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Was hört ihr gerade jetzt? (Klassik !!!)

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arnaoutchot
Moderator
#33378 erstellt: 16. Apr 2026, 16:38
Nun, nur kurz zu Miles Davis, der hier in der Klassik kaum reinpasst: Der wurde von der amerikanischen Gesellschaft als Schwarzer schon auch zu dem gemacht, was sich später als Arroganz nach aussen zeigte. Aber genug davon hier.

Ich habe versucht, die Gründe von Wolfgangs psychologischen Ebenen zu verstehen. Toscanini, Szell, Böhm, Reiner wegen ihrer autokratischen Art ? Roth und Dutoit wegen sexueller Übergriffe ? Currentzis weiss/verstehe ich nicht. Die Russen wegen ihrer Verbindung zum Putin Regime ?

Ich persönlich versuche mich so wenig wie möglich von diesen Dingen beeinflussen zu lassen. Ich bin auch eher vorsichtig was die Me-too-Thematik betrifft. Das scheint mir im Klassik-Bereich schon ein sehr heikles Thema zu sein, und wenn eine Musikerin oder Solistin sauer auf den Dirigenten ist, der ihr eine bessere Rolle versagt, dann kann aus einer harmlosen Umarmung schnell sexuelle Belästigung werden. Meist steht ja Aussage gegen Aussage.

Ich schrieb es hier schon mal: Wo zieht man die Grenze ? Soll ich keinen Gesualdo mehr hören, weil er seine Frau umbringen liess ? Soll ich keinen Wagner mehr hören aus den bekannten Gründen ? Liszts Preludes nicht mehr hören, weil das Stück zweckentfremdet wurde (wofür Liszt überhaupt nichts kann). Und Böhm und Karajan waren eh Nazis ...


Hören, von oben angeregt: Gesualdo - Complete Madrigals - Delitiae Musicae / Longhini - Naxos 7CD 2013.

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[Beitrag von arnaoutchot am 16. Apr 2026, 16:56 bearbeitet]
op111
Moderator
#33379 erstellt: 16. Apr 2026, 16:50

Mars_22 (Beitrag #33374) schrieb:
. Aber heute gibt es noch Besseres (klanglich), und Ausdrucksstärke war eh nie der Fokus von Szell.

Auch bei der Ausdrucksfülle ist eine allgemeingültige Definition schwierig, wie beim Essen, der eine wirft noch eine Hand voll Chillis in die Penne all'arrabbiata, andere greifen schmerzerfüllt zum Weinglas.
op111
Moderator
#33380 erstellt: 16. Apr 2026, 17:14

arnaoutchot (Beitrag #33378) schrieb:
..zu Miles Davis, ... wurde von der amerikanischen Gesellschaft als Schwarzer schon auch zu dem gemacht,

Jeder ist auch unbestritten ein Kind seiner Zeit und des sozialen Umfelds.
Gesualdo war sogar aus dem gesellschaftlichen Kontext dazu legitimiert, die Ehebrecher umzubringen.
Schwierig wird es ohnehin immer, wenn Urteile aus späteren liberaleren Epochen über hist. Personen in anderem Umfeld getroffen werden.
Dennoch kann ich zumindest manches Wissen nicht völlig ausblenden, Les Preludes hat da eine schlechte Übersprechdämpfung.
Wenn mir z.B. vom Verzehr von Muscheln mal übel wurde, bin ich beim nächsten Mal zurückhaltend und vorsichtig.



[Beitrag von op111 am 16. Apr 2026, 18:17 bearbeitet]
klutzkopp
Inventar
#33381 erstellt: 16. Apr 2026, 17:16

Die Russen wegen ihrer Verbindung zum Putin Regime ?


Diejenigen von denen ich das weiß meide ich in der Tat. Gergiev zum Beispiel. Ist ja auch kein großer Verlust.
op111
Moderator
#33382 erstellt: 16. Apr 2026, 18:34
und gleich live:

Johannes Brahms
Konzert Nr. 1 d-Moll für Klavier und Orchester, op. 15
Rudolf Buchbinder
Essener Philharmoniker
Karl-Heinz Steffens


Franz
arnaoutchot
Moderator
#33383 erstellt: 16. Apr 2026, 18:43
Dann viel Spass mit dem Rudi ! Er spielte hier bei mir heute früh noch weitere Beethoven-Konzerte, allerdings von Konserve.
klutzkopp
Inventar
#33384 erstellt: 16. Apr 2026, 19:07
Der kann schon was der Rudi
arnaoutchot
Moderator
#33385 erstellt: 16. Apr 2026, 19:21
Ja, absolut ! 👍 Ich kam bis zum ersten Satz des 5. Konzerts, wurde dann leider unterbrochen. Insgesamt ist das wirklich eine schöne Aufnahme. Sehr gut gespielt. Wer auf Live-Aufnahmen steht mit sehr gutem Klang (Goldener Saal), dem kann ich die o.g. Blu Ray empfehlen. Meines Wissens enthält die CD-Ausgabe die gleichen Aufnahmen, nur eben in Stereo.

Hier aber etwas ganz anderes: Anamorfosi - Le Poème Harmonique, Vincent Dumestre - alpha 2019. Hier hatte ich vor ein paar Jahren schon mal etwas zu der CD geschrieben.

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Hörstoff
Inventar
#33386 erstellt: 16. Apr 2026, 19:24
Edinger/Kaiser/Kimstedt/Haiberg/Maechler können auch etwas - und zwar enorm viel. Eduard Francks Streichquintette sind die Entdeckung des Tages - eine mit sanften Attacken und Verve der Muse gesegnete Einspielung, die den Komponisten in ein helles Licht für Hörende rückt.

Nicht nur die Entdeckung des Tages - diese noble Musik, gehört in Stereo ist ein Juwel.

amazon.de

2011 in der Siemensvilla in Berlin eingespielt.
WolfgangZ
Inventar
#33387 erstellt: 16. Apr 2026, 20:08
Noch kurz zum obigen Thema - dann will ich's zufrieden sein.

