon müßig genug und das Collektorbeinchen in der Mitte vorbiegen.

Gruß Uwe
Broesel02
Inventar
#138 erstellt: 08. Feb 2018, 19:49
Ich bin ja noch ein Bild mit den Snubbern mit Dämpfung schuldig:

Kenwood L07 MII

Kenwood L07 MII

Als Widerstand habe ich einen 39,2 Ohm Dale CMF 60 Typ genommen. Es sollte eine Wert zwischen 33 und 47 Ohm sein.
Auf der Rückseite wie immer je ein 3,3 uF/150V Polyesterkondensator als Shunt zu den großen Siebelkos
Da wird die Spannungsregelung für die Spannungsverstärkung neu bestückt. Den OPA tunlichst NICHT tauschen denn er ist verdreht eingesetzt. Das Beinchen 1 ist um 3 Positionen genenüber dem Standard versetzt. Wenn man einen neuen OPA einsetzen möchte muß man also mit kleinen Verlängerungsdrähtchen arbeiten,- das ist alles Mist!
Das Einstellpoti kann bleiben, damit hatte ich noch nie Probleme. Aber bitte unbedingt die Zenerdiode D7 erneuern. Ich habe es nun in der letzten Zeit dreimal erlebt das sie defekt war. Zweimal habe ich das beim Einstellen bemerkt und die Diode getauscht. Einmal ist sie im Betrieb verstorben. Bei der Untersuchung des Schadens fiel natürlich zuerst der verkohlte Arbeitswiderstand für den dritten Differenzverstärker auf, ein 100 Ohm Widerstand.

Kenwood L07 MII

Vermutlich hat die Diode hochfrequente Schwingungen beim Versterben abgegeben die einen Transistor im dritten Differenzverstärker in den Tod gerissen hat. Dann ist zu viel Strom geflossen und der Widerstand ist verstorben.
Leider war der Kollateralschaden erheblich:
Der dritte Differenzverstärker mit den gezeigten Widerstände waren defekt
Die Treiberstufe für die Endtreiber war durch
Fünf der sechs Endtreiber waren durch
Die Emitterwiderstände waren durch
Der Arbeitswiderstand für die Treiberstufe war hochohmig geworden
Der Kondensator zwischen den Ansteuerungen war defekt
Zwei von vier Transistoren der Strombegrenzung waren durch.
Kleine Ursache, große Wirkung. Also lieber mitwechseln

Und noch etwas kann man machen: Wenn man in den Schaltplan schaut stellt man fest daß das Schutzrelais 2 X 2 Kontakte hintereinandergeschaltet hat. Das kann man natürlich auf 4 Kontakte parallel umbauen. Aber
Damit akzeptiert man die Gefahr das das Relais im Schadensfall zusammenschweisst und nicht mehr trennt. Das habe ich auch schon erlebt. Hier muß also jeder selber entscheiden.
So jetzt werden noch 6 neue 10 Ohm Ansteuerwiderstände für die Endtreiber eingelötet und 6 neue Emitterwiderstände. Hier nehme ich inzwischen sehr gerne die Dale CPF Typen mit 3 Watt. Die Änderung dieser Widerstände ist deutlich positiv hörbar.

Kenwood L07 MII

Und nun können wir langsam zusammenbauen. Wenn die beiden Kühlkörperhälften wieder zusammenkommen kann man ein wenig Wärmeleitpaste zur besseren thermischen Kopplung auf die gemeinsamen Kontaktflächen geben. Und für die Isolierung der TO-3 Gehäuse nehme ich Silikonpads damit hier die Schweinerei mit der Paste mal ein Ende hat

Kenwood L07 MII

Kenwood L07 MII

Kenwood L07 MII

Ich habe noch zusätzlich an jedem Anschluss der TO-3 Transistoren einen kleinen 0,33 uF/250V PP Kondensator eingelötet. Auch das ist deutlich positiv hörbar.

