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was läuft zunehmend schief im Geschäftsfeld HIFI?

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sohndesmars
Inventar
#2206 erstellt: 24. Feb 2026, 06:34
Kapitalismus und auch die vermeintlich mildere Variante soziale Marktwirtschaft verlangt nun mal Eigeninitiative. Es wäre hilfreich gewesen, wäre Finanz- und Sozialwirtschaft, dazu vielleicht auch ein wenig Volkswirtschaft, Bestandteil der schulischen Ausbildung. Dann hätte sich vielleicht nicht die Mehrheit der Bürger mit den trügerischen Geschichten der "die Renten sind sicher" blenden lassen. Wir Boomer hatte von Anfang an schlechte Karten, die Schulklassen völlig überfüllt, die Eltern hatten meist andere Sorgen (Nachkriegszeit), die Lehrer entweder links- oder rechtslastig (Sozialisten, Altnazis).
Nach der Schule konkurierten wir bei der Suche nach Ausbildungsplätzen mit vielen Mitbewerbern. Und wenn wir dann endlich in die Selbstständigkeit gehen wollten, stellten wir fest, dass viele der lukrativen Erwerbsquellen schon von den Jungen aus der Kriegsgeneration besetzt waren. Trotzdem konnten wir darauf hoffen aufzusteigen und Immobilien zu erwerbern, auch ohne Erbe. Wer da nicht begriffen hat, dass alle Ressourcen endlich sind und nicht irgendwie privat vorgesorgt hatte, der schaut jetzt bezüglich Rente belämmert auf sein laues Konto.

Es ist halt so, für zukünftig zehn Millionen Rentner der Boomergeneration kann die soziale Marktwirtschaft nicht mehr vollumfänglich aufkommen.
Das hatte ich übrigens schon 1980 im Sozialkundeunterricht am Gymnasium von meinem konservativen Lehrer zu hören bekommen. Man hätte es also wissen können. Mein privates Problem war, dass ich finanzielle Risiken im Unternehmerischen eingegangen bin, als das Pferd, dass ich ritt, schon erkennbar am sterben war. Zwar bin ich rechtzeitig abgestiegen, aber ein großer Teil meiner Alterssicherheit hatte ich doch zuvor in das Überleben des Pferdes gesteckt. War halt eine weniger geschickte Vorgehensweise.
Und? Ist die Gesellschaft daran schuld? Wieviele Existenzen wurden durch ganz andere Krisen und Wandlungen vernichtet? Allein schon durch den Fall der Mauer. Billiglohnland DDR, in dem zu geringen Kosten enorm viele Konsumgüter mit billiger Energie produziert wurden, ist abgebrannt. Die "wir sind das Volk"-Bürger dachten, ihnen fliegen zukünftig die gebratenen Wachteln in den Mund. Auch so eine Illusion, die bei näherer Betrachtung absolut unrealistisch war.

Was ich aktuell nun seit 20 Jahren beobachte: die Initiativen bezüglich Selbstständigkeit und wirtschaftlich realistische Selbstverwirklichung gehen zum großen Teil von Nicht-nativ-Deutschen aus. Der gemeine Deutsche sucht Work-Life-Balance, will oft nicht mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten. Und bloß nicht die Finger schmutzig machen. Als Ausbilder suchte ich schon vor 20 Jahren vergeblich Nachwuchs fürs Handwerk. "wir werden ja nur als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, nee, ohne mich!" Es ist ja so unerträglich, dass man nicht gleich als Geschäftsführer einsteigen kann ins Berufsleben, einfach grausam, gell? Und dann soll man auch noch für die Renten derer aufkommen, die schon alle Ressourcen verbraucht haben. Das bekomme ich von Jugendlichen zu hören, die oft im Wohlstand ohne existenzielle Bedrohungen aufgewachsen sind.
Und nun kommen noch paar ganz abgebrühte mit der Forderung, diese Jugendlichen sollen dieses Land verteidigen, die Wehrpflicht soll wieder kommen. "Nee, ohne uns. Macht euren ScheiX allein!"

Da stehen wir jetzt. Wir wollten die Ellenbogengesellschaft, wir haben die Ellenbogengesellschaft. Und wenns einem alles über den Kopf wächst, taucht man ab nach TikTok und Co. Ist so viel einfacher.

Was heißt das für mich Boomer? Es gibt viel zu tun, packen wirs an und hoffen, dass wir lang genug Kraft haben, für uns selbst zu sorgen. Es wird kein Anderer da sein.


[Beitrag von sohndesmars am 24. Feb 2026, 06:34 bearbeitet]
8erberg
Inventar
#2207 erstellt: 24. Feb 2026, 11:01
Hallo,

in der Schule sollte man das den Kidds wirklich richtige "Wirtschaftslehre" beibringen, denn anscheinend sind die Eltern dazu nicht in der Lage...

Als "Boomer" hab ich schon in den 60ern gelernt das von nix nix kommt, lag auch vielleicht daran das meine Mutter ein kleines Ladengeschäft hat und ich schon mit 8 Jahren Zeitungen ausgetragen habe. Ja, "unverantwortlich so einen kleinen Jungen" an die Arbeit zu kriegen und das neben Schule und Arbeiten auch zu Hause, wir hatten Garten, im Haushalt gab es auch immer was zu tun.

Das Problem ist das viele der nachfolgenden Generation garnicht wissen was Arbeit bedeutet bis sie mit 16 - 20 Jahren aus der sicheren Schule plötzlich in den "Ernst des Lebens" geschubbst werden. Wie was funktioniert ist vielen trotz "Sendung mit der Maus" nicht bewusst.

Auch als Boomer war mir klar das wir die vollsten Klassen hatten, danach um die wenigsten Ausbildungsplätze kämpfen mussten und nach der Lehre erst einmal sehen konnten wo wir denn überhaupt Arbeit kriegen, damals hatten wir hier im Münsterland (Anf. 80er Jahre) fast 12 % Arbeitslosigkeit, da die Textilindustrie komplett zusammenbrach, im Ruhrpott sah es nicht besser aus bei Kohle & Stahl, so zogen viele nach Süddeutschland oder Rhein-Main. Konnte ja keiner denken das es hier ein "kleines Wirtschaftswunder" gab sodas wir heute bei unter 4 % Arbeitslosigkeit liegen...

