Kompaktlautsprecherkauf und Hörvergleich zuhause (1.000 Euro bis 2.000 Euro)

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spawnsen
Inventar
#1 erstellt: 26. Mrz 2015, 11:34
Moin,

ich möchte euch an meiner Lautsprecherauswahl teilhaben lassen und habe diesbezüglich einen kleinen Text zu meinem heimischen Probehören verfasst.

Der entsprechende Kaufberatungs-Thread ist hier zu finden. Kurz gefasst geht es um Kompaktlautsprecher im Budgetbereit +/- 1.000 Euro, für eine vergleichbar wandnahe Aufstellung. Mit den Boxen soll hauptsächlich Klassik und allgemein akustische Musik gehört werden.

In meiner Wohnung habe ich die folgenden fünf Boxen direkt miteinander verglichen:

  1. Phonar Veritas M4 Next (UVP 900,-)
  2. Dynaudio Focus 160 (UVP 2.000,-)
    Beide Boxen hatten mir beim Probehören im Laden schon sehr gut gefallen. Der Händler hat sich gegen Kaution und für eine Gebühr von 50,- Euro dazu bereit erklärt, mir die Modelle aus der Vorführung über ein Wochenende auszuleihen, wenn das Geschäft geschlossen hat. Beim Kauf ließe sich der Betrag anrechnen. Nun müssen beide in meinem heimischen Wohnzimmer zeigen, was sie unter diesen Bedienungen leisten können.

  3. KEF LS50 (UVP 1.000,-)
    Die KEF LS50 war eigentlich im Laden durchgefallen. Nun hat sich herausgestellt, dass ein Geschäftskollege die LS50 in seinem Arbeitszimmer stehen hat. Er ist sehr begeistert von ihr und hat mir gleich angeboten, sie mir zum Hören auszuleihen. Sehr edel, danke Max! Die LS50 bekam damit quasi unerwartet eine zweite Chance.

  4. Wharfedale Jade 1 (UVP 800,-)
    Die Jade-Serie wurde mir hier im Forum auf der Grundlage meiner Hörerlebnisse empfohlen, daher wollte ich sie unbedingt anhören. Leider führen im Einzugsgebiet nur sehr wenige Händler überhaupt Wharfedale, und diejenigen die erreichbar gewesen wären, hatten die Jade-Serie nicht da bzw. nicht in der Vorführung. Daher habe ich sie im Netz geordert. Ich habe mich für die Jade 1 entschieden, da ich bei der Jade 3 die Gefahr sah, dass sie mein Wohnzimmer erschlägt (die Box ist wirklich riesig für eine Kompakte). Die Jade 1 hat hingegen moderate Maße und ist zudem geschlossen, weswegen sie wandnah wohl gut spielen sollte (der Hersteller empfiehlt sogar eine wandnahe Aufstellung, chapeau!).

  5. Nubert NuVero 4 (UVP 1.100,-)
    Nubert wirbt recht aktiv damit, dass man sich die Boxen doch einfach „nach Hause“ kommen lassen soll. Nun, also warum nicht. Ich kenne bisher nur die Nubox-Serie, die mich nicht vom Hocker riss (recht „bassig“ und leider auch in Sachen Bass-Qualität bescheiden). Nun ist die NuVero aber die oberste Serie von Nubert; falls sie sich durchsetzen sollte, soll’s mir recht sein: eine schwäbische Box in einem schwäbischen Haushalt, das passt doch.

Nun stehen also mit meinem alten Paar Klipsch sechs Paar Lautsprecher bei mir zuhause im Wohnzimmer und wollen getestet werden, herrlich! (Ja liebe „Eheleute“: als Single geht sowas, haha!) Als Zuspieler fungiert ein Onkyo-CD-Player sowie mein Media-Player; angetrieben werden die Kandidaten von dem nicht sonderlich elaborierten (aber vielleicht trotzdem ausreichenden?) Stereoverstärker Onkyo A-9150.

Musik: (Flac bzw. CD-Qualität)
Shostakovich – Sinfonie Nr. 5 (Barsahi, WDR Sinfonieorchester Köln)
Grieg – Peer Gynt Suiten (Järvi, Göteborger Symphoniker)
Mahler – Sinfonien Nr. 8 und 9 (Solti, Chicago Symphony Orchestra)
Liszt – Pianokonzert Nr. 1 (Argerich, Abbado)
Rachmaninov – Pianokonzert Nr. 2 und Etudes (Kissin, Gergiev, Londoner Symphony Orchestra)
Faun – Licht
Blind Guardian – Beyond the Red Mirror
Eisbrecher - Schock

Höreindruck Phonar Veritas M4 Next

Die Verarbeitung der Phonar ist sehr gut; ich habe sie in Nussbaum hier, das Furnier ist tadellos gearbeitet. Die Box ist recht schwer, und wirkt recht bullig im Vergleich zu den Bildern. Mir gefällt sie aber sehr gut.

Nun zum Klang: Gleich vorweg: In Sachen Neutralität und Natürlichkeit gab es einen relativ eindeutigen Sieger: die Phonar Veritas M4 Next. Die Box schaffte es schlichtweg am ehesten, die Instrumente so abzubilden, wie sie in einem Konzertsaal klingen. Punkt. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, einen Monitorlautsprecher vor mir zu haben; allerdings einen in „gefällig“ und in „warm“. „Warm“ ist hier natürlich relativ, denn ich hatte grundsätzlich den Eindruck, dass die Phonar über den gesamten Frequenzbereich sauber und natürlich spielt. Im Hochton ist sie sehr angenehm und erkauft sich ihre (sehr gute!) Auflösung nicht mit einer Anhebung der entsprechenden Frequenzen.

In der Bühnendarstellung und -staffelung ist die Phonar gut, aber nicht perfekt: Der Klang löst sich nicht ganz so schön von den Lautsprechern wie etwa bei der KEF oder der Dynaudio, die hier ein noch besseres Bühnenbild vermitteln. Liegt aber vielleicht auch an meiner nicht sonderlich weit von der Rückwand entfernten Hörposition, leider. Die Phonar hat sich in Bezug auf die Aufstellung als die größte Diva im Test herausgestellt. Sie spielt zwar auch wandnah grundsätzlich gut, allerdings benötigt sie unbedingt einen vergleichsweise großen Abstand, damit so etwas wie eine imaginäre Bühne zustande kommt. Ich habe mit einem Wandabstand von 70cm das beste Ergebnis erzielt. Die Dynaudio oder die KEF waren hier gefälliger, ich erhielt schon gute Ergebnisse mit 30-40cm Wandabstand. Kann man allerdings auf eine imaginäre Bühne verzichten oder hört Rock oder Pop oder sonst was, spielt sie auch wandnah „dröhnfrei“. Im Bassbereich ist sie knackig, präzise, sauber und hat einen guten Kick. Das macht mit den letzteren Alben meiner Hörliste dann schon wirklich Spaß.

Was man hört ist eigentlich auch gar nicht so wichtig, denn es klingt letztlich alles gut. Die Phonar erlaubt sich einfach keine Schwächen. Allenfalls könnte man ihr unterstellen, dass sie ein bisschen „Emotion“ vermissen lässt. Sie klingt mitunter schon sehr nüchtern und ist vielleicht keine „junge Leute-Box“, um das mal so auszudrücken.

Höreindruck Dynaudio Focus 160


Die KEF wirkt wie ein Stein, die Veritas wie ein „Stein im Holzmantel“. Die Dynaudio ist deutlich leichter, man fragt sich fast, was daran so viel Geld kosten soll. Die Verarbeitung ist allerdings makellos, wahrscheinlich Platz 1 im Test (wobei sich eigentlich keine Box grobe „Patzer“ erlaubte). Ich habe sie in Weiß ausgeliehen, was mir optisch nicht so gut gefällt wie das dunkle Holz der Phonar. Aber zum Glück möchte Dynaudio für ein schönes Furnier ja keinen Aufpreis – wie andere Hersteller.

Ihre Stärke ist die Dynamik: Wunderbar. Sie spielt eindeutig am Tiefsten und ist auch am „Trockensten“ im Bassbereich. Im Hochton löst sie exzellent auf und präsentiert viele Details. Auch sie ist im Hochton sehr angenehm, er klingt einerseits schön „seidig“, hat aber trotzdem die notwendige Brillanz um keine Details zu unterschlagen. Im Vergleich zur Phonar wirkt sie insgesamt lebendiger und spielt mit etwas mehr Emotion, die Phonar ist dafür „knackiger“ und „schneller“.

