Schmelzpunkt von Lötzinn?

+A -A
Autor
Beitrag
polarsound
Schaut ab und zu mal vorbei
#1 erstellt: 09. Nov 2017, 19:21
Bei der Reparatur eines Mischpultes (Made in Taiwan) aus dem Jahr 2006 bekam ich mit meinem ERSA- Lötkolben nur mühsam die Lötstellen flüssig. Hatte Sorge um die benachbarten SMD-Bauteile in der Nachbarschaft. Hat modernes Lot evtl. einen veränderten Schmelzpunkt im Vergleich zu früher?

Rolf
gst
Stammgast
#2 erstellt: 09. Nov 2017, 19:33
Das aktuell vorherrschend benutzte Silberlot hat einen höheren Schmelzpunkt als das frühere Lot mit Bleigehalt.
gst
Broesel02
Inventar
#3 erstellt: 09. Nov 2017, 21:09
In einem taiwanesischem Mischpult ist wohl eher weniger Silberanteil im Lot. Aber es wird mit bleifreiem Lot gelötet sein. Und das bleifreie Lot hat einen höhere Schmelztemperatur als bleihaltiges Lot und eine geringere Wärmespeicherfähigkeit.
Um in solchen Fällen besser arbeiten zu können kannst du die betroffenen Lötstellen mit bleihaltigem Lot aufschmelzen. Dann sinkt der Schmelzpunkt ab und häufig kann man dann einfacher arbeiten.
In extremen Fällen, hochfrequente Schaltnetzteile zum Beispiel, "verbrennt" das Lot regelrecht, es oxidieren die schmelzbaren Bestandteile im Lot und man hat kaum noch Möglichkeiten die Lötstellen aufzuschmelzen.

Richard
frank60
Inventar
#4 erstellt: 09. Nov 2017, 21:44
Das widerspricht ja nun aller Theorie, die ich in der Berufsausbildung gelernt und als Facharbeiter bis in die 80er hinein praktiziert habe.
So bestand mein tägliches Brot u.A. darin, Bleimuffen an Fernmeldekabeln zu löten. Für temperaturempfindliche papierisolierte Kabel wurde bleihaltiges Zinnlot verwendet, für das extrem temperaturempfindliche styroflexisolierte Kabel (Styroflex ist eine Kunststoffolie, wurde vorranggig in TF Fernkabeln verwendet) war reines Zinnlot vorgeschrieben. Warum wohl?
Schmelzpunkt Blei: 327,5 °C
Schmelzpunkt Zinn: 231,9 °C

Davon abgesehen, die Zeiten, als in Taiwan irgendwelche Hinterghofschmieden zweifelhafter Qualität standen, sind wohl schon sehr lange vorbei, als Hochtechnologieland dürfte Taiwan Deutschland schon lange überholt haben. Und das gerade auch in Sachen Qualität. Nicht ohne Grund sitzen dort Firmen, die für Branchenriesen hochwertige Aluminium und Carbon Teile fertigen.

Ich denke eher an 3 andere Möglichkeiten:
- wärmeisolierender Schutzlack
- große Kupfer(Masse)Flächen, an denen naturgemäß viele relativ einfache elektronisch geregelte Lötstationen scheitern. Sie können zwar bis rund 460 Grad erzeugen, diese Wärme aber wegen der kleinen Kolben bzw. Heizspiralen im Kontakt mit dem Lötgut nicht lange halten.
- silberhaltiges Zinnlot


[Beitrag von frank60 am 09. Nov 2017, 21:46 bearbeitet]
Uwe_1965
Inventar
#5 erstellt: 09. Nov 2017, 21:58
Interessantes und Wissenswerte über Lote findet man hier.

Wenn eine Lötung schlecht auflötbarr ist, hilft meist etwas Flußmittel. Es reicht meist wenn mann die Lötspitze kurz eintaucht und spätestens beim 2ten Versuch klappt es mit dem aufschmelzen.

Gruß Uwe.

Mein Lieblingslot ist : L-Sn60PbCu2 (1,6–2 % Kupfer; 183 °C Solidus-, 190 °C Liquidustemperatur) von Fluitin


[Beitrag von Uwe_1965 am 09. Nov 2017, 22:06 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#6 erstellt: 09. Nov 2017, 21:59
Schau mal auf Wikipedia bevor ich hier die Welt erkläre. Die Schmelztemperatur stellt sich jedenfals nicht als Mitteltemperatur der einzelnen Metalle ein.
Eine Ground Plane kann natürlich auch Wärme abziehen. Das stimmt sicher auch.

Richard
frank60
Inventar
#7 erstellt: 09. Nov 2017, 22:20

Broesel02 (Beitrag #6) schrieb:
Die Schmelztemperatur stellt sich jedenfals nicht als Mitteltemperatur der einzelnen Metalle ein.