Immer wurde schon erzählt das die Rentenfinanzierung so nicht weitergeht, dennoch sind meine Kumpels im Freundeskreis hingegangen und gaben mit vollen Händen die Kohle für Autos, Urlaub und Feiern aus. Haus bauen? Sparen? Sich absichern? Wozu?

Heute jammern die Gleichen über 1600 Euro Rente...
Sorry, jeder mit 2 Augen im Kopf hätte das ab Mitte der 80er Jahre sehen können - und jeder ist auch für sein Leben selber verantwortlich.
Das "Mimimi" und "aber das haben wir nicht gewusst" - halloooo?

Dem gemeinen DDR-"Bürger" hätte es doch klar sein müssen, das der Westen genug Macken hat... anscheinend hat die "ABC"-Propaganda der SED überhaupt nicht gewirkt. Ich weiß noch wie ich noch 1989 in der DDR immer wieder warnte "macht keine Schulden, passt auf, ausser einer Haftpflichtversicherung und Hausratversicherung braucht ihr erstmal nix" - und die es "besser wussten" und meinten im VEB Bruch & Dalles geht alles weiter im sozialistischen Gang während nur die Bezahlung auf D-Mark auf Westniveau geht.
Flötepiepen. Hätte man sich auch denken können... hätte man sich mal den Zustand der Industrie genauer angeschaut. Dazu dann die "Wendehelden", oft genug früher bei Horch & Guck und dann bei der Treuhand haben vieles, vieles kaputtgemacht.

BTW kamen schon fast passend zur Wendezeit auch die "Asiaten" die vorher in Form der hochtechnisierten Japaner die Foto-, U-Elektronik und Autoindustrie aufgemischt haben aus Taiwan, Korea, Malaysia usw. auch mit vielen vielen anderen Dingen zu Preisen an wo jeder Aussenhandels-Knabe der DDR hätte das Handtuch werfen müssen.

Ja, sehen hätte das jeder wenn er es hätte sehen wollen. Nur im wegschauen, sich schönreden und die Schuld auf andere schieben...

Peter
Yamahaphilist
Stammgast
#2208 erstellt: 24. Feb 2026, 22:08
Das Kernproblem der Rente bleibt nun mal das Umlageverfahren, bei dem zukünftig immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen , weshalb der Generationenvertrag kontinuierlich angepasst werden muss. Die Lücke klafft halt immer mehr. Die Selbstvorsorge kann nicht früh genug beginnen. Je eher man dies kapiert, um so gelassener kann man in die Zukunft schauen. Niemand kann sich besser um das eigene Wohl kümmern als man selbst.
Dazu fällt mir das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-13) ein, welches, ihr wißt es alle, von zehn Brautjungfern handelt, die auf den Bräutigam warten. Fünf sind klug und haben Ölvorrat, fünf sind töricht und haben kein Reserveöl. Als der Bräutigam nachts kommt, werden nur die vorbereiteten (klugen) Jungfrauen zur Hochzeit eingelassen.
Es geht hier zwar an sich um Wachsamkeit und Vorsorge im Glauben, aber : Es warnt vor Unwachsamkeit.
Für das Wort Bräutigam kann man nun beliebig andere Begriffe einsetzen, wie Finanzkrise, Corona 2.0, Naturkatastrophe, Krieg, usw.
Die Zeichen der Zeit erkennen und vorausschauend handeln. Wenn Eltern das ihren Kindern mitgeben, dürfte dies bald wichtiger sein als ein erklägliches Erbe.
Nicht zu vergessen diejenigen, bei denen die Schieflage in anrechenbaren Rentenzeiten schicksalhaft durch gesundheitliche Probleme, familiäre Belastungen, Pflegesituationen und andere Einschnitte entstanden sind. Hut ab vor Eltern, die behinderte Kinder betreuen, Kinder, die ihre Eltern nicht abschieben, und dadurch beruflich in eine Sackgasse geraten, wie auch immer.
Beaufighter
Inventar
#2209 erstellt: 25. Feb 2026, 00:45
Ja und dieses sogenannte sich kümmern muss auch auf allen Ebenen gewürdigt werden.
Momentan kann sich ein Kinder loses Ehepaar besser um sein Alter kümmern als ein Ehepaar mit Kindern.


@ Werner b

Das was du da so heroisch weitsichtig verteidigst kannst du dir ja in den USA bereits jetzt gesellschaftlich ansehen.
Das in Skandinavien die Rente über Fonds gesichert wird weiß ich auch. Diese Lösung funktioniert nur wenn nicht alles sie nachmachen.

Im übrigen hast du in deinem ersten Post nichts wiederlegt. Also ist zweitens eigentlich nur noch Mal ein unter schtreichen einer Personen Herabwürdigung.
sohndesmars
Inventar
#2210 erstellt: 25. Feb 2026, 06:39
Warum ist es überhaupt interessant über Rente und Vermögensverteilung zu diskutieren, wenn es hier doch eigentlich um ein bestimmtes Geschäftsfeld geht, das zunehmend den Bach runter geht?
Es geht um verfügbares Einkommen für die Masse, die das Kaufverhalten, ja, das Konsumverhalten beeinflusst. Wenn immer weniger Bürger immer mehr zur Verfügung haben, die große Masse aber immer mehr um jeden Cent kämpfen muss, wird der Konsum für Güter des nichttäglichen Lebens immer mehr reduziert. Wenn der armer Rentner (und derer werden es in den westlichen Ländern immer mehr) sein gesamtes Einkommen, oft nur die Rente, in Lebensmittel, Energie und Wohnen stecken muss, bleibt nichts mehr für Handwerker, Nonfoodkonsumgüter, Unterhaltung usw. Die immer weniger werdenden Reichen (dabei aber immer reicher) kaufen nur soviel Konsumgüter, wie eine Person eben benötigt. Luxusgüter und Reisen sind wichtiger. Und Immobilien. Das fördert die Wirtschaft in unseren Landen eher wenig. Besonders wenn das Geld nach Dubai ect getragen wird.