Die Dynaudio war grundsätzlich auch neutral für meine Ohren, allerdings verfärbte sie tonal doch leicht. Sie ist etwas wärmer als die Phonar, nicht aber so warm wie etwa die KEF. Es ist ungefähr so: Das „Gesamtbild“ eines Orchesters oder eines Musikstück klang bei der Dynaudio besser als bei der Phonar, dafür gefielen mir die einzelnen Instrumente (für sich betrachtet sozusagen) wiederrum bei der Phonar besser (ich hoffe es ist in etwa verständlich, was ich sagen möchte). Letztere klingen einfach natürlich und echter; die Dynaudio macht hier manchmal ihr „eigenes Ding“. Man merkt das witziger Weise erst dann, wenn man im direkten Vergleich (Lautsprecher A/B am Verstärker) umschaltet. Hört man mit der Dynaudio denkt man: Ja, das hört sich neutral an, passt. Wechselt man dann auf die Phonar sagt man sich: Halt, ja, jetzt klingt es richtig! Andersherum ergibt sich dieser Eindruck nicht, spannend.

Ich war überrascht, dass sich die Dynaudio bei der Aufstellung recht genügsam zeigte. Sie spielte eigentlich auch wandnah gut und anders als bei der Phonar oder bei der KEF, musste ich auch bei der Ausrichtung der Box nach außen oder nach innen gar nicht so viel „herumprobieren“. Das beste Ergebnis erhielt ich, wenn sie direkt auf meine Hörposition ausgerichtet ist. Dann spielte sie enorm weiträumig, mit einer exzellenten Abbildung der Bühne, auch in Sachen Tiefenstaffelung. Überhaupt bildete sie ein großes Orchester am besten ab, ohne dabei sezierend zu klingen. Das ist wirklich großes Kino, wenn etwa plötzlich die Trommeln einsetzen, während gleichzeitig Flöten spielen.

Von meinem Verstärker verlangte die Dynaudio am meisten ab; ich musste ihn am weitesten aufdrehen und bei entsprechendem Pegel wurde der Bassbereich „unkontrolliert“ und etwas „matschig“ und die gesamte Abbildung fiel auch irgendwie in sich zusammen. Es klang nicht mehr rund. Das hatte ich so bei keiner anderen Box, auch nicht bei der KEF, welche ja auch recht kräftige Verstärker benötigt und laut Datenblatt auch keinen groß schlechteren Wirkungsgrad aufweist. Naja. Im Bass fand ich die Dynaudio auch sonst nicht ganz so präzise wie die Phonar, was vielleicht auch an meinem Verstärker liegt. Keine Ahnung.

Höreindruck KEF LS50

Beim Auspacken fällt sofort die wirklich exzellente Verarbeitung auf. Die KEF ist ein massiver Brocken, den man mit einem Katapult auf eine Stadtmauer schleudern könnte. Wow! Und sie sieht auf meinen schwarzen Boxenständern absolut „heißt“ aus, fast schon gefährlich und angsteinflößend.

Die KEF klingt für mich raumfüllend, weiträumig, voluminös und angenehm. Sie spielt enorm in die Breite für meine Ohren! Super. Sie ist eher warm abgestimmt, mit einem angenehmen Hochton, den ich allerdings nicht als zurückgesetzt empfinde. Ihre Stärke ist die Raumabbildung. Hier schlägt sie sogar die Dynaudio, was mich überrascht hatte (vielleicht auch ein Ergebnis meines Hörraums, keine Ahnung!) Wirklich exzellent, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe, diese Staffelung. Ich kann problemlos die Augen schließen und sehe das Orchester vor mir; ich kann die einzelnen Instrumente orten und einem Platz zuordnen. Auf der anderen Seite wirkt die Bühne bei der Dynaudio wiederrum irgendwie „natürlicher“; ich habe den Eindruck als wäre die KEF nicht immer ganz ehrlich, keine Ahnung.

Bei der Aufstellung spielte die KEF letztlich immer gut, auch wenn sie von einer akkuraten Positionierung profitierte (das beste Ergebnis erhielt ich, wenn die KEF leicht vom Kopf weg gedreht wird, der Klang steht dann richtig schön im Raum). Der Sweet Spot ist vergleichsweise riesig; man kann auch mal auf dem Sofa hin und her rutschen, ohne dass man den Stereoklang verliert. Sehr gut! Hat man sich eingehört ist die KEF eine Box, bei der Musik einfach „gut“ klingt: Ich konnte bei ihr voll in die Musik „versinken“ und hatte keinerlei Schwierigkeiten, „die Zeit zu vergessen“. Flux war eine Einspielung durch und schon war das nächste Album eingelegt. Die Musik steht im Raum, das Erlebnis: genial.

Besonders schön spielt sie mit Kammermusik, etwa mit Klaviertrios oder mit Streicherquartetten. Stimmen kann sie auch, Gitarren ebenso. Spielt hingegen ein großes Orchester mit entsprechenden Dynamikumfängen hat die KEF aber große Schwierigkeiten. Wo die Phonar oder die Dynaudi, das Orchester insgesamt darstellen und mit den Dynamikumfängen zurechtkamen, fehlt ihr nicht nur der notwendige Tiefgang sondern auch das Volumen für eine gute Abbildung: Das klingt dann flach, irgendwie in sich zusammengefallen und zu wenig voluminös. Ab und zu „krächzt“ oder „schreit“ sie das Orchester heraus, das klingt nicht mehr schön.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die KEF einfach nicht neutral klingt. Sie ist ein Schönfärber mit ausgewogen entspannter und angenehm warmer Abstimmung. Einerseits gefällt mir diese gefällig Ausrichtung (siehe oben), andererseits ließ sie mich manchmal doch die Mundwinkel verziehen, wenn ein Instrument plötzlich etwas anders klingt als man dies vom Konzert oder vom HD 800-Kophörer her kennt. So erhielt etwa ein Becken oder eine große Trommel, die brachial, hart trocken klingen sollten, etwas Körperhaftes und Rundes erhielten, das nicht so richtig passte. Bei direkten Wechsel von der Phonar oder auch von der Dynaudio auf die KEF fällt zudem auf, dass die Bühne nicht so richtig „echt“ wirkt, vielleicht ein bisschen unnatürlich, ich weiß nicht. Klingen tut sie trotzdem einfach gut, würde ich primär Pop und Rock hören, wäre sie vielleicht ganz vorne.

Höreindruck Wharfedale Jade 1

Die Wharfedale Jade ist eine wunderschöne Box. Im Gegensatz zu etwa der KEF wirkt sie überhaupt nicht aufdringlich oder aggressiv. Auf den Ständern montiert wirkt sie sehr schlank, obwohl ihr Volumen eigentlich mit der KEF vergleichbar ist. Alle anderen Boxen sind ohnehin deutlich größer. Die Verarbeitung ist tadellos, die Verpackung und Präsentation der Boxen sehr gut (es waren sogar Handschuhe dabei, ob ich die guten Gewissens behalten kann, wenn ich die Box zurückschicke?).

So unaufdringlich wie die Optik, so unaufdringlich ist auch der Klang der Wharfedale. Tatsächlich scheint es mir so, als wolle die Wharfedale vor allem eines nicht: irgendwie nerven. Der Hochton ist sehr angenehm und ungemein natürlich, Stimmen wirken echt und authentisch. Auch die Wharfedale ist eher warm abgestimmt und insgesamt vergleichsweise schlank. Sie löst sehr gut auf, wobei Details im Musikmaterial nicht auf dem „Silbertablett“ präsentiert werden, sondern „erhört“ werden wollen.

Das Gesamtbild empfinde ich mit der Wharfedale als recht „zurückgesetzt“. Alles wirkt sehr weit entfernt, mit viel Distanz zum Geschehen abgebildet. Leider wird dieses zugleich auch etwas „unemotional“ in den Raum geworfen: Stimmen klingen toll, sind aber nicht richtig präsent; Instrumente werden natürlich wiedergegeben, setzen sich aber nicht richtig ab. Der Klang steht nicht so schön im Raum wie etwa bei der Dynaudio oder bei der KEF! Das „Hörerlebnis“ Musik mag sich bei mir nicht so richtig entwickeln, obwohl die Wharfedale tonal andererseits auch alles richtig macht. Irgendwie komisch.
Mit dem Verstärker musste ich der Wharfedale übrigens ähnlich viel Saft verpassen wie der Dynaudio, allerdings ohne den Effekt, dass die Abbildung in sich zusammenfiel oder unkontrolliert wurde. Ordentlich Dampf scheint die Box aber trotzdem zu benötigen.

