Nordmende Radioempfang

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michi1106
Stammgast
#1 erstellt: 30. Aug 2010, 10:40
Hallo liebes Forum,

bei mir in der Küche steht ein Röhrenradio Nordmende Elektra, welches ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen habe. Damals tat es keinen Mucks, weil es Jahrzehnte im Keller gestanden hatte und sämtliche Kondensatoren im Eimer waren.

Diese hatte ich dann alle ausgetauscht, und das Radio funktionierte wieder prima. Nun ist allerdings "mit der Zeit" ein neues Problem aufgetreten: Der UKW-Empfang verschiebt sich, und zwar sieht das folgendermaßen aus: Man stellt einen Sender ein, welcher dann auch sehr gut hereingeht, aber ca. alle 15 Minuten wird der Empfang langsam wieder schlechter und verrauscht. Stellt man den Regler dann ein winziges bisschen nach, ist der Sender wieder da.

Kann es vielleicht an der ECC85 liegen? Ich hoffe mir kann da wer helfen, Google und SuFu haben nicht die Welt ausgespuckt...

Nur ganz nebenbei (vielleicht weiß da ja auch jemand was) habe ich das Problem dass sich der Lautsprecher bei Benutzung des TA-Eingangs recht schnell überschlägt, wenn man mal etwas lauter macht bzw. es sich um basslastigere Musik (Reggae zB.) handelt. Kann das an einer verbrauchten Endröhre liegen?

mfg
pelowski
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 30. Aug 2010, 11:01
Hallo michi,

ersteinmal bezweifele ich stark, dass sämtliche Kondensatoren "im Eimer" waren.

Vermutlich meinst du Elkos?

Was das "Wegdriften der Sender" betifft - sicher ist dir klar, dass Ferndiagnosen immer sehr gewagt sind - so gibt es dafür einige mögliche Ursachen.
Die ECC85 gehört zwar dazu, aber keinesfalls an erster Stelle.

Falls die Abstimmung mit einem Drehko erfolgt und dieser Schleifkontakte besitzt (es gibt auch andere Drehkokonstruktionen), würde ich diese ersteinmal reinigen.
Z.B. mit Oszillin.
Ebenfalls ist eine Behandlung der Drucktastenkontakte und der Röhrenpins mit Oszillin empfehlenswert.

Sicherheitshalber könntest du auch noch die Anodenspannung am Oszillator messen, ob diese konstant ist.

Grüße - Manfred
audiophilanthrop
Inventar
#3 erstellt: 30. Aug 2010, 16:05

pelowski schrieb:
Hallo michi,

ersteinmal bezweifele ich stark, dass sämtliche Kondensatoren "im Eimer" waren.

Vermutlich meinst du Elkos?

Eher die unsäglichen Papierkondis. Die Elektra-Baureihe scheint es ja v.a. Ende der 50er / Anfang der 60er gegeben zu haben, da waren die noch sehr gängig.

Die Senderdrift deutet unter Garantie auf reinigungsbedürftige Schleifkontakte im Drehko hin.

Was die mangelnde Pegelfestigkeit angeht, könnte daran natürlich eine verbrauchte Endröhre schuld sein - wobei man typischerweise aus einer Schaltung mit einer EL84 auch nur so 1,7 W rauskriegt, IIRC. Sachen mit viel Baß sind kritisch, weil in dem Bereich der Frequenzgang des Lautsprechers schon stark abfallen und der verstärkerseitige zur Kompensation entsprechend angehoben worden sein dürfte, was entsprechend viel Leistung frißt.
hf500
Moderator
#4 erstellt: 30. Aug 2010, 18:47
Moin,
reinigungsbeduerftige kontakte im Drehko zeigen sich auf jeden Fall auch durch Krachen beim Abstimmen, weil die Oszillatorfrequenz springt, was eine FM erzeugt. Kracht es nicht, duerfte der Drehko sauber sein. Den Drehko zu reinigen, kann natuerlich nicht schaden, aber bleibt der Temperaturfehler, wird die Suche schwierig. Ich habe da auch noch diverse Kondensatoren des Oszillators in Verdacht.

