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Was hört ihr gerade jetzt? (Klassik !!!)

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klutzkopp
Inventar
#33478 erstellt: 28. Apr 2026, 19:04
Hier Prokofieff - Sinfonia concertante mit „Slava“/ Sargent, RPO

amazon.de
arnaoutchot
Moderator
#33479 erstellt: 29. Apr 2026, 21:05
Hier Händel - 12 Concerti Grossi op. 6 - Il Giardino Armonico - Giovanni Antonini - L'Oiseau Lyre 3CD 2009. Das Cover der Aufnahme hatte mich schon immer fasziniert, mal was anderes als diese langweiligen Ensemblefotos oder Barockbilder. Musikalisch eine ansprechend-frische und dynamische Aufnahme, wer die Concerti mag, sollte mal ein Ohr reinhalten. Wer so etwas nicht mag, vllt auch, das ist weniger langweilig als man denken mag. Ich habe leider schon so viele Aufnahmen von op. 6

op111
Moderator
#33480 erstellt: 30. Apr 2026, 16:58
So und nun zu etwas komplett anderem

Johannes Brahms (1833-1897)
Symphonien Nr.1 - 4
Berliner Philharmoniker,
Herbert von Karajan
DGG 1977/78, Berliner Philharmonie, Toning.: Günter Hermanns

jpc.de

Manche Kritiker sehen diese Aufnahme als den besten der 3 DG-Zyklen an.
Gegenüber der Aufnahme aus den 1960ern aus der Jesus Christus Kirche ist sie etwas entfernter und halliger aufgenommen.


Franz
Hörstoff
Inventar
#33481 erstellt: 30. Apr 2026, 21:14

Mars_22 (Beitrag #33446) schrieb:
Ägypten hat vor allem im Winter erhebliche Vorteile. Aber man muss schon 3000 Jahre zurück gehen, um hinter die kulturelle Wüste zu gelangen, die hier alles bedeckt hat. Und Radfahren will ich auch endlich wieder

In Kairo störte mich vor allem der Krach der Stadt und ein mulmiges Gefühl beim alleinigen Wandeln. Zur Entspannung in ein Museum, um dort nahebei eine mit einem Bajonett bewaffnete Wache erleben zu müssen. Das war ziemlich genau 1 Jahr vor dem Arabischen Frühling. Und in einer aktuellen Alltagsdoku hatte ich gerade Sympathien für das Leben der Nilauenbewohner entwickelt, die in ihrer Armut eine bukolische Friedfertigkeit spiegelten, als ein Muezzin dazwischenkrakeelte - schrecklich. Ausdruck einer gewissen Brutalität oder Gewaltbereitschaft, so empfinde ich das zumindest. Was hilft das aufrechte Leben im Alltag, wenn im Zweifel oder willkürlich irgendeine nichtintegre Obrigkeit hineinwirkt?

Das Hagen Quartett kommt aus Salzburg und spielt Mozart.
Gediegen klassisch. Kann gut als Hauptfokus laufen - haut mich aber nicht gerade vor Begeisterung aus dem Sessel.
Die Interpretation würde ich als etwas gedämpft oder zurückhaltend charakterisieren. Geschwindigkeitsrekorde werden mit dem Frühlings- und dem Jagdquartett (Nr. 14 und 17) kompositionshalber wohl ohnehin nicht aufgestellt.

amazon.de

Review


[Beitrag von Hörstoff am 30. Apr 2026, 21:20 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#33482 erstellt: 30. Apr 2026, 21:25
Hier noch im Gedenken an MTT: Masterpieces in Miniature - SFS SACD MCh 2014. Hatte ich bislang nicht, hatte ich noch bestellt. Schöne Zusammenstellung von symphonischen Kleinoden, dezidiert aufgenommen für die SACD, kein zusammengewürfeltes Kompendium. Inhalt klick the pic. Mir gefällt es.

jpc.de
Hörstoff
Inventar
#33483 erstellt: 30. Apr 2026, 22:20
Innovative Flötenmusik von zeitgenössischen Komponisten und Michala Petri ist als Solistin eine erste Adresse.
Diese SACD lässt sich sehr gut an, die Einspielung ist vielseitig, szenisch, virtuos und audiophil. Das dänische Odense Symphony Orchestra unter Christoph Poppen versteht sein Handwerk.

Vielleicht eine Referenz für neue Musik.

Ich würde mich melden, wenn sich im weiteren Hörverlauf neue Erkenntnisse ergäben.


amazon.de
WolfgangZ
Inventar
#33484 erstellt: 30. Apr 2026, 23:27
@ MTT-Miniaturen: Hübsche originelle Mischung! Das Scherzo aus dem einen Litolff-Konzert gab es über Jahrzehnte ohnehin einzeln zu Hauf, so dass man der Meinung sein konnte, das gesamte Konzert sei verschollen. Eines der fünf Konzerte, das erste, ist wohl tatsächlich nicht mehr aufzufinden. Die anderen vier kenne ich und deren Scherzi sind schon alle recht ähnlich geartet - wobei ich gerne zugebe, dass das einschlägige eine pfiffige Nummer ist.

Wolfgang
WolfgangZ
Inventar
#33485 erstellt: 30. Apr 2026, 23:33
Und was Meister Hörstoff verlinkt hat, gefällt mir quasi auch - ohne die Stücke zu kennen. Von den Komponisten habe ich jeweils schon gehört. Ob ich Musik finde, bin ich mir unsicher. Kochan war ein Komponist der DDR und Bollon ist, glaube ich, jazz-geprägt. Zahnhausen auch? Nein, das weiß ich nicht.

