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Der subjektive Hörtest - nur wie?

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AH.
Inventar
#1 erstellt: 13. Jan 2015, 14:27
Der subjektive Hörtest- nur wie?
Hallo,

Tonaufnahmen werden mit Lautsprechern beurteilt und Lautsprecher mit Tonaufnahmen. Das ist ein Teufelskreis. Was führt aus diesem Teufelskreis: Die wissenschaftliche Erkenntnis um die Hörschwellen aller die Wiedergabequalität beeinflussender Parameter. Die Wissenschaft ist dabei schon lange recht weit vorangekommen, so daß man sich idealerweise wissenschaftlich optimale Hörbedingungen schafft, um Tonaufnahmen ästhetisch zu beurteilen. Das ist aber aufwendig und teuer und wirklich bewohnbar ist das Ergebnisnach dem derzeitigen technischen Stand auch nicht. Eine Hilfe ist das Abhören von Tonaufnahmen draußen, wo der Einfluß von diskreten Reflexionen und Nachhall des Wiedergaberaumes weitgehend entfernt sind. Aber man braucht natürlich einen guten Lautsprecher und die sind äußerst rar.

Viele sind beim Lautsprecherkauf auf subjektive Hörtests angewiesen. Hört man z.B. Jazz, hat man viele Nahaufnahmen, die prinzipbedingt total verärbt klingen. Verfärbende Lautsprecher kann man so kaum identifizieren. Außerdem befinden sich die Phantomschallquellen "wie die Hühner auf der Stange" als ausdehnungslose Mono-Punkte in der Stereobasis. Der naive Hörer rechnet wohl eher mit einem "natürlichen" Klangbild und kauft möglicherweise pseudoräumlich klingende Lautsprecher mit stark gestörtem Abstrahlverhalten (Interferenzen, wie beim "d´Appolito" System) oder pseudoräumlich klingende Kleinlautsprecher, die im Grundtonbereich ein zu geringes Bündelungsmaß haben (Kugelstrahler 0. Ordnung).

Zur subjektiven Beurteilung von Hörbedingungen benötigt man also zunächst "neutrale" Tonaufnahmen. Sehr wertvoll hierfür ist das Sound Quality Assessment Material for Subjective Tests von der European Broadcasting Union. Neben sehr wertvollen synthetischen Testsignalen (Sinus-Gongs, Rauschen) sind hier die meisten Instrumente in einem relativ neutralen Raum von der Nachhallzeit her in einer klein A/B Stellung aufgenommen.

https://tech.ebu.ch/publications/sqamcd

https://tech.ebu.ch/docs/tech/tech3253.pdf

Eine weitere hilfreiche CD ist "my audiophile companion" von Tacet. Bisweilen schreibe ich über Mikronstellungen, z.B. Intensitätstereophonie (M/S, X/Y), Laufzeitstereophonie (klein A/B, groß A/B) oder Äquivalenzstereophonie (ORTF, EBS, recht flexibel). Solche Mikrofonstellungs-Demos befinden sich - leider nur eingeschränkt - auf dieser CD.

https://www.jpc.de/j...anion-I/hnum/7680531

Ich habe Elektroakustik bei Prof. Jörg Sennheiser studiert und habe mich eingehend mit wissenschaftlicher Literatur befaßt, ich will versuchen, mein Wissen und seine Quellen, soweit es geht, zu veröffentlichen. Aber ohne diese beiden CD´s ist man sehr verloren, wenn man nicht in der Lage ist, sich seine Hörbedingungen nach wissenschaftlichen Kriterien zu gestalten oder gestalten zu lassen. Außerdem gilt: Die wissenschaftliche Wahrheit zur Tonwiedergabe hat sich wohl noch nicht bei allen Akustikern durchgesetzt, obwohl sie weitgehend von Lau und Huhn um 1980 in der DDR veröffentlicht wurde.

Eine sehr schöne Ergänzung ist die CD "das Mikrofon", allein wegen einer Aufnahme mit einem Paar Neumann CMV 3, das um 1927 entwickelt wurde. Das klingt etwas verfärbt, aber an sich sehr zufriedenstellend (spielt man die Aufnahme einem unwissenden vor, hält er sie für eine normale moderne Aufnahme). Die Mikrofonentwicklung war schon sehr früh sehr weit. Leider ist sie zur Zeit wohl nur als super Audio CD erhältlich:

https://www.jpc.de/j...rofon-I/hnum/2079864

Auf der CD "my audiophile companion" sind auch sehr niedrig ausgesteuerte Testsignale , mit denen man die Wandlerlinearität von CD-Spielern bei geringen Pegeln hören kann. Dies ist bei sauber entwickelten CD-Spielern der einzige kleine hörbare Unterschied. Und was hat die Publikumspresse vor Jahren daraus gemacht?
Hier ist ein Internet-Beitrag von mir, der die "Fachsprache" der Publikumspresse persifliert. Sie erscheint mir unprofessionell, wie auch die "Fachsprache" in den von mir zitierten Musik-Kritiken von Fono Forum. Zur Verdeutlichung der Problematik habe ich in beiden Fällen dasselbe Mittel gewählt. Echte Kritiken mit eingefügten Hinweisen von mir. Ich will den Artikel im Original bringen, damals war ich eben ca. 15 Jahre jünger und tendierte etwas zu sehr zur Unhöflichkeit:

Zur Verdeutlichung meiner Ausführungen hier ein Hörtest-Bericht, erschienen in Stereo 7/99, S.90. Ein schönes Beispiel für die "Lachsprache", ich habe damals einfach nur den erstbesten
CD-Player-Test (gehörmäßige Beurteilung von CD-Playern in der Presse sind wirklich was gaaaanz feines...) aus dem damals
aktuellen Heft herausgegriffen.

