Ich bin angekommen

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joltec
Inventar
#1 erstellt: Gestern, 08:25
Hallo,

vor ca. drei Jahren hatte ich mich dazu entschlossen, nach 35 Jahren Abstinenz, Vinyl eine Chance zu geben.
Gesagt getan und mir einen günstigen Pro-Ject mit internen Phono-Pre bestellt.
Angeschlossen und gelauscht schrecklich - im Vergleich zu CD/Stream keine Dynamik, Mitten und Höhen unterbelichtet etc..
Soll das jetzt die analoge Wunderwelt gewesen sein?

Den Pro-Ject zurückgeschickt und mir einen AT Player gekauft und mit AT-VM95ML aufgerüstet.
Besser aber immer noch nicht zufriedenstellend.
Meinen damaligen Verstärker (Atoll IN 50 SE) mit dem dafür passenden MM-Modul versehen.
Besser aber nach wie vor nicht zufriedenstellend.

Rega Planar 2 angeschafft.
Wieder eine leichte Verbesserung (oder war's Psychoakustik?).
Ehrlich gesagt habe ich auch keine großen Unterschiede zwischen dem serienmäßigen Rega Carbon, welches ja ein umgelabeltes billigst AT System ist, und dem hochgepriesenden AT-VM95ML gehört.

Mittlerweile zog ein Accuphase E-206 Amp ein - dieser kann sowohl MM als auch MC.
Bis dato hatte ich mir bezüglich MC nie wirklich Gedanken gemacht.

Lange Rede kurzer Sinn - ich mir das altehrwürdige Denon DL-110 bestellt, welches mit dem Rega gut harmonieren sollte.

Das Ding eingebaut und vorschriftsmäßig justiert.
Eingeschaltet und gelauscht - alles, was ich bei den vorherigen Setups vermisst habe, insbesondere unterbelichtete Mitten und Höhen, war nun vollständig da.
Das Denon ist ein High-Output und man kann es sowohl über MM als auch MC laufen lassen.
Über MM besser als das AT-VM95ML aber erst über MC wird das volle Potential ausgeschöpft.
Ein weiterer Vorteil ist die höhere Lautstärke und die Unempfindlichkeit gegenüber Störimpulse.

Nun bin ich dort, wo ich ursprünglich hin wollte. Klar geht es wahrscheinlich noch besser aber mir reicht das.

Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass, zumindest meiner bescheidenen Erfahrung nach, MC deutlich überlegen ist,
was aber in den einschlägigen Foren, Youtube etc. kaum kommuniziert wird.


[Beitrag von joltec am 28. Apr 2026, 08:27 bearbeitet]
shabbel
Inventar
#2 erstellt: Gestern, 08:37
Der Weg ist das Ziel.
Zaianagl
Inventar
#3 erstellt: Gestern, 08:41
Yo, da ist ja noch mächtig Luft nach oben...

In meiner Vinyl Zeit hielt ein TA meist nur paar Jahre bis zum erneuten Upgrade. Auch immer nur MC.
Rascas
Inventar
#4 erstellt: Gestern, 09:13
Du sprichst bewusst oder unbewusst einige Probleme an, an denen der normal "Sterbliche" wahrscheinlich brutal scheitern wird und sich wieder von Vinyl verabschieden wird.

Du hast einiges an Geld und Zeit investiert und wusstest in etwa wo "der Hase im Pfeffer" liegt. Als Neuling ist das in der Tat ein schwieriges Unterfangen.

Der Durchschnittspreis für einen neuen (!) Plattenspieler liegt bei etwa 300 Euro. Da muss aber auch schon alles dabei sein.

Dagegen stehen dann neues Vinyl, was qualitativ schwierig sein kann und im Vergleich zum Durchschnittsplattenspieler viel zu teuer ist.

Mit ein bisschen Erfahrung weiss man, dass gebrauchte Schallplatten meist wesentlich günstiger sind und zudem auch noch besser klingen. Das liegt sicher nicht (nur) am digitalen Mastering, was moderne Vinyl zu 99 % durchlaufen. Es macht aus modernen "nur" analoges abspielen von ursprünglich digitalen Daten, was mentale Fragen aufwirft...

Ich glaube, dass es eher an den Hörgewohnheiten liegt. In den 70s/80s wolltte man aus der Schallplatte das Beste herausholen. Heute geht es eher um die Verpackung. Picture-Discs waren früher verpönt, weil sie klanglich als schlechter galten. Heute wird einem das als "Sammlerstück" verkauft. Wenn man moderne Aufnahmen analysiert, fällt auf, dass der Schwerpunkt wohl anders gesetzt ist. Aufnahmen aus den 70s/80s haben meist einen DR Wert über 10. Die neue hochgelobte Foo Fighters hat einen DR Wert von 3 (!!!). Das ist eine musikalische Frechheit! Es passt aber offensichtlich zu aktuellen Hörgewohnheiten. Es geht weniger um Musik. Es geht darum, dem Hörer eine auf die zwölf zu verpassen. Genusshörer bleiben da auf der Strecke.

