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Aufbau einer Klassiksammlung mit grossen und berührenden Interpretationen

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Autor
Beitrag
Kaddel64
Stammgast
#210 erstellt: 01. Mrz 2011, 00:21
Mike,

eine Frage noch zu Brüggens H-Moll-Messe: Wie stehen die beiden Aufnahmen zueinander - kennst Du sie beide?

jpc.dejpc.de

Wo ist die Capella Amsterdam anzusiedeln gegenüber dem Niederländischen Kammerchor? Wie ist die Besetzungsstärke? Gibt es gravierende Unterschiede in der interpretatorischen Auffassung? Die neue von 2009 ist ja ein Konzertmitschnitt, muss man mit Einbußen rechnen?

Danke und Gruß, Kaddel
Szellfan
Hat sich gelöscht
#211 erstellt: 01. Mrz 2011, 00:58
Hallo Kaddel,
die neue Aufnahme finde ich schlüssiger. Die Capella Amsterdam ist kleiner besetzt, vor allem aber hat Brüggen hier bessere Solisten.
Seine Auffassung hat sich nicht grundsätzlich geändert, sie ist vielleicht noch inniger, introvertierter geworden, aber auch schwingender.
Daß das live ist, erhöht für mich das Erlebnis, es stört mich nicht. Auch die alte Philips ist live.

Ja Du, wenn denn mal die BWV 231 überhaupt von Bach ist. Also schon Bach, aber nicht zwingend J.S.. Abgeschrieben und aufgeführt hat der viel. Ich tippe ja auf Christoph, den Onkel.
Insofern kommt Dir auch keiner mit Fasolis oder Brüggen, denn die habens nicht:aufgenommen.
Unabhängig davon, wirklich berührende Musik.
In Deinem Beitrag irritiert mich nur, daß Du "Liuti" als Dikanthörner übersetzt.
Sonst aber teile ich Deine Meinung, Straube ist zu lieblich und Suzuki...so...hm, das Archaische von Gardiner haben sie nicht, dessen Strenge, die so unter die Haut geht.
Die Trauerode habe ich allerdings lieber mit dem Hauch Katholizismus, den Bach wohl auch anbringen mußte für diese Musik, da stehen beide Richtungen des christlichen Glaubens sich gegenüber und das darf man auch hören können.
Aber doch danke für Deinen Hinweis zur Verbindung zur "Markus-Passion".
Die muß hier aber wohl doch außen vor bleiben, weil es keine gescheite Aufnahme gibt und Koopman eben gerade alle Überlieferung ignoriert.
Wortreich, aber ich hoffe, trotzdem hilfreich?
Herzliche Grüße, Mike
Kaddel64
Stammgast
#212 erstellt: 01. Mrz 2011, 01:42
Hallo Mike,
danke für Deine Einschätzung zur neuen Brüggen-Aufnahme.

Szellfan schrieb:
Ja Du, wenn denn mal die BWV 231 überhaupt von Bach ist. Also schon Bach, aber nicht zwingend J.S.. Abgeschrieben und aufgeführt hat der viel. Ich tippe ja auf Christoph, den Onkel.

Nun, ich bezog mich ja auf BWV 118 "O Jesu Christ, mein's Lebens Licht", welches zweifelsfrei von Bach stammt. Die Motette "Sei Lob und Preis mit Ehren" BWV 231 hingegen ist auf meiner Erstausgabe der Gardiner-CD nicht drauf, daher erwähnte ich sie nicht. Und da hast Du recht: Die Autorschaft JSBs bei 231 ist zumindest umstritten. Neuerdings findet man jedoch wieder öfter Hinweise auf seinen Namen. Straube und Helbich sehen umgekehrt Telemann als Kopisten eines Bachschen Satzes (heute nennt man das in bürgerlichen Kreisen Plagiat).

Szellfan schrieb:
In Deinem Beitrag irritiert mich nur, daß Du "Liuti" als Dikanthörner übersetzt.
Das soll wohl irritieren, denn ein Tippfehler brachte mich unfreiwillig zu den Lauten, obwohl es richtig "Litui" hätte heißen müssen, von "Lituus". Und dazu schreibt Siegfried Oechsle im Booklet bei DGG, dass diese "ziemlich sicher als Hörner in hoch B zu identifizieren" seien. Andere Thesen sprechen vom Alphorn, aber ehrlich gesagt behagt mir diese Vorstellung gar nicht...

Szellfan schrieb:
Wortreich, aber ich hoffe, trotzdem hilfreich?

Ja, danke, ich werde den Brüggen II mal auf meine Liste setzen.

Gruß, Kaddel
flutedevoix
Stammgast
#213 erstellt: 01. Mrz 2011, 02:23
Die Zuschreibung der sog. apokryphen Bach-Motetten ist einfach so eine Sache. Nichts genaues weiß man nicht. Bei Bachs Kopier-Orgien sind viele "fremde" Komposition in sein Achive gewandert und später dann mangels Konkordanzen zunächst als seine Werke identifiziert worden. tilkritische Vergleiche brachten diese Zuschreibungen oft ins Wanken, aber auch da gibt es eben grenzwertiges. Zumal Bach in seiner Jugend ja gelernt hat, deswegen hat er sich unter anderem ein Archiv zugelegt, und dadurch auch stilistische Merkmale der kopierten Werke übernahm.

Eine guten Einblick in diese Werke gibt die CD mit dem Alsfelder Vokalensemble unter Wolfgang Helbich, erschienen bei CPO. Die Motetten sind stilsicher in homogenem Chorsatz eingespielt. Eine empfehlenswerte CD:
jpc.de

Das Problem dieser Diskanthörner ist, daß sie meines Wissens niemand außer Bach unter diesem Namen eingesetzt hat. Inwiefern es tatsächlich erhaltene Instrumente dieses Typus gibt, ist mir nicht bekannt. Man müßte da mal einen Spezialisten befragen.
Szellfan
Hat sich gelöscht
#214 erstellt: 01. Mrz 2011, 09:48
....und noch zur Ergänzung:
Bach apo
.
Was diese "Litui" angeht, werde ich mal einen Spezialisten fragen, interessiert mich jetzt.
Herzliche Grüße und Freude an "Brüggen II", Mike
flutedevoix
Stammgast
#215 erstellt: 01. Mrz 2011, 10:17
Dann sollten wir auch noch diese CD ergänzen:
jpc.de

Auch auf dem hohen Interpretationsniveau der beiden anderen CDs mit apokryphen Bach-Werken.
flutedevoix
Stammgast
#216 erstellt: 04. Mrz 2011, 02:29
Da sich die Wortmeldungen zu Johann Sebastian Bachs Werk in Grenzen halten, möchte ich den heutigen Abend nutzen, nun auch die Familie Bach ins Gespräch zu führen.

Fangen wir vielleicht einmal nicht mit seinen Söhnen sondern eher mit entlegenen Vertretern wie Johann Ludwig Bach an. Johann Ludwig Bach. Dieser Vertreter entstammt aus einer Nebenlinie der Bach-Familie (Johann Sebastian selbst aus der Stammlinie) und war Hofkapellmeister in Meiningen. Johann Sebastian schätze die Musik seines Verwandten sehr. So führte er innerhalb eines Jahres mehr als 10 Kantaten Johann Ludwigs auf und sammelte seine Werke. Seiner privaten Bibliothek ist es ausschließlich zu verdanken, daß wir überhaupt Werke Johann Ludwigs kennen. Erhalten sind ca. 20 Kantaten, Motetten und eine große Trauermusik für zwei Chöre und großbesetztes Orchester.

Diese Trauermusik liegt in einer schönen, typische für Hermann Max zu nennenden Einspielung vor. So wirken Solisten, Chor und Orchester sehr schlank. In meinen Augen wären etwas mehr Wärme im Klang und ein dramatische zugespitzterer, klangfarbenreicherer Ansatz manchmal schon angebrachter. Dennoch ist die Interpretation gut und ermöglicht uns die Bekanntschaft der anrührenden Trauermusik Johann Ludwig Bachs.
amazon.de

Hier würde mich interessieren, ob jemand die neu erschienene Einspielung von Rademann kennt und eventuell mit Hermann Max vergleichen kann.

