Frontladerplattenspieler - welche gibt es?

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Feanor*
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 12. Sep 2019, 09:37
Hallo zusammen,

ich interessiere mich für den CD-Player unter den Plattenspielern. Ich habe nie einen gesehen/gehört und kenne eigentlich nur ein Video eines Sharp Optonica RP116. Ich finde das Teil technisch faszinierend und möchte damit auch mal ganz entspannt eine ganze Platte hören oder einzelne Stücke von A- und B-Seite anwählen.

Mir fällt da irgendwie die Recherche im Netz schwierig und möchte daher einfach mal in die Runde fragen, welche Geräte gibt es da eigentlich? Und natürlich, welche besonders empfehlenswert sind.

Danke Euch und beste Grüße
Achim
kölsche_jung
Inventar
#2 erstellt: 12. Sep 2019, 10:11
Neben sharp gab es da wohl einiges von Sony ... ich erinnere auch noch Dunkel nen Telefunken ... Grundig ... Akai? Mitsubishi?

Das waren aber zumeist "normale" Dreher, die nur eine Seite abspielen konnten, bi-directional sind mir nur die sharps bekannt ...
Die sharps bringen natürlich einige (mögliche) Probleme mit sich, Schubladenantrieb (wahrscheinlich über einen Gummiriemen), ich glaube meist Tangential über entsprechende 2 Antriebe (wahrscheinlich wieder Gummiriemen), ne Menge Sensoren und Steuerung ... wie da die Ersatzteilversorgung ist? ... und nicht zuletzt ... du brauchst 2 Tonabnehmer

Mich juckt es zwar auch immer in den Fingern - wobei es mir eher die Vertikaldreher angetan haben - aber bisher konnte ich mich noch zügeln ... aber ich habe gerade gesehen, dass ein RP-114 bei mir um die Ecke angeboten wird, da könnte ich doch ...
Feanor*
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 12. Sep 2019, 11:22
Da wirst Du recht haben aber basteln macht ja auch Spaß und Riemen sind wohl auch als Ersatzteil kein Thema. Wer einen Oldtimer fährt, muß auch basteln können

Neben dem 116 gibt es wohl noch die SHARP RP 103 106 107 117 118 119 205 207.... Ich tue ich mich aber auch schon schwer, Infos hierzu zu finden, welches das beste Gerät wäre - unter denen, die überhaupt verfügbar sind.... Ich hab ja keine Eile

Viel Spaß mit dem 114 - ist auch ein schönes Gerät aber vertikal zu "mächtig" für mein Wohnzimmer.
Passat
Moderator
#4 erstellt: 12. Sep 2019, 11:29
Beide Seiten abspielen, das gab es nur bei Sharp.
Da gab es als Schubladenspieler den RP-116, RP-117, RP-205, RP-207.
Alle Sharp gab es nur in Komplettanlagen.
Qualitativ unterscheiden die sich alle nicht.
Das sind im Prinzip alle die gleichen Geräte. Die haben nur eine unterschiedliche Typbezeichnung, weil die zu unterschiedlichen Anlagen gehören und die Nummer bei allen Komponenten der Anlagen gleich ist.
Zum RP-104/114: Die Geräte sind bis auf eine Kleinigkeit identisch:
Der RP-104 hat einen DIN-Anschluß und gibt Steuersignale an die 104er Anlage zur automatischen Eingangsumschaltung und Aufnahmestart/Stop.
Der RP-114 hat einn Cinchanschluß und gibt keine Steuersignale aus.

Die Sharp sind aber alle qualitativ Einsteigerklasse.
Die Geräte der anderen Hersteller sind qualitativ allesamt besser.

