Sennheiser RS 180

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Klyner
Stammgast
#1 erstellt: 11. Feb 2014, 22:11
Zum abrunden meines Portofolios habe ich eine Forenregel gebrochen - ich habe einen kabellosen Kopfhörer erworben.

Für den bewussten Musikgenuss bin ich ausreichend ausgestattet, allerdings kann man so Interviews beim kochen, essen oder beim aufstehen in der ganzen Wohnung hören - oder Musik.

Meine erstern Erfahrungen mit Kopfhörern begannen vor langer Zeit mit analogen Funkkopfhörern. Die Mischung aus einem blechernen Klang, einem penetranten Grundrauschen und ständig war der Akku leer.... ich konnte hier im Forum die Kritik an kabellosen Kopfhörern absolut nachvollziehen. Die Übertragung erfolgte mit Infrarot - erforderte also Sichtkontakt zum Sender.

Moderne Funkkopfhörer arbeiten mit Funk (welcher je nach Bausubstanz durch 1 - 2 Wände geht) und übertragen digital. Durch Fehlerkorrekturmechanismen kann der übertragene Datenstrom vollständig rekonstruiert werden. Bei zu großen Übertragungsfehlern bricht der Datenstrom einfach ab - der Kopfhörer ist plötzlich still. Ansonsten ist der Hörer völlig rauschfrei.

Ansonsten... ein digitales Signal wird in ein analoges Signal konvertiert, an einen mobilen Kopfhörer weitergereicht welcher durch einen hohen Wirkungsgrad akkuschonend ist. Es passiert also eigentlich nichts anderes, als würde man mit einem Smartphone auf eine Musik über WLAN streamt und dann mit einem kabelgebunden Kopfhörer hört - wobei ein richtiger Funkkopfhörer eventuell ein besseres Echtzeitverhalten aufweist (nicht ausprobiert).

Warum sollte in Funkkopfhörer schlechter sein als ein kabelgebundener Hörer an einem MP3-Player? Nachfolgend mein Test...

Haptik

Playmobilplastik und eine sehr leichte Sendestation die man bei jedem Tastendruck unabsichtlich verschiebt... für einen Preis von ca 200 Euro kann man mehr erwarten. Ein Philips X1 ist in der Preisklasse deutlich schöner zu befingern. Immerhin wirken die Velourpolster hochwertig.

Tragekonfort

Der Kopfhörer ist recht leicht, das fehlende Kabel ist gerade bei Filmen sehr praktisch. Volle Punktzahl.

Bedienung und Handhabung

Viel Licht und viel Schatten. Wenn man den Hörer auf die Sendestation legt wird er automatisch aufgeladen, der Akku hält anschließend mehr als 10 Stunden durch (normale Akkus auf dem Supermarkt werden verwendet, wenn die Akkus irgendwann an Kapazität verlieren kann preiswerter Ersatz besorgt werden). Sendestation und Kopfhörer müssen seperat angeschaltet werden und brauchen wenige Sekunden um sich zu finden.

An den Kopfhörern sind Tasten für die Lautstärkereglung.

Die Sendestation kann problemlos an einem Kopfhörerausgang eines beliebigen Geräts oder an Chinc angeschlossen werden - Kabel liegen bei.

Alle kritischen Punkte scheint Sennheiser mit Bravour gelöst zu haben - der Hörer ist im Alltag sehr leicht zu bedienen.

Aber ausgerechnet an der einfachsten Stelle hat Sennheiser es versägt. Die Tasten für lauter und leiser liegen rechts und links vom Ausschalten-Knopf. Die Tasten lassen sich kaum durch tasten erkennen. Das der Kopfhörer zusätlich in direkter Nähe noch Balance-Regler hat macht es nicht besser. Weshalb Sennheiser die Tasten sinnvoller plazieren konnte ist mir ein Rätsel.

Klang

Garnicht mal so schlecht. In der Preisklasse habe ich einen HD 595 mit Kabel vom gleichen Hersteller mit einem KHV zur Verfügung. Die Abstimmung des RS 180 ist laut Frequenzgang-Messungen im Steroplay Sonderheft leicht anders, wer bereits Modelle von Sennheiser in der Preisklasse kennt wird aber nicht völlig überrascht von dem Klangeindruck sein.