In England gibt es verstärkt seit dem Brexit kleine Läden und Handwerksbetriebe, die absichtlich so am Existenzminimum krebsen, dass sie gerade überleben (dadurch wenig Steuerbelastung). Sie machen das aus sozialer Verantwortung und sind sehr wichtig in ihrer Gemeinde. Die, die es sich leisten können, zahlen etwas mehr für Handels- und Handwerksleistungen an diese Betriebe, damit arme, oft einsame Renter, für lau ihre Waschmaschine, ihren Toaster, ihr Fernsehgerät reparieren lassen können. Im Grunde genommen gibt es ähnliches schon bei uns, dass Sozialleistungen bereit gestellt werden, für Personen, die einfach nicht mehr finanziell klar kommen. Das sind z.B. die Tafeln. Aber auch Repaircafés. Aber oft auch einfach Bürger der Nachbarschaft, die ihre Augen offen halten, um ihre verarmte Nachbarschaft zu unterstützen, indem sie Kleinanzeigen, Nebenan.de und Co beobachten und preiswerte oder sogar geschenkte Waren an arme Rentner ohne Internetkompetenz weiterreichen.

Ich habe schon an verschiedenen Stellen vorgefühlt, ob es da Interesse bei uns in Deutschland gibt, sowas auszubauen. Natürlich erreicht man in den üblichen Social Media gerade die nicht, die es betrifft. Fehlende Internetkompetenz ist ein neues Problem, dass Einsamkeit, Armut und Ausgrenzung weiter befördert. Immer seltener kann Oma Lieschen ihre Bankgeschäfte, ihre Post, ihre Einkaufstätigkeiten einer Person vortragen, die ihr hilft. Immer mehr Terminals, immer mehr Sparmöglichkeiten nur über digitale Zugänge. Angebote oft nur über Apps. Der nette Radio- und Fernsehtechniker nebenan existiert nicht mehr, der kleine Elektrobetrieb, der mal schnell kleine Reparaturen machen konnte, existiert nicht mehr. Und der kleine Tanteemmaladen, der mal schnell mit Lebensmittel aushelfen konnte (man konnte damals anschreiben lassen), existiert schon lange nicht mehr.

Jetzt kommt sicher wieder, "aber es gibt doch die Repaircafés......". Und? Wo sind sie? Kann Oma Lieschen, Opa Hermann da mal eben zu jeder Zeit hin? Gibt es soviele dieser Repaircafés an den wichtigen Stellen der Orte, dass es wirklich wirkt?

Ich weiß noch, dass wir damals mit unserem Radio- und Fernsehgeschäft, dass auch Küchengeräte und weiße Ware führte, eine gewisse soziale Komponente in Handel und Handwerk einbrachten. Das ist lange schon weg. Und auch nicht mehr finanzierbar. Tod dieser Geschäftstätigkeit war nicht der Onlinehandel. Sondern die großen Kistenschieber und die immer größere Zahl der berüchtigten "Smartkäufer". 10% geschickter Basarkunden kann diese Art des Handels ertragen. 50% aber nicht. Und da sind wir schon seit Jahrzehnten. Der industielle Handel hat sich längst darauf eingestellt und mächtige Marketingstrategien entwickelt. Den kleinen Gemeinden und den Innenstädten hilft es genau NULL.

Betrifft uns, die wir hier schreiben und lesen nicht? Warten wir ab, das Problem wird sich spätestens in zehn Jahren potenzieren.
Blechdackel
Inventar
#2211 erstellt: 25. Feb 2026, 08:23
Es ging im letzten Beitrag ja mehr um Teilhabe aelterer benachteiligter Personen. Und dann um nicht mehr existierende Fachgeschäfte. Letztere gibt es bei mir in der Region noch in ausreichender Zahl. Spielt wohl der Faktor, des regionalen Durchschnittseinkommen eine Rolle. Ich gebe Hifi-Geraete oder PC Reparaturen zu einem Elektronikservice, der recht freundlich und kompetent ist. Aber da er im IT gewerbliche Kunden hat, haben die erst mal Vorrang. Aber bei einer Oma und ihrem Fernseher würde er wohl vorziehen.

Tafeln und Repaircafes gibt es aber auch hier. Das Nichtteilnehmen an modernen Medienmoeglichkeiten trifft auf die jetzige Rentnergeneration in Teilen schon zu.
Wenn ich da meine Mutter und meine Patentante vergleiche gibt es da schon Unterschiede.
Yamahaphilist
Stammgast
#2212 erstellt: 25. Feb 2026, 08:52
Da wird klar, dass, solange Personen im erwerbsfähigen Alter involviert sind, letztlich Rechnungen geschrieben werden müssen. Selbst Freistellung für ein Ehrenamt wird von einem Arbeitgeber mitfinanziert. Repair Cafés und ähnliche Einrichtungen können also auf Dauer nur überleben, wenn maßgeblich Beteiligte darüber keine (wesentlichen) Einkünfte beziehen, somit letztlich Personen, die das Erwerbsleben hinter sich haben. Oder man muss diese Strukturen komplett neu denken.
Blechdackel
Inventar
#2213 erstellt: 25. Feb 2026, 09:16
Da ich von dem klassischen Elektrofachgechäft schrieb. Wenn es überschlage, haben sich auch diese bei mir in der Region seit den 90ern um die Hälfte reduziert. Mitunter weil sich kein Nachfolger fand. Ein Geschäft in der nächsten Kleinstadt gehört jetzt zu einem mittelständischen Unternehmer, der die Sparten Elektroinstallation, Gebäude- und Heiztechnik hat, und auch immer weiße Ware und Fernseher verkaufte und wieder ein Fachgeschäft in der Innenstadt haben wollte. Und meist ist es eine Kombi aus "weißer" und "brauner" Ware. Reine Radio- und Fernsehläden, da muss ich schon in einem Umkreis von 50 Kilometern denken, dass ich auf drei oder vier der Sorte kommen würde.

Und Hifi in Einzelkomponenten ist weitgehend darin verschwunden. In der Regel stehen da zwei Kompaktanlagen und mobiles Gerät. Bei einem Expert Fachhändler, der Elektronikmarktformat ha,. sah ich ein Sonoro Meisterstück und einen Denon CD Spieler, ansonsten untere Preisklasse. Die Kopfhörerauswahl hat einen anderen Schwerpunkt(Mobilität, ANC, Bluetooth), als den von mir bevorzugten und erzeugt zum großen Teil bei mir ein mitleidiges Lächeln.
In den 90ern hatte fast jeder dieser Fachgeschäfte eine kleine Ecke mit Hifi Komponenten der allgemein gängigen Marken. Meist Marken, die sich ab den frühen 90ern wandelten und Hifi, den neuen Marktentwicklungen anpassten, wie z. B Technics, Pioneer, Grundig oder Philips. Andere wie Telefunken oder Metz verabschiedeten sich langsam und leise aus dem Segment.