Ansonsten gab es einige Schubladenplattenspieler.
Im 43cm Vollformat z.B.:
Sony PS-FL 1 und PS-FL 5 (gabs nur in Silber), PS-FL 3 (gabs nicht in Deutschland)
PS-FL 7, PS-FL 7 II, PS-FL 9 (gabs nur in Komplettanlagen und nur in schwarz)
Pioneer PL-44F/FS und PL-88F/FS (F = Gold, FS = Silber)
Grundig PS 5600
Schneider DCS 8070 STP, STP 9000 (Beide gabs nur in Komplettanlagen)

Im Midi-Format:
Sony PS-FL 77, PS-FL 770, PS-FL 99
Pioneer PL-X50
JVC QL-G90
Hitachi HT-F1, HT-MD55

Grüße
Roman


[Beitrag von Passat am 12. Sep 2019, 11:59 bearbeitet]
dustdevil
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 12. Sep 2019, 11:52
Diesen hier:
ELP

muss man wohl auch dazuzählen.
http://www.elpj.com/113-2/

-edit-

sehe gerade, du willst beidseitig abspielen, das kann der elp, glaube ich nicht, mea culpa


[Beitrag von dustdevil am 12. Sep 2019, 11:56 bearbeitet]
Feanor*
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 12. Sep 2019, 13:49
Hallo zusammen,

danke besonder an Roman für die sehr gute Übersicht!

Ich würde dennoch gerne einen Sharp RP ins Auge fassen, habe jetzt aber Bedenken, weil Du schreibst, dass die qualitativ nicht so dolle waren. Als Besitzer von Dual 1219 und -29 bin ich da sicher verwöhnt. Ist die RP-Serie u.U. schlecht reparabel oder sogar extremst Störanfällig? Benutzen möchte ich den ja schon

Danke Euch für die Hilfe!
Achim
8bitRisc
Inventar
#7 erstellt: 12. Sep 2019, 22:42
Im Vergleich zu den heutigen Plattenspielern ist es echt erstaunlich zu sehen welche Ingenieurskunst mal in den Plattenspielern steckte.

Auch wenn die Sharp Player eindeutig in Richtung Komfort optimiert wurden finde ich das echt beeindruckend. Das Problem ist evtl. daß es bei den genannten Modellen keinen richtigen Plattenteller gibt, weil die Platte ja nicht gewendet wird und trotzdem beidseitige Wiedergabe möglich ist.

Von Sharp gab es auch den großen Optonica RP-9100 welcher direkte Titelanwahl erlaubte aber ansonsten als normaler Player mit richtigem Teller keine beidseitige Wiedergabe ermöglichte.

Die Tonqualität kommt in erster Linie vom Tonabnehmer. Klanglich kommt man daher schon mit einfachen Plattenspielern (z.B. Brettspieler) recht weit.


[Beitrag von 8bitRisc am 12. Sep 2019, 22:47 bearbeitet]
Passat
Moderator
#8 erstellt: 13. Sep 2019, 00:44
Die Plattenspielertechnik war schon in den 30ern teilweise viel weiter als heute.
Damals gab es schon Plattenspieler als Plattenwechsler, die sogar die Platte umdrehen konnten.

6 Platten auf den Stapel, Play drücken, Gerät holt Platte vom Stapel, spielt erste Seite ab, danach wird die Platte vom Teller abgehoben, umgedreht und wieder auf den Plattenteller gelegt und abgespielt. Ist die 2. Seite zu Ende, wird die Platte vom Plattenteller geholt und auf einen zweiten Stapel abgelegt und die folgende Platte vom ersten Stapel geholt.
Das ganze rein mechanisch und wie geschrieben: Schon in den 30ern!

Später gabs das auch kommerziell in Jukeboxen.

Grüße
Roman
Feanor*
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 13. Sep 2019, 12:29
Hallo zusammen,

danke für die weiteren Details!

Tja, technisch wäre das sicher heute alles ein klacks. Ist aber auch selbst für mich nicht interessant, einen Dreher mit Kuka-Arm o.ä. zu erwerben.
Wir haben heute technisch andere Möglichkeiten, non-stop Musik zu hören.... Es wäre ja eh nicht mehr dasselbe - diese komplexen Mechaniken baut heute keiner mehr effizient, denke ich.
Mit dem Sharp würde ich mir ja quasi einen Zeitzeugen ins Haus, irgendwie ein letztes Aufbäumen der Plattenindustrie gegen die CD...
Die Wechsler der 30er Jahre sind natürlich echte Leckerbissen. Ich besitze nur keine Schellacks - das wäre eine reine Spaßgeschichte. Wer weiß, was die Zukunft bringt

Neben den Sharps gibt es übrigens noch den Sansui PL-95R mit Doppelsystem.