Der HD 595 klingt minimal freier und etwas weniger bedeckt, evtl. eine Nuance heller. Beim direkten Wechsel fällt der Unterschied durchaus auf. Bei Musik fällt der Unterschied stärker auf als bei Filmen.

Bei leisen Passagen löst der HD 595 etwas besser auf, die Trennung zwischen den Instrumenten ist etwas besser. Es sind keine Welten, aber im Direktvergleich liegt der 595 bei mir vorne. Wenn man einige Minuten hört, vergisst man irgendwann welches Modell man gerade aufhat.

An geschlossenen Hörern habe ich noch einen B&W P5 zur Verfügung, diesen würde ich hinter dem RS 180 sehen.

Beim Vergleich mit größeren Kalibern (Stax, K812, HD 650...) fällt der RS 180 dann schon deutlich stärker zurück - allerdings trift das auch auf die finanzielle Belastung zu. Für einen fairen Vergleich sollte man da schon eher den RS 220 nehmen - welchen ich leider nicht zur Verfügung habe.


Fazit

Generell über kabelllose Hörer zu schimpfen erscheint mir überholt. Musikgenuss ist prinzipiell auch ohne Kabel möglich.

Wirklich ausgereift erscheinen mir die aktuellen Hörer jedoch nur bedingt. Wirkungsgrad-starke Magnetostaten mit niedrigen Verzerrungswerten könnten mit Filtern in den Ohrmuscheln und angepassten Verstärkern für beliebig perfekte Frequenzgänge sorgen - analog zu der Chassisentzerrung bei Aktivlautsprechern. Bei Kopförern müsste man nichtmal das Abstrahlverhalten berücksichtigen. Kombiniert mit modernen haptisch ansprechenden Materialien und evtl. einer guten Surroundsimulation incl. Headtracking könnten Funkkopfhörer mit dem aktuellen Stand der Technik vermutlich sogar Spitzenmodelle wie einen K812 angreifen - welcher mir einem winzigen Ipod Touch mit WLAN schon jetzt zu einem Funkkopfhörer gemacht werden könnte.

Durch unlogisch angeordnete Tasten und mittelprächtige Haptik dürften anspruchsvolle Kunden in der Preisklase derzeit eher zu einem 880 von Beyer greifen.

Ich bin gespannt, ob in den nächsten Jahren die ersten richtigen High-End Funkkopfhörer auf dem Markt erscheinen werden. Ein Umbauset mit portablen KHV und Digitalfunk für einen HD 800 oder einen Audeze zu bauen sollte nicht schwer fallen, dazu dann aber über einen kleinen Equalizer den Frequenzgang zu entzerren könnte den Herstellern deutlich größere Spielräume bei der Entwicklung verschaffen....

Wer derzeit nach einem Funkkopfhörer sucht, kann sein Glück durchaus mit dem RS 180 versuchen. Man merkt zwar deutlich, dass da noch mehr möglich wäre, ohne Kabel in der Wohnung rumzulaufen und trotzdem in hoher Qualität Musik zu genießen hat definitv seinen Reiz.

Für die richtigen Freaks würde ich bei der aktuellen Auswahl auf dem Markt jedoch weiterhin auf KHV und Kabelhörer als Haupthörer setzen.
Stan-S
Stammgast
#2 erstellt: 12. Feb 2014, 09:26
Ich habe mich vor Kurzem auch mal genauer mit dem Thema der Funk-Kopfhörer auseinandergesetzt.

Deine Eindrücke zum RS180 kann ich zu großen Teilen unterschreiben. Der Akku hält lang, die Übertragung läuft problemlos und der Comfort ist auch ziemlich gut.

Mir hat der Klang allerdings nicht besonders zugesagt. Ich stehe generell nicht so auf den leicht verhangenen Sennheiserklang. Den bietet dieser Hörer allerdings reichlich. Dazu kommt noch, dass ich ihn irgendwie als sehr auflösungsschwach empfand. Ich hatte beim Hören stets so ein leicht unscharfes Gefühl, obwohl die Details eigentlich zu hören waren, wirkten sie gleichzeitig irgendwie weit weg.

Mir persönlich war der Klang der RS180 für den geforderten Preis nicht gut genug.

Beinahe hätte ich auch nach diesem Modell aufgegeben, allerdings habe ich dann doch noch eine gute Alternative entdeckt.

Der Philips SHD 9210 verwendet die selbe ÜBertragungstechnik, klingt aber deutlich besser.

