AKG K271 Studio vs Beyerdynamic DT770 80Ohm

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ruebyi
Stammgast
#1 erstellt: 07. Mai 2011, 22:04
Hallo zusammen!

Ich wage mich mal an mein erstes "echtes" Review.

Die Ausgangslage:
2005 habe ich mir zu meinem E-Piano auf Empfehlung von thomann meine ersten "echten" Kopfhörer geleistet. die AKG K271 Studio.

Vor wenigen Wochen war ich mit einem Kumpel mal wieder bei thomann. Er wollte sich ein E-Piano holen und bat um meinen Rat bezüglich des E-Pianos und der zugehörigen Kopfhörer.
Preisklasse war relativ schnell klar: ca.150€ - geschlossen und auch MP3 Player tauglich. Nach einem wirklich nur sehr kurzen Probehören hat er sich für den DT770 Pro entschieden (Zur Auswahl stand noch der K271 MKII). Nun konnte ich mir den Hörer für dieses Wochenende ausleihen um ihn mal auf Herz und Nieren mit meinem AKG zu vergleichen.
Meinen AKG habe ich seit dem letzten thomann Besuch mit DT770 Polstern ausgestattet und diese auch abgeklebt, sodass der Vergleich hier auf folgendes hinauslaufen wird:
DT770 Pro 80Ohm vs. AKG K271 Studio standard Pads vs. AKG K271 Studio + Beyer 770 Pads geklebt.

Kurz zu mir und meiner Vorgeschichte in Sachen hören (ich denke das ist nicht unwichtig)
Ich bin Musikstudent. Studiere Klassische Trompete und SchulMusik, was dazu führt, dass ich von Klassik über Jazz hin zu Musical, Pop und auch Punk alles schon mal gespielt oder gesungen habe. Ich war bei uns an der Hochschule für 2 Jahre Technikhiwi und habe Laienmäßig meine Komilitonen oder auch mal Profs bei Gesangsprüfungen, Jazzsessions oder Konzerten etc. abgemischt.
Außer den AKGs höre ich regelmäßig mit den Shure SE110, SE215 und seit neuesten mit den SE530. Die Klipsch sind zwar auch hin und wieder auf dem Kopf, aber mehr als Spaßkopfhörer für unterwegs.


Haptik, Optik und Verarbeitung:

Die DT770 Pro sehen sowas von stabil aus, dass ich wirklich begeistert war. Das Hartplastik wirkt unverwüstlich und scheint für die Ewigkeit gemacht worden zu sein. Das einzige was mich stört sind die Kabel die von den Ohrmuscheln zum Kopfband führen… Ich habe da irgendwie Angst, dass ich an denn mal hängen bleibe und die ruiniere. Das Kabel des DT770 Pro ist nicht austauschbar, wirkt aber wahnsinnig robust.
AKG K271 Studio: Naja, immerhin schon 6 Jahre im Einsatz und mittlerweile sind an 2 Stellen kleine Risse im Plastikgehäuse erkennbar. Die beeinträchtigen bisher aber nicht die Funktion, sodass ich davon ausgehe, dass er noch ein paar Jahre seinen Dienst tun wird! Die Abschaltautomatik und das Kopfband wirken im ersten Moment wackelig, sind aber super verarbeitet. Das Kabel ist austauschbar, was mir schon zu Gute kam, da ich einmal über das Kabel gestolpert bin als diese noch im E-Piano steckte. Danach war der Stecker hinüber…
Insgesamt macht der Beyer hier eine bessere Figur, wenn ich persönlich das austauschbare Kabel vermisse.

Sitz/Komfort:
Hier geben sich die beiden nicht viel. Der Beyer sitzt vielleicht etwas straffer auf dem Kopf, wird allerdings nicht unbequem. Der AKG ist mit den Standard Kunstlederpads nicht ganz so komfortabel wie der Beyer, aber spätestens mit den Beyerpads ändert sich das

Der Klang – Es geht ans Eingemachte:
Test Lieder:
Jurassic Park: Journey to the island
Bilder einer Ausstellung: Tor von Kiew – Karajan mit Berliner Philharmoniker
Poe – Pech und Schwefel: Schlag ein
Tanz der Vampire: Die Unstillbare Gier
Love never dies: Devil take the hindmost (Quartett)
Eric Clapton Unplugged: Tears in heaven
Wise Guys: Jeden Samstag Live im Capitol (von DVD)
Regina Spektor: Buildings

Die Lieder spiegeln einfach meinen persönlichen Musikgeschmack wieder. Ich habe versucht jeweils Stücke aus den Genres zu wählen die mir bestimmte Dinge aufzeigen und die ich relativ gut kenne.
Dazu wurde auch mit den Kophörern ein paar Runden Counterstrike Source gezockt.

Beyer DT770 Pro:
Erster Eindruck: WOW was kommt denn da an?
Insgesamt ist der DT770 Pro mit einem kräftigen Bass gesegnet und einem guten Wirkungsgrad ausgestattet. Sie gehen im Vergleich lauter als meine AKG, welche „nur“ 55Ohm haben.