Kenwood L07 MII

Die STV-4H Diode auch mit ein ganz klein wenig Wärmeleitpaste einsetzten, die Messinghülse bitte ÜBER die Diode damit die thermische Kopplung besser wird. Bei der Montage der Transistoren diese Schraube erst OHNE Diode fest anziehen, wieder lösen und nun mit der Diode nur ganz leicht anziehen damit die Diode nicht bricht. Diese Dioden gibt es nicht mehr!!
Und wenn sie doch bricht? Dann haben die Besitzer dieser Endstufe Glück im Unglück, es sind nämlich noch zwei Dioden „an Bord“
Dazu nächstes mal mehr

Richard


[Beitrag von Broesel02 am 08. Feb 2018, 22:14 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#139 erstellt: 09. Feb 2018, 22:02
So,
heute ist fast nichts passiert und am Wochenende verlasse ich als Karnevalsflüchtiger und gebürtiges Nordlicht das Rheinland. Ich werde mir in Lübeck bei meinem Cellobauer ein neu Stimme ins Cello stzen lassen. Rein analoges Tuning so zu sagen.
Ich wollte aber vorher noch etwas zu den berüchtigten STV-4H Dioden sagen:
In der Kenwood Endstufe sitzen sie zur Ruhestromregelung auf einem der TO-3 Transistoren. Dort werden sie je nach Zustand der Endstufe manchmal sehr heiß. Das führt zu sichtbaren Brüchen aber auch zu veränderten Kennlinien, die Dioden bekommen nach meiner Beobachtung durch Alterung eine flachere Kennlinie. Und wenn man den Transistor mit der Diodenschraube zu fest anzieht brechen die Dioden auch.
Was tun? Es gibt die Dinger wirklich nicht mehr. Im audiokarma- Forum hat der User Echowars mal eine ganze Versuchsreihe gestartet welche Diodenkombination denn eine in etwa ähnlich Kennlinie erzeugt. Wer da Bedarf hat findet das mit Frau Google sicherlich.
Aber in der L-07 M II sind noch zwei STV-4H Dioden in der Übersteuerungsbegrenzung (De9/De10) eingebaut. In dieser Funktion ist die Temeperaturkennlinie unwichtig, es barucht nur den Spannungsabfall der Diodenstrecke. Daher kann man dort eine Diode auslöten und gegen 3 X 1N 4148 tauschen.
Die so gewonnene STV 4H Diode ist in der Kennlinie etwas steiler als die originalen,- vielleicht sind aber auch alle originalen die ich bisher angetroffen habe bereits verschlissen.
Egal wie: Man bekommt so wieder eine gut funktionierende Ruhestromdiode!
Ich habe das nun bereits dreimal mit Erfolg gemacht. Es funktioniert sehr gut.

Richard
Broesel02
Inventar
#140 erstellt: 14. Feb 2018, 00:45
Ich habe weiter oben ja gesagt wir kommen noch mal auf das Gehäuseteil auf der Rückseite der Endstufe zurück. Irgendwann hat ein Freund mich mal angesprochen daß er gerne Kaltgerätebuchsen an seiner Endstufe hätte. Ich habe leichtsinnigerweise zugesagt das einzubauen. Inzwischen rüste ich die L-07 M II Monoblöcke immer mit Kaltgerätebuchsen aus weil es gerade bei diesen Endstufen einfach unglaublich praktisch ist. Der Nachteil: Es ist ein furchtbare Arbeit, ich hasse es noch mehr als die dicken Elkos auszulöten. Das soll schon was heissen.
Außerdem kann man diese Arbeit nicht in der Werkstatt machen in der die Endstufe steht. Es entstehen beim Feilen oder Sägen feine Eisenspäne die auf keinen Fall in die Endstufe dürfen. Denn dort gibt es sonst unkontrollierbare Kurzschlüsse und Feuerwerke mit zum Teil erheblichen Schäden.
Also: Was soll an der Rückseite alles geschehen. Es sollen neue Lautsprecherklemmen montiert werden in die man auch Bananas stecken kann. Die Eingangsbuchse soll erneuert werden und ein Kaltgerätestecker soll montiert werden. Dazu nehme ich den hinteren Gehäuseteil auseinander, fertige eine passende Öffnung für den Kaltgerätestecker an und montiere neue LS Anschlussbuchsen und eine neue RCA Buchse.
Hier nun ein Zwischenstand:

20180213_131342_Richtone(HDR)

20180213_143723_Richtone(HDR)

20180213_143735_Richtone(HDR)

man kann sehen das eine Befestigungsschraube für die Spannungsumstellung und die Kaltgerätebuchse gleichzeitig ist. In die Kabeldurchführung stecke ich ein Stück Gummi oder eine kleine Kabelschlinge und setzte sie wieder ein damit die Bohrung verschlossen ist. Das blaue kleine Kabel ist ein Thel Kabel für Innenverkabelung.

