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Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik !!!)

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op111
Moderator
#32526 erstellt: 29. Okt 2025, 14:50
Heute die von Wolfgang erwähnte LP in ihrer Reinkarnation

Gioacchino Rossini (1792-1868)
Streichersonaten Nr.1-6
Mit weiteren Werken von: Gaetano Donizetti (1797-1848) , Vincenzo Bellini (1801-1835) , Luigi Cherubini (1760-1842)

Academy of St. Martin in the Fields,
Neville Marriner
Decca 1966 & 68 2 CDs ungenannter Toning.
jpc.de


Ich erinnere mich, daß die Rossini-Streichersonaten in der Analogzeit als Testmaterial bei mindestens einer der führenden deutschen HiFI-Zeitschriften (HiFI-Stereophonie | fono forum) genutzt wurden. Es ging um die Verfärbungsfreiheit der Streicher. So sind die auch in meine Sammlung geraten. Bei Lautsprechervergleichen waren sie immer dabei.
Sehr viel später habe ich die abgespielten LPs durch die CDs ersetzt.
Manch ein HIP-Jünger rümpft wohl über die musikalische Ausführung die Nase.
Mir haben sie gute Dienste geleistet und ich bin des Hörens nicht leid geworden.

Franz
WolfgangZ
Inventar
#32527 erstellt: 29. Okt 2025, 15:42
Das mit den HIP-Jüngern könnte natürlich wahr sein, wobei ich oft genug selber einer bin.

Aber die Interpretation des Rossini durch die Academy ist eine angenehm runde und transparente Angelegenheit. Da muss vielleicht auch gar nichts schroff sein bei diesem Repertoire.

@ Meister bolt: An der Fünften von Vaughan Williams ist überhaupt nichts kitschig, nicht im Geringsten. Lass es Dir nicht einreden, falls Dein Beitrag nicht primär ironisch gemeint war. (Bei Vangelis bin ich mir weit weniger sicher, aber ich möchte hier keinen Kulturkampf betreiben, das möge mir fern liegen. )
Mars_22
Inventar
#32528 erstellt: 29. Okt 2025, 16:18

op111 (Beitrag #32526) schrieb:

Ich erinnere mich, daß die Rossini-Streichersonaten in der Analogzeit als Testmaterial bei mindestens einer der führenden deutschen HiFI-Zeitschriften (HiFI-Stereophonie | fono forum) genutzt wurden. Es ging um die Verfärbungsfreiheit der Streicher.


Um 1970 dürfte die angesprochene Verfärbungsfreiheit nicht selbstverständlich gewesen sein, wenn ich so an meine Serkin-Aufnahmen von Brahms- und Mozart-Klavierkonzerten denke (so sehr ich diese Aufnahmen liebe, aber unverfärbt sind sie nicht.)
Bei Aufnahmen nach 1970 fällt mir spontan keine mit verfärbtem Streicherklang ein.
op111
Moderator
#32529 erstellt: 29. Okt 2025, 16:37
Hallo zusammen


Mars_22 (Beitrag #32523) schrieb:
Ich habe nur eine reine Rossini-Aufnahme, Orchesterwerke mit Ivan Fischer und dem Budapester Orchester.
Sacd hin oder her, das Ding ist von 1970 und ich habe schon viele ältere Aufnahmen gehört, die besser klingen. Vielleicht haben sie einfach im Orchestergraben der Oper aufgenommen.


Discogs behauptet: Channel Classics – CCS SA 27708
Released:2008
Recorded 6-8 December, 2007, Budapest
Engineer – C. Jared Sacks*
Producer, Engineer – Hein Dekker

Ich habe eine vage Erinnerung, daß ich deren Produktionen als akustisch unbefriedigend nicht gekauft habe.
Vielleicht verwechsele ich Channel auch mit Challenge Classics.
Von beiden habe ich nichts bemerkenswertes.

Franz
Mars_22
Inventar
#32530 erstellt: 29. Okt 2025, 17:19
Roon sagt auch 2007, aber irgendwo las ich 1970. Finde es gerade nicht mehr.
Egal, 2007 ist auch viel wahrscheinlicher. So oder so - es bleibt eine Aufnahme, die man nicht haben muss. Außer in klanglicher Hinsicht, bei mir trotz 24/192, auch bez. der Auswahl der Stücke.
Hörstoff
Inventar
#32531 erstellt: 29. Okt 2025, 18:55

WolfgangZ (Beitrag #32527) schrieb:
Das mit den HIP-Jüngern könnte natürlich wahr sein, wobei ich oft genug selber einer bin.

Und das als bestens informierter ehemaliger Deutsch- und Englischlehrer: denglisch mit hippen Abkürzungen.
WolfgangZ
Inventar
#32532 erstellt: 29. Okt 2025, 23:52

Hörstoff (Beitrag #32531) schrieb:

WolfgangZ (Beitrag #32527) schrieb:
Das mit den HIP-Jüngern könnte natürlich wahr sein, wobei ich oft genug selber einer bin.

Und das als bestens informierter ehemaliger Deutsch- und Englischlehrer: denglisch mit hippen Abkürzungen. ;)


Naja - irgemdwie mag ich diese Buchstabenfolge. Aber frag mich nicht, warum!
arnaoutchot
Moderator
#32533 erstellt: 30. Okt 2025, 18:42
Es kam nun die hier schon vorab gestreamte Schreker/Korngold/Krenek SACD von Sascha Goetzel (BIS 2025). Das Vorspiel zu der Oper "Die Gezeichneten" (1913-15) ist wirklich beeindruckend und erinnert mich an eine mögliche Filmmusik zu einem Science-Fiction-Film des viel späteren 20. Jahrhunderts.

Zusammen mit ihr traf diese SACD unten von John Wilson mit der Sinfonietta London ein. Die Hauptwerke sind Korngolds Symphonische Serenade und Strauss Metamorphosen, Schrekers kurzes Intermezzo bleibt wirklich ein solches. Am eindrucksvollsten ist Strauss' Lamento zum Ende des 2. Weltkrieges und der erschütterte Blick auf seine zerstörte Heimatstadt München. Klanglich ist die Staffelung der Streichergruppen in MCh atemberaubend und erreicht eine unglaubliche Intensität.

jpc.de
klutzkopp
Inventar
#32534 erstellt: 30. Okt 2025, 19:20
Hier eine der Aufnahmen die ich zum Hörtest bei HiFi-Händlern immer dabei hatte:

Schuberts SQ „Der Tod und das Mädchen“ mit dem Belcea Quartet

amazon.de

Klar, scharf, ungeschönt. Wenn das nicht nervig klang war ein LS für mich schon mal nicht schlecht.