Michael hat natürlich Recht mit seinen Zuordnungen.

Currentzis bewegt sich wohl auf einer etwas harmloseren Ebene. Ich kann halt einfach nichts anfangen mit den Storys, die man immer mal wieder hört. Dass sich die Musiker in Kutten kleiden sollen und so weiter. Man muss nicht jeden mögen und ich mag ihn halt nicht, vor allem sein auf dieser Ebene autokratisches und exzentrisches Gehabe. Das macht mich aggressiv. Aber vielleicht tue ich ihm ein wenig Unrecht.

Freilich wird es da noch manche andere geben, wohl auch schlimmere. Dass Orchesterleitung nur äußerst bedingt demokratisch funktionieren kann, ist mir schon länger klar. Doch in mancherlei Hinsicht kommt halt mein persönliches und etwas empfindliches Demokratieverständnis durch. Das mit den Kutten trägt gewiss nichts bei zu einer besseren Leistung der Musizierenden. Ansonsten gehen da die Sichtweisen ein wenig auseinander bei den Pult-Diktatoren bezüglich deren Erfolgen. Da hat sich vieles geändert und ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das nicht meistens auch in musikalischer Hinsicht zum Besseren war. Man muss da noch nicht einmal einen Herbert Blomstedt als ideal ansehen.

Ein Name ist mir noch eingefallen: Siegfried Mauser. Auch da war ich recht entsetzt und er gehört ja nun auch nicht nur einer einzigen dieser vier Gruppen an. Und wie hieß gleich wieder der mittlerweile verstorbene Dirigent, der seine Schäfchen auch nicht mehr ins Reine gebracht hat? Da fällt mir der Name nicht ein. Vermutlich Amerikaner, aber kein englischer Name - glaube ich. Ach ja, das Alter. Mindestens ein Chordirigent ist auch sehr unangenehm aufgefallen. Falls Ihr Lust habt, mir auf die Sprünge zu helfen.

Über Miles Davis wusste ich diesbezüglich nicht Bescheid. Im Rahmen meiner nicht so spziellen Kenntnisse schätze ich ihn sehr wohl.

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 16. Apr 2026, 20:13 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33388 erstellt: 16. Apr 2026, 20:37
Jaap van Zweden muss sich an seinen aktuellen Einsatzorten Seoul und Hongkong ebenfalls seinen aggressiven Führungsstil vorhalten lassen.

Zur Verteidigung von Toscanini, Szell u.a. muss man einwenden, dass ein autoritärer Stil damals üblich war und wahrscheinlich sogar erwartet wurde. An den Schulen hätte man auch nicht ohne Weiteres andere Methoden gefunden, wenn das Schlüssel- und Kreidewerfen (das ich noch erlebt habe) nicht irgendwann rabiat verboten worden wäre. Und siehe da: es gibt Methoden, SchülerInnen (und sicher erst recht OrchestermusikerInnen) ohne autoritären Stil und erst recht ohne Gewalt zu führen.
Mars_22
Inventar
#33389 erstellt: 17. Apr 2026, 08:45
Ich habe meine Sammlung an grauen CD-Kartons der Edition Bastille Musique um einen Fünften erweitert: Das Quatuor Diotima spielt die 4 Streichquartette von Beat Furrer ein. Ich bin begeistert! Ich liebe das Außerweltliche - oder ist es eher wie eine Betrachtung des Mikrokosmos? - das Streicher unter Verwendung der geräuschhaften Möglichkeiten ihrer Instrumente erzielen können. Und die Diotimas sind ein Spitzenensemble, das sich einreiht unter die anderen Großen, die diesen Kosmos integrieren.
Merkwürdigerweise kann ich mit moderner Musik der Jetztzeit mehr anfangen als mit der klassischen Moderne. Bei Furrer entstehen wunderbare Momente herber Schönheit.

jpc.de

Ich habe bei Bandcamp gekauft, da kann man besser probehören, und bekommt sofort einen Downloadlink, während sie einem die CD senden.


[Beitrag von Mars_22 am 17. Apr 2026, 09:01 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#33390 erstellt: 17. Apr 2026, 09:35
Die vier Streichquartette von Beat Furrer habe ich mir soeben bestellt. Danke für den Tipp!

Bislang kenne ich den Komponisten nur mit der folgenden CD, die mir durchaus zusagt:

jpc.de

Wolfgang
Mars_22
Inventar
#33391 erstellt: 17. Apr 2026, 09:54
Für dich ist das sicher was. Mikrotonale Verschiebungen, Klangflächen über rauhen Strukturen, perkussive Elemente, humoreske Imitationen (ich sitze hier tatsächlich breit grinsend, weil im dritten Quartett gerade eine Art Roadrunner durchs Bild stiebt, und stelle mir auch bei den Ausführenden ein diebisches Grinsen vor) - es wäre ein eigener Sprachkosmos, die Eindrücke versprachlichen zu wollen. Aber mit solcher Musik hast du ja viel Erfahrung.