Interpretatorich wesentlich persönlicher und ausdrucksstärker ist in meinen Augen die Einspielung einer Auswahl der Motetten Johann Ludwig Bachs durch die Rheinische Kantorei unter Hermann Max gelungen.
amazon.de
Seine Motetten sind zwar "schlichter" in der Anlage und dem den Interpreten abverlangten Können als die seines ungelichbar berühmteren Namensvetters. Sie zeigen aber auch sehr gut die hohen kompositorischen Qualitäten Johann Ludwig Bachs. Auffallend ist vor allem das ausbalencierte Wort-Ton-Verhäktnis und die in den polyphonen Strukturen hervoragende Textverständlichkeit. Das alles natürlich bei einen großen emotionalen Tiefe.
Die Rheinische Kantorei präsentiert sich in dieser Einspielung als hervoragender Chor, der neben einer guten Textverständlich und einem gut ausbalncierten Klang vor allem eine große Homogenität an den Tag legt.
flutedevoix
Stammgast
#217 erstellt: 04. Mrz 2011, 02:49
Heute ebenso unbekannt wie Johann Ludwig Bach ist Johann Michael Bach. Johann Michael Bach wahr Organist und Stadtschreiber in Gehren, einer kleinen mitteldeutschen Stadt in der Nähe von Ilmenau. Im Gegensatz zu Johann Ludwig Bach hat er aber in jeder Bach-Biographie einen festen Platz, ist er doch der Vater von Johann Sebastian Bachs erster Frau Maria Barbara.
Nur zur weiteren verwandschaftlichen Einordnung: Er war ein Bruder von Johann Christoph Bach und ein Vetter von Johann Sebastian Bachs Vater, Ambrosius Bach.
Leider schein momentan keine CD mit Aufnahmen seiner Werken lieferbar zu sein. Wer aber die Chance hat, folgende CD auf dem Gebrauchtmarkt zu ergattern, sollte bedenkenlos zugreifen:
6002812
Die Kantaten bewegen sind eigentlich Geistliche Konzerte und bewegen sich im stilistischen Umfeld der entsprechenden Werke von Dietrich Buxtehude. Die Motetten sind beste Beispiele der mitteldeutschen Motetten-Tradition und sehr berührend in ihrer relativ schlichten kompositorischen Faktur.
Die Interpretation überzeugt unter musikalischen und klanglichen Aspekt, lediglich an der Aussprache des französischen Ensembles muß man manchmal kleine Abstriche machen.

Übrigens dieser Johann Michael Bach hat nichts mit dem dem hessischen Zweig der Bach-Familie entstammenden Johann Michael Bach (II) zu tun, der zwei Generationen nach Bach anzusiedeln ist und dem folgende vorbildliche CD gewidmet ist. Schon seltsam einen Bach im Stile Haydns zu hören (allerdings ohne dessen kompositorischen Rang zu erreichen)!
jpc.de


[Beitrag von flutedevoix am 04. Mrz 2011, 02:52 bearbeitet]
flutedevoix
Stammgast
#218 erstellt: 04. Mrz 2011, 02:57
Manchmal fällt einem eine Aufnahme einfach zu spät ein. Auf der folgenden CD sind natürlcih auch Motetten Johann Michael Bachs zusammen mit Motetten Johann Christoph Bachs und Johann Pachelbels enthalten. Die Interpretation durch das Ensemble Cantus Cölln ist ausgezeichnet und öffnet den Blick auf ausgezeichnete, heute aber leider unbekannte barocke Vokalmusik:
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(Altes Cover)

bzw.

amazon.de
Szellfan
Hat sich gelöscht
#219 erstellt: 04. Mrz 2011, 20:27
unbedingt ergänzen möchte ich hier folgende Aufnahme:
AltBachGoebel
Eine wunderbare Sammlung, sich mit diesen Schätzen zu befassen.
Lieber Johannes,
Du wirst sicher jene nicht unerwähnt lassen wollen:
AltBach Cantus
,die mich persönlich aber mal wieder eher ungerührt läßt.
Für mich trifft Goebel hier den strengen Ton dieser Musik besser und ist werkbewußter.
Und diese Strenge geht mir auch nahe.
Für mich eine der wirklich guten Platten der MAK.
Herzliche Grüße, Mike
flutedevoix
Stammgast
#220 erstellt: 04. Mrz 2011, 23:42
Lieber Mike,

Du wirst es nicht glauben wollen, aber das als letztes von Dir aufgeführte Doppelalbum blieb mit voller Absicht unerwähnt. Nicht nur daß die Aufnahme interpretatorisch eher uninspiriert wirkt, es sind schlicht viele handwerkliche Fehler zu hören: ungenaue Einsätze, kritische Intonationsstellen, unausgewogene Balance. Schlicht, die Aufnahme macht einen schlecht vorbereiteten Eindruck, so als ob man sich soeben mal für eine CD-Produktion getroffen habe. Für mich die schwächste mir bekannte Aufnahme von Cantus Cölln!

Das Alt-Bachsche-Archiv von Göbel fällt leider in die Zeit nach meiner Berührung mit seiner Aufnahme der Brandenburgischen. Da war Göbel für mich erst mal erledigt. Danach hatte ich die CD nicht mehr auf dem Schirm. Wenn Du meinst werde ich sie mir besorgen und hörtechnisch würdigen.


[Beitrag von flutedevoix am 04. Mrz 2011, 23:46 bearbeitet]
Szellfan
Hat sich gelöscht
#221 erstellt: 05. Mrz 2011, 00:05
Lieber Joahnnes,
Goebel ist nicht gleich Goebel.
Wenn ich mir anmaßen darf, Dir zu raten, dann höre unbedingt diese Aufnahme des Alt-Bachischen Archivs.
Herzliche Grüße, Mike
flutedevoix
Stammgast
#222 erstellt: 05. Mrz 2011, 01:20
Lieber Mike,
Du darfst!
Ich weiß auch, daß Goebel nicht unbedingt Goebel ist. Aber weißt Du, die Brandenburgischen habe ich ihm damals übel genommen, das war quasi "persönlich". Und dann verliert man einfach mal eine Aufnahme aus dem Blick. Wenn es die Aufnahme noch gibt bzw. Sie gebraucht zu erwerben ist, werde ich Deinen Rat beherzigen!

Leider wird ja gerade dieses "Alt-Bachsche-Archiv" immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Ich würde mir sehr wünschen, mal wieder eine überzeugende Aufnahme aus diesem Archiv zu hören statt die nächste zwar vielleicht gute aber überflüssige Einspielung von Bach-Kantaten des "großen" Bach.
Szellfan
Hat sich gelöscht
#223 erstellt: 05. Mrz 2011, 02:04
Lieber Johannes,
Deine quasi persönliche Beleidigung bei den "Brandenburgischen" verstehe und teile ich sehr wohl.
Wo bleibt eigentlich das "Heul!" der Fans?
Wenn ich auch nicht leugnen kann, daß mir Goebels Text zur Aufnahme sehr zugesagt hat.
Das "Archiv" gibt es wohl noch und hiermit bekräftige ich meinen Rat, das anzuhören.
Sei herzlich gegrüßt, Mike
Joachim49
Inventar
#224 erstellt: 07. Mrz 2011, 23:37

flutedevoix schrieb:

Hier würde mich interessieren, ob jemand die neu erschienene Einspielung von Rademann kennt und eventuell mit Hermann Max vergleichen kann.


Ich höre sie gerade, da mich Dein Hinweis auf die Trauermusik neugierig gemacht hat. Vergleichen kann ich sie leider nicht - aber es klingt durchaus dramatisch und reich an Klangfarben (wie man von der Akademie für alte Musik erwarten darf). Man kann die Aufnahme vermutlich vorbehaltlos empfehlen.

Hier folgt die Besprechung aus klassik.com wo die Aufnahme die höchste Bewertung erhielt. (ich hoffe hiermit der
Zitierpflicht zu genügen. Mein eigener Eindruck bestätigt die Besprechung.
freundliche Grüsse
Joachim

Frisch & temperamentvoll

Interpretatorischer Kern der Aufnahme ist die Akademie für Alte Musik Berlin. Die Musikerinnen und Musiker beweisen einmal mehr, wie perfekt Klangsinn und Strukturbewusstsein ausbalanciert sein können. Sie deuten ohne selbstreferenzielle Manierismen feinteilig, spielen exquisite obligate Soli und der Basso continuo erweist sich als eigentlicher Motor des musikalischen Geschehens. In der dramatischen Geste agieren die Instrumentalisten mit perkussiver Geste, ohne dabei einen kompakten, gut fokussierten Klang zu verlassen. Kontrastierend dazu sind auch größte Dezenz und Konzentration möglich. Der RIAS Kammerchor zeigt sich mit seinen zwar klar konturierten aber nie hart klingenden Registern bestens präpariert. Immer wieder – gerade in den intensiv und stimmungssatt gedeuteten Chorälen – erweist sich diese klare Disposition aber auch als hinreichend verschmelzungsfähig.