1,7W ist m.E. fuer eine EL84 etwas wenig. An sich kann diese Roehre 5,7W leisten, bei den ueblichen Dampfradios sollten 3W am Lautsprecher sicher moeglich sein. So schlechte Ausgangsuebertrager hat Nordmende auch nicht gehabt ;-)

73
Peter
michi1106
Stammgast
#5 erstellt: 31. Aug 2010, 11:28

sämtliche Kondensatoren "im Eimer" waren


Leider waren alle Kondensatoren als defekt einzustufen, von geplatzten Silikontypen über eingetrocknete Papierkondensatoren bis hin zu abbröckelnden Keramikkondensatoren mit Rissen war alles dabei

Zum Problem mit dem Empfang: Im naheliegenden Baumarkt habe ich leider nicht mehr als WD-40 bekommen; ich werde nun mal einige wichtige Kontakte damit behandeln. Der Drehko sitzt leider sehr ungünstig, ich müsste ihn wahrscheinlich ausbauen und damit verbunden die ganze Schnurmechanik ...
Den Verdacht mit irgendwelchen Kondensatoren des Empfangsteils bzw. Oszillators habe ich mittlerweile auch.




Ich werde mal die Röhren und den Lautsprecher austauschen, ein paar Kontakte nachlöten und einige mit WD 40 behandeln.

Da der Lautsprecher sich nur beim TA-Eingang überschlägt, werde ich dort vielleicht einen Hochpass einbauen ...

mfg
pelowski
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 31. Aug 2010, 12:11

michi1106 schrieb:
Leider waren alle Kondensatoren als defekt einzustufen, von geplatzten Silikontypen über eingetrocknete Papierkondensatoren bis hin zu abbröckelnden Keramikkondensatoren mit Rissen war alles dabei...


Silikontypen? Was sollen das für welche sein?

Ja, Papierkondensatoren werden defekt, allerdings nicht durch Eintrocknen.

Da auch frequenzbestimmende Kondensatoren im Oszillator getauscht wurden (woher hast du denn die heute kaum noch erhältlichen, auf dem Bild sichtbaren Rohrkondensatoren bekommen?), ist stark anzunehmen, dass hier die Ursache zu suchen ist.

An diesen Stellen müssen unbedingt Kondensatoren mit demselben TK eingesetzt werden. Die heute erhältlichen TK-Werte sind gegenüber früher nur sehr wenige.


Da der Lautsprecher sich nur beim TA-Eingang überschlägt, werde ich dort vielleicht einen Hochpass einbauen ...

Halte ich für keine gute Idee. Wie soll das klingen? Prüfe ersteinmal die Endröhre.

ein paar Kontakte nachlöten und einige mit WD 40 behandeln.

WD40 ist für solche Anwendungen ungeeignet!

Grüße - Manfred
michi1106
Stammgast
#7 erstellt: 31. Aug 2010, 13:59

Silikontypen


Ich wusste selbst nicht genau was das für welche waren, sie hatten silikonartige Isolationsmasse, die ausgetreten war. (So beschrieb es auch das Forum, aber das ist jetzt eh nicht mehr relevant, sie sind ausgetauscht). Nicht ausgetauscht wurden damals die Kondensatoren im Tuner-Teil, da sie weder auslaufgefährdet waren, noch Alterungserscheinungen aufwiesen. Der Tuner funktionierte ja problemlos.

Es sind noch einige originale Styroflexkondensatoren vorhanden. Sollte ich diese evtl. präventiv austauschen?


WD40 ist für solche Anwendungen ungeeignet!


Ich habe lediglich die großen oxidierten Anschlüsse am Antennenpanel, die Röhrenfassungen und die Drehmechanik mit ganz wenig Spray behandelt. Es ist kein Ölfilm an kritische Stellen wie Schiebekontakte oder Potischleifstellen gelangt
Das Ergebnis: kein Krachen mehr beim Einstecken der Antenne bzw. wenn man an den Röhren "wackelt". Leichteres Ein-/Ausstecken.

Alle relevanten Röhren wurden testweise getauscht und als einwandfrei eingestuft (EL84, EABC80, EF89, ECH81, ECC85).

Ferner habe ich sämtliche Kontakte nachgelötet, die erreichbar waren (und das waren so ziemlich alle).

Mit einem Testsender höre ich nun seit 35 Minuten problemfrei auf derselben Frequenz, das muss ich allerdings noch ausgiebiger testen. Ich bin mir aber schon fast sicher, dass es ein tauber Kontakt entweder bei der Antenne oder aber ein relativ schlecht verlöteter Pin an der ECH81 gewesen sein muss.

Ich weiß nicht, was Du bei einem Hochpass für ein Problem siehst. Die Wiedergabe ist sehr basslastig, bei Anschluss einer Box mit großem Volumen dröhnt selbst bei kleiner Lautstärke schon der ganze Raum.