Sie steigt mit jedem % Bleianteil.
Blei wurde früher hauptsächlich Zinnlot beigefügt, um zu sparen. Bei ähnlichen Eigenschaften ist es deutlich günstiger als Zinn. Die gesundheitschädigende Wirkung hat dem ein Ende gesetzt.
Broesel02
Inventar
#8 erstellt: 09. Nov 2017, 23:12
Na gut Frank60,
an dir ist dann wohl das Eutektikum vorbeigegangen.

Richard
frank60
Inventar
#9 erstellt: 10. Nov 2017, 08:08
Ich habe schlicht und einfach in der Berufsausbildung nicht geschlafen. Was offensichtlich nicht bei Jedem der Fall ist.
Lennart777
Inventar
#10 erstellt: 10. Nov 2017, 08:39
Scheint aber schon etwas her zu sein und das Gedächtnis ist möglicherweise nicht (mehr) das Allerbeste?

Grüße
Lennart
eckibear
Inventar
#11 erstellt: 10. Nov 2017, 09:58
Mit der RoHS Reform sind bleihaltige Lote im kommerziellen Bereich, mit Ausnahme von wenigen weiterhin legalen Anwendungsbereichen, weitgehend verschwunden.

Und genau das hat im großen Teil der Fälle zur Erhöhung der Schmelztemperaturen geführt.
Außerdem sind die neuen Lote nicht unbedingt eutektisch, was deren Verarbeitbarkeit mit Hobbymitteln sehr stark beeinträchtigt, zumindest wenn man auf Zuverlässigkeit des Ergebnisses noch Wert legt.

Silber wird im Consumerbereich aus Kostengründen vermieden, dann schon eher Kupfer.
Uwe_1965
Inventar
#12 erstellt: 10. Nov 2017, 11:23
Denn Wiki Beitrag zu Eutektikum den kennt wohl schon jeder, aber hier eine schöne Illustration incl Erklärung, auch für NichtMaschinenbauer und Chemiker geeignet.

Gruß Uwe.
DB
Inventar
#13 erstellt: 10. Nov 2017, 14:52

frank60 (Beitrag #9) schrieb:
Ich habe schlicht und einfach in der Berufsausbildung nicht geschlafen. Was offensichtlich nicht bei Jedem der Fall ist.

Möglicherweise doch.

Schmelzpunkte:
Sn60Pb38Cu2 - 182°C
SnAg3,5Cu0,7 - 217°C

Hier steht was zur Temperatur:
http://www.kullik.co...i_Handlten_11-09.pdf

Hier noch was zur Verarbeitung:
https://files.elv.co..._Loete_Infosheet.pdf

Hier geht es um bleifreies Löten im Vergleich und auch darum, ob es überhaupt sinnvoll ist:
https://nepp.nasa.go...1-kostic-pb-free.pdf

Hier steht auch etwas über den Sinn von Blei im Lötzinn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Whisker_(Kristallographie)


MfG
DB


[Beitrag von DB am 10. Nov 2017, 14:53 bearbeitet]
frank60
Inventar
#14 erstellt: 10. Nov 2017, 18:47
Und?
das mag Alles sein, hat aber nichts mit dem Löten von Bleimuffen an Fernmeldekabeln zu tun, da nicht relevant. Und auf etwas Anderes habe ich mich nicht bezogen, es sei denn, Ihr beherrscht eine Geheimschrift, die ich verwendet habe, ohne es selbst zu wissen.
Vielleicht solltet Ihr mal lernen, das Geschriebene auch so zu deuten, wie es im Wortlaut geschrieben steht.

eckibear (Beitrag #11) schrieb:
Mit der RoHS Reform sind bleihaltige Lote im kommerziellen Bereich, mit Ausnahme von wenigen weiterhin legalen Anwendungsbereichen, weitgehend verschwunden.

Und genau das hat im großen Teil der Fälle zur Erhöhung der Schmelztemperaturen geführt.

Eben. Durch die Zugabe anderer Zusatzstoffe wie Silber oder Kupfer. Und ich habe geschrieben, daß bei bestimmten Kabeln reines Zinnlot votgeschrieben war. Wer findet den kleinen aber feinen Unterschied?
Aber genau das weiß ja hier Jeder besser, zusätzlich zum Andichten.


[Beitrag von frank60 am 10. Nov 2017, 18:51 bearbeitet]
Uwe_1965
Inventar
#15 erstellt: 10. Nov 2017, 19:43
Aber jetzt mal ganz ehrlich, was willst Du mit "reinem Zinnlot" und "Bleimuffen" machen. Das nannte man damals vielleicht so, aber meiner Erinnerung nach war in dem Lot für die Muffen etwa 20-40% Zinnanteil drin.
Deine Aussage oben zu den Schmelzpunkten von reinen Zinn und Blei war richtig, aber wenn man ein reines Produkt wie z.B. Zinn mit Blei verunreinigt dann sinkt der Schmelzpunkt und genau das will man auch beim Löten, denn. Löten ist ein thermisches Verfahren zum stoffschlüssigen Fügen von Werkstoffen, wobei eine flüssige Phase durch Schmelzen eines Lotes oder durch Diffusion an den Grenzflächen entsteht.
Gruß Uwe


[Beitrag von Uwe_1965 am 10. Nov 2017, 19:46 bearbeitet]
Keksstein
Inventar
#16 erstellt: 10. Nov 2017, 22:38
Das bleifreie Lot ist leider sehr schlecht zu verarbeiten, auch heute noch. Zusätzlich zum höheren Schmelzpunkt ist das Zeug recht spröde, größere Bauteile fallen gerne mal bei mechanischer Erschütterung ab oder es brechen Lötstellen. Man erkennt bleifreie Lötstellen oft weil sie nicht so glänzen wie jene die mit verbleitem Lot gemacht wurden.