Hinzu tritt ein klanglich frisches Solistenquartett: Anna Prohaska demonstriert, dass sie mit ihrem vielseitigen, beweglichen Sopran alle Ausdruckssphären von großer Innigkeit bis zur dramatischen Geste technisch hervorragend fundiert bedienen kann. Die Altistin Ivonne Fuchs spielt ihre üppigen lyrischen Qualitäten aus, dabei über eine große stimmliche Ausgewogenheit bis in die dunkel timbrierten tiefen Lagen gebietend. Maximilian Schmitt paart in seinen Tenor-Arien Kraft und Eleganz, damit seinen technisch sehr ambitionierten Part bravourös bewältigend. Andreas Wolf schließlich bringt seinen profunden, harmonisch ausgebauten Bass ohne Manierismen und mit wunderbar leicht ansprechenden Randlagen ein.

Hans-Christoph Rademann schnürt aus diesem üppigen Potenzial ein schlüssiges interpretatorisches Gesamtpaket: Es wird in entschiedenen, klar konturierten Tempi und differenzierter dynamischer Staffelung musiziert. Inspiriert von dem in dieser Hinsicht hervorragenden Orchester wird hervorragend artikuliert und so auf den verschiedenen Ausdrucksebenen präzis gedeutet – jede Geste ist dezidiert und bewusst gesetzt, keine Passage wirkt bloß abgespielt. Das Klangbild ist plastisch, gut gestaffelt und mit einer gewissen Wärme versehen. Allein der vorzügliche Chor steht in den bewegten Sätzen nicht in vollendeter Balance gleichberechtigt neben dem Orchester.

Rademann findet vor allem im ersten Teil zu einer spannungsvollen Deutung in dramatischer Geste. Da gibt es jede Menge musikantisches Temperament und funkensprühende Musizierlust zu hören. Der festliche Charakter des finalen Teils wird ohne Anspannung und Überdruck getroffen, auch dort wirken die Sätze durch eine aktive Artikulation gut belüftet. Ein variantenreicher interpretatorischer Zugriff sichert dem Hörer immer wieder einen frischen Eindruck dieser überaus bemerkenswerten Komposition.
flutedevoix
Stammgast
#225 erstellt: 10. Mrz 2011, 23:30
An diesem freien Abend gelüstet mir hier die Vorstellung bzw. Diskusiion der berührenden Aufnahmen fortzuführen.
Im Mittelpunkt soll nun zum ersten Mal einer der Söhne Johann Sebastian Bachs stehen: Der sog. "Bückeburger Bach", Johann Christoph Friedrich (1732 - 1795). Er ist heute der unbekannteste der Bach-Söhne, obwohl Wilherlm friedemann ihn für den besten "Clavieristen" der Söhne hielt. Grund für die relative Unbekanntheit dürfte sein Wirken am Hofe des Grafen zu Schaumburg-Lippe in der Provinz (Bückeburg) sein, was im Zusammenspiel mit der zurückgezogenene und bescheidenen Lebensweise Johann Christoph Friedrichs nicht dazu geeinet war, Karriere zu machen.

Aus seinem Schaffen liegen mir folgende Werke auf CD vor, die ich alle für gelungen, manche sogar für sehr gut halte:

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Diese CD des Freiburger Barockorchesters mit der Solistin Christine Schornsheim am Hammerflügel gibt einen interpretatorisch ausgezeichneten Überblick über das instrumentale Schaffen J. Chr. F. Bachs. Seine Sinfonien stehen denen Johann Christian Bachs wesentlicher näher und dürfen als Vorläufer bzw. Vertreter der Klassik mit gutem Wissen bezeichnet werden. Dagegen fehlt das Sturm-und-Drang-Element Carl Philipp Emanuels eher weitgehend. Faszinierend ist besonders die Bläserbehandlung.
Das Freiburger Barockorchester interpretiert diese Sinfonien mit dem richtigen Gespür für Klangschönheit und emoitionale Kontraste. Immer ist ein frischer Zugriff zu hören, der niemals im Schönklang erstrarrt. Christine Schornsheim spürt den vielen Schattierungen im eingespielten Klavierkonzert einfühlsam nach und bringt ihr Instrument wunderbar zum Singen. Das Klavierkonzert steht eher den Klavierkonzerten Wilhelm Friedemanns nah.

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Das Oratorium "Die Kindheit Jesu" entstand in Zusammenabreit mit Johann Gottfried Herder, der für den Text verantwortlich ist. Musik und Text stellen in erster Linie die beschauliche Seite dieses Abschnittes des Lebens Jesu in den Mittelpunkt. Die Musik ist ausgezeichnet gearbeitet, empfindsam und emotional berührend. Stilistisch steht dieses Oratorium durchaus Haydn nahe.
Die Interpretation Hermann Max stellt wieder einmal die Qualitäten und auch die nicht so gelungenen Aspekte vieler seiner Aufführungen exemplarisch dar: Neben einer hervoragenden Durchhörbarkeit, einer gerazu schwebend zu nennender Leichtigkeit und einer wunderbar zum Werk passenden Naivität steht eine gewisse Körperlosigkeit, die Musik wirkt fast schon vergeistigt. Etwas mehr Lebensfreude, etwas mehr Diesseitigkeit hätte dem Werk gut getan. Dennoch liegt eine sehr gute Interpretation des Werkes vor!

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Die beiden auf dieser CD enthaltenen weltlichen Kantaten Pygmalion und Ino zeigen Johann Christoph Friedrich Bach als einen bedeutenden Drammatiker. Unter entsprechenden Umständen wäre er sicher als bedeutender Opernkomponist in die Musikgeschichte eingegangen. Stilistisch seinem Bruder Johann Christian nahestehend fällt besonders auf, wie gut Johann Christoph Friedrich seine Personen musikalische charakterisieren kann.
Die Interpretation ist sehr frisch und musikantisch, sehr gelungen. In jedem Falles habe wir eine echtes Plädoyer für den Bückeburger Bach vor uns!

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Schließlich noch diese CD mit Sinfonien Johann Christoph Friedrichs Bachs. Auch wenn das Spiel etwas pauschal wirkt und weniger den rhetorischen Gesten und emotionalen Kontrasten als der großen Linie und dem schönen Klang nachspürt, ist sie ein schwungvoll vorgetragenes Porträt des Orchesterschaffens des Bückeburger Bachs


[Beitrag von flutedevoix am 11. Mrz 2011, 01:21 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#226 erstellt: 11. Mrz 2011, 01:08

flutedevoix schrieb:
An diesem freien Abend gelüstet mir hier die Vorstellung bzw. Diskusiion der berührenden Aufnahmen fortzuführen.


Das ist sehr nett von Dir. Ich muss zugeben, ich kann Euch hierhin nicht mehr folgen. Ich lese gerne mit, aber ich bin schon lange ausgestiegen, welcher Bach nun mit welchem verbandelt ist ... geschweige denn dass ich noch Platten davon hätte. Bei C.P.E. bin ich wieder dabei
flutedevoix
Stammgast
#227 erstellt: 11. Mrz 2011, 01:30
Na, ab jetzt wird es ganz einfach, wir haben hier nur Söhne des "großen" Johann Sebastian. Ich habe zunächst mal die unbekannteren Anverwandten Bachs aufgegriffen. Ich denke wir kommen nun recht bald zu den großen drei Bach-Söhnen Wilhelm Friedemann, Carl Philip Emanuel und Johann Christian.

Um aber die Verwandschaftsverhältnisse nicht zu einfach zu machen, hier noch eine weitere Empfehlung:
jpc.de

Das ist Musik vom Sohn des Bückeburger Bachs (Johann Christoph Friedrich): Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759 -1845). Mit ihm stirbt der "musikalische Zweig" der Bachfamilie aus. Das schöne ist, daß sich diese Familie bis in das Zeitalter der musikalischen Romantik erstreckte, man beachte das biblische Alter, das der Enkel Johann Sebastians erreichte. Er war also noch Zeitgenosse Mendelssohns und Schumanns!
Die Musik ist absolut auf der Höhe der Zeit, irgendwo bei Beethoven zu verorten. Wilhelm Friedrich Ernst war kein Genie, aber ein sehr würdiger Vertreter der Familie.
Die Interpretation ist sehr gut: frisch, drammatisch, spannend!