Im Bassbereich ist die Wharfendale die schlankste Kandidatin im Test. Mehr noch: sie ist gewissermaßen so schlank wie ein Model nach 30 Tagen Hungerstreik. Es kommt wirklich nicht viel; sie benötigt definitiv die Unterstützung eines Subwoofers, wenn man sie im Stereobetrieb einsetzen möchte. Mit der Dynamik eines Orchesters ist sie dementsprechend schlicht überfordert. Erwartungsgemäß klingt sie etwas voller wenn ich sie näher in Richtung Wand rücke. Die Bühne wird dadurch leider auch etwas gedrückter.

Vielleicht hätte ich es doch mit der Jade 3 probieren sollen?

Höreindruck NuVero 4


Die NuVero 4 ist eine sehr „stylische“ Box, nicht so extravagant wie die KEF vielleicht, aber sie hat das gewisse Etwas. Die Verarbeitung ist ebenfalls sehr gut, auch wenn sie an die Dynaudio oder an die KEF nicht herankommt imho.

Im direkten Vergleich zur weiträumigen KEF, der feinsinnigen Dynaudio, der schüchternen Wharfendale oder der realistischen Phonar spielt die Nubert los wie ein „Elefant im Porzellanladen“. Sie spielt sehr direkt im Vergleich zu den anderen Boxen und gibt sich keine Mühe, irgendetwas schön zu färben. Von der Abstimmung fand ich sie etwas spektakulärer als die anderen, in dem Sinne, dass ich sie leicht „badewannenartig“ empfunden habe.
Vielleicht stimmt das nicht, zumal Nubert sich ja auch den Anspruch der „Neutralität“ auf die Fahnen geschrieben hat, im direkten Vergleich wirkt es aber so. Der Hochton ist sie recht dominant und leider auch etwas unangenehm für meine Ohren. Es ist in etwa wie folgt: Wechselt man auf die Nubert, ist man zuerst beeindruckt von der Dynamik und der Auflösung und Hochtonenergie, in Kombination mit einem wirklich sehr gutem Bassbereich. Nach 20 Minuten allerdings beginnt sie, etwas anstrengend zu werden, nach 40 Minuten nervte sie mich, wenn zum Beispiel viele Violinen, Flöten oder etwas in dieser Richtung im Spiel waren. Zudem habe ich auch qualitativ etwas zu bemängeln: Ein betonter Hochton sollte sich ja im Prinzip etwas „Auflösung erkaufen“, allerdings offenbarte sie für meine Ohren nicht so viele Details wie die Jade oder die Dynaudio zum Beispiel.

Wo die KEF oder die Dynaudio gewisse „Schönfärber“ sind und Instrumente nicht ganz natürlich abbilden und etwas verfärben, spielte die Nubert besser: Die glänzt zwar in der Darstellung der Kesselpauke oder der Becken, die richtig trocken, hart und „authentisch“ rüberkommen (wirklich toll!), verfärbte dafür aber an anderer Stelle: Bei Instrumenten wie dem Piano, die eigentlich rund, voluminös und körperhaft klingen sollten, klang sie kalt, nüchtern und distanziert - und letztlich auch blass, unnatürlich und emotionslos. Die Phonar hat hier zum Beispiel etwas mehr Wärme und Körper, die anderen Kandidaten sowieso. Die Stärke der Nubert ist eher der druckvolle und der schön kernige Bassbereich.

Mit der Abbildung eines großen Orchesters kam sie gut zurecht, aber nicht so gut wie die Dynaudio. Eine imaginäre Bühne hat sich in meinem Kopf hingegen nicht wirklich aufgebaut, dafür spielte sie zu direkt und nicht weiträumig genug. Insgesamt muss ich daher auch zugestehen, dass mir die Nubert nicht einhundertprozentig zusagt. Sie ist am ehesten mit der Phonar zu vergleichen, spielt allerdings noch einen Tick „kühler“, ist deutlich direkter und im Bass präsenter und druckvoller. Sie versprüht insgesamt recht wenig „Emotionalität“ und ist auch aufgrund des Hochtons für Klassik eher nicht geeignet wie ich finde.

Fazit

Ginge es um ein entspanntes, relaxtes Hörerlebnis wäre vermutlich die KEF LS50 der Sieger gewesen. Sie ist schön warm, entspannt und überhaupt nicht nervig, sondern vielmehr sehr angenehm auch für mehrere Hörstunden. Mein größter Kritikpunkt ist aber, dass sie einfach nicht korrekt abbildet. Insgesamt sehe ich momentan die Phonar und die Dynaudio gleichauf, wobei ich nicht weiß, was mir letztendlich besser gefällt.

In den kommenden Tagen wird ein weiterer Händler aufgesucht und es werden zuhause noch zwei weitere Boxen gehört. Dann muss die Entscheidung fallen. Dieses Thema muss ja auch einmal ein Ende haben.

Danke für’s Lesen. Ich hoffe, dieser Höreindruck hilft vielleicht dem ein oder anderen von Euch auch bei seiner Entscheidung weiter.

Gruß
Kai
spawnsen
Inventar
#2 erstellt: 26. Mrz 2015, 11:35
*Reserviert für die zweite Auswahl*
WiC
Inventar
#3 erstellt: 26. Mrz 2015, 12:05
Hallo,

vielen Dank für diesen informativen Bericht, ich freue mich schon sehr auf die zweite Auswahl

Ich bin ja für mich persönlich mit den Phonar Veritas p6 NEXT "angekommen", die haben natürlich mehr Volumen als die M4 und für meine Begriffe ein stattliches Bassfundament, aber die Charakteristik ist mMn schon gleich.

Ich kann mit die Phonar auch nur schwer als "Junge Leute Funbox" vorstellen, für mich 50+ Onkel sind sie aber TOP !
LG
audi-o-phil
Stammgast
#4 erstellt: 26. Mrz 2015, 12:35
Hallo Kai
Ein schöner Bericht - danke!
Falls Du noch Zeit und Lust zum Probehören hast, würde ich Dir noch zu Sonus Faber Venere 1.5 oder 2.0 raten.
Für mich sind die SF-Serien Venere und Olympica ein idealer Partner für Stimmen und akustische Instrumente.

Dein Vorgehen finde ich sehr gut - anstrengend aber genau richtig, um später nicht enttäuscht zu sein.
Viel Spass weiterhin!
audi-o-phil
baerchen.aus.hl
Inventar
#5 erstellt: 26. Mrz 2015, 12:40
Hallo,

interessanter Bericht. Ich kann für mich nur das Ergebnis für den LS50 nicht nachvollziehen, den habe ich bisher 3mal Probehören können...... imho einfach nur grausig..... Das dir die Phonar besser gefällt als die Dynaudio, kann ich mir denken. Ihre deutliche Oberbassbetonung lässt sie im unteren bis mittleren Pegelbereich gefälliger klingen . Bei der Dynaudio ist der Bassbuckel nicht ganz so stark ausgeprägt. Wenn Du das nächste mal beim Dynaudiohändler bist, dann hör auch mal bei der Contour S1.4 rein..... zum Neupreis der Focus bekommt auch schon eine gebrauchte S1.4.

LG
Bärchen
thewas
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 26. Mrz 2015, 12:58
Sehr schöner und ausführlicher Hörbericht , besten Dank, hast auch wirklich 5 hervorragende Lautsprecher herausgesucht, die ich auch in der Preisklasse zum Shootout genommen hätte.

Bärchen, so sind die persönlichen Geschmäcker und Vorkonditionierungen halt, ich persönlich kann mit den meisten von dir geliebten Udo Lautsprechern auch nur sehr wenig anfangen, darum muss jeder am Ende für sich hören und für sich entscheiden.

thewas
Hat sich gelöscht
#7 erstellt: 26. Mrz 2015, 13:08

baerchen.aus.hl (Beitrag #5) schrieb:
Das dir die Phonar besser gefällt als die Dynaudio, kann ich mir denken. Ihre deutliche Oberbassbetonung lässt sie im unteren bis mittleren Pegelbereich gefälliger klingen . Bei der Dynaudio ist der Bassbuckel nicht ganz so stark ausgeprägt.

Das mag früher mal gewesen sein aber bei den konkreten Exemplaren ist es genau umgekehrt, die Focus hat eher einen Bassbuckel, die Phonar ist in ihrer Klasse eine der neutralsten und messtechnisch besten Lautsprecher, wurde schließlich auch von Gerd Lommersum http://www.ase-scanspeak.de/ abgestimmt. http://www.phonar.de/bilder/test_m4_next_audio.pdf
http://www.dynaudio.com/int/pdf/DYN_Focus_Stereoplay_10_11.pdf
spawnsen
Inventar
#8 erstellt: 26. Mrz 2015, 13:22
Danke für die Rückmeldungen.