Beste Grüße
Achim
Feanor*
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 14. Sep 2019, 20:16
Danke nochmals allen für die Hilfe!
Meine Frage ist soweit beantwortet.

Eine gute Zeit Euch allen
Achim
8bitRisc
Inventar
#11 erstellt: 15. Sep 2019, 11:33
[quote="Feanor* (Beitrag #9)"]...
Tja, technisch wäre das sicher heute alles ein klacks..../quote]

Ich denke es ist eher umgekehrt. Früher hatte jeder Plattenspieler ab der Mittelklasse zumindest eine Endabschaltung mit Tonarmanhebung.

Man kann sowas sicherlich umsetzen. Aber es gibt wahrscheinlich kaum noch Ingenieure welche auf diesem Gebiet im Bereich Audiotechnik erfahren sind.
Kein Wunder, daß die heutigen Plattenspieler alle fast rein manuell sind.
kölsche_jung
Inventar
#12 erstellt: 15. Sep 2019, 16:58

8bitRisc (Beitrag #11) schrieb:
... eine Endabschaltung mit Tonarmanhebung.

Man kann sowas sicherlich umsetzen. Aber es gibt wahrscheinlich kaum noch Ingenieure welche auf diesem Gebiet im Bereich Audiotechnik erfahren sind.
...

Sowas sollte ein Student spätestens im 2. Semester drauf haben...
Feanor*
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 17. Sep 2019, 19:40
Ich meinte auch nur die reine Plattenumdrehfunktion. Mit so einem Roboterarm läßt sich heute so einiges anstellen, ob Mikroprozessoren bauen oder Tischtennis spielen. Da ist Platte heben und drehen wohl ein klacks, das zu bezahlen allerdings weniger. Letzteres ist dann wohl auch der Grund für die fehlende Endabschaltung bei Kleinserienprodukten.

Da habe ich keine Ahnung von - aber ein sehr erfahrener Kollege aus einem anderen Forum hat das sehr schön beschrieben:


das Thema "Endabschaltung" ist leider nicht so einfach, wie man denkt.

Ein fester Abschaltpunkt führt leider nicht zum Ziel. Denn Singles sind noch auf Radien bespielt, wo bei LPs bereist die Endrille ist. Daher sind mindestens 2 Abschaltpunkte nötig, wenn man den mit einem Positionssensor, wie einer einfachen Lichtschranke an das Thema ran geht. In diesem Fall benötigt man dann einen Umschalter zwischen diesen Positionen. Hierfür kann aber nicht der Geschwindigkeitsschalter verwendet werden. Denn Maxi-Singles haben die Endrille an dem Radius wo sie bei LPS sitzt. Außerdem ist eine kleine Schaltlogik nötig. Sonst läuft der Spieler wieder an, wenn man den Tonarm zurückführt.

Insofern ist das Erfassen der Rillensteigung die meines Erachtens die vernünftigere Methode. Sie kommt auch ohne jeglichen Wahlschalter aus. Aber die Erfassung der Steigung ist auch nicht trivial. Bei Dual wurde hier eine ausgeklügelte Mechanik verwendet (Ausnahme CS5000 und Co.). Im Abstellbereich wird ein Hebelwerk mit einem "Reset"-Mechanismus verwendet. Die Abstellschiene schiebt einen kleinen Hebel in Richtung Tellerlager, welcher dann von einem Nocken an der Tellerachse erfasst wird. Bei einer langsamen Bewegung des Tonarmes wird der kleine Hebel immer wieder zurückgesetzt. Bewegt sich der Tonarm schneller nach Innen (= Auslaufrille) erfasst der Nocken den Hebel und löst die Abschaltmechanik oder Automatik aus.

Bei CS5000 und Co. wurde die Erfassung der Rillensteigung elektronisch gelöst. Hier taucht ein Encoder (Strichcode) in eine Lichtschranke ein. Erfolgt der Wechsel von hell auf dunkel langsam, wird nicht abgeschaltet. In der Auslaufrille kommen die hell/dunkel Signale schneller. Dann schaltet die Logik ab. Diese elektronische Schaltung lässt sich nur mit einem Mikroprozessor sinnvoll realisieren.