[Beitrag von Mars_22 am 17. Apr 2026, 10:00 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33392 erstellt: 17. Apr 2026, 10:34
Zu deiner CD gibt es eine Amazon Rezension, die Sprachbilder verwendet, die mir unmittelbar einleuchten zu dieser Musik: „high harmony swirls around the piano like mercury in a gigantic bowl“

I really shouldn't like this music. I have complained--on more than a few occasions--about composers who rely on instrumental effects. These effects include playing inside the piano or slapping keys on wind instruments while making breath sounds or some such. This sort of novelty is often a distraction from the fact that a composer really has nothing to say. Beat Furrer's music is full of sounds like this, and I shouldn't like it. But I do. Furrer has a keen ear, and has obviously experimented with all sorts of ways that instruments can make sound. What distinguishes him from countless other composers is that he uses these sounds in the service of greater goals. He has something to say. This is not music for the timid--those who seek solace and comfort in music. It is elemental, often brutal. But it is also exciting and innovative. The three vocal pieces on this CD feature voice against a single instrument. The vocal writing is fragmented and percussive in a way that matches the instrumental writing. In places it is hard to tell which timbre is which. In Fama VI, the accompanying instrument is a contrabass flute. This rare, gigantic instrument is seldom heard; it is a delight. Spur, for piano and string quartet, is a quickly-paced and dynamic piece. The strings are often ponticello, playing against a motoric piano. A central idea of the piece involves widely-space ascending harmony. It is a peculiar and very striking effect. The Piano Concerto is really something of its own. It is active--often frenetic in a way vaguely reminiscent of Boulez--and violent. Furrer describes the orchestra as an extension of the piano's harmonics. That's discernibly true, but in a novel way. In one of the more thrilling moments, high harmony swirls around the piano like mercury in a gigantic bowl. I've never heard anything quite like it. I've heard lot of music in my life. I'll have to hear more of Beat Furrer to know if he's as distinctive a voice as he appears to be. But he's made a very good first impression.

Die von mir verlinkte CD hat nur wenige Passagen, die brutal wirken, und ähnlich wie Boulez ist zum Glück nichts. Wobei ich dem damit vielleicht unrecht tue, ich bin über hineinzappen nicht hinausgekommen.


[Beitrag von Mars_22 am 17. Apr 2026, 10:43 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33393 erstellt: 17. Apr 2026, 14:58
Kennst du Christophe Bertrand, Wolfgang? Der hat in seinem kurzen Leben ja für jede Menge Aufsehen gesorgt mit irrem Karrieretempo und vielen gewonnenen Preisen. Es gibt bei Bastille eine Tripel-CD, die alle Instumentalwerke versammelt und wohl in einer Art konzertierten Aktion, einem Kraftakt, auf die Beine gestellt wurde. Die ist sehr gut anhörbar. Vielleicht sogar zu gut?

jpc.de
Mars_22
Inventar
#33394 erstellt: 17. Apr 2026, 15:25
Mal was Anderes
Fauré, Nocturnes. Paul Crossley 1970

amazon.de
WolfgangZ
Inventar
#33395 erstellt: 17. Apr 2026, 15:33
Danke für den neuen Tipp und die Rezension, lieber Kollege!

Den Namen Bertrand habe ich im musikalischen Kontext auf jeden Fall gehört - vielleicht sogar hier im Forum -, glaube aber nicht, dass ich Werke gehört habe.

Grau/ Schumacher kenne ich live, sogar zweimal. Die können schon überzeugen und ich höre gerne mal hinein.

Besten Gruß, Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 17. Apr 2026, 15:36 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#33396 erstellt: 17. Apr 2026, 15:48
Noch ein Nachtrag: Ich weiß wohl oder vielleicht schon, was Du meinst mit "zu gut". Da gäbe es dann etliche Beispiele. Eines der für mich fragwürdigsten habe ich, glaube ich, hier im Forum schon benannt - freilich eckt man damit wieder bei Mitschreibern an, gegen die ich sonst oder persönlich ganz bestimmt keine Aversionen hege.

amazon.de

Das Engagement des mir ziemlich geläufigen und sympathischen Pianisten verstehe ich hierbei nicht. Das gilt genauso für das Orchester, das ja zur Zeit sehr seriös mit den Haydn-Sinfonien unterwegs ist.

Doch wie gesagt: Ich spreche von mir und sonst niemandem, habe nicht gezielt gesucht, habe aber auch nur eine einzige negative Kritik von einer Privatperson (nehme ich an) gelesen.

Wolfgang

EDIT: Pardon, Zürich und Basel sollte man schon auseinanderhalten !!!


[Beitrag von WolfgangZ am 17. Apr 2026, 15:51 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33397 erstellt: 17. Apr 2026, 21:10

klutzkopp (Beitrag #33303) schrieb:

boltwoodit (Beitrag #33301) schrieb:
erstmal "müssen" noch seine Streichquartette her.


Mein Tip wäre die GA mit dem Pacifica Quartet,

Mangels sinnvoller Verfügbarkeit habe ich weitergeschaut (ich habe bisher nur diverse Einzelaufnahmen) und bin auf die neue Live-Gesamtaufnahme (2022) des Danel-Quartetts gestoßen, die mich spontan sehr angesprochen hat. Sehr präzise und so aufgenommen, dass man jedes Detail erlebt. Spielt mit dem Klang - mal verhangen, mal strahlend hell. Hat eine starke Wirkung auf mich, die ich mir nicht recht erklären kann. Meine Einzelaufnahmen haben mir diese Quartette nie nachhaltig nahebringen können.

Das Danel-Quartett, obwohl keineswegs Neuling auf dem Feld - sie hatten 2005 schon eine Aufnahme bei Alpha, die viel Anklang fand - hat sich Beratung vom Borodin- und vom Beethoven-Quartett geholt, bevor sie im Gewandhaus Live-Aufnahmen gemacht haben.

Die Einspielung ist bei JPC absurd teuer, aber es gibt sie beim Streamer und die HR-Downloads findet man für 20-25€ (in D!).

jpc.de
Hörstoff
Inventar
#33398 erstellt: 17. Apr 2026, 21:19
Ich bleibe derweil noch einmal bei mdg - und seltsamerweise ist mit diesem Surroundlabel mein Appetit auf Stereogenuss vollends geweckt. Es liegt vermutlich an der tollen, präzisen Definition von Instrumenten und Klangsphären auf einer zum Leben erweckten Bühne, die eigentlich keine Rearspeaker mehr benötigt. Entsprechend dient der eigene Hörraum mit seinen Reflexionen, Absorptionen und dennoch verbliebenen Moden dazu, den Charakter der Musik ein wenig mitzuformen.