Die Sonus Faber Venere hatte mir auch beim Händler sehr gut gefallen. Die Optik hält mich bisher davon ab, beim Händler nachzufragen, ob er sie mir ausleihen möchte.

@Bärchen: Ich glaube ja, dass die kleine LS50 mit meinem Hörraum recht gut harmoniert hat irgendwie, denn beim Händler hatte sie mir auch überhaupt nicht gefallen, dort klang sie einfach saft und kraftlos, ohne Körper, ohne irgendwas (siehe Kaufberatung). Aber sie ist trotzdem raus, da fehlt einfach das Volumen.

Auch die Focus 160 werde ich mir nicht kaufen. Ich meine, die Box ist toll, aber der Aufpreis in Höhe von schlappen 1.100,- Euros im Vergleich zur Phonar etwas fragwürdig aus meiner Sicht, denn ein per se "Besser" oder "Schlechter" gab es hier (noch) nicht wirklich. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sie in größeren Räumen mit einem dicken Amp richtig losspielt. Die S1.4 ist interessant, hmm. Mal nach Gebrauchtem Ausschau halten....


[Beitrag von spawnsen am 26. Mrz 2015, 13:29 bearbeitet]
audi-o-phil
Stammgast
#9 erstellt: 26. Mrz 2015, 14:12
Klar, gefallen müssen sie einem schon auch noch. Das Auge hört ja bekanntlich mit.
Die Venere sehen schon etwas extravagant aus. Ich finde sie schön. Mal anders.
exim
Stammgast
#10 erstellt: 26. Mrz 2015, 16:57
Sehr schöner Bericht, als wär man live dabei. Höreindrücke zu beschreiben ist sehr schwer. Du hast es geschafft und Deine Erfahrungen dazu noch schön bildhaft beschrieben. Bravo. Vielen Dank.

exim
Mickey_Mouse
Inventar
#11 erstellt: 26. Mrz 2015, 17:17
Ist ELAC schon vorher aus dem Rennen gefallen oder standen die nie auf der Liste?
baerchen.aus.hl
Inventar
#12 erstellt: 26. Mrz 2015, 18:11
@thewas linear sieht für mich anders aus die Phonar hat wie man deutlich sehen und auch hören kann eine Oberbassbetonung von etwa 3dB ist aber sonst sehr linear........ Den F-Gang der Focus hatte ich anders in Erinnerung und empfand sie auch nicht so Basslastig wie die Phonar.....
thewas
Hat sich gelöscht
#13 erstellt: 26. Mrz 2015, 18:30
100%ig linear ist sie natürlich nicht, aber mehr als die meisten dieser Klasse und erst Recht als die Focus. Sein Empfinden in unterschiedlichen und meistens noch fremden Räumen kann man vergessen, erst recht wenn die Lautsprecher nicht eingemessen sind, da reichen 10 cm Verschiebung und man hat einen ganz anderen Bassfrequenzgang und da sich der Mensch sehr schnell an etwas gewöhnt, reicht dass der vorige Zustand zu viel von etwas hatte damit der neue Zustand in dem Bereich zu arm klingt.
Donsiox
Moderator
#14 erstellt: 26. Mrz 2015, 22:06
Danke für deinen deutlich ausführlicheren Bericht, als ich vermutet hatte.
Deine Erlebnisse decken sich, was "Focus" und "LS50" angeht, mit meinen Erfahrungen ganz gut.

Ich freue mich auf weitere Erfahrungen deinerseits

Gruß
Jan


[Beitrag von Donsiox am 26. Mrz 2015, 22:07 bearbeitet]
spawnsen
Inventar
#15 erstellt: 27. Mrz 2015, 10:37
Danke für die positive Resonanz.


Mickey_Mouse (Beitrag #11) schrieb:
Ist ELAC schon vorher aus dem Rennen gefallen oder standen die nie auf der Liste?

Standen nie auf der Liste.

Von mir aus kann es natürlich auch Elac sein, mir ist es im Prinzip egal was vorne drauf steht. Doch da der Hochton meistens als recht "dominant" respektive "scharf" beschrieben wird, geht eher nicht in meine Richtung. Brilliant darf er ruhig sein, nur eben nicht penetrant. Hatte aber auch keine Möglichkeit einen Elac zu hören und da keine Empfehlungen kamen, habe ich auch keinen nach Hause geordert. Die niederpreisigen Serien, wie man sie im Saturn-Markt findet kenne ich, die sind nichts. Vielleicht wären die BS 243.2 ja etwas, keine Ahnung.

Es gibt eben auch so viele Boxen, ein gewisses Dilemma. Ich wollte eigentlich auch gerne noch Cabasse hören oder Vienna Acoustics. Oder dies... oder das...? Aber was soll man machen.

Das Thema Amp ist jetzt auch erst einmal vom Tisch: habe mir einen jungen gebrauchten A35.2 von Music Hall geholt. Der Onkyo war ja schon zu meinen Studentenzeiten vor 6 Jahren "Low Budget" und ich möchte ihn nicht mehr sehen. Daher gleich ein ausreichend dimensionierter und hoffentlich zukunftssicherer Kauf, so dass das Thema Amp abgehakt werden kann!
Soulbasta
Hat sich gelöscht
#16 erstellt: 27. Mrz 2015, 15:35
das was du bei der LS50 vermisst hast, würdest du vielleicht in einer KEF R300 finden. die bekommt man auch für 1000,-
audi-o-phil
Stammgast
#17 erstellt: 27. Mrz 2015, 18:37
Ein toller Verstärker! Gratulation und viel Spaß mit dem Teil
spawnsen
Inventar
#18 erstellt: 04. Apr 2015, 16:11
Hallo zusammen,

nachdem ich noch einige Händler aufgesucht habe und mein Budget auf 2.000,- Euro verdoppelt habe, geht’s weiter mit dem Finale. Der Vollständigkeit halber auch eine kurze Übersicht der von mir insgesamt gehörten Boxen (ein paar habe ich glaub‘ vergessen) und meinem subjektiven Eindruck von diesen.

Boxen, die beim ersten Shootout waren (Reihenfolge entspricht Rangfolge)

Dynaudio Focus 160 (UVP 2.000,-)
Phonar Veritas M4 Next (UVP 900,-)
KEF LS 50 (UVP 1.000,-)
Wharfedale Jade 1 (UVP 800,-)
Nubert NuVero 4 (UVP 1.200,-)

Boxen, die ich insgesamt bei Händlern hörte und die sich entweder nicht gegen die bisherige Referenz durchsetzen konnten oder aus anderen Gründen nicht in Frage kamen:

Revel Performa M105 (UVP 1.680,-):
Zwar schön dynamisch, aber etwas unangenehmer Hochton, zu sehr “Badewanne”.

Chario Constellation Delphinus (UVP 1.500,-):
Angenehm warm und langzeittauglich aber nicht neutral, zu wenig Details, fehlender Tiefgang!

Sonus Faber Venere 1.5 (UVP 1.250,-):
Zwar sehr angenehm, ausgewogen und recht neutral, aber zu wenig Dynamik, Bühne eingeschränkt, Kickbass präsent. Tolle Box, aber für Orchestermusik nicht optimal.

Sonus Faber Venere 2.0 (UVP 1.600,-):
S. o.

Dynaudio Excite (UVP 1.000,-):
Schöne, breite Bühne, weiträumiger Klang, nicht nervig im Hochton. Nicht neutral, verschweigt einige Details, fehlender Tiefgang.

Audium Comp 3 (UVP 1.250,-):
Sehr neutral, hohe Feinauflösung, tolle Bühne. Breitbandprinzip mit ovalem Subwoofer erzeugt ein „Mittenloch“, komische Abstimmung. Dennoch gute Box für Klassik, wenn die Abstimmung grundsätzlich zusagt.

Audium Comp 5 (UVP 2.000,-):
Besser, aber s.o.

Tannoy Percision 6.2 (UVP 2.200,-):
Mitreißende Dynamik, samtiger und trotzdem hochauflösender Hochton, sehr angenehm klingend, tolle Bühne. Leider nicht ganz neutral. Problematik: Aufstellung und Hörraum: ich vermute Dröhngefahr.

Tannoy Percision 6.1 (UVP 1.200,-):
Charakter wie der Standlautsprecher oben, wirklich nicht schlecht die Tannoys für Orchestermusik, sogar richtig gut. Hier war ich sehr überrascht und hätte die Tannoy gerne noch zuhause gehört!