Es gab auch Abschaltlösungen mit Tauchspulen (nicht bei Dual). Hier wird durch Eintauchen eines Magneten in eine Spule eine kleine Spannung generiert, welche dann ausgewertet wird. Schnelle Tonarmbewegung = höhere Spannung. Hierfür muss eine analoge Spannung ausgewertet und mit einer Referenzspannung verglichen werden. Das ist nicht ganz trivial, wenn diese Schaltung zuverlässig funktionieren soll. Eine etwas exzentrische Platte kann schon Probleme verursachen.

Aktuell ist auch eine Variante der Endabschaltung mittels Überwachung des Musiksignales beliebt. Hier wird sozusagen elektronisch mitgelauscht, ob noch ein Musiksignal vorhanden ist. Ist es über längere Zeit still, mit Ausnahme des "Plopp" 1x pro Umdrehung, schaltet ein Mikroprozessor ab.

Schwierig wird es auch bei der Liftbetätigung. Man darf hier keine Liftmechanik verwenden, die direkt mit einem Lifthebel bedient wird (z.B. wie der beliebte Lift von Jelco). Den kann man nur schwer mit einer Elektronik betätigen. Da muss schon etwas Hebelwerk im Inneren des Gerätes verwendet werden, um dieses Feature zu bewerkstelligen. Einfach mal einem Dual 510 oder 704 unter die Haube sehen, dann sieht man den Aufwand und auch, dass diese Mechaniken sehr auf den Tonarm zugeschnitten sind. Später beim Dual CS5000 oder CS750 wurde die automatische Liftbetätigung mit einem Elektromagneten, statt der vielen Mechanikteile realisiert. Allerdings übersteuert hier die elektronische Betätigung einfach die mechnaische Betätigung mit dem Lifthebel beim Anheben des Tonarmes. Das birgt meines Erachtens einen großen Nachteil. Schaltet das Gerät am Plattenende ab, so hebt der Lift durch die elektronische Betätigung an. Der Lifthebel bleibt aber unten. Beim erneuten Starten durch Einschewenken des Tonarmes ist der Lift zunächst oben. Ist jedoch die Solldrehzahl erreicht, wird der Tonarm einfach abgesenkt. Wenn man also etwas länger braucht, bis man den richtigen Track auf der Platte angepeilt hat, ist das nicht gerade schonend für die Platte.

Der Liftmagnet bei CS5000 und CS750 ist auf korrekterweise stromlos oben. Das heisst aber auch, dass er während des Abspielens permanet bestromt ist. Dabei würde er sehr viel Wärme entwickeln. Deshalb hat die Platine extra eine "Power-Reducer" Schaltung. Diese wird vom Microprozessor kurz nach dem Betätigen über einen zweiten Ausgang angesteuert (Verringerte Betriebsspannung reicht dann zum Halten des Magneten aus).

Es gibt also schon den einen oder anderen Grund, warum nahezu kein Kleinserien-Plattenspieler eine voll funktionierende Endabschaltung mit Liftanhebung am Plattenende hat.
8bitRisc
Inventar
#14 erstellt: 17. Sep 2019, 21:48
Ich sehe das auch so, daß die Endabschaltung nicht so trivial ist wie man vielleicht denken könnte.

Der Artikel dazu ist klasse. Den habe ich gerade mit großem Interesse gelesen.

Es gibt natürlich Firmen wie z.B. Rega und Project die nun schon lange im Geschäft aktiv und erfolgreich sind und es an dieser Stelle immer noch nicht drauf haben. Da frage ich mich schon ob in diesen Firmen überhaupt sowas wie Entwicklung betrieben wird.
Beim erstgenannten Hersteller soll es ja Modelle geben, welche das Thema Brummeinstreuung in den Tonabnehmer nicht mal im Griff haben.
Da frage ich mich Entwicklungsingenieur, warum solche Produkte dann überhaupt noch gekauft werden.