Mit der Dänin Petri besitze ich eine andere CD schon länger. Sie war auf jeden Fall Weltklasse, ist es wahrscheinlich auch noch.

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Wolfgang
Hörstoff
Inventar
#33486 erstellt: 01. Mai 2026, 10:41
Guten Morgen Wolfgang,

WolfgangZ (Beitrag #33485) schrieb:
Kochan war ein Komponist der DDR und Bollon ist, glaube ich, jazz-geprägt. Zahnhausen auch? Nein, das weiß ich nicht.

Your Voice Out of the Lamb von Fabrice Bollon ist experimentelle neue Musik, die eher Filmdramatik - ich mag erneut Pettersson als Analogie bemühen - oder minimalistische Aufschlüsse, aber jedenfalls keinen jazzigen Charakter beherbergt. Zumindest wäre das schon sehr weit hergeholt. Nun, alles was ein wenig aus der Reihe springt, lässt sich vielleicht auch als Jazz titulieren.

Markus Zahnhausens Recordare liegt offenkundig auch ein interessanter, experimenteller Plot zugrunde - oder mehrere. Die Geschichten, die dieser Komponist erzählt weisen zwar jazzige Elemente auf, fallen für mich aber ebenso in die Kategorie "neue Musik" mit Pettersson vergleichbaren Spannungselementen. Zumal Altblockflöte mit Orchester und Schlagwerk sicherlich nicht als Jazzcombo durchgehen...
op111
Moderator
#33487 erstellt: 01. Mai 2026, 11:40

Hörstoff (Beitrag #33486) schrieb:
Your Voice Out of the Lamb von Fabrice Bollon ist experimentelle neue Musik, die eher Filmdramatik - i

Untertitel: A tribute to Genesis
Damit ist m.W. Genesis_(Band) gemeint.
und bezieht sich auf den Titel: "The Lamb Lies Down on Broadway" von Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett und Mike Rutherford .


Franz
FabianJ
Inventar
#33488 erstellt: 01. Mai 2026, 12:08
@Wolfgang: Ich finde, Litolffs sinfonische Konzerte mit Peter Donohoe und Andrew Litton gehören zu den Perlen in Hyperions „The Romantic Piano Concerto"-Reihe. Die höre ich mir immer mal wieder gerne an.

Gerade angehört zum Vergleich angehört:
jpc.de
Arcangelo Corelli (1653-1713)
Violinsonate C-Dur op. 5 Nr. 3
Pavlo Beznosiuk (Violine), Richard Tunnicliffe (Violoncello), Paula Chateauneuf (Erzlaute), Roger Hamilton (Cembalo)
Aufnahme (Album): 11. - 13. und 15. - 17. Januar 2012, St George’s Church, Chesterton, Cambridge

jpc.de
Arcangelo Corelli (1653-1713) / bearb.: Francesco Maria Veracini (1690-1768)
Violinsonate C-Dur op. 5 Nr. 3
Susanne Scholz (Violine), Michael Hell (Cembalo)

Arcangelo Corelli war seinerzeit sowohl einer der berühmtesten Geigenvirtuosen als auch einer der prägenden Komponisten seiner Zeit. Sein Werk ist im Vergleich zu manchem Zeitgenossen nicht groß und passt auf 10 CDs, aber seine Werke haben die Formen barocker Instrumentalmusik gewissermaßen standardisiert. Nachfolgende Komponisten haben sich daran orientiert.

Neben den Concerti Grossi op. 6 sind seine Violinsonaten op. 5 seine bekanntesten Werke. Die Violinsonaten sind zwar anspruchsvoll zu spielen, aber die Virtuosität wird nicht zu offen zur Schau gestellt. Das macht für mich den Vergleich zwischen der dritten Sonate mit der Bearbeitung des Werkes durch den Virtuosen in Vivaldi-Nachfolge, Francesco Maria Veracini, interessant. Dieser hat das Werk seinem Geschmack angepasst und „ergänzt". Man kann sie in der Bearbeitung zwar noch erkennen, aber der Höreindruck deutlich anders. Aber auch die Bearbeitung ist interessant und unterhaltsam, zu hören.

Was Einspielungen der Werke Corellis angeht, so sind jene des Avison Ensembles sehr zu empfehlen, sowohl vom Klang als auch von der Interpretation her. Ansonsten gibt es bei Brilliant Classics seit nunmehr 20 Jahren eine durchweg gelungene Einspielung des Gesamtwerks des Komponisten mit Pieter-Jan Belder und seinem Ensemble Musica Amphion. Mit denen hatte ich die Werke kennengelernt und sie halten den Vergleich mit später erworbenen Einspielungen durchaus stand.

Mit freundlichem Gruß
Fabian
Hörstoff
Inventar
#33489 erstellt: 01. Mai 2026, 12:34

op111 (Beitrag #33487) schrieb:
Untertitel: A tribute to Genesis
Damit ist m.W. Genesis_(Band) gemeint.
und bezieht sich auf den Titel: "The Lamb Lies Down on Broadway" von Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett und Mike Rutherford .

Stimmt, und eine kompositorische Parallelität ist feststellbar.
WolfgangZ
Inventar
#33490 erstellt: 01. Mai 2026, 13:10
Danke Euch für die Erläuterungen und natürlich auch [ ] die Bestätigung meiner Sichtweise!