Cabasse Bora (UVP 2.500,-):
Richtig, richtig gute Auflösung im Hochton + feinauflösende Mitten, tolle Dynamik. Bass nicht so sauber und präzise und trocken wie gewünscht (wenn auch gewaltig und tief!), nicht ganz neutral, teuer. Dennoch: super Box, vielleicht aber zu groß für meinen Hörraum.

Triangle Comete EZ (UVP 1.200,-).
Recht hell abgestimmt, schöne Dynamik und gute Auflösung. Eigentlich eine Box für Orchester, Hochton aber etwas unangenehm.

KEF R300 (UVP 1.200,-):
Zu wenig Hochton und fehlende Auflösung, Mitten undifferenziert, zu viel Bass + Bass schon besser gehört.

KEF R100 (UVP 800,-):
Fast besser als die R300, da (gefühlt) bessere Auflösung in den Mitten. Insgesamt aber zu schlank + fehlende Dynamik.

KEF Q300 (UVP 600,-):
Sehr gutes P/L-Verhältnis, angenehm zu hören, anständige Bühne. Eingeschränkte Auflösung, nicht neutral, fehlende Dynamik.

Quadral Aurum Altan VIII (UVP 1.600,-):
Seidiger Hochton, sehr angenehm und ausgewogen. Neutral. Eher wenig Bass, insbesondere fehlender Tiefbass. Optisch hässlich: kommt mir nicht in die Wohnung, sorry!

Dali Rubicon 2 (UVP 1.800,-):
Hochton recht unangenehm (obwohl eigentlich nicht mal arg angehoben), sehr direkt spielend, für meine Ohren eingeschränkte Bühnenbildung. Fehlende Dynamik. Keine Box für Klassik imho, sonst vielleicht nicht schlecht.

Boxen, die sich bei der Vorauswahl überzeugten und zum zweiten, finalen Shootout zuhause eingeladen wurden:

ASW Genius 110 (UVP 1.200,-)
Gauder Akustik (Isophon) Arcona 40 (UVP 2.000,-)


Höreindruck ASW Genius 110


Schon beim ersten Hören fällt auf, dass die ASW sehr weiträumig und mit viel Distanz zum Geschehen abbildet. Das passt ausgezeichnet für orchestrale Musik. Im Hochton klingt sie kristallklar und hochauflösend. Nach einem Wechsel auf die Phonar, die noch da ist, fragt man sich unwillkürlich, wer den Teppich vor die Boxen gehangen hat. Die ASW präsentiert viele Details; sie ist die Box mit der besten Auflösung, die ich bisher zuhause hatte: zum ersten Mal wird bei auch so etwas wie das „Einatmen des Pianisten“, von dem ich weiß, dass es auf der Aufnahme enthalten ist, bei moderaten Hörlautstärken offenbart. Sehr schön! Der Hochton dieses „Keramik-Hochtöners“ ist minimal angehoben, ich empfinde den Hochton aber – anders als etwa bei der Nubert – nicht als unangenehm.

Im Mittelton und im Grundtonbereich ist die ASW eher schlank, ebenso im Bass. Apropos Bass: Der hat mich sofort an meinen HD 800 erinnert und mir exzellent gefallen. Es kommt quantitativ wahrlich nicht sehr viel, doch das was kommt, ist trocken und brutal. Herrlich, wie zum Beispiel bestimmte Synthesizer-Effekte oder Trommeln klingen (beim Finale von Sibelius 1. Sinfonie konnte ich mich fast nicht mehr auf meinem Hörplatz halten!).

Tonal ist die ASW eher das Gegenteil zu den KEFs oder der Dynaudio, mit ihren etwas aufgedickten Grundtönen und dem betonten Oberbass. In der Folge ist die ASW ist nicht so gefällig und auch nicht so „direkt“ und „spaßig“ wie die diese Boxen, was sie für mich zum Beispiel für Metal oder Rock untauglich machte. Mit ihrem zurückgesetzten Mittenbereich und dem kristallklaren Hochton passt das nicht so richtig. Auch präsentierte sie da einige scharfe „S-Laute“ oder „zischte“ teilweise herum; spielte zudem nicht direkt genug für diese Musikrichtungen. Wer Chartmusik hört, findet vermutlich geeignetere Kandidaten. Sobald allerdings akustische Musik aufgelegt wird, sieht es anders aus. Der Symphonic Metal von Blind Guardian oder die akustischen Folk-Stücke von Faun klangen dann nämlich wieder super (wenngleich ihr da sicher auch etwas mehr „Kick“ gut täte).

Bei Sinfonien deklassiert sie alle Boxen den ersten Shootouts, und das deutlich. Im Prinzip ist sie schlicht prädestiniert für Orchestermusik: sie spielt feinauflösend, räumlich und detailliert, ist weitgehend neutral (wobei die Phonar vielleicht noch korrekter abbildete) und entfaltet vermutlich durch die fehlende Betonung des Grundtons und durch den brillanten Hochton auch eine richtig mitreißende Dynamik. Dazu arbeitet sie die einzelnen Instrumente sehr schön heraus und weist diesen einen Platz zu, das ist wirklich großes Kino. Die Durchhörbarkeit war ausgezeichnet, die Bühne ebenfalls: Sie spielte für mich sehr weiträumig und sehr in die Breite. Klasse. Auch die Tiefenstaffelung ist sehr gut.

Bei der Aufstellung war sie eher genügsam; sie klang eigentlich immer schön räumlich und der „Sweet-Spot“ war zudem auch recht groß. Auch weiß ich nicht, warum der Verkäufer ursprünglich meinte, die ASW bräuchten einen „kräftigen Verstärker“. Sie waren schlicht die effizientesten aller bisher gehörten Boxen und mein Music Hall-Gerät war vermutlich recht gelangweilt angesichts der von ihm abverlangten Leistung.

Höreindruck Gauder Akustik (Isophon) Arcona 40


Die Gauder macht einen recht zierlichen Eindruck, und wirkt mit ihrem Bändchen-Hochtöner und der hinten geschwungenen Form etwas „erhaben“.
Klanglich ist die Gauder für mich insgesamt eine eher „bassige“ Box. Sie kickt für meinen Begriff ganz ordentlich und langt für ihre Größe auch im Tiefbass ordentlich zu. Allerdings ist der (definitiv betonte) Kickbass eher das augenscheinliche Attribut (kann man das in dem Kontext überhaupt schreiben, „augenscheinlich“, hm?). Insgesamt klang sie „bassiger“ als beim Händler, aber deswegen nicht schlechter.

Auch würde ich sie als relativ warm abgestimmte Box beschreiben, vielleicht mit einem minimalen angehobenen Grund- und Präsenzbereich. Natürlich ist man immer beeinflusst von dem was vorher war (ASW Genius), weswegen ich sie auch nochmals ausführlich mit der Phonar gegengehört habe und zum selben Ergebnis kam.

Das, was an Bass rüberkam war allerdings ganz ausgezeichnet. Entweder trocken und hart oder schön knackig und schnell, je nachdem, was das Material hergibt. Wo Nubert und ASW einerseits und KEF und Dynaudio andererseits ihre Stärken hatten, konnte die Gauder beides, so mein Eindruck zumindest. Einziger Wehrmutstropfen: sie spielte nicht ganz so tief wie ich mir das gewünscht hatte und musste sich da einer ASW oder einer Dynaudio geschlagen geben. Auch entfaltet sie aufgrund ihrer Abstimmung nicht ganz die Dynamik, die ich von diesen Kandidaten schon gehört habe. Auch wenn ihre Fähigkeiten da trotzdem sehr gut sind.

Ihre Stärke ist meines Erachtens nach ihr Hochton: der ist einfach der Beste, den ich bisher gehört habe. Punkt. Sie löst exzellent auf und präsentiert viele Details; ist hier der ASW als bisherigem Spitzenreiter ebenbürtig. Allerdings „erkauft“ sie sich ihre Auflösung nicht mit Brillanz sondern klingt sehr seidig, ja fast dezent-zurückhaltend, mit etwas Wärme, ist überhaupt nicht aufdringlich, auch nicht bei – manchmal grenzwertigen – Violinensoli. Die Bändchen leisten hier wohl exzellente Arbeit und staffeln das Orchester auch in seiner ganzen Tiefe auf. Die Breite der Bühne war allerdings bei der ASW oder auch bei der Dynaudio größer. Auch klangen diese weiträumiger, dafür aber nicht so „fein“.