Zu dem einen oder anderen speziellen Hifi- High End Geschäft habe ich eine gewisse Schwellenangst. Ich habe nicht das große Spielgeld im Hintergrund. Meine Verbesserungen/Erweiterungen in den paar Jahren strebte ich "smart" über geschickte und geglückte Gebraucht-, Refurbished- oder Outetkäufe. Da profitierte ich von einem gewissen Überfluss der Wohlstandsgesellschaft und kann freibleibende Finanzen in meine finanzielle Absicherung anlegen. Und durch das Internet kam es, dass auswärtige Händler zum Zuge kamen. Bei einem hotte ich ein Gerät auch selbst ab und es war eine positive und sympathische Erfahrung, bei diesem Händler, der sein Geschäft nicht in einer Innenstadtlage, sondern in einem Gewerbegebiet hat. Wenn Peter L. aus Berlin charmant näselnd eine seiner teuren Kondo Anlagen auf Youtube vorführt, kann ich auch wiederum sanft lächeln. Ja, die Welt der Leute, die nicht nur Geld haben, sondern vieeel Geld. Und das man mit dem Eigenen selbst erworbenen zufrieden sein kann. So ein bisschen Spielerei oder Spinnerei im kleinen Rahmen, darf es hin und wieder sein, dafür dass es ein normales Hobby ist.

Und man komme Normalos mit den Namen, die bei mir Einzug hielten. Lehmannaudio, Exposure und selbst Beyerdynamic oder Marantz(aber von denen habe ich einen CD Spieler schon seit 1993) muss man recht vielen Leuten erst mal vorstellen. Technics oder Pioneer kannten früher viele junge Leute.

Irgendwann ging die Hifi-Entwicklung ab ca. 2008 - 2010 an mir vorbei, weil ich mit den neuen Moden teilweise auch schon aus meinem typischen Rezeptionsverhalten nichts anfangen kann. Mobil gab es noch nie bei mir und Musik vom PC ist höchstens zwischendurch mal ein Youtube Musikvideo. Ich nehme zur Enstpannung ein ganzes Album und das von CD und Vinyl.
Im Fitnessstudio dudelt die Musik eh von Deckenlaufsprechern und ich überlege beim Training bevorzugt über gewisse Sachen und Projekte, die mich gerade beschäftigen.

Und dann steht man Anno 2012 plötzlich auf dem Trödelmarkt und wundert sich, dass eine kratzerfreie CD nicht mehr mindestens 5 € kostet, sondern für 1 € angeboten wird.


[Beitrag von Blechdackel am 25. Feb 2026, 09:25 bearbeitet]
S04-Hotspur
Inventar
#2214 erstellt: 25. Feb 2026, 18:27
Bei mir in der Kleinstadt gibt es noch den 80-jährigen Fachmann, der bis vor 15 Jahren ein Fachgeschäft führte und heute noch von zuhause aus Lieschen Müllers Fernseher repariert, wenn was dran ist. Und übrigens vor drei Jahren meinen Vorverstärker. Ich war vor einem halben Jahr beim örtlichen Repaircafe. Da hat der junge Mann mir nicht helfen können. Er wirkte nicht sonderlich motiviert.

Vor sechs Wochen hatte unsere 20 Jahre alte Miele einen Defekt. Da habe ich die Angebote von Expert und dem örtlichen Fachhändler mit Reparaturservice verglichen. Ich habe mich für letzteren entschieden, bei ihm gekauft und dann eine Diskussion über die Elektromarktketten vs. Einzelhändler angefangen. Der hat sich tierisch über die "Lumpen" von Expert aufgeregt. Der Einzelhändler lebt von seinem guten Ruf bei der alteingesessenen Kundschaft, den er zu Recht hat. Aber der kämpft auch um seine Kunden. Kein Selbstläufer das Ganze. Nötigt mir höchsten Respekt ab. Ich habe mein Geld immer am 30 eines Monats bekommen, egal ob ich krank oder im Urlaub war. Ich hatte nie den Mut, unternehmerisch tätig zu werden.

Schönen Abend, Andreas


[Beitrag von S04-Hotspur am 25. Feb 2026, 18:28 bearbeitet]
sohndesmars
Inventar
#2215 erstellt: 26. Feb 2026, 06:16
Was auch hier ein wenig klar wurde und was ich in einigen anderen Foren und Social Networks schon vernehmen konnte: es bedauern einige Personen den Zerfall der Nachhaltigkeitsstrukturen im Handwerk und Handel, gerade bezüglich Konsumgüter. Aber es weinen viel zu wenige dem nach, als dass sich daraus ein Geschäftsmodell nachhaltig wirtschaftlich generieren ließe. Die Ursache sind sicher hohe Kosten (Personal-, Raum-, Energiekosten....), die fortgeschrittenen Tendenz unserer Gesellschaft zur Wegwerfgesellschaft, die billigen Konsumgüter selbst, die schnelle Entwicklung der modernen Technik und der mangelnde Wille, bestehende Technik zu erhalten, trotz anderer Lippenbekenntnisse.

Mal eine kleine Prognose: wie sieht Deutschland in zehn Jahren aus? Produktion geht weiter zurück, die Überalterung wird langsam bedrohlich, die Rentenarmut wird deutlich erkennbar (damit deutlich weniger Konsumbereitschaft, besser, -möglichkeit), vernachlässigte Infrastrukturen (kein Geld mehr in den Gemeinden)..... Von den politischen Auswirkungen will ich besser nicht anfangen.

Wir sollten doch lieber optimistisch in die Zukunft schauen? Der Kölner sagt: "Et hät noch immer jot jejange." Ernsthaft?