[Beitrag von flutedevoix am 11. Mrz 2011, 01:31 bearbeitet]
Szellfan
Hat sich gelöscht
#228 erstellt: 11. Mrz 2011, 16:03
Hiermit zum Lieblingssohn des "alten" Bach, Wilhelm Friedemann.
Dieser dürfte den meisten wohl ein Begriff sein, darum an dieser Stelle keine Kurzbiographie.
So widerspenstig jedenfalls wie sein Charakter gewesen sein soll, so ist oft auch seine Musiksprache.
Immer allerdings mit der Absicht, das vom Vater Gelernte zu bewahren, auch in neuem Gewande, denn W.F.'s Musik stößt durchaus in frühklassische Gefilde vor.
Die für mich gelungendste Einspielung überhaupt ist diese hier:
wfbach dombrecht
Einfach weil Dombrecht genau diesen so schwer zu treffenden Ton findet, diese einerseits zerklüftete Musiksprache zum Sprechen zu bringen, andererseits aber auch die galanten Seiten, das Vergrübelte. Man wird dieser Musik nicht gerecht mit der einseitigen Sicht als "Sturm und Drang".
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe sehr gelungener Einspielungen dieser Musik, stellvertretend hier einige.
wfbach astronio
Hier sind nun alle Cembalokonzerte eingespielt, noch dazu zum Schnäppchenpreis.
Da hört man sowohl das Konzert für zwei Cembali ohne Orchester, das Brahms herausgegeben hat und es für J.S. Bach hielt, aber auch das massiv besetzte Konzert für zwei Cembali und Orchester, mit vollem Bläsersatz, das sehr offiziell wirkt.
Dazwischen die Konzerte, die sich mit kleinem Streichorchester begnügen.
Wirklich schön gespielt, mit Sinn für Details.
Und, ziemlich neu, aber sehr lohnend, wenigstens eine der Kantatenaufnahmen:
wfbach kantaten
Zu Ralf Otto muß ich ja nichts sagen, da war ja die Meinung zu Bachs "WO" so selten einhellig. All diese Qualitäten findet man hier wieder.
Und noch wenigstens eine Aufnahme mit Claviermusik:
wfbach hill
Robert Hill spielt ein sehr wohlklingendes Fortepiano
und macht deutlich, daß diese Polonaisen alles andere sind als Galanterien, sondern gründlich gearbeitete Miniaturen.
Herzliche Grüße, Mike
flutedevoix
Stammgast
#229 erstellt: 11. Mrz 2011, 17:37
Zu Mikes Beitrag möchte ich einfach nur noch Empfehlungen nachtragen:
Ich kenne die Einspielung mit Ralf Otto noch nicht, schätze aber die zwei CDs mit Kantaten Wilhelm Friedemann Bachs interpretiert von der Rheinischen Kantorei unter Hermann Max. sehr interessante, emotional berührende Musik in sehr guten Einspielungen:
amazon.de
5th_element
Stammgast
#230 erstellt: 12. Mrz 2011, 02:17
Hallo Ihr 2

Auch wenn ich hier mittlerweile im Kurs "Bach für Fortgeschrittene" nur noch Mitleser bin ....... die hier dreht sich zu später Stunde gerade auf dem Plattenteller und gefällt mir ganz ausgezeichnet:




Spontan auf Ebay gekauft. Für 1 EUR, neu und noch eingeschweißt.

Anfangs scherzte hier jemand sinngemäß "wenn wir denn in 2 Jahren mal bei S angekommen sind, würde er was schreiben". Ich wollt's nicht glauben und hielt es für einen Scherz. Nun denke ich so für mich, "schön, dass auch Optimisten hier unterwegs sind"


Viele Grüße,
Stefan
Szellfan
Hat sich gelöscht
#231 erstellt: 14. Mrz 2011, 23:49
Hallo Stefan,
diese LP kenne ich auch.
Mir gefällt sie auch, wenn auch unter der Prämisse, daß es so schön nach erstem Versuch klingt, das im historischen Klanggewande zu präsentieren.
Hat seinen Reiz und wirkt sehr musikantisch.

Hier aber möchte ich ein wenig die Chronologie einhalten und schreite zunächst zu Carl Philipp Emanuel Bach.
Das, stöhn, könnte länger dauern.
Beginnen möchte ich hiermit:
CPE Liateien
Höchst ungewöhnliche Vokalmusik für CPE, der sonst oft das eher als Pflicht erledigt hat und sich häufig anderweitig bedient hat.
Hier aber kann man sein Können erfahren auch im Satz für die Singstimme.
Komplexe Strukturen, Reibungen nicht scheuend.
Eine andere Welt als die Motetten seines Vaters, doch auf ihre Art ebenso genial. Ja, genial, ich habe kurz überlegt, ob ich es so schreibe.
Interpretatorisch auf höchstem Niveau, klein besetzt, ich könnte mir ein größeres Ensemble zwar vorstellen, aber so hört man eben alle Verästelungen des Satzes doch besonders deutlich.

Reizvoll in diesem Zusammenhang die Bearbeitung einer der Fugen der "Kunst der Fuge" des Vaters in diesem Zusammenhang.
Klingt hier sehr einleuchtend und erklärend.
Schwer zu hören, gewiß. Aber wer sich die Mühe macht, gewinnt großen Reichtum.
Herzliche Grüße, Mike
flutedevoix
Stammgast
#232 erstellt: 15. Mrz 2011, 04:18
Lieber Mike,

da hast Du mich doch tatsächlich überrascht und auf dem falschen Fuß erwischt. Diese CD kenne ich nicht! Hört sich aber sehr interessant an, ich fürchte, meine Sammlung wird sich auch um diese CD erweitern müssen.

Ich möchte eine größer besetzte Aufnahme in die Diskussion werfen, die zwar schon ein gewisses Alter auf dem Buckel hat, aber dennoch nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.
amazon.de

Auch Carl Philipp Emanuel hat herausragende Passionsmusik geschrieben. Diese Oratorium ist ganz ein Kind der empfindsamen Zeit, des musikalsichen Sturm und Drang. Insgesamt wie die Matthäus-Passion seines Vaters eher kontemplativ, aber sehr innig und berührend, oft gerade durch seine Schlichtheit einnehmend.
Die innige und auch intime Musik wird hier berührend und anrührend interpretiert. Sowohl der Msuik als auch der Interpretation geht jede Außendarstellung ab, die emotionale Gestaltung des Geschehens ist hier oberste Maxime.

Für alle an oratorischer Musik interessierte Hörer ein Muß. Übrigens könnte die langsame Einleitung des Werkes durchaus dem Chaos in Haydns Schöpfung Pate gestanden haben!


[Beitrag von flutedevoix am 15. Mrz 2011, 04:23 bearbeitet]
Szellfan
Hat sich gelöscht
#233 erstellt: 15. Mrz 2011, 12:37
Lieber Johannes,
die kenne ich auch.
Vor vielen vielen Jahren zuerst im Radio gehört und sie war sozusagen für mich eine Initialzündung für die Musik von CPE.
Aber hier ein Werk und eine Aufnahme, die Du sicher kennst:
CPE
Mozart hat das Werk so geschätzt, daß er es selbst 1789 zur Aufführung brachte.
Meiner Meinung nach dem Sturm und Drang noch mehr verpflichtet als das Passionsoratorium, die rollenden Pauken im ersten Rezitativ, die Horn- und Trompetenpartien in den Arien..aber doch auch sehr empfindsame Seiten kommen zum Klingen.
Herreweghes Aufnahme ist mir trotz der von Max und Kuijken immer noch die liebste, weil er die Kontraste ausspielt, aber nie plakativ wird, sondern sehr erfüllt darstellt und innig.
Herzliche Grüße, Mike
Szellfan
Hat sich gelöscht
#234 erstellt: 21. Mrz 2011, 15:38
nun zunächst meinerseits zu den Sinfonien.
Da sind die Berliner Sinfonien, noch relativ konservativ, sicher auch dem Berliner Geschmack geschuldet:
CPE Remy
Ausnahme dabei die e-moll-Sinfonie, die Rémy gleich als erste vorstellt.
Gerade in der Fassung mit Bläsern ein ziemlich "krauses" Stückchen Musik.
Aber trefflich musiziert von den "Les Amis de Philippe", die den Namen ja nicht umsonst so gewählt haben.

Eine Gruppe für sich sind die Sechs Streichersinfonien.
Baron van Swieten bat CPE, so zu komponieren, wie ihm der "Schnabel gewachsen" sei und das tat der dann auch.
Die Premiere soll katastrophal gewesen sein, was aber auch nicht wundert. So wenig orientiert sich Bach hier am Geschmack der Zeit, ist so wenig galant, sondern voller Energie, wagt harmonische Kühnheiten, die schmerzhaft ins Ohr fallen.
Pinnocks beste Platte überhaupt:
CPE Pinnock
The English Concert spielt auf der Stuhlkante, kein Affekt wird ausgelassen, auch schärfste Dissonanzen nicht, lastende Klänge über B-A-C-H.