Natürlich klingt es bei mir nicht nervig.
Hörstoff
Inventar
#32535 erstellt: 30. Okt 2025, 20:52
Hier mal ein Hörtest, ob ihr in all den Jahren auch etwas gelernt habt - oder vorher schon wusstet.

Also: auf den Link klicken, Bildschirm aus und hören, was da spielt. Wer alle Werke mit Bezeichnung zuordnen kann, ist sehr gut. Die anderen können es lernen.


Mars_22
Inventar
#32536 erstellt: 30. Okt 2025, 21:06

klutzkopp (Beitrag #32534) schrieb:

Klar, scharf, ungeschönt.

Vom Belcea-Q habe ich die Beethoven-Quartette, von denen ich dasselbe gesagt hätte.
amazon.de

Den Tod und das Mädchen habe ich vom Artemis-Quartett, und da hatten wir mal die Situation, dass ich lamentiert habe über dessen Schärfe, und du meintest, das dürfe ruhig so sein. Wo ich dir mittlerweile recht gebe.
Komischerweise höre ich sowas inzwischen immer mit dem Kopfhörer, und da gibts weder hier noch da Schärfe (wohl aber ordentlich Energie), obwohl der Kopfhörer (Arya Stealth) keineswegs als Weichzeichner bekannt ist.

Also: Schön klar, schön energetisch.

amazon.de
arnaoutchot
Moderator
#32537 erstellt: 31. Okt 2025, 19:18
Ich muss Euch nochmals kurz mit meiner Bernstein-Schachtel langweilen. Ich schrieb oben ja, dass ich im Laden immerhin fünf Wochen um die Box herumschlich und mir sagte: "Die brauchst Du nicht", bis das Fleisch dann schwach wurde. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es eine der besten Boxen ist von denen, die ich hier so zusammengerafft habe !

Ich habe sicherlich schon an die 30CDs daraus gehört. Natürlich ist das der späte Bernstein, vieles ist breit und manchmal die Dynamik etwas schroff, aber gerade das liebe ich insbesondere bei den klassischen Gassenhauern Beethoven, Brahms, Mozart, Haydn. Ein tolles Mozart-Requiem hörte ich oder die mir bislang nicht wirklich bekannte Paukenmesse von Haydn. Ich habe auch noch die Columbia-Symphonien-Box (60CDs), da mag der 1960er Mahler noch etwas mehr Aufbruchstimmung haben, aber auch die DGG-Aufnahmen aus den 1980ern haben was. Oder Tchaikovsky ... und und und.

Ich hatte ja vieles schon in den Collector's Edition Teilboxen (deswegen auch mein Zögern), die wurden mir alle schon aus der Hand gerissen ... gerade Elgar - Enigma - grossartig ! 👍

Edit: Warum das Bild jetzt bur noch verlinkt wird, weiss ich nicht. Gerade war es noch da ...

https://i.ibb.co/dwtDpzQb/IMG-8056.jpg


[Beitrag von arnaoutchot am 31. Okt 2025, 19:24 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#32538 erstellt: 31. Okt 2025, 20:17

arnaoutchot (Beitrag #32537) schrieb:
Edit: Warum das Bild jetzt nur noch verlinkt wird, weiss ich nicht. Gerade war es noch da ...


Schon arg privat, dieses Bild! Die Ware auf dem Weg zum Tresor oder in den Keller zum Geheimversteck vor Mann und Maus. Das geht uns halt nichts an.
Wolfgang

Edit: Zitat repariert - arnaoutchot.


[Beitrag von arnaoutchot am 02. Nov 2025, 08:53 bearbeitet]
FabianJ
Inventar
#32539 erstellt: 31. Okt 2025, 22:32
@Michael: Also mich langweilt das keineswegs. Zu den meisten DG-Aufnahmen von Lenny kann ich nur nicht viel schreiben, da ich sie nicht kenne.

Die Elgar-CD habe ich jedoch auch hier. Die Enigma-Variationen haben mir auch gefallen. Häufiger höre ich mir aber die drei Märsche am Ende der CD an, besonders der „March of the Mogul Emperors" ist äußerst kurzweilig. Die komplette „The Crown of India"-Suite kenne ich noch in der Einspielung von Sir Charles Groves, aber dieses eine Stück hat Lenny noch besser hinbekommen.
So sehr ich Imperialismus ablehne, diese Musik ist einfach sehr unterhaltsam.

Bei mir lief gerade:
jpc.de
Antonio Rosetti (1750-1792)
Streichquartett D-Dur op. 6 Nr. 1 & Nr. 5
Arioso-Quartett: Kay Petersen (Violine), Wolfgang Albrecht (Violine), Susanne Bauer (Bratsche), Stefan Kraut (Violoncello)
Aufnahme (Album): 1994, Liederkranzhalle, Stuttgart

Natürlich sind Mozart und vor allem Haydn bedeutendere Quartett-Komponisten, aber mit deren früheren Streichquartetten kann sich diese Musik durchaus messen.

Konkurrenz scheint es in diesem Repertoire derzeit keine zu geben, deswegen ist es gut, dass die Einspielung des Arioso-Quartetts so gelungen ist.

Mit freundlichem Gruß
Fabian
arnaoutchot
Moderator
#32540 erstellt: 02. Nov 2025, 09:16
Hier weitere Klassiker: Ferenc Fricsay mit Dvoraks 9., Smetanas Moldau und Liszts Les Préludes (DGG 1959/69 stereo). Bei allen drei Werken zählen die innerhalb weniger Monate Ende 1959/Anfang 1960 entstandenen Aufnahmen von Fricsay zu den Referenzaufnahmen. Klanglich ist das frühes, aber gut hörbares Stereo.

Ich vergleiche Les Préludes gerade mit der ebenfalls sehr guten Karajan-Aufnahme aus 1967. Fricsay ist fein ziselierter und dynamischer, Karajan ist voluminös-breiter und leuchtender und hat die Gnade der etwas räumlicheren Tonqualität.