Von Thorens als Urgestein der Phonotechnik könnte man auch erwarten, daß man nicht gleich bei Dual anfragen muß wenn man mal nen Vollautomaten bauen will.

Und Dual kann es ja selbst auch nicht mehr, wenn ein neues Modell nicht wie eines der unzähligen CS-4xx Ableger aussehen soll.

Also irgendein besseres Tellerlager auf ein Brett zu schrauben und ein wenig Kosmetik am Design und Tonarm ist noch lange keine ernst zu nehmende Neuentwicklung.
tomtiger
Administrator
#15 erstellt: 17. Sep 2019, 22:52
Hi,


Feanor* (Beitrag #13) schrieb:
Da habe ich keine Ahnung von - aber ein sehr erfahrener Kollege aus einem anderen Forum hat das sehr schön beschrieben:


selbst DDR Plattenspieler mit Tangentialtonarmen hatten eine optische Titelerkennung. Ein Arm, der einmal über die Platte fährt und den Auslauf erkennt kostet nix .....

LG Tom
kölsche_jung
Inventar
#16 erstellt: 17. Sep 2019, 23:09
...passt dann aber nicht zur Mystifizierung der ollen Technik...
Feanor*
Ist häufiger hier
#17 erstellt: 18. Sep 2019, 07:01
Gab es so einen wirklich in der DDR? Welche wären es denn?
(Wundert mich auch, weil man hatte ja vorher schon Plattenspieler die funktionierten... Ingenieurskunst hatte man natürlich in der DDR und das auch bei Rohstoffknappheit. Beim Trabi finde die Bauweise der Karosse für seine Zeit sehr beeindruckend - allerdings hatte man ab da halt ein Auto und brauchte wohl kein neues...?)

Ich begreife auch nicht, warum die Endabschaltung -auch in Kleinserien- so schwierig sein soll. Messtechnik und Aktuatoren arbeiten heute mit einer ganz anderer Präzision. Ich bin allerdings auch einer, der sich schon mal unter seinen 1219 legt und genau bestaunt, welche Hebel das Kurvenrad so ansteuert.... Ein Elektronikbomber als Plattenspieler würde mich gar nicht interessieren. Daher fand ich die von mir kopierten Zeilen auch so interessant und habe sie mal geteilt.


[Beitrag von Feanor* am 18. Sep 2019, 07:02 bearbeitet]
kölsche_jung
Inventar
#18 erstellt: 18. Sep 2019, 08:37

Feanor* (Beitrag #17) schrieb:
.... Ich begreife auch nicht, warum die Endabschaltung -auch in Kleinserien- so schwierig sein soll. ...

Das Problem ist nicht die Endabschaltung, die ist - auch wenn da anderes geglaubt und in Eso-Foren verbreitet wird - Kinderkram.
Das Problem ist eher die Implementierung ... Plattenspieler werden heute oft nach einem Baukastensystem zusamengewastelt ... das meiste Zeug ist ja, irgendein Motörchen, irgendein Lager und irgendeinen Arm in die Bohrungen im Brettchen gesteckt, fertig ... quasi LegoDuplo für Erwachsene
Eine Endabschaltung oder gar Automatik verlangt hingegen einen gewissen konstruktiven Aufwand, einen solchen Arm "steckt" man nicht "einfach so" in ein Brettchen.
Burkie
Inventar
#19 erstellt: 18. Sep 2019, 21:07
Hallo!

Es stimmt, das eine ist es, die Auslaufrille zu erkennen.

Das andere, den Tonarm dann anzuheben.
Man muss also eine Mechanik verbauen, die den Tonarm anhebt, oder den Lift betätigt.

Im einfachsten Fall, einen Aktor am Lift anbauen, der den Tonarm anhebt.
Nun braucht man noch ein Signal, dass das Ende der Platte detektiert.

Das kann man dadurch erreichen, dass man je nach Plattengröße (LP, Single, 10") feste Auslaufrillen-Punkte festsetzt. Wenn der Tonarm z.B. bei LP-Größe von 12" die normgerechte Auslaufrille erreicht, ein Kontakt geschaltet wird, der die Auslaufrille signalisiert.