Ich rätsel schon lange über eine für mich praktikable Strategie, das Backen kleiner Brödchen erlernen ist schon mal ein guter Anfang. "Man kann ja abhauen, irgendwo in der Welt ists bestimmt besser." Na denn, toi,toi, toi. Die bekannten Staaten, die einigen dann immer so einfallen, entwickeln sich gerade auch in eine wenig erfolgversprechende Richtung. Die Jugend sollte sich jetzt schon mal entscheiden, welche Sprache sie zusätzlich lernt: mandarin, kantonesisch, russisch, englisch, hindi....
8erberg
Inventar
#2216 erstellt: 26. Feb 2026, 08:00
Hallo,

man kann es an Japan sehen, also wird der ländliche Raum leiden "mit nix".

Nur sieht man das auch in sehr reichen Ländern das Orte abgelegen und schlecht erreichbar sind irgendwann aufgegeben werden (Norwegen)

Um den "Rest" muss man sich weniger Sorgen machen, genug Menschen aus der EU nutzen gerne günstigen Wohnraum in Grenznähe wie wir hier in Nähe zu den Niederlanden merken. Das Preisniveau ist dort wesentlich höher, was dem Einzelhandel kräftig hilft.

Die Industrie sollte sich auf ihre Stärken besinnen, vor 40 Jahren waren das was heute "die Chinesen" sind "die Japaner"... Es kommt alles anscheinend immer wieder..

Nur zeigt das chinesische System erste Schwächen und die noch schnellere Überalterung wirkt in 10 Jahren heftig.

Schwarz sehen da gerne Leute um politischen Unsinn vom Stapel lassen.
Wer sich davon einlullen lässt ist selber schuld.

Es gibt viele Gründe optimistisch zu sein.

Peter
flexiJazzfan
Inventar
#2217 erstellt: 26. Feb 2026, 12:12
Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4,47 Billionen Euro 2025 (lt. Google). Bei 4.470 Milliarden wären 1% Wachstum dann 44,7 Milliarden und damit allein in der Größenordnung der Hälfte des gesamten BIP von Ländern wie Litauen, Slowenien, Kroatien, Luxemburg.
Man sieht in absoluten Zahlen, welcher Wind in unserer Nachbarschaft weht, wenn die deutsche Wirtschaft mal etwas ein- oder ausatmet.

Woher stammt der „Reichtum“ pro Kopf bei den Norwegern? Aus Gas und Öl. Woher stammt der Reichtum von Schweizern und Luxemburgern? Aus Geldgeschäften. Hat das „reiche“ Saudi Arabien einen hohen BIP pro Kopf? Nein, der Reichtum der wenigen verdeckt die Armut der vielen.

Müssen wir jammern? Nein!

Gruß
Rainer
Yamahaphilist
Stammgast
#2218 erstellt: 26. Feb 2026, 18:39
Es steht und fällt nunmal mit dem Wunsch der Menschheit, für HiFi Geld auszugeben
8erberg
Inventar
#2219 erstellt: 26. Feb 2026, 18:53
Hallo,

gestern auf einer Geburtstagsfeier war junges Volk anwesend (meine Großneffen mit 20 bzw. 18 Jahren). Vorhandene Technik: Schmartfön und "amtliche" BT-Lautsprecher (Teufel, also keine Brüllwürfel).
Frage nach mehr. Antwort, ganz klar "bin ich bekloppt?"

Peter
rat666
Inventar
#2220 erstellt: 26. Feb 2026, 19:18
In meinem näheren Freundes- und Bekanntenkreis (18-75) giibt es genau 3 Hifi Begeisterte und selbst die geben vergleichsweise (zu den Leuten hier) wenig Geld für ihr Hobby aus. Der Rest ist kit Soundbars, BT Kopfhörer und BT Boomboxen (Teufe, Bose und JBL) ausgestattet. Zwei weitere haben im Wohnzimmer zur 75 Zoll Glotze einmal ein Bose und einmal ein Harman-Kardon 5.1 Soundsystem für den "guten Yound", damit ist aber die Hifi Spitze erreicht.

Dolby Atmos, Beamer, Bass Arrays oder Einmessysteme interessieren nicht die Bohne.

Übrigens verfügen die Kanditaten mit den Soundsystemen über freistehende EFHs und müssen nicht auf Nachbern achten.
Die Allermeisten kennen mein Geraffel und haben es auch gehört, selbst den 3 Hifi Begeisterten wären Kosten und Aufwand zu hoch.
Die drei verfügen über brauchbare Anlagen (keinesfalls Highend aber solides Hifi) in unoptimierten Räumen und ohne Einmesssystem.
Ich denke, dass mein Bekanntenkreis auf Grund seines recht breiten Querschnitts ziemlich repräsentativ ist.


[Beitrag von rat666 am 26. Feb 2026, 19:20 bearbeitet]
Yamahaphilist
Stammgast
#2221 erstellt: 26. Feb 2026, 20:32
Alles hat eben seine Zeit. Und die Zeiten ändern sich. Und wir ändern uns in ihnen.
sohndesmars
Inventar
#2222 erstellt: Gestern, 06:33
Ich war knapp dreißig Jahre mit stationären Geschäft im Bereich UE/HIFI tätig. Ich habe sicher in mehr als tausend Haushalten HIFI-Anlagen auf- und eingestellt. Es ist wirklich so, selbst da, wo wir Sets für mehr als 50tausend Euro aufgestellt hatten, Niemand interessierte die korrekte akustische Aufstellung. Maßnahmen gegen Raummoden, Interferenzen usw wurden nicht vorgenommen, nicht mal die Nutzung der automatischen Einmessung wurde ernst genommen.

Aber auch das ist eben HIFI. Aber schlimmer als Ignoranz ist Glaube. Da geht einer gerade den Weg des Ingo H., der uns all bekannte Peter L. aus Berlin:

https://www.youtube.com/watch?v=Eq6GrswoHFU

Übrigens, Peter will die beworbenen Reflectors nicht verleihen. Ihr müsst sie schon kaufen. Zu Risiko und Nebenwirkungen lest die Gebrauchsanweisung oder fragt den Peter, Ingo oder den Papst.