Beide CDs (oder LPs oder Downloads etc ... ) wären für mich fester Bestandteil einer klassischen Basisdiskothek.

Edit: Ich habe nur noch zwei weitere Aufnahmen von Les Préludes in meiner Sammlung entdeckt: Jos van Immerseel mit Anima Eterna aus 2004 und Solti mit dem CSO aus 1992. Immerseel mit seinem abgespeckten Orchester erinnert mich an Fricsay, Solti spielt mehr in der grossorchestralen Karajan-Liga. Bin selbst verwundert, dass ich Les Préludes nur 4x in der Sammlung habe ... mehr müssen auch nicht sein.

jpc.de jpc.de


[Beitrag von arnaoutchot am 02. Nov 2025, 09:49 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#32541 erstellt: 02. Nov 2025, 13:25
Die linke CD dürfte einen blendenden Ruf genießen. Sie steht schon einige Zeit im Regal. Aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich sie schon gehört habe. Gleich mal absolvieren ?!

Bin selbst verwundert, dass ich Les Préludes nur 4x in der Sammlung habe ... mehr müssen auch nicht sein
- schreibt Michael.

So isses, wie die Chinesinnen sagen. Nötigenfalls reichen drei, meint Wolfgang.

Hörstoff
Inventar
#32542 erstellt: 02. Nov 2025, 13:36
Bei mir lief eine feine kammermusikalische Wagner-Komplementierung: Suzanne McLeod (Mezzosopran), Le Quatuor Romantique: Vassili Voronin, (violin, Joseph Gaffino, Paris 1760), Edward John Semon, (cello, Giuseppe Ornati, Milano 1922), Joachim Diessner, (harmonium, Debain, Paris ca. 1867) und Markus Märkl, (piano, Gebr. Perzina, Leipzig, ca. 1890), Quelle: hraudio.net spielen opernhafte Kammermusik des Maestro.

Im Vergleich zu seinen großen Werken wirkt dies ein wenig - falls noch jemand gerade Einkaufen war - wie die Biomarke sensitiv aus gleicher Quelle. Jedenfalls sehr hörenswert und aktuell zum No-Brainer-Preis erhältlich.

jpc.de


[Beitrag von Hörstoff am 02. Nov 2025, 13:37 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#32543 erstellt: 02. Nov 2025, 14:31

WolfgangZ (Beitrag #32541) schrieb:
So isses, wie die Chinesinnen sagen. Nötigenfalls reichen drei, meint Wolfgang. ;)


Recht hat er, hat er nicht ? Drei reichen auch. Ich würde von meinen vieren wahrscheinlich als erstes den Solti ausklammern. Ich finde keine einzige erhältliche wirkliche Mehrkanalaufnahme von Les Préludes. Komisch !
op111
Moderator
#32544 erstellt: 02. Nov 2025, 19:24
Hallo zusammen,

da Les Preludes bei mir mit unsäglichen Berichtersttatungen aus brauner Vergangenheit verknüpft sind, höre ich sie mir nicht an.
Ich habe 2 lt. Bestandsliste ungespielte Aufnahmen (Haitink und Fricsay) , benötige aber genau 0.
Der gute und geschätzte Franz Liszt kann nichts dazu, daß seine Musik so plakativ und einprägsam mißbraucht wurde.


Franz


[Beitrag von op111 am 02. Nov 2025, 19:32 bearbeitet]
op111
Moderator
#32545 erstellt: 02. Nov 2025, 19:28
Nun zu für mich weniger belastender und belasteter Musik
Clara Haskil - Mozart / Beethoven / Schumann
daraus

Robert Schumann:
Bunte Blätter op. 99 Nr. 1-3; 5
Albumblätter;
Kinderszenen op. 15;
Waldszenen op. 82;
Clara Haskil

jpc.de

Franz
op111
Moderator
#32546 erstellt: 02. Nov 2025, 19:45
Und nun etwas ganz anderes:

Frederic Rzewski (1938-2021)
The People United will never be defeated
+2 North American Ballads
Marc-Andre Hamelin (Klavier)
Hyperion 1998
jpc.de


...The People United Will Never Be Defeated! 36 Variations on a Chilean protest song, has been likened to a twentieth-century »Diabelli« Variations. This lengthy work is a tour de force of compositional and keyboard virtuosity, exhilarating and emotionally all-encompassing in its effect. Marc-André Hamelin has been playing the work for many years and has become one of its greatest champions,...


Franz
arnaoutchot
Moderator
#32547 erstellt: 02. Nov 2025, 20:21

op111 (Beitrag #32544) schrieb:
... da Les Preludes bei mir mit unsäglichen Berichtersttatungen aus brauner Vergangenheit verknüpft sind, höre ich sie mir nicht an.


Da Du weder so alt bist, dass Du das damals am Reichsrundfunkempfänger selbst gehört haben könntest, noch - wie Du ja selbst einwendest - Herr Liszt mit einer Komposition entstanden um das Jahr 1850 geahnt haben kann, was mal damit passiert, finde ich diese Haltung etwas übersensibel ... ich halte Les Préludes vor dem Hintergrund des Textes von Lamartine für ein wunderbares Stück Musik ! Ich hatte es hier ja schon mehrfach geschrieben, wenn ich jedes Stück oder jeden Interpreten skrupulös nach seiner political correctness hinterfrage, dann fielen wohl viele durch ! Den Rzewski kenne ich auch, naja, so völlig unbelastet ist das auch nicht ...

Edit: Vielleicht das noch als Anmerkung, jeder möge natürlich das hören, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Die sog. Russland-Fanfare war wohl abgeleitet von Les Préludes, aber stark bearbeitet. Jede Wagner-Oper ist da wahrscheinlich problematischer.


Propagandaminister Joseph Goebbels hatte die Erstellung von Text und Melodie persönlich überwacht. Er ordnete auch die Auswahl und Bearbeitung des Liszt-Stückes als Erkennungsmelodie an, bei dem er lyrische Elemente tilgen, den Satz vereinfachen und den Einsatz von Streichern minimieren ließ, um die Rolle der Pauken zu betonen und damit einen „militante[n] Tusch“ zu erreichen.