So, jetzt können wir also zu Ende montieren.

Ich nehme nach der Revision die Endstufe erst einal ohne die Spannungsverstärkungsplatine in Betrieb. Dann kann man in Ruhe schauen obe die Spannungsregelung für die Spannungsverstärkung richtig funktioniert und die geforderten 60 Volt einstellen.
Ich setze für alle Kondensatoren die hier beteiligt sind 100 Volt Typen ein. Es passiert leider manchmal das die Spannungsregelung versagt. Warum auch immer. Dann liegen 80 bis 90 Volt an der Spannungsverstärkung an. Dabei gehen dann alle 63 Volt Kondensatoren in den Himmel und der Kollateralschaden ist erheblich. Mit 100 Volt Typen passiert das eben nicht und irgendwann merkt man ja das etwas nicht stimmt und kann dann einschreiten und wieder reparieren. Die Transistoren der Spannungsverstärkung halten die rund 90 Volt lange durch.
Wenn die Spannungen einreguliert sind stecke ich die Spannungsverstärkungsplatine ein, stelle den Offset ein und schaue nach dem Ruhestrom. In diesem Fall war es nun so das sich der Ruhestrom nicht einstellen ließ. Nach kurzer Suche habe ich festellen müssen daß das neue 100 Ohm Spindelpoti festhängt, egal wohin man dreht. Also noch mal wechseln und schon kann man den Ruhestrom einstellen.
Die Ruhestromfindung ist bei diesen Endstufen ein besonderes Thema. Ich mache das nun inzwischen so:
Ein Kurzschlusstecker auf den Eingang
Ein Voltmeter um den Ruhestrom einzustellen und während der Einstellung eventuell nachzustellen.
Ein Voltmeter für den Ruhestrom. Der fängt kalt bei 3 - 4 mV an und steigt dann in einer Zeit von 1 bis zwei Stunden an auf den Endwert. Der Endwert ist erreicht wenn der Ruhestrom sichtbar wieder heruntergeht. Ich stelle so ein das der Ruhestrom in der Werkstatt nicht über 16.5 mV geht. Die 25 mV aus dem Service Manual sind zu hoch und bringen klanglich nach meinen Erfahrungen keinen klanglichen Vorteil mehr. Das gefährdet nur unnötig die nicht mehr erhältlichen Endstufentransistoren. Unter 12 mV klingt es schlechter, das hört man auch. Das bedeutet aber auch das die Endstufe erst nach etwa einer Stunde Betriebszeit richtig gut tönt.

Um einen kleinen Wärmestau in der Endstufe während dieser langen Einregelphase zu forcieren habe ich in dem folgenden Bild eine Styroporplatte vor die wärmeabgebenden Teile gestellt:

Kenwood L-07

Wenn alles eingestellt ist kann man den Kabelverhau mit Kabelbindern etwas bändigen und dann die Kiste zuschrauben. Ich fette übrigens alle Blechschrauben bei diesen Oldtimern immer ein wenig damit die Gewinde nicht so schnell kaputt gehen.

Kenwood L-07

Hörtest? Später. Zum einen ist die zweite Endstufe im Moment noch nicht fertig. Außerdem werden wir in unserer kleinen L-07 Community gemeinsam hören und wenn von dort das Urteil feststeht gebe ich das gerne hier weiter.

Richard
Broesel02
Inventar
#141 erstellt: 18. Feb 2018, 21:10
So,
heute haben wir mal zu dritt Hörtest gemacht. Am Start waren meine Stax Endstufen, die neu überarbeiteten Kenwood L-07 M II und eine L-07 M II in der Ausführung mit der ich vor den Stax Endstufen gehört habe.