Im Mittenbereich klingt sie sehr sauber, allerdings etwas „aufgedickt“. Stimmen setzen sich richtig weit ab, sind nicht so weit in den Hintergrund gerückt wie bei der ASW. Die Personen stehen direkt vor einem, während hinten die Musik spielt, klasse. Ich musste mit ihr daher einfach Pop und Rock hören, oder Pianostücke oder Kammermusik. Das kann sie wirklich ausgezeichnet. Überhaupt bekommt sie von mir den Special Award für die beste „Pianobox“ im Test. Herzlichen Glückwunsch. So rund, voll und trotzdem „natürlich-authentisch“ habe ich das Klavier von keiner anderen Box gehört, zumindest nicht in den heimischen vier Wänden, traumhaft.

Leider arbeitet sie bei Orchestermusik einzelne Instrumente nicht so schön heraus wie die ASW und auch in Sachen Dynamik und in Sachen „Live-Feeling“ kann sie nicht ganz mithalten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sie nicht so neutral oder natürlich abbildete wie die Phonar oder die ASW.
Insgesamt klang sie für mich ähnlich der Dynaudio Focus 160 (und damit sehr gut!). Grob: weniger Weiträumigkeit, bessere Feinauflösung, wobei ich hier natürlich keinen direkten Hör-Vergleich mehr bieten kann. Mir hat sie aber richtig gut gefallen: Platz 1 bei Kammermusik, Platz 3 bei Orchestermusik. Das wird ein knappes Rennen, oder?

Entscheidungsfindung:


Im Grunde ist jede Begründung und Entscheidung obsolet, wenn man sich denkt: „Ich möchte jetzt mit Box A Musik hören“. So in etwa war es bei mir bei der ASW. Sie ist keine Box mit der man gut „abrocken“ kann! Doch bei Orchestermusik ist sie superb und ihre Schwächen wandeln sich in genrespezifische Stärken. Und zu 80 Prozent werden nun einmal Sinfonien und Piano-Konzerte gespielt, wo ich keinen „Kompromiss“ hören möchte! Die Tannoys oder die Cabasse Bora wären sicherlich noch würdige Herausforderer gewesen, doch ich kann mir ja nicht alle Boxen nach Hause bestellen.

Es war ein längerer Weg, doch ich habe meine Box gefunden!

Da steht sie:
ASW Genius 110

ASW Genius 110

So denn, danke und

Kai


[Beitrag von spawnsen am 04. Apr 2015, 18:00 bearbeitet]
Tywin
Inventar
#19 erstellt: 04. Apr 2015, 16:38
Hallo Kai,

Danke für deinen schönen Bericht und die Beschreibung des Weges bis zur nachvollziehbaren Entscheidung.

Bei mir - als Cabasse Bora Fan - war die Genius 100 ein heißer Kandidat, leider war sie nicht für das Geld zu bekommen, was ich dafür auszugeben bereit war. Nun sind es halt die Vroemen La Bambina geworden und ich bin damit sehr zufrieden.

Vielleicht fallen mir aber doch noch ein paar ASW Genius zu einem guten Preis in die Hände?

Viel Spaß beim Musikhören!

VG Tywin
WiC
Inventar
#20 erstellt: 04. Apr 2015, 19:09
Hallo Kai,
vielen Dank für deinen Bericht und jede Menge Spaß beim Musik hören mit deinen schönen neuen Boxen

LG
audi-o-phil
Stammgast
#21 erstellt: 04. Apr 2015, 19:41
Hallo Kai,
Viel Spaß mit Deiner neuen Anlage. Dein Vorgehen fand ich super. Deine Klangeinschätzungen (wenn auch manchmal abweichend zu meinen ) sind sehr gut beschrieben. Hat Spaß gemacht zu lesen.
Jetzt kommt es nur noch auf gute Musik an! Das Wichtigste
VG
audi-o-phil


[Beitrag von audi-o-phil am 04. Apr 2015, 20:42 bearbeitet]
MasterKenobi
Hat sich gelöscht
#22 erstellt: 04. Apr 2015, 20:17
Ich habe die ASW im Laden ja auch gehört gegen die Phonar. Und es stimmt, bei der ASW sind die Mitten sehr dezent im Hintergrund, während sie bei der Phonar schön direkt und ausgewogen sind.

Doch nur mal eine Frage: Wäre dann nicht die Phonar, die es ja dann bei mir wurde, nicht auch für dich die bessere Wahl bei Klassik? Denn überall heißt es doch: Klassik lebt von den Mitten, und in den Mitten ist die Phonar der ASW eindeutig überlegen, da komplett neutral und unverfälscht.

So sehen meine Phonar bei mir in leider nicht perfekter Aufstellung aus
Sie muss sich übrigens vor meinen ebenfalls vorhandenen Magnat Quantum 803 nicht verstecken bzw ich meine die Magnat muss sich nicht verstecken vor ihr. Die Quantum 803 löst sogar noch nen ticken besser auf und schmettert die Details in der Musik noch mehr ans Ohr wie die phonar. Dafür ist die Phonar runder und wärmer und lässt unwichtige Details leise im Hintergrund. Aber weder die Phonar noch die Magnat sind besser oder schlechter, sondern beide sind auf Augenhöhe und sehr direkt spielend und ehrlich, nur das es die Magnat mittlerweile zum Restpostenverkauf von gerade mal 478 euro gibt. und damit sind sie sogar in Sachen Preis und Leistung der Phonar überlegen.

HPIM1431


[Beitrag von MasterKenobi am 04. Apr 2015, 20:34 bearbeitet]
WiC
Inventar
#23 erstellt: 04. Apr 2015, 21:05

Aber weder die Phonar noch die Magnat sind besser oder schlechter, sondern beide sind auf Augenhöhe und sehr direkt spielend und ehrlich, nur das es die Magnat mittlerweile zum Restpostenverkauf von gerade mal 478 euro gibt. und damit sind sie sogar in Sachen Preis und Leistung der Phonar überlegen.

Sind sie das ?

Naja, wenn ich mir das Foto anschaue wundert mich nichts mehr

LG
Acurus_
Inventar
#24 erstellt: 04. Apr 2015, 21:48
Selten liest man man so gut geschriebene Beiträge hier im Forum. Dafür Danke ich Dir. Trotzdem frage ich mich, wie Du mit dieser Aufstellung ...


spawnsen (Beitrag #18) schrieb:
ASW Genius 110


... überhaupt eine ausgewogenene Stereo-Bühne zustandebekommst. Links gleich die Wand neben der Box, rechts offener Raum. Das zerhaut eigentlich alles.
Tywin
Inventar
#25 erstellt: 04. Apr 2015, 22:04
Wenn ich das Gezeigte richtig einschätze, dürfte der Tiefton der vom linken Lautsprecher emittiert wird weniger differenziert aber kräftiger wirken als auf der rechten Seite.

Je nach Abstrahlung der höheren Tonlagen kann es sein, dass die Glasscheibe links - w/der Einwinkelung der Boxen auf den Hörplatz - nur geringfügig negativ wirkt. Man könnte dort mit einem schicken schweren Vorhang versuchen das Ergebnis zu verbessern.


[Beitrag von Tywin am 04. Apr 2015, 22:05 bearbeitet]
spawnsen
Inventar
#26 erstellt: 04. Apr 2015, 23:15
@Kingsgard: Die Phonar fand ich ebenfalls klasse für Klassik :D.Der Kritikpunkt an der Phonar war eher, dass sich der Klang bei mir nicht so schön von den Lautsprechern löste, dass die Bühne eingeschränkter war und dass sie einfach insgesamt nicht so feinauflösend und anspringend-dynamisch losspielte wie die ASW. Bei der Phonar ging es mir häufig so, dass ich vor dem LS saß, mir alles richtig gut gefiel, aber wirklicher Genuss doch nie aufkommen wollte. Die Phonar einzupacken fiel mir allerdings enorm schwer.

@Acurus, Tywin:
Ja, die Aufstellung ist nicht optimal, mit der ASW halten sich die Probleme allerdings in Grenzen. Im Bass gibt es keine; mit Schaumstoff in der Bassreflexöffnung der linken Box ist der Tiefton bei beiden tatsächlich ausgewogen (bei der Dynaudio zum Beispiel hatte ich hier größere Probleme). "Dröhnprobleme" hätte ich nur bei Pegeln, die ich hier nicht hören kann.

Eher problembehaftet ist die fehlende Symmetrie in Bezug auf die unterschiedlichen Laufzeiten der Reflektionen: Die Ortung verschiebt sich leicht zugunsten des linken Lautsprechers, der minimal präsenter bzw. etwas lauter ist. Die Differenz ist nicht groß, aber trotzdem hörbar. Ein Bücherregal auf der linken Seite sowie eine Lampe mit Stoffbezug scheinen hier aber ganz gute Dienste zu verrichten. Zum konzentrierten Stereo-Hören kommen die LS trotzdem noch einen Tick weiter nach vorn. Ganz zufrieden bin ich aber noch nicht...!