"Wenn man alles richtig gemacht hat -Tracking gain auf A, Fehlerkorrektur auf "Off" (!!!!)- verwöhnt der Klang des Inkasso
durch seine ausgeprägte Geschmeidigkeit (!!!!) und eine Farbintensität (!!!!), die Stimmen und Instrumente wunderbar leuchten
läßt (!!!!). So besitzt der Vortrag des Inkasso eine selten erlebte Emotionalität (!!!!), ja Inbrunst (!!!!). Da dreht sich die Musik
unwiderstehlich ins Gemüt(!!!!), entstehen Assoziationen (!!!!), zu denen andere CD-Spieler einfach nicht anregen. Die
Wiedergabe ist dennoch nicht rustikal-draufgängerisch (!!!!), sondern sensibel (!!!!) und mit beinahe lyrischem Einschlag (!!!!).
Wie der Inkasso feines Orchesterflirren (!!!!) aus der tiefe des Raumes (!!!!) reproduziert, wie er tonale Schattierungen (!!!!)
aufs zarteste (!!!!) nachzeichnet, das hat Klasse. Ebenso seine Fähigkeit zur Vorne/Hinten-Darstellung von Schallereignissen und
deren Abgrenzung. Entsprechende Aufnahmen vorausgesetzt (was für welche eigentlich?), meint man um die Solisten
herumhören zu können (!!!!), so plastisch (!!!!) schält sie der Inkasso aus ihrem Umfeld heraus. Doch das Wichtigste bleibt sein
musikalisches Engagement (!!!!), das den Zuhörer fesselt (!!!!). (.......)
Der Inkasso klingt nicht wie ein CD-Spieler, sondern war in seiner ganzen Art meinem zur Kontrolle mitlaufendem Transrotor
Vision ähnlicher (......).
Zwar wirkten die Klangbilder mancher der genannten hochklassigen Digitalmaschinen noch stämmiger (!!!!), organisierter (!!!!)
und aufgeräumter (!!!!), doch sobald es darum geht, die emotionale Brücke (!!!!) zwischen der Musik und dem Hörer zu
schlagen, hat der Inkasso die Nase vorn.

Was soll der geneigte Leser mit einem derart unqualifizierten und absolut nichtssagenden Geschwafel anfangen? Alle mit (!!!!)
gekennzeichnete Begrifflichkeiten sind vollständig undefiniert oder falsch (was um Himmels willen sind "Orchesterflirren aus der
Tiefe des Raumes" oder "tonale Schattierungen" und warum soll man die Fehlerkorrektur ausschalten?). Darüber kann man
doch nur

a.) Lachen oder
b.) Weinen

Aber der unerfahrene Hörer fängt an, in denselben Kategorien zu denken und verfällt bezüglich der Wiedergabemaschine in eine
Art Animismus, die Musikreproduktionsmaschine quasi als emotional empfindendes Übermusikinstrument. Solange solche
Artikel in der LACHPRESSE stehen, sehe ich keine Alternative zur rückhaltlosen Bekämpfung derartiger Auffassungen, da sie bei Befolgung zu maßlos hohen Geldausgaben und dennoch bescheidener Wiedergabequalität führen.

Liebe Grüße

Andreas
Schäferhund
Stammgast
#2 erstellt: 13. Jan 2015, 16:53
hallo,

ersteinmal danke für den informativen beitrag! ich habe mir mal die dateien heruntergeladen und über meine anlage abgespielt und bin zu dem (subjektiven) ergebnis gekommen, dass die instrumente und vor allem die klassikaufnahmen nicht anders als meine cds und sacds klingen.

demzufolge werde ich alles so lassen wie es ist und mich an der musik erfreuen!

gruß andreas
thewas
Hat sich gelöscht
#3 erstellt: 13. Jan 2015, 17:39
Die EBU CD kannte ich und nutze ich auch selber, die Tacet CDs jedoch noch nicht, von daher danke für den Tipp. Im Netz gibt es übrigens auch kostenlose "leise" WAV Dateien um Wandlerlinearitäten & Co. zu testen oder nach belieben zum selber erstellen, z.B. http://www.rme-audio.de/old/download/audtest.htm und http://www.audiochec...nerator_sinetone.php
Dadof3
Inventar
#4 erstellt: 13. Jan 2015, 23:31
Oh, schöne Anregungen fürs Wochenende! Danke!
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