AKG K601 vs. Beyerdynamic T 70

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hansmayer
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 11. Okt 2011, 17:04
Hallo,
nachdem ich schon einige Reviews hier gelesen habe will ich mich auch mal versuchen.
In diesem Post werde ich die KH AKG K601 und Beyerdynamic T 70 mit meinen subjektiven Eindrücken miteinander vergleichen.

Preis:
Preislich liegen die beiden Kopfhörer laut Liste bei 250 € ( AKG )bzw. 450 € (Beyer). So gesehen beides keine Schnäppchen, auch wenn man sie in manchen Internetschops neu „schon“ für 140 € (AKG) bzw. 400 € (Beyer) ergattern kann. Der Preisunterschied liegt zwischen den beiden Kandidaten also bei ca. 260 €.
Somit kann hier der AKG eindeutig punkten.

Verarbeitung:
Der AKG lässt hier keine offensichtlichen Mängel erkennen. Die Nähte im Leder sind sauber, Metallelemente sind an den Kanten abgeschliffen, Polster sitzen fest. Rundum ist die Verarbeitung also so, wie man sie bei einem guten Produkt erwartet.
Fraglich ist nun ob der Beyer dort mithalten kann, was man angesichts des höheren Preises erwarten würde.
Der Beyer sieht auf den ersten Blick gut aus. Sobald man ihn jedoch in der Hand hält und ihn sich genauer ansieht fallen einige Dinge auf. Die Metalle sind nicht abgeschliffen und haben somit noch relativ scharfe Kanten, die Polsterhalterung sieht nach einmaligen abmachen schon ein wenig ausgeleiert aus, unter dem Polster verstecken sich kleine Dellen im Metall und die gesamte Konstruktion wirkt etwas klapprig, (was aber auch täuschen kann). Der Rest ist auf Augenhöhe mit dem AKG.
Folglich enttäuscht der Beyer trotz des höheren Preises auf gesamter Linie im Vergleich zum AKG.

Komfort:
Hierzu muss gesagt werden, dass ich einen relativ großen Kopf bzw. Ohren habe und meine Eindrücke somit von anderen abweichen können.

Der AKG wiegt insgesamt laut Herstellerangabe 235 g und somit ca. 95 g (fast 1/3) weniger als der Beyer (330g). Dies macht sich auf dem Kopf sehr bemerkbar. Auch nach längerem Hören stellt sich bei dem Beyer im Gegensatz zum AKG leider nie ganz das Gefühl ein, dass man keinen KH mehr auf dem Kopf hat. Dies wird zwar auch durch die geschlossene Bauart begünstigt, da doch ein erheblicher Teil der Umweltgeräusche gedämpft wird, was eben nicht dem natürlichen Hören entspricht, jedoch trägt das Gewicht auch seinen Teil dazu bei. Desweiteren bietet der Beyer einen höheren Anpressdruck als der AKG, da die Polsterung jedoch relativ klein ausgefallen ist drückt der Höhrer nach einiger Zeit unangenehm auf das Knorpelgewebe des Ohrs, was nach längerer Zeit sehr unangenehm wird. Diese ganzen Faktoren verhindern in der Endsumme ein unangestrengtes längeres Hören mit dem Beyer. Der AKG ermöglicht durch seine fast 1/3 leichtere Bauweise, den größeren Polstern und den geringeren Anpressdruck einen angenehmeren Tragekomfort des Beyers im Vergleich zum AKG. Die beiden Kopfbänder der KH sind im Komfort vergleichbar.
Auch in dieser Disziplin gewinnt wieder eindeutig der AKG.

Klang:
Nun einige Worte zur wichtigsten aber auch subjektivsten Eigenschaft eines KH, dem Klang. Da jeder eine andere Klangcharakteristik bevorzugt, ist es natürlich äußerst schwer bzw. unmöglich hier definitive Aussagen zu machen. Ich werde dennoch versuchen anhand von einigen Teststücken verschiedener Genres die Vor- und Nachteile des jeweiligen KHs aufzuzeigen.

1. Beethoven – Egmont Op. 84 - Herbert von Karajan
Der Beyer gibt genauso wie der AKG alle Details sehr gut wieder. Die Streicher genauso wie die Bläser bekommen jedoch im Beyer mehr Druck und klingen im Vergleich zum AKG wesentlich aggressiver. Der AKG spielt hingegen mit einer gewissen Leichtigkeit, die der Beyer nicht im Stande ist zu bieten. Mir gefällt hier der AKG besser, da er das gesamte Orchester homogener darstellt und dadurch einen ausgewogeneren Klang bekommt. Der Beyer geht mir hier mit einer etwas zu aggressiver Weise heran, was sich bemerkbar macht, dass das lauteste Instrument zusehr in den Vordergrund gestellt wird. Es handelt sich jedoch lediglich um kleine Unterschiede und somit ist der Beyer hier dem AKG sehr dicht auf den Fersen.