[Beitrag von arnaoutchot am 02. Nov 2025, 20:57 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#32548 erstellt: 02. Nov 2025, 21:02
Les Preludes habe ich in einer schönen Aufnahme von Immerseel.
Jetzt aber eher selten eingespieltes, teils 4-stimmiges Schubert-Liedgut, die Schubertiade Jos van Immerseels

amazon.de
FabianJ
Inventar
#32549 erstellt: 02. Nov 2025, 21:06
Les Préludes habe ich ganze fünf Mal in meiner Sammlung, drei davon in diversen Boxen. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob ich mir das Stück schon so oft angehört habe.

Beim oben verlinkten Ferenc Fricsay-Album höre ich mir lieber die Dvořák-Sinfonie und die Moldau an.

Gerade angehört:
jpc.de
Gustav Mahler (1860-1911)
Sinfonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehungssinfonie"
Ruth Ziesak (Sopran), Anna Charlotte Hellekant (Mezzosopran) - San Francisco Symphony Chorus (Chorleiter: Vance George) - San Francisco Symphony - Dirigent: Herbert Blomstedt
Aufnahme: 21. - 23. September 1992, Davies Symphony Hall, San Francisco

Hat mir sehr gut gefallen, sowohl von der Interpretation als auch vom Klang her. Herbert Blomstedt scheint ja nicht viel Mahler aufgenommen zu haben. Er wusste offensichtlich, welche seiner Sinfonien ihm liegen und welche nicht.

Mit freundlichem Gruß
Fabian
Hüb'
Moderator
#32550 erstellt: 03. Nov 2025, 08:32

arnaoutchot (Beitrag #32547) schrieb:
Da Du weder so alt bist, dass Du das damals am Reichsrundfunkempfänger selbst gehört haben könntest, noch - wie Du ja selbst einwendest - Herr Liszt mit einer Komposition entstanden um das Jahr 1850 geahnt haben kann, was mal damit passiert, finde ich diese Haltung etwas übersensibel

Mir geht es allerdings ähnlich wie Franz. Da schwingt immer die NS-Verwendung mit und richtig "unbelastet" kann ich Les Preludes auch nicht hören.
Es vergällt mir einfach die Freude an dem Werk.



[Beitrag von Hüb' am 03. Nov 2025, 08:33 bearbeitet]
op111
Moderator
#32551 erstellt: 03. Nov 2025, 11:30

arnaoutchot (Beitrag #32547) schrieb:

Da Du weder so alt bist, dass Du das damals am Reichsrundfunkempfänger selbst gehört haben könntest,


Hallo zusammen,

die Erfahrung konnte ich zum Glück nicht mehr machen. Aber die gesamte jahrelange Aufarbeitung in Schule und Umfeld führt zu einer Art Allergie, man kann die Assoziationen nicht bewusst unterdrücken.
Mars_22
Inventar
#32552 erstellt: 03. Nov 2025, 12:24
Sagt’s doch einfach wie es ist: Das Stück ist nicht so der Bringer
op111
Moderator
#32553 erstellt: 03. Nov 2025, 16:32
Nun etwas ganz anderes zwar aus Schweden aber kein Abba...

Lisa Streich (*1985)
"Segel" für Orchester
Lucerne Festival Academy Orchestra
Ltg,; Gregor Mayrhofer
Aufgenommen ca. 2018




Lisa Streich über „Segel“ (Staatsoper Stuttgart)

Staatsoper-stuttgart schrieb:
...Beim Komponieren habe ich mir vorgestellt, dass der Klangkörper ein anderer ist als das Orchester. Mit den oben genannten Faktoren, die vom Bild eines Segels abgeleitet sind, spiele ich nicht auf einem Orchester, sondern auf den Obertönen von verschiedenen Laienchören, die eine Spur „falsch“ singen...


Franz


[Beitrag von op111 am 03. Nov 2025, 16:47 bearbeitet]
op111
Moderator
#32554 erstellt: 03. Nov 2025, 18:25
Hallo zusammen,

Lisa Streichs "Segel" ist ein faszinierend dynamisches Orchersterstück mit vielfältigen Klangfarben und Rythmen.
Mir ist es auch beim zweiten Hören nicht gelungen, die zugrundeliegenden Materialien

"Russisch-orthodoxe Schwestern, armenische Priester und französische Mönche singen in meinen ausgewählten Akkorden eine Spur „falsch“
herauszuhören.

Ob der*die Zuhörer*in die Stimmen darin erahnen kann?

Auch ohne dieses Wissen ein großartiges Orchesterstück.

Franz
op111
Moderator
#32555 erstellt: 03. Nov 2025, 18:37
Und nun noch ein weiteres aktuelles Orchesterstück

Elena Firsova (*1950)
Night in Appen, for orchestra, op. 186 (2020)

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski, conductor

World Première, 28 November 2021, Berliner Philharmonie




Mehr dazu:
Boosey & Hawkes / Sikorski

Elena Firsovas "Night in Appen" vermittelt eindrucksvoll und lautmalerisch die Erlebnisse einer (alp-)traumreichen Nacht auf dem Land, das arm an Zivilisationsdauerlärm (z.B. Straßenverkehr) ist, nach.
Die Assoziationen in diesem Stück (Stille auf dem Land, nächtliche Laute und Geräusche von Tieren, Sturm etc.) vermitteln sich unmittelbar.


Franz


[Beitrag von op111 am 03. Nov 2025, 18:41 bearbeitet]
Hörstoff
Inventar
#32556 erstellt: 04. Nov 2025, 19:34

arnaoutchot (Beitrag #32547) schrieb:
Den Rzewski kenne ich auch, naja, so völlig unbelastet ist das auch nicht ...

Was soll denn bitte an einem Freiheitslied gegen eine Militärdiktatur und für Menschenrechte problematisch sein? Dass Linke auch gelegentlich in Diktaturen abrutschen, nachdem sie sich singend zusammen gefunden haben?
arnaoutchot
Moderator
#32557 erstellt: 04. Nov 2025, 20:17
Mit Blick auf die No-Politics-Regel möchte ich das hier nicht weiterführen. Jeder soll hören, was ihm Spass macht.