Tausend Jahre Musikgeschichte treffen aufeinander: Mit der „Missa Credo“ vereint Ulrich Zeitler altkirchliche gregorianische Melodien mit zeit-genössischem Jazz. Ein interessantes Experiment, das dank der herausragenden Qualität der Ausführenden zu einem inspirierenden Ereignis wird. Berhard Klas am Saxofon und Helmut Lörscher am Klavier sind Meister der stilgebundenen Improvisation, die in der „Missa Credo“ einen breiten Raum einnimmt. Den traditionelleren Part übernehmen Maria Bernius und das Ensemble 333, das von Ulrich Zeitler selbst geleitet wird. Dass dabei auch kleinere Soli gestaltet werden, belegt die große Flexibilität dieses speziell für die „Missa Credo“ zusammen-gestellten Vokalensembles.
mdg


Das ENSEMBLE 333 setzt die Musik des Komponisten um, der selbst dirigiert. Aktuell gibt es die Einspielung gebraucht fast geschenkt. Wer neue Musik mag, könnte zugreifen.

amazon.de
Hörstoff
Inventar
#33399 erstellt: 18. Apr 2026, 11:35
Nach Bach-Russen, die nichts dafür können in dieser zeitgeschichtlichen Situation Russen zu sein kommt nun mit - bei mir - mehr Vergnügen endlich die Hertel-Fraktion zum Zug. Mein Gott, war damals offenkundig noch Vieles hoffnungsfroh und durchlichtet. Und jetzt: Kriege, Klimakatastrophe und Öl gibt es auch nicht mehr.

Rein subjektiv, denn damals war natürlich Vieles im Argen. Die Musik dürfte eher Ausflucht und Wegweisung gewesen sein ob der Alltagswidrigkeiten. Neben der Philosophie, versteht sich:

Das 18. Jahrhundert ist die Epoche der Aufklärung (ca. 1720–1800), geprägt von Vernunft, Wissenschaft und dem Ruf nach Freiheit, die den Absolutismus ablöste. Zentrale Ideen waren Menschenrechte, Toleranz und Bildung, während Literatur, Kunst und Philosophie (z.B. durch Lessing, Kant, Goethe) die Gesellschaft prägten. Es ist eine Übergangszeit zur Moderne.
Gemini

Und egal, die Musik ist es ja auch, die hier zählt. Die wunderbare Melange aus Vivaldi-inspiriertem Spätbarock und dem Übergang zur Klassik ist es, was die Sinfonien und Konzerte von Johann Wilhelm Hertel auszeichnet. Das Main-Barockorchester Frankfurt macht das Beste daraus und das Label Aeolus hat die aufscheinende Musik in 2005 tadellos audiophil konserviert.

jpc.de


[Beitrag von Hörstoff am 18. Apr 2026, 22:20 bearbeitet]
klutzkopp
Inventar
#33400 erstellt: 19. Apr 2026, 15:32
Hier Griegs (einzige) Symphonie c-Moll mit B. Engeset/ MalmöSO

jpc.de

Grieg selbst hielt sein Werk wohl für minderwertig und wollte nicht dass es jemals aufgeführt wird.

Verstehe ich nicht. Sicher keine Jahrhundertkomposition, aber ich höre das immer mal wieder gerne.

Von den Grieg-Aufnahmen mit Bjarte Engeset auf Naxos habe ich übrigens einige und kann sie bedenkenlos empfehlen.


[Beitrag von klutzkopp am 19. Apr 2026, 15:34 bearbeitet]
arnaoutchot
Moderator
#33401 erstellt: 19. Apr 2026, 16:23
Hier gerade mal wieder auf diese alte LP gestossen: J S Bach - Orchestersuiten No. 3 & 4 - Harnoncourt / Concentus Musicus Wien - Teldec DMM 1985. Zwar schon eine Digitalaufnahme, aber als DMM-Pressungen erreichen diese LPs aus Mitte der 1980er eine Vinyl- und Klangqualität, die auch später kaum mehr erreicht wurde. Pressungen nach Mitte der 1980er habe ich deswegen aufgehört zu kaufen. Bis heute ! Inhaltlich auch sehr fein ! Mir fehlen die Suiten 1 & 2 aus diesem Zyklus, habe ich gerade gemerkt .



[Beitrag von arnaoutchot am 19. Apr 2026, 16:37 bearbeitet]
Hörstoff
Inventar
#33402 erstellt: 19. Apr 2026, 17:10

klutzkopp (Beitrag #33400) schrieb:
Hier Griegs (einzige) Symphonie c-Moll mit B. Engeset/ MalmöSO
(...)
Grieg selbst hielt sein Werk wohl für minderwertig und wollte nicht dass es jemals aufgeführt wird.
Verstehe ich nicht. Sicher keine Jahrhundertkomposition, aber ich höre das immer mal wieder gerne.
Von den Grieg-Aufnahmen mit Bjarte Engeset auf Naxos habe ich übrigens einige und kann sie bedenkenlos empfehlen.

Schön, dass noch jemand Grieg gelegentlich auf dem Teller hat. Mir ist die Sinfonie mit Eivind Aadland und dem WDR Sinfonieorchester, deren GE ich ebenfalls empfehlen kann auch nicht negativ aufgefallen. Eher ging es mir neulich bei den Sinfonischen Tänzen und mit Gardner so - gelegentlich überschreiten diese in meinen Ohren dir Grenze von der Genialität zur Eingängigkeit... Nun, das bleibt Geschmackssache und (meiner) Tagesform geschuldet.
arnaoutchot
Moderator
#33403 erstellt: 19. Apr 2026, 17:41
Jetzt noch zu einem tragischen Fall: Mozart - The Piano Sonatas - Mitsuko Uchida - Decca 5CD 1983-87. Ich nahm die kleine Box aus dem Laden mit und freute mich schon, sie mal komplett digital von Disc zu hören. Leider musste ich feststellen, dass die CD5 fehlt (die Hülle ist da). Hat der Verkäufer wohl im heimischen Player vergessen. Da wir keine unvollständigen Sets verkaufen, würde sie in den Müll wandern. Falls sie jemand gebrauchen kann, schicke ich sie gerne gg. Porto und kleine Handling Fee. Zustand Box, Booklet und andere vier CDs wie neu. Die 5. CD sollte sich beschaffen lassen, streamen kann man sie auch.