Für mich als Ingenieur mit Erfahrung auch mit HF-Signalen, klappt da nur der Unterkiefer auf Maximum runter, wenn ich solche Geschichten höre. Aber gemach, ist eben HIFI. Nur eine Frage an Peter: wenn diese Reflektoren soviel bewirken, warum sehe ich sie nicht auf den Bühnen der Welt bei Liveevents? Da strahlen die Smartphones der Hörer um die Wette, die Funkmodule an den Instrumenten und Mikrofonen noch viel mehr. Die Satelliten von Galileo, GPS, Musk..... kreisen über uns. Extrem starke Magnet- und Elektrofelder durch die hohen Ströme für die Versorgung des Equipment machen ihr Teil...... ist ja alles so grausam..... und trotzdem genießen wir die Konzerte, Aufführungen und Acts. Das muss ja derart vernebelt sein......
Und wie sind die Aufnahmen entstanden, die wir Zuhause hören? Wurden in den Studios und Nachbearbeitungsräumen Reflktoren verwendet? Wenn der "Nebel" schon auf der Platte ist, was nützt mir die Entnebelungsmaschine im Wohnzimmer?

Ja, auch in anderen Geschäftsfeldern wird geschwaffelt und uns intellektuell das Fell über die Ohren gezogen, bezüglich Nahrungsergänzungsmittel, Finanzanlagemodellen, Kosmetik...... die Influenzer und Lobbyisten sind immer und überall. Und gerade bei HIFI trifft es ja nicht die Armen.
Nur leider wird das Geschäftsfeld, indem ich den größten Teil meines Berufslebens verbringe, nachhaltig diskreditiert mit den Geschichten über Schlangenöl und Ähnlichem.
RoA
Inventar
#2223 erstellt: Gestern, 06:54
Eigentlich wollte ich das Video anklicken, dann las ich Schnerzinger.
Zaianagl
Inventar
#2224 erstellt: Gestern, 08:31
Lustig, überall die immer gleichen "Argumente" der naiven Devotees, wie zB @jannisphillip1878...
ardina
Inventar
#2225 erstellt: Gestern, 09:50
Moin,
irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das der Typ mittlerweile völlig verzweifelt ist. Der Schwachsinn steigert sich ja von Video zu Video, wobei ich das nicht regelmäßig schaue, nur wenn hier mal wieder was aufpoppt.

Ausgerechnet die Firma Schnerzinger jetzt hier anzuführen und da von einem Mastermind zu sprechen, geht für mich in Richtung Betrug. Da kann man mich jetzt gerne juristisch belehren, dann würde ich antworten, dass die Gesetze falsch sind.

Handel mit Gebrauchtwagen und Verwertung und jetzt Experten für „Elektronik“ und die wundersamen Wege die Musiksignale gehen, bis sie unsere Ohren erreichen. Geht’s noch.

Nun, ich kann nur sagen, wir haben uns gemeinsam diese Verhältnisse und solche Auswüchse geschaffen. Da wurde genauso Jahrzehnten zugeschaut, wie bei verwegener Immigrationspolitik, Hauptsache die Wirtschaft läuft einigermaßen.

DerHilt
Inventar
#2226 erstellt: Gestern, 10:29
Es soll hier ja nicht politisch werden, aber wtf ist "verwegene Immigrationspolitik?
Apalone
Inventar
#2227 erstellt: Gestern, 10:40

ardina (Beitrag #2225) schrieb:
....geht für mich in Richtung Betrug. Da kann man mich jetzt gerne juristisch belehren, dann würde ich antworten, dass die Gesetze falsch sind.


In den aller-, allermeisten Fällen ist der strafrechtliche Tatbestand Betrug nicht erfüllt.


ardina (Beitrag #2225) schrieb:
.... wie bei verwegener Immigrationspolitik.....


Und du glaubst, davon genug Ahnung zu haben, um sich so "verwegen" zu äußern?!
ardina
Inventar
#2228 erstellt: Gestern, 11:07
Naja, Immigrationspolitik sollte nur als ein Beispiel von vielen sein, wo nicht nur Politik, sondern auch die meisten Bürger weggeschaut haben. Hätte auch Straßen- und Bahninfrastruktur nehmen können. Man hat tolerant und ignorant sichtbare Probleme einfach außer Acht gelassen.

Ob ich genug „Ahnung“ von Immigrationspolitik habe, sicher nicht, aber die Versäumnisse der letzten 60 Jahre sind deutlich sichtbar und benennbar. Das hat schon bei den ersten Gastarbeitern angefangen. Und bevor falsche Vorstellungen aufkommen, ich wäre eher ein Befürworter für eine Multi-Kulturelle Gesellschaft, anders wird es in der Zukunft sowieso nicht gehen.

Und zu dem Thema „nicht politisch werden“. Wir sind mittlerweile gesellschaftlich in so einer schlechten Verfassung, dass wir jede Gelegenheit nutzen sollten, um darüber zu diskutieren.

In diesem Kontext stoßen mir Händler wie Peter L. richtig übel auf und zeigen die Dekadenz und Ignoranz in Teilen der Gesellschaft.

Mir ist schon klar, dass man so Leuten juristisch nur schwer beikommen kann. Man erwartet von aufgeklärten Menschen auch, dass diese selbst mit solchen Täuschungsmanövern umgehen können. Wirklich Geschädigte sehe ich dabei auch nicht, aber besser wäre es, wenn es so einen Unsinn nicht geben würde, oder dieser möglichst im Keim erstickt würde.



[Beitrag von ardina am 27. Feb 2026, 11:08 bearbeitet]
flexiJazzfan
Inventar
#2229 erstellt: Gestern, 12:24
Ja, wenn ich König wär, was ich dann alles "im Keim ersticken" würde ... .

Die Dikatatur ist effizient aber nicht effektiv. China meint es geht auch anders.

Gruß
Rainer


[Beitrag von flexiJazzfan am 27. Feb 2026, 12:29 bearbeitet]
AusdemOff
Inventar
#2230 erstellt: Gestern, 12:52
Nicht ganz falsch. Man kann und sollte Phänomene wie Peter L. zwar beobachten, aber nicht verteufeln.
Derjenige der meint dort gut beraten zu werden sollte ruhig sein Geld dort hinbringen. Darauf hinweisen,
ihn kritisieren, widerlegen, Gegenreden, ja, unbedingt. Ignorieren wäre der falscheste Ansatz.
ardina
Inventar
#2231 erstellt: Gestern, 12:54

flexiJazzfan (Beitrag #2229) schrieb:
Ja, wenn ich König wär, was ich dann alles "im Keim ersticken" würde ... .

Die Dikatatur ist effizient aber nicht effektiv. China meint es geht auch anders.