[Beitrag von arnaoutchot am 04. Nov 2025, 20:21 bearbeitet]
boltwoodit
Stammgast
#32558 erstellt: 05. Nov 2025, 13:17
Der Rosenkavalier auf Abwegen

Richard Strauss‘ „Alpensinfonie“ hatte ich bis neulich vollkommen unbeachtet gelassen; ich kannte seine Oper „Der Rosenkavalier“ und natürlich „Also sprach Zarathustra“; ersteres ist eher nicht so meins und die Anfangstakte von Zarathustra habe ich wohl öfter im Film als von einer Tonkonserve gehört 😊.
Das änderte sich, als ich von einem lieben Foristen die folgende Einspielung zugesandt bekam:

Waseda Symphony Orchestra, Masahiko Tanaka, Live in Berlin, 2012

(Ich finde die CD leider weder bei jpc noch bei amazon, aber mit den Suchbegriffen Waseda, Strauss, Berlin 2012 findet man recht schnell die gesuchte Aufnahme; auch als mp3)

Wow, was für ein gleichzeitig feiner und voller Klang und ich fragte mich recht bald: ist das eine super Aufnahme, klingt das so gut, weil es eine (von fähigen Toningenieuren aufgenommene) Live-Aufnahme ist, gefällt mir gar die „japanische Akribie“ mit der es gespielt wird, habe ich heute einen besonders guten Tag, ist es der unbestreitbare Reiz des Neuen? Also gleich nochmal hören; OK, der Reiz des Neuen verflog diesmal etwas im Mittelteil, aber die ersten vier und die letzten zehn (von insgesamt 22) der nahtlos ineinander übergehenden Stücke (es ist eine sinfonische Dichtung) gefielen mir noch genauso gut, wenn nicht sogar besser, als beim ersten Hören. Es folgte, was folgen musste – eine zweite Einspielung musste her um diese CD wenigstens etwas einordnen zu können. Nach viel Gelese fiel meine Wahl auf diese hier

amazon.de

Richard Strauss, An Alpine Symphony, Staatskapelle Weimar, Antoni Wit

OK, es ist „nur“ Naxos, aber speziell die Interpretation wurde an verschiedenen Stellen schon ordentlich gelobt; der Klang ist aber nicht ganz so „wow“ wie bei der Japan-Disc, hat aber andere Vorteile.

Ich habe lange überlegt, welche Aufnahme mir nun besser gefällt und warum, sowie nach einem Bild für den Unterschied gesucht. Vielleicht trifft es das hier am besten: die Witt-Aufnahme ist wie ein (ordentliches), analoges Farbfoto; die Tanaka-Aufnahme wie ein Foto mit dem iPhone oder iwelchen Flagschiff-Handys anderer Hersteller: da glänzt alles, die Farben sind ultrasatt, von vorn bis hinten ist alles knackscharf, es gibt keine abgesoffenen Tiefen oder ausgebrannten Lichter (und selbst der Hund hat ein Zahnpastawerbungs-Lächeln 😊)…ganz ehrlich sind die mMn oft zu schön um wirklich ganz wahr zu sein. Auf dem (ordentlichen) Analogbild dagegen ist der Himmel vllt. nicht ganz so postkartenblau, oft liegt der Fokus auf einem bestimmten Objekt im Foto (und eventuell kackt im Hintergrund gerade ein Hund 😊, weil man das Foto eben nicht zwölfzig mal gemacht hat) und ich denke, das ist es: bei solchen Handy-Bildern weiß ich oftmals gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll; bei der Japan-CD nicht, wo ich jetzt zuerst hinhören soll; weil alles so wunderschön ist, dass ich den Fokus nicht finde bzw. schnell verliere.

Fazit: es ist bei mir stimmungsabhängig, welche der beiden CDs ich höre; zur Befriedigung von Klangrausch-Verlangen ist die Tanaka-Aufnahme super geeignet; will ich dagegen „in die Musik hineinkriechen und jeden Winkel ausloten“ ist die Witt-Aufnahme meine erste Wahl.

Kennt ihr noch andere, aus bestimmten Gründen (bitte angeben; kackende Hunde habe ich in beiden nicht entdeckt 😊) unbedingt hörenswerte Aufnahmen der Alpensinfonie?

Viele Grüße
bolt


[Beitrag von boltwoodit am 05. Nov 2025, 13:28 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#32559 erstellt: 05. Nov 2025, 14:47
Meinst Du den Hund, der ins Grammophon guckt? Kackt der auch?

Es gibt diverse Aufnahmen der Alpensinfonie und zwei oder sogar drei müsste ich auch finden. Aber kauf Dir doch gleich eine der Referenzen - vielleicht sogar die Referenz schlechthin - für den ganzen orchestralen Strauß, wobei man sich da gewiss immer streiten kann.

amazon.de

Auf Anhieb finde ich bei der einen Firma drei Cover und Preisangebote - bei der anderen habe ich jetzt gar nicht nachgesehen. Und mein Cover schaut noch einmal anders aus, ist gewiss eine frühere Auflage. Allein das spricht für die Relevanz der Einspielungen, meine ich. Es ist überdies möglich und ich meine, das gelesen zu haben, dass die Aufnahmen unterschiedlich aufbereitet wurden und die meinige nicht dem neuesten Standard entspricht. Aber ich war immer zufrieden.

Ich bin kein Strauss-Verehrer, höre ihn nur selten, aber dann schon gern.

Wolfgang
G.S.Torrente
Ist häufiger hier
#32560 erstellt: 05. Nov 2025, 15:56

WolfgangZ (Beitrag #32559) schrieb:
Ich bin kein Strauss-Verehrer, höre ihn nur selten, aber dann schon gern.

Dito.
Oft allzu viele Noten, wenig Aussage. Der Inbegriff des "musikalischen Jugendstils", sozusagen. Nicht wahr?

Ich hatte zuletzt Freude an diesem bunten Strauss:

amazon.de

Für denjenigen, dem Gesang im Allgemeinen oder Oper im Speziellen nicht so zusagt, der aber immer schon mal wissen wollten, wie die Elektra eigentlich so klingt.
Die Kopplung "Leichte Komödie trifft auf intrigante, rachsüchtige Muttermörderin" finde ich zwar nicht so überzeugend, die vorliegende Interpretation und deren Klang hingegen schon sehr.