Und gegen Ende seines Lebens komponierte er nochmals eine Sammlung Sinfonien, zu "zwölf obligaten Stimmen", vier an der Zahl.
Wäre es nicht anachronistisch über Musik von 1788 zu sprechen und dabei zu formulieren, sie wiese in klassische Gefilde?
Manches klingt ein wenig wie Haydn, ist aber doch eine ganz eigene Musiksprache. Etwas verbindlicher geworden, doch immer noch das Herz bewegend, wie es CPE Zeit seines Lebens anstrebte.
CPE Leonhardt
Leonhardt verfällt nicht der Schwäche, diese Musik in eine Schublade stecken zu wollen, sie klingt bei ihm weder "klassisch", noch nach reinem "Sturm und Drang", sondern entwickelt einfach ihre ganz eigenen, eigensinnigen Qualitäten.
Mit manchmal wirklich bezaubernden Ideen.
Herzliche Grüße, Mike
Joachim49
Inventar
#235 erstellt: 25. Mrz 2011, 20:20
...wie wär's mit Bartok? Oder möchte jemand etwas zu Henk Badings posten?
J
Szellfan
Hat sich gelöscht
#236 erstellt: 26. Mrz 2011, 10:01
Wenigstens noch ein paar Konzerte von CPE, die gesamte Kammermusik fehlt noch. Und Johann Christian auch.
Dann nehme ich mich der Konzerte hier an:
Bach kossenko
Die Flötenkonzerte so wie hier zu hören, war immer mein Wunsch.
Stilistisch stimmig, darüberhinaus farbig und ausgewogen im Zusammenspiel und noch dazu hervorragend aufgenommen.
Eine wirklich wundervolle Aufnahme, die ich nur empfehlen kann. Beide Folgen.

Als Alternative zu Bylsma und Leonhardt bei den Cellokonzerten, die ja schon mitgenannt wurden bei den späten Sinfonien, höre ich gern diese:
Bach Mate
Möglicherweise nicht ganz so abgezirkelt im Detail wie Bylsma, aber dafür eben spontaner, musikantischer.

Und dann ist da ja noch diese große Gruppe Cembalokonzerte.
Einzelaufnahmen gibt es ein paar gelungene, diese hier eine Art Vorgänger zur Gesamtedition bei BIS mit den selben Interpreten:
Bach spanyi
Spanyi spielt hier Cembalo, in der BIS-Edition allzu oft einen Tangentenflügel. Ein Vergleich ist interessant, denn auf der frühen Aufnahme sind die Spielzeiten beinah identisch, aber sie wirkt deutlich dramatischer und lebhafter. In den rezitativischen Sätzen auch deutlich opernhafter.
Dennoch ist die Edition insgesamt eine Leistung, die man kaum genug würdigen kann, kann man endlich dann alle Konzerte mal hören und höchst eigenartige Musik kennenlernen, sowohl rhythmisch, melodisch und besonders harmonisch derart, daß man manchmal meint, im 20 Jahrhundert gelandet zu sein.
Herzliche Grüße, Mike
Szellfan
Hat sich gelöscht
#237 erstellt: 26. Mrz 2011, 10:48
Eine kleine, aber gelungene Auswahl, sozusagen zum Kennenlernen, bietet diese Aufnahme:
Bach Florilegium
Leckerbissen diese Triosonate "Das Gespräch zwischen einem Sanguineus und einem Melancholicus". Herrlich wie Bach es gelingt, den Melancholicus zu zeichnen, der sich immer wieder animieren läßt, aber dann doch, fast seufzend, wieder in seinen Trott verfällt.
Eine Randerscheinung die Sonaten für Gambe, aber hier so fein gespielt, daß ich sie nennen möchte:
Bach pandolfo
Natürlich dürfen die Flötensonaten nicht ungenannt bleiben:
Bach Kuijken
Kuijken wie immer mit sehr schönem Ton, allen kleinen Regungen der Melodie nachspürend. Van Asperen manchmal etwas spröde, dennoch gelungenes Zusammenspiel.
Und zum Schluß die späten Quartette in der ungewöhnlichen Besetzung mit Flöte, Viola und Clavier:
Bach Les Adieux
Nicht mehr ganz jung die Aufnahme, aber immer noch die schönste, was den besonderen klanglichen Reiz angeht, ebenso auch das Sprechende dieser Musik.

Beim umfangreichen Ouevre der Claviermusik tue ich mich schwer: alles was ich empfehlen würde, ist nicht mehr lieferbar.
Ludger Rémy hat für MDG auf einem Stein'schen Hammerklavier eine Auswahl Sonaten und Rondos eingespielt, mit diesem herzzerreeißenden a-moll-Rondo, das vermutlich auf den Tod des Sohnes komponiert wurde.
Leonhardt hat eine Doppel-LP gemacht, ein Rundumschlag, und er spielt dementsprechend auch Cembalo, Clavichord und Fortepiano. Und keiner hat so versonnen, auffahrend, wehmütig, streng, trauernd... wie er diese Fantasie "Carl Philipp Emanuel Bachs Empfindungen" aufgenommen.
Josef Gát hat 1960 für Hungaroton eine LP gemacht auf einem Clavichord mit Sonaten und Rondos, die mich jedesmal zutiefst berührt, wenn ich sie höre. Regelrecht keck und voller Witz das C-Dur-Rondo, aber mit den Schwebungen, die nur das Clavichord kann, in langsamen Sätzen derart gesanglich, daß es mir immer wieder Tränen in die Augen treibt.
Alles, was man heut kaufen kann, erscheint mir zweitrangig gegen diese Aufnahmen, darum hier von mir keinen Beitrag.
Herzliche Grüße, Mike
5th_element
Stammgast
#238 erstellt: 26. Mrz 2011, 12:27

Szellfan schrieb:
Wenigstens noch ein paar Konzerte von CPE, die gesamte Kammermusik fehlt noch. Und Johann Christian auch.


Ich verstehe ja, dass Euch die gesamte Familie Bach "berührt" und wir sind uns über deren Bedeutung für unser Hobby, die klassische Musik, völlig einig. Aber ganz offen gesprochen ging es doch im Ursprung mal um eben "berührende Interpretationen" und nicht um das Erstellen eines vollumfänglichen Klassik-Lexikon.

Ich schätze wirklich die Kompetenz unserer beiden Haupt-Akteure. Aber liegt evtl. der Gedanke nicht doch nahe, dass es deshalb fast ein Zweier-Chat geworden ist, weil sich alle Übrigen von der Detailflut und gleichzeitig von der erdrückenden Fachsimpelei (die bestimmt inhaltlich korrekt und auch lesenswert ist) erschlagen fühlen ? Wenn man es nur ansatzweise wagt, eine Mutter oder eine Hillary Hahn zu erwähnen bzw. zaghaft versucht sich eine Winzigkeit von einem Buchstaben weiterzuhangeln, bekommt man höflich aber bestimmt einen übergebraten (siehe Aussagen wie "es wird doch jetzt wohl hoffentlich keiner mit der Mutter kommen ?")

Sorry für die Offenheit. Aber langsam fällt es doch irgendwie auf, dass hier kaum noch einer mitmacht. Der Thread ging mal um Emotionen. Wo sind die denn geblieben ?

Kollegiale und freundliche Grüße,
Stefan
arnaoutchot
Moderator
#239 erstellt: 26. Mrz 2011, 13:52
Hallo Stefan, Deine Anmerkungen entbehren nicht ganz der Grundlage. Vom Thema wirklich "grosse und berührende" Aufnahmen haben wir uns entfernt. Aber ich will mich nicht einmischen, ich bin hier weder der TE noch einer der Hauptschreiber. Mögen diese entscheiden, wie sie den Threadtitel auslegen. Ich kann auch mit der lexikalischen Aufarbeitung leben.

Zum Thema C.P.E. Bach kann ich wieder ein bisschen mitsprechen. Szellfans Tipp mit den Flötenkonzerten von Kossenko kann ich unterstützen, eine sehr feine Aufnahme. Erwähnt seien noch die Symphonien und das Cellokonzert von Café Zimmermann ebenfalls auf alpha, die mir auch sehr gelungen scheinen. Ich habe aber nur die unten genannte Gustav Leonhardt und die etwas trockene Aufnahme von Andrew Manze mit Alison McGillivray und dem English Concert zum Vergleich.