2. Rick Ross – Maybach Music 2
Hier spielt der Beyer seine Tugenden besser aus. Der Bass ist präzise und tief, übertönt dabei jedoch nicht die Hintergrundinstrumente wie bspw. das Saxophon. Es ist genau die Richtige Menge im richtigen Moment vorhanden. Der AKG klingt eher zurückhaltend und schafft es im Vergleich nicht eine so mitreißende Bühne aufzubauen. Die einzelnen Instrumente werden zwar differenziert dargestellt jedoch fehlt einfach der gewisse Punch und Tiefgang im Bass um die einzelnen Elemente des Liedes gekonnt miteinander zu verbinden. Somit hält der Beyer hier den AKG weit auf Abstand und man Merkt warum er teurer war.

3. B’z – Koi Gokoro
Hier versteht es der AKG gewohnt detailreich aufzuspielen. Gleich am Anfang fällt hier einem ein Perkussioninstrument auf, welches beim Beyer nicht so in den Vordergrund tritt. Dies wird homogener mit den restlichen Instrumenten harmonisiert. Hier gerät dem AKG sein eher analytisches Vorgehen zum Nachteil, da dies an dieser Stelle einfach nicht so gut klingt. Weiter klingt die Stimme des Sängers und auch die Gitarre und Begleitung im Vergleich blechernd und sehr angestrengt. Der Beyer weiß hier auf ganzer Linie zu überzeugen und lässt den AKG wieder eindeutig hinter sich.

4. Taro Iwashiro - Red Cliff
Der AKG legt sehr detailliert vor, jedoch vermisst man eine gewisse Tiefe die zum Mitreißen erforderlich ist. Auch hier profitiert der Beyer von seinen Basseigenschaften. Allerdings geraten an dieser Stelle einige anderen Details zusehr in den Hintergrund, da der Beyer das lauteste Instrument am stärksten in den Vordergrund stellt und die kleinen Triller der anderen Instrumente nur bei genauerem Hinhören erkannt werden können. Hier liegt ein Unentschieden zwischen dem AKG und dem Beyer. Dem AKG fehlt der Punch im Bass, stellt jedoch nichts so betont in den Raum, sodass man ein Detail des Ganzen überhört. Dem Beyer gelingt der Punch im Bass besser, jedoch fehlt an einigen Stellen die gewisse Aufmerksamkeit bzw- Detailtreue für Nebeninstrumente.

5. Joe Hisaishi – Live in Budokan
Der AKG vermag es leider nicht den Druck des Orchesters und des Chors in seiner Gesamtheit rüberzubringen. Er klingt zwar weiterhin detailreich jedoch fehlt das gewisse Etwas um den Klang zu etwas besonderem zu machen. Der Beyer bietet hier eine bessere Leistung. Die Aufführungen klingen gewaltiger bei einem ähnlich guten Detailreichtum. Auch pegelmäßig lässt der Beyer den AKG hinter sich. Der AKG fängt leider schon bei etwas kräftigeren Pegeln an zu verzerren, was beim Beyer nicht der Fall ist. Somit gewinnt auch hier der Beyer.

Fazit:
Der AKG ist für einen erträglichen Preis zu haben und bietet eine gute Leistung. Die Verarbeitung ist ohne Makel genauso wie der Komfort. Der Klang ist detailreich und sauber, jedoch vermisst man eine gewisse Spritzigkeit, die der Beyer im Vergleich bei einem ähnlich guten Detailreichtum mit sich bringt. Klanglich liegt der Beyer klar vor dem AKG, jedoch macht er verarbeitungstechnisch und gerade im Bereich des Komforts keinen guten Eindruck. Diese beiden Positionen entsprechen beim Beyer einfach nicht dem Standard der gehoben Klasse. Für mich gewinnt somit der AKG, trotz des für mich schlechteren Klanges, da er einfach komfortabler ist. Wenn man 3-4 Stunden am Tag einen KH trägt dann ist dies ein sehr Wichtiger Faktor. Zumal man sagen muss, dass der Klangunterschied zwar da ist, dieser sich jedoch in Grenzen hält und es somit sehr fraglich ist, ob einem dies 260 € mehr wert ist. Dies muss jedoch jeder selber entscheiden. Bekanntlich zahlt man ja für ein wenig mehr Leistung exponentiell mehr Geld.

Sehr Positiv finde ich jedoch, dass Beyer mit dem T 70 versucht hat die Lücke zwischen 200 € und 1000 € KHern zu schließen. Dies sollten m.E. andere Firmen auch bald machen bzw. wie ich gelesen habe ist dies auch schon in Planung.

Ich hoffe euch hat der Beitrag gefallen und etwaige Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen.

MfG


[Beitrag von hansmayer am 12. Okt 2011, 20:00 bearbeitet]
Gl0rfindel
Stammgast
#2 erstellt: 11. Okt 2011, 19:00
Dass jemand einen AKG bequemer findet als einen Beyer, hab ich noch nie gehört. Sachen gibt's.

Aber ein schöner Vergleich. Wie bist du genau auf diese Probanden gekommen?

lg
Gian
hansmayer
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 11. Okt 2011, 19:45
Das mit dem Komfort hängt ja auch sehr davon ab wer ihn trägt, wie ich ja auch schon geschrieben hab . Die meisten werden wohl weniger Probleme haben, da sie kleiner sind.

Ich wollte einfach mal den Beyer ausprobieren und hab ihn mir bestellt, da er mir vielversprechend erschien.
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