In Anlehnung an den schon etwas "senilen" Lautsprecher im Radiohaus wäre ein RL-Hochpass bei 50 Ohm und 100 mH meiner Meinung nach passend, da er tiefe Bässe sehr wirkungsvoll herausfiltert, höhere Bässe etwas abschwächt und so den onehin sehr schwachen Höhen etwas mehr Freiraum schafft.



Das werde ich einfach mal ausprobieren, wenn es nichts taugt kommt es halt wieder weg, ist ja nichts bei kaputt gegangen, korrigiert mich wenn ich falsch liege

mfg


[Beitrag von michi1106 am 31. Aug 2010, 14:09 bearbeitet]
hf500
Moderator
#8 erstellt: 31. Aug 2010, 15:21
Moin,
an der Senderdrift auf UKW ist die ECH81 garantiert unschuldig. Sie arbeitet hier als erste ZF-Stufe, es koennte hoechstens der Empfang ausfallen.
Es ist trotzdem kein Fehler, bei Geraeten mit gedruckter Schaltung alle Roehrenfassungen nachzuloeten.

WD40 ist wirklich nur fuer quietschende Schloesser und vielleicht noch feuchte Verteilerkappen geeignet, und auch das betrachte ich mit Vorsicht. Besser geeignet ist da Kontakt 61 oder Oszillin T6.
Auch werden Roehrenfassungen _nicht_ behandelt. Hier gibt es hohe Spannungen und hochohmige Schaltungen, so dass Kriechstroeme entstehen koennen, die die Funktion zumindest beeintraechtigen koennen. Es genuegt, bei laufendem Geraet die Roehren "durchzuwackeln", bis das Krachen aufhoert.
Oder die Roehren einigemale stecken.

Den UKW-Drehko braucht man nicht auszubauen, man muss nur etwas K61 oder T6 an die Schleifringe der Massekontaktierung des Rotors geben und den Drehko einigemale durchdrehen.

Dass das Geraet an einer externen Lautsprecherbox droehnt, wundert mich nicht. Die Verstaerker haben eine kraeftige Bassanhebung, dazu eine gut ausgelegte gehoerrichtige Lautstaerkeeinstellung. Diese Massnahmen sind auf die Gegebenheiten der Geraetelautsprecher und des Radiogehaeuses abgestimmt, um einen vernuenftigen Klang mit den offenen Gehaeusen zu bekommen. Auch Zusatzlautsprecher hatten in jener Zeit ein offenes Gehaeuse und waren auch nicht gestopft.
Bei schwachen Hoehen, sicher, dass alle Kondensatoren im NF-Teil ihren Sollwert haben und bei der Ueberholung kein falscher Wert in die Gegenkopplung etc. eingeschlichen ist?
Normalerweise klingen die Nordmende sehr ordentlich. UKW und Platte/TB gehen bis 15kHz, das konnten die Geraete auch wiedergeben.

Ach ja, Papierkondensatoren sterben nicht durch Austrocknung, sondern am Gegenteil. Luftfeuchtigkeit dringt on den Wickel ein und senkt in der Folge den Isolationswiderstand.
Silikon gab es nirgendwo an/in diesen alten Bauteilen.
;-)

73
Peter
michi1106
Stammgast
#9 erstellt: 31. Aug 2010, 19:48
Das mit dem Spray glaube ich, auch ich hatte so meine Zweifel mit WD-40 -- aber es war ja leider nichts anderes erhältlich auf die Schnelle. Ich hoffe bei Reichelt gibt es Kontaktsprays, dann ist bei der nächsten Bestellung eines mit dabei.

Das mit der Frequenzanhebung wird wohl auch so stimmen, und jetzt erübrigt sich die Korrekturmaßnahme sowieso. Beim Korrigieren einiger Lötstellen ist mir aufgefallen, dass ich einen kleinen Keramikkondensator beim Tausch übersehen hatte, welcher kaum sichtbar zwischen zwei weiteren großen Bauteilen versteckt war. Ein Austausch dieses 470-pF-Kondensators verbesserte die Leistung der Endstufe enorm, auch Höhen sind jetzt wieder ordentlich zu vernehmen, und der Bass überschlägt nicht so schnell.

Was mit den Kondensatoren genau passiert ist, ob sie nun verdurstet oder ertrunken sind, soll mal egal sein. Sicher ist jedenfalls dass es keine Silikonhaltigen Kondensatoren gibt, aber es gibt welche mit silikonartiger Masse.. um mich dem missverständlichen Verhängnis endlich zu entziehen



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