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Nachbau EMT 948 RIAA Entzerrer

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Autor
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davidA77
Neuling
#1 erstellt: 19. Sep 2012, 20:32
Hallu zusammen,

lese hier öfters mal mit, hab mich aber grad erst registriert.
Kurz: Ich bin der David, 31, Kaufmann, Wohnhaft nähe München
Den Elektronik- und HiFi Virus hab ich seit meiner Kindheit.
Angefangen hat alles mit einer Bruns Plattenfräse Ende der 80er und dem Grundig TK140 meiner Mutter. Seitdem hat mich Platte und Tonband nicht mehr losgelassen, heute sind die Maschinchen etwas Erwachsener geworden, u.a. ein Dual 1219 und 2x Telefunken M12B.
Zu alledem steht mir auch ein umfangreich ausgestattetes Hobbyelektronik "Labor" zur Verfügung.

Seit einiger Zeit hab ich darüber nachgegrübelt ob es nicht sinnvoller wäre den Entzerrervorverstärker direkt im Plattenspieler zu integrieren. Ich denke ein Vorteil liegt auf der Hand: Kurze Signalwege vom Tonabnehmer zum Verstärker. Da kann den kleinen Signälchen doch viel weniger passieren .
Bei der engültigen Lösung hab ich mich dann auch an den großen EMT Laufwerken 938 und 948 orientiert, soweit, dass ich sogar deren RIAA Entzerrerschaltung nachgebaut habe.

Die EMT Schaltung hat einige Punkte die mir gefallen: aktive Entzerrung, Hoch- und Tiefpassfilter und einen symmetrischen Ausgang mit Studionormpegel.
Für meine Zwecke waren ein paar Änderungen notwendig: Der ganze Muting Krempel flog raus, der symmetrische Ausgang wurde elektronisch realisiert und die 741er OPV's sind nun auch nicht mehr wirklich zeitgemäß. Als OPV's werkeln nun je Kanal 2x NE5532, 2xLM4562 - die sind gut und waren grad in der Bastelkiste verfügbar.
Zusätzlich verfügt mein Nachbau auch noch über normale unsymmetrische Line Ausgänge.

Die aktive Entzerrung gefolgt von Hoch- und Tiefpass entsprechen der EMT Schaltung, danach kommt noch eine Pufferstufe (NE5532) mit einstellbarem Gain (ca. 1-5fach) um das Signal auf den gewünschten Pegel zu heben. Der asymmetrische Ausgang ist direkt hier über 100Ohm + Koppel-C abgegriffen, mit 0,775V Ausgangsspannung. Darauf folgt sie elektronische Symmetrierung und der Ausgang auf XLR, hier 1,55V.
Die Ausgangsspannungen beziehen sich auf eine 1kHz Aufnahme auf einer RCA Messplatte mit 0dB Pegel (HiFi Test Direktschnitt, Ullstein).
Zur Stromversorgung dient ein simples 10VA Netzteil mit RC Filtern gefolgt von LM317/337. Da hab ich keinen zu großen Aufwand getrieben.

Manch einer wird bei dem Aufwand einwenden, dass er sich für einen Reibradrumpler mit uraltem Standard DM101M-G System nicht lohnt und das möchte ich auch gar nicht bestreiten, aber das Basteln hat Spaß gemacht und das Ergebnis ist durchaus hörenswert.

Der 1219 vor dem Umbau.
Dual 1219 in Eigenbauzarge

Mein EMT Nachbau auf Lochraster, eine Europakarte voll feinster Standardbauteile.
EMT RIAA Nachbau

Hier eingebaut in die Zarge, die empfindliche Seite der Karte steckt in einem Schirmgehäuse. Brummen ist so nicht mehr vorhanden.
EMT 948 RIAA Nachbau in Eigenbauzarge

Und nun ist's Zeit zum Lauschen .
Dual 1219 in Eigenbauzarge


Vielleicht dient dieser Bericht ja dem einen oder anderen als Anregung.
Für Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich immer offen, aber bitte kein Voodoo

Schönen Abend,
David
8erberg
Inventar
#2 erstellt: 20. Sep 2012, 05:35
Hallo,

die ollen Dual-"Reibradrumpler" wurden damals in den USA als die leisesten Dreher gefeiert (trotz japanischer Direktantriebskonkurrenz)...