Gruß
Rainer


Ich weiß jetzt nicht, was du mit „Diktatur“ meinst. Ich dachte einfach daran, dass sich besser Vernunft gegenüber Unsinn oder Schwachsinn durchsetzt. Ansonsten bin ich eher liberal eingestellt und kann auch ganz gut mit Andersdenkenden umgehen.

Gruß,
Andreas
sohndesmars
Inventar
#2232 erstellt: Gestern, 13:56
Es gab mal eine ganze Reihe von Gesetzen in Deutschland, noch aus der Kaiserzeit, die den Handel massiv einschränkten. Strenge Öffnungszeiten und "Wucher"-Paragraph z.B. waren weit entfernt von freier Marktwirtschaft.
Heute gilt, vereinfacht geschrieben, "man kann genau den Preis verlangen, den die Käufer bereit sind zu bezahlen".

Und wenn nun Jemand bereit ist für einen Metallquader mit Bleifüllung und einer WLAN-Antenne darauf 16tausend Euro zu bezahlen, im Glauben damit den perfekten Klang zu erhalten. Dann ist es genau nur dann Betrug, wenn er nachweisen kann, dass die zugeschriebenen Eigenschaften nicht existieren, und der Verkäufer das genau wusste. Und was machen angeklagte Verkäufer dann gerne? "Ich war fest davon überzeugt, dass das Gerät funktioniert."

Solange an diesen Gesetzen nichts geändert wird, was dank geschickter Lobbyisten nicht passieren wird, müssen wir weiter mit diesen Geschichten leben. Es hat schon seine Gründe, warum unsere Parlamente vorallem von Juristen bevölkert sind.

Ich kann mich dann nur damit beruhigen, dass es ja meist keine verarmten Käufer trifft.
Rascas
Inventar
#2233 erstellt: Gestern, 14:29
Wir haben es mit mündigen Bürgern zu tun. Ob ein Gerät den Wert hat, der verlangt wird, oder nicht, darf jeder für sich entscheiden. Man kann je nach Sichtweise sicherlich 90 % aller angebotenen Produkte anfechten. Letztendlich gibt es für jeden Preis einen guten Grund. Produktionskosten, Marketing, Lagerhaltung, Marge, Handelspannen, Steuern, Zölle, Personalkosten, Transportkosten etc.etc. sind alles Themen, die in eine Preisfindung hinein gehören.

Ich glaube, dass im HiFi-Bereich hohe Preise alleine durch geringere Stückzahlen entstanden sind. Ein Luxman L410 hat Anfang der 1980s 1.000 DM gekostet (was damals gehobene Mittelklasse war). Nur von diesem Modell wurden allein in Europa 100.000 Stück verkauft. Das ist die konservativste Zahl, die ich dazu gefunden habe.

Wenn heute von einem Gerät nur ein paar hundert Stück verkauft werden, dann läßt das die Stückkosten explodieren. Ist doch völlig klar, dass so ein Gerät im Vergleich viel mehr kosten muss ohne dass es unbedingt mehr können muss.

Der Markt hat halt seine Gesetze. Wucher wäre meines Erachtens etwas ganz anderes.

Eigentlich ist ein moderner Verstärker, der mit einem Luxman L410 als Evolution vergleichbar wäre, erstaunlich billig. Mir fällt da ein Marantz Model 30 ein. Der liegt aktuell bei 2.700 Euro und ist dem L410 in vielen Dingen ähnlich. Finde ich jetzt nicht zu teuer...obwohl es viel Geld ist. Die Frage ist doch: ist man heute noch bereit ähnlich viel Geld für das Thema Musikwiedergabe auszugeben. Die Antwort lautet im Schnitt wohl eher Nein. Sonst käme so ein Marantz ja auf ähnliche Stückzahlen wie früher ein L410 und könnte noch günstiger angeboten werden. Oder der Markt hat sich so verändert, dass man solche Geräte einfach nicht mehr (in der Menge) braucht. Was soll man mit so einem Verstärker, wenn es keine Kassetten-Geräte, Tuner, Bandmaschinen etc. mehr gibt?

Ein ordentlicher Streamer kann mehr als die meisten brauchen (inklusive DAC und Vor-Verstärker). Und wenn es unbedingt Vinyl sein muss kann man den auch am Streamer anschliessen und hat alles im Haus, was glücklich macht. Noch ein Paar Aktiv Lautsprecher und schon ist eine gute Anlage ohne irgendwelche Kompromisse (für 90 % der Anwender) fertig. Das wäre ja schon mehr als der Durchschnittskunde heute in dem Bereich hat. Da heißt es: Soundbar und fertig. Wo ist da Platz für einen Verstärker und wer "braucht" das noch wirklich? Die Zeit ist vorbei...auch wenn es schade ist.

Mein Luxman L525 darf noch in einer Vintage-Anlage arbeiten. Und ein L 410 steht noch verpackt im Keller (für schlechte Zeiten). Ich bin aber auch ein Dinosaurier und darf das. Im Wohnzimmer dagegen wird es auch bei mir immer weniger, was aber immer mehr kann.
sohndesmars
Inventar
#2234 erstellt: Gestern, 14:41
Die Preise für einige HIFI-Exoten sind nicht das Problem. Wenn aber bestimmte Eigenschaften zugesichert werden, die nicht mal im Ansatz eingehalten werden, schlimmer, nicht eingehalten werden können, dann wird es sehr problematisch. Bekannte Händler, die sich da Verfahren stellen mussten, haben sich gern mit einem Vergleich rausgekauft. Präzedenzfälle sind mir nicht bekannt, was dabei schon mal die Absicht ist bei Vergleichen, genau das zu verhindern. Eventuell ist eine Unterlassungsvereinbarung damit verbunden, auch da ist mir aber nichts bekannt.

Wie auch immer, bevor man viel Geld ausgibt kann man sich ja versuchen schlau zu machen. Menschen mit viel Geld sind oft gut vernetzt.
Was die Seriosität derartiger Händler betrifft, muss jeder für sich selbst fragen.
ardina
Inventar
#2235 erstellt: Gestern, 14:53

sohndesmars (Beitrag #2234) schrieb:
Die Preise für einige HIFI-Exoten sind nicht das Problem. Wenn aber bestimmte Eigenschaften zugesichert werden, die nicht mal im Ansatz eingehalten werden, schlimmer, nicht eingehalten werden können, dann wird es sehr problematisch. ...