Torrente
arnaoutchot
Moderator
#32561 erstellt: 05. Nov 2025, 18:20
Danke für die Schilderung an bolt. Die japanische CD kommt mir irgendwie bekannt vor, freut mich, dass sie Dir gefällt.

Nur kurz: Kempe habe/kenne ich nicht, den Honeck auch nicht, klingt beides interessant. Für mich war der Thielemann nicht schlecht, auch wenn aus den Alpen dann eher ein Mount Everest wird ... sehr gut auch die relativ neue Aufnahme von Andrés Orozco-Estrada mit dem Frankfurter RSO (PentaTone SACD MCh 2018). Bei beiden spielt allerdings der Faktor Mehrkanal-SACD eine Rolle. Auch Karajan ist gut. Viel Spass beim Erforschen !

amazon.de
WolfgangZ
Inventar
#32562 erstellt: 05. Nov 2025, 19:38

G.S.Torrente (Beitrag #32560) schrieb:

Oft allzu viele Noten, wenig Aussage. Der Inbegriff des "musikalischen Jugendstils", sozusagen. Nicht wahr? ;
Torrente


Das gehört schon zu seiner musikalischen Tendenz. Die Opern sind ja teilweise anders geartet, radikaler modern - teilweise, wie gesagt. Aber insgesamt kenne ich mich bei den Opern nicht wirklich aus.

Wolfgang
WolfgangZ
Inventar
#32563 erstellt: 05. Nov 2025, 19:56
Dass Richard Strauss zum Repertoire von Thielemann und Karajan gehört, hätte ich notfalls auch zu behaupten gewagt. Farbig, kräftig, direkt. Luxuriös, positiv gedacht, selbstgefällig, gut, das kann man eigentlich nicht positiv meinen. Doch da kenne ich keine Aufnahmen - insofern sind zumindest die ersten drei Adjektive Schaumschlägerei von mir ...
boltwoodit
Stammgast
#32564 erstellt: 06. Nov 2025, 13:38
Danke @ WolfgangZ, G.S. Torrente und arnaoutchot (dir auch für die CD) für eure Kommentare und Vorschläge.

Die Kempe-Gesamtaufnahme ist auf der Wunschliste gelandet; Thielemann werde ich erstmal im stream antesten; mehr als zwei Kanäle ist nicht bei mir.

Seit gestern habe ich die hier "in der Mache"

amazon.de

Carl August Nielsen, The Complete Symphonies, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Douglas Bostock

Kann aber noch nicht viel dazu sagen, außer, dass mir die Zweite besser als die Erste gefällt; sehr preiswerte Box; zum ersten Kennenlernen von Carl Nielsen gekauft.

Viele Grüße
bolt
WolfgangZ
Inventar
#32565 erstellt: 06. Nov 2025, 13:59
Die Nielsen-Sinfonien mit Bostock besitze ich auch - in anderer Aufmachung. Die sind in Ordnung, weitere, die ich auch im Regal finde, sind interpretatorisch stärker - von Einzelnen kann ich das schon einschätzen, bei anderen empfinde ich es als kaum relevant. Aber Du liegst mit Bostock gewiss nicht falsch.

Die zweite ist bereits eine ganz typische Nielsen-Sinfonie, wobei die späteren dann immer interessanter werden, die erste noch nicht so sehr, selbst wenn der Tonfall anklingt.

Vier mit sechs sind genial - das meine gewiss nicht nur ich und jede auf andere Art. Gewöhnen musste ich mich vor vielleicht dreißig, vierzig Jahren nur kurze Zeit an den Sound.

Wolfgang
op111
Moderator
#32566 erstellt: 06. Nov 2025, 14:26
Hallo zusammen,

die Alpensinfonie habe ich aktuell in (zu vielen) Aufnahmen:

Richard Strauss (1864-1949)
Alpensymphonie op.64
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks,
Georg Solti

Decca 1979 ADD Toning.:Stanley Goodall
jpc.de


Berliner Philharmoniker
Herbert von Karajan

Deutsche Grammophon – 439 017-2
Karajan Gold
Veröffentlicht: 15. Feb. 1993
Engineer [Balance Engineer] – Günter Hermanns
Mixed By [Re-mixed for Karajan Gold By] – Rainer Maillard

amazon.de

Wiener Philharmoniker,
Christian Thielemann

DGG 2000 Toning:Jürgen Bulgrin, Reinhard Lagemann, Ulrich Vette

jpc.de


Wiener Philharmoniker,
André George Previn

Telarc: Musikvereinsaal, November 22-24, 1989.
Engineer – Jack Renner
amazon.de

Dazu kommen noch

Marek Janowski, Pittsburgh Symphony Orchestra, Pentatone
Richard Strauss,, Die Bayerische Staatskapelle, 1941, EMI

Von diesen Aufnahmen, sagt mir die zügige, unsentimentale Soltis, die auch aufnahmetechnisch ziemlich gut ist, am meisten zu.

Platz 2 Karajan, der die Cluster des Beginns am deutlichsten ausspielt. Die Dominanz der groß besetzen 1. Violinen führt später zu einem manchmal flächigen Klangbild.

Thielemanns Aufnahme ist eine sehr voll klingende, mach ein Detail unterpflügende, vielleicht etwas plakativ naive Darstellung der trügerischen Alpenidylle nach Strauss vordergründigem Programm.

Bei Previn fällt v.a. die Aufnahmequalität ab. Renner betont die effektvoll hervortretenden Instrumentengruppen, da geht manches Detail in den Nebenstimmen verloren.

Zu erwähnen wären noch die Aufnahmen:
Ensemble modern Orchester, Markus Stenz
Zu dieser Aufnahme gibt es überraschenderweise einen Kommentar von Helmut Lachenmann.
Beckmesser: Die Seite für aufgeklärte Musikfreunde

Francois Xavier Roth, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Beide sind meilenweit vom etwas pauschalen Luxusklang Thielemanns entfernt und betonen auch scheinbar nebensächliche Details.

Hinter dem bekannten Programm soll es, wie ich musikwissenschaftlichen Beiträgen entnehmen konnte, eine tiefere, nicht so lautmalerische Programmebene geben.



Franz


[Beitrag von op111 am 06. Nov 2025, 14:37 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#32567 erstellt: 06. Nov 2025, 15:11
Genau, Roth besitze ich auch, später extra angeschafft, habe ich aber nicht mehr wirklich im Ohr. Möglich, dass die Einspielung so pseudo-hip transparent in Erscheinung tritt.