Der Unterschied ist zwischen den beiden Ausführungen der Kenwood L-07 MII ist erstaunlich deutlich hörbar. Das haben wir so deutlich nicht erwartet.
Mehr Dynamik, mehr Natürlichkeit bei Stimmen und akustischen Instrumenten, man hat beim hören auch die Illusion eines größeren Raumes.
Der Unterschied zwischen der Stax Endstufe und der Kenwood L-07 M II:
Die Stax Endstufe hat im Bassbereich die Nase eindeutig vorn. 4 X 39.000 uF statt 2 X 22.000 uF Netzteilkapaziät und vier statt drei Endtreiber Pärchen sind einfach Fakten die auch akustisch zählen. Aber ab dem oberen Mittenbereich wendet sich das Blatt, hier hat die Kenwood die Nase vorn. Bessere Differenzierung, bessere Unterscheidung der Instrumente bei großen Orchesterwerken und auch eine natürlichere Stimmwidergabe. Es sind aber wirklich nur Nuancen.
Und noch ein Wort zu dem was ich da tue
Ich trete in diesem Fall nicht an um diese Geräte zu reparieren. Wenn ich das machen wollte wäre ich mit viel weniger Aufwand fertig, die Endstufe spielt und gut ist. Dann braucht man auch kein Bauteile tauschen die im Moment noch funktionieren und so weiter und so weiter.
Ich möchte aber mehr. Ich möchte mit diesen Endstufe mich auch mit neuen aktuellen und hochwertigen Endstufen messen können, ich möchte hochwertig Musik hören können. Und ich möchte die Zuverlässigkeit eines Neugerätes.
Und das bedeutet eben auch das ich alle Widerstände tausche, alle Zenerdioden ersetze, alle Transistoren nachmesse und zum Teil ersetze, das alle Relais erneuert werden und so weiter und so weiter.
Ich bin auf alle Fälle mit dem Ergebnis dieser Revision sehr zufrieden. Und ein Gerät in dieser Qualität könnte ich mir neu nicht leisten.

Richard
Poetry2me
Inventar
#142 erstellt: 18. Feb 2018, 23:50
Lieber Richard,

das Ergebnis Deiner neuen verbesserten Überarbeitung habe ich heute bei Dir hören dürfen.

Es ist einfach überwältigend gut!

Räumlichkeit, Natürlichkeit und Dynamik in allen Lagen haben deutlich zugenommen.
Die zusätzlichen Überarbeitungsschritte muss ich bei meinen eigenen L-07M II definitiv genauso nachvollziehen.



Broesel02 schrieb:
Und noch ein Wort zu dem was ich da tue
Ich trete in diesem Fall nicht an, um diese Geräte zu reparieren. Wenn ich das machen wollte, wäre ich mit viel weniger Aufwand fertig, die Endstufe spielt und gut ist. Dann braucht man auch keine Bauteile tauschen die im Moment noch funktionieren und so weiter und so weiter.
Ich möchte aber mehr. Ich möchte mit diesen Endstufe mich auch mit neuen aktuellen und hochwertigen Endstufen messen können, ich möchte hochwertig Musik hören können. Und ich möchte die Zuverlässigkeit eines Neugerätes.
Und das bedeutet eben auch das ich alle Widerstände tausche, alle Zenerdioden ersetze, alle Transistoren nachmesse und zum Teil ersetze, das alle Relais erneuert werden und so weiter und so weiter.
Ich bin auf alle Fälle mit dem Ergebnis dieser Revision sehr zufrieden. Und ein Gerät in dieser Qualität könnte ich mir neu nicht leisten.


Danke, dass Du das hier noch mal deutlich schriebst. Ich denk, dass es Vielen so geht, die sich Klassiker zulegen: Man will damit nicht nur Geräte für die Vitrine und wenn's geht "irgendwie" hören können. Nein, so ein Gerät soll gut sein, am besten so gut, dass es uns erspart, fünfstellige oder sogar sechsstellige Beträge zu investieren in unsere Kette.

Mit den Kenwood L-07M II in Richards Ausbaustufe ist man in Sachen Endstufe dort angekommen. Über Hörvergleiche bei Händlern, HiFi-Tagen und Messen kann man entspannt lächeln. Weiß man doch, dass es fast nichts mehr gibt, das noch näher an die perfekte Illusion herankommt.

Was es aber bedeutet, dieses Ziel zu erreichen, das hat Richard uns hier in diesem Thread gezeigt. Nicht im letzten Detail, aber viele der wichtigen Punkte hat er andiskutiert, einiges gezeigt, manches nicht ausführen können, weil es den Rahmen sprengt. Man braucht Geduld und muss sich mit technologischen und praktischen Dingen auseinandersetzen. Muss man ein Elektrotechniker sein? Nein, das denke ich nicht. Aber man wird sich gelegentlich in die Materie einarbeiten müssen, falls man einmal nicht weiterkommt. Ich habe schon einige Forumskollegen kennengelernt, die das können und auch erfolgreich ein Projekt wie dieses für sich umgesetzt haben.

- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 18. Feb 2018, 23:55 bearbeitet]
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