Das ist der Punkt. Wenn jemand für einen Player, Streamer, etc. 5-stellige Summen ausgibt ist das seine Sache, auch wenn zu vermuten ist, dass es keinen technischen Gewinn gibt. Aber wenn man z.B. eine verschweißte Box anbietet, wo vorne zwei Kabel rein gehen und hinten zwei Kabel rauskommen und das für 5.000€ verkauft mit dem Hinweis auf große Klangverbesserungen und dann die Box aufsägt und da dann auch nur das Kabel wiederfindet in Epoxidharz eingegossen, sonst nichts, ist das für mich Betrug. Da kann der Händler zehnmal sagen das er überzeugt von der Leistungsfähigkeit ist.

Wenn ich eine gefälscht Gold-Medaille verkaufe und einen Trottel finde, der mir das abkauft, kann ich mich anschließend auch nicht damit rausreden, dass ich überzeugt war das die Medaille echt war. Ich werde wegen Betrug verurteilt.

Bei diesen ominösen Hifi-Produkten scheint das niemand zu interessieren und geprellte Kunden gehen wohlmöglich nicht vor Gericht, weil`s dann zu peinlich wird.

An der Stelle werden mir Gewerbetreibende und Unternehmer zu sehr geschützt.

Apalone
Inventar
#2236 erstellt: Gestern, 15:56

ardina (Beitrag #2235) schrieb:
.....mit dem Hinweis auf große Klangverbesserungen und dann die Box aufsägt und da dann auch nur das Kabel wiederfindet in Epoxidharz eingegossen, sonst nichts, ist das für mich Betrug
.....
Wenn ich eine gefälscht Gold-Medaille verkaufe....


Ich an deiner Stelle würde mich dieser Thematik nicht weiter widmen...
Du scheinst ja den Unterschied zwischen deinen Beispielen zB gar nicht zu verstehen.

Es gibt keinen, wirklich keinen, "Schwurbelanbieter", der eine drastische Klangverbesserung zusichert!

Achtung, Zusicherung ist ein rechtsgebundener Begriff auf der Tatbestandsseite und kann gerichtlich voll überprüft werden.
Im Gegensatz zu Aussagen auf der Rechtsfolgenseite, die gerichtlich nur eingeschränkt bis gar nicht überprüft werden können.

Ich kenne keinen einzigen Text, in dem eine Täuschung bzgl. Tatsachen tatsächlich im Sinne des erforderlichen Kausalzusammenhangs vollständig dargelegt wird.

Immer heißt es (in unterschiedlichen Formulierungen natürlich)

- je nach Raum;
- kann
- bis zu
- programmmaterial abhängig,
- bei entsprechender Qualität der restlichen Anlage,
- und zig weitere

Bsp: 520,- Netzfilter:
" .... Wichtiger jedoch ist der klangliche Einfluss! Dieser kann sehr dramatisch sein und ... "
" .... Grundsätzlich wird die Dynamik größer, sobald man störende Netzkomponenten von den Geräten fernhält ..."

Grundsätzlich bedeutet, es gibt Ausnahmen...
Apalone
Inventar
#2237 erstellt: Gestern, 16:02

ardina (Beitrag #2235) schrieb:
.....Wenn ich eine gefälscht Gold-Medaille verkaufe und einen Trottel finde, der mir das abkauft, kann ich mich anschließend auch nicht damit rausreden, dass ich überzeugt war das die Medaille echt war. Ich werde wegen Betrug verurteilt. ....


Natürlich NICHT zwangsläufig!

Das letzte Tatbestandsmerkmal ist der Vorsatz und die Bereicherungsabsicht (subjektiver Tatbestand).

Alle Tatbestandsmerkmale müssen kumulativ zutreffen.

Wenn ich in einem Supermarkt nachweislich als Wechselgeld Falschgeld bekomme und das fällt fünf Minuten später der Pommesbude auf, in der ich damit das Essen bezahlen will, werde ich ja auch nicht wegen Verbreitung von Falschgeld verurteilt.

Offensichtlich sind die hohen Prüfungsanforderungen im Jurastudium genau richtig und zwingend beizubehalten...
AusdemOff
Inventar
#2238 erstellt: Gestern, 16:18

Wenn ich in einem Supermarkt nachweislich als Wechselgeld Falschgeld bekomme und das fällt fünf Minuten später der Pommesbude auf, in der ich damit das Essen bezahlen will, werde ich ja auch nicht wegen Verbreitung von Falschgeld verurteilt.

Auch das ist so nicht richtig. Selbst wenn du Falschgeld aus einem EC-Automaten ziehst und dieses versuchst weiter zu verwenden, ist dies
ein Straftatbestand. Früher, zu D-Mak-Zeiten, stand das sogar auf den Noten so drauf. Rechtlich hat sich zum Euro nichts geändert.
Werner_B.
Inventar
#2239 erstellt: Gestern, 21:25

Rascas (Beitrag #2233) schrieb:
Und ein L 410 steht noch verpackt im Keller (für schlechte Zeiten).

Schade drum, der wird möglicherweise dann, wenn die schlechten Zeiten gekommen sind, nicht mehr gut funktionieren. Regelmässige Nutzung, z.B. wenigstens alle halbe Jahre mal für ein paar Stunden, würde Elektronik (Kondensatoren!) und Mechanik (Potis, Tastenaggregate, Schalter alle einige Male komplett betätigen!) besser bekommen als der Stillstand. Jahrelanger Stillstand ist Gift.

Gruss, Werner B.
Apalone
Inventar
#2240 erstellt: Heute, 03:54

AusdemOff (Beitrag #2238) schrieb:

Wenn ich in einem Supermarkt nachweislich als Wechselgeld Falschgeld bekomme und das fällt fünf Minuten später der Pommesbude auf, in der ich damit das Essen bezahlen will, werde ich ja auch nicht wegen Verbreitung von Falschgeld verurteilt.

Auch das ist so nicht richtig. Selbst wenn du Falschgeld aus einem EC-Automaten ziehst und dieses versuchst weiter zu verwenden, ist dies ein Straftatbestand.


Natürlich so nicht richtig!

WENN du weißt, dass es Falschgeld ist, UND du es dann verwendest, KÖNNTE es ein Straftatbestand sein.
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