Ein sehr schöner Eigenbau, da kommt man echt ans Grübeln, vor allen Dingen der symmetrische Ausgang ist was Feines, statt den Kabelkomikern zu huldigen sollten evtl. die Goldohren mal lieber das in Betracht ziehen.

Peter
kinodehemm
Inventar
#3 erstellt: 20. Sep 2012, 06:41
Moin

"No one would have believed in the last years of the 20th century, that some years later people are going to push an 1219 to haient " Jeff Wayne



Schöne Sache- würde mir für meinen L78 auch gefallen- aber mittlerweile kann ich alles unter 4q nur noch mit Lupe löten


[Beitrag von kinodehemm am 20. Sep 2012, 06:43 bearbeitet]
akem
Inventar
#4 erstellt: 20. Sep 2012, 06:56
Der olle Reibradrumpler würde heute neu wahrscheinlich so um die 3000 Euro kosten... Wenn's langt. Und den antiken Tonabnehmer kann man ja auch wechseln und was zeitgemäßeres installieren. Vielleicht gibt es für das 101er ja auch bessere Nadeln von Jico zu kaufen??

Gruß
Andreas
maddin2
Stammgast
#5 erstellt: 20. Sep 2012, 08:08
Der 1219 gehört zum besten, was Dual jemals gebaut hat. Ist das Reibrad ok, rumpelt da nur eines: Die LP selbst als das schwächste Glied der Kette. Im direkten Systemvergleich kommt er mit aktuellen Geräten der 2000€-Klasse ohne Weiteres mit.
Das DM 101 (=Shure M 91) ist ein gutes System. Mit einer Originalnadel ("Shure Hi-TRack", N 91 ED oder GD) klingt es ganz hervorragend. Jico hat eine SAS dafür im Programm. Wenn mans braucht...
Der 1219 kann aber nahezu "alle" gängigen Systeme. Auch ein Grado Reference Platinum z.B. führt er sauber und klanglich traumhaft.
PS: Spartipp: Der 1218 ist keinen Deut schlechter, hat aber nicht das Image des 1219 und wird daher im Web verramscht. Der billigste Weg zu einem Spitzengerät...
Bepone
Inventar
#6 erstellt: 20. Sep 2012, 10:34
Hallo David,

erstmal herzlich willkommen im Forum!

Das Projekt ist eine prima Idee und sehr schön umgesetzt. Klasse Einstand!

Und passend dazu: Dual. Sagen dir Dual TVV etwas? Die waren nämlich dafür gedacht, direkt in der Plattenspielerzarge zu sitzen und mit dem Plattenspieler ein- und ausgeschaltet zu werden.


Gruß
Benjamin
ratfink
Hat sich gelöscht
#7 erstellt: 20. Sep 2012, 16:55
Hallo, sieht gut aus, würde ich gerne mal im Vergleich zu meiner originalen eingebauten EMT Karte hören.
grussDIeter
davidA77
Neuling
#8 erstellt: 20. Sep 2012, 19:35
Hallo nochmal,

danke für den freundliche Empfang.

@ratfink:
So'n EMT 948 wär schon auch nochmal mein Ziel. Ich hab einen Hang zu alter deutscher Studiotechnik, das "Hammerschlag" Design find ich super, andere nennen es hässlich . Da merkt man, dass Geld einfach keine Rolle gespielt hat.
Meine Traumanlage besteht aus Sitral Mischpult, EMT Drehern, EMT CD Playern und TFK M15A ;).

@Bepone:
Ja, klar sagen mir die TVV's was. Warum man allgemein darauf verzichtet hat den VV in der Zarge zu platzieren kann ich nicht so ganz nachvollziehen.
Bei meiner Lösung hab ich drauf verzichtet den VV mit dem Plattenspieler zu schalten - das gibt nur unnötiges geploppe auf der Leitung. Die Anlage hat eh einen Hauptschalter und der VV braucht ja kaum Strom.