Für diejenigen, die erst mal nur einen Überblick über C.P.E. Bachs Werk auf einer CD wünschen, ist vielleicht auch der BIS-Sampler "A Journey around C.P.E. Bach" empfehlenswert. Er enthält zwei Klavierkonzerte mit Miklos Spanyi auf dem Tangentenflügel bzw. Clavichord, das Cellokonzert mit Hidemi Suzuki, eine Orgelfantasie und eine Sonate für Flöte und Orgel. Leider scheint die Platte vergriffen zu sein.

jpc.de 97f9024128a09aa6547b4010.L


[Beitrag von arnaoutchot am 26. Mrz 2011, 13:54 bearbeitet]
Szellfan
Hat sich gelöscht
#240 erstellt: 26. Mrz 2011, 13:58
Hallo Stefan,
nun ist sicher die Bach-Familie für mich-und wohl auch für Johannes- ein besonderes Steckenpferd.
Wie Du sicher auch siehst, war ich jetzt durchaus bemüht, zum Ende zu kommen.
Und gerade die letzten Sätze zur Claviermusik, da geht es doch eben um die Emotion und darum nichts von mir dazu.

Ganz sicher hat es etwas lexikalisches bekommen, dabei denke ich aber doch auch immer an die, die vielleicht mal einen Tip suchen oder erst später lesen werden.

Herzliche Grüße, Mike
arnaoutchot
Moderator
#241 erstellt: 26. Mrz 2011, 14:05

Szellfan schrieb:
Ganz sicher hat es etwas lexikalisches bekommen, dabei denke ich aber doch auch immer an die, die vielleicht mal einen Tip suchen oder erst später lesen werden.


Sicherlich löblich und von mir auch begrüsst ...
5th_element
Stammgast
#242 erstellt: 26. Mrz 2011, 15:06
Jedem seine Meinung und so respektiere ich auch Eure. Zumal ich hinsichtlich der fachlichen Kompetenz keine Kritik anbringen möchte. Aber Eure Anmerkungen möchte ich doch noch mal aufgreifen. Es wurde gesagt "vielleicht mal einen Tipp finden ..... Für diejehnigen, die später nachlesen."

Wer kommt denn bei diesem Thread-Titel auf die Idee, hier später mal reinzulesen ? Doch wohl diejehnigen, sich beim Blättern durch die Seiten mal die eine oder andere Inspiration in Richtung einer besonders spannenden und/oder berührenden Aufnahme holen wollen. Wenn die sich aber allein bei "Bach" durch nunmehr 5 !! Seiten lesen müssen (und Ihr scheint ja noch nicht mal fertig zu sein ....), bezweifel ich, dass das Ziel - siehe vorhergehender Satz - für denjehnigen erreicht werden kann. Man stelle sich mal vor, wenn das so weitergeht. Dann muß ich 100 Seiten prüfen, um vielleicht mal den Mozart zu finden ? Ich hab mir schon in Michael's Thread manchmal einen Wolf gesucht. Da ist man ehrlich gesagt flotter unterwegs, wenn man kurz selbst einen Thread startet und fragt z.B. "was könnt Ihr mir zu J.S. Bach und da speziell zu den geistlichen Werken empfehlen ?" Da wühle ich mich hier doch nicht mühsam durch und über den Threadtitel würde ich vielleicht nicht mal auf die Idee kommen hier zu suchen.

Ist ja in Ordnung, wenn man es mit diesem Anspruch an Vollumfänglichkeit machen möchte und den Ehrgeiz hat, ein Nachschlagewerk zu erstellen. Abgesehen davon, dass wir dann wieder vor der Frage stehen (siehe Anspruch der Vollständigkeit), entweder die Listungen aus anderen Threads, wie dem von Michael, einzuarbeiten oder zu ignorieren.

Dann würde ich vielleicht den Threadtitel ändern, gerade damit später die Leute, die solch eine lexikale Aufstellung suchen, anhand des Titels hier auch fündig werden.

Dazu würde ich mir noch wünschen, dass die "HIP-Dominanz" etwas zurückgenommen wird. Dafür können natürlich unsere beiden Hauptschreiber einerseits nix, wenn sich hier so wenig Andere und "Nicht-HIPies" engagieren. Andererseits lassen die Vorschläge und der Nachdruck mit dem sie zu den vermeintlich besten oder einzig wahren Interpretationen erhoben werden, mir persöhnlich zu wenig Raum für Anderes.

Wie gesagt. Meine persönliche Meinung, nachdem ich diesen Thread seit seinem Start mitgelesen und (nur sehr vereinzelt) mitgeschrieben habe. Ich möchte niemanden persönlich angreifen und hoffe dies wird als Gedankenanstoß genommen. Einig scheinen wir uns darin zu sein, dass der Thread eine thematische Eigendynamik bekommen hat und der sollte man vielleicht irgendwie entsprechen.

Viele Grüße,
Stefan
(der sich jetzt wieder ausklinkt und auf die Toscanini's und Bernstein's wartet, die manchmal so herrlich historisch uninformiert an die Sachen herangegangen sind)
Hörbert
Moderator
#243 erstellt: 26. Mrz 2011, 15:18
Hallo!

Könnte man den Tread nicht einfach Umtaufen?

Z.B. "Aufbau einer Klassiksammlung mit grossen und berührenden Bach Interpretationen" fände ich ganz passend.

oder auch "Aufbau einer Bachsammlung mit grossen und berührenden Interpretationen"?

Sorry das sollte keine Kritik sein, aber ich schaue ebenfalls seit Wochen nur noch sporadisch auf den jeweils letzten Post um zu sehen wann ihr mit der Bach-Familie die mich zugegebenermaßen nur am Rande interessiert fertig seit.

Ich fände es wirklich besser den Tread entweder umzutaufen oder den umfangreichen Bach-Teil auszukoppeln.

MFG Günther


[Beitrag von Hörbert am 26. Mrz 2011, 15:19 bearbeitet]
Szellfan
Hat sich gelöscht
#244 erstellt: 26. Mrz 2011, 15:22
Hallo Stefan,
Deine Kritik kann ich durchaus nachvollziehen, besonders die der "HIP"-Lastigkeit.
Wenn ich's doch aber so empfinde!
Und wie Du schon schreibst, andere hätten anders gedurft, ganz bewußt habe zumindest ich immer wieder tagelang geschwiegen und darauf gewartet und gehofft.
Und fünf Seiten Bach finde ich erstaunlich wenig für eine so große Familie von Komponisten, mit diesem Stellenwert und Einfluß!

Ganz sicher, ganz sicher auch bald, kommen Komponisten hier zur Sprache, zu denen ich meinersteits kein Sterbenswörtchen verlieren werde.
Einfach weil ich dann nichts zu sagen haben werde.

So, grins, jetzt hör ich mal wieder meinen Feinberg mit Bach... von wegen immer nur HIP.
Ein schönes Wochenende wünscht Mike

P.S.: Laß doch den Audiophilen-Thraed einfach so stehen, er ist bei allen Überschneidungen doch unter völlig anderen Gesichtspunkten gestrickt. Und so wie er ist, lese ich darin auch gern herum, auch wenn ich so manche Meinung ja nicht teile-aber was macht das schon?!
Szellfan
Hat sich gelöscht
#245 erstellt: 26. Mrz 2011, 15:48
Hallo Hörbert,
hier kommt wieder der Wunsch auf nach einer Gliederung.
Angegangen war das ja mal, aber verlief sich.
Sinnvoll wäre sie, das stimmt wohl.
Aber herauslösen würde ich bestimmte Themen nur ungern.
Bin nämlich gespannt, wie viele Seiten das zu Mozart z.B. werden, denn da werden mit Sicherheit mehr Leute schreiben als zu diesem speziellen Thema, das so speziell ja nicht ist.
Vielmehr die Basis der europäischen Musik, nur viel zu oft vernachlässigt.
Diese gesamte Zeit, die allein soziologisch so unglaublich wichtig war und ohne die unsere heutige Gesellschaft kaum denkbar wäre.
Im Kleinen: die heutige Musik wäre eine völlig andere ohne die der Bach-Familie.
Dazu, das kann man hörbar nachvollziehen, wird zu vieles schon angelegt, oder, in speziellen Fällen, so singulär vorweggenommen, daß Neues wie ein Abklatsch zu klingen scheint dessen, was schon einmal war.
Wir wissen einfach wirklich fast nichts, wenn wir die Vergangenheit nicht kennen.
Was nicht heißt, darin zu leben.
Aber das wird OT, sorry.
Eine Gliederung wäre trotzdem schön.
Herzliche Grüße, Mike
arnaoutchot
Moderator
#246 erstellt: 26. Mrz 2011, 17:09
Eine Gliederung lässt sich sicherlich (nachträglich) darstellen, siehe dazu auch die von Hüb begonnene Gliederung des "Audiophile"-Threads. Ich bin entschieden dagegen, Threads aufzuspalten, denn dann findet man irgendwann gar nichts mehr, weil manche Buchstaben oder Einzelkomponisten mangels Beiträgen nach hinten rücken. Das Forum ist inzwischen auch zu gross und hat zu viele Beiträge, dass sich über die Suchfunktion qualifiziert etwas finden liesse.