Dazu braucht man Signalgeber am Tonarm, die die Tonarmposition an die Steuerelektronik melden, und die je nach eingestellter Plattengröße erkennt, ob die Auslaufrille erreicht ist.
Im allereinfachsten Fall sind das Schleifkontakte an der senkrechten Tonarm-Lagerachse, die bei Erreichen der Leerrille für 12", 7" und 10" je einen Kontakt schließt, sodass die Elektronik bescheid weiß.
Oder aber, Lichtschranken und ein an der senkrechten Drehachse montiertes gelochtes Schwert, welches für die Leerrillenpositionen der verschiedenen Plattengrößen dann jeweils das Licht durchlässt.
Der Hase liegt im Pfeffer der Genauigkeit und Präzision der Fertigung. Sowie in der notwendige Möglichkeit, den Endpunkt justieren zu können...

Es gibt auch fertige Winkelgeber zu kaufen, die an einen Mikroprozessor den aktuellen Drehwinkel des Tonarms melden. Ist der Winkel für die Leerrille entsprechend der Plattengröße erreicht, schaltet der Mikroprozessor in den Tonarm-Hebemodus um.

Das sind tatsächlich konstruktive und fertigungstechnische Aufwände, die womöglich in keinem rechten Verhältnis zum erzielbaren Gewinn stünden.

Plattenspieler ohne jeden Komfort, gar mit händischem Umlegen des Antriebsriemens zur Drehzahlumschaltung verkaufen sich ja auch noch zu Höchstpreisen...

Grüße
8bitRisc
Inventar
#20 erstellt: 18. Sep 2019, 21:19

Burkie (Beitrag #19) schrieb:
Plattenspieler ohne jeden Komfort, gar mit händischem Umlegen des Antriebsriemens zur Drehzahlumschaltung verkaufen sich ja auch noch zu Höchstpreisen.

Dieser Umstand ist der Fachpresse zu verdanken, welche ja schon damals in den 70ern und 80ern eine gewisse Vorliebe für rein manuell zu bedienende Geräte hatte. Wenn ein technischer Laie das gelesen hat, glaubte er das was geschrieben wurde.
Die Einstellung der Fachpresse zum Thema hat sich bis heute nicht geändert. Ansonsten hätte man schon längst mal darauf hingewiesen, daß es für die Hersteller langsam Zeit wird auch mal was in Richtung Komfort anzubieten.
Passat
Moderator
#21 erstellt: 18. Sep 2019, 22:53
Die Endabschaltung ist nur eine Frage der Programmierung.
In der Industrie gibts Kameraüberwachung.
Da muß man nur mit einer kleinen Kamera den Bereich der Auslaufrille beobachten.
Erkennt die Kamera, das die Nadel das Ende der Auslaufrille erreicht, wird der Motor abgeschaltet und der Tonarm angehoben.

Das Anheben des Tonarms geht sogar universell und ohne das der Lift am Tonarm selbst daran beteiligt ist.
Man braucht nur eine kleine Brücke zwischen Tonarm und Plattenteller, die sich einfach anhebt und wenn sich der Tonarm über der Brücke befindet, den Tonarm mit anhebt.
Bei Neustart des Plattenspielers senkt sich die Brücke wieder.

So etwas kann man auch in reinen Laufwerken, die ab Werk gar keinen Tonarm haben, einbauen, es ist also universal für alle Drehtonarme.
Und so etwas würde auch mit Tonarmen funktionieren, die gar keinen Lift haben (ja, solche Tonarme gibt es!).

Grüße
Roman
tomtiger
Administrator
#22 erstellt: 19. Sep 2019, 03:26
Hi,


Feanor* (Beitrag #17) schrieb:
Gab es so einen wirklich in der DDR? Welche wären es denn?



HMK-PA 1205

https://www.youtube.com/watch?v=gwWsn_KNgbc

LG Tom
Feanor*
Ist häufiger hier
#23 erstellt: 19. Sep 2019, 11:06
Hallo Tom,

danke für Info und Links. Wirklich sehr interessant und motivierend mehr über RFT nachzulesen!