Der Bass ist kräftig und geht tief. Er spielt sich schon mal gerne in den Vordergrund und lässt tiefe Männerstimmen voluminöser klingen als sie es vielleicht sind. Manchmal überdeckt der Bass auch die tieferen Männerstimmen etwas. Dabei bleibt er aber detailliert und matscht nicht. Kicks und Basedrums werden aber nicht so trocken wiedergegeben wie ich es mir gerne wünschen würde. Einige würden ihn wohl langsam nennen. Im Vergleich zu den SE530 meine ich zu hören, dass er nicht so tiefer wie der Shure geht.

Die Mitten haben es etwas schwer. Insgesamt unauffällig werden bekommen sie starke konkurrenz aus dem Bass. Hohe Männerstimmen und Frauenstimmen wirken aber insgesamt natürlich. Klavier, Gitarre etc. werden ebenfalls sehr natürlich dargestellt.

Die Höhen machen ihren Job gut. Durch die leichte Anhebung scheinen sie den etwas zu dominaten Bass entgegen wirken zu wollen. Trompeten und hohe Streicher profitieren recht gut davon, da sie dadurch ein kleines bisschen mehr Brillanz bekommen.

Bei vielstimmigen Sachen fällt auf, dass man die Instrumente und stimmen zwar orten kann, jedoch die einzelnen Stimmen und Instrumente etwas ineinander fließen. Sie sind nicht ganz sauber getrennt, was zu einem großen Klangteppich führt, der jedoch (noch?) kein Brei ist.
Spaß hat mir der DT770 Pro besonders beim Zocken gemacht, da Explosionen etc. richtig druckvoll rüber kommen. Auch Musik kann man prima damit hören und ich kann mir vorstellen, dass er den Geschmack vieler Leute trifft.


Der AKG K271 mit standard Kunstleder Pads:
Direkt danach kam der AKG seit 2 Monaten mal wieder mit den Kunstleder Polstern auf den Kopf.
Erster Eindruck: Bass wo bist du? Hallo Mitten!

Fangen wir wieder unten an: Der Bass ist am AKG vorhanden, mehr aber auch nicht. Er geht mindestens genauso tief wie der Beyer, fällt aber stark ab. Dabei ist er aber immer exakt und trocken. Logischerweise spielt er sich auch nicht in den Vordergrund, verschluckt nichts, dichtet nichts dazu.

Die Mitten sind Wahnsinnig präsent. Stimmen klingen voll, natürlich und kommen immer über die Musik drüber. Ich finde hier wirklich nichts zu meckern. Gitarren und Klavier klingen für mich sehr angenehm und natürlich, ohne das Volumen des Beyers zu erreichen. Alles klingt „schlanker“ und vielleicht deshalb für mich etwas natürlicher noch als beim Beyer.

Die Höhen sind nicht so hervorgehoben wie beim DT770. Sie halten sich eher etwas zurück, sodass der AKG etwas weniger Brillant klingt.

Auffällig ist, dass der AKG die Instrumente besser voneinander trennt und sauberer in den Raum stellt. Es entsteht kein Klangteppich, sondern man kann einzelne Stimmen und Instrumente besser orten. Die Bühne empfinde ich als eher klein.

Der AKG hat mit den Kunstleder Pads mehr Spaß gemacht als ich zunächst vermutet hatte nachdem ich von den Beyerpads zurück bin, doch dazu gleich mehr. Beim Zocken ist er nicht so druckvoll, lässt jedoch ein besseres Raumgefühl zu als der Beyer. Bei Klassik und Musik mit vielen Stimmen sehe ich ebenfalls den AKG vorne, da mir die gute Ortbarkeit der Stimmen einfach wichtig ist.

AKG K271 Studio mit DT770 Pro Polstern – abgeklebt!
Erster Eindruck: Viel bequemer! SO muss da sein!

Jetzt hat auch ein AKG Bass und zwar einen der tief kommt und trocken ist ohne die Auflösung und Präzesion des Shure SE530 zu erreichen.

Die Mitten bleiben spitze

Die Höhen sind ein ganz kleines bisschen stärker als mit den Kunstlederpads, sorgen aber für einen kräftigen Schub in der Brillanz.

Ich meine durch die Pads noch mehr Details zu hören. Dabei bleibt die Ortung erhalten. Die Bühne könnte ein kleines bisschen größer sein als mit den Kunstlederpads, das kann aber auch Einbildung sein.

Die neuen Pads sind ein echter Gewinn für den AKG und lassen mich Fragen was ein geschlossener Hörer noch besser machen soll… Fakt ist: mit den Pads macht der AKG alles besser als ohne. Er schlägt die Brücke zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit.

Fazit:
Der Beyer kann sehr viel Spaß machen. Gerade beim Zocken und Film schauen mag ich die Abstimmung. Mir persönlich ist jedoch die Menge an Details die mir der AKG im Vergleich zum Beyer liefert wichtiger und bringt mir mehr Spaß.
Das wichtigste Fazit für mich: Ein Wechsel von meinem AKG K271 mit den Beyerpads zum DT770 käme auf keinen Fall in Frage!