Der Tipp mit dem Vorhang ist nicht schlecht, danke. Da bin ich noch nicht drauf gekommen....
MasterKenobi
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 05. Apr 2015, 16:41
Ja Fanta 4, das sind sie. Und nein, die Quantums sind natürlich nicht auf dem Boden gehört wurden, sondern standen auch dort auf den Ständern wie die Phonar.

Klar mögt ihr das alle nicht so Recht glauben, aber erstens sind die Zeiten lange vorbei, in denen Magnat Boom Boom Boxen gebaut hat und zweitens gehören die 800er mit zu den hochwertigsten Quantum Serien die es bei Magnat gibt.

Also eigentlich wundert es mich nicht, da beide die selbe UVP haben bzw hatten, dass beide gleich auf spielen. Gehören zur selben finanziellen Klasse. Dazu dürft ihr nicht vergessen, das Magnat einen sehr erfahrenen Entwickler mit an Bord hat.

Hier spielen also 2 Boxen, die einmal von Karl Heinz Fink und die andere von Gerd Lommersum entwickelt worden sind. Da kann es eigentlich nur ein unentschieden geben!!! Der einzige Vorteil ist eben, das es die Magnat mittlerweile fast geschenkt gibt, kommt aber eben auch, weil es sie in kaum einem Fachhandel zu erwerben gibt, wo sie übrigens nicht verschenkt werden - wie zb bei Hifi Concepts oder Hifi Regler


[Beitrag von MasterKenobi am 05. Apr 2015, 16:49 bearbeitet]
Intermodulator
Hat sich gelöscht
#28 erstellt: 19. Jul 2015, 13:29
Danke für deine Erfahrungsberichte die du auf deiner Einkaufsreise gemacht hast.

Ich möchte dennoch einen kritischen Kommentar zu deinen subjektiven Eindrücken hinterlassen. Eigentlich hat dein erster Eindruck beim kurzen Probehören dich nicht getäuscht. Z.B bei der Dynaudio Focus 160 und X14. Im Direktvergleich meinst du später die X14 wären "nicht neutral". Die beiden sind in diesem Fall bzw. im Kreis deiner getesteten LS sehr am Ideal des neutralen Sounds. Schönfarben tun sie (leider) nicht, in keinster Weise. Die KEF LS50 ist dagegen die "Königin der Täuschung". Mit geboosteten Mitten und ihrem Koaxialtreiber täuscht sie einen Wohlklang und eine Stereobreite vor die auf der Platte/CD gar nicht vorhanden ist. Ich glaube einfach dir hat eine "Referenz/Bezugspunkt" gefehlt was nun am ehesten neutral ist. Die beiden Dynaudios hättest du als neutral hinstellen können um die anderen LS im Bezug auf deren neutralen Sound zu bewerten.

Je öfter oder intensiver du die LS gehört und verglichen hast desto mehr driftest du von ihren wahren Eigenschaften ab. Ich schätze es hat etwas mit deinem Raumklang zu Hause zu tun. Der dir Frequenzen die du dann wahrnimmst etwas verändert. Ein Tipp wäre gewesen alle LS mal im Nahfeld-Monitore anzuhören. Ähnlich wie im Tonstudio sie nah z.B. an einem Schreibtisch auf Ständern aufzustellen, um möglichst dem färbenden Raumklang zu entgehen. Wenn du dich auch im nachhinein noch für einen möglichst neutralen Sound interessierst leih dir mal ein System für das Einmessen der LS und des Raums, welches dir dann wie ein EQ die Frequenzen auf neutral (flat response) einstellen kann. Gibts als Vollverstärker, Vorverstärker oder Computer-Lösung. Wenn es dann zu drastischen Abweichungen im Sound kommt hat dein Raum/Wohnung einen Einfluss auf den Endsound genommen. Da du zwischen erstem Hören und intensivem Vergleich (zu Hause) doch stark zwischen erster und letzter Meinung eines LS umherspringst.
Mein Anspieltipp für deinen Musikgeschmäck wären letztenendes die Dynaudios, Sonus Faber Venere, Tannoy und Cabasse gewesen. Alle KEF hätte ich außen vor/weg gelassen.
spawnsen
Inventar
#29 erstellt: 19. Jul 2015, 21:44
Hallo zusammen,

ja, die ASW gaben bis vor ein paar Minuten noch Beethovens 7. (Haitink, LSO) wieder: ich bin sehr zufrieden mit meinen Lautsprechern und kann sagen, es war der richtige Kauf. Läuft allerdings keine Klassik überzeugen sie mich nicht. Zu viel Brillianz im Hochton, zu wenig involvierend und spielfreudig. Aber das war mir nach dem Probehören auch klar und zu 90 Prozent läuft eben Klassik. Insofern alles Gut.

Danke für deinen Kommentar @Intermodulator:
Die unterschiedlichen Eindrücke (Erster Eindruck, Händler, Zuhause) jetzt noch zu reflektieren ist schwierig. Tagesform, gehörte Musikstücke, Laune und Stimmung spielt ja bei jedem Eindruck mit rein und oft ist es schwierig sich ein abschließendes Urteil zu bilden.

Dass die Dynaudios auf "Monitor-Abstand" am Schreibtisch oder sonst wo anders abbilden mag schon sein. Diese Erkenntnisse brächten mir aber wenig; sie müssen ja in meinem raumakustischen Wohzimmer-Umfeld spielen. Dort habe ich daher auch getestet. Bei den KEFs bin ich bei dir, keine der KEF-Boxen war für mich neutral oder bildete "naturgetreu" ab. Die Dynaudios aber ebenso wenig. Als Referenz vertraue ich auf meine Höreindrücke bei Konzertgängen sowie auf meine Erfahrungen als jemand, der selbst verschiedene Musikinstrumente spielt oder gespielt hat. Ich glaube ich weiß schon, wie so eine Posaune klingen sollte.

Angesichts des Einmesssystems: Hast du (oder jmd. anders) eine Empfehlung? Habe mir sowas auch schon überlegt aber bisher ist nichts passiert. Kriegt man das als Laie und Nicht-Tecki hin? Wenn ja, mit was?

Gruß
Kai
Soulbasta
Hat sich gelöscht
#30 erstellt: 19. Jul 2015, 22:40
schau dich nach dirac-live um.
MasterKenobi
Hat sich gelöscht
#31 erstellt: 20. Jul 2015, 17:05
Die einzig wirklich neutralen Boxen, einschließlich einer realistischen Abbildung, waren im Test des TE, die Phonar Veritas m4 next. Die muss man wirklich mal gehőrt haben: perfekte, glasklare Mitten, präzise Bässe selbst bei schlechtem Raum, und ein perfekt eingebundener Hochton. Habe noch nie eine Box gehőrt (selbst bei schlechter Aufstellung), die so rein, fein und homogen klingt. Jede Frequenz ist perfekt eingebunden. Alles, das gesamte Klangbild wirkt total wie aus einem Guss!

Und wenn man dann den Preis der Veritas m4 anschaut, műssen viele andere Hersteller ihre űberteuerte Preispolitik erstmal űberdenken.


[Beitrag von MasterKenobi am 20. Jul 2015, 17:08 bearbeitet]
schmidt09
Hat sich gelöscht
#32 erstellt: 21. Jul 2015, 21:31
Wo sollen denn da Bässe rauskommen? Neutral ist gut aber bei meinen 50m² in L form ist auch bei perfekter preispolitik mit den Dingern nichts anzufangen.
padua-fan
Inventar
#33 erstellt: 29. Jul 2015, 09:48
Hab' gerade mal kurz deinen Kaufberatungsthread überflogen:
Wie kam es eigentlich dazu, dass du die vorgeschlagenen Studiomonitore
(Neumann KH120, JBL, Adam etc) gar nicht betrachtet hast? Falls ich mich recht entsinne,
schriebst du im Ursprungspost ja, dass auch aktive Systeme durchaus infrage kommen.

Gerade für eine Aufstellung, wie sie bei dir zu finden ist, wäre eine gleichmäßig bündelnde Abstrahlung von großem Vorteil.
Hab' ich da was überlesen?
thewas
Hat sich gelöscht
#34 erstellt: 29. Jul 2015, 09:52
Wobei man vielleicht hinzufügen sollte dass die oben genannten KEF, Revel, Wharfedale und Phonar schon ziemlich gleichmäßig abstrahlen, sogar gleichmäßiger als manches Adam Modell.