Ich höre auch gerade KV 311, sehr schön. Es ist übrigens die digitale Ausgabe der Vinyl-Version, die ich hier schon mal gezeigt hatte. Die ging dann tatsächlich kurz nach dem o.g. Post für mehrere hundert Euro weg

FabianJ
Inventar
#33404 erstellt: 19. Apr 2026, 21:08
Von Bjarte Engeset habe ich die Grieg-Aufnahmen bei Naxos als Box. Ich halte diese auch für empfehlenswert, auch wenn es natürlich auch andere hochwertige Böxchen mit Griegs Orchestermusik gibt bzw. gab.

Gerade lief hier:
jpc.de
André Campra (1660-1744)
Messe des morts (Requiem)
Judith Nelson (Sopran), Dinah Harris (Sopran), Jean-Claude Orliac (Tenor), Wynford Evans (Tenor), Stephen Roberts (Bass) - Marilyn Sansom (Violoncello), Michael Lewin (Barocklaute), Nicholas McGegan (Flöte), Malcolm Hicks (Orgel) - The Monteverdi Choir - English Baroque Soloists - Dirigent: John Eliot Gardiner
Aufnahme: September 1979, All Saint's Church, Tooting Graveney, London

Für mich eine der schönsten Requiem-Vertonungen des Barock. Ich kenne derzeit keine Alternativ-Einspielung des kompletten Werks, aber mich hat Gardiners Einspielung bislang immer überzeugt.

Klanglich geht die Einspielung für ihr Alter auch mehr als in Ordnung. Nur die Lautensoli sind nicht optimal eingefangen. Ich hatte mich zunächst gefragt, wieso der Musiker, der das Hammerklavier spielt, im Booklet keine Erwähnung findet. Dann merkte ich aber, dass das angebliche Hammerklavier eigentlich die Laute ist.

Mit freundlichem Gruß
Fabian


[Beitrag von FabianJ am 19. Apr 2026, 21:10 bearbeitet]
boltwoodit
Stammgast
#33405 erstellt: 20. Apr 2026, 11:32

Mars_22 (Beitrag #33397) schrieb:

klutzkopp (Beitrag #33303) schrieb:

boltwoodit (Beitrag #33301) schrieb:
erstmal "müssen" noch seine Streichquartette her.


Mein Tip wäre die GA mit dem Pacifica Quartet,

Mangels sinnvoller Verfügbarkeit habe ich weitergeschaut (ich habe bisher nur diverse Einzelaufnahmen) und bin auf die neue Live-Gesamtaufnahme (2022) des Danel-Quartetts gestoßen, die mich spontan sehr angesprochen hat.
...
Die Einspielung ist bei JPC absurd teuer, aber es gibt sie beim Streamer und die HR-Downloads findet man für 20-25€ (in D!).
jpc.de


Danke für den Tipp; das hört sich auch verdammt gut an. Die GA durch das Pacifica-Quartet sollte heute bei mir ankommen; Neuware aus D für knapp 40 € inkl. Versand.

Voller Vorfreude habe ich am We die hier gehört:
amazon.de

Shostakovich, Quartet No.15, Gidon Kremer, Daniel Phillips, Kim Kashkashian, Yo-Yo Ma, CBS Records Masterworks, 1989

Das dürfte das traurigste aller Streichquartette von DSCH sein und hier wird (mMn) auch noch extra-langsam gespielt, die Mikrofonierung dürfte (teilweise) geradezu intim gewesen sein (stellenweise hört man das Aufsetzen des Bogens und den ersten halben Zentimeter des Streichens, bevor die Saite erklingt)...vllt. alles nicht ganz so, wie von DSCH "geplant", aber gerade dadurch wird es für mich noch "melancholischer". Ich(!) finde, dass sich trotz der "großen Namen" (waren (Kremer,) Kashkashian und Ma 1985 auch schon "groß"? keiner in den Vordergrund zu spielen versucht...es wirkt auf mich, wie eine "Beerdigung im engsten Familienkreis" :).

Als Zugabe gibt es noch ein Stück für Geige und Cello von Sofia Gubaidulina (eine Schülerin Schostakowitschs); auch traurig, aber nicht so "zerrissen". Für mich(!) ist hier der erste Satz nix, weil zu viele hohe Töne, aber wer dieses Problemchen nicht hat, könnte hier auch rundum glücklich werden.

Klanglich ist die Scheibe (für mich) wirklich ein Meisterstück; sowohl mit KH als auch über Boxen - man sollte nur aufpassen, dass die Nachbarn (so vorhanden) nicht den Krankenwagen wegen vermuteter Selbstmordgefahr rufen

Viele Grüße
bolt


[Beitrag von boltwoodit am 20. Apr 2026, 14:50 bearbeitet]
klutzkopp
Inventar
#33406 erstellt: 20. Apr 2026, 13:47
Einmal Mahler mit alles bitte - gibts bei Tennstedt:

Die Zweite live mit dem LPO (1989)

amazon.de
WolfgangZ
Inventar
#33407 erstellt: 20. Apr 2026, 18:59
Das letzte Quartett von Schostakowitsch in obiger Star-Besetzung werde ich mir jetzt auch zulegen! Danke für den Tipp!