Ich hoffe das Review kann dem ein oder anderen helfen, da ja die AKG K271 MKII identisch mit den K271 Studio sein sollen.

So, jetzt könnt ihr mich, meine Meinung und meine Holzohren auseinander nehmen Bei Fragen etc.: Immer raus damit!
Blechdackel
Inventar
#2 erstellt: 08. Mai 2011, 09:34
Es ist immer gut mal Beurteilungen zu lesen, die von Leuten kommen, die praktisch und beruflich mit Musik zu tun haben.

Ich habe zu den getesteten KH die jeweils offenen Pendants und in anderer zeitlicher und technischer Ausführung.
DT 990 Pro(600 Ohm) der offene Gegenpart zum DT 770 Pro
K 240 Sextett, ein neuwertiges Exemplar des Urmodell aller 240/242.

Einen DT 770 habe ich noch nie testen können(genauso wie einen DT 880), in einen K 172 HD habe ich kurz reinhören können.

Jetzt nur mal der theoretische Fernvergleich von meinem DT 990 zum DT 770.
Das Sprialkabel finde ich nicht schlecht, ich kann mich von meiner Anlage/Sitzplatz ein Stück weg bewegen, aber möchte es da auch nicht übertreiben. mIt dem DT 990 traue ich mich auch mal flach auf den Boden hinzulegen.
Ich würde schätzen der DT 990 ist geringfügig gemäßigter als ein DT 770.
Das ineinanderfliessen von Stimmen und Instrumenten kann bei sehr komplexen Aufnahmesituationen schon sein.
Ich kenne persönlich aber keinen KH der das perfekt beherrscht.

Aber vielleicht ist hier eine offene Konstruktion noch leicht im Vorteil?

Positiv ist dass die Natürlichkeit insgesamt stimmt, was Stimmen und die genannten Instrumente betrifft.
Bumm und Zisch, ist das keineswegs, der DT 990 klingt dann grundsätzlich doch etwas relaxt um dann immer wieder im Höhenbereich zu brillieren, ohne zu nerven.
Was den Wirkungsgrad betrifft kann ich dies ebenfalls bestätigen. Ein idealer KH(990 und 770) zum leise Hören.
Vielleicht war das auch ein Argument für die Abstimmung, da Pro bedeutet, auch eine Studio-Verwendung zu ermöglichen.
Wobei man ja auch gelernt hat, dass "Pro" und "Studio" nicht automatisch superneutral bedeutet und garantiert.

Wie verhält es sich mit Sibilanten, meine These ist bisher, wenn diese schon von der Aufnahme her nicht sauber produziert sind, dann sind es gerade die DT 990/DT 770 die das entlarvend herausstellen. Es ist oft nicht mal einem KH anzulasten, wenn es zischelt, welchen man auch immer benutzt.

Der offene K 240 könnte sich schon mit dem DT 990 messen, was Raum betrifft, habe ich noch nicht bewusst gegeneinander getestet.

Für den DT 990 Pro werde ich wieder die schwarzen Velourpolster kaufen und den K 240(jedoch kein Bedarf da noch neue wenig benutzte Polster) kann ich mir ohne Lederpolster nicht vorstellen und gerade in diesem Dall hier gilt für mich das Originalitätsgebot.
ezek1el92
Schaut ab und zu mal vorbei
#3 erstellt: 20. Mrz 2012, 14:59
Servus,
Ich bin auf der Suche nach einem neuen Kopfhörer:
einerseits zum Zuhause ein bisschen abmischen, andererseits zum unterwegs Musik hören. (da ich sowieso fast immer nen Rucksack dabei habe spielt die Größe keine Rolle)

Gestern kam ich dann in den Genuss DT770 Pro 250 Ohm, DT880 Pro250 Ohm und den AKG 271 mk2 HD direkt miteinander zu vergleichen.

Dabei muss ich sagen war der DT880 vom Klang etwas linearer und hat nicht so die Bässe betont wie der DT770. Der AKG 271 hat mir deutlich besser gefallen vom Tragekomfort und ich konnte ihn auch etwas lauter an meinem ipod testen aufgrund der 55 Ohm. Klanglich ging er mehr in die DT880 richtung.
Alle KH's habe ich mit den dazugelieferten Velourspads gehört

Leider konnte ich die Beyerdynamic KH ich nicht als 80 Ohm Versionen ausprobieren - der Verkäufer meinte, dass die 80 Ohm Versionen vom Klang ganz anders ausfallen.
Da mir der AKG 271 sehr gut gefallen hat und du ihn direkt mit dem DT770 80 Ohm testen konntest hätte ich zwei Fragen:
Welchen schätzt du für den täglichen gebrauch robuster ein und ist die 80Ohm version an einem portablen Player ähnlich laut wie der AKG 271?

vielen Dank im Voraus und für den Review
Gruß ezek
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