Das ist dann das Nächste: viele kaufen Schallplatten gar nicht zum hören. Sie sammeln, weil sie erzählt bekommen, dass es sich "lohnt". Die Frage ist: für wen? Klar macht es Spaß, besondere Alben im Regal stehen zu haben. Aber je "wertvoller", desto weniger will man es abnutzen. Und ob es wirklich einen "Wert" darstellt, wage ich zu bezweifeln. Wenn ich mir die Neuveröffentlichungen so anschaue frage ich mich ernsthaft: wer hört das und wer hat Spass daran? Die Hörgewohnheiten bei Vinyl sind heute anders als früher (als es bekanntlich nichts anderes gab. ).

Heute erwarte ich von einer Schallplatte, dass man zumindest 1 Seite gerne durchhört. Und mal ehrlich: welche Alben erfüllen das wirklich? So viele fallen mir dazu gar nicht ein. Eigentlich werden heute keine "Alben" mehr produziert sondern nur noch potenzielle Klicks. Das passt gar nicht zu Vinyl. Deshalb werden wahrscheinlich auch so viele Klassiker neu aufgelegt. Problem dabei: die Originale sind meist preiswert zu bekommen und sind qualitativ oft besser. Und das mit weniger Chi-Chi: früher brauchte es kein 180 gr. Vinyl. Plattenwaschen war was für High-Ender. Den ganzen Aufwand brauchte man nicht und es hat trotzdem funktioniert.

Und Vinyl intensiv hören ist ein einsames Hobby. Vinyl kann man meist eben nur im heimischen Wohn-/Hör-Zimmer hören. Durch den "perfekten" Kopierschutz (den die Branche jahrzehntelang gesucht hat und ausgerechnet in Vinyl wieder gefunden hat) ist die Nutzung arg eingeschränkt. Das passt dann wieder nicht zu dem heute erwarteten "immer und überall".

Wenn man ehrlich ist: es spricht eine Menge gegen Vinyl! Die technischen Hindernisse auf dem Weg zu einer guten Kette (die Du geschildert hast) kommen nur noch oben drauf.

Und trotzdem gibt es diese Momente, die man nicht missen möchte. Der perfekte (Hör-)Abend ist eben durch nichts zu ersetzen. Dabei geht es nach dem 2ten Glas Rotwein gar nicht mehr um den Klang. Es geht um Musik und das Erlebnis. Und das kann Vinyl offensichtlich gut vermitteln. Die Frage ist doch: warum kann ein Streamdienst, eigene digitale Daten oder eine CD das nicht auch? Können sie! Es gehört nur eine entsprechende Nutzung dazu, die sich bei Vinyl automatisch einstellt. "Digital" setzt Disziplin voraus. Sonst skippt man doch nur wieder durch die Musikwelt ohne großen Genuss. Es ist ja so schön einfach.

Ich für meinen Teil höre extrem wenig Vinyl, obwohl ich es könnte: in meinem Keller lagert meine komplette Vinyl-Sammlung, die ich seit den 70s angefangen habe und um 2000 "beendet" habe. Meine Musikdaten sind mir viel wichtiger, weil ich da viel mehr mit anfangen kann.

Einem Neuling würde ich einen Streamdienst á la Qobuz empfehlen und verschiedene Arten des Hörens "beibringen". Eine solide musikalische Grundausbildung ist durch nichts zu ersetzen. Dabei nicht verknöchert nur alte Werte hochzuhalten ist die Kunst. Oder man macht es nur für den eigenen Genuss und da ist alles erlaubt, was einem Spass macht... Und wenn es Vinyl ist...
joltec
Inventar
#5 erstellt: Gestern, 10:25
@Rascas
Ein sehr schöner und insbesondere treffender Kommentar
Vielen Dank dafür.
hpkreipe
Inventar
#6 erstellt: Gestern, 21:00
Hi,

das Thema MC als die bessere Variante sollte grundsätzlich klar sein.

ABER: MM ist eben auch fast immer deutlich anders als CD oder ähnlich hochwertiges Quellmaterial und das anders - so meine Wahrnehmung wird mit analog und besser gleichgesetzt.

Wenn ich mich wirklich zum Musikhören zurückziehe, dann höre ich ein Werk auch komplett durch. Egal ob Platte oder CD, wobei es einem bei den LPs deutlich einfacher gemacht wird. Ich zumindest fahre da fast nie einzelne Titel an.

Zur Qualität der LPs aus den 1980ern und 1990ern, ich finde das verglichen mit den heutigen Pressungen nicht so viel besser oder anders. Die Welligkeit der LPs heute könnte zugenommen haben. Da die aber heutzutage viel häufiger einzeln verschickt werden und dann mit höherer Wahrscheinlichkeit Stress abbekommen, der dann zu einem Verzug führt, ist das je kein Wunder. Und auch früher habe ich eher CDs bestellt als Platten - aus dem Grund, dass es auch schon damals oft verzogene LPs aus dem Versand gab. LPs habe ich immer im Laden aus den Kisten gegriffen und gekauft. War das ausgesuchte Exemplar wellig, was man sich ja vorher ansehen konnte, wurde eben dasselbe Album, daneben aus der Kiste genommen. War die LP ein Geschenk und die war wellig, ging es auch zurück in den Laden und die wurden eben getauscht.

Der Massenmarkt damals hat das ausgeglichen, da damit gerechnet wurde, dass ein deutlicher Prozentsatz eben in den Schrottpresse landete.
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