Obwohl ich in den letzten Jahren alle besser kennengelernt habe, ist das 15. in seiner Abgrund-Stimmung unverändert mein Lieblings-Quartett des Meisters und sicher ein bevorzugtes Streichquartett überhaupt. Wobei es freilich einige weitere gibt, die einen Rang streitig machen können - allen voran die beiden von Janacek oder das Opus 131 von Beethoven.

Wolfgang
FabianJ
Inventar
#33408 erstellt: 20. Apr 2026, 22:25
Mit Schostakowitschs Streichquartetten müsste ich mich auch mal näher befassen. Die Nummern 2, 3 und 8 habe ich mir schon einige Male angehört, bei ein paar davon bin ich mir gar nicht sicher, ob ich sie jemals ganz angehört habe. Doch, da müsste ich mal ran...wie bei so viel anderer interessanter Musik.

Gerade angehört:
jpc.de
Silvius Leopold Weiss (1687-1750)
Lautensonate Nr. 103 B-Dur & Tombeau sur la Mort de M: Cajetan Baron d'Hartig arrivée le 25 Mars 1719
Evangelina Mascardi (Barocklaute)
Aufnahme (Album): 27. - 28. April 2024 und 10. - 12. Mai 2024, Chiesa di San Francesco, Orte (Viterbo), Italien

Schöne, entspannende Musik, ganz wunderbar musiziert und ebenso von der Tontechnik eingefangen. Gefällt mir. Die komplette Doppel-CD werde ich mir wohl nie am Stück anhören, aber hin und wieder ein paar Werke daraus ganz gewiss.

Mit freundlichem Gruß
Fabian
Hörstoff
Inventar
#33409 erstellt: 20. Apr 2026, 22:41

op111 (Beitrag #33282) schrieb:
Das klingt nach einer interessanten Scheibe.
Roman Simovic ist 1. Konzertmeister des LSO und ist in Europa auch als Solist unterwegs.

Ja, gemäß dem Review von musicwebinternational definiert Simovic für (Miklos) Rózsas Violinkonzert den Goldstandard. Zwar gibt es nicht zahlreiche Einspielungen dieses Werks, aber doch namhafte, etwa von Heifetz:


Generell wird die Einspielung von Simovic in den wenigen Rezensionen, die ich gefunden habe gelobt. Technisch interpretiert er brilliant und enorm fingerfertig, das LSO wirkt kongenial. Live aufgeführt wurden Violinkonzerte zweier ungarischer Komponisten, von denen Bartók natürlich der weitaus bekannntere ist.
Das von Rózsa, der ein Komponist des 20. Jhd. war hat aufgrund der rasanten Sequenzen Züge einer späten Paganini-Herausforderung oder -Antwort.

Wieder eingelegt kann ich bestätigen, dass dies eine interessante Scheibe ist.


[Beitrag von Hörstoff am 20. Apr 2026, 23:10 bearbeitet]
FabianJ
Inventar
#33410 erstellt: 20. Apr 2026, 23:16
Gute Idee!

jpc.de
Miklós Rózsa (1907-1995)
Violinkonzert op. 24
Jascha Heifetz (Violine) - Dallas Symphony Orchestra - Dirigent: Walter Hendl
Aufnahme: 27. März 1956, State Fair Music Hall, Dallas

Die SACD war nicht gerade billig und man fragt sich, ob es für eine 70 Jahre alte Aufnahme dieses Formates überhaupt bedarf, aber für ihr Alter klingt die Einspielung schon ziemlich gut.

Widmungsträger Jascha Heifetz läßt hier die Funken sprühen. Von der Orchesterbegleitung her klingt es manchmal ein wenig nach Old-School-Filmmusik, aber das stört mich bei den Violinkonzerten von Walton oder Korngold ja auch nicht und wie jene war auch Miklós Rózsa bekannt für seine Filmmusik.

Diese Musik macht Spaß und würde sich auch in einem Konzert gut machen.

Mit freundlichem Gruß
Fabian
op111
Moderator
#33411 erstellt: 21. Apr 2026, 09:28
Hallo zusammen,

sinfonische u.a. E-Werke von Filmmusikkomponisten sind im Konzertbetrieb unterrepäsentiert, wenn auch Williams in letzter Zeit öfter gespielt wurde.
Zu nennen wären neben den ab und zu gespielten E.W. Korngold, Tan Dun und Miklosz Rosza
z.B. Georges Auric und Nino Rota.

Und nun ein Werk, das von Berlioz' Fausts Verdammnis inspiriert wurde:

Franz Liszt (1811-1886)
Eine Faust-Symphonie S 108 (Version 1857 mit Schlusschor)
+Mephisto-Walzer Nr. 3 S 216 (arrangiert für Orchester v. Reisenauer/Karabits)

Airam Hernández, Tenor
Herren Des Opernchores Des Deutschen Nationaltheaters Weimar,
Herren Des Landesjugendchores Thüringen
Staatskapelle Weimar
Kirill Karabits

Audite Aufnahme 2022
jpc.de

Der Schlusschor kann als Track IIIa separat an-/abgewählt werden.
Der Mephisto-Walzer Nr. 3 S 216 ist eine Erstaufnahme.
Eine sehr gut durchhörbare Aufnahme.


Franz
boltwoodit
Stammgast
#33412 erstellt: 21. Apr 2026, 09:43

WolfgangZ (Beitrag #33407) schrieb:

...Wobei es freilich einige weitere gibt, die einen Rang streitig machen können - allen voran die beiden von Janacek oder das Opus 131 von Beethoven.

Ich danke dir für den Tipp mit diesen drei Streichquartetten. Welche Einspielungen würdest du empfehlen?

Viele Grüße
bolt
op111
Moderator
#33413 erstellt: 21. Apr 2026, 09:50
Ich gabe mal meinen Senf dazu, Wolfgang hat sicher noch andere Tips.