Machen wir doch einfach weiter. Das ist doch alles nicht für die Ewigkeit hier.
flutedevoix
Stammgast
#247 erstellt: 26. Mrz 2011, 17:38
[quote]Vom Thema wirklich "grosse und berührende" Aufnahmen haben wir uns entfernt. [/quote]

Ich für mich gesprochen habe inder Tat nur wirklich große und berührende Aufnahmen erwähnt, in meinen Regalen stehen zu den bisher besprochenen Komponisten noch unzählig weitere. Daher kann ich nicht erkennen, inwiefern wir uns vom Thread-Titel entfernt haben.

[quote]Der Thread ging mal um Emotionen. Wo sind die denn geblieben ?[/quote]

In den hier besprochenen Kompositionen, wenn sie villeicht auch nur die wenigsten kennen. Es kann jedenfalls nicht schaden, mal hineinzuhören!


[quote]Dazu würde ich mir noch wünschen, dass die "HIP-Dominanz" etwas zurückgenommen wird. Dafür können natürlich unsere beiden Hauptschreiber einerseits nix, wenn sich hier so wenig Andere und "Nicht-HIPies" engagieren./quote]

Na, ich denke, da gibt es nicht zurückzunehmen! Es geht ja um die großen und berührenden Interpretationen. Die spielen sich bei der Bach-Familie für mich nun mal im Bereich der historisch-informierten Interpreten ab. Demjenigen, dem das nicht gefällt und anderer Meinung ist, hätte ja nun gerade bei Johann Sebastian Bach ausreichend die Möglichkeit gehabt, andere Aufnahmen zu empfehlen.

[quote]Andererseits lassen die Vorschläge und der Nachdruck mit dem sie zu den vermeintlich besten oder einzig wahren Interpretationen erhoben werden, mir persöhnlich zu wenig Raum für Anderes.[[/quote]

Es ging hier in keinem Fall um absolute Wahrheiten. Die Kommentare und Anmerkungen, die Mike und ich zu den von uns empfohlenen Aufnahmen geschrieben haben, sind natürlich subjektiv gefärbt. Dennoch glaube ich zu erkennen, daß wir uns um eine große Objektivität bemüht haben. Daß ich hier abundzu mit Kommentaren auf Aufnhamen eingegangen bin, die ich kenne und eben nicht als groß und berührend empfinde, möge man mir verzeihen. Ich denke im Sinne einer Einordnung dient das aber dem Anliegen, große Diskussionen haben sich daraus ja nie entwickelt.

[quote]hier kommt wieder der Wunsch auf nach einer Gliederung.[/quote]
Habe ich mal begonnen und ngeboten auf dem Laufenden zu halten, siehe den entsprechenden Post. Da ich aber nicht erkennen konnte, daß meine Initiative aufgegriffen wird, habe ich auf eine Fortführung verzichtet.

So und nun wieder zur Musik und zu einem versuchten Schnelldurchgang mit Johann Christian!
Kings.Singer
Inventar
#248 erstellt: 26. Mrz 2011, 17:49
Hi.

Ich sehe das ganze nun auch nicht so dramatisch. Beim Audiophil-Thread war es ja wirklich das Ziel auf möglichst komprimierten Raum eine Art Anthologie zu erstellen.
Hier in diesem Thread soll es weniger um die möglichst komprimierte Darstellung von X CDs gehen, sondern um den Austausch darüber (inkl. der Empfindungen beim Hören). Der Weg ist das Ziel und nicht bis Ende Juni bei Z angelangt zu sein.

Von daher kann es meinetwegen so weiter laufen wie bisher. Wo ich etwas beizutragen habe, klinke ich mich dann wieder ein.

Viele Grüße,
Alexander.

P.S. Und so Seitenhiebe wie "Da wird doch keiner mit Mutter um die Ecke kommen" sind leider unausweichlich wenn man offen über seine Empfindungen beim Hören von CDs spricht. Nur weil der eine seine Meinung profunder zu formulieren weiß als der andere, sollte man sich seine Meinung nicht nehmen lassen und diese hier vertreten! Emotionen sind schließlich subjektiv!


[Beitrag von Kings.Singer am 26. Mrz 2011, 17:51 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#249 erstellt: 26. Mrz 2011, 17:53

flutedevoix schrieb:
So und nun wieder zur Musik und zu einem versuchten Schnelldurchgang mit Johann Christian!


That's all I have ... schöne Musik, saubere Aufnahme.

amazon.de
flutedevoix
Stammgast
#250 erstellt: 26. Mrz 2011, 17:59
Orchestermusik:
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Die Orchestermusik Johan Christian Bachs war von größtem Einfluß auf einen Stil, den wir klassisch nennen. Nicht umsonst entwickelte sich eine große Freundschaft und tiefe Seelenverwandschaft zwischen dem Londoner Bach und Mozart. Besonders die Bläserbehandlung und die Herausstellung von Soloinstrumenten in den Konzertanten Sinfonien werden von Haydn und Mozart in ihren Beiträgen zum Sinfonischen und Orchestralen Werk aufgegriffen.
Die oben erwähnten Aufnahmen sind durch die Bank gute Aufnahmen, die einen emotionalen und tiefen Einblick in diesen höchst faszinierenden Kosmos ermöglichen.

Oper:
amazon.de
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Auch im Bereich der Oper hört man immer wieder Querbeziehungen zwischen Bach und Mozart.
Das Recital mit Phillipe Jaroussky gibt einen schönen Überbick über das Opernschaffen Bachs. Die aufgenommenen Arien zeigen eine enorme emotionale und stilistische Bandbreite von der virtuosen Koloratur-Arie bis hin zur tiefempfundenen Gefühlsausdruck.
Mit der Einspielung der Oper Endimione ist ein Bruno Weil eine seiner besten Aufnahme gelungen. Spritzig, witzig aber auch tief empfunden wird er dem Wrk in bester Weise mehr als gerecht.

Kammermusik:

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Hier sollte das Cover folgender Aufnahme erscheinen:
Johan Christian Bach
Quintettes & Sextours
The English Concert, Trevor Pinnock
DGG-Archiv

Lustvoll musizierte Kammermusik, die Gattung des Bläserquartettes und der Streicherensembles im Umfeld der Entstehung des Streichquartetts zeigt. Musik, die gute Laune macht und entsprechende spritzig vorgetragen wird
jpc.de
Einige der frühesten Harmoniemusiken, die überaus inspiriert gespielt, die besondere Qualität von Unterhaltungsmusik im 18. Jh. verdeutlichen

Klaviermusik:
jpc.de
jpc.de
Zum Schluß noch zwei Einspielungen mit Klaviermusik von johann Christian Bach. Die erste auf dem Cembalo eingespielt, die zweite auf dem Hammerflügel. Die Interpreten spüren der Spielfreude aber auch der Innigkeit der Musik kongenial nach und bringen ihre Instrumente zum Singen. Die Verwendung unterschielicher Tasteninstrumente wirft auch verschiedene Lichter auf die Kompositionen. Sehr empfehlenswert!


[Beitrag von flutedevoix am 26. Mrz 2011, 18:05 bearbeitet]
flutedevoix
Stammgast
#251 erstellt: 26. Mrz 2011, 18:07
Eine CD, die sehr schön die muskalische Beziehung zwischen Johann Christian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart illustriert ist folgende:
amazon.de
Die Aufnahme ist typisch Akademie für alte Musik: Sauber und frisch musiziert, könnte für mein Epmfinden manchmal merh Ecken und Kanten haben, die Kontraste besser ausloten. Allerdings Kritik auf hohem Niveau!
flutedevoix
Stammgast
#252 erstellt: 26. Mrz 2011, 18:09
Und noch eine abschließende Empfehlung:
jpc.de

Die Aufnahme versammelt Konzerte und Sinfonien von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach. So wird die Entwicklung im der Gattung Konzert im Umfeld des preußischen Hofes und in der Bachfamilie gut nachhörbar. Diese CD halte ich für ein klingendes Stück Musikgeschichte,die zudem interpretatorisch überaus gut gelungen ist.


[Beitrag von flutedevoix am 26. Mrz 2011, 18:12 bearbeitet]
Hörbert
Moderator
#253 erstellt: 26. Mrz 2011, 18:50
Hallo!