[Beitrag von thewas am 29. Jul 2015, 09:53 bearbeitet]
padua-fan
Inventar
#35 erstellt: 29. Jul 2015, 10:05
Hmm, ich finde irgendwie keine Messungen des Abstrahlverhaltens für die genannten Modelle...
Woher hast du denn deine Informationen?

Vielleicht bin ich ja einfach nur zu doof zum Googeln.
thewas
Hat sich gelöscht
#36 erstellt: 29. Jul 2015, 10:19
Für viele KEF, Revel und Whafedale Modelle findet man detaillierte Messungen bei http://www.stereophile.com/ , für die Phonar bei der Audio/Stereoplay http://www.phonar.de/bilder/test_m4_next_audio.pdf sowie auch für manche KEF, Revel und Jade, sind aber nicht alle online, ich hole mir die Hefte wenn es Lautsprecher Messungen gibt.


[Beitrag von thewas am 29. Jul 2015, 10:20 bearbeitet]
padua-fan
Inventar
#37 erstellt: 29. Jul 2015, 10:35
Alles klar, danke.
Ich hab irgendwie nur nach "directivity" bzw. "abstrahlverhalten" gegoogelt und praktisch nichts gefunden.
Isobarendiagramme scheinen auch nicht so verbreitet zu sein, leider.
Aber die Phonar sieht ja vom FG wirklich ziemlich gut aus.
thewas
Hat sich gelöscht
#38 erstellt: 29. Jul 2015, 10:40
Gern geschehen, die viele Winkelmessungen der Stereophile mag ich persönlich sogar mehr als Isobarendiagramme. Dass die Phonar sehr gut ist wundert weniger wenn man weiß dass sie von Gerd Lommersum abgestimmt wurde.
spawnsen
Inventar
#39 erstellt: 29. Jul 2015, 22:05

padua-fan (Beitrag #33) schrieb:

Wie kam es eigentlich dazu, dass du die vorgeschlagenen Studiomonitore
(Neumann KH120, JBL, Adam etc) gar nicht betrachtet hast? Falls ich mich recht entsinne,
schriebst du im Ursprungspost ja, dass auch aktive Systeme durchaus infrage kommen.

Padua, ja, da hast du ganz recht. Das waren auch rein optisch-ästhetische Überlegungen, die dazu geführt haben, dass ich nie einen aktiven Vertreter zuhause gegengehört habe. Beim Händler oder im Musikshop schon, aber im Wohnzimmer will ich sie nicht haben.
padua-fan
Inventar
#40 erstellt: 30. Jul 2015, 09:02
Hach ja, immer diese Crux mit der Optik...
Ist schon klar, nicht alle sind da so kompromisslos und schmerzfrei wie ich

Welche hattest du denn angehört und unter was für Bedingungen?
Kann mir kaum Vorstellen, dass dich die Neumanns nicht aus den Socken gehauen haben
spawnsen
Inventar
#41 erstellt: 30. Jul 2015, 09:35

padua-fan (Beitrag #40) schrieb:
Hach ja, immer diese Crux mit der Optik...
Ist schon klar, nicht alle sind da so kompromisslos und schmerzfrei wie ich :D

Joar.
Stehen bei mir halt auch mitten im Wohnzimmer, dazu habe ich eine offene Wohnung. Dann diese schwarzen, unästhetisch-professionellen LS? Nee, nee, lass mal.

Die Neumann habe ich im Übrigen tatsächlich gehört damals und war auch sehr angetan. Weder hell noch dunkel für meinen Geschmack, sehr natürliche Wiedergabe. Besonders beeindruckt haben mich die Übergänge (Bass-Mitten, Mitten-Hochton): Die waren exzellent; jedes Detail war präsent, nichts "überlagert" sich oder ist versteckt. Ich muss auch zugestehen, dass ich sie gar nicht so langweilig/unspektakulär fand, wie sie oftmals beschrieben werden (bzw. aktive Boxen allgemein). Sie klangen einfach sauber und richtig, war schon geil. Die Hör-Bedingungen waren übrigens besser, als bei den meisten Hifi-Geschäften, der Hörabstand mit 1,50m recht klein, laut Verkäufer ideal für diese Box.

Was mir fehlte war allerdings eindeutig der Bass. Der Verkäufer im Musicshop meinte ja: "Ja, aber für Klassik brauchen Sie das ja nicht", was schlichter Unsinn ist (aber häufig von Leuten kommt, die keine Klassik hören). Die Neumanns spielten schlicht nicht tief genug, um die Dynamik eines Orchesters zu erfassen. Ein Sub wäre hier Pflicht gewesen, was mir dann aus Platzgründen und aus Gründen der Handhabung auch wieder nicht gefiel - zumal bestimmte passive Boxen auch gut ohne Sub auskamen.
thewas
Hat sich gelöscht
#42 erstellt: 30. Jul 2015, 09:53

Die Neumann habe ich im Übrigen tatsächlich gehört damals und war auch sehr angetan. Weder hell noch dunkel für meinen Geschmack, sehr natürliche Wiedergabe. Besonders beeindruckt haben mich die Übergänge (Bass-Mitten, Mitten-Hochton): Die waren exzellent; jedes Detail war präsent, nichts "überlagert" sich oder ist versteckt. Ich muss auch zugestehen, dass ich sie gar nicht so langweilig/unspektakulär fand, wie sie oftmals beschrieben werden (bzw. aktive Boxen allgemein). Sie klangen einfach sauber und richtig, war schon geil.


Schön beschrieben, genau so empfinde ich es auch wenn man am Hörplatz eine ziemlich ausgewogene Wiedergabe hat, es klingt sauber, durchhörbar und ganz und gar nicht langweilig oder unspektakulär.


Was mir fehlte war allerdings eindeutig der Bass. Der Verkäufer im Musicshop meinte ja: "Ja, aber für Klassik brauchen Sie das ja nicht", was schlichter Unsinn ist (aber häufig von Leuten kommt, die keine Klassik hören). Die Neumanns spielten schlicht nicht tief genug, um die Dynamik eines Orchesters zu erfassen. Ein Sub wäre hier Pflicht gewesen, was mir dann aus Platzgründen und aus Gründen der Handhabung auch wieder nicht gefiel - zumal bestimmte passive Boxen auch gut ohne Sub auskamen.


Da muss ich dich aber enttäuschen, die Neumann spielen genau so tief wie deine ASW (und sogar lauter), nur haben sie nicht so einen Oberbassbuckel der Tiefbass vortäuscht:

http://www.hometheat...2_ASW_Genius_110.jpg

http://www.neumann-k...e_field_resp_510.gif

spawnsen
Inventar
#43 erstellt: 30. Jul 2015, 10:22
Hmm, dann vielleicht den Hörbedingungen geschuldet oder Tagesform....

Ich meine, so sehr nach Aktiv sehen die Neumanns ja auch gar nicht aus. Adam, Genelec usw. ist viel schlimmer. Vielleicht passen sie ja sogar optisch. Jetzt bin ich fast schon in Versuchung geführt, sie mir von Thoman einfach nach Hause zu bestellen. Toll, Leute, vielen Dank auch!
thewas
Hat sich gelöscht
#44 erstellt: 30. Jul 2015, 10:29

spawnsen (Beitrag #43) schrieb:
Hmm, dann vielleicht den Hörbedingungen geschuldet oder Tagesform....


Raum, Raum und nochmals Raum, darum ist das Hören in fremden Räumen höchstens für einen ersten Eindruck geeignet.


Ich meine, so sehr nach Aktiv sehen die Neumanns ja auch gar nicht aus. Adam, Genelec usw. ist viel schlimmer. Vielleicht passen sie ja sogar optisch. Jetzt bin ich fast schon in Versuchung geführt, sie mir von Thoman einfach nach Hause zu bestellen. Toll, Leute, vielen Dank auch! :D


Oh je, was habe ich da wieder angestellt.
padua-fan
Inventar
#45 erstellt: 30. Jul 2015, 10:45

spawnsen (Beitrag #43) schrieb:
Jetzt bin ich fast schon in Versuchung geführt, sie mir von Thoman einfach nach Hause zu bestellen. Toll, Leute, vielen Dank auch! :D

Tu es! Tu es! Tu es!

Ich wollte gerade schreiben, dass ich es für sehr unwahrscheinlich halte dass die Neumänner zu wenig Bass haben sollten. thewas war mal wieder schneller
Ich kann da nur reiterieren - Raum! Gerade den Bassbereich kann man beim Händler mE kaum beurteilen, allerhöchstens vielleicht bei Konstruktionen wie der Geithain'schen Bassniere.
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