Zum Janacek


op111 (Beitrag #13748) schrieb:
...vom 2. Quartett gibt es eine klanglich reizvolle Alternativversion
Leos Janacek (1854-1928 )
Streichquartette Nr.1 & 2
Streichquartett Nr. 2 in der Version mit Viola d'Amore
Gunter Teuffel (Viola d'Amore),
Mandelring Quartett
Audite, DDD, 2010 stereo & multichannel (Hybrid)
jpc.de

:prost


[Beitrag von op111 am 21. Apr 2026, 10:44 bearbeitet]
op111
Moderator
#33414 erstellt: 21. Apr 2026, 09:51

op111 (Beitrag #20720) schrieb:
Leos Janacek
Streichquartett Nr. 1 "Kreutzersonate"

Pavel Haas (1899-1944)
Streichquartette Nr.1 & 3
Pavel Haas Quartet

Supraphon, DDD, 2007
jpc.de

:prost
op111
Moderator
#33415 erstellt: 21. Apr 2026, 09:58
Eine weitere Empfehlung, die klassische Aufnahme.
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Streichquartette Nr.1-16
+Große Fuge op. 133
Juilliard String Quartet
Sony, ADD, 1964-1970 8 CDs
jpc.de

Spätere Produktionen des Juilliard String Quartet kamen nicht an diese Aufnahme heran.
Für manchen gewöhnungsbedürftig ist die analytische, direkte und trockene Aufnahme.
Da wird nichts unscharf in Hallraumflanell weich eingepackt.

Aktuelle Aufnahmen, die mich begeistern - in hervorragender Aufnahmetechnik:

Quartetto di Cremona
Audite, 2012-2016
jpc.de

Quatuor Ebene
Erato, DDD
jpc.de



[Beitrag von op111 am 21. Apr 2026, 14:41 bearbeitet]
op111
Moderator
#33416 erstellt: 21. Apr 2026, 10:04
Mehr zu Beethovens Quartetten u.a. in:

Forum Thread Beethoven Streichquartette
op111
Moderator
#33417 erstellt: 21. Apr 2026, 10:16
Eine hab ich noch
Leos Janacek:
Streichquartett Nr. 2
Pavel Haas (1899-1944)
Streichquartett Nr.2 "Von den Affenbergen"
Pavel Haas Quartet


Supraphon 2006
jpc.de

Franz
FabianJ
Inventar
#33418 erstellt: 21. Apr 2026, 14:02
Gerade bei Beethovens Streichquartetten ist mir noch nichts untergekommen, das nicht gut bis sehr gut interpretiert ist. Das liegt ganz einfach daran, dass diese Werke der Maßstab sind, an dem sich Quartett-Ensembles messen lassen müssen. Da macht keines halbe Sachen. Persönlich höre ich besonders gerne das Smetana-Quartett und das Quartetto di Cremona in diesen Werken. Im Grunde kann man da aber zu einer beliebigen Einspielung greifen, du wirst immer eine gute erwischen. Allenfalls bei der Tontechnik könnte es bei alten Aufnahmen Probleme geben.

Bei den Quartetten von Janáček ist es fast genauso. Mein derzeitiger Favorit ist um Haaresbreite eine Einspielungen des Pražák Quartett, welche beim Label Praga erschien. Das liegt aber auch am Beifang, das fetzige Concertino des Komponisten. Leider ist die CD derzeit nicht erhältlich.
Ich schließe mich also mal den Empfehlungen von Franz an. Die Einspielung des Pavel Haas-Quartetts hat für mich aber den Vorteil des interessanteren Beifangs, denn die Quartette von Pavel Haas sind ebenfalls toll (gerade die Nr. 2!).

Mit freundlichem Gruß
Fabian
WolfgangZ
Inventar
#33419 erstellt: 21. Apr 2026, 15:43
Fabian hat bestimmt Recht.

Was Janacek (und was auch Beethovens op. 131) betrifft, da kenne ich jeweils mehr als eine Handvoll gute, wenn nicht sehr gute Einspielungen. Und da es dem Meister Bolt meines Erachtens nichts nützt, wenn ich die jetzt alle aufzähle, will ich nur sagen, dass die von Franz genannten auch aus meiner Sicht erste Wahl sind und ich die Empfehlungen nur unterstützen kann.

Bei Beethoven lohnt sich meines Erachtens gleich eine Gesamteinspielung. Du musst ja nicht alle am Stück kennenlernen wollen.

Den kompletten Beethoven von Juilliard kenne ich in der Tat nicht. Aber das war einst eine der weltbesten Formationen. Nur sehe ich keinen Sinn darin, dass aktuell irgendeine neue Viererbande den Namen übernimmt - das grenzt an Etikettenschwindel, wobei ich über die Hintergründe nichts weiß.

Cremona ist sehr frisch und zupackend. Doch ich höre genauso gerne von den neueren Beethoven-Integralen etwa Belcea oder Ebene. Vielleicht ist Tokyo, vielleicht ist sogar Berg nicht mehr die erste Wahl - doch das ist böse Kritik respektive Kritik auf zu hohem Niveau respektive Geschmäcklerei. Beide Integralen habe ich öfters gehört.

Und wenn man mich zwingen würde, die aktuell beste Streichquartett-Formation der Welt zu nennen, dann würde ich zwar sofort antworten, dass das eine dumme Frage ist, aber aus der Not würde ich doch sagen: Pavel Haas ...

Hinterher können wir dann gerne noch weiter reden.

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 21. Apr 2026, 15:47 bearbeitet]
op111
Moderator
#33420 erstellt: 21. Apr 2026, 16:37

WolfgangZ (Beitrag #33419) schrieb:
Beethoven von Juilliard ... Aber das war einst eine der weltbesten Formationen. Nur sehe ich keinen Sinn darin, dass aktuell irgendeine neue Viererbande den Namen übernimmt - das grenzt an Etikettenschwindel, wobei ich über die Hintergründe nichts weiß.