Macht ruhig weiter, mir geht es wirklich nur um eine Gliederung damit gezielt einzelne Segmente angefahren werden können. Am besten wär es m.E. in einem allgemeinen Tread nur Links zu den einzelnn Segmenten unterzubringen dann könnte jedes Segment beliebig lan und ausufernd werden.

Bach an sich ebenso wie seine familären Verzweigungen interessieren mich zwar eher weniger aber bei anderen Themenbereichen wird sich das wohl ändern.

MFG Günther
flutedevoix
Stammgast
#254 erstellt: 27. Mrz 2011, 19:21
Ich vermute jetzt einfach einmal, daß keine weiteren Postings zur Bach-Familie mehr erfolgen werden und stoße dann die Tür zu weiteren Vertretern des Buchstabens B auf:

Adrian Banchieri, der eigentlich Tomaso hieß bis er 1589 in den Benediktiner-Orden eintrat. Sein Leben spielte sich im SPannungsfeld der Städte Bologna (Schwerpunkt) und Venedig ab.

jpc.de
amazon.de


Beides sind hervoragende Beispiel für eine italienische Madrigalkunst, die unter einem drammatischen Deckmäntelchen so etwas wie eine Geschichte mittels unterschiedlicher Madrigalen erzählen will. Neben ernsthaften Madrigalen im hohen Stil stehen leicht gewichtigere, fast schon Frottole nahestehenden Madrigale. All das ist hervorragende Musik, man sollte sich nicht zu sehr von den Titel wie dem "Musikalischen Eierpunsch", das ist in etwa die Übersetzung der ersten hier erwähnte Sammlung.
Die Interpretation bewegen sich mit sicherem Stilempfinden zwischen den versichedenen Madrigalarten.
Kreisler_jun.
Inventar
#255 erstellt: 27. Mrz 2011, 21:31
CPE Bach:

Cembalo/Fortepiano solo, oder gleich alle drei CDs (+ Kammermusik, Konzerte, ich glaube die weiter oben angeführte CD des Ensembles Les Adieux ist hier mindestens teilweise enthalten):

jpc.de jpc.de

Sehr faszinierend ist auch das Konzert f. Cembalo, Fortepiano und Orchester, meine Aufnahmen davon scheinen aber nicht mehr erhältlich zu sein (MAK bzw. Coll Aureum)
Eine preiswerte, wenngleich etwas ältere Alternative wäre evtl. Leonhardt:

jpc.de


WF Bach
(die CD besitze ich nicht in dieser Form, sondern das Original mit dem Doppelkonzert von CPE, aber das Konzert f. 2 Cembali ist jedenfalls lohnend), auch auf der weiter oben genannten Brilliant GA zu finden

jpc.de
Kreisler_jun.
Inventar
#256 erstellt: 03. Apr 2011, 12:46
Die MAK-CDs sind mit etwas Mühe doch noch zu finden. Die abgebildete enthält das Konzert f. Fortepiano & Cembalo, die ohne Bild Konzerte f. 2 Cembali von WF und CPE Bach

amazon.de

link zu amazon (kein Bild)


Ich scheue etwas vor den kompletten JC Bach Boxen bei cpo zurück (der ist mir ingesamt etwas zu galant oder glatt). Kann jemand (FlutedeVoix?) vielleicht mal ein bis drei besonders bemerkenswerte CDs daraus hervoheben?
Joachim49
Inventar
#257 erstellt: 06. Apr 2011, 20:43
Da ich die Ankunft beim Buchstaben Z gerne noch lebend mitbekommen möchte - ich habe einige Empfehlungen zu Zemlinsky - gestatte ich mir die Sache hier ein wenig voranzutreiben und hoffe keinen bedeutenden Komponisten übersehen zu haben, wenn ich auf einige Referenzaufnahmen zu Bartok hinweise (für den ich mich gar nicht besonders zuständig fühle; - wir können in 1 - 3 Jahren ja eine Nachtragsrubrik für B machen, falls ich zu ungeduldig bin).

Eine Referenzaufnahme für die Klavierkonzerte dürften gewiss Fricsay und Geza Anda vorgelegt haben.
jpc.de
Als Streichquartettfan besitze ich natürlich die 6 Quartette. Das Julliardquartett hat sie wiederholt eingespielt und Massstäbe gesetzt: auf den websites von jpc oder amazon finde ich allerdings keine Spuren dieser Aufnahmen. Eine Schande.

Die bedeutendste Gesamtsicht des Klavierwerks findet man zweifellos bei Kocsis, zZt sogar recht günstig.
jpc.de

Bartoks 'Blaubarts Burg' höre ich immer wieder gerne. Von den relativ vielen Aufnahmen, die ich gehört habe, hat mir eine mit Boulez und Cleveland am besten gefallen. Es war ein Radiokonzert und ich weiss nicht, ob die Aufnahme identisch ist mit der CD. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der alte Boulez nicht mehr so frostig ist. Die Aufnahme, die ich gehört habe, hat beinahe vor Wärme geglüht.
Womit ich die Fackel an kompetentere Liebhaber weitergebe.
Freundliche Grüsse
Joachim


[Beitrag von Joachim49 am 06. Apr 2011, 20:44 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#258 erstellt: 06. Apr 2011, 22:31

Joachim49 schrieb:
Da ich die Ankunft beim Buchstaben Z gerne noch lebend mitbekommen möchte ...




Zustimmung zu all Deinen Beiträgen zu Bartok. - Hier noch einige Ergänzungen von mir:

Neben der sicherlich wegweisenden Aufnahme von Anda/Fricsay, die ich auch habe, war schon immer Pollini/Abbado ein Favorit bei den Klavierkonzerten von mir. Die ersten beiden Konzerte spielte der damals (1977) noch recht junge Pollini förmlich mit der Stahlfaust ein.

amazon.com

Die Streichquartette hab ich von den Emersons, ich bin kein Spezialist dafür, aber diese Aufnahme wurde mit Preisen überhäuft und recht gelobt.

amazon.de

Den Blaubart hab ich mit Fischer-Dieskau/Varady/Sawallisch kennengelernt. Inhaltlich immer noch eine sehr überzeugende Aufnahme, inzwischen machen ihr die SACDs von Polgar/Komlosi/Fischer und Zhidkova/White/Gergiev vor allem klanglich Konkurrenz.

amazon.de

Zwei Boxen möchte ich noch erwähnen. Zum einen die sehr gute Boulez-Box mit den kompletten DGG-Aufnahmen (8 CDs) und die hervorragende Dorati-Box für Mercury Living Presence. Beide sind inhaltlich wie klanglich sehr gut, es sind übrigens auch noch zwei weitere Blaubärte drin (bei Boulez allerdings Norman/Polgar/Chicago SO, nicht Cleveland).

amazon.de bartok5



Joachim, Frage: Um die Kocsis-Box bin ich schon geschlichen. Ich hab ein paar Einzel-CDs von Kocsis, u.a. die kompletten Werke für Piano und Orchester. Muss ich die Box haben ? Der "Mikrokosmos" zB war mir dann doch etwas zu trocken ...
Klassikkonsument
Inventar
#259 erstellt: 06. Apr 2011, 23:56
Hallo Joachim,


Joachim49 schrieb:
Als Streichquartettfan besitze ich natürlich die 6 Quartette. Das Julliardquartett hat sie wiederholt eingespielt und Massstäbe gesetzt: auf den websites von jpc oder amazon finde ich allerdings keine Spuren dieser Aufnahmen. Eine Schande.


Ich habe diese Ausgabe der 1963'er Aufnahme, die mir sehr gefällt:



Ist wohl nur noch gebraucht zu bekommen.

Viele Grüße
Szellfan
Hat sich gelöscht
#260 erstellt: 07. Apr 2011, 09:28
Na endlich!
Ich fürchtete schon, schreiben zu müssen, jemand solle doch weitermachen. Danke.

Zwar höre ich ziemlich selten Bartok, aber zwei Aufnahmen möchte ich nicht missen:
Bartok vegh
Zumindest die ersten beiden Quartette sind ja dem Végh-Quartett gewidmet, was wohl eine gewisse Authentizität nahelegt.
Davon abgesehen vermittelt mir diese Aufnahme, wenngleich weder spiel-noch aufnahmetechnisch perfekt, mehr Emotion als alle anderen.
Die zweite, hier mein LP-Cover:
Bartok Szell
Die CD, glaube ich, ist schon ewig nicht mehr erhältlich.
Dabei kann ich kaum recht ausdrücken, warum diese Aufnahme mich berührt, sogar einen gewissen Humor vermittelt, während andere mich einfach kalt lassen.
Und von dieser originalen Epic-Pressuing ist sie klanglich richtig gut, räumlich, warm und transparent.
Herzliche Grüße, Mike
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