Zuhause verwende ich nur verbleites Lot, sofern man seine Sachen nicht in Serie produzieren lässt und verkauft ist das offiziell erlaubt.
eckibear
Inventar
#17 erstellt: 10. Nov 2017, 23:10

frank60 (Beitrag #7) schrieb:

Broesel02 (Beitrag #6) schrieb:
Die Schmelztemperatur stellt sich jedenfals nicht als Mitteltemperatur der einzelnen Metalle ein.

Sie steigt mit jedem % Bleianteil.
Blei wurde früher hauptsächlich Zinnlot beigefügt, um zu sparen. Bei ähnlichen Eigenschaften ist es deutlich günstiger als Zinn. Die gesundheitschädigende Wirkung hat dem ein Ende gesetzt.


Blei wurde nicht aus Sparsamkeit zugefügt sondern aus mehreren entscheidenden, technischen Gründen:

1) Blei erniedrigt mit steigendem Anteil den Schmelzpunkt von Zinn zunächst einmal, und zwar nicht ganz unerheblich. Das verringert die thermischen Belastungen enorm.
2) Am eutektischen Punkt ist auch Ts am kleinsten und die Erstarrung erfolgt zudem homogen feinkristallin, was für zuverlässige Lötungen mindestens genauso wichtig ist.
3) Ein Mindestgehalt an Blei (so ab 3%) unterdrückt oder verhindert auch das ansonsten unberechenbare Auftreten von Whiskern.

Soweit ich informiert bin, waren Postkabel oft mit Blei ummantelt, wie alte Rohre. Blei lässt sich natürlich am einfachsten wieder mit Blei verlöten, ggf. mit Flussmittel. Alte Dächer wurden auch so gedeckt. Aber auch Blei ist schon nicht mehr ganz so billig wie man gemeinhin denkt.

Das Verlöten von Blei zu Blei mit Sn/Pb Loten geht schlecht, weil sich Zonen stark unterschiedlicher Zusammensetzung in der Phase bilden, der größte Teil der Lötzone wird weder eutektisch sein noch brauchbare Schmelzcharakteristiken haben.

Auch reines Zinn ist als Weichlot eigentlich immer ungünstig (s.o.), ganz besonders bei Handlötung ohne nennenswerte Prozesskontrolle.
Suche:
Das könnte Dich auch interessieren:
kalte Lötstellen beseitigen - eine Fotogeschichte
armin777 am 25.05.2007  –  Letzte Antwort am 26.05.2007  –  13 Beiträge
Nikko STA-8080 Reparatur
77er am 20.11.2016  –  Letzte Antwort am 25.01.2017  –  97 Beiträge
Reparatur am SK3930 RFT
RFTFan78 am 28.01.2011  –  Letzte Antwort am 24.02.2012  –  7 Beiträge
Sony Falcon - Reparatur und Instandsetzung
prollpopper am 17.12.2010  –  Letzte Antwort am 22.12.2010  –  13 Beiträge
Reparatur eines Marantz CD-73
buebo am 31.01.2009  –  Letzte Antwort am 06.03.2009  –  12 Beiträge
Brauche Hilfe bei Reparatur eines Scott
shabbel am 10.03.2011  –  Letzte Antwort am 15.03.2011  –  15 Beiträge
Reparatur eines YAMAHA DSP-A2070
Superarni am 10.03.2006  –  Letzte Antwort am 10.03.2006  –  2 Beiträge
Reparatur eines Telefunken HA 700
cyberhawk am 06.01.2009  –  Letzte Antwort am 16.01.2009  –  17 Beiträge
Reparatur eines Pioneer SX 203 RDS Tuner
haggy223 am 26.12.2010  –  Letzte Antwort am 27.12.2010  –  4 Beiträge
Suche REPARATUR in/um FLENSBURG
klangsynthese am 08.04.2009  –  Letzte Antwort am 13.02.2018  –  6 Beiträge
Foren Archiv
2017

Anzeige

Aktuelle Aktion

Partner Widget schließen

  • beyerdynamic Logo
  • DALI Logo
  • SAMSUNG Logo
  • TCL Logo

Forumsstatistik Widget schließen

  • Registrierte Mitglieder852.880 ( Heute: 2 )
  • Neuestes MitgliedGregorytof
  • Gesamtzahl an Themen1.422.775
  • Gesamtzahl an Beiträgen19.087.730

Top Hersteller in Hifi-Klassiker Widget schließen