Zunächst klingt er im Gegensatz zum Sennheiser wie ein richtiger Kopfhörer. Dieses seltsame Gefühl von Distanz, dass mir der RS180 vermittelte, verschwindet mit dem Philips fast völlig. Die Auflösung und insbesondere die Ortbarkeit der Instrumente sind nicht schlecht. Finde ihn von der Auflösung her ein wenig besser als einen CAL. Die Bühne ist sogar deutlich besser. Der Philips ist offfen und das hört man auch.

Extreme Anhebungen in den Höhen und Mitten höre ich nicht heraus. Scheint im Großen und Ganzen eine recht lineare Angelegenheit zu sein. Der Bass ist leicht angehoben, dröhnt aber kaum.

Der Philips ist außerdem mein erster Hörer, der eine Surround-Simulation mitbringt. Gerade für Filme ist das durchaus eine schöne Alternative. Es wird tatsächlich ein kleiner Raum aufgebaut, der aber das Gefühl von räumlicher Tiefe ziemlich gut vermittelt. Atmosphärische Geräusche und Musik spielen in diesem Modus nun deutlich hinter den Stimmen.

Die Verarbeitung scheint zwar sauber, aber die Materialien sind nicht so meins. Besonders das Plastik der Ohrmuschelaufhängungen macht einen ziemlich billigen Eindruck. Außerdem habe ich ein leichtes Rauschen in der linken Ohrmuschel, was ich allerdings nur höre, wenn keine Musik läuft. Für mich ist das sogar ein ganz guter Indikator, da ich wegen der Sehbehinderung die Lichter des KH nicht erkennen kann. So weiß ich immer, wann er eingeschaltet ist.

Lade ich den HÖrer allerdings länger nicht auf und lasse ihn liegen, entleert sich zwar der Akku nicht, allerdings kommt es beim Wiedereinschalten manchmal nach einigen Minuten zum Aussetzen des HÖrers. Hier hilft dann nur ein Entnehmen der Batterien um ihn wieder fit zu kriegen. Das geht recht schnell, ist aber lästig. Daher bleibt er die meiste Zeit auf seiner Ladestation, wo ich ihn sowieso am Besten aufgehoben finde.
Klyner
Stammgast
#3 erstellt: 12. Feb 2014, 18:01
Das der RS 180 ein typischer Sennheiser incl. "Sennheiserteppich" ist will ich garnicht bestreiten. Ich sehe diese "Schwäche" jedoch eher als Abstimmungsfrage. Den zuständigen Entwicklern hat der Sound so wohl am besteh gefallen. Und mir gefällt er eigentlich auch

Den Philips habe ich leider nicht hören können. Die Surround Simulation kenne ich nicht... aber bisherige Simulationen haben mich nicht überzeugen können. Einzig die X-Fi Soundkarten von Creative fand ich wirklich gut. Das Headzone von Beyer habe ich nur einige Minuten hören können, vom Hocker gehauen hat es mich damals nicht - ich würde den Kontakt mit dem Headzone aber gerne eines Tages unter ruhigeren Bedingungen auffrischen.

Sennheiser hat mit dem Momumentum endlich einen Kopfhörer geschaffen welcher in punkto Haptik mit einem DT 880 oder einem B&W P5 mithalten kann - mit einer durchaus individuellen Optik. Möglicherweise stellt Sennheiser bei der Entwiclung eines Nachfolgers für den RS 180 ja ähnliche Ansprrüche an die Entwickler. Die Preise sind ja hoch genug...
Stan-S
Stammgast
#4 erstellt: 14. Feb 2014, 18:13
Der Nachfolger des Rs180 müsste ja der Rs220 sein. Den konnte ich leider noch nicht hören.

Ich nehme mal aber eher nicht an, dass man sich im Bereich der Funkkopfhörer irgendwie mit dem Design des Momentum beschäftigen wird. Generell scheint mir aber auch die Spanne zwischen den Neuerscheinungen bei dieser Art von Kh etwas länger zu sein, als bei den gewöhnlichen Modellen.

Beim Rs180 war für mich nicht nur der Sennheiserschleier ein Problem. Ich hatte zusetzlich irgendwie die ganze Zeit so ein komisches Gefühl beim Hören. Die Details waren zwar da, aber irgendwie seltsam ungenau in der Ortung. Das klang einfach irgendwie verkehrt.
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