Nachdem ich mir schon ewig keine neuen Aufnahmen von Beethoven-Sinfonien gekauft habe und diese auch nur selten höre, habe ich doch mal wieder zugeschlagen. Vom Dirigenten Antonini sammle ich ja die Haydn-2032-Reihe, wann immer sie erscheint. Da bin ich eigentlich stets sehr zufrieden.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Antoninis Beethoven-Aufnahmen sehr gelungen seien. Bei Immerseel sind die Meinungen nicht ganz einheitlich - wohl auch von Sinfonie zu Sinfonie - und ich bin auch nicht durchwegs begeistert.

Da interessiert mich jetzt, wie dieser Beethoven klingt und sich im Vergleich schlägt mit der anderen historisch informierten Integrale, die ich schon länger kenne, eben der von Immerseel:

amazon.de jpc.de

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 01. Mai 2026, 13:11 bearbeitet]
Hörstoff
Inventar
#33491 erstellt: 01. Mai 2026, 13:59

WolfgangZ (Beitrag #33490) schrieb:
Danke Euch für die Erläuterungen und natürlich auch [ ] die Bestätigung meiner Sichtweise!

Sorry Wolfgang, Bestätigung deiner Sichtweise? Beide Werke - weder Bollon noch Zahnhausen sind Jazz an sich.
Sondern neue Musik mit experimentellem Charakter, wenn auch in einem Fall als Hommage an Genesis (Rockmusik) konzipiert. Aber vermutlich meintest du, dass du es nicht wusstest, jetzt aber wohl.
WolfgangZ
Inventar
#33492 erstellt: 01. Mai 2026, 15:36
Das ist schon in Ordnung, Andreas! In erster Linie wollte ich mich bedanken. Die "Bestätigung" habe ich auf Litolff und auf Michala Petri bezogen. Was Bollon betrifft, da war es quasi Halbwissen von mir und so magst Du auch den Ironie-Smiley verstehen. - Okay: Halbwissen ist bekanntlich oft gefährlich und Ironie ist ein entsetzlich undurchsichtiges Pflaster. Schon wieder ...

Wolfgang
WolfgangZ
Inventar
#33493 erstellt: 01. Mai 2026, 17:54
Hier in Sachen Fabrice Bollon noch ein Nachtrag.

Aufnahmen mit Sinfonien von Alberic Magnard kenne ich nicht vom Hören, weiß aber, dass er sie dirigiert hat, und hatte sie bereits im Blickfeld. Das gilt auch noch für andere Musik.

Oben war von der Gruppe Genesis die Rede - also ein anderer Bezug und weder Jazz- noch klassisches Repertoire im engeren Sinne. Das ist mir schon klar.

Ansonsten lag der Irrtum dann leider doch bei mir. Auf einer meiner CDs mit Musik von Francis Poulenc werden zwei Nummern - die auch im Original "Improvisation" heißen, im Jazz-Tonfall zusätzlich improvisiert. Da hatte ich fälschlicherweise den Namen Bollon in Erinnerung. Doch der Künstler heißt halt nun mal (Stefano) Bollani ... Tja ...

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 01. Mai 2026, 18:00 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#33494 erstellt: 01. Mai 2026, 17:58
Und weil wir gerade dabei sind: Ich kenne die Sinfonien von Magnard in einer anderen, teilweise in zwei anderen Einspielungen. Da könnte ich mir auch mal wieder was anhören:

jpc.de
op111
Moderator
#33495 erstellt: 01. Mai 2026, 19:47

WolfgangZ (Beitrag #33490) schrieb:
Irgendwo habe ich gelesen, dass Antoninis Beethoven-Aufnahmen sehr gelungen seien.


Hallo Wolfgang,
ich habe einzelne daraus auch schon gehört, 3, 4, 7 und 9.
Die fand ich ziemlich gut, obwohl ich kein HIP-Freund bin. Bei der 9. stört mich (wie auch bei vielen anderen Aufnahmen), dass der letzte Satz wie aus einem anderen Raum, aus anderer Perspektive zu kommen scheint. Der Chor ist ziemlich entfernt.
Den letzten Satz der Neunten habe ich auch schon mit Bekannten im Vergleich gehört.
Unter den HIP-Einspielungen lag Antonini etwa gleichauf mit Hogwood, Norrington und Gardiner.
Insgesamt gefielen aber Harnoncourt (Chamber Orchestra of Europe) , Chailly und Klemperer besser.

Franz
op111
Moderator
#33496 erstellt: 01. Mai 2026, 20:03
und nun
Johannes Brahms (1833-1897)
Symphonie Nr. 4
Wiener Philharmoniker,
Carlos Kleiber
DGG 1980 Toning.: Klaus Scheibe

jpc.de

Mit 39 Minuten sehr knappe Spielzeit.
Das Klangbild ist auch in der remasterten Version ziemlich glanzlos, eng und bassarm.
Die einige Jahre zuvor entstandene Karajan-Aufnahme ist ihr deutlich überlegen. Karajan nimmt einen ähnlichen Interpretationsansatz aber mit viel mehr Details und ungleich besserem Klang.
Aus der zeitlichen Distanz und im Direktvergleich kann ich die Begeisterung für die Kleiber-Aufnahme nicht nachvollziehen.