Und dann gibt es noch die folgende Sammlung, an die ich ich auch nicht mehr erinnere. Die Niederländer und Haenchen sind schon relevante Namen. Ein bisschen Zeit und Stimmung bräuchte ich dafür, aber dann könnte man mal im Vergleich hören.

jpc.de


Hinter dem bekannten Programm soll es, wie ich musikwissenschaftlichen Beiträgen entnehmen konnte, eine tiefere, nicht so lautmalerische Programmebene geben.


Ja, das müsste mit Nietzsche zu tun haben und wurde später von Strauss ebenso fixiert als seine quasi eigentliche Absicht. Ihr seht an meiner Formulierung, dass ich ein Kenner des Sachverhalts bin.

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 06. Nov 2025, 15:17 bearbeitet]
boltwoodit
Stammgast
#32568 erstellt: 06. Nov 2025, 15:14
Vielen Dank, @WolfgangZ , ja, auf die sechste freue ich mich auch schon besonders; sie soll(!) ja etwas eigen sein.


op111 (Beitrag #32566) schrieb:
... Die Dominanz der groß besetzen 1. Violinen führt später zu einem manchmal flächigen Klangbild...

Auch dir vielen Dank, @op111, na da habe ich ganz gut zu hören.
Bzgl. des Zitats - ich vermute, auch das Waseda-Orchester auf der Japan-CD fährt da das ganz große Besteck auf und genau das, was du beschreibst, höre ich, wenn ich sie relativ laut (für meine Verhältnisse) über meine najanagutnaja-Boxen höre; das können die nicht wirklich auflösen; meine KH hingegen schon.


[Beitrag von boltwoodit am 06. Nov 2025, 15:15 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#32569 erstellt: 06. Nov 2025, 15:26
Jawoll, Meister Bolt, die sechste Sinfonie ist die originellste und deren zweiter Satz könnte auch von Anton Webern stammen, also irgendwie und fast beinahe. Die fünfte mag aber ich immer noch am liebsten und die vierte, glaube ich, ist allgemein am beliebtesten. Die dritte wiederum hat mit den Vokaliseneinwürfen auch so ihre Eigenart, ist aber vielleicht die unbekannteste Sinfonie von Nielsen.

An alle Interessierten, wenn wir so schön dabei sind [und ich habe das schon mal in einem anderen Forum thematisiert und eine Zustimmungsantwort erhalten, was mich gefreut hat]:

Die letzten Takte der fünften Sinfonie von Nielsen - nur diese - hätten auch von Leos Janacek komponiert sein können, meine ich. Mich hat's verblüfft. Und das darf ich auch verraten: Der dortige Kollege hat mir erzählt, dass auch seine Tochter gerne Janacek höre und ins Zimmer gekommen sei mit der Frage, was jetzt das für ein Orchesterwerk des Tschechen sei. Echt! )

Wolfgang
op111
Moderator
#32570 erstellt: 06. Nov 2025, 16:24
Zur Alpensinfonie und
Helmut Lachenmann (geb. 1935)
Ausklang
+Strauss: Alpensymphonie op. 64

Ueli Wiget (Klavier),
Ensemble Modern Orchestra,
Markus Stenz
Ensemble Modern 2005

jpc.de


Franz
Hüb'
Moderator
#32571 erstellt: 07. Nov 2025, 07:50
jpc.de
Aaron Copland (1900-1990)
Orchesterwerke Vol.1 - Ballette:
Fanfare for the Common Man; El Salon Mexico; Billy the Kid-Ballettsuite; Appalachian Spring-Suite; 4 Tanzepisoden aus Rodeo

BBC Philharmonic Orchestra, John Wilson
Chandos, Aufnahmejahr ca.: 2014

Endlich mal wieder Zeit für ein wenig Musik. Mit Copland war ich noch nicht ganz fertig, trotz der ganzen anderen Anregungen hier im Fred.

Die Chandos-Produktion mit John Wilson und dem BBC Philharmonic wirkt von Anfang an wie ein großes Bekenntnis zur amerikanischen Klangkultur – irgendwie "groß", prächtig, strahlend. Wilson geht in diesen Aufnahmen die Musik sehr klar strukturierend an.

„Fanfare for the Common Man“ kommt nicht als allein martialisches Blechgewitter daher, sondern mit viel Raum zwischen den Schlägen. Das Blech ist präsent und strahlend, aber nie harsch – die Pauken wirken fast wie ein Schritt auf festem Boden. Der Klang der Hybrid-SACD tut sein Übriges: viel Luft, viel Dynamik und eine gewisse „Weite“. Der Chandos-Produktion gelingt sowas wie der ideale Spagat zwischen Transparenz und klanglicher Wärme.

„El Salón México“ hat Schwung, ja – aber Wilson übertreibt das Folkloristische nicht. Er betont eher das tänzerisch-urbane Moment, dieses prickelnde „Wir sind im Club, nicht auf der Postkarten-Ranch“. Es wirkt federnd, rhythmisch klar, mit feinen Holzbläserdetails, die in der Einspielung sehr schön aufgelöst werden.

Die „Billy the Kid“-Suite zeigt dann, wie Wilson Spannung aufbaut. Die Weite des Westens klingt hier eher melancholisch und staubig – kein Hollywood-Sonnenuntergang, sondern ein Blick in die Ferne mit einem Hauch Tragik. Sehr schön gestaltet sind die lyrischen Passagen, ohne übermäßigen Schmalz, aber dennoch mit Wärme.

„Appalachian Spring“ ist vielleicht der Höhepunkt der Aufnahme: leicht, atmend, klar phrasiert. Die Einfachheit der Harmonien erscheint hier als bewusst geformte Klarheit, nicht als naive Idylle. Die Streicher spielen unglaublich geschmeidig, das Ensemble bleibt durchsichtig, und die Aufnahme fängt jede Nuance ein.

Die vier unter "Rodeo" zusammengefassten Tanzepisoden haben Elan, aber keinen übertriebenen Showeffekt. „Hoe-Down“ tanzt, aber trampelt nicht. Die rhythmischen Ecken und Kanten bleiben erhalten.