Beste Grüße
Achim
Burkie
Inventar
#24 erstellt: 19. Sep 2019, 20:22

tomtiger (Beitrag #22) schrieb:
Hi,


Feanor* (Beitrag #17) schrieb:
Gab es so einen wirklich in der DDR? Welche wären es denn?



HMK-PA 1205

https://www.youtube.com/watch?v=gwWsn_KNgbc


Hallo,

wie teuer war der eigentlich?
Und wie wurde die Steuerung des Tonarms realisiert? Also, der Vortrieb, wenn er abspielt.

Grüße
Passat
Moderator
#25 erstellt: 19. Sep 2019, 20:42
Preis steht doch im Link: 1780,- Mark der DDR.

Wie die Steuerung konkret beim HMK gemacht ist, weiß ich nicht.
Aber bei vielen Tangentialplattenspielern befinden sich Sensoren am Tonarm, die bemerken, wenn sich der Tonarm minimalst schief stellt, weil er ja von der Rille weitergezogen wird.
Wenn das der Fall ist, wird der Tonarm motorisch nachgeführt.

Die Mär, das der Spurfehlwinkel bei einem Tangentialtonarm 0 ist, stimmt also nicht.
Er ist nur erheblich kleiner als bei einem Drehtonarm.

Und bei manchen Tangentialplattenspielern haben die HiFi-Zeitschriften in den 80ern auch durchaus Regelgeräusche des Armantriebs im Ausgangssignal feststellen können.

Grüße
Roman
Burkie
Inventar
#26 erstellt: 19. Sep 2019, 22:02

Passat (Beitrag #25) schrieb:
Preis steht doch im Link: 1780,- Mark der DDR.

Danke sehr, habe ich übersehen. Wieviel machte das denn umgerechnet auf Durchschnittslohn der DDR?



Aber bei vielen Tangentialplattenspielern befinden sich Sensoren am Tonarm, die bemerken, wenn sich der Tonarm minimalst schief stellt, weil er ja von der Rille weitergezogen wird.
Wenn das der Fall ist, wird der Tonarm motorisch nachgeführt.

Und bei manchen Tangentialplattenspielern haben die HiFi-Zeitschriften in den 80ern auch durchaus Regelgeräusche des Armantriebs im Ausgangssignal feststellen können.


Genau darauf wollte ich hinaus.

Bei einfachen Konstruktionen war der Sensor einfach nur ein Kontakt, der geschlossen wurde, und dem Armantriebs-Motor plötzlich Strom gab, sodass er ruckartig anlief, und damit eine Art Rumpelgeräusch machte, ähnlich, als wenn jemand mit dem Finger auf die Zarge klopfte.

Solche impulsartigen Störungen sind subjektiv weitaus nerviger und störender als kontinuierliches gleichmäßiges Rumpeln.
Möglicherweise wird normgerecht der Rumpel-Geräuschabstand über eine zeitliche Mittelung des Rumpel-Pegels gemessen, sodass Tangential-Spieler auf dem Papier zwar gut dastehen, wegen der impulsartigen "lauten" Rumpel-Peaks aber subjektiv deutlich schlechter klingen als Radialtonarm-Spieler mit laut Papier gleichlauten oder gar schlechteren Rumpel-Werten...

Meiner Ansicht nach, müsste der Tangentialarm-Antrieb langsam anfahren und auch langsam abbremsen, um Impulse zu vermeiden. Möglicherweise lässt sich das rein mechanisch, über Gummi-Antriebsriemen und Seilzug, verwirklichen (dabei wird der Motor durchaus impulsartig angesteuert, der Gummiriemen aber federt die Impulse ab).

Manche Antriebe waren über Gummiriemen und Schnecken-Schraubstange realisiert, was wegen des Spiels der in die Schnecke eingreifenden Zähne des Tonarmschlittens wohl schon zu Impulsen führte....

Grüße
Passat
Moderator
#27 erstellt: 19. Sep 2019, 22:41
Es gab und gibt auch komplett antriebslose Tangentialtonarme.
Die gleiten dann eintweder mit Rollen über eine polierte Stahlstange oder sie gleiten auf einem Luftpolster.
Zur Nachführung muß da nur die Massenträgheit überwunden werden.