Franz
op111
Moderator
#33497 erstellt: 01. Mai 2026, 20:11
Ich habe die Magnard Symphonien komplett in dieser etwas schläfrigen mich auch klanglich wenig überzeugenden Aufnahme
Alberic Magnard (1865-1914)
Symphonien
Malmö Symphony Orchestra,
Thomas Sanderling
BIS 1998
jpc.de

Musikalisch besser gefielen mir die älteren Aufnahmen von Ernest Ansermet mit dem
Orchestre de la Suisse Romande (Decca).
Leider hat er nicht alle aufgenommen.


Franz
Hörstoff
Inventar
#33498 erstellt: 01. Mai 2026, 21:28
Es läuft Schuberts Große Symphonie Nr. 8 in C-Dur D 944 von Enoch zu Guttenberg mit dem Orchester KlangVerwaltung. Ein schöner Ausritt mit ansprechenden, sich teilweise steigernden Tempi, durchaus ein klanglicher Genuss. Eine der besseren Schuberteinspielungen der oberen Hälfte, also auf der Sonnenseite.


Durch die gehaltenen Tempi, die sich wenn, dann sehr gekonnt und sinnstiftend ändern wird eine attraktive Landschaftlichkeit vermittelt, die Schubert sicherlich zur Ehre gereicht. Sehr ansprechend. Von mir gibt's dafür allemal eine Hörempfehlung.

jpc.de
Hörstoff
Inventar
#33499 erstellt: 01. Mai 2026, 21:33

WolfgangZ (Beitrag #33493) schrieb:
Doch der Künstler heißt halt nun mal (Stefano) Bollani ... Tja ...

Irren ist menschlich, Wolfgang. Und by the way haben wir nun beide etwas gelernt: Stefano Bollani war mir jedenfalls bislang, glaube ich kein Begriff.

Aber was die oben verlinkten Flöten-Ersteinspielungen neuer (Orchester-)Musik angeht, könntest du meines Erachtens problemfrei zugreifen. Zumindest wenn das Angebot gut ist und du vorher in einzelne der Werke mit Kopfnicken hineingehört hast.
Mars_22
Inventar
#33500 erstellt: 01. Mai 2026, 21:55
Maria Herz (1878-1950)
Kammermusik & Lieder "Sterne steigen dort..."
Portrait der Komponisten Albert Maria Herz
Christiane Oelze, Asasello-Quartett, E-MEX Ensemble
Genuin 2023

jpc.de

Für mich eine sehr schöne Entdeckung. Ganz frische, ganz eigenständige Musik im Übergang zur Atonalität. Auf Anhieb angenehm und interessant, als ob ohne irgendwelchen musiktheoretischen Ballast geschrieben. Dagegen wirken manche andere Werke der Zeit verkrampft.
2 Streichquartette, ein Ensemblewerk und 6 Lieder. Die 6 Lieder nach Texten von Stefan George versprechen Lohn bei der Beschäftigung mit den Texten, wer George zu schätzen weiß.
Eine ganz ganz schöne CD
WolfgangZ
Inventar
#33501 erstellt: 01. Mai 2026, 22:53
Ein paar Bemerkungen, wenn wir so schön beieinander sind :

1. Enoch von Guttenberg - der Vati des anderen - kenne ich nur mit seiner Eroica. Die spricht mich aber durchaus an. Ein wenig unterkühlt, pointiert, scharf umrissen.

2. Maria Herz werde ich mal in der Tube suchen. Ich mag die Lyrik von Stefan George. Seinen priesterlichen Habitus von vor einem Jahrhundert mag ich (natürlich) nicht.

3. Magnard reicht mir an Aufnahmen. Auch weil ich Thomas Sanderling nicht so überzeugend in Erinnerung habe mit den vier Brahms-Sinfonien, die ich mir zugelegt hatte, als ich den ersten CD-Spieler gerade gekauft hatte - der funktioniert auch noch in einem anderen Raum. Doch der Brahms ist klangtechnisch wenig wert und interpretatorisch nicht viel mehr - man hört die Interpretation quasi sowieso nicht.

4. Über Carlos Kleiber kann man lange diskutieren. Sein Beethoven erscheint gewiss engagiert, aber ganz verstehe ich diese Sonderrolle auch nicht, die man ihm zubilligt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Brahms finde - könnte schon sein - sicher indes nicht diese überteuerte einzelne CD.

5. Und vorhin habe ich die ersten beiden Beethoven-Sinfonien mit Antonini erstmals gehört. Zügig, kraftvoll, energetisch. Trotzdem: Ob so viel Neues darin zu finden ist, dass ich mir die Anschaffung nicht auch hätte schenken können? Denn in historischer Aufführungspraxis im weiteren Sinne finde ich nicht nur Immerseel - wie oben gesagt -, sondern auch David Zinman (im Rahmen der 60 Beethoven-CDs "Complete Masterpieces" von Sony). Nun - schaden kann's trotzdem nicht.

Macht's gut!

Wolfgang
op111
Moderator
#33502 erstellt: 01. Mai 2026, 23:04
@WolfgangZ

zu 2. Maria Herz

Ich empfehle, weil auch live gehört:

Raphaela Gromes - Fortissima
Henriette Bosmans: Cellosonate a-moll
+Maria Herz: Cellokonzert op. 10
+Marie Jaell: Cellokonzert F-Dur
+Elisabeth Kuyper: Ballade op. 11 für Cello & Orchester
+P!nk: Wild Hearts can't be broken
+Rebecca Dale: Femmage I & II
+Emilie Mayer: Cellosonate A-Dur
+Luise Adophle le Beau: Cellosonate op. 17
+Victoria Yagling: Larghetto
+Adele: All I ask
+Mel Bonis: Meditation

Raphaela Gromes, Cello
Julian Riem,
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Sony 2024
jpc.de

Raphaela Gromes ist eine großartige Cellistin.