Das ist die neue Viererbande: juilliardstringquartet 2026

Areta Zhulla, Violine
Leonard Fu, Violine
Molly Carr, Viola
Astrid Schween, Cello

Heute abend im Wiener Musikverein
Dmitrij Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 7 fis-Moll, op. 108
Johann Sebastian Bach: Präludium Es-Dur, BWV 852 aus „Das wohltemperierte Klavier“ - Teil 1; bearbeitet für Streichquartett von Michelle Barzel Ross
Michelle Barzel Ross: Birds on the Moon
Ludwig van Beethoven: Streichquartett a-Moll, op. 132

Und das ist die Besetzung der klass. Aufnahme (1960er) lt. Booklet:

Robert Mann, Violine
Earl Carlyss, Isidore Cohen: Violine
Samuel Rhodes, Raphael Hillyer Viola
Claus Adam, Cello


Franz


[Beitrag von op111 am 21. Apr 2026, 16:47 bearbeitet]
op111
Moderator
#33421 erstellt: 21. Apr 2026, 16:53
Wo wir gerade drüber reden

Beethoven op. 59 Nr 1 & 2
Quatuor Ebene

Viola – Marie Chilemme
Violine – Gabriel Le Magadure
Violine – Pierre Colombet
Cello – Raphaël Merlin

Erato, DDD 06/2019 Mozartsaal, Konzerthaus Wien
jpc.de


Franz


[Beitrag von op111 am 21. Apr 2026, 16:58 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33422 erstellt: 21. Apr 2026, 19:05
Das ist meine Lieblingsaufnahme. Höre daraus gerade 59/1, Razumovsky 1. Es gibt darin äußerst beglückende Momente, die durch die Spielkunst dieser Viererbande ausgelöst werden.
Was fast verstörend ist, ist dass die ihre messerscharfe Präzision in der Abstimmung aufeinander - auch bei Tempowechseln - in einer Live-Aufnahme hinkriegen.


[Beitrag von Mars_22 am 22. Apr 2026, 11:08 bearbeitet]
Mars_22
Inventar
#33423 erstellt: 21. Apr 2026, 21:17
Hörst du gelegentlich Lieder, Wolfgang? In der Bastille-Edition gibts zwei CDs mit Rihm Liedern - von denen habe ich bisher nur Auszüge der Rihm Lieder nach Goethe gehört. Die sind fantastisch, ganz nachdenklich klingend saugen sie unmerklich die Aufmerksamkeit auf den Text. Und Hans-Cristoph Begemann ist ein wunderbarer Sänger.
Ich kann wieder nicht die Bilder in Bandcamp verlinken.

jpc.de jpc.de
WolfgangZ
Inventar
#33424 erstellt: 21. Apr 2026, 23:35
Der große Liederkenner und - fan bin ich nicht, kenne halt als früherer Deutschlehrer vor allem die Zyklen von Schubert, habe aber auch des Öfteren schon Hugo Wolf oder Beethoven oder Schumann oder Mozart oder Strauss und natürlich noch diverses anderes gehört. Doch der Prozentsatz insgesamt ist kein bedeutender.

Ein echtes Faible habe ich für die folgenden Lieder - da kommt der unverwechselbare Sound des Komponisten zum Tragen:

amazon.de

Und da finde ich sogar noch eine andere Version - mit Anne Sofie von Otter.

Ein Dankeschön jedenfalls an Meister Mars! Rihm ist gewiss reizvoll. Ich kenne die diversen Stücke für Violine und Orchester, einige wenige Streichquartette ... und dann muss ich schon nachdenkan. Also halten sich meine Kenntnisse ebenfalls in Grenzen.

Wolfgang
WolfgangZ
Inventar
#33425 erstellt: 21. Apr 2026, 23:38
@ Franz wg. Interesses - kaufen werde ich eher nichts: Kennst Du die neue "Viererbande" auch praktisch dank Hörerfahrung?
Mars_22
Inventar
#33426 erstellt: 22. Apr 2026, 06:11
Ach so - der Begriff Viererbande ist schon vergeben für das Juilliard Quartett. Ich meinte 2 weiter oben das von Franz gezeigte Quatuor Ebene, von denen ich außer den Beethovens auch mehrere moderne Sachen habe. Es ist immer top notch.
boltwoodit
Stammgast
#33427 erstellt: 22. Apr 2026, 09:34
Danke an alle für die vielen, guten Tipps und die dazu geschilderten Eindrücke/Erfahrungen/Hintergründe, was die Streichquartette von Janacek und Beethoven betrifft.
Ich suche mich mal durch den Gebrauchtmarkt; ob es bei Beethoven gleich die GA wird, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht - ich bin ein arger Banause, denn eigentlich mag ich Beethoven nicht so besonders (iwie kommt der mir immer zu "streng" vor; Banause ist wahrscheinlich sogar ein Euphemismus in diesem Fall :)); Opus 131 will ich aber mal ausprobieren; vllt. wird das ja doch noch was mit ihm und mir.

Viele Grüße
bolt
op111
Moderator
#33428 erstellt: 22. Apr 2026, 10:39

WolfgangZ (Beitrag #33425) schrieb:
@ Franz wg. Interesses - kaufen werde ich eher nichts: Kennst Du die neue "Viererbande" auch praktisch dank Hörerfahrung?

Hallo zusammen,
das aktuelle Juilliard Quartett habe ich noch nicht gehört. Die scheinen aktuell auch nicht in der Nähe zu gastieren,
Das Quatuor Ebene ist in der aktuellen Besetzung im Oktober im Dortmunder Konzerthaus.
Da ist mir der Saal zu groß.
Im Kammermusiksaal der Essener Philharmonie wäre das was anderes.

Mir macht Quartett meistens zu Hause über die Monitor-Lautsprecher in ordentlicher Lautstärke am meisten Spaß.


[Beitrag von op111 am 22. Apr 2026, 14:31 bearbeitet]
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