Man hätte das System auch perfekt gestalten können:
Auf der Platte einen Code anbringen, der optisch ausgelesen werden kann.
Im Code ist dann die Vorschubgeschwindigkeit des Schneidstichels beim Schneiden der Platte gespeichert.
Und genau mit dieser Vorschubgeschwindigkeit könnte dann der Tonarm über die Platte geführt werden.
Der Tonarm würde sich also kontinuierlich mit konstanter Geschwindigkeit bewegen.

Grüße
Roman
tomtiger
Administrator
#28 erstellt: 20. Sep 2019, 03:06
Hi,

beim Trsanscriber wird ja der Plazzenspieler unter dem Tonarm durchgeschoben ..... realisiert wird das per Lichtschranke am Tonarm und einem Motor, mit extremer Übersetzung, 10 mal drehen und der Plattenteller wandert einen halben mm weiter, dazu ein Kondensator, der den Motor langsam andrehen und langsam ausdrehen lässt, der Motor steht de facto nie ganz still .....

Beim Rabco gibt ein ein Rad, dessen Neigung zu einer Welle den Vortrieb übernimmt, auch da muss die Welle schnell drehen um kleine Distanzen zu überwinden, weshalb es oft in der Auslaufrille zu einem Schiefstand des Tonarms kommt (bei vielen Tangential - Konzepten) .... Der Vortrieb wird durch Veränderung des Winkels des Antriebsrades zur Welle reguliert ...


Beim RFT ist im Tonarmschlitten ein Magnet und drunter eine oder mehrere Spulen, die entsprechend angesteuert Vor- und Rücktrieb steuern. Also de facto berührungsfrei .... wenn man den extrem einstellt, wird bei stark exzentrischen Platten tatsächlich der Tonarm vor und zurück bewegt.

Interessant auch die Tonarm Hebefunktion, ein Heizdraht wird mit Strom beaufschlagt, und ein in den Tonarm eingebauter Bimetallstreifen hebt den Arm hoch ...

Auch der Direktantrieb ist interessant, der Teller ist extrem leicht, ein entsprechend kleiner Ringmagnet fix angebracht, und darunter auf einer Platine geätzte Spulen treiben das Ding an, samt irgendeiner Steuerung ...

Bei dem RFT scheint es, als hätten sich einige begeisterte Techniker austoben dürfen ....

LG Tom
tomtiger
Administrator
#29 erstellt: 20. Sep 2019, 03:08
Hi,


Passat (Beitrag #27) schrieb:
Zur Nachführung muß da nur die Massenträgheit überwunden werden.


manche Hersteller behaupten Vorteile, da diese Konzepte stark unterschiedliche horizontale und vertikale effektive Massen haben, samt einfacher Schwingungsdämpfer (Eminent ET 2.x Tonarme)

LG Tom
kölsche_jung
Inventar
#30 erstellt: 20. Sep 2019, 08:40

Passat (Beitrag #27) schrieb:
... Tangentialtonarme ...

Man hätte das System auch perfekt gestalten können:
Auf der Platte einen Code anbringen, der optisch ausgelesen werden kann.
Im Code ist dann die Vorschubgeschwindigkeit des Schneidstichels beim Schneiden der Platte gespeichert.
Und genau mit dieser Vorschubgeschwindigkeit könnte dann der Tonarm über die Platte geführt werden.
Der Tonarm würde sich also kontinuierlich mit konstanter Geschwindigkeit bewegen.

... was allerdings im Hinblick auf die Rheinsche Füllschrift wenig zielführend wäre ...


[Beitrag von kölsche_jung am 20. Sep 2019, 08:40 bearbeitet]
Burkie
Inventar
#31 erstellt: 20. Sep 2019, 10:20

Passat (Beitrag #27) schrieb:

Man hätte das System auch perfekt gestalten können:
Auf der Platte einen Code anbringen, der optisch ausgelesen werden kann.


Hat man doch gemacht.
Ist heutzutage als CD bekannt.

Grüße
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