[Beitrag von op111 am 02. Mai 2026, 17:55 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#33503 erstellt: 01. Mai 2026, 23:17
Schönen Dank! Das ist ja eine superbe Mischung mit Namen, die ich schon gehört habe, aber nicht die Musik oder mit Namen, die ich noch nicht einmal kannte. Und auch besetzungstechnisch und quasi epochenspezifisch, sogar geschlechtsspezifisch [ ] hochinteressant. Von Mel Bonis und von Bosmans finde ich jeweils eine CD im Regal - nur bei Emilie Mayer sind es ein paar und da habe ich das Klaviertrio auch schon im Konzert gehört und dazu für die Zeitung geschrieben.


[Beitrag von WolfgangZ am 01. Mai 2026, 23:24 bearbeitet]
Hörstoff
Inventar
#33504 erstellt: 02. Mai 2026, 06:54

Mars_22 (Beitrag #33500) schrieb:
Maria Herz (1878-1950)

Auf Wikipedia ist beschrieben, wie sie zu ihrem Künstlerinnamen Albert Maria Herz kam. Wenn also vom "Portrait der Komponisten Albert Maria Herz" die Rede ist: es war ein und dieselbe.
Die Musik erscheint mir auch sehr interessant zu sein (bei j. lässt sich hineinhören), vielleicht finde ich die CD mal günstig. @Franz: von mir auch schönen Dank für den weiteren Tipp.

WolfgangZ (Beitrag #33501) schrieb:
1. Enoch von Guttenberg - der Vati des anderen - kenne ich nur mit seiner Eroica. Die spricht mich aber durchaus an. Ein wenig unterkühlt, pointiert, scharf umrissen.

Die große Schubertsche Sinfonie hat mich sehr angesprochen. Im Hörverlauf wurde es noch besser, da es sich um eine sehr konsistente Einspielung handelt. Echt gutte Musik.


[Beitrag von Hörstoff am 02. Mai 2026, 07:10 bearbeitet]
Hörstoff
Inventar
#33505 erstellt: 02. Mai 2026, 09:03

Hörstoff (Beitrag #33504) schrieb:
vielleicht finde ich die CD mal günstig.

Nicht so günstig, aber mit 15 % Rabatt und in 24 Bit als Highresaudio. Dito Raphaela Gromes.

Derweil erfreut mich das Bergen Philharmonic Orchestra mit Andrew Litton mit einer horizonterweiternden Einspielung von Prokofjews 4. und 7. Sinfonie. Es entfalten sich schön gestaffelte virtuos-landschaftliche Perspektiven - und meine Subs werden ob des Schlagwerks auch gelegentlich gefordert. Wie fast immer bei BIS: eine klanglich hervorragende SACD.

amazon.de
Review
Mars_22
Inventar
#33506 erstellt: 02. Mai 2026, 12:50
Tamar Sagiv
Shades of Mourning
Sono Luminus 2025

amazon.de

Tamar Sagiv ist eine junge Israelitin in Amerika und Cellistin, die sich für ihr Debütalbum um musikalische Bewältigung der Trauer bemüht, die im Nahen Osten allgegenwärtig ist.
Sie ist auf jeden Fall eine brillante Cellistin. Mein Urteil über die Stücke, die sich stilistisch zwischen Bach und Jazz frei bewegen, steht noch nicht fest. Interessant zu hören, nicht zu leicht, nicht zu sperrig, ist das jedenfalls.
Mars_22
Inventar
#33507 erstellt: 02. Mai 2026, 18:30
Kennt jemand Mahlers Klavierquartett a-moll? Es ist bei mir auf der CD "From a Tender Age" des Monte-Trios, Genuin-typisch ein eher unbekanntes junges Trio, aufgenommen in exzellenter Qualität.

jpc.de

Insgesamt eine sehr schön zusammengestellte und gespielte Aufnahme, die mich zum durchhören animiert, obwohl ich die Trios von Schostakovich und Rachmaninoff schon in anderer Einspielung habe. Auch das Mahler-Werk, aber das habe ich hier zum ersten mal bewusst gehört. Ganz toll! Es handelt sich durchgängig um Werke, die in jungem Alter und "romantischer Stimmung" geschrieben wurden.
Es schließen sich zwei Werke von Lili Boulanger an - modern, aber zum Titel passend - und ein Werk von John Ireland, die mir alle neu sind.


[Beitrag von Mars_22 am 02. Mai 2026, 18:38 bearbeitet]
klutzkopp
Inventar
#33508 erstellt: 02. Mai 2026, 19:14
Hier Schostakowitsch - Streichquartette 5 und 6 mit den Pacificas

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Geht das noch besser? Ich glaube nicht. Nur anders.
op111
Moderator
#33509 erstellt: 02. Mai 2026, 19:26
Ich bin der Überzeugung, daß die Aufnahmen des Fitzwilliam- und Emerson String Quartet zwar anders, aber nicht besser sind.
Mars_22
Inventar
#33510 erstellt: 02. Mai 2026, 19:56
Ich mache mit beim Fünften. Nochmal anders: Quatuor Danel.

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Hörstoff
Inventar
#33511 erstellt: 03. Mai 2026, 08:08

Mars_22 (Beitrag #33507) schrieb:
Kennt jemand Mahlers Klavierquartett a-moll?