In klanglicher Hinsicht ist das wahrscheinlich die Referenzaufnahme der Werke - und das scheint mir bei dieser Musik ein sehr gewichtiges Pfund. Unter diesem Aspekt und mit Blick auf die Werkszusammenstellung vielleicht sogar die einzige Scheibe, die man von Copland "braucht".

Viele Grüße
Frank


[Beitrag von Hüb' am 07. Nov 2025, 08:08 bearbeitet]
boltwoodit
Stammgast
#32572 erstellt: 07. Nov 2025, 11:06

WolfgangZ (Beitrag #32569) schrieb:
... Die fünfte mag aber ich immer noch am liebsten und die vierte, glaube ich, ist allgemein am beliebtesten. Die dritte wiederum hat mit den Vokaliseneinwürfen auch so ihre Eigenart, ist aber vielleicht die unbekannteste Sinfonie von Nielsen.
...
Die letzten Takte der fünften Sinfonie von Nielsen - nur diese - hätten auch von Leos Janacek komponiert sein können, meine ich.


Ich habe gestern einen kleine Nielsen-Sinfonien-Halbmarathon hingelegt, Dritte bis Sechste durchgehört, bisherige Lieblinge sind Drei und Fünf, kann natürlich den Bekanntheits-/Beliebtheitsgrad der Vierten nachvollziehen; für die Sechste war ich möglicherweise einfach schon zu "durch", aber das Wochenende steht ja vor der Tür Die Fünfte hat für mich ja teilwiese schon Bruckner-/Mahler-Momente hinsichtlich melancholischer Züge; ein ganz kleines bißchen entdecke ich aber auch Ravel-Momente(!!!); sind aber alles nur allererste Eindrücke. Auf jeden Fall wird sich Nielsen bei mir aber in die Riege derjenigen Komponisten einreihen, die ich auf Anhieb daran erkenne, wie und welche Schlagwerke eingesetzt werden.

Zum Vergleich mit Leos Janacek kann ich NOCH nichts sagen , aber bald; ich kleines Konsumopfer Nee, Danke für den Tipp, kannte ich bis jetzt noch überhaupt nicht; habe mir mal die Sinfonietta, Taras Bulba und The Cunning Little Vixen auf einer CD mit den WP unter Charles Mackerras gebraucht bestellt :))

Viele Grüße
bolt
Hüb'
Moderator
#32573 erstellt: 07. Nov 2025, 11:22
Unter den "Dänen" liegt mir Sibelius einfach deutlich mehr, als Nielsen.
Ich muss Letzteren mal wieder hören...
boltwoodit
Stammgast
#32574 erstellt: 07. Nov 2025, 12:05
@Hüb'
Witzig, weil ich gestern beim Hören u.a. den Gedanken hatte, dass das, was Sibelius über seine Musik selbst gesagt hat/was "man" über seine Musik sagt, nämlich, dass da keine Note zu viel ist, sondern "nordische Klarheit" herrscht (sinngemäß) für mein Laienverständnis viel eher auf Nielsen als auf Sibelius zutrifft (ok, abgesehen von z.B. manchen Paukenexzessen :)) Von Sibelius ist mir immernoch seine Zweite die Liebste, aber das hat möglicherweise rein nostalgische Gründe.

Weil wir gerade bei Dänen, Finnen und Schweden sind (egal, Hauptsache mediterran ) - ich glaube, von dir kam vor gefühlt 20 Seiten u.a. der Tipp mit Lars-Erik Larsson bei cpo; Danke, Danke - der ist bis jetzt ganz vorn unter den Top Five meiner Klassik-Entdeckungen 2025; der holt mich richtig ab (vor allem seine Erste).

Viel Spass mit Herrn Nielsen und viele Grüße
bolt
Hüb'
Moderator
#32575 erstellt: 07. Nov 2025, 12:35
Gerne. Lars-Erik Larsson könnte ich auch mal wieder hören.
Seine Musik erinnere ich gerade nicht. Wird auch irgendwie "dänisch" sein, also mediterran...
Hüb'
Moderator
#32576 erstellt: 07. Nov 2025, 12:55
jpc.de
Jean Sibelius (1865-1957)
Symphonie Nr. 4
+ Valse triste op. 44; Die Waldnymphe op. 15

Gothenburg Symphony Orchestra, Santtu-Matias Rouvali
Alpha, Aufnahmejahr ca.: 2023, Erscheinungstermin: 2.2.2024

Je häufiger ich die 4. höre, je mehr mag ich sie. Die Sinfonie ist ja ohnehin eher ein Sonderfall – dieses karg-gebeizte, fast asketische Klanggebilde, das weniger an das spätromantische Schwelgen seiner anderen Sinfonien erinnert. Und genau da setzt Santtu-Matias Rouvali an: Er dirigiert die Gothenburger nicht in Richtung Pathos oder „nordische Schwermut“, sondern eher in Richtung konzentrierter, klarer Linien. Die Aufnahme wirkt auffallend durchsichtig.
Das Orchester spielt dabei hochsensibel: Die Streicher sind eher rau als samtig, was dieser Sinfonie sehr gut steht. Die Bläser treten oft hervor wie Signale aus der Ferne, präzise, aber nie scharf. Besonders das düstere, verschattete Cello-Fundament im ersten Satz wirkt sehr tiefgründig. Rouvali baut die Spannung sehr kontrolliert auf. Und genau dadurch entstehen im Finale Momente von bedrückender Intensität, ohne dass es jemals wirklich „laut“ würde.
Der „Valse triste“ und „Die Waldnymphe“ sind Zugaben zum Durchatmen, die wunderbar ergänzen und die Stimmung wieder etwas heben. Der „Valse“ tanzt nicht süß oder nostalgisch, sondern wirkt wie ein letzter, kaum hörbarer Puls. „Die Waldnymphe“ wiederum bringt genau jene narrative Weite zurück, die Sibelius in der Vierten so radikal eingedampft hat – und Rouvali erzählt das Stück mit einer feinen Dramaturgie.
Unterm Strich ist das keine „schöne“ Sibelius 4 – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Sie ist nüchtern, kantig, ernst gestaltet. Rouvali zeigt, dass dieses Werk nicht kalt ist – sondern vor innerer Spannung beinahe glüht.

Viele Grüße
Frank
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