@maddin2:
Der 1219 ist schon ein feiner Dreher, keine Frage und auch das System ist gut. Ich hab mehrere billig Nachbaunadeln (ASWO & Nadelspezialist) deren Herkunft mir völlig unbekannt ist. U.a. auch eine elliptische und sphärisch geschliffene. Leider keine Originale und die Jico sind mir zu teuer. Mit den Billigheimern bin ich eigentlich auch ganz zufrieden, die Kombination macht mir seit Jahren höllischen Spaß und darum gehts doch, oder?
Mit dem 1219er hab ich ziemlich Glück gehabt, das Reibrad ist weich und geschmeidig wie neu und auch der Steuerpimpel ist 1a in Schuss. Ich hab den Verdacht, dass da mal eine Wartung durchgeführt wurde. Nur die Zarge in der er kam war sowas von grottig, dass er erstmal ein paar Jahre auf dem Schrank stand bis ich 'ne neue gebaut hatte.

@kinodehemm:

Naja, die Lupe brauch ich auch schon häufig. Vorallem mit dem SMD Mist... Gut das bei diesem Projekt alles noch gut handhabbar war.

@8erberg:
Der langfristige Plan ist nach und nach alles auf symmetrisch umzustellen. Die Vorteile fangen ja schon bei den Steckern an, zu Cinch hab ich irgendwie ein gestörtes Verhältnis ;).
pelowski
Inventar
#9 erstellt: 20. Sep 2012, 20:19

davidA77 schrieb:
...Warum man allgemein darauf verzichtet hat den VV in der Zarge zu platzieren kann ich nicht so ganz nachvollziehen...

Hat man überhaupt nicht.

So gut wie alle Plattenspieler der DDR hatten einen eingebauten E-VV.
Nur bei denen, die nach dem Westen exportiert wurden, lies man ihn weg.

Grüße - Manfred
akem
Inventar
#10 erstellt: 21. Sep 2012, 07:08
Ich dachte, die meisten DDR-Dreher hatten ein Keramiksystem, das keinen Vorverstärker braucht? Aber dafür scheußlich klingt...

Gruß
Andreas
pelowski
Inventar
#11 erstellt: 21. Sep 2012, 09:18

akem schrieb:
Ich dachte, die meisten DDR-Dreher hatten ein Keramiksystem, das keinen Vorverstärker braucht? Aber dafür scheußlich klingt...

Hallo,

"die meisten" vielleicht, was die Verkaufszahlen betrifft; weiß ich aber nicht. Dreher mit "scheußlich klingendem" Keramikabtaster
gab es aber im Westen auch.

Jedenfalls gab es schon in den 60er Jahren das MS15/MS16 und später dann MS25/MS27 u. aus der CSSR das VM2103.

Grüße - Manfred
HorstS
Stammgast
#12 erstellt: 21. Sep 2012, 09:49
Willkommen. Das ist ja ein guter Einstand, der 1219.

Der 1219 ist wahrscheinlich der beste Dreher mit Treibraud und Automatik - beides für mich zwingend. Das Rumpeln kommt bei einem gut gewarteten Dreher wirklich eher von der Platte selbst.

Mein 1219 hat eine ähnliche Eigenbau-Zarge aus MPX. Hast Du die Platine auch hart angekoppelt, also ohne Federn aufgeschraubt? Bei mir hat sich das bei verschiedenen Selbstbauzargen absolut bewährt.

Mein getunter 1219

Auch bei meinem 1219 sind die Hohlräume leider sehr groß. Das würde ich heute anders machen, aber es ist viel Arbeit und wird sooo viel auch nicht ändern - also bleibt es erst mal so. Die Zarge hatte ich so vom Vorbesitzer übernommen und nur die Farbe geändert und Tellermate und Gewicht wegen der Optik.

Horst
davidA77
Neuling
#13 erstellt: 22. Sep 2012, 18:00
@Horst:
Nö, meiner schwebt samtig auf seinen Federn wie sich Dual das damals ausgedacht hat. Ich hab das Häuschen ja selbst gezimmert und dachte mir ich lass das so, da mir die Entkoppelung vom Fußboden schon wichtig war.
Den Aufbau so zu gestalten, dass möglichst wenig Leervolumen im inneren bleibt hatte ich anfangs auch überlegt, war mir dann aber ehrlich zu viel Arbeit - weil zuerst ist man ja mal faul, gell ;).
Das Birke MPX bringt aber auch so jede Menge Gewicht auf die Waage - gegenüber der windigen Pressholzbox definitiv eine Verbesserung.

Ich weis nicht ob's dem Reibrad geschuldet ist, aber das Ding macht einfach Spaß. Besonders mag ich die Optik & Haptik der großen Dual Spieler, fast alles ist aus Metall und solide verarbeitet.

David
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