Gute Idee, bei den Großen einmal abseits der Sinfonien, mit denen gerade Mahler assoziiert wird zu suchen.

Hier läuft derweil noch Mendelssohns Magnificat - Kirchenmusik VIII. Der Kammerchor Stuttgart und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Frieder Bernius führen ein kangfarbenstarkes Feuerwerk auf, das trotz des religiösen Charakters Raum für eigene Fantasie und das Sublime lässt. Eine ziemlich tolle Interpretation, imo hohe Kunst.
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Review
arnaoutchot
Moderator
#33512 erstellt: 03. Mai 2026, 14:17
Das hier: Buchbinder: Beethoven - The Musikverein Cycle - DGG 3CD 2021. Im Herbst 2019 spielte Buchbinder die fünf Konzerte mit fünf verschiedenen Orchestern im Musikverein in Wien ein (#4 wurde panedemiebedingt verschoben in Dresden im Oktober 2020 aufgenommen). Die Tatsache, dass es sich um die erste Riege der Dirigenten handelt, zeigt die Wertschätzung die Buchbinder geniesst.

#Gourmet
Stammgast
#33513 erstellt: 03. Mai 2026, 16:04
Nachdem ich ich ELP‘s Pictures at an Exhibition (MFSL SACD) angehört habe, musste ich mal wieder diese CD anhören.



Die Version braucht Raum zum atmen um die enorme Klangfülle zu reproduzieren. Selbst meine Magico M6 (24Hz–50kHz) werden im Tieftonbereich ihre Grenzen aufgezeigt. Eine der besten Demo-CDs (DR 21) um die Dynamik, Tiefton und Pegelfestigkeit der Lautsprecher zu testen.
arnaoutchot
Moderator
#33514 erstellt: 03. Mai 2026, 17:59
Ja, das ist eine wirklich gute Orgel-Referenz-CD. Dorian schreibt im Beiheft, dass tatsächlich die 32-Fuss-Pfeife mit einem 16Hz Grundton abgebildet werden konnte. Das hört man nicht mehr, das spürt man nur noch ...
Hörstoff
Inventar
#33515 erstellt: 03. Mai 2026, 19:02

#Gourmet (Beitrag #33513) schrieb:
Selbst meine Magico M6 (24Hz–50kHz) werden im Tieftonbereich ihre Grenzen aufgezeigt.

Tolle Lautsprecher! Nach meiner Wahrnehmung so eine Art Referenz im passiven Sektor. Hast du auch einen sehr großen und hohen Raum, damit die Reproduktion möglichst wenig durch Moden behindert wird?

Hier laufen Klavierkonzerte von Ravel und Gershwin. Das Ravel-Konzert in G-Dur ist ein spielerisches, tänzerisches Intro, sein anderes in D-Dur folgt später. Jetzt zunächst Gershwins Klavierkonzert in F-Dur. Amerikanische, emotional oder perkussiv mitreißende Szenerien sind deutlich durchhörbar - jedoch ist dies schon eine seiner E-Kompositionen. Ebenfalls spielerische Elemente, passt daher ganz gut zum Ravel.

Ich wüsste nicht, was an Denis Kozhukhin mit dem Orchestre de la Suisse Romande/Kazuki Yamada auszusetzen sein sollte.
Vielleicht ließen sich mit den Magico und in jungen Hörjahren noch einige Details zusätzlich aufschließen.

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#Gourmet
Stammgast
#33516 erstellt: 03. Mai 2026, 19:28

Hörstoff (Beitrag #33515) schrieb:
Tolle Lautsprecher! Nach meiner Wahrnehmung so eine Art Referenz im passiven Sektor. Hast du auch einen sehr großen und hohen Raum, damit die Reproduktion möglichst wenig durch Moden behindert wird?


Referenz als Passiv-LS ist er sicherlich nicht.

Der Hörraum ist fast 60 qm groß und akustisch angepasst. Da gibt es keine stehende Wellen.
Hörstoff
Inventar
#33517 erstellt: 03. Mai 2026, 19:42
Prima. Aber warum keine Passiv-Referenz? Gemeint sind natürlich Passivlautsprecher.
Sind die Kabel vom Crossover zu dünn?
#Gourmet
Stammgast
#33518 erstellt: 03. Mai 2026, 19:59

Hörstoff (Beitrag #33517) schrieb:
Prima. Aber warum keine Passiv-Referenz? Gemeint sind natürlich Passivlautsprecher.


Weil es für große Hörräume bessere LS gibt. Zum Beispiel Magicos M9

oder Wilson Audios neues Flagschiff: https://www.lowbeats...precher-vorgestellt/

Die beiden liegen nicht nur in der gleichen Preisklasse. Hässlich sind beide
klutzkopp
Inventar
#33519 erstellt: 03. Mai 2026, 20:01

Wilson Audios neues Flagschiff


Ein potthässliches Monstrum


[Beitrag von klutzkopp am 03. Mai 2026, 20:03 bearbeitet]
frankbln
Stammgast
#33520 erstellt: 04. Mai 2026, 05:50
Hat ein bisschen was von der Alien-Königin
arnaoutchot
Moderator
#33521 erstellt: 04. Mai 2026, 15:24
Nachdem wir uns über die Hässlichkeit all dieser Lautsprecher einig sind, wieder zurück zum Thema:

Shani Diluka - Road 66 - Mirare 2014. Ich hatte die französische Pianistin hier schon mal hörend vorgestellt. Dieses Album befasst sich mit amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts und dem Thema On the Road (Jack Kerouac). Schön.

jpc.de


[Beitrag von arnaoutchot am 04. Mai 2026, 15:26 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33522 erstellt: 04. Mai 2026, 18:14
Schubert, 4. Sinfonie, mit Paavo Järvi und der Kammerphilharmonie Bremen.
Meine meistgehörte Version der Sinfonie.
Dem ausführlichen Kommentar von Torrente kann ich nichts sinnvolles hinzufügen

jpc.de
Hörstoff
Inventar
#33523 erstellt: 05. Mai 2026, 21:33

Mars_22 (Beitrag #33500) schrieb:
Maria Herz (1878-1950)
Kammermusik & Lieder "Sterne steigen dort..."
Portrait der Komponisten Albert Maria Herz
Christiane Oelze, Asasello-Quartett, E-MEX Ensemble
Genuin 2023

jpc.de

Für mich eine sehr schöne Entdeckung. Ganz frische, ganz eigenständige Musik im Übergang zur Atonalität.

Bei mir jetzt auch - und wie so oft gebeten in 24 Bit - d. h. als Highres und nicht als Kasten Bier. Getreu dem Motto: I might be too old for a complete new chapter, but I'm never too old for new fine illusions.

Die Chaconne ist nun einiges, nur nicht atonal. Sehr interessante, in der Tat eigenständige Kammermusik mit einem starken appellativen Charakter und einer ordentlichen Prise Enthusiasmus, nahe am Divertimento. Nur damit sich dann alternierend wieder eine Tür einen Spaltweit zu Schubert öffnet.

Mal sehen, ob das Zurücklehnen und Entspannen anhält.
Die Sterne steigen und sinken nun. Und hier wird die Hörschaft deutlicher herausgefordert, die Vertonung von Georgescher Lyrik, die mir bislang kein Begriff war tut ihr Übriges. Ich lasse es wirken und versuche, den Wortlaut zu verstehen.

EDIT: die vier kleinen Stücke für Streichquartett sind rasant und bewegend. Dazu ein gutes Getränk, so klingt der Abend schön aus. Prima Tipp, Wolfram.


[Beitrag von Hörstoff am 05. Mai 2026, 21:57 bearbeitet]
op111
Moderator
#33524 erstellt: 06. Mai 2026, 13:24
Und nun zu etwas völlig anderem
eine fiktive Trauerfeier für Karl V.

La Tempete - Bomba flamenca (Les Funerailles imaginaires de Charles Quint)

Clement Janequin / Mateo Flecha: La Guerre, la Bomba
+Luise de Narvaez: Mille regres
+Cristobal de Morales: Kyrie eleison aus Missa Mille regretz; Parce mihi, Domine
+Nicolas Gombert: Musae Jovis
+Codex Calixtinus: Congaudeant catholici
+Juan del Encina: Una sanosa porfia
+Llibre Vermell de Montserrat: Ad mortem festinamus
+Thomas Crecquillon: Mem aus Lamentationes hiermiae prophetae
+Cantorales Mozarabes de Cisneros: Vidi sub ara Dei
+Marbriano de Orto: Gimel aus Lamentationes hieremiae prophetae
+Antonio de Cabezon: Magnificat
+Mateo Flecha: El fuego

La Tempete,
Simon-Pierre Bestion


Alpha 2025
jpc.de


jpc schrieb:
...Nun hat Simon-Pierre Bestion, Experte für Alte Musik, ein imaginäres Requiem für den Tod Karls V. zusammengestellt, wobei er Kompositionen verwendet hat, die tatsächlich für diesen Gottesdienst bestimmt waren, wie beispielsweise Pedro de Escobars Missa pro defunctis und Cristobal de Morales’ Missa Mille regretz, die auf dem Lieblingslied des Kaisers basiert. Wie üblich nimmt sich der Gründer und Leiter von Tempête einige Freiheiten und haucht diesen Werken Leben ein, indem er sie mit Variationen in Klangfarbe, Tempo und Ausdruck arrangiert: »Ich habe mich dafür entschieden, ausgiebig von Perkussion und bestimmten sehr charakteristischen Instrumenten wie Schalmei und Posaunen Gebrauch zu machen, die perfekt zum Geist von Prozessionen im Freien passen, wie beispielsweise denen in den Gärten der Alhambra..


Das ist nicht zu viel versprochen .
Ein unterhaltsamer Eindruck von Teilen der Musikkultur in Karls Reich, "in dem die Sonne nie unterging".


Franz
boltwoodit
Stammgast
#33525 erstellt: 06. Mai 2026, 13:31
Nachdem ich mich über 40 Jahre lang geweigert hatte, mir Chatschaturjans Zweite Sinfonie überhaupt (nochmal) anzuhören – zumindest Ausschnitte davon hörten wir im Musikunterricht und nahezu alles russische/sowjetische wurde inoffiziell per se abgelehnt – gab es die neulich (und immer noch) im sale und wenn man schon die Erste und Dritte aus der gleichen Reihe hat…naja, ihr wißt ja, wie sowas enden kann

jpc.de

Aram Khatchaturian, Symphony No. 2, Robert-Schumann-Philharmonie, Frank Beermann, CPO, 2016


Es ist eine der sowjetischen Kriegssinfonien (1943), ähnlich wie Prokofjews Fünfte und Schostakowitschs Siebte und auch diese hier war den Genossen Kulturfunktionären mal wieder nicht sowjetisch genug; naja. Inspiriert wurde sie u.a. wohl auch durch den Völkermord an den Armeniern (Höhepunkt 1915); Chatschaturjan war Armenier. 1943 war auch der Ausgang des Krieges bei weitem noch nicht abzusehen.

Zur Musik selbst:
Beim ersten (Wieder-) hören dachte ich anfänglich so „Na Mensch, klingt doch super und auch sehr nach Chatschaturjan, haste dich wohl jahrzehntelang der blöden Ideologie wegen selbst kasteit.“, aber recht schnell fiel mir dann eine Art „imperialer Gestus“ auf, den ich iwie nicht leiden kann bzw. für den ich schon „in Stimmung“ sein muss; das ging mir aber auch mit z.B. Casella (Noseda, Chandos) so.

Der zweite Satz ist für mich ein musikalisches Träumchen, weil sehr „armenisch“ („arabisch“); auf sowas stehe ich ja. Diese Farbigkeit, sowohl hinsichtlich der Melodien als auch der Instrumentierung, durchzieht die gesamte Sinfonie, aber hier kommt sie für mich am stärksten zum Ausdruck.

Auch wenn es von der Zweiten die meisten Aufnahmen gibt, so ist sie doch – trotz ihrer Länge und teilweise sehr lustiger Einfälle – nicht mein(!) Favorit (das ist die Dritte). Die drei Zugaben - allesamt Konzertarien – sind jetzt nicht so meins.

Klang – hm, der ist hier für mich Fluch und Segen zugleich 😊 Segen: er ist eher unaufgeregt als „bombastisch“; es ist alles zu hören, die Musiker spielen sich die Seele aus dem Leib und sicherlich klingt es so am natürlichsten: bei der Ersten und Dritten „reicht“ mir dieser Klang auch mehr als aus; Fluch: den „imperialen Gestus“, den Bombast speziell der Pauken, Blechbläser und die Röhrenglocken hätte ich gern in einem so überpolierten und überreizten Klang wie z.b. bei der schon angesprochen Casella-Noseda-Chandos-Aufnahme. Naja, man kann nicht alles haben 😊

Wer z.B. „das Arabische“ bei Rimsky-Korsakow mag, könnte hier für 7,99 fündig werden…und sich vllt. später auch noch 1 und 3 zulegen 😊

Viele Grüße
bolt
op111
Moderator
#33526 erstellt: 06. Mai 2026, 16:44
Mal wieder eine Rarität:
Felicien Cesar David (1810-1876)
Le Desert für Sprecher, Tenor, Chor & Orchester
Jean-Marie Winling, Cyrille Dubois, Zachary Wilder,
Accentus Chor (Männerstimmen)
Orchestre de Chambre de Paris,
Laurence Equilbey

Naive, DDD, 2014 2 CDs
jpc.de

CD 1 ohne gesprochenen Kommentar / CD 2 mit

Félicien César David gilt als Schöpfer des musikalischen Exotismus.
David unternahm 1833, zu einer Zeit, als in Frankreich der Orient ins Blickfeld rückte, mit einer Gruppe von Saint-Simonisten eine Reise in den Orient.
Auf dieser Fahrt führte er ein musikalisches Reisetagebuch. Ein Ergebnis ist "Le Desert".
Das dreiteilige Werk thematisiert die Reise einer Karawane durch die Wüste.
Es enthält eine Fülle orientalischer Melodien und Rhythmen obwohl es formal ein typisch europäisches Stück ist.
David imitiert darin (Teil 3.b = Track 14) einen dreimal wiederholten islamischen Gebetsruf (adhan), mit dem die Mitglieder der Karawane zur Anbetung Allahs aufgefordert werden.

Die die durchaus engagierte Aufführung unter Leitung der Dirigentin Laurence Equilbey hätte eine bessere technische Aufbereitung verdient.
Warum 2 CDs darauf verwandt wurden, erschließt sich mir nicht, nur um die rezitierten Zwischentexte zu überspringen, kann man einfach die entsprechenden Tracks einfach via Programm im CD-Player ausschließen.

arnaoutchot
Moderator
#33527 erstellt: 06. Mai 2026, 19:26
Hier Albéniz - Iberia etc. - Hamelin - Hyperion 2CD 2005. Von Albéniz' zentralem Werk habe ich schon etliche gute Aufnahmen im Schrank, allen voran natürlich die epochalen von Alicia de Larrocha. Hamelin fügt eine weitere hinzu. Natürlich ist es virtuos-männlicher Klavierstil im Gegensatz zu der weicheren, emotionaleren Spanierin, aber - wie meist bei MAH - nimmt es mich für ihn ein. Es kamen noch weitere Hamelin CDs mit Ives/Barber und Dukas/Decaux, dazu komme ich noch.

jpc.de
op111
Moderator
#33528 erstellt: 06. Mai 2026, 19:47
Hallo Michael,
guter Tip!

Ich nehme mal diese wieder in den Player:

Marc-Andre Hamelin - Found Objects / Sound Objects
Frank Zappa: Ruth is sleeping
+Salvatore Martirano: Stuck on Stella
+John Oswald: Tip
+John Cage: The Perilous Night
+Stefan Wolpe: Passacaglia op. 23
+Yehudi Wyner: Refrain
+Marc-Andre Hamelin: Hexensabbat

Marc-Andre Hamelin (Klavier)
Label: Hyperion 2024

jpc.de


Franz


[Beitrag von op111 am 07. Mai 2026, 